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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Aach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirhchastliche Beilage."
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Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme d«r Sonn- und Feiertage. — Der Bezu gs pteil beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zettunglstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch, 22. Dezember 1909.
Die Jusertionsgebüvr beträgt für dre 7gespaltene Zeile oder deren Rau» ‘15 Pfennig, für Reklamen 33 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, llniversttätsbuchdruckerei Inhaber Dr. $. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblalt Nr. 98.
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In diese« Tagen
wirb ta Briefträger wegen der Abonnettrentlerneuerung bei den Po^abonnenten anfraaen; man sorge dafür baßer die Bestellung aus die -Oberhessische Zeitung" für dass. Quartal 1910 erhält. Nur aus MrMBetfr spart man sichMitbe und und kann auf ungestörten Fortbezug der Zeitung nach dem 1. 'Januar rechnen.
Gegen die deutsche Wirtsckafts- und Handelspolitik der letzten Jahrzehnte zu Felde zu ziehen, fühlt sich der Handelsver- tagsoerein wieder einmal gemüßigt. Nach einer neuesten, Auslassung ist diese Politik chuld daran, daß sich die einzelnen Staaten immer mehr von Deutschland abschließen und daß dadurch die deutschen Handelsbeziehungen schlechter werden. Als der neue deutsche autonome Zolltarif zur Beratung stand, prophezeite die gesamte freibändlerisch« Presse, daß es nicht möglich lein würde, auf seiner Grundlage zu Handelsverträgen mit anderen Ländern zu gelangen. Die neueste Auslassung des Handels- neriraqsvereins ist auf den gleichen Ton ge- Kmmt. Und doch hat die tatsächliche Entwick- . ng einen ganz anderen Gang genommen, wie di« Freihändler behaupteten und behaupten.
Deutsche Reich hat nicht nur in der Aera btx Politik des Schatzes der nationalen Arbeit wrfj mehr Handelsverträge abgeschlossen als früher, es find auch in den vielerlei auf Grund des reuen Zolltarifs abgeschlossenen Tarifverträgen weit gründlichere Ordnungen der Handettberiebungen Deutschlands zu Auslandsstaaten rrfolgt, als vor dem Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts überhaupt als möglich angesehen wurde. Dazu kommt, daß di« Handelsvertraqsform Variationen erlebt, von denen man sich vordem keine Vorstellung macht«. Früher gab es Tarif- und Meistbegünsttgungs- verträae. Reute gibt es außerdem Reziprozitäts- verträae, wie mit den Vereinigten Staaten von Amerika, es gibt so eigenartioe Gebilde, wie den neuesten deutsch-portugiesischen Vertrag, es gibt die Regelung mittels autonomer Gesetzgebung, wie das deutsch-enalische Handelspro- viiorium u. a. m. Ja, glaubt denn demgegenüber der Handelsvertragsverein wirklich, daß ihm jemand, der die Verhältnisse auf handelspolitischem Gebiete kennt, glauben wird, wenn er behauptet, das Ausland schlöße sich gegen»
545°^- —>■ - (Nachdruck verboten.)
Was Gatt zulamrnerraefugt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
, (Fortsetzung.»
„Papa, sprich nicht in diesem Tone von Georg von Rodenfels, Du tust mir weh."
Er sprang auf und faßte sie rauh am Handgelenk.
„Was geht Dich dieser Mensch an?" stieß er heiser hervor.
Sie war leichenblaß geworden, aber ihr« Augen blickten fest in die seinen.
„Ich habe ihn lieb, mehr als mein Leben, und habe ihm versprochen, seine Frau zu . werden."
Er ließ ihre Hand los und taumelte zurück. Wie gebrochen sank er in seinen Stuhl. Renat« kniete an seiner Seite nieder.
„Lieber Papa — was ist Dir? Sei doch gut zu mir. Ich liebe ihn so sehr."
' Er stieß sie zurück. Wilde Entfchloffenheit lag in seinen Augen.
„Das schlag Dir aus dem Sinn. Törichte Mädchenschwärmerei, nichts weiter? Nie — hörst Du wohl — nie gebe ich dazu meine Einwilligung? Es darf nicht sein."
Renate stand langsam auf.
„Papa — was hast Du gegen ihn?"
Er lachte schneidend auf. „Was ich gegen ihn habe? Daß er der Sohn seines Vaters ist!"
Und Renate plötzlich mit aufquellender Zärtlichkeit ew sich ziehend, sagte er mit bebender Stimm«.
über Deutschland immer mehr ab? Schon der Umstand, daß kein« Reichstagstagung in den letzten Jahren vergangen ist, in der nicht Handelsverträge zur Beratung standen, und daß gegenwärtig zwei solcher Verträge dem Reichstage noch vorliegen, läßt doch erkennen, daß die Behauptung unrichtig ist. Im Gegenteil, noch nie find die Handelsbeziehungen des Deutschen Reiche» zum Auslande so geregelt gewesen, wie heut«, und noch ui« ist deshalb auch das Ausland in so tätigen Handelsbeziehungen zum Deutschen Reich« gewesen. Ob die Handelsbeziehungen gut oder schleckst Rnb, erkennt man an der Gestaltung des Außenhandels. Hier aber brauchen doch wirklich nicht erst Zahlen angeführt zu werden, um zu beweisen, wie sich unter der seit einigen Jahrzehnten befolgten Wirtschasts- und Handelspolitik der Verkehr mit dem Auslande gehoben hat. Der kleine Rückgang im Jahr« 1908 war durchaus vorübergehender Natur und ist nicht bloß in Deutschland beschränkt gewesen. Mit seinen neueste Angriffen auf die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit, die sich sehr wohl mit einer rationellen Handelspolitik verknüpfen läßt, wird demnach der Handelsvertragsverein fetzt ebensowenig Erflog haben, wie mit früheren. Es bleibt dabei, daß Deutschland zu einem guten Teile die wirtschaftlichen Erfolge der letzten Jahrzehnte, ebenso wie die Steigerung seiner Wohlhabenheit seiner fetzigen Wirtschafts- und Handelspolitik zu verdanken hat. Und da die Nation wirtschaftliche Erfolge höher einschätzt als noch so schöne Phrasen, so roitb es auch schon trotz Handelsvertragsverein bei der jetzigen Wirtschaft!-- und Handelspolitik einstweilen noch sein Bewenden haben.
Politische Umschau.
Die Mission Cassel» in Berlin.
Zn dem Besuche Sir Ernst Cassels in Berlin meldet der Berliner Vertreter de» „Standard" folgendes:
„In gut informierten Kreisen herrscht die Auffassung vor, daß die Verhandlungen, die Cassel hier führt, nicht nur ein Zusammengehen Erobritanniens mit Deutschland in Sachen der Bagdadbahn herbeiführen, sondern überhaupt den Weg zu einer Besserung der Beziehungen der beiden Länder zu einander ebnen würden. Es scheine ferner, daß die Initiative in diesem Fall« wieder von Kaiser Wilhelm ausgegangen sei. Der Kaiser habe Sir Ernst Cassel schon seinerzeit eingeladen, als König Eduard zum letzten Male nach Berlin kam. Der englische Finanzmann habe aber damals der Einladung keine Folge leisten können, weil er nach Konstantinopel und Aegypten habe reisen müssen."
Dazu bemerkt die „D. Tagesztq.": Ein Zu- sammengchen Großbritanniens mit Deutschland in Sachen der Bagdadbahn? Was hat Deutschland mit der Bagdadbahn zu tun. Was die deutsche Einladung an Herrn Cassel betrifft, so mag die Sache vielleicht stimmen, wenn man nämlich statt des Deutschen Kaisers die „Deutsche Bank" setzt . Wie aber die „Deutsche Bank" die deutsch-englischen Beziehungen bessern will, bleibt das Geheimnis ihrer hohen Diplomaten.
„Renate, siehst Du d nn nicht klar? - Begreifst Du nicht, daß er sich Dir nur genähert hat, um Rodenfels auf bequeme Weife an sich zu bringen? Mein armes, liebes Kind, damit mußt Du fertig werden! Ich habe feinen Vater gekannt. Er war ein gewissenloser Schurke. Sein Sohn wird ihm nachgeraten sein. Du wirst ihn vergessen, mein Kind! Niemals kann und werde ich zugeben, daß Du die Frau dieses Glücksritters wirst."
Renate richtete sich aus feinen Armen empor Bleich bis in die Lippen, aber fest und ruhig stand sie vor ihm.
„Schmähe ihn nicht, Papa. Er ist meines Lebens Höchstes. Was fein Vater Dir getan, ich weiß es nicht weiß auch nicht, ob er ein Schurke war. Da Du es sagst, muß es wohl fein — aber Georg ist ein Ehrenmann. Er liebt mich, wie ich ihn liebe!"
„Das hat er Dir natürlich versichert. Ach Du armes törichtes Kind, fei froh, daß ich da bin, um Dich zurückzuhatten. Es wäre Dein Unglück."
„Und wenn es wäre, Papa — ich kann ihn nicht lassen."
Eoulmann stöhnte tief auf.
„Du wirst ihn vergessen, Kind, sei doch nur dies eine Mal meine folgsame vernünftige Tochter. Füge Dich — ich habe schwerwiegende Gründe, es von Dir zu fordern. Auf keinen Fall gebe ich zu, daß Du in Dein Unglück läufst."
„An seiner Seite ist mein Glück und ich glaube an ihn. Papa — fei doch gerecht, prüfe ihn erst, ehe Du ihn verurteilt. Ich kann nicht
von ihm lassen. Ich kann nie&tt“ . ä
Deutsches Reich.
— Bundesrat. Berlin, 20. Dez. Der „Reichsanzeiger" schreibt: In der am 18. Dezember abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesrats wurde beschlossen, dem Gesetzentwurf betreffend die Feststellung des Nachtrags zum Reichshaushalts- etot für das Rechnungsjahr 1909 in der vom Reichstag angenommenen Fassung die Zustimmung zu erteilen.
— Zur Hochzeit in Braunschweig. Braun- schweig, 20. Dez. Wie die „Landeszeitung« erfährt, Überreichte die Landesversammlung des Herzogtums der Herzogin Elisabeth als Hochzeitsgabe 50 000 Mark. Die Zinsen des Kapital» sollen zur Unterstützung bedürftiger Landesein- wohner verwendet werden.
— Der Großvater bet Kronprinzessin Ce- cilie f. Cannes, 19. Dez. Der Großvater der deutschen Kronprinzessin, Großfürst Michael Nikolajewitsch, ist gestern nachmittag um %5 Uhr hier in seiner Villa im 78. Lebensjahre gestorben. Der Großfürst, der am 25. Oktober 1832 als vierter Sohn des Kaisers Nikolaus geboren wurde, war das älteste Glied des russt- schen Kaiserhauses. Er lebte seit einigen Jahren ständig in Baden-Baden und an der Riviera. Er hatte fich am 28. August 1857 mit der badischen Prinzessin Cecilir verheiratet die nach ihrem Uebertritt zum orthodoxen Glauben den Namen Olga Feodorowna annahm. Dieser Ehe sind fünf Söhne und ein« Tochter entsprossen. Seine Tochter, die Großfürstin Anastasia, vermählte fich am 24. Januar 1879 mit dem Erb- großherzog, späteren Eroßherzog Friedrich Franz HI, von Mecklenburg-Schwerin. Ihre Tochter ist die Kronprinzessin Cecili«.
— Für di« Mannesmannsrechte. Im Namen des Vereins Hamburger Reeder hat der Vorsitzende Eeneraldirettor Ballin eine Eingabe an den Reichskanzler gerich.et, in der er Im Interesse der deutschen Schiffahrt und der deutschen Eisenindustrie dringend darum gebeten wird, daß das Reich die Mannesmannschen Bergwerks- konzessionen in Marokko dem deutschen Kapital sichere. Der Verein Hamburger Reeder schließt sich dem Ersuchen jener Handelskammern an, di« bereits für den energischen Schutz der Konzessionen eingetreten find. Bisher, so wird in der vom Eeneraldirettor Ballin unterzeichneten Eingabe an den Reichskanzler ausgefühtt, hätten Hamburger und andere deutsche Reedereien lohnende Beschäftigungen beim Erzttansport aus Schweden gefunden, aber dieser Verdienst sei durch die bekannten Pläne der Einschränkung der schwedischen Erzausfuhr gefährdet. Daher sei da» Interesse der deutschen Schiffahrt an einer Ausbeutung neuer, eben der marokkanischen Erzlager unter deutscher Kontrolle um so größer. Der Verein Hamburger Reeder bittet den Reichskanzler, bei seinen Enscheidungen in der Mannesmann-Angelegenheit die angeführten Gründe berücksichtigen zu wollen.
— Bon der Eisenbahn. Berlin, 20. Dez. Die Betriebseinnnahmen der Preußisch-Hessischen Staatseifenbahnen bettugen im November 1909 gegenüber dem November des Vorjahres im Personenverkehr 1,7 Mill. Mark gleich 4,75 Prozent, im Güterverkehr 7,8 Mill. Mark gleich 7.26 Prozent mehr, insgesamt nach Abzug der Mindereinnahme aus sonstigen Quellen 9,3 Mill, gleich 6,09 Prozent mehr. Zu berücksichtigen da-
„Du wirst es müssen," sagte er fest und streng. „Ich bin Dir imr*"t ein nachsichtiger, liebevoller Vater gewesen. Wenn ich nicht überzeugt wäre, daß diese Verbindung Dein Unglück wäre, würde ich Dich nicht nutzlos quälen. Glaube mit, ich will Dein Bestes, Renate."
Sie preßte die Hände ans Herz.
„Vater, ich lasse bis zum letzten Atemzug nicht von ihm! Wir haben uns Treue geschworen bi» in den Tod!"
„Er würde sehr schnell fettig sein mit dieser Treue, verlaß Dich darauf! Sein Vater hat auch einst seinem Weibe die Treue geschworen am Altar und kurz nach der Hochzeit brach er diese Treue, mehr als einmal. Ein meineidige» Geschlecht. diese Herren von Rodenfels."
Renate schlug die Hönde vors Gesicht. „Ich glaube trotzdem an ihn, Vater. Du kannst mir verbieten, ihn zu heiraten, nie aber wirst Du mich wankend machen in meiner Liebe und meinem fessenfesten Vertrauen zu ihm. Und nie werde ich einem unbeten Manne die Hand teichen, das versichere ich Dir!"
Coulrnann blickte sie schmerzlich und düster an. In ihren Worten lag ein schwerer Ernst. Aber «r tröstete fich mit dem Gedanken, daß viele schon gesprochen hatten wie sie und dann doch mit einem anderen glücklich geworden waren. Er richtete sich hoch auf, feste Entschlossenheit lag in seinem Gesicht. Mit Renate erreichte er jetzt nichts, das sah er ein. Er zürnte ihr nicht, daß sie sich nicht seinem Willen fügen wollte. Sie war verblendtt, betört durch di« Verführungskünpe dieses Menschen, der fich
bei ist, daß der November bc«-- laufenden Jahres einen Sonntag weniger 'inen Werktag mehr als im Vorjahre hau-
— Ein seltsamer Theologie-Professor. Berlin.' 18. Dez. In einer vom „Verein der entschieden Liberalen" zu Göttingen veranstalteten Set», sammlung führte der Theologieprofessor Souff et nach der „Hildesheimer Zeitung" unter anderem aus: Ein neuer Kulturkampf um dieSchnle müsse, kommens man müsse fich ein Beispiel an Frank», reich nehmen. In diesem Kampfe gelte es nicht nur dem Zentrum, sondern auch dem reaktto-, nären Konservatismus. Deshalb müsse der Liberalismus im Hinblick auf feine Schwäche sich einen starken Bundesgenossen suchen, und das fei die Sozialdemokratie. Diese brauchte nur di« etwas feineren Formen der süddeutschen Genossen anzunehmen; dann werde die Sache ichon gehen, wie das Beispiel in Baden gezeigt hab«. Der Standpunkt einiger liberalen norddeutschen Zeitungen, Jbie von einem Bündnisse mit der Sozialdemokratie nichts wissen wollten, sei waschlappig. Als dann ein sozialdemokratischer Redner das klein« Häuflein der entschieden Li-, beralen verhöhnte und meinte, sie müßten zu den Stärkeren kommen, das feien die Sozialdemo-' traten, antwortete Professor Bousset, der Klüger« müsse allerdings nachgeben und anfangen. — Die „D. Tagesztg." meint dazu: Allerhand Hochachtung vor dieser „Klugheit" und vor einem Theologieprofessor der in solcher Weis« Kotau vor der kirchenfeindlichen Sozialdemo» kratie macht! -
Ausland.
*• Skt Ausstand in Australien. Sydney, 20. Dezember. Die Vereinigung der Bergleute des Nordrevieres erließ an die Bergleute des Süd- revier» ein Zirkular, in dem diese aufgeforbert werden, fest zu bleiben und in dem sie erklärt«, daß Re selbst die Löhne des obligatottschen Lohnamte» nicht annehm«. Ferner wird gemeldtt, daß die North Sydney Gas Company nicht mit Kohlen versehen und daß 70 000 Menschen abends ohne Gasbeleuchtung seien.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 del Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhesi. Ztg." gestattet.?
Marburg, 21. Dez.
* Winters Anfang. Am 22. Dezember mittags 12 Uhr tritt die Sonne in das Zeichen de» Steinbocks — : Der Winter hat begonnen. Brr! werden manche unserer Leser sagen (nodj eingedenk de» letzten Winters): Nun kommen die bösen Tage? Gewiß, die strenge Zeit geht los; der Kalendermann hat'« erlaubt. Aber na — so schlimm wirds nicht werden; bange machen gilt nicht! Und zumeist ist es auch so, daß einem harten Winter ein milder folgt. Uebrigens handelt stch's ja nur um „lumpige" 90 Tag«. Mit denen wird wohl auszukommen fein? Hoffen wir das beste? Schlagen wir uns zu den Optimisten, die da sagen: Schließlich ist, der Winter nur dazu da, um einen — neuen Frühling einzuleiten.
)( Universität. Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität ernannte den bekannten Künst
ln feinen friedlichen Kr is eingeschlichen hatte, um Unheil anzurichten. Sie würde wieder vernünftig werden, wenn sie erst einsah, daß et si« vor großem Unglück bewahrt hatte. Ein Wott brauchte er ja nur mit diesem Herrn von Roden- fels zu sprechen, um ihm zu beweisen, daß seine Bemühungen um Renate ganz zwecklos waren. Dann würde er sich von selbst zurückziehen und dtese törichte Neigung Renates würde im Keim erstickt. Mit Renate wollte er in dieser Angelegenheit nicht mehr verhandeln. Um sie zu überzeugen, hätte er die ganze Vergangenheit vor ihr enthüllen, hätte sie in Schutt» und Schande blicken lassen und das Geheimnis preis» geben müssen daß er nut eine Tochter befaß.
Renate hatte ängstlich sein nachdenkliches Gesicht betrachtet. Jetzt hob sie die Händ« bittend zu ihm auf.
„Papa, lieber Papa, fei gut, ich bitte Dich? Prüfe ihn, lerne ihn erst kennen, aber nimm mit nicht alle Hofsnm.g! Laß mich nicht zweifeln an der Güte und Gerechtigkeit meines Vaters."
Er zog sie bewegt an sich. „Nie hab ich Dich sorgender und zärtlicher geliebt als jetzt, mein Kind, da§ glaube mir. Ich bange um Dein Glück. Aber Du sollst .nich nicht ungerecht schelten und mit Dein Vertrauen entziehen. Es sei also, wie Du willst, schicke mir diesen Herrn von Rodenfels hierher, ich will mit ihm sprechen." '
„Heißen Dank, Papa." »
„Versprich Dir nicht zu viel von dieser Unterredung. Ich glaube nicht, daß er vor meinen; Augen di« Prüfung besteht. Ich sehe Mrserf al. Du!" .: t,, hKottjetzung folgt) j