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Marburg

44. Iahrg

Erstes Blatt

unerschütterlichen Treue ,u Belgien mit mir. Und wir selbst werden unsere Kinder mtt den gleichen Gedanken zu durchdringen suchen und bei ihnen zu gleicher Zeit zu wecken suchen die Lieb« zum hei­matlichen Boden, die Liebe zur Familie, die Liebe zur Arbeit und die Liebe zum Guten. Das sind die Tugenden, die eine Natton stark machen. In­dem ich den Eid auf die Verfasiung geleistet habe, übernehme ich selbst vor meinem Lande die Pflicht, auf das Genaueste meine Pflichten einzuhalten, meine Aufgaben zu erfüllen und alle meine Kräfte und mein ganzes Leben dem Dienste des Vaterlan­des zu weihen.

B r ü s s e l, 23. Dez. Das Königspaar empfing um 3 Uhr nachm. im Stadtschloß die Deputafionen der Deputiertenkammer und des Senats unter der Führung ihrer Präsidenten. In der Adresse der Kammer wird gesagt, das Volk habe Zutrauen zu König Albert, datz er, treu seinem Schwure, an den nationalen Institutionen und Ueberliefemngen festhalten werde, um den Frieden zu erhalten. In der Adresse deS Senats wird der Verdienste König Leopolds gedacht unter ausdrücklicher Bewnung des Nutzen«, den Belgien aus der Kongokoloni« ziehen könne. Beide Adressen begrüßen die Königin Elisabeth als treue Mitarbeiterin des Königs, die dem Volke das Beispiel einer mustergiltigen edlen Frau gebe.

Ausland. >

Der neue ungarische Ministerpräsident. Wien, 23. Dez. Kaiser Franz Josef bestimmte den früheren Finanzminister Ladislaus v. Lukacz zum ungarischen Ministerpräsidenten und ermächtigte ihn, mit den polittschen Parteien zum Zweck der Bildung eines neuen Kabinetts die Verhandlungen zu pflegen. Lukacz reiste nachmittags von Wien nach Ofenpest ab.

Neue Mordanschläge in Indien. London, 23. Dez. Kaum ist die Nachricht von der Ermor­dung des englischen Staatsbeamten Jackson durch indische Terroristen eingetrofsen, so kommt auch schon eine neue Hiobspost aus Kalkutta. Dort sind 5 Personen vom vizekönighlichen Stabe und neun Leute der Regierung unter Vergistungserschei- nungen erkranft. Es wurde sofort eine strenge Un­tersuchung der Angelegenheit eingeleitel, und es ist e aller Grund zu der Befürchtung gegeben, daß auch diese vierzehn Personen ein Opfer indisch-anarchi- sttscher Anschläge geworden sind.

* * Gärung In Tibet. Der Staatsrat in Pefing bat mit Rücksicht auf die gefährfiche Lage in Tibet Tschaohfang mtt zwei an der Szetchuangrenze stehenden Brigaden moderner Infanterie und einem Pionierbataillon nach Lbassa entsandt, um

Zur Ermordung des Petersburger Polizeickefs.

Der Täter Michael Woskressenski hatte der politischen Partei erst kürzlich seine Dienste zum Zwecke der Aufdeckung der verbrecherischen Tätigkeit revolutionärer Organisationen ange­boten. Seinen mörderischen Anschlag führt« Woskressenski vermittels einer Höllenmaschine aus, die er in einem Möbel verborgen und mit der elettrischen Elockenleitung in Perbindung gebracht hatte. Ueber weitere Einzelheiten be­richtet ein Berliner Blatt noch folgendes:

Woskressenski, natürlich ein erdichteter Name, kam vor einigen Monaten au» Parts nach Petersburg und bot dem Obersten Karpow fern« Dienste als Polizeiagent an. Tatsächlich bewährte er sich in einigen Fällen ganz vorzüg­lich. Gestern abend hatte Karpow mit ihm ein Stelldichein in einem Verschwörer.uartier der Polizei, welche derattige Räume in verschiede­nen Stadtteilen besitzt, verabredet, wobei Wos­kressenstt hochwichttge Enthüllungen verspro­chen hatte. Karpow ging gegen Mitternacht in Zivil, begleitet von einem Polizeiagenten, in jenes Quattier In der Astrachanstraße 21, jen­seits der Newa gelegen. Woskressenski hatte dem wachthabenden Hausmeister gesagt, er er­matte einen Onkel nebst Diener, so daß der späte Besuch nicht auffiel. Oberst Karpow setzte sich auf den Diwan, wies aber den angebotenen Tee zurück. Auf seine Bemerkung, warum die eiet« Irische Türglocke nicht funktioniere, begab sich Woskressenski sofort auf den Treppenflur. Gleich darauf erfolgte eine furchtbare Explosion. Die Untersuchung ergab, daß die Höllenmaschine unter dem Diwan gestanden hat, der Kontatt

Der neue König von Belgien Albett 1.

Brüssel, 23. Dez. Prinz Albett verließ heute Vormittag um 10 Uhr Schloß Lacken, um seinen Einzug in die Hauptstadt zu halten. In der Uniform eines Generalissimus, umgeben von einem Regiment Guiden, begab et sich durch die Sttaßen der unteren Stadt nach dem Parlament. Voran fuhr von einer Letbeskadron eSkottiett feine Gemahlin. Beide wurden von einer überaus zahl­reichen Menschenmenge begeistett begrüßt. Die Stadt ist festlich geschmückt. In der Kammer wa- ren die ausländischen Delegietten, daS diploma- ttsche KorpS, die gesamte Hofgesellschaft, sowie die hohen Justizbeamten, Senatoren und Depufietten versammeft.

Um 11 Uhr erschien König Albett in der Kammer. Borangingen fetne beiden Söhne und die Königin. Alle wurden stürmisch begrüßt. Die Sozialisten riefen zware5 lebe das gleiche Wahlrecht", drangen aber nicht durch. Der König tetftete den Eid auf die Verfassung in fianzöstscher und vlämi- scher Sprache. Hierauf verliest der König die Thronrede, die ost von lautem Beifall unterbrochen wurde. Die Thronrede läßt den Gründern Bel­gien- und auch der Tättgkett König Leopolds volle Gerechttgkett widerfahren. Bon der Kongopoltttk sagt sie: Es ist eine Polttik der Menschlichkeit und des Fortschritte-. Ein Volk von gerechtem Sinn kann seine kolonisatorische Mission nur in der höch­sten Ztviltsatton suchen. Wenn eS diese hohe Mis­sion ehrlich und offen annimmt, dann kann sich auch ein Keine- Bolk groß zeigen. Belgien regiett sich selbst, und andere Staaten haben die Prin­zipien seiner Einrichtungen nachgeahmt. Stet- hat e- seine Bersprechungen gehalten und wenn e- sich verpflichttt. ein Programm im Kongostaat anzu­nehmen, daS seiner würdig ist, so hat niemand das Recht, an seinen Sorten zu zweifeln." Weiter heißt es: Ein Souverän mutz sich mit ganzer Lovalttät autzerhalb der Parteien stellen. Er mutz darüber wachen, daß die lebendigen Kräfte der Natton er­halten bleiben. Er mutz ohne Unterlaß austnerk- fam der Sttmme des Lande- lauschen, mtt aller Sorge sich dem Lo- der Niederen widmen; der Souverän muß der Diener des Rechtes und der Erhalter des sozialen Friedens fein. Gatt möae mir helfen, diefe Mission zu ersüllen. Ich liebe mein Land, die Köngin teilt diese Gefühle einer

DieGberh.sstsch« Zrttmra« «ichemt täglich mttAuSnahmed« -ez» nn>) I Sonn- und Feiertage. - Der dezua-prei» bettagt mer«l- Jtl OV2 jährlich durch di« D-st bezöge« 2£5&L ^hne BestAeld),^ I unfern Zeitung-stellen und der Expedttion (Markt 31,) 2 Ml.

Politische Weihnachten.

Mr die Großen, besonder» für den Teil bes Volkes, der am öffentlichen Leben mit Herz und Kopf Anteil nimmt, bedeutet diesmal di« Weih­nachtszeit nicht ein Fest des Friedens, sondern höchsten» den Genuß eines kurzen Waffenstill­standes Unsere auswärtigen Beziehungen sind gegenwärtig allenfalls normal, keineswegs dar­über hinaus. Die nüchternen Erklärungen, di« der Reichskanzler bei der Etatsdebatte abgab, lieferten den Beweis für die kühlen Bezieh- «ngen zwischen uns und den meisten anderen Staaten, Oesterreich - Ungarn ausgenommen. Als Mann von großer Sachlichkeit konnte unb wollte Herr von Bethmann Hollweg die Augen nicht gegen di« gehässigen Ausfälle verschließen. Mit 'denen uns die Presse Italiens und Ruß- lands überschüttet. Sind auch die Beziehungen zu den Regierungen beider Länder normale, so kann man an der in den Organen der öffent­lichen Meinung zum Ausdruck kommenden Ab­neigung doch nicht achtlos vorübergehen. Die Beziehungen zu England und Frankreich sind fm letzten Jahre allerdings bessere geworden, aber die Franzosen sind bekantlich unberechen­bar, und sie haben bei verschiedenen Gelegen« Seiten in der letzten Zeit hervoraeboben, daß st« war das Entgegenkommen Deutschlands in der Marokkofrage zu würdigen willen, daß sie aber ^lsaß-Lotbringen nicht vergessen können und svollen. Was England anbetrifft, so finden in wenigen Wochen die Neuwahlen zum Parla- Mente statt, und wenn dann die gegenwärtige Opposition ans Ruder kommen sollte, so werden hie wirtschaftlichen Beziehungen zwilchen Eng­land und uns bestimmt, di« polittschen mög­licherweise sich verschlechtern.

Ueberblickt man also das Berhältni» zwischen uns und einem großen Teile der europäischen Staaten, so ergibt sich klar, daß für uns noch stuf lange Zeit hinaus der Mahnruf Geltung besitzen mußTonjonrs en vedette. Nun, !ollte es dem Ausland« gegenüber zum Schlimm- ien kommen, fo können wir uns auf unser« fest­gefügte Wehrkraft, deren Fortentwicklung zu keiner Zeit vernachlässigt worden ist, verlassen, plag Frankreich auch ein ebenso große« Kriegs« /leer aufstellen wie wir. so wird es doch nie di« Geschlossenheit, die Einheitlichkeit und bte Kameradschaftlichkeit des deutschen Militär» er­reichen können.

Diese Geschlossenheit, Einheitlichkeit und Kameradschaftlichkett vermissen wir bei unseren fnneren Kömvfen, setzt schmerzlicher al» je zu- 3or. Das Weibnachtsfest ist nicht die geeignete Reit, um Vorwürfe zu erheben, aber Tatsachen kann man wohl seststellen. Und die Tatsache ist unbestreitbar, daß sich im deutschen Volk« Zwischen den Parteien des Bürgertums ein« iefe Kluft anfaetan hat. Das haben auch bte »kertägiaen Etatsdebatten erneut bewiesen, der Reichskanzler hatte gewiß recht, wenn er in feiner Etotsrede sagte, daß bet Zwang zum schaffen schließlich den Unfrieden besiegen

war von Woskressenski vom Treppenflur au» hergestellt worden. Karpow wurde total zer­rissen, der angebliche Diener schwer verletzt und ist nicht vernehmungsfähig. Woskressenski» Privatwohnung ist ein obskurer Gasthof nah« dem Tatorte. Er war unter dem Namen Gor- »23 Jahre alt, angemeldet. Bei der

uchung der Wohnung fanden sich ein Kof­fer mit wattierter Weste zum bequemen Tran», port einer Höllenmaschine mit elettrischer Zün­dung, massenhaft falsche Pässe, Briefschaften usw. vor. Verschiedene Verhaftungen sind veranlaßt. Der Mörder, eine schmächtige Person, verwei­gert jede Auskunft. Er wird dem Kriegsgericht

Die Reichsduma beschäftigte sich in ihrer gestrigen Abendsttzung mit der Interpellation über bte Bombenexplosion in der Astrachan- straße. Die Interpellation wurde angenommen und einer Kommission überwiesen, die sie bin­nen drei Tagen dem Plenum unterbreiten soll. Bei Begründung der Dringlichkeit der Inter­pellation über das Bombenattentat erklärt« , Miljukow (Kadett) in der gestrigen Sitzung bet t Reichsduma, Oberst Karpow sei seiner provoka- torischen Tätigkeit zum Opfer gefallen. Der ; Prokureur de» Petersburger 'ppellhofes stellt . dagegen fest, daß die Voraussetzung Miljukows den Tatsachen nicht entspreche. Oberst Karpow sei im Gegenteil« in ein« Falle der Revolutio­näre geraten und bei treuer Erfüllung seines Dienstes meuchlerisch ermordet worden. Graf Wladimir Bobrinsky (Rattonalist) bat um un- verzügliche Annahme der Interpellation, damit vor ganz Rußland klargestellt werde, wie unbe­gründet die Beschuldigungen Miljukow» seien. Sich an Miljukow wendend, erinnerte bet Graf an besten Abmachungen mit Azew in Paris und sagt« zum Schluß, die Azew» morden, und Sie interpellieren.

müsse, aber e» kann Jahr und Tag darüber ver- gehen, eh« unsere Politiker sich von blefem Nange zum Schaffen überzeugen Wir fürch- ten daß bei dem Wiederbeginn« der Arbeiten nach den Reichstagsferien di« tiefe Verstimm- nng zwischen den Parteien der parlamen­tarischen Tätigkeit ihren Stempel aufdrücken wird.

So läuten also di« Weihnachtsglocken dem Politiker nicht den Frieden ein. Glücklich der, der den Tag zu genießen versteht und die Sorg« um di« lommenben Tag« von seinem Gemüte fernzuhalten weiß!

Die Insertionsgebüdr beträgt für bte 7gespaltene Zette oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. ____ - Arxrxrx l Druck ttttb Verlag: Joh. Auq. Koch, Unwersttät-buchbruckerei Sonnabend, 25. Dezember 1909. | Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg,' Markt 31. Telephon 55.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd Landwirtschaftliche Beilage "

<T ~ (Nachdruck verboten.)

Mas Watt Mfammeuaefngl

Roman von H. Courths-Mahlee. (fforttetzunal

Kennen Sie diese Handschrift?" fragte et alt.

Es ist die meines Vaters," antwortete ficorg.

Lesen Sie?" befahl Eoulmann.

Mit unsicheren Händen entfaltet« Georg das schreiben und las.

Liebe Helene?

Du bist wie von Sinnen von mir ge­gangen, wolltest mich nicht mehr hören. Glaube mir, ich bin tief betrübt, daß unser« Liebe nicht ohne Folgen bleiben wird. Au» übergroßer Liebe verschwieg ich Dir daß ich schon seit Jahren an eine ungeliebte Frau gefesselt bin. Ich kann Dich nicht heiraten, mein armes, geliebtes Mädchen, aber ich liebe Dich grenzenlos. Nut meine Furcht, Dich zu verlieren, ließ mich schweigen über meine Ehre. Du hättest Dich sonst von mir ge­wendet und das ertrug ich nicht. Und nun ist das Unglück da. Mein armes Hetz, beruhige Dich, ich verlasse Dich nicht und sorge für Dich und das Kind. Leider mutz ich gerade jetzt abreisen und kann Dich vorher nicht Wiedersehen. Mein kleiner Sohn ist schwer erkranft, ich muß heim zu ihm und zu bet ungeliebten Frau. Schreibe mir unter der alten Chiffre, damit ich weiß, wie es Dir geht, und verzeihe

Deinem Dich heißliebenden

Michael."

Georg sah noch lange auf den Brief herab, nachdem er ihn zu Ende gelesen. Ein wahn­sinniger Schmerz preßte ihm die Brust zusam­men. Rach einer Weile hob et mit mattem Blick die Augen.

Bitte, erklären Sie mir alles?" sagte er heiser.

Diese Helen« ist mein« unglückliche ver­storbene Schwester und Renate ist ihre und Ihres Vaters Tochter."

Georg fiel wie betäubt in einen Sessel. Entschudigen Sie einen Moment ich muß das erst fassen."

Et starrte vor sich hin. Kalter Schweiß stand auf feiner Stirn, die Augen brannten wie im Fieber. Langsam erhob er sich wieder und sah Coulmann verzweifelt an.Renate meine Schwester barmherziger Gott wie soll ich bas tragen? Und sie mein armes teures Mädchen?"

Erschüttert legte et die Hand über die Augen und stand in sich versunken da. Coulmann regte sich nicht.

Endlich kam Leben in Georgs Gestalt. Et richtete sich auf.

Da bleibt uns freilich keine Hoffnung. Sie haben recht. Ich muß fort sogleich wieder sehen kann ich Renate nicht."

Das ist nach meiner Meinung das beste erwiderte Coulmann kalt und ungerührt.

Georg sah start in sein Gesicht.Eine Bitte habe ich noch vielleicht deckt sie sich mit Ihren eigenen Wünschen. Bewahren Sie Renate vor diesem entsetzlichen Gefühl, bas mich beherrscht. Sagen Sie ihr nicht, was ich jetzt erfahren habe sie würde daran zugrunde gehen. Irgend ein Vorwand wird sich wohl finden ick kann

jetzt nicht denken. Meinetwegen sagen Sie ihr, daß ich ein elender Mitgifttäger bin und mich zurückgezogen habe, weil ich mich verrechnete. Vielleicht reißt sie dann diese unglückselige Liebe aus ihrem Herzen. Alles ist erträglicher für sie als die Wahrheit. Leben Sie wohl."

Und ehe Coulmann noch etwas erwidern konnte, wat er hinaus gestürmt, weil er fühlt« daß es zu Ende ging mit feinet Selbstbe­herrschung. Er verließ die Villa durch bi« Hinterpforte, bamit er von Renate nicht ge­sehen werden konnte. In feiner Seele gärte wilde Verzweiflung. Coulmann sah hinter ihm her. Et hatte gesiegt. Rodensel» würde Renate nicht mehr Wiedersehen.

Aber wohl war ihm trotzdem nicht bei dem Gedanken. Ein leiser Zweifel wollte sich in ihm regen, ob er Georg nicht unrecht getan hatte. Sein Schmerz erschien zu echt, um nicht wahr zu sein. Mußte der Sohn die schlechten Eigen­schaften des Vaters unbedingt geerbt haben?

Aergerlich über sich selbst, wies et jedoch solche Gedanken von sich. Was ging ihn dieser Mensch an? Für ihn kam nur in Betracht, wie er Renate übet diesen ersten Liebesschmerz hinweghelfen konnte.

Was sollt« et ihr sagen, wenn sie von ihm hören wollte, warum>ensel» abgereist war? Es wat wohl das beste, wenn et tat, um was ihn Georg gebeten, wenn er ihr sagte, et hab« auf ihre Hand verzichtet, weil er gedroht hatte, ftegu enterben. Gewiß war es da» beste für sie, wenn sie auf diese Art schnell von ihrer Neigung geheilt wurde. Rodenfels würde Renates Weg nicht mehr kreuzen e» war nicht zu befürchten, daß sie sich widerfahen. Alle» würde wieder werden wie vorher «ick Renat« Würde eine»

Tages in einer glücklichen Ehe diese flüchtig« Neigung vergessen oder darüber lachen.

So überlegt« und hoffte Coulmann. Aber

wohl wat ihm nicht bei dem Gedanken, Renat« wehe tun zu müssen, und plötzlich packte ihn der Zorn und er schüttelte die Fäuste wie gegen einen unsichtbaren Feind.

Auch die Bitterkeit dieser Stunde und ihr« Folgen habe ich Dir zu danken, Michael Roden- fels! Ich fluche Dir noch im Grabe!" flüstert« er heiser vor sich hin.

Schwerfällig und müde schritt et zu» Fenster. Matt und kraftlos fühlte et sich plötz­lich, wie ein Greis. Seine Augen suchten unten am Strand nach Renate. Nach kurzer Zeit sah er sie, sie ging ruhelos auf den Laufbrettern hin und her. Jetzt schaute sie herauf. Er zog fein Taschentuch und winkte wieder. Und dann kam sie mit eiligen Schritten über die Düne herauf, den hoffenden Blick immer auf da» Fenster gerichtet, wo er stand. Wie war di« Entscheidung ausgefallen? Er glaubt« dies« Frage in ihren Augen zu lesen. Das atme, liebe Kind! Mußte sie ihr Herz gerade an die­sen einen Menschen hängen? Hätte st« nicht lieber Ernst Trautmann» Gattin werden können? Aber dazu war es ja noch nicht »n spät, vielleicht erfüllt« sich ihm dieser Wunsch doch noch eines Tages, wenn Renate diese un­glückliche Neigung Überwunden hatte. Alles trollte er ihr zu Liebe tun, weil er ihr diesen «inen Wunsch nicht erfüllen könnt«. Run hört« et ihren flüchtigen Sckritt auf bet Trepp« und ietzt ttat st« ein. Angstvoll irrte ihr Blick durch/ da» Zimmer. <