mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
M 295
Die „Gberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel' jährlich durch die Post bezogen 2,2» Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag 17. Dezember 1909.
Die Jniertionsgebüyr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Tug. Koch, Ilaioersitätsbu hdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzero th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
i
41. Jahrg.
zweites Blatt.
Rus dem Neichstaqe. . ,
Sih>«g vom 15 Dezember' 1808. • •
Am Bundesratstische Staatssekretär Dr. Delbrück und Schatzsekretär Wermuth.
Rach kurzen Bemerkungen der Abg. Molkrnbubr und Stadthagen (Soz.) werden die Etats über die Enlchädigung der ? abakarbeiter in dritter Lesung definitiv angenommen.
Hierauf wird die Besprechung der Interpellationen des Zentrums und der Sozialdemokratie betreffend den Arbeitsnachweis fortgesetzt. Fuhrmann (natlib.): Der paritätische Arbeitsnachweis ist auch das Ziel meiner Freunde, wir ivcilen aber nicht, daß der Arbeitsnachweis ein Kampfobjekt wird. Wir erwarten, daß die Zechenverwaltung bei der Durchführung der neuen Maßregel loyal verfahren und daß die Arbeiter mit kühlem Blut die Entwickelung der Angelegenheit betrachten und der Frieden aufrecht erhalten bleibt. Manz (freis. 93p.): Durch solche Maßnahmen, wie eS der einseitige Zwangsarbeitsnachweis ist, erfährt die zwischen den beiden Parteien bestehende Kluft noch eine Erweiterung und das müsien wir im Interesse des sozialen Friedens tief beklagen, v. Dirksen (Rp.): Wenn man erwägt, daß an vielen Orten die Arbcit- gebernachweise mit gutem Erfolg bestehen und gut funktionieren, so muß man sich doch fragen, warum in diesem kongreten Fall ein solcher Sturm von Entrüstung aufgewendet wird In Wirklichkeit wollen dir Sozialdemokraten keine pa. mischen Nachweise; sie wünschen vielmehr einen einseitigen Nachweis, der in den Händen der Arbeiter seinsoll. Ein solcher Eingriff in die Verhältnisse des Arbeitsnachweises müssen wir ablehnen. Behrens (wirtsch. Vgg.): Die Miß- pimmung. über den neuen Arbeitsnachweis herrscht weniger bei den fluktuierenden als bei den ansässigen Elementen im Ruhrrevier, die befürchten, daß sie in Zukunft ganz unter den Einfluß der Zechenverwaltung kommen werden.'-BxreitS im Jahre 1905 hat Geheim- rat Kirdorf ausdrücklich erklärt, der Bergbauverein Müsse den Arbeitsnachweis in die Hand nehmen tittfc es ablehnen, mit den Arbeiterorganisationen zu verhandeln. Abg. Naumann (fress. Vgg.): Der Staatssekretär stellt sich formell richtig auf den Standpunkt der Gewerbeordnung, obwohl sich inzwischen die Verhältnisse völlig verschoben haben. Man kann sich nicht über den Kontraktbruch wundern .wenn man bedenkt, baß er mit polnischen Arbeitern abgeschlossen wird, die den in deutscher Sprache abgefaßten Vertrag gar- nicht verstehen. Sie fühlen sich getäuscht. Und wenn sie dann davonlaufen, dann sollen die Leute erzogen ■ werden. Man geht an die Lösung der neuen Aufgabe ohne Großherzigkeit, mit Schematismus und Zwang und psychologischer Armseligkeit. Abg. Naumann bezeichnet dann das preußische Wahlrecht als unanständig und wird dafür zur Ordnung gerufen. Es ist klar, daß in einem solchen Kkassenstaat nicht paritätisch verfahren werden kann. Wenn Preußen seinem Grundsatz suum quique entsprechen will, dann muß eS das System des Dreiklassenstaates überwinden auch in seiner Verwaltung. (Huf der großen Zuhörertribüne erhebt sich eine Dame und ruft erregt etwas in den Saal; sie wird abgeführt. Bewegung). Siaats- selretär Delbrück: Daß diese Koalitionsfreiheit auch ; zu erheblichen Mißständen geführt und Auswüchse gezeitigt hat ist klar. Aus Grund eingehender Prüfung i und Ueberlegung bin ich zu dem Ergebnis gekommen, . daß der Zeitpunkt für eine zwangsweise Mnführung ; des paritätischen Arbeitsnachweises noch nicht gekommen ist. Wir können ihn heute nicht zwangsweise einführen, iverden uns aber bemühen, ibm allmählich mehr Boden zu schaffen. Vor allen Dingen gilt e» : die Kluft, die sich zwischen Arbeitgebern und Arbeit-- ! Nehmern entwickelt hat, zu überbrücken. Wenn wir
i 43 (Nachdruck verboten.)
Gott zukammerraefiigl —.
Roman von H. Lourths-Mahler.
(Forssetzung.)
Am Abend holten die beiden jungen Herren i die Schwestern und Frau Werner vom „See. stern" ab, um sie nach dem Kurhaus zur Reu- > nion zu begleiten. Entzückend sahen die beiden schlanken Mädchengestalten in den ganz gleich i gehaltenen weißen Toiletten aus. Paula sah ; ihnen von der Loggia nach und winkte ihnen Grüße zu.
. In einem luftigen Nebenraum des Kursaals, , »er mit diesem verbunden war, fanden sie einen »behaglichen Platz. Die Kurkapelle spielte be- ; teils und die Tanzlust regte sich in den jungen .Leuten. Bernhard bat Mary um den ersten Tanz. Als er den Arm um sie legte, sah er voll ! Entzücken auf ihr goldblondes Köpfchen herab.
„Das Elück ist nah.«
Er flüsterte ihr diese Worte leise zu und zog fk, vom Erfühl überwältigt, fester an sich. Sie sah ihn an mit glückstrahlenden Blicken. Ganz dicht vor ihm schimmerten ihre roten Lippen. Ein brennendes Verlangen, sie zu küssen, stieg iw ihm auf.
„Faß zu im rechten Augenblick — Das Elück 'ßst nah," sagte sie leise, selbstvergessen.
Da verließ ihn die Selbstbeherrschung.
„Du mein Elück — bald halte ich Dich ganzs" Willst Du Dich halten lassen für immer?« flüsterte er leidenschaftlich.
Sie schmiegte sich wortlos fester in seine Arme und er fühlte, wie sie zitterte. Das Elück schlug wie eine brandende Woge über ihnen zusammen, die Wett versank um sie her. —
das erreichen, so ist das mehr wert als ein Dutzend sozialistischer Gesetze. Schirmer (Ztr.): Die Antwort des Ministers hat uns nicht befriedigt. Wir vor- langen Garantien dafür, daß solche Vorgänge, wie sie in Mannheim vorgekommen sind, sich nicht wiederhole«. Bogel (natlib.): Der paritätische Arbeitsnachweis ist zwar das Ideal, heute aber noch nicht spruchreif. Der Zechenverband will nur dem übermäßigen Wechsel in den Belegschaften einschränken, und das ist von den verschiedensten Seiten als gut anerkannt worden. Sachse (Soz.): Das Versprechen, die Radbod- leichen so bald als möglich zu bergen, ist bis heute noch nicht eingelöst worden. Was Wunder, wenn die Arbeiter mißtrauisch werden und behaupten, die Lei- dwn werden solange unten gelassen, bis die Spuren zur Feststelliing der Schuldfrage verwischt sind. Eine baldige Regelung der Arbeitskammerfrage ist erforderlich. Dann müssen aber arrch die Arbeitssekretäre zugelassen werden. Die Schwarzen Listen verstoßen sicherlich gegen die guten Sitten und den 8 118 der G-werbeokdnung. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die vornehme und objeftive Art, wie der Abg. Sachse meine Ausführungen kritisiert hat, sticht angenehm ab von dem Vorwurfe, den der Abg. Naumann gegen mich erhoben hat. Wenn die, gesetzlichen Bestimmungen zum Schaden der Arbeiter mißbraucht wer- den, so ist ein derartiges Vorgehen selbstverständlich zu verurteilen. Der Arbeitsnachweis im Ruhrrevier soll erst in Kraft treten. Sollte er gegen die Gewerbeordnung verstoßen, so wird gegen ihn vorgegangen werden. Dasselbe wird in Mannheim der Fall sein. Geh. Oberbergrat Meißner: In der Grube Radbod sind noch mehrere Explosionen vorgekommen, sodaß die Grube unter Wasser gehalten werden mußte, ehe mit den Bergungsarbeiten vorgegangen werden konnte. Die Arbeiten müssen unter Schonung des Lebens der Mannschaften vorgenommen werden. Nach weiteren Bemerkungen der Abg. Sachse (Soz.) und v. Dirksen (Rp.) schließt die Diskussion.
Eingegangen sind zwei Interpellationen vom Zentrum und den Polen betr. die Beamtenmaßregelung in Kattowitz. Präsident Graf Stolberg schließt die Sitzung mit dem Wunsche eines fröhlichen Weihnachts- fefteS. Nächste Sitzung am 11. Januar 2 Uhr. Tagesordnung: Interpellationen betr. die mecklenburgische Verfassung und betr. 'Beamtenmaßregelung in Kafto-
sowie Gerichtsverfassungsgesetz. <
Mitteilungen aus dem Leserkreise.
Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Redaktion Stimmen auS ihrem Leserkreis. Für die hierin ausgesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion (außer der preßgesetzlichen) keine Verantwortung, diese bleibt vielmehr dem Einsender überlassen.
Bon verschiedenen Seiten wird mir gesagt, in keiner deutschen Stadt von der Größe Marburgs, ja fn größeren Orten sei im Winterhalbjahre im öffentlichen Leben s o v i e l l o S als hier. Theaterveranstaltungen, Konzerte verschiedener Art und Güte, Vorträge und Vorlesungen über Ernster und Heiterer, mit und ohne Lichtbildern, Veranstaltungen der Schulen, Versammlungen der 113 (s. Adreßbuch S. 86) Vereine, Stiftungsfeste, Ausflüge usw. jagen hintereinander her. Dazu kommen in Privatkreisen die Einladungen zum Mittagessen, zum Abendessen, zum Ball, zum Bällchen, zum Tanz, zum Tänzchen, zum Kränzchen, zum Kaffee, zum Tee, zum Kommers, zum Stiftungstag, zum Schlachtekohl und was e8 sonst noch alle gibt. Da hält er schwer, je für geplante Aufführungen ober Gesellschaften den richtigen Tag herauS- zufinden, denn Jedermann ist für lange Zeit schon versagt und vergeben, Keiner ist noch frei. Bei solchem Treiben und Jagen mutz man sich zeittg im Voraus melden, wenn man was Guter zustande bringen und eine stattliche Zahl von Teilnehmern haben will.
Und daS wage ich hiermit zu tun. ES wird schon
jetzt den liehen Marburgern und den Beteiligten der Umgegend hierdurch kund getan, daß am Sonntage den 16. Januar 1910, abend- um 7 Uhr, das berühmte .Leipziger Solo-Quartett für Kirchengesang' in der reformierten Kirche singen wird. Ich nenne letzteres das „berühmte". Es wird mir Jedermann zustimmen, der die Freude und das Glück gehabt hat, dieses Quartett zu hören. Die zwei Damen und die zwei Herren singen mustergültig, ganz vortrefflich, ergreifend, erbauend; sie machen uns mit den schönsten Gesängen der Kirchenmusik bekannt. Eie haben obendrein das für sich voraus, daß sie — abgesehen von den nötigen Reisekosten — den Erlös ihrer Konzerte allemal für gute Zwecke des OrteS, in dem sie ans« treten, hergeben. Ans ihren Reisen haben sie Tausende erfreut und Tausende von Mark eingenommen. Diesmal soll das hier geplante PhilippshauS unterstützt werden. Für heute gilt es, schon jetzt zu erreichen, daß die Marburger den Sonntag den 16. Januar 1910 in ihrem Kalender sich rot und deutlich an und unterstreichen. Ich darf ja Wohl später noch einmal daran erinnern.
Marburg, den 15. Dez. 1909. ®teim.
Literarisches.
»» Die Weltwanderer. Romandichtung in drei Büchern von Karl Gjellernp. Zwei Bände (Dresden, Wilhelm Baensch) 7 M. Diese neueste Dichtung Karl Gjellerups bildet ein Gegenstück zu des Verfassers schnell bekannt gewordenem Legendenroman „Der Pilger Kamanita", doch ist anzunehmen, daß daS neue Werk noch ein größeres Publikum finden wird wie jenes, da eine durchaus spannende Handlung den Leser von Anfang bis zu Ende fesselt. Man könnte diese Romandichtung ein Weltanschauungsbuch nennen, in dem unseres Wissens zum erstenmal theosophische Ideen und okkultistische Phänomene (Sinnet) in höherem Sttl dichterisch bearbeitet sind. Den Inhalt des Buches kurz auch nur annähernd wiederzugeben, ist nicht möglich. Es mag hier die Andeutung genügen, daß die Handlung sich auf der Wiedergeburtslehre aufbaut und daß bet dieser Lehre zu Gründe liegende Gedanke — einer der wenigen Grunbgebanken bet Menschheit und einer, bet eine ganze Reihe ber hellsten und schärfsten deutschen Geister andauernd beschäfttgt hat — hier zum erstenmal wirklich künstlerisch gestaltet ist. So ist auch diese "Dichtung- •> - t
„Ein Ton aus jenem alten Lieb, Das al» ein tiefe» Menschheits-Sehnen Sich ewig durch die Menschen zieht."
Daß deS Verfasser» scharf ausgeprägte Gabe wundet- vollet Schilderung indischer Landschaft und indischen Lebens zu ihrem vollen Rechte kommt, bedarf kaum der Erwähnung.- — Seinem Buche gibt ber Dichter selbst folgenden Paneatantram-Weidspruch mit auf den Weg: „Wird sie wohl in bie Sand eine» braven ManeS gelangen? Wird sie wohl fehlerfrei sein? Also härmt sich ja ein Dichter über eine Erzählung ab, so- balb sie zur Welt gekommen ist, als wenn e» eine Tochter wäre."
Äur$er Getreiden» ochenbericht
ber Pteisberichtsstelle des Deutschen Landwirt- schaftsrat vom 7. bis 13. Dezember 1909. Nach ber nunmehr vorliegenben Erntestatistik für Preußen unb Bayern haben sämtliche Halmfrüchte mtt Ausnahme von Wei^n. besten Ernte in Preußen infolge größerer Auswinterungen einen Rückgang auf" weist, größere Erträge als im Vorjahre geliefert. ES würben geerntet: (in 1000 Tonnen)
in Preußen in Bayern
1909 1908 1909 1908
Weizen
2265
2849
490
482
Roggen
8542
8176
986
903
Gerste
1936
1740
692
626
Hafer
6051
5123
941
770
Eeorg hatte Renate um den ersten Tanz gebeten.
„Erst will ich Ihnen Ihr Eigentum zurückgeben Ich habe den Ring mitgebracht," sagte sie lächelnd und überreichte ihm das Schmuckstück.
Er nahm es aus ihrer Hand und betrachtete diele dabei mit eigentümlichen Blicken. Dann steckte er schnell den Ring an seinen Finger und bot Renate den Arm, um ste zum Tanze zu führen.
„Heißen Dank, mein gnädiges Fräulein. Mir ist zumute, als wäre mit diesem Ring mein Schutzheiliger wieder zu mir zurückgekehrt," sagte er halblaut.
Sie lächelte zu ihm auf. „Hoffentlich ist es ein mächtiger Schutzheiliger, der Ihnen alles Böse fernhält und Ihnen Elück bringt."
„Ich werde es bald erproben," sagte er leise, bedeutungsvoll.
Ehe er mit ihr in die Reihe der Tanzenden eintrat, hielt er ste zurück. Ihre Hand ruhte auf seinem Arm und ihre Augen blickten ihn fragend an. Er sah auf sie herab. Das Herz wurde ihm heiß, als er sie in ihrer ganzen Anmut und Lieblichkeit vor sich sah. Ohne ste los zu lassen, faßte er nach feiner Brieftasche und zog ein Zettelchen hervor. Das gab er ihr mit einem heißen, sehnsüchtigen Blick.
„Fräulein Renate — bitte, lesen Sie diese Worte, die mir heute von der Zigeunerin als Weissagung aufgedrängt wurden," sagt« er mit unterdrückter Stimme.
Sie las und er sah, wie ihr« Hand zitterte und wie heiße Röte in ihr Erficht stieg. Stumm gab fie ihm den Zettel zurück, kein Wort kam über ihre Lippen, aber ihr« Augen verrieten Ihm, daß ste den Sinn verstanden hatte.
Da legte et den Arm um fie und führte ste im Tanze davon. Und dann war die Musik zu Ende. Es war heiß im Saal. Viele bet Tanzen« ben strömten hinaus ins Freie. Eeorg sah vor sich Bernhard Trautmann und Mary, die dem Ausgang ebenfalls zustrebten. Er zog wortlos seine Tänzerin dem Strome folgend mit sich ins Freie. Sie ging neben ihm mit glühenden Wangen, willenlos, wie gebannt. Co wäre sie neben ihm weiter geschritten, so weit sein Wille ste führte,
Erst tinten am Strand standen ste still, ganz dicht am Wasser. Es spülte in trägen Wellen fast bi, zu ihren Füßen. Eanz still und menschenleer war es hier unten, nur die Strand- körbe umaaben ste wie schattenbaste Wesen. Er sah auf sie herab. Im Mondlicht wandte ste ihm die schimmernden Augen zu, in denen eine banaieltge Frage ruhte.
„Renate!" Mit flehender Innigkeit rief er ihren Namen.
Sie zuckte leise zusammen. Er faßte ihre bebenden Hände zwischen die seinen und zog fie nahe an fich heran.
„Renate, darf ich ste festhalten, diele geliebte, teure Hand, mtt der mein Elück so fest verbunden ist?"
Sie blickte ihn an, liebevoll, offen, hin- aebend. „Ich bin Dein — Du mußt eg wissen," sagte fie leise.
Da zog et ste an sein stürmisch klopfendes Hetz. „Mein Liebling — mein Elück — mein süßes, holdes Mädchen — wie ich Dich liebe."
Ihre Lippen fanden fich in einem Kuß, ber Ewigkeiten und tausend Wonnen umfaßte.
Endlich machte fich Renate sanft los. Hand in Hand standen ste noch eine Weile und schauten sich in schweigender Zärtlichkeit In di« flammen«
Weniger günstig ist allerbings bas qualitative Ergeb»
ni». worüber bie Statistik leibe r keine Angaben macht. Bekanntlich ist trotz ber großen Ernte bie Auswahl au
pro 1000 Kilogr. an den nachgenannten Orten, wobei da» Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber ber
ist, wie folgt:
Vorwoche in Klammern () beigefügt
165
Hamburg
Mannheim 227*/, (4-5) 167'/. (-2*/.' 167«/, Frankfurt M221'/.4-'/.' T66H (-)l 165 (-1W
Berlin Leipzig
Hafer
170 (-)
170 (-)
165 (4-3)
Weizen 220 (4-4) 218 (-) 21? (—2)
Roggen
162 (-
bas Angebot nachgelassen hat, allgemein geklagt, ohne baß aber ein säuberlicher Preisdruck eingetreten träte. Für Lieferung bilbet der Mangel an kontraktlicher Ware eine gewisse Stütze, doch bewirkten bie hohen Erntezahlen zum Schluß eine mäßige Abschwächung. In Hafer ist bas Angebot im Verhältnis zur Größe ber Ernte keineswegs reichlich, aber auch bie Kauflust ist gering, ba im Konsum ben Provinzforderungen entsprechende Preise schwer erzielbar sind. In Braugerste interessiert nur feine Ware. Russische Gerste stellte sich im Verlaufe fester. Für die festere Haltung auf dem Maismarkt war die Verschlechterung der ar« gentinifdjen Ernteaussichten maßgebend.
Es stellten sich heute die Getreidepreise in Mark
guten Qualitäten in allen ©etreibcarten verhältnismäßig gering, sobatz viel Roggen unb ein größerer Prozentsatz ber Gerste al» sonst diesmal zu Sutter- !Zwecken Verwendung finden dürste. Der Weltmarkt tanb in ber Berichtswoche vollständig unter dem Eindruck ber aus Argentinien gemeldeten Frostschäden, die auf 10, von anderer Seite nur auf 5 % geschätzt werden. In Amerika entfaltete die Spekulation daraufhin eine recht rege Tätigkeit und auch bie europäischen Märkte beantworteten bie argentinischen Melbungeu mit mehr ober weniger größeren Prftsbefferunqen. In Deutschlanb brachte sich bie gleichfalls festere Stimmung weniger im Warengeschäft al» auf bem Liefe» rungSmarkte zum Ausbruck, zumal auf letzterem angesichts schwachen Angebots von kontraktlicher Ware bie Deckungsfrage für Dezember anhält. Auch sonst ist baS Weizenangebot im Jnlanbe nicht allzu reichlich unb verhältnismäßig gut verkäuflich. Dagegen wird über ben Roggenabsatz mit Ausnahme vom Rhein, wo
162 (-)
““ (-8)
taflet, 15. Dezember. (Bieb marktSberickt.) Scklacktviebpreise. 68 kosteten bie 50 »ilooramm Ecklachtgewicht von Ochsen: 1. Deal. 00-00 M., 2. OuaL 71—78 ®L, 8. Dual. 00-00 M. Bullen: 1. Qual. 64 -66 2. Dual. 61-68 M.. 8. Qual.
00-00 M.. Kühe unb Rinder: 1. Quak. 68—70 M, 2. OuaL 63—65 M., 8. OuaL 50—54 M. Schweine: 1 OuaL 74-75 M., 2. Onal. 70-72 M. 8. OuaL 00—00 M., Kälber ha8 V, kp Lebendgewicht 35—39Psg. dämmet daS •/, kg Flettckaewicht 60—6- —
Auftrieb: 8 Ochsen, 12 Bullen, 60 Rübe. 26 Rinder, 155 Eck weine 38 Kälber, — Hümmel- Tendenz statt.
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. phtt. Carl Hitzeroth in Marburg.
Baus Scbelknbcrg,
= Erholung - u. Fremdenheim. =
Volle Pension 4 bis 5 Mk.
I
Glaserei Willi. Bamberger
Hofstadt 13 (Nahe dem Gymnasium).
— Moderne Einrahm >nq von Bildern — Anfertigung aller Glaserarbeiten.
_____ _____ ___> =--------------"S » den Augen. Viel Worte b'auchte es nicht zwischen diesen beiden Menschen.
Langsam gingen ste dann zurück, dicht aneinander geschmiegt. Ehe ste den Lichtkreis betraten. der den Kursaal umgab, wandten sie sich noch einmal und sahen auf das mondbeschienene Meer. Es lag wie eine geheimnisvolle Verheißung vor ihnen. Er beugte sich zu ihr herab.
Jetzt möchte ich da hinausrudern, ganz allein mit Dir, mein Lieb. Kämst Du mit mit?«
„Wo Du mich hinfübrst. dahin foloe ich Dir« sagte ste leise, mit grenzenloser Innigkeit.
Er drückte ih-en Arm an stch. sie läckelte zu ihm auf. Das Lackeln war voll unbeschreib- licher, hinreißender Zärtlickkeit. Scknell richtete er sich auf, als wollte er sich ermannen.
„Jetzt muß ich Dich wieder zurückfübren, mein Lieb. Man wird uns vermissen. Und noch darf ich Dich nicht meine Braut nennen. Erst muß ich mit Deinem Vater gesprochen haben. Wird er seine Einwilligung geben?"
Sie ging mit ihm durch die plaudernden, lachenden Menschen, die vor dem Kurhaus promenierten.
„Er liebt mich, mein guter Vater, und wird meinem Glücke nickt im Wege stehen. Bald ist er hier, dann kannst Du ibn selbst fragen."
„Die wenigen Tone müssen wir unser Elück geheim halten. Wird es Dir schwer werden?«
Eie schüttelte den Kopf.
„Du teilst es ja mit mit," sagte sie innig.
Als sie sich dem Einaang zum Saal näher- ten, tauchten plötzlich Matp und Ttautrnann neben ihnen auf. Buch auf ihren Gesichtern lag der Abglanz feierlichen Elückes. ,
। (Fortsetzung folgt.)