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U. Jahrg.

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Zweites Blatt.

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Vom Bauernbund meinte der Redner: Unverständlich ist es mir, wir Herr Dr. Böhme es glaubt verantworten zu können, fetzt wieder einen Keil zwischen Klein- und Erostgrundbefitz zu treiben fetzt nachdem wir einerseits dem in Zeiten der' schwersten Rot geborenen treuen Zu­sammenhalten der Landwirtschaft so fichtbare Erfolge verdanken, auf der anderen Seite aber einem so gewaltigen neuen Ansturm gegen den der Landwirtschaft mühsam erkämpften Schutz

einer ganzen Reihe von Handelskammern und Großbanken wurde berichtet, daß dank der stei­genden Kaufkraft der Landwirtschaft unser ge- stimtes Erwerbsleben auch in dem kritischen Jahre 1908 vor schweren wirtschaftlichen Er­schütterungen, wie fie andere Länder trafen, be­wahrt geblieben sei. Und vor wenigen Tagen hat ein industrieller Führer der Nationallibe­ralen der Abg. Streseman , dies im Reichs­tage ausdrücklich bestätigt. Ja? selbst Sozial­demokraten wie Calwer und Schippe! erkannten an daß auch die Arbeiter ihre bessere Lage dem besseren Schutze unserer heimischen Arbeit ver-

fie hastig:

Ich will Papa folgen, er unwohl zu sein."

Gestatten Sie, daß ich Sie begleite, gnädiges Fräulein

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ander in die Augen und es war ihnen plötzlich, als senke sich ein Schatten aus ihr sonniges Mück. ,, ,

Eoulmann erhob sich schwerfällig. Er sah um Jahre gealtert aus. Der Name seines Feindes hatte alles wieder wachgerüttelt, was er in langen Jahren gelitten hatte. Ein Un­wohlsein vorschüüend verließ er die Geiellschast und schritt die Düne hinauf demSeestern zu.

Renate sah ihm bettoffen nach, dann sagte

entaegengehen.

Vom 5>anlabund führte er aus: Wenn der Hansabund in keiner Weitherzigkeit schon ein­mal so weit neben wollte. Industrie, Handel und Gewerbe einschließlich des Kleingewerbes und Handwerks zulammeninichließen, dann hätte er ebenso mit auch als Vierten, die Landwirtschaft mit unter seine lchübenden Flügel nehmen kön­nen. Und dann, wenn er so ein Bund zum Schutz der gemeinsamen Interessen unserer ge­samten erwerbstätigen Arbeit, ohne_ polittsche Nebenzwecke, geworden wäre, dann wäre ich der Erste gewesen, der ihm mit Freuden beigetreten wäre. Dann wäre et wirklich ein Bund nach meinem Herzen, und auch durchaus kein Bund gegen die Konsumenten, die sog.Festbesolde­ten" gewesen. Denn das möchte ich doch auch den Begründern diele? neuesten Bundes noch zu bedenken geben: Wo soll denn eigentlich das Geld zu den festen oder vielmehr jetzt erhöhten Besoldungen Herkommen, wenn es nicht in unsrer erwerbstätigen Arbeit erst verdient wird? Das Reich, die Staaten und Kommunen können doch feste Besoldungen nur aus den Steuern zahlen, die in erwerbstätiger Arbeit verdient werden. Und nur wo mehr verdient wird, können auch höhere Steuern zu höheren Besoldungen bezahlt werden Also die Festbesoldeten schwimmen ge­wissermaßen mit auf der aufsteigenden oder ab­steigenden Flutwelle unseres Arbeitsverdienstes und unseres allgemeinen Wohlstandes. Den öffentlichen Beamten kommt dieser Zusammen­hang wohl nicht so schnell zum Bewußtsein als den mehr im Erwerbsleben stehenden Privat­beamten Aber fie alle würden bei einem an­haltenden Rückgang unseres allgemeinen Ar- beitsverdienstes und Nationalwohlstandes sehr Die wirtschaftlichen Auf- bald in Mitleidenschaft gezogen werden In

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Eoulmann zusammentreffen sollten. Ihre Werbung sollten fie jedoch erst vorbringen, wenn die Schwestern ihren Vater ein wenig vorbe­reitet hatten.

Eoulmann nahm imSeestern Wohnung. Sobald er sich umgekleidet hatte, machte et zu- erft Paula Hardenberg seinen Besuch, um ihr zu danken, daß fie fich seiner Töchter so liebens­würdig angenommen hatte.

Sie emvfing ibn in ihrer feinen Art und unterhielt fich mit ihm über seine Reise. Cout= mann hatte stärker wie je das Empfinden, daß Paula Hardenberg eine charmante, kluge und im innersten Herzen vornehme Frau war. Er freute fich sehr, daß seine Töchter die Gesellschaft dieser Frau genießen dursten und ihr noch näher getreten waren in der Zeit seiner langen Ab­wesenheit..

Am anderen Morgen saß Eoulmann mit den Damen und Eva am Strand. Zuweilen ftreifte sein scharfer Blick die beiden Schwestern. Sie schienen ihm stiller als sonst und ettvas be­fangen. Das schob er jedoch auf die lange

Trennung und machte fich keine Gedanken

darüber. - , , _

Mary sah in der Feme Bernhard Traut­mann auftauchen. Sie wurde rot und gab Renate einen verstohlenen Wink, den diese so­fort verstand. Sie hängte fich an Coulmanns Arm. _

Papa, Du findest auch einen alten Be­kannten hier Bernhard Trautmann oder jetzt vielmehr Dr. Bernhard Trautmann."

Das ist ja famos, Kinder. Aber sein Bru­der, ist der nicht auch glommen?"

Stein, Papa, er hat zu viel zu tun." .

Schade. Ja, ja, et ist ein tüchtiger Mensch, der wird seinen Weg machen," sagte er aner­kennend. . » . . .

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schien mir sonderbar!

Sie sah ihn an mit erblaßtem Gesicht.Ich weiß es nicht, Liebster. Aber mir ist plötzlich, als drohe unserem Glücke Gefahr. Jedenfalls muß ich jetzt sofort mit meinem Vater sprechen. Diele Unruhe ertrage ich nicht. Sobald ich weiß, was uns droht, erhältst Du Nachricht.

Renate mein Lieb!"

Sie lächelte zu ihm aus.Wir zwei gehören zusammen, nichts kann uns trennen, als der Tod." sagte fie fest und klar.

Er preßte ihre Hand zwischen der seinen. Nichts als der Tod, mein Sie*. Hab Dank für dieses Wort. Nun bin ich ruhig."

! Sie sahen fich ernst und innig In die Augen.

Gehe jetzt zurück, Lieber. Auf Wiedersehen nachher." m t

Auf Wiedersehen, meine teure Renate.

Diese eilte Ine Haus.

1 (Fortsetzung folgt.)

Marburg

Sonntag, 19. Dezember 1909.

Was Gott zulammenaefugt.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Später, als Georg einige Minuten mtt Paula allein war, sagte er zu ihr:Mein Glück hat gestern Abeirt feste Gestalt ange­nommen, teure, verehrt« Freundin. Sie sollen es wissen, wenn auch sonst kein Mensch davon erfahren soll, bis Herr Eoulmann angekommen ist und uns seine Einwilligung gegeben hat."

Sie reichte ihm die Hand.So darf ich auch mit Worten noch nicht Glück wünschen, lieber Freund. Aber im Herzen tue ich es mtt Freuden."

Er zog ihre Hand an seine Lippen.

'Zu Renate war Paula doppelt gütig in diesen Tagen? Die goldig schimmernden Augen strahlten, wie von innen heraus vom Glück durchleuchtet. Und auch Mary war etwas ernster, verträumter geworden. Frau Werner fing endlich auch an, sich allerlei Gedanken zu machen. Jedenfalls war fie sehr ftoh, daß Coul- mann zuruck kam und die Verantwortung von ihren Schultern nahm.---

Pünktlich traf Eoulmann ein. Seine Töchter erkannten ihn, fast nicht wieder, so sonnengebräunt und frisch sah er aus. Georg und Bernhard hatten die Schwestern zum Bahn­hof begleitet, waren aber bann allein wieder zurückgegangen, um das Wiedersehen nicht zu ffören. , v

Eoulmann freute fich sehr über das blühende Aussehen seiner Töchter. Er war sehr heiter und aufgeräumt.

Die jungen Paare hatten verabredet, daß die beiden Herten erst am nächsten Tage mit

laut.

Sie nickte mit dem Kopfe ihrer Seite schritt, fügte er leise hinzu:

Was war das, Renate? Dein Vater er-

Die JnUrtionSgebühr beträgt für die < gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Vertag: Joh. Ang. Koch, llniosrsitatSbnchdrnckerei Jnbaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Bo» btm foiijcrvatiucii Delegiertentage geben wir nachstehend einige kurze Darstell­ungen: Ms den gehaltenen Reden.

Abg. Dietrich der über die Haltung und Ziele der konservativen Partei in der Frage der Reichsfinanzreform sprach, führte aus: Es habe nicht allgemein in der Partei die Meinung ge­herrscht, unter allen Umständen die Erbschafts­steuer abzulehnen, aber darin habe Einigkeit von Hause aus geherrscht, daß die Reichsfinanz­reform zustande gebracht werden müsse, ob mit, ob ohne Erbschaftssteuer. Mit aller Geduld habe man die Arbeit a;t den indirekten Steuern im Block zu leisten versucht, ja von hoher ver­antwortlicher Regierungsstelle sei angesichts unserer Bemühungen in den Detailberatungen gesagt worden, man bestaune oder bewundere unfern Optimismus, die Reichsfinanzreform mit dem Block zustande zu bringen. Erst als sich die Unmöglichkeit fruchtbringender Tättg- keit zeigte, da erst hätte sich die Partei ent­schlossen, die Reichsfinanzreform auch ohne die linken Parteien durchzuführen, mtt Bundesge­nossen, wie und wo sie zu finden wären. klebet diese Vorgänge ist der Reichskanzler nicht im Unklaren gelassen worden. Deshalb könne es nicht wahr fein und sei ja auch nicht wahr, daß der Kanzler das häßliche Wort gesagt habe, die konservative Partei treibe ein frivoles Spiel mit den Interessen des Vaterlandes". Durch die entgegengesetzte Behauptung sei das Bild dieser glänzenden Persönlichkeit arg entstellt worden. Sein Sturz war die Folge seiner eigenen Feh­ler. Er hat betont, die Reichsfinanzreform werde nicht ohne die Parteien der Linken ge­macht werden. Dadurch gab er, der sich stets als Gegner des parlamentarischen Systems bekannt hatte, in die Hände der Linken, und ihre Niederlage befiegeltt feinen Sturz, den wir weder erstrebt, noch auch nur gewünscht haben. Mit den Polen und dem Zentrum sei es kein Bündnis, sondern nur eine communio meidens, eine zufällige Vereinigung gewesen, wie sie auch der Fürst Bismarck nie verschmäht hat, wenn fie fich nutzbringend erwiesen habe.

Oberbürgermeister Dr. Beutler (Dres­den) sprach über:Konservative Partei und Wirtschaftliche Vereinigung". Er widerlegt die Behauptung, die deutschkonservative Partei sei zum Schleppenträger des Bundes der Landwirte geworden: die deutschkonservative Pattei habe allezeit und ganz besonders auch bei Genehmig­ung des Zolltarifs und der auf Grund desselben geschlossenen Handelsverträge die Interessen der deutschen Industrie in derselben energischen und erfolgreichen Weise wahrgenommen wie die­jenige« der Landwirtschaft. Der Beweis da­für liegt vor allem in dem Erfolg, daß Industrie und Handel in steter Fortentwicklung auf Grund des neuen Zolltarifs und der Handelsverträge fich erhalten und, abgesehen von der auf anderer Ursache beruhenden Krifis des vergangenen

fähigkeit und unabhängige Machtstellung des Reiches kommt, trotz der größeren Zahl der tn bet Industrie beschäftigten Personen, doch un­serer ^Landwirtschaft und deren Erhaltung eine größere Bedeutung zu als dem Anwachsen unserer Industrie, und zwar aus zwei ganz durchschlagenden Gründen: Der erste ist die wesentlich größere Kriegstauglichkeit unserer

I ländlichen Bevölkerung gegenüber der indu- | sttiellen und namentlich großstädtischen. Eine I soeben im Kriegsministerium berausgegebene I Statistik über die Militärdiensttauglichkeit bet verschiedenen Berufsstände gibt ein wahrhaft erschreckendes Bild von dem Rückgang der Wehr-

I fähigkeit unserer großstädtischen Bevölkerung. I Das zweite noch wichtigere, aber ist, daß, ganz besonders unter ben gegenwärtigen politischen Verhältnissen bei bet deutschfeindlichen Stim­mung Englands, die Kriegsbereitschaft die Vet-

I teidigungsfähigkcit und damit die Machtstellung des Reichs vollkommen bedingt ist von der Lei­stungsfähigkeit unserer Landwirtichaft zur feld- ständigen vom Auslände unabhängigen Ernäh­rung unteres Volkes. Heute bat sich, gestutzt

I auf unsere neuere Wirtschaftspolitik unsere Landwirtschaft durch bedeutende technische Fort­schritte diese Leistungsfähigkeit zu erwerben ver-

I standen. Trotz der gewaltigen Zunahme unserer I Bevölkerung sind wir von Jahr zu Zahr mit unserer Getreide- und Fleischversorgimg vom Auslande unabhängiger geworden Nur noch 2i/o v H. unseres gewaltigen Fleischbedarfs haben wir im letzten Jahre aus dem Auslande bezogen. Und in unserer wichtigsten Brot frucht, dem Roggen, haben wir nicht nur den Scbarf voll gedeckt, sondern sind, wer hätte das noch vor 5 Jahren für möglich gehalten, wieder zu einem Getreide-Exportlande geworden. Und auch t» Zukunft, mag immerhin unsere Bevölkerung weiter steigen, kann und muß unsere Landwirt- schaft bei sorglicher Pflege unser ganzes Volk aus eigener Scholle mit Nahrungsmitteln versehen. Wie aber wäre unsere wirtschaftliche Lage der der Unsicherheit ausländischer Zufuhren, schon in den letzten Jahren gewesen?, und wie wurde gar unsere militärische Lage in einem Kriegs­fall fein, wenn es anders wäre? In England hat vor wenigen Tagen ein politischer Klub unter dem Vorsitz eines Großadmirals erklärt, England werde bei einem europäischen Kriege selbst das Völkerrecht brechen und selbst neutrale Schiffe nicht schonen, um die Ernährung feines Volkes zu sichern und die Versorgungen des Feindes abzufchneiden. So weit ist heute mit bet Besorgnis Englands um die Ernährung seines Volkes in Kriegszeiten gekommen. Wie aber würde erst untere Lage bei gleicher Abhän­gigkeit von ausländischen Zufuhren sein? Nein, m H , wenn jemals Deutschland aufh- '-n sollte, in gleichem Maße Aqrarstaat wie Industrie­staat' zu fein, so würde damit nicht nur seine wirtschaftliche, sondern auch seine nationale Kraft und seine Weltmachtstellung gebrochen sein. Diese nationale Bedeutung unserer Land­wirtschaft darf, bei aller wirtschaftlichen Gleich­berechtigung der Industrie, weder die konser­vative noch irgendeine nationale Partei in ihrer Wirtschaftspolitik außer acht lassen. Ich

In diesem Augenblick erschien Trautmann und wurde von Eoulmann sehr fteundlich be­grüßt. Mit jovialer Herzlichkeit gratulierte er ihm zu dem bestandenen1 Doktorexamen und hörte mit Vergnügen, daß Bernhard bereits feste Anstellung hatte. Er Hopfte dem jungen Mann auf die Schulter und sagte herzlich:

Ja, ja, mein alter Freund Trautmann kann stolz sein auf seine Söhne, ein Paar Pracht­kerle, auf mein Wort."

Er erkundigte sich nach Bernhards Eltern und beteuerte auch ihm gegenüber, daß Ernst nicht mit nach Z. gekommen war.

Indessen näherte sich auch Georg den Strandkörben. Renate sah ihn zuerst und grüßte ihn mit einem liebevollen Blick. Ein wenig beklommen war ihr zumute. Wie würde der Vater sich zu Georg stellen, wenn er seinen Namen hörte?

Eva lief Georg entgegen und erzählte ihm wichttg nach Kinderart, daß der Papa von Tante Renate und Tante Mary angekommen sei. Ge­org wurde von allen Seiten freundlich begrüßt und Renate sagte mit unmerklich unsicherer Stimme:

Siebet Papa, Du erlaubst wohl, Herr von Robenfels, der Sohn des früheren Besitzers von Rodenfels und Evas Bruder."

Eoulmann hatte erst lächelnd an der statt­lichen Gestalt des jungen Mannes emporgesehen, als er aber se-nen Namen hörte, ging es wie jähes Erschrecken Über sein Gesicht. Seine Augen nahmen einen düsteren, feindseligen Blick an und seine Züge wurden schlaff und bleich. Nur mühsam faßte er fich und neigte kurz, fast unhöf­lich den Kopf. N?»-,and außer Georg und Renate bemerkten diese Veränderung, weil fie vor ihm standen und ihn den Blicken der anderen entzogen. Betroffen sähe« fie fich ein«

DieÄderhesstsche Jettmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel­jährlich durch di« Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsren ZritungSstellen und der Spedition (Markt 21.) 2 Mr.

Mauert S^r h? ^zug auf die Erb- tariss und unserer neuen Handelsverträge auf schaftssteuer überhaupt eine von bet Mehrheit I unser gesamtes Erwerbsleben bre.^nntnis abweichende Meinung vertrete und sie nach wie dieses Jrrturns^n der Zunahme begrtffen.^ Von vor für richtig erachte.Aber die landwirtschaft- I lichen Interessen sind durch diese Entscheidung I bet Parteimehrheit gewiß nicht in stärkerem I Maße wahrgenommen worden als die Inter- I essen des beweglichen Großkapitals und vor I allem der in Industrie und Handel investierten Vermögen. Für die konservative Ptrter find diese Grundsätze zunächst noch im sogenannten Tivoli-Programm feftgelegt. In diesem Pro­gram ist die Sorge für die Arbeiter, für ben Mittelstand, für die Landwirtschaft, für die In­dustrie und bas Handwerk als Aufgabe bet Partei bezeichnet, aber nirgends eine Bevorzug­ung der Landwirtschaft verlangt warten. Ar­beiter- und Mittelstand wissen es auch sehr wohl, was sie der konservattven Partei zu danken haben und daß sie bei dem weiteren Ausbau der sozialen Gesetzgebung und der Eewerde- gesetze vor allem auf die Mithilfe dieser Partei angewiesen sind. Wit erkennen gern und dank­bar an, daß die konservative Patter in der landwirtschaftlichen Bevölkerung ihre festeste Stütze hat. Wie aber zeitweilig führende Man­ner unserer Partei, die selbst Landwirte sind, mit bet Leitung bes Bundes in Widerstreit ge­raten sind, so wirt die Leitung des Bundes selbst es als richtig bezeichnen, daß wir uns nicht vom Bund der Landwirte führen lassen und ab­hängig machen dürfen, wie wir auch jede feste Verbindung mit anderen ähnlichen Vereinig­ungen anderer Berufsstände vermeiden müssen. Zum Schluß noch ein Wort zum Hansabund und zum Deutschen Bauernbund. Beide sind ja mehr ober weniger in bet Absicht gegrünbet worben den Einfluß des Bundes der Land- wirtt im politischen Leben zu paralisteren. So­weit es sich dabei um einen Kampf von wirt- schaflichen Vereinigungen untereinander han­delt, kann die konfervattve Parttt ruhig zusehen und fich die Stteiter selbst überlassen. Nur wenn fich, wie es wohl tatsächlich hier und da bet Fall war, unter bem Schilde dieser wirt­schaftlichen Vereinigungen polittsche liberale Bestrebungen verbergen, so daß die ersteren nut eine Art Verbrämung für die letzteren bilden, werden wir auf bet Hut sein und ben Gegner zwingen müssen. Farbe zu bekennen und ihn bann um so energischer bekämpfen. Auch gegen­über bem Bund bet Industriellen eine grund­sätzlich gegnerische Stellung einzunehmen, würde ich für durchaus falsch halten. Wir müssen der Industrie doch dasselbe Recht einräumen, sich zur Wahrung ihrer Interessen zusammen­zuschließen, wie den Landwirten. Und wenn wir behaupten und in der Praris beweisen wol­len, daß wir keinen Erwerbsstand vor dem anderen bevorzugen, so müssen wir auch ben wirtschaftlichen Vereinigungen aller Stande gegenüber eine gleichmäßige neutrale Stellung einnehmen. (Lebhafter, allgemeiner Beifall.)

Abg. Graf v. Schwerin-Lowitz refe» rierte sodann über: gaben bet konservativen Partei". Erfreulicher-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: .Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."