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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Fiach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Gberheftrsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sann- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch dir Post bezogen 2,35 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitnngSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag 31. Dezember 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gepalt«ne Zeile oder deren Rau« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Anq. Koch, llniaersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. Hrtzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Bestellungen
sstk das erste Quartal 1S10 mif He „Oberhefsische Zeitung" nebst ihre« Beilagen werden van unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Sir^ß/rin, Reustadt, Wetter, ESS- varf»-Hachborn, Heskem-Mölln, Sei« denh » seu und Drethause« sowie von allen HostanstaUen und Landbrieftriigern entgegenge- nommeu.
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Gesetze, die am 1. Januar 1910 in Kraft treten.
Am 1. Januar 1910 tritt die am 28. Dezemb. 1908 zur Gewerbeordnung erlassene Novell« tn. Kraft. Danach besteht in Zukunst die Verpflichtung zum Erlasse von' Arbeitsordnungen nicht nur für Fabriken, sondern für alle gewerblichen Betriebe, welche mindestens 20 Arbeiter beschäftigen. Wesentliche Aenderunqen haben die Vorschriften über die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen erfahren. Es ist ihnen nach Beendigung der täglichen Arbeitszeit eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens 11 Stunden zu gewähren. Die zulässige Arbeitsdauer ist für Arbeiterinnen auf 10 Stunden, an den Vorabenden von Sonn- und Festtage« auf 8 Stunden beschränkt und darf nicht über 8 Uhr abends dauern und nicht vor 6 Uhr morgen« beginnen. Am Sonnabend, sowie an den Vorabenden der Sonn- und Festtage mutz die Beschäftigung von Arbeiterinnen um 5 Uhr nachmittags enden. Wöchnerinnen dürfen vor «nd nach der Niederkunst im ganze« während 8 Wochen nickst beschäftigt und erst nach Verlauf von 6 Wochen wieder eingestellt werden. Die Uebertragung von Arbeit zur Verrichtung anherhalb des Betriebes an Sonn- und Festtagen ist verboten. Die Verwaltungsbehörde darf Abweichungen von den gesetzliche« Vorschriften über die Pausen mit Rücksicht auf die Nätur des Betriebes nur nach Anhoren der ?kündige« Arbeiterausschusses oder der Arbeiter elbst gestatten. Durch eine wertvolle Vereinfachung der Verfahrens zur Erlangung der Erlaubnis von Ausnahmen bei austergewohn- licher Häufung der Arbeit und bei Ueberarbett wird außerdem dem Bedürfnis der Industrie nach möglichster Beschleunigung der Entscheidungen Rechnung gettagen und den Behörden eine grobe Erleichterung geschaffen.
Desgleichen tritt am 1. Januar 1910 in Kraft das Gesetz über den Versicherungsvertrag vom 30. Mai 1908, und führt damit eine reichsgesetzliche Regelung der Privatverstcherungsver« träge ein. Es findet keine Anwendung auf die Jnnunaskrankenkallen, die Knappschafiskassen und andere Verbände, deren Tätigkeit eine Ergänzung der Arbeiterversicherung bezweckt, litt«
$3 (Nachdruck verboten.)
Was Gatt zulamtneit«refug1 —.
■■■ Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Renate war um vieles ruhiger geworden. Als Paula gegangen war, schrieb sie sofort an 5eorg.
Mein geliebter Georg?
Sagen will ich Dir, daß ich an Dich glaube und daß mein Herz Dir nach wie vor in inniger Liebe gehört. Es ist nicht wahr, daß Du mich aufgegeben hast aus eigennützigen Gründen? Es kann nicht wahr sein! Ich glaube es auch meinem Vater nicht. Ich müßte es von Dir selbst hören, wenn ich es glauben sollte. Ach, mein Georg, weshalb bist Du von Deiner Renate gegangen? Was hat mein Vater Dir angetan, daß Du mich in meiner Herzensnot allein lassen konntest? Weißt Du nicht, wie qualvoll ich mich danach sehne, bei Dir Trost zu suchen? Lieber, das Herz würde mir brechen, wenn ich von Dir lassen sollte. Ich habe Papa gesagt, daß ich es von Dir selbst hören will, was zwecken uns steht. Das München von Teitr r= meintlicken Eigennutz glaube ich nic' Ich kenne Dich doch, mein Geliebter, Deinem reinen, stolzen Sinn ist niedrige Berechnung fremd. Ich bin Dein — was man auch zwischen uns stellen mag. Wir werden mutig alles überwinden. Und selbst gegen meines Vaters Wunsch würde ich Dir folgen, wenn er Nicht endlich nachgibt. Bitte, antworte mir schnell. Ich bin todestraurig über Dein Fortgehen! Wärst Du doch geblieben, damit wir vereint um unser Glück hätten kämpfen können? Leb wohl, mein innig geliebter
berührt bleiben auch die landesgesetzlichen Vorschriften Wer Bersicherungsverhältnisse, die bei einer nach Landesrecht errichteten öffentliche« Anstalt unmittelbar krast Gesetzes entstehen, oder bei einer solchen Anstalt infolge eines gesetzlichen Zwanges genommen werden. Für bereits bestehende Verstcherungsverhältnisse soll das Gesetz dann Anwendung finden, wenn fie nicht für den ersten Termin nach Inkrafttreten des Gesetzes gekündigt werden. Gegen die häufige Besttmmung in Versicherungsbedingungen, wonach der Vertrag im Falle unterbliebener Kündigung für die gleiche Zeit als verlängert gilt, wendet sich das Gesetz, indem es eine stillschweigende Verlängerung des Ver- ttages insoweit- nichtig erklärt, als sich die jedesmalige Verlängerung auf mehr als ein Jahr erstrecken soll. Eine Erhöhung der Gefahr der die versicherten Sachen oder Personen ausgesetzt find, darf der Verficherungsnehmer nur mit Einwilligung des Versicherers vornehmen. Die Prämie ist sofort nach Abschluß des Versicherungsvertrages und, wenn ein Versicherungsschein (Police) ausgestellt ist, nur gegen dessen Aushändigung zu zahlen. Wird die erste Prämienzahlung nicht rechtzeitig bewirft, so ist der Versicherer von der Verpflichtung zur Leistung frei, wenn der Versicherungsfall vor der Zahlung eintritt. Für die Entrichtung der zweiten unb späteren Prämien gilt dies nur dann, wenn der Versicherungsnehmer eine ihm geletzte Zahlungsfrist fruchtlos hat verstreichen lasten. Die von vielen Versicherungsanstalten bisher ausgenommen« Besttmmung, nach der sie sich das Recht ausbedingen, im Falle der Weigerung zur Vornahme einer ärztlichen Untersuchung den doppelten Bettag der Jahresprämie als Strafe zu fordern, ist künftighin unwirksam.
Vortragende Rat im preußischen Justizministerium, Heyer, sind zu Reichsgerichtrräten ernannt worden. — Der „Staatsanzeiger" meldet: Dem Professor an der Universität Breslau, Felix Dahn, wurde der Ster« zum Kronenorden erster Klasse verliehen.
— Bom Lehrerverein. Straßburg, 29. Dez. Der Elsaß-Lothringisch« Lehrer-Verband hat sich in seiner heutige« Vertreterversammlung für den Anschluß an de« Deutschen Lehrerverein ausgesprochen.
— Die Beschwerde der Kattowitzer Lehrer verworfen. Der Kultusminister hat die Beschwerden der drei Kattowitzer Lehrer Wiend- lorha, Münzer und Wystrychowski gegen ihre Versetzung in kleine Landgemeinde«, die bekanntlich infolge ihres (Eintretens für die polnischen Kandidaten bei der Stadtverordnetenwahl verfügt worde« ist, zurückgewiesen.
— Beschlagnahme. Berlin, 29. Dez. Die Meldung, daß die deutsche Regierung bei dem Bankhause Mendelssohn u. Co. Depots der russischen Regierung mit Beschlag belegt habe, ist falsch: die Beschlagnahme erfolgt« durch Gerichtsbeschluß auf Grund eines in einem privaten Rechtsstreit ergangenen Urteils des Gerichts Kiautschoü. Die Anwesenheit eines Sonderbevollmächtigten der russischen Regierung in Berlin läßt vermuten, daß private Bet- gleichsverhandlunge« beoorstehen.
— Das Verfahre« gegen de« Abg. Bruhn wegen Verdachtes der Teilnahme an dem Vergehen der Erpressung soll durch Tagung des Parlamentes keine Unterbrechung erleiden, da Herr Bruhn einen Antrag auf Einstellung des Verfahrens nicht stellen will. Die Hauptverhandlung wird demnach vermutlich schon im Frühsommer stattfinden.
Deutsches Resch.
— Kaiser und Papst. Berlin, 28. Dez. Die ^Germania" entnimmt einem italienischen Blatte das Dankschreiben des Papstes Pius X. an den Deutschen Kaiser auf die Gratulatton zum Bischofsjubiläum. Das Schreiben lautet hiernach auf Deutsch: „Sire? Die Glückwünsche, welche Ew. Majestät mir aus Anlaß des 2ssjäh- ttgen Gedächtnistages meiner Bischofsweihe zu senden die liebenswürdige Aufmerksamkeit hatten. haben mich lebhaft bewegt. Ich will deshalb meinen tiefen Dank aussprechen für die Sympathie, von der Hochdieselbe mir eine neue und so kostbare Versicherung geben wollten. Dafür bett ich zu Gott, Sire, daß Er auf Jbre erhabene Person, auf die kaiserlich« Familie und auf den Staat und Ihr« U tertanen reiche Segnungen ausgieße, indem ich besonders darum bitte, daß Ew. Majestät der Liebe Ihrer Untertanen noch lang« erhalten bleiben, zum Segen des Deutschen Reiches. Pius X."
— Ernennung und Auszeichnung. Berlin, 29. Dez. Der „Reichsanzeiger "meldet: Der Reichsgerichtsrat Stephan Hoffmann ist zum Senatspräsidenten beim Reichsgericht, der badische Landgerichtsdirektor Duerr und der
Georg, ich bin mit fettem Atemzug bis in alle Ewigkeit
Deine Renate.
Als der Brief fertig war, trug sie ihn selbst zur Post. Dann suchte sie ihre« Vater auf und teilte ihm ruhig mit, daß sie an Georg geschrieben hätte. Er sagte nichts dagegen, wußte er doch, daß ihr Brief «rftlglos fein würde. Inzwischen war Zeit gewonnen und et konnte auf Renate mit seiner väterlichen Liebe und Autotttät einwirken. Liebevoll umfaßte «x fie und fragte, ob fie abreisen oder noch bleiben wollten. Wenn fie es wünsche, wollte er noch eine schöne Reise mit ihr und Mary unternehmen. :
Renate danfte ihm. „Laß uns noch einige Tage hierbleiben, Papa, bis ich Georgs Antwort habe. Dann wollen wir nach Rodenfels gehen, wenn es Dir recht ist," sagte fie ruhig und gefaßt.
Coulmann stimmte zu. Jeden Wunsch wollte er ihr erfüllen, wenn fie nur vernünftig war und sich in diesem einen Punkte fügte. —
Am Abend saßen alle scheinbar ganz wie sonst bei Paula in der Loggia. All« sucht«« unbefangene Mienen zu heucheln und man unterhielt sich sehr lebhaft, um keine Pause «intteten zu lassen, die in so gespannter Stimmung immer peinlich wirft. Am stillsten war Mary. Als fie vor dem gemeinsamen Abendessen endlich die Schwester zu Gesicht bekommen hatte, war sie ihr weinend um den Hals gefalle«. — „Meine arme liebe Schwester wenn ich Dir doch helfen könnte?"
Renat« war tapfer geblieben. „Mach mich nicht weich, Mary, ich muß tapfer sein und um mein Glück kämpf««. Die Hoffnung habe ich nicht verloren. Laß Du Dir Dein Glück durch mein Leid nicht trüben und zögere Deine Verlobung nicht hinaus. Papa ist jetzt sehr weich
Ausland.
** Aus dem österreichischen Herrenhause. Wien, 29. Dez. Im Herrenhause begann die Beratung des Budgetprovisoriums. Grabmayr gedachte der ftiedlichen Lösung der Annexionskrise. die auch der Dundestreue des Deutschen Reiches zu danken sei, begrüßte die Reform der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses und trat den daran von manchen deutschen Kreisen geknüpften Befürchtungen für di« Deutschen entgegen. So lange die deutsche Einigkeit ge- wahtt bliebe, glaube er nicht an die Möglichkeit einer Vergewaltigung der Deutsche«. Die volle Gesundung des Parlaments aber sei nur möglich, wenn der deutsch-tschechische Ausgleich endlich gelinge. Ein Svstemwechsel wäre lebhaft zum beklagen. Er verweise aus di« großen Sympathien, welche Ministerpräsident Freiherr v. Bienerth infolge seiner korrekten national unparteilichen Geschäftsführung im Haus« genieße. Der Redner wandt« sich sodann gegen die Aufteilung bet Portefeuilles nach einem festen Ziffernschlüssel. Er wünsche dem Ministerpräsidenten noch recht viele glückliche Tage und rufe den Deutschen sursum corda zu. (Lebhafter Beifall.)
und milde, weil er mir meinen Herzenswunsch versagen zu müssen glaubt. Mache Dir das zunutze! Bernhard Trautmann wird ihm ja ein wünschenswerter Schwiegersohn fein."
„Ach — mit scheint es jetzt wie ein Unrecht, an mein eigenes Glück zu denken, da ich Dich unglücklich weiß."
„Törichtes Mädchen, als ob mir Deine Selbstkasteiung etwas helfen könnt«. Im Gegenteil Dein Glück wird mich aufheitern."
„Wirklich, Renate?"
„Ganz aewiß. Denk Dich doch mal an meine Stelle! Würde Dir wohler fein, wenn ich dann wenioer glücklich wäre?" .
„Rein, sicher nicht."
„Allo sei vernünftig und laß Deinen Bernhard nicht länger in Not und Pein. Lange genug hat er warten müssen, bis er soweit gekommen ist!"
Mary atmete tief auf.
„Ja — er ist auch sehr ungttmldig, Renate. Du meinst also wirklich, daß ich ihn zu Papa schicken soll?"
„Ja. Du goldene, törichte Mary."
„Dann soll er gleich morgen mit ihm sprechen."
Und am nächsten Tage stand wieder ein Freier vor Fritz Coulmann und bat um die Hand seiner Tochter Mary. Dieser Freier wurde nickt abgewiesen, sondern mit freudigem Herzen willkommen geheißen. Mary Coulmann war die glückliche Braut ihres Bernhard.
Mit welchen Gefühlen las Georg Rodenfels Renates lieben Brief. All fein eignes Leid, feine eigne Verzweiflung trat zurück vor der zärtlichen Sorge um fie. Wie sollt« et fie überzeugen, daß an eine Verbindung zwischen ihnen nicht zu denken war? Die Wahrheit durfte fie
*# Frankreich. Patts, 29. Dez. Die Kammer n«chm beute Nachmittag in der fortgesetzten Beratung der Vorlage betreffend die Reform des Zolltarifs einen Zufatzantrag an, wonach jeder Industrielle oder Handelstreibende, der mehr als fünf Arbeittr beschäftigt, die ihren Wohnsitz nicht in Frankreich haben, einer besonderen Steuer unterworfen ist, deren Betrag, durch das Finanzgesetz festzusetzen ist. Schließlich wurde der letztt Artikel der Vorlage angenommen, nach welchem das Gesetz am 31. März 1910 in Kraft treten soll. ,
** Regierungswechsel i« der Türkei. Konstantinopel, 29. Dez. Der Sultan nahm die Demission des Eroßwesiers an. Die Ernennung des Botschafters in Rom, Hakki Bei, zu feinem Nachfolger steht bevor.
•* Zur Ermordung der beiden Forschungsreifenden. Konstantinopel, 29. Dez. Nach dem „Jkdam" ließ der Wali von fernen, der sich an de« Ort der Ermordung der <>orschungsreifen- den Burckhardt und Benzoni begehen hat, fünf Einheimische verhaften.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 del Urheberrechts nur mit der deutlichen Ouellenangabi .Oberheff. Zig." gestattet.)
Marburg, 30. Dez.
)( Städtisches. In einer gestern Abend abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten stand zunächst die Beschlußfaffung über die Gültigkeit bet Stadtvetordnelenwahlen der 3. und 1. Klaffe auf bet Tagesordnung. Bei der dritten Abteilung kam in Bettacht, daß sowohl bei der Hauptwahl tote auch bei der Stichwahl nicht ganz vorschttstS- i mäßige Wählerlisten vorgelegen haben, well bet1 Bennett bezüglich bet noch nicht bezahlten Steuern j erst nach bet Offenlegungsfttst beigefügt worden sei. Da von 131 In Betracht kommenden Wählern 6«r dritten Klaffe bei der Hauptwahl jedoch mit 8 und bei der Sttchwahl nut 2 ihr Wahlrecht ausgeübt hatten, nahm man an, daß diese keinen Einfluß auf den Ausfall der Wahl ausgeübt haben konnten. Die Wahl wurde deshalb für gilüg er« klärt, nachdem auch der Stadiv. Brauet dafür ein« getreten war. Bei bet 1. Abteilung war ine Wahl vorfchriflsmäßig erfolgt und konnte diese deshalb ohne weiteres genehmigt werden. Es schloß sich eine vertrauliche Sitzung an.
* Kurhesstscher Verein für Luftschiflahtt. Schon in der konstituierenden Sitzung im Oktober wurde der Votttand des Vereins ermächttgt, Verhandlungen wegen des Ankaufs eines Ballons bis zum Betrage von 5000 Jt zu führen. Es war dabei von vornherein in Aussicht genommen, die gün- ftige Gelegenheit zu benutzen, die sich durch den Schluß der Jla bot, einen der dort zu Aufstieaen schon benutzten Ballons zu erwerben. Die Verhandlungen des Votttandes, insbesondere von Herrn Rechtsanwalt Dr. Külz geführt, haben nunmehr zu dem höchst erfreulichen Ergebnis geführt, daß der Ballon des Herrn Kommerzienrats Louis -- 1 ' " = --------
um keinen Preis erfahren, er sah an sich selbst, wie furchtbar und vernichtend diese Wahrheit wat. Sie zetstöttt alles, was gut und schön am Leben war. Sie durfte nie erfahren, daß ihre Liebe Sünde wat, daß sie beide mit reinem Herze« schuldig geworden waren. Allez würde sie eher ertragen als das. Arn schnellsten würde fie ihn vergessen, wenn sie ihn verachten konnte. Und vergessen mußte sie ihn, wenn sie nicht glücklos bleiben sollte fürs ganze Leben. Ihre Verachtung würde fie heilen von dieser Liebe, die doch Sünde war, und nur dadurch konnte et ihr geliebtes Leben vor Vernichtung schützen.
Et hatte die letzten Tage in unbeschreiblich martervollen Gedanken und Gefühlen verbracht. Nun riß ihn Renates Bries aus dem bumpfen Dahinbrüten auf. Er mußte handeln, für fie — um ihr die Rühe wiedetzugeben. Schatt und tief mußte er in ihre Seele schneiden, um fie zu heilen. Et mußte ihr Schmerz zufügen, um st« nicht in trügerischen Hoffnungen hinzuhalten. Wie schwer ihm das wurde, daran buffte et nicht denken.
Er setzte sich hi«, um an sie zu schreiben, aber wieder und roieber mußte er das Geschriebene vernichten, weil es zu viel ober zu wenig sagte. Mit zusammengebissenen Zähnen ging er endlich an das schwere Werk. Schnell roarf et folgende Worte auf einen Briefbogen:
Mein hochverehrtes, gnädiges Fräulein!
Es ist mir seht schmerzlich, Ihnen sage« zu müssen, daß ich auf bas Glück verzichten muß, Ihnen meine Hand fürs Leben zu reiche«. Sitte, glauben Sie Ihrem Herrn Vater alles, was er übet mich sagt — et sprach die Wahrheit? Ich bin nicht wert, von Ihnen geliebt zu werde« — vergessen Sie mich!
Hochachtungsvoll ergebens? , Georg von Rodenfel«. _ (Fortsetzung folgt.) -1