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l Nachdruck verboten.)
ReueAt Telegramme.
Berit«, 4. Jan. Bei der Schutztruvpe für Südwestafrika wurden mit dem 3. ds. 9 Oberleutnants, 17 Leutnants, 1 Stabsarzt und 1 Assistenzarzt angestellt. Davon fallen auf Preußen 4 Oberleutnants, 9 Leutnants der In- {anterie, 1 Oberleutnant der Kavallerie, 2 Ober- eutnants und 2 Leutnants der Feldartillerie, 1 Leutnant der Pioniere, 1 Oberleutnant der Ingenieure und die beiden Sanitätsoffiziere; auf Bayern 1 Oberleutnant, 2 Leutnants, auf Sachsen 1 Leutnant der Infanterie, auf Württemberg 1 Leutnant der Infanterie und 1 Leutnant der Feldartillerie.
Berlin, 4. Jan. Ein Bericht aus dem Süden von Kamerun meldet, dem .L-A.'. daß die Aufstandsbewegung unter den Eingeborenen sich leider über ein ziemlich umfassendes Gebiet erstrecken. Die Ausstände im Gebiet des Ober-Rhong dehnen sich über folgende grobe Eingeborenen-Stämme au8: die Makka, 9tkm, Jelindc, Esos, Jetfong, Jebe- kole, Janguma. Bafib und Bodjue, Die Größe dieses Gebietes übrsteigt diejenige des Königreichs Sachsen und weist ungefähr 1000V waffenfähige Sieger auf. Diesen stehen nur zwei Kompagnien der deutschen Schutztruppe und einige kleinere Posten gegenüber. — Es wäre wünschenswert, daß man über diese Dinge Von amtlicher Seite Näheres hörte.
Pofe«, 4. Jan. Generallandschaftsdirektor b. Staudy, Mitglied des Reichstags und des Abgeordnetenhauses, ist anläßlich seines heutigen 80jährigen Dienstjubiläums zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt worden.
Paris. 3. Jan. Der .Eclair' behauptet, miß dem Weißbuche des Vatikans gehe hervor, daß Jaurös daS von ihm veröffentlichte Protestrundschreiben des Papstes gegen die Romreise Loubets, welches den Bruch zwischen dem päpstlichen Stuhle und Frankreich tatsächlich herbeiführte, vom Fürsten von Monaco erhalten habe.
Sydney, 3. Jan. Aus Neupommern ist das deutsche Kriegsschiff .Seestern" am 11. Dezember mit einer Polizeitruppe nach Ostafrika abgegangen. Die Bestimmung ist Kilwa. (Frkf. Z.) Schanghai, 3. Jan. Hier nehmen die Dinge wieder einen völlig normalen Verlauf. Die Schiffskommandeure beschlossen, zwei Drittel der Matrosen wieder einzuschiffen und das übrige
Die Brücke.
Roman von Willy Scharla«.
IST’ (Sortierung.)
r >Ec soll am Sonnabend kommen, Hanns schreib ihm das. Nicht eher — Egon hat erklärt, er führe am Sonnabend früh; er will nicht mit ibem Herrn Oertel Zusammentreffen. Laß ihn, Kind, cs wird sich schon alles zurechtzichen."
Ein starker Wemiutstropfcn in Hanna von Lingens Freude.
Gleich nach dem Frühstück lief sie nach oben zmd beantwortete Oertels Brief.
Sie hatte die letzten Vorbereitungen für die Nescheerung getroffen und übersah noch einmal .ihre Werke, als sie plötzlich ganz blaß wurde.
Der geliebte Mann erhielt ja ihren Brief erst ein nächsten Morgen, er durfte doch heute am heiligen Abend nicht ohne Nachricht bleiben. Eine Nachricht, die für ihn den Inbegriff aller Freude susmachte. Wie konnte sie das nur bisher der- vessen.
Eine halbe Stunde später ging eine Depesche ,vb an Doktor Hans Oertel in Friedenau: „Ja! Kommen Sie am Sonnabend mittag zu Papa. Hanns."
Marga stand mit dem Bruder unter dem ibrennendcn Christbaum, sie waren beide ganz allein.
i Unwillkürlich dachte Marga daran, welch ein« Dchar junger frischer Mädchen jetzt in Potsdam um, den schönen brennenden Christbaum im frosten Saale der Pension versammelt varen. Natürlich fehlten viele aus dem großen kreis, alle die, welche es ermöglichen konnten, rach Hause zu reisen. Aber eine große Anzahl »lieb doch zurück. Die kamen nun aus der Kirche, Hann fand die Bescherung statt, der Abend verlief Fi fröhlichster Stimmung, innigster Gemeinschaft. Denn dann die nach Neujahr Zurückkehrenden Erfuhren, Ivie schön es war, stieg förmlich ein <Be* ß»hl des Neides in ihnen auf, ___...._____
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain. -
Sonntagsbeilage: IUustrirtes Sonntaasblatt.
ebenfalls scharf Als ein revo- Dünaburg di»
Drittel als Demonstration bis zur endgültigen Beruhigung am Land zu laffen.
Vertretern der Behörden nach Gebieten entsandt werden.
General Orlow geht
eine starke Ernüchterung unter der Bevölkerung hervorgerufen, die im Süden mit der Auslieferung der Waffen beginnt. Sie hebt dabei hervor, daß sie sich nicht erhoben hätte, wenn die Revolutionäre nicht die Nachricht verbreitet hätten, daß Petersburg schon seit langem i« Besitz der Revolutionäre und weil sie einsähen, daß ton Petersburg keine Hilfe zu erwarten sei.
Tie Hilfsaktion für die Deutsche».
Memel, 3. Jan. Ter Dampfer „Kehrwieder" ist heute nachmittag um 1 Uhr nach Riaa in See gegangen. Nachmittags traf der Litauer Hakenschlepper „Vorwärts" hier ein; er hatte, dem „Memeler Tampsboot" zufolge, elf mit Geldmitteln versehene Reisende au? Libau an Bord.
Stettin, 3. Jan. Der Dampfer „Ostsee" ist heute vormittag um 9‘/2 Uhr in Swine- münde eingetroffen. An Bord befanden sich 24 Reichsdeutsche und ungefähr 60 Deutschruffen aus den russischen Ostseeprovinzen.
In den nächsten Tagen findet in Riga eine Versammlung der reichsdeutsche« Staatsangehörigen statt, behufs Absendung eines Memorandums an die konservative Fraktion des deutschen Reichstages über die Loge der deutschen Reichsangehörigen. Man geht von der Annahme aus, daß eine Interpellation im Reichstage beabsichtigt sei, eine Nachricht, die von der „Kons. Korr." bereits für unrichtig erklärt worden ist.
Verschiedene Meldungen.
Petersburg, 3. Jan. Viele Arbeiter nebst Familien verlassen die Hauptstadt, viele
Die revolutionäre Bewegung in Rußland.
Tie Riedertsetsung des Ausstandes in Maska« hat das dorthin entsandte Militär, namentlich die Semenow'sche Garde, mit erfreulicher Energie durchgeführt, sodaß die Regierungsgewalt in der Stadt wieder sicher hergestellt zu sein scheint. Neber die letzten Zuckungen der Emeute veröffentlichen englische Blätter inter- effante Einzelheiten, die von der deutschen demokratisch-linksliberalen Presse mit wehleidigen Bemerkungen begleitet werden, jedoch nur zeigen, mit welchem Schneid die treugebliebenen russischen Truppen vorgegangen sind und wie gefährliche revolutionäre Elemente sie unschädlich gemacht haben.
Dem „Dalli; Telegraph" wird aus Moskau berichtet, daß die A u f st ä n d i s ch e n in einem Teile der Stadt von einem Studenten namens Schmidt, dem Sohn eines reichen Fabrikanten, organisiert und kommandiert worden seien. Schmidt sei in einem der Kämpfe von den Truppen gefangen genommen worden. Der Oberst des betreffenden Re- giments habe ihn gezwungen, verschiedene blutige Kämpfe mitanzusehen, bei denen die Arbeiter maffen- haft fielen und verwundet wurden. Dies habe Schniidt so erschüttert, daß et den Obersten beschwor, das Leben der Insurgenten zu schonen. Dieser habe Schonung versprochen, falls Schmidt über seine Genossen und Freunde bolle Auskunft gebe, worauf Schmidt angeblich eingegangen sei. Tie Behörden nähmen nun daraufhin Verhaftungen vor. Die Insurgenten sollen nach Schmidts Aussage mit „Handschnellfeuerwaffen" englischen Fabrikats bewaffnet geivesen sein. Vermutlich handelt es sich um eine besondere Sorte Pistolen.
Wie dem „Standard" gemeldet wird, versuchten die in dem Pretznjanskaja Stadtteil von den Truppen bedrängten Insurgenten in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember über das Eis der Moskwa nach einer südlichen Vorstadt zu entkommen. Ein Bataillon Sappeure hatte jedoch in der Mitte des Flusses das Eis weggeschlagen, sodaß eine Spalte von 30 Fuß entstanden war. Die Insurgenten taumelten kopfüber in den Fluß, oder wurden, wenn sie von der Eisspalte zurückzuweichen versuchten, von der auf dem Südufer stehenden Infanterie erbarmungslos niedergeschossen. Es waren besonders gute Schützen ausgewahlt worden, um das Fluhufer zu säubern und sie feuerten eine Salve nach der anderen in die schreiende Menschenmasse. — In der Nähe des Observatoriums spielt sich ein erbitterter Kampf ab. Van den Dächern einiger hoher Gebäude feuerten Rebellen in wilder Verzweiflung mit Revolvern, während Scharfschützen des Militärs von einem nahe gelegenen Kircbturme aus mit tätlicher Sicherheit einen Insurgenten nach dem anderen abschossen. Immer wieder warf einer der Getroffenen die Arme in die Luft und stürzte hinunter in die brennende Straße. An Ergebung dachten die verzweifelten Leute nicht. Als einer von ihnen eine weiße Flagge aufzog, schossen seine Kameraden ihn nieder und hißten von neuem die rote Flagge der Revolution. Schließlich trieb das Feuer der brennenden Häuser die letzten Verteidiger von den Dächern. — In der Fabrik Prochorow wurden 4 0 0 0 Auf
ständische gefangen genommen. Man glaubt nicht, daß die Behörden wagen werden. Gefangene zum Tode zu verurteilen. Der Verlust aH Menschenleben ist, dem Korrespondenten de» „Standard" zufolge, ein weit geringerer, al» anfangs angenommen wurde. In dem Preßnjanski- Viertel hatte man bis zum 31. abends 250 Jnsur, gentenleichen und 50 Leichen von Soldaten gesunden« ««I kt« Oßscrptttzinzeu.
gegen die Revolutionäre vor. lutionärer Ctationschef hinter Beförderung seines Zuges verweigerte, ließ Orlow ihn nach dem „B. T." sofort aushängen. Das half, der Zug wurde expediert. DaS Ein- rücken des Militärs in den Ostseeprovinzen hat
Das Abou«eme«t auf die „Oberhefftfche Zett«««", daS größte, meiftgeleseuste «ad weit- verbreitetste Blatt Marburgö «ad -er Umge-end kostet vierteljährlich nur 2.25 Mk. Inserate habe« beste« Erfolg.
Marburg
Freitag, 5. Januar 1906.
Erscheint wöchentlich sieben mal.
Druck Md Verlag- Iah. Aug. Koch, UmveffMS-Bllchdnickerri 41. Jilhvg.
Marburg, Markt 21. — Telephon öS.
In Mi tau ist vorgestern Generalgouver- ncux Beckmann ein getroffen, welcher beauf» tragt ist, den Aufstand in Kurland niederzuwerfen. Vor allem sollen di» gesetzlichen Behörden wieder eingesetzt werden, welche gegenwärtig vertrieben find. Zu diesem Zwecke werden Truppenabteilungen mit den den einzelne«
Vierteljährlicher Bezugspreis: bet öet ExpHition 2 Mk, n bet allen Postämtern 2,25 Mk. kejcl. Bestellgeld).
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Großbritannien.
In England wie in Deutschland sind einflußreiche Personen und Körperschaften bemüht, ein besseres Verhältnis zwischen den beiden Ländern herzvstellen. Den geschworenen Deutschenhetzcrn in England patzt das gar nicht in den Kram, und sie suchen von der Germanophobie ihrer Lands, leute zu retten, was zu retten ist. Charakteristisch ist ein Aufsatz des militärischen Mitarbeiters der „Times" über den möglichen Verlauf eines deutsch-französischen Krieges. Die beiderseitigen Machtmittel werden ertoogen. und der Schluß gezogen, daß hundert Jahre nach Jena und Auer, städt die Franzosen Wohl kaum an eine lieber, legenheit des deutschen Heeres glauben würden. Aber das Ausscheiden Rußlands aus der Beteiligung an einem europäischen Kriege ist nach Ansicht des Gewährsmannes der „Times" ein Umstand, der die deuffchen Kriegsgelüsle fördert, weil Frankreich dadurch geschwächt werde. Er schreibt nun wörtlich: „Ist es bei einer so kritischen Lage der geeignete Augenblick für britische Staatsmänner, Menschenfreunde und Handelskammern, ernstlich daran zu glauben, daß sie der Sache des Friedens dienen, wenn sie sich Deutschland an den Hals werfen? Tie Herstellung der Freund- schäft zwischen England nnb Deutschland ist in sich selbst ein höchst wünschenswertes Werk, das aber nur dann genehmigt und verbürgt werden kann, wenn zwischen Deutschland und Frankreich geregeltere Beziehungen hergestellt sind. Diese Wendung tritt erst dann in Sicht, wenn Deutschland auf der bevorstehenden Konferenz klare und überzeugende Beweise dafür gegeben hat, das; es keine Angriffsabsichten hegt und die Festigkeit der Entente cordiale nicht dadurch erproben will, daß es mit einem vergifteten maurischen Pfeil uns zu treffen versucht. Beteuerungen unserer Hochachtung für Deutschland kommen besser erst später, wenn sie verdient worden sind. Zurzeit sind sie nicht zweckmäßig und sogar gefährlich, weil sie Frankreich schwächen und durch das Preß- bureau des deutschen Auswärtigen Amtes ausgesucht lverden, um den deutschen Chauvinismus zu ermutigen. Weit davon entfernt, die löblichen und edlen Absichten ihrer briti. schen Förderer zu erfüllen, geben sie eine indirekte Anlveisung zum Kriege ab." Die „Times" nennen alfo die Friedensbemühungen in ihrem eigenen Laude verächtlich „Sich Deutschland au den Hals werfen." Auf die erfreuliche Berftändigungs- aktion zwischen beiden Staaten wird dies hoffent- sich nicht ungünstig einwirken, aber es scheint uns trotzdem nützlich und angebracht, das Vorhanden- fein einer deutsch-feindlichen Waue in England nicht aus dem Auge zu lassen und ihre uuermüd. liche heimliche Wühlarbeit ans Licht der breitesten Oeffentlichkeit zu ziehen. Die Vi'unuenDergiffer sitzen jenseits, nicht diesseits des Kanals.
Und nun stand sie allein hier mit dem Bruder. Der Aermsie war krank, förmlich krank in der Er- Wartung dessen, was kommen würde.
Maigas Stimnmng wurde immer trüber, das Weinen war ihr nahe. Weshalb schrieb denn die in Wilhelmsburg nicht? Weshalb denn keine Zeile von ihr?
Marga hatte die Fremde doch schon lieb, ob. gleich sie nur ihr Bild sah, jetzt begann sie dies Fräulein von Lingen zu hassen.
Sie konnte sich garnicht freuen über die schönen Geschenke, welche die herzliche Liebe ihres Bruders ihr unter den Christbaum gelegt hatte, wie ein schwerer, quälender Gedanke lastete es auch auf ihr.
Da klingelte es.
Marga ging und öffnete. Der Telegraphenbote brachte eine Depesche für Dr. HanZ Oertel.
Daun fiel dic Tür zu, Marga stand mit dem Triegramm in der Hand allem in dem kleinen Korridor.
Das war die Enffcheidung.
Das junge Dina bebte am ganzen Körper. Und wenn sie — wenn sie nein sagte?
Ihr Atem flog, mit zitternder Hand riß sie des Papier aus: Nur zwei Worte konnte sie ent« Ziffern: „Ja — Hanns — alles wirbelte um sie herum. Die Füße versagten ihr den Dienst, sie wollte rufen, vermochte es aber nicht.
Marga mußte sich an die Wand lehnen, um nicht zu fallen.
So fand sie der Bruder.
„Was ist Dir denn, Marga?" fragte er rasch und faßte sie um. „Weshalb kommst Du denn nicht wieder?"
„Da — hier!" Rotierte sie. „Verzeihe — aber ich konnte nicht ander-."
Sie hielt dem Bruder die Depesche hin.
Im nächsten Augenblick hing sie an seinem Halse, weinte und lachte.
„Neste, nein! Nicht lesen. Ich will e- Dir sag«. A« siiMer Kan- — fie fagt ia.* .
Achtes Kapitel.
Arn Sonnabend nach Weihnachten kam Oertel nach Wilhelmsburg. Als er den Wagen des einzigen Hotels, in welchen» ein Mensch von Bildung absteigen konnte, und die Inschrift desselben sah, mutete es ihn an wie ein Ueberbleibsel aus längst vergangener Zeit. Hotel de Weimar — de Weimar.
Trotz seiner erregten Stimmung mußte der junge Mann lachen, es klang zu komisch, dieses de Weimar. Jedenfalls war sich der Gasthofsbesitzer über diese Geschmacksverwirruug völlig unklar, welche in der nndeutschen Zeit zu Anfang vorigen Jahrhunderts so lauten mutzte. Aber selbst dann, toemt er Einsicht genug besaß, nie würde er ge- tvagt haben, ohne Einwilligung der beiden Höschm den Namen zum Beispiel in Stadt Weimar oder Weimarer Hof zu ändern. Daran war nicht zu denken, und die Kammerherrin hätte einem Manne Don derartig aufrührerischen Ideen sofort ihre Gunst entzogen.
Als sich -Derlei auf den Weg zur Villa Lingen machte, klopfte sein Herz heftig, je näher er seinem Ziel tarn, um so ruhiger wurde er. Hanns hatte ja gesagt, das war die Haupffache, das war alles. Oertel war geneigt, die Zusammenkunft mit dem Vater für eine Formalität zu halten, welche keinerlei Einfluß ausübeu konnte. Er fand sehr bald, dem sei durchaus nicht so.
Der die Tür öffnende Diener betrachtete den Besucher erstaunt. Ein fremder Herr, nicht aus Wilhelmsburg, denn alle Wilhelmsburger kannte er, also von außerhalb, der nicht im Wagen kam, eine Merkwürdigkeit. Er nahm die Karte zwar, erklärte ober, Exzellenz wären unpäßlich, würden also keinen Besuch empfangen können. Auf die ruhige Aufforderung, die Karte zu überbringen, geschah dies zwar, Franz aber legte sich schon im Geist die ablehnende Antwort zurecht. Um so mehr erstaunt war er, den Herrn einlaffen zu dürfen.
Dann stand Hans Oertel vor dem alten Herrn, beide sahen sich prüfend an. Exzellenz war dem Kntretenderr einen Schritt entgegen gegangen.
Jetzt bot er ihm höflich die Hand und sagte: „Ich kenne den Grund ihres Kommens, Herr Doktor Derlei, wir wollen denselben also vorläufig bet feite lassen."
Er zeigte mit der Hand auf einen Sessel uns setzte sich selbst in die linke Sofaecke. Die Deck« mußte er sich schon selbst über die Füße legen, fc sehr ihm auch in Gegenwart eines Fremden derartige Familiaritäten zuwider waren.
Der alte Herr sprach leise aber lebhaft mit d-" weltmännischen Gewandtheit des viel erfahrenen Mannes. Hans Derlei Programm, das er sich sauber und ordentlich zurechtgelegt hatte, ging einmal wieder gänzlich in die Brüche.
Zuerst sprach Erzellenz, dann ließ er mehr und mehr dem Besucher das Wort, und Derlei gab sich mehr und mehr, wie er war, ohne Umschweife und Bedenken. t m
Durch eine hingeworfene, treffende Bemerkung, durch eine Frage hielt ihn der General genau in dem Fahrwasser, in welchem er steuern sollte. Zu« weilen schüttelte Erzellenz unwirsch. den Kopf, wenn der vor ihm Sitzende mit der größten Harmlosigkeit Ansichten äußerte, welche hier nur $» denken ein Verbrechen war, und geschah es selbst nur int stillen Kämmerlein. Dann wieder nickt- er befriedigt. „ ,
Und ohne daß Oertel es merkte, er bestand ein Rigorosum, erfuhr Herr von Lmgen alles was ihm wissenswert erschien.
Angenehm fiel ihm die sichere, und doch seine Weise des jungen Mannes aus. Nichts von den ihm so mißliebigen Manieren, welche er so oft an den jungen Herren der Gesellschaft beobachten mußte. ,
Oertel wußte. Wo er mit seinen Händen ölet« bei sollte, steckte sie Weder in den Hosentaschen, noch spielte er mit irgend einem Gegenstand. Wozu sich die Quasten an den Lehnen seine- Sesiels sörntlich aufdrängten.
Jetzt wußte 6er alte Herr alles. Was er Wissen wollte.
Wortsetzung folgt.)