Einzelbild herunterladen
 

t

Marburg

14. Jahrg.

305

nebst

Di«

(Nachdruck verboten.)

62

igen, was ge-

a« Katholiken ausgetan sind: Melanenhof, Reuhof, Sternau, Götzendorf, Lotty; in dem angrenzenden Kreis« Tuchel liegen die katholischen Ansiedlungs- dörfer Grochowo sowie Zwangsbruch. Diese ka­tholische« Ansiedler schließen sich unmittelbar an die Nachkommen der unter Friedrich dem Große» hier angesiedelten westfälischen Katholiken. j

ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs- darf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei- denhckfrn und Dreihausen sowie von allen Postanstflkttn und Landbrieströgern entgegenge- nommen.

ihr beträgt für bie 7gespalten« Zeile Pfennig, fae Reklamen 80 Pfennig. h. Tua. Koch, llnioerfitätsbu chdruckerei th, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Ja, ich habe seine Erlaubnis bereits. Ach liebe teure Frau Profesior, Papa hat eine so schlechte Meinung von Georg. Es ist fa nur die Sorge um mein Glück, die ihn so hart macht.«

Recht so, liebes Kind, lasten Sie Ihrem, Pater Gerechtigkeit widerfahren und verhärten Sie Ihre Seele nicht aegen ihn. Sicher will er Ihr Bestes. Sie müsten ihn nur durch Ruhe und Behaarlichkeit überzeugen, daß es wirklich zu Ihrem Besten ist, wenn er Sie mit Georg glücklich werden laßt. Vielleicht will er Sie nur prüfen und erproben, wie tief und fest Ihre, Neigung ist. Vielleicht wird noch alles gut und diese Prüfung wird Ihr« und Georgs Liebe noch vertiefen!"

Renate umfaßte die gütige Frau und küßte sie innig auf die Wange.

Liebe teure Frau Profestor, nun ist mir schon viel leichter zumute! Tausend Dank für Ihre lieben Worte, die ich beherzigen werde."

Das ist recht, Renate, fo gefallen Sie mir?"

Und nicht wahr, Frau Profestor, wenn Sie Gelegenheit haben, mit meinem Vater über Georg zu sprechen, dann sagen Sie ihm, wie Sie über ihn denken. Ihnen wird er eher glauben als mir, daß Georg ein guter und ehrenhafter Mensch ist." , _ '

Das will ich gerne tun. An mir soll Ihre Liebe überhaupt ein« treue Verbündete haben. Nun fasten Sie sich i- Geduld und reizen Sie, Ihren Vater nicht durch Widerspruch! Wenn Ihnen das Herz schwer ist, kommen Sie zu mir und sprechen Sie sich aus. Und hier ist Georgs Visitenkarte sie enthält seine Adreste. Wahr» fcheinlich ist er doch »ach Kiel prrück."

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

Zur Beisetzung deg Großfürsten Michael.' Berlin, 8. Dez. Der Kaiser beauftragte de» Prinzen Friedrich Leopold mit seiner Vertre- tung bet der Beisetzungsfeier des Großfürsten Michael von Rußland in Petersburg.

Zum Tod« Ernst v. Mendelssohns. Bei den Angehörigen des so plötzlich verstorbenen Wirklichen Geheimen Rats Ernst von Mendels­sohn-Bartholdy sind im Laufe des gestrigen und heutigen Tages zahlreiche Kondolenz-Tel«, gramm« eingelaufen. Der Kaiser, di« Kaiserin, Zar Nikolaus II., Ministerpräsident Stolypin, der russische Handelsminister Timaschew und der Finanzminister Kokowzews der ftühere Minister Witte, Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg, der Präsident des Herrenhauses v. Manteuffel u. a. drückten ihr Beileid aus. Die Leiche, die gestern abend von Dresden nach Berlin überführt wor­den ist, wird, wie bereits berichtet, im Bank­hause Jägerstraße 53 aufgebahrt, wo am Mitt­woch, mittags 1 Uhr, die Trauerfeier statt­

Bestellungen fürdaS erste Quartal ISIS

uf dieOderhessische Zeitung"

aufmerksam zu. Als Renate zu Ende war, sagt« st« nachdenklich:

Ihr Vater scheint schwerwiegende Gründe für sein« Weigerung zu haben."

Renate sah sie flehend an.Aber Sie glauben doch nicht daran daß Georg um Geld und Eeldeswert mich aufgegeben hat? Teure, gnädige Frau, Sie kennen ihn doch, nicht wahr, einer solchen Handlungsweise ist er doch nicht fähig?«

Davon bin ich fest überzeugt, mein liebes Kind. Georg von Rodenfels ist ein ehrlicher Mann und ein edler Eharakter. Ein anderes Hindernis muß vorliegen. Da sehen Sie, was er mir geschrieben hat!"

Mit zitternden Händen nahm Renate die Karte. Sie las und drückte die Zeilen in­brünstig an ihre Lippen. Ihre Augen leuchteten auf.

Ach ja, ich wußte es ja. Nicht freiwillig ist er gegangen, ein unerhörter Zwang ist auf ihn ausgeübt worden. Liebe, gnädige Frau, Sie muffen mir seine Adresse geben. Gleich will ich ihm schreiben, ihn fragen, warum er mich so ohne Abschied verlassen hat und ihm sagen, daß ich ihm bis zum letzten Atemzug angehöre."

Paula strich ihr liebreich das Haar aus der Stirn.Vor allen Dingen Ruh«, mein liebes Kind, und mutig den Kopf oben behalten. Wollen Sie nicht lieber abwarten, was Georg mir schreibt?"

Nein, ich muß ihm sagen, was ich empfinde. Er ist verzweifelt Sie lesen «s ja selbst soll ich ihn ohne Trost lassen?"

Wird Ihr Vater erlaube«, daß Sie Hm schreiben?"

schehen ist? Vielleicht kann ich Ihnen die Mutter ersetzen, mein armes Kind. Eie wissen,

findet.

Preußisch« Landtagswahlstatistik.

im Statistischen Landesamt fertiggestellten Uebersichten über die Ergebnisse ber Landtags- Wahlen im Jahre 1908 sind nunmehr im Druck erschienen und in derBerl. Eorr." veröffent­licht. Die Statistik will im einzelnen darlegen, wie di« bisherig« preußisch« Wablverfaffung die

Politische Umschau.

Ein« Verdächtigung. ' '

Unter der Ueberfchrist ,«u8 der Firma chrift- lich-sozial" stand kürzlich im ,Siegener Volksblatt" folgendes zu lesen: ,Es war einmal im schöne« Orte Friedensdorf. Da passierte eint ganz wun­derliche aber höchst liebliche Geschichte, die selbst einem Reichstagsabgeordneten Kopfschmerzen be­reiten könnte. Wir aber werden sie unS merken für paffende Gelegenheiten. Denn wenn wir heute in­diskret wären, so würde wahrscheinlich der Erfolg der sein, daß Herr Schack eine« Kollege« in der .Nervenheilanstalt" bekäme. Mr aher wisse« jetzt, weshalb Herrn Schack an gewisser Stelle so ener­gische Verteidigung erwuchs. Ja, hoch di« Triol«! Weshalb hier nur Vie sittliche Entrüstung des Volk" sprachlos ist?" Auf diese ganz unzweideu- ttge Klatsch-Geschichte reichten sofort die christlich- sozialen Reichstagsabgeordneten Dr. Burkhardt und Behrens Klage ein. Daraufhin meint da- .Siegener Volksblatt": .Kein Mensch kann auS unserer Rottz heraus lese«, daß wir einem Reichs­tagsabgeordneten eine Schackschäckerei nachgesagt hätten"; und mit Bezug auf die natürlich« Frag« mehrerer Blätter: wer ist gemeint? schreibt daS Blatt: Ach, du liebste Zeit, da hätten wir viel zu tun, wenn wir durch solche dreikäsehohen Droh­ungen unSeinschüchtern ließen. Nach der Staatsbürger-Ztg." ist der einzige Kem der dunk­len Andeutungen des »Siegener Volksblattes" an­scheinend eine Behauptung, die der Lehrer Hendors in Niederdieten über den Sekretär Ostehr verbrei­tet, und um derentwillen Ostehr Hendors bereits verklagt habe. DieFrkf. Ztg." meint zu der Affäre: »Der Triolen-Andeutung der .Siegener Volkszeitung" scheint doch nichts Positives zu Grunde zu liegen. Das Blatt sagt jetzt in einer Polemik, daß der Hinweis auf Schack ironisch zu nehmen gewesen sei. Da Reichstagsabg. Franz Behrens im .Reich" erfiärt, daß gegen den Ur­heber der Notiz Beleidigungsllage erhoben sei, wird man ja aus der Gerichtsverhandlung erfah­ren, waS eigentlich gemeint war. Das hätte das Siegener Blatt gleich Har sagen sollen." Das stimmt ist unseres Erachtens nur etwas reichlich milde ausgedrückt. Es handelt sich doch ganz ein­fach um eine Verdächttgung, die die persönliche Ehrenhaftigkeit von Männern, die im öffentlichen Leben stehen, verletzt. Wäre diese von einem Blatt der Rechten ausgegangen, so würde die gesamte liberale Presse mit Recht über dasselbe her­fallen, jetzt ist es relattv füll im liberalen Blätter­wald nur eine ganz leise Abwehr ist zu verneh­men. Hoffentlich werden die Gerichte dem »Siege­ner Volksblatt" Hat machen, daß man sich solche .Scherze" nicht leistet.

Die AnstedlungSkommissio« erwarb im Streife Löbau ein Grundstück, im Kreise Hohensalza eines in der Größe von 200 Morgen, im Kreise Könitz ein Grundstück von 250 Morgen und im selben Kreise das Gut Frankenhagen in Größe von 538 Morgen. In dem letzteren Kreise sind eine ganze Reihe von Anstedlungsgütem, die

ich habe Sie sehr lieb gewonnen.«

Renate erzählte mit fliegenden hastigen Worte» alles, was sie sttbst wußte, Paula hort«

Bitte, liebe gnädige Frau darf ich wissen, Was Herr von Rodenfels als Grund seiner plötz­lichen Abreise angibt?"

Paula reichte ihr Georgs Karte.Lesen Sie selbst, was er mir schreibt.

Mary las und gab die Kart« zurück.

.Ich verstehe das alles nicht!" sagte sie leise. Wir werden ja Näheres hören, liebes Kind.

Do: läufig können »tr nichts tun, als abwarten." Frau Werner machte ein unbehagliches Ge­sicht. Ihr schien es jetzt auch, als ob etwas nicht In Ordnung fei.

Mary wandte sich wieder an Paula.Liebe Brau Professor, ich bange mich so sehr um mein« chwester. Papa hat mir verboten, zu ihr zu

praktischen Wahlergebnisse gestaltet hat, was besonders instruktiv mit den Ergebnissen frü­herer Wahlen geschieht. Insbesondere wird auch mit großer Gründlichkeit beleuchtet, wie die Steuerleistungen die Verteilung der Ur­wähler auf die drei Abteilungen des Drei­klaffenwahlrechts beeinflussen, welche Wahr- nehmungen über die Abgrenzung der Klaffen zueinander gemacht worden sind, wie die städtl-, schen und die ländlichen Bezirke sich zueinander verhalten, welche sozialen Schichten auf Grund ihrer Einkommensteuerstufen den einzelnen Ab­teilungen angehören, und mit welchen Steuer- beträgen sie Aussicht haben zum Aufsteigen in die nächsthöhere Wahlklasse. Ferner wird fest­gestellt, in welchem Matze die einzelne« Abge­ordneten bei ihrer Wahl von den Landesteilen und den Parteirichtungen der Wähler abhängig sind.

Zur Ermordung Burckhardts. Rom, 28. Dezember. DieAgenzia Stefani" veröffentlicht folgende Mitteilung: Der Generalkonsul in Hodcida benachrichtigte den Minister der Aus­wärtigen Angelegenheiten telegraphisch, der Mali habe ihm versichert, daß Truppen und Be­amt« an den Tatort geschickt würden, um eine Untersuchung über die Ermordung Burckbardts und Benzonis anzustellen. Nach einer Mittei­lung der türkischen Behörden habe sich der Mord ereignet, während die beiden Reisenden ab­seits vom gewöhnlichen Wege in der Nähe von

sie ihr Kind nicht zu schützen. Wollen Sie Ver­trauen zu mir haben und mir ka, schehen ist? Vielleicht kann ich

Schicksal Elfaß-Lothringens ordnen müßten. Das ist natürlich ein Standpunkt, der für uns Deutsche gar nicht diskutierbar ist. Elfaß- Lothringen ist deutsche, Gebiet, und demzu­folge hat Frankreich bei der Bestimmung des Schicksals dieses Gebiets ebensowenig mitzu­reden, wie etwa wir bei franMschen Be­stimmungen über bie Verwaltung bet Normandie.

Bei diesem Widerspruch der Auffassungen kann man also die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich noch lange nicht als wirklich geklärt betrachten. Sehnliche» gilt von unseren Beziehungen jn der zweiten großen lateinischen Nation zu Italien. Gewiß halten di« verantwortlichen Staatsmänner diese» Landes in loyaler Weise am Dreibund« fest, und in dieser Hinsicht verdient di« Aeuß«rung des neuen Premierministers Sonnino besondere Beachtung, daß Italien nicht nur durch die Pflicht der Loyalität und die allgemeinen Fritt»ensinteressen, sondern auch durch sein eigene» Interesse am Dreibunde festgehalten werd«. Diese Bemerkung verdient Beachtung deshalb, weil die Italiener sonst immer so tun, als müßten sie für ihr Verbleiben im Drei­bunde eine Extrawurst gebraten bekommen. Die kluge Einsicht der italienischen Staats­männer ist aber leider der Masse des italienischen Volke» nicht eigen. Eben jetzt habe« gelegentlich der Ermordung eines Italiener» unb eines Deutschen in Demen führende italienische Blätter nicht etwa diesen gemeinsamen Tod al» ein Symbol der Waffen­brüderschaft zwischen beiden Ländern angesehen, fonbern sie haben im Gegenteil ganz nichts­nutzige Verdächtigungen gegen Deutschlanb ausgestreut.

Das Verhältnis zu England scheint sich in den letzten Monaten gebessert zu haben, und es kann sein, daß die noch schwebenden Verhand­lungen über gewisse afrikanische Fragen eine weiter« Besserung Herbeiführen. Ein gewisses Matz von Skepsis scheint aber auch hier geboten, um so mehr als btr Ausgang ber in wenigen Wochen stattfindenden englischen Wahlen eine neue Regierung ans Ruder bringen könnte, mit bet von neuem Fühlung zu nehmen wäre. In jedem Falle gibt e» zu denken, datz gewisse englische Parteigruppe« ein gutes Geschäft zu machen Hoffen, wenn sie das Gespenst der .Deutschen Gefahr" in möglichst grellen Farben an di« Wand malen. Si« müssen doch also wohl damit rechnen, datz Instinkte von für uns nicht Äer Art in bei englischen Volksseele weit tet ftnb.

Der Lichtpunkt der deutschen äußeren Poliftk in dem zu Ende gehenden Jahre war zweifellos die Zielbewußtheit in der bosnischen Frage. Hier wurde der bei der Marokkoaktion gemachte Fehler des zu späten Einsetzens der Kräfte glücklicherweise nicht wiederholt. Deutschland hat vielmehr vom ersten Tage ab die Notwendigkeit, treu zu seinem einzigen wirklichen Freunde zu stehen klar erkannt und danach gehandelt. Diese schnelle, entschiedene und unbeirrbare Politik ist mit einem vollen Siege gekrönt worden. Die hieraus für die zu­künftige Führung deutscher auswärtiger Politik zu ziehenden Nutzanwendung ergibt sich von selbst.

gehen. Wenn Sie einmal nach ihr sehen wür­den? Eie haben so viel Einfluß auf Renate."

Paula erhob sich sofort bereitwillig.Ich will es gern versuchen, mit ihr zu sprechen. Eie bleiben wohl inzwischen hier bei Eva.."---

Paula Hardenberg klopfte leise an Renates Tür. Es regte sich nichts. Da rief sie ihren Namen.

Ich bin es, liebe Renate. Bitt«, öffnen Sie mir!"

Da wurde die Tür von innen geöffnet. Paula erschrak über Renates verändertes Aus­sehen. Wortlos zog sie die Tür hinter sich zu und hob das Gesicht des jungen Mädchens empor.

Kind, wie sehen Sie aus, wie könne» Sie so mutlos sein. Georg ist ja nicht gestorben und wo Leben ist, ist Hoffnung."

Renat« fand endlich bei ihren gütigen Wor­ten erlösende Tränen.

Daß ich jetzt meine liebe Mutter nicht mehr habe," schluchzte sie.Die hätte solch Leid nicht über mich gebracht.«

Paula zog sie mit sich auf den Divan.Liebe Renate, Ihre Worte scheinen mir eine Anklage gegen Ihren Vater zu enthalten. Hüten Si« sich vor Ungerechtigkeit. Auch eine Mutter ist nicht allmächtig. Vor jedem Ungemach vermag auch

Was Gott r«samme«gefü-t.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Bernhard suchte sie zu ttösten, so gut er konnte. Jedenfalls sah er ein, daß er jetzt Eoul- mann nicht mit seinem Anliegen kommen durfte. Mary stimmte ihm bei. Sel?r ernst und still kam das sonst so fröhliche Liebespaar bei Frau Professor Hardenberg und Frau Werner an.

Mary gab Paula den Brief, diese öffnete, nichts Gutes ahnend, das Couvert sofort. Die wenigen, undeutlich geschriebenen Worte Ge­orgs verrieten ihr in welchem Seelenzustand sich ihr junger Freund befunden haben mutzte. Sie blickte betroffen zu Mary auf.

Herr von Rodenfels teilt mir eben mit, daß «r plötzlich abreisen mußte!"

Mary nickte.Ja, Papa sagt« mir dasselbe.

Deutschlands äußere Politik im Jahre 1909.

Wir stehen unmittelbar vor dem Begin« eines neuen Jahrzehntes. Da richtet sich denn Lei der Betrachtung der auswärtigen Polittk unseres Vaterlandes der Blick unwillkürlich zu- - rück nach dem Ausgange des letzten Jahrzehntes, bei zugleich das Ende eines Jahrhunderts ge­wesen ist. Damals ftanb bie auswärtige Politik Deutschlands unter dem Zeichen des zwei Jahre vorher gesprochenen Worte» bet Staatssekretärs Bülow, daß Deutschland auch seinen Platz an der Sonne beanspruche, eines Wortes, das im Herzen des deutschen Volkes lebhaften Widerhall gefunden hatte. In jene Zeit fiel die Erwerbung Kiauffchous, Samoas, der Karolinen.

Die auswärtige Polittk der Degenwatt tragt eine andere Signatur. In bie ersten Wochen des Jahres 1909 fiel jenes Marokkoab- kommen mit Frankreich, das die offizielle Feststellung eines Rückzuges bedeutete. Trotz­dem wurde dieses Abkommen auch in Deutsch­land begrüßt und mit Recht, weil es der einzige verständige Ausweg aus einer fatalen Wirrnis war, in die wir hineingeraten waren! Die Marokkoaktion war eben um fast «in volles Jahr zu spät ausgenommen worden, unb dieser Fehler ließ sich ebensowenig gut machen, al» wenn bei einem Wettrennen der Reiter eines Pferdes am Start Hetzen bleibt unb dadurch 100 Längen verliert. Das Pferd tarnt dann noch so gut fein, es wird das Rennen trotzdem nicht gewinnen. Datz da» Marokkoabkommen, fo billigenswert es auch an sich war, doch noch nicht alle marokkanischen Schwierigkeiten be­seitigt hat, zeigt die Mannesmann-Angelegen- beit, die in de« letzten Wochen da» polittsche Tagesgespräch gebildet hat, und die auch noch Seraume Zeit nicht daraus verschwinden dürfte, luch hat bas Abkommen bie Erundstimmung der Franzosen gegen uns nich ändern können. Wann immer in bei letzten Zeit französische Politiker oder Zeitungen sich über die deutsch- französischen Beziehungen geäußert haben, so haben sie bei mancher freundlichen Anerkenn­ung über Deutschland doch immer »lebet her­vorgehoben, daß Elsatz-Lothttngen für Frank­reich noch immer eineFrage« bildet. Selbst Herr Loubet, der vorige Präsident Frankreichs, hat dieser Tage in sonst äußerst wohlwollenden Aeutzerungen über Deutschland als die Voraus­setzung einer Freundschaft zwischen beiden Ländern angesehen, daß Frankreich unb Deutschland kraft gemeinsamen Willens das

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

DieGvrrhefstschr Zttttmg" erscheint täglich mit Ausnahme der I ?*s"tl»n»a

Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- I oder deren Raum "

SSSSSJUB Donnerstag 30. Dezember 1909. | S.llfüi