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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain *
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Gberhesstsche Zertmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezuaspret S beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,35 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donmrstag. 23. Dezember 1909.
Die Jnlertiondgebithr betragt s». »re 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für 'R.'ftasnen 90 Pfennig. -— Druck und Verlag: Joh. Auq. St» i* lnioersttätSbu hdruckerei Inhaber Dr. T. H i tz er o th, Marbnr Narkt 21. — Telephon 35, SääSBiSäSBSSSSSSSSir'MiaaäiiSSSSBSäSSm
44. Jahrg;
Erstes Blatt.
Politische Umschau.
Pettttongegen die weibliche Leitung höherer Mädchenschulen.
Der Schleswig - Holsteinische Verein von Philologen an öffentlichen höheren Mädchen- -schulen hat eine Petition vorbereitet, die er an beide Däuser des preußischen Landtages richten wird. Darin stellt er die Forderung auf: „daß die in der Neuordnung des Höheren Mädchen- schulwekens verfügte Gleichstellung der Frauen und Männer im Schuldienst, insbesondere die gleich Berechtigung zur Leitung öffentliche« Höherer Mädchenschulen unb der weitergehenden Bildungsanstalten für das weibliche Geschlecht, durch die eine Unterstellung von Männern, auch solchen von akademischer Bildung. unter Frauen gegeben ist zur Beratung gestellt und. aufgehoben werde. Ebenso wird das- Hohe Haus gebeten, gegebenenfalls dabin. zu wirken, daß die Leitung der M ldchen-Volks- und Mittelschulen in den Händen der Männer verbleibe."
Begründet werden diese Forderungen damit, daß die Unterstellung des Mannes unter die Frau dem Bolksemvfinden widerspreche und das Mannesaefühl im höchsten Grade beleidige. Ob der preußische Mann im Staatsdienste ein Reckt auf männliche Vorgesetzte bestue oder nicht, diele Frage mülle zuvor von zuständiger Seite gelöst werden. D'e bisherigen Erfobrunaen mit der weiblichen Leitung svräcken nicht für eine Erweiterung; es werde leickt ein unerfreulicher Zwiespalt in den Lehrkö per hinetngetraaen. Sckon fetzt bakte es schwer, für solcke Schulen geeianete Oberlehrer wie seminaristisch gebildete Lehrer zu gewinnen. Die Einführung weiblicher Voraeletzter auf dem Sckulgebiete werde mit Sickerbrit im Laufe der Zeit zu ähnlichen Ansvrücken und Erfolgen der Frauen in anderen Berufen und damit zu einer großen Gefahr für das Staatswohl führen. Der Staat fei in erfter Linie ein Produkt männlicher Initiative unb Krakt und bedürfe zu einer gefunden Fortentwicklung des fpezifisck-männ- licken Geistes. So wünschenswert die Mitarbeit der Frauen auf den verschiedensten Gebieten des Kulturlebens sei. so wenig könne ihre Herrschaft im öffentlichen Staatsleben geduldet werden. In den Staaten mit allaemeiner Wehrpflicht, unter denen der preußische Staat an erster Stelle stebe. bedeute die amtliche Unterordnung de» Mannes unter die ledige Frau geradezu eine Gefährdung bes militärischen Geistes unb der WehrtÜcktiakeit. *
Sie die Anstedlungskommission neue Anfiedler gewinnt.
Bor kurzem beft(filierten über 30 Westfalen die großen Anfiedlungsgüter Kensau und Sehlen im Kreise Tuchel i. Westpr. unter Führung eines Vertrauensmannes der Kommission aus dem Rea.-Bez. Minden. Die Güter gefielen den Anfiedlunoslustiaen aut, und' die größere Kälfte entschloß fick, fich dort anzu- jaufen. Auf beiden Gütern find zusammen rund
47 (Nachdruck verboten.)
Mas Gott zulammeiraefLgt —.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Fortletzung.)
Sie lächelte gläubig. „Du wirst Dich überzeugen, daß er mich ehrlich und ohne Nebengedanken liebt, Papa, daß et nie an Rodenfels gedacht hat und mich aufgeben würde, auch wenn ich eine Bettlerin wäre?"
Et strich ihr übers Haar.
„Gut, dieser Probe will ich ihn unterwerfen. Aber ich sage Dir — et wird sie nicht bestehens"
„Aber wenn et sie besteht — ich glaube fest daran — wirst Du uns dann Deinen Segen geben, lieber teurer Papa?"
Er sah mit zusammengezogener Stirn vor fich hin. Dann hob et den Kopf und sah fie an.
„Versprechen gegen Versprechen. Wenn er fir nicht besteht, willst Du dann mein vernünftiges Mädchen sein? Wern et freiwillig zu- riicktritt, nachdem ich ihn überzeugt haben werde, daß eine Heirat mit Dir nicht das gute Geschäft ist, welches et vermutete, versprichst Du mir, ihn zu vergessen?"
Renate atmete tief auf. „Das kann ich Dir versprechen, Papa. Wenn Georg von Rodenfels mir die Treue bricht, wenn er mich aufgibt aus eigennützigen Motiven, dann ist ex nicht der Mann, den ich liebe, dann würde ich lhn zu vergessen suchen. Ich weiß aber, daß et mich nie «ufgeben wird — um keinen Preis?"
„Watte es ab unb gehe jetzt, um mit Herrn Mn Robenfels hierher zu schicken."
Flächengrötze mittcilt, war die hessische Regierung von vom-
150 Anfiedlerstellen verschiedener zum 93erfauf ausgelegt, von denen eine Anzahl bereits an vorher dorr zur Besichtigung gewesene Hannoveraner, Hessen, Bayern und an andere Westdeutsche vergeben worden find. In dem Kruge zu Kensau, wo die Kauflustigen übernachteten, wurde dann abends das Ergebnis bet Befichtigungsreise besprochen und bet Fürsorge, welche die Anfiedlungskommission den Ansiedlern angedeihen läßt, gedacht. Auch auf di« nationalen Pflichten der Ansiedler wurde dabei lebhaft hingewiesen, besonders auf ein Beispiel treuesiet Pflichterfüllung eines westfälischen Ansiedlers, der während der letzten Landtagswahl sich vom schweren Krankenlager aus zum Wahllokal hatte tragen lassen, um seine Stimme abzugeben. Auf diese einfache, aber wirksame Weise erhalten die Ansiedlungslustigen eine Anschauung von dem, was sie wirtschaftlich zu et- watten haben unb auch von bet ganzen Umgebung und Stimmung, in die sie kommen.
Deutsches Reich.
— Die Kronprinzessin. Cannes, 21. Dez. Die deutsche Kronpttnzessin traf heute Vormittag hier ein; sie wurde vom Großfürsten Nikolaus empfangen.
— AuS dem Reichsauzeiger. Berlin, 21. Dez. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verord- mtng, wonach der preußische Landtag ans den 11. Januar 1910 einberufen wird. Das Königliche Staatsministerium trat heute zu einer Sitzung zusammen. — Der „Reichsanzciger" veröffentlicht eine Bekanntmachung betreffend einen deutfch-rufsi- schen Notenwechsel zur Behebung von Zweifeln bei der Handhabung der Rachlaßkonvention von 1874.
— Zur Landtagswahl hf Sachsen Weimar. Jena, 20 Dez. Wie fich nachträglich herausgestellt, hat bei der Landtagsstichwahl im Wahlkreise Berga doch der Abg. Lehmann mit wenigen Stimmen über den Sozialdemokraten gesiegt. Damit verttngett sich auch die Zahl der sozialdemokratt- schen Abqeordntten im sachsen-weimattschen Landtage auf vier.
— Der katholische Propst Brenk ist vorgestern im Alter von 88 Jahren in Erkner gestorben. Brenk wurde seinerzeit unter den Maigesetzen als Pfarrer in Kosten (Prov. Posen) exkommuniziett, worauf Fürst Bismarck ihn in das Kultusministe- ttum berief.
— Deutschland und die Internationale Land- wittschafü. Ausstellung. Berlin, 21. Dez. In einer im Reichsamt des Innern abgehaltenen Besprechung der beteiligten Jnteressentengruppen wurde beschlossen, innerhalb der Internationalen Land- wittschastsauSstellung in Buenos Aires eine eigne geschlossene deutsche Abteilung zu oraanifteren. Deutsche Fabrikate werden nur innerhalb der geschlossenen deutschen Abtellung zugelassen. Die Anmeldungen haben bis spätestens zum 15. Jan. 1910 zu erfolgen. Anmeldeformulare find von dem Arbeitsmisschuß zu beriefien.
— Hessen und die SchiffahttSabgabe«. Darmstadt. 21. Dez. Wie die „Darmstädter Zeitung"
Renate umfaßte ihn herzlich.
„Verzeihe mit, baß ich Dir so große Sorge machen muß, lieber Vater. Aber ich kann nicht anders.
Er küßte fie zärtlich.
„Ich zürne Dir nicht, mein Kind. Nun gehe unb vertraue mir. Ich will ja nur Dein Bestes."
„Da? weiß ich, Papa. Aber Väter können auch irren."
Sie ging langsam zur Tür. Ehe fie hinaus ging, wandte fie fich noch einmal um. „Papa, versprich mit noch eins. Beleidige ihn nicht, zwinge ihn nickt durch Beleidigungen, zu gehen."
„Ich verspreche es."
Sie ging. Das Herz war ihr ttotz des halb errungenen Sieges schwer.
Eoulmann starrte ihr nach. In seinem Kopf arbeitete es wie ein Gewirr von tausend Gedanken. Einer aber löste sich klar und scharf von allen anderen ab: „Es darf nicht sein."
Eine starre Ruhe kam über ihn. Er zog feine Brieftasche heraus und entnahm ihr einen Vries, dessen vergilbte Ränder bezeugten, daß et aus bet Vergangenheit stammte. Den lag et langsam durch, Wort für Wort. Seine Züge verhärteten sich, seine Augen blickten scharf unb kalt. . Er legte den Brief sorgsam wieder zusammen und steckte ihn ein. Dann trank er hastig ein Glas Wasser und warf sich wartend in einen Sessel. — ---. ,
Georg sah Renate aus dem Hause treten unb kam ihr entgegen. Sie sah ihn mit ihren schönen Augen traurig an.
„Lieber — mein Vater ist sehr erregt. Irgend eine Feindschaft mutz zwischen ihm u nd Deinem Batet bestanden haben." ,
herein bet Ansicht, daß bet dem BundeSrat vorgelegte Entwurs eines Gesetzes über bte Erhebung von Schissahrisabgaben nicht annehmbar sei. Die von Preußen in Aussicht gestellte unlängst ver- össentlichte Denkschrift hat die gegen den Entwurf bestehenden Bedenken nicht beseitigt, Wohl aber find sie durch die später veröffentlichte sächstsch- badische Denkschrift verstärt worden. Bei dieser Sachlage hat sich die hessische Regierung dahin schlüssig gemacht, dem Anträge Preußen- aus Erlaß eines Gesetzes betreffend die Erhebung von Schtsfahttsabgaben die Zustimmung zu versagen.
— Eofin. Berlin, 21. Dez. Di« „Rordd. Allgemeine Ztg." schreibt: Seit einigen Tagen durchlaufen die Presse Mitteilungen, wonach die Färbung der zum Zollsätze von 1.30 M eingelassenen Gerste mit Eosin Uebelstände erzeuge und ihre Verwendung als Biehfutter schädige. Alle Angaben werden sorgfältig geprüft. Um so mehr muß ernstlich gewarnt werden, unnötig Mißttauen zu erregen und namentlich die Viehzüchter im ganzen Reiche zu beunruhigen. Ein Beweis für bte schädliche Wirkung gefärbter Gerste ist bisher nicht erbracht. Die dagegen erhobenen Beschwerden sind schon jetzt als mindestens stark übertrieben festgestellt. Die Firma E. Merk in Darmstadt dementierte die Nachricht, ein Arbeiter habe bei der Herstellung von Eosin eine Gesundheitsschädigung erlitten. Die Höchster Farbwerke nahmen gesundheitsschädliche Wirkungen de- EosinS niemals wahr. Das deutsche Reichsgesetz Verbietet bte Verwendung von Eosin nicht, im ftanzöstschen Gesetz ist Eosin bei der Siqueur- und Svrupfabrikation ausdrücklich zuaelossen. Vor Einfühnmg des Fär- bungsversabrens ist die Wirkung gefärbter Gerste an dreißig Versuchstieren drei Monate sorgfältig geprüft worden. Die Prüfung ergab, daß Eosin auf die Beschaffenbeit des Fleisches und Fette- keinen Einfluß ausgeübt hat.
Ausland.
** Prozeß Friedjung. Wien, 21. Dez. Die Ausgleichsverhandlungen hn Friedjung-Prozeß sind endgültig gescheitert, da Friedjung unb ein Mitangeklagter sich weigerten, die Erklärung abzugeben, die die Kläger verlangten. Nach dieser Erklärung sollte Friedjung zugeben, daß et sich bezüglich der Abschriften der Hauptdokumente geirrt haben könnte, sätet forderten die Kläger gar die bestimmte Erklärung, daß die Dokumente unecht gewesen seien. Der Prozeß wird fortgesetzt.
** Die neue Geschäftsordnung. Wien, 21. Dezember. Am heutigen Tage ttat im Abgeordnetenhause die neue Geschäftsordnung in Kraft. Das Haus konnte infolgedessen unter Umgehung der noch vorliegenden Dringlich- keitsanttäge fofott zur Tagesordnung übergehen.
*• Prinz Georgs neuester Streich. Belgrad, 20. Dez. Unter den serbischen Abgeordneten herrscht große Erregung Über den neuesten Streich des Prinzen Georg. Dieser hat nämlich an den Direktor bes Blattes „Belgradske No- vine" eine scharfe Zuschrift gerichtet, worin et
Georg sah betroffen in ihr hübsches, trauriges Gesicht.
„Davon hatte ich keine Ahnung! Kannte Dein Vater überhaupt den meinigen?"
„Es mutz wohl so sein. Jedenfalls will et mir nicht glauben, daß Du mich liebst und mich glücklich machen wirst."
Er faßte ihre Hand. „Und Du, Liebling? Zweifelst auch Du daran?" fragte er gepreßt..
Sie sah ihn an voll Liebe und Nettrauen.
„Nein, Georg! Ich glaube an Dich und lasse Dich nicht. Das habe ich Papa auch gesagt. Nun will et mit Dir selbst sprechen. Du sollst jetzt gleich zu ihm kommen. Laß Dich durch nichts verletzen, ich bitte Dich darum. Der Vater ist erregt und heftig. Bleibe Du ruhig und beherrscht, denke, daß es mein — unser Glück gilt!"
„Sei ruhig, Liebling, ich verspreche es Dir. Und mache nicht ein so trauriges, mutloses Gesicht, ich kann Dich nicht traurig sehen."
Sie lächelte tapfer zu ihm auf und strich sich über die Stirn. „Nun geh, mein Georg. Du wirst mich nicht aufgeben — was auch kommen mag!"
Er drückte ihre Hand. „Ich lasse Dich nicht, Renate, denn Du bist mein Glück. Und wenn Dein Vater mich heute abweist — wir halten trotzdem treu zusammen. Einmal muß er sich doch überzeugen, daß unsere Liebe stärker ist als alle Hindernisse. Nur Mut, Renate — wir sehen uns nachher wieder, Du erfährst fofott, was ich erreicht habe."
Schnell schritt er dem Hause zu. Renate ging langsam zu den anderen zurück.
„Wie geht es Papa?" rief ihr Marz entgegen.
die Haltung dieser Zeitung fabelt unb ®eu würfe erhebt, daß in ihr die „Mordtaten de« Fürsten Nikolaus von Montenegro" gebilliaß werden. „Jttrer serbische Patriot weiß," heißt es u. a. in diesem Brief, „daß Fürst Nikolaus ein Verräter am montenegrinischen Volke istk" — Der Direktor des genannten Blattes hat eine Abschrift dieses Briefes an die königliche Kabinettskanzlei geschickt. Auf eine Anfrage im altradikalen Klub erklärte bet Minister des Aeußern Milowanowitsch, daß die Tage diese« unzurechnungsfähigen jungen Mannes (Prinzen Georg) gezählt feien.
** Attentat. Bukarest, 21. Dez. Als heute abend Ministerpräsident Brattano nach Hause fuhr, gab ein Arbeiter drei Schüsse auf ihn ab, in dem Augenblick, da der Ministerpräsident den Wagen verließ, um sein Haus zu betreten. Ministerpräsident Brafiano wurde leicht verwundet; der Täter wurde verhaftet.
Köniq Leopold und die Baronin Vaughan.
P a r i s, 21. Dez. . Ein Berichterstatter des „Malin" hat in Nizza einen ehemaligen Stott« butschen des Königs Leopold ausfindig gemacht, bet ihm folgendes zu erzählen wußte. Im Februar vorigen Jahres begab fich der König mit der Baronin Vaughan und einem Hofmat. schall in einem Automobil nach der in der Nähe von Nizza gelegenen Ortschaft Bordighera. Dort frieg die kleine Gesellschaft aus, ließ das Automobil warten und ging zu Fuß nach Bordighera. Nach einer Stunde kehrte sie wieder zurück, allein diesmal führte bet König die Baronin am Arme, und beide schienen sehr glücklich zu sein. Der Stallbutsche meint nun, daß sie sich in bet in Bordighera befindlichen Franziskanerkirche hätten trauen lassen. Darauf machte sich der Berichterstatter auf die Socken und begab sich nach dem Kloster der Franziskaner in der genannten Ortschaft, allein die Mönche zeigten sich seht zurückhaltend und bestätigten weder noch dementierten sie die angeblich bei ihnen erfolgte Eheschließung zwischen dem Könige und der Baronin.
Der Rechtsanwalt bet Baronin Vaughan, Picard in Brüssel, erklätte in einet Unterredung, daß es Tatsache sei, daß seine Klientin mit dem König Leopold verheiratet war, doch hätte diese Ehe für Belgien keine Gültigkeit, Die königliche Familie habe die Absicht, sagt« der Rechtsanwalt, gegen alle an die indirekten Erben ausgesetzten Legate Einspruch zu erbeben, und es ständen daher langwierige Prozesse in Aussicht. Auf die Frage, warum die Baronin in Belgien so verhaßt sei, meinte der Anwalt: Sie ist reich, man spricht von 130 Millionen (?) Vermögen, unb daher ist man auf fie neidisch Ja, wenn fie etwa die Maittesse eines Fetter» gewesen wäre, so würde die Welt wahrscheinlich milder über sie urteilen.
Die Baronin Vaughan hatte alle Mühe, fich bet Zudringlichkeit und Neugierde der Reporter und Pbotoaraphen zu erwehren, die sie um« drängten, als sie gestern abend um 9 Uhr auf dem Nordbahnhofe in Paris ausstieg, um sich nach ihrem Schlosse Balincoutt zu begeben. Wie nunmehr festgestellt wurde, ist sie nicht die Toch-
„Besset. Herr von Rodenfels ist zu ihm gegangen," antwortete Renate und sich neben Marn niedersetzend, flüsterte fie dieser zu:
„Frag' jetzt nicht wettet, lenke die anderen ab. Ich bitte Dich — da oben geht es um mein Glück."
Mary fühlte, daß etwas Renates Ruhe verscheucht hatte, folgte aber ihrem Wunsch und plauberte unbefangen mit den anderen, um deren Aufmerksamkeit von Renate abzulenken. Paula sah verständnisinnig in Renates blasses Gesicht, hatte aber natürlich keine Ahnung, welche Szene hinter ihr tag. Daß Georg jetzt mit Renates Vater das entscheidende Wott sprach, glaubte sie zu wissen. Sie hielt es aber für gewiß, daß Eoulmann Georgs Werbung annehmen würde.
Fritz Eoulmann war wieder ganz der kühl überlegende Geschäftsmann, fest entschlossen, seinen Witten dutchzusetzen. Diese Entschlossenheit hatte ihr. ru allen seinen großen Erfolge« verhalfen. Sie sollte fich auch jetzt bewähren im Kampf gegen eine törichte Mädchen- schwärmerei und gegen einen Mitgiftjäger schlimmster Art. Dafür hielt er Georg, denn er war fest überzeugt, daß dieser die verwerflichen Eigenschaften seines Vaters geerbt hatte. Aber selbst wenn Georg von Rodenfels anders geartet war — aus dieser Verbindung konnte nie etwa« werden, zwischen den Namen Rodenfels und Eoulmann lag eine unüberbrückbare Kluft. — i _______ ..... (Fortsetzung