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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

M 294

tt Jahrg(

DieGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit AnSnahm« der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Donnerstag 16. Dezember 1909.

Die InsertronSgebützr beträgt für bte 7gespaltene Zelle oder deren Rau» 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, llnioersttätSbuhdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erftes Blatt.

Die dritte Kanzlerrede, die Elsässer und die Franzosen.

Die Aufnahme der drei Etatsreden des Herrn von Bethmann-Hollweg hat sich in aufsteigender Linie bewegt. Die erste, innerpolitische Rede be­gegnete aus liberaler Seite starkem Widerspruche, die zweite Rede, die die äußere Politik zum Gegen­stände hatte, fand schon viel lebhafteren Anklang, die dritte Rede endlich, die sich mit Elsaß-Loth, ringen beschäftigte, begegnete der Zustimmung Wohl der gesamten altdeutschen Presie. Selbst das Berliner Tageblatt", das sonst an dem jetzigen Reichskanzler ebensoviel auszusetzen hat, wie früher an dem Fürsten Bülow, erklärt, von der in der Bethmannschen Rede enchaltenen Grundauf- sassung sympathisch berührt zu sein.

Die elsässische und noch mehr die französisch« Presse haben diese dritte Kanzlerrede weit weniger freundlich ausgenommen. Selbst die nattonalge- sinnteStraßburger Post" weist mit leiser Ironie darauf hin, daß der Kanzler die reichsländischen Verhältnifle aus eigener Auffaffung nicht kenne, daß er also gewissermaßen nur das Sprachrohr der reichsländischen Regierung gewesen sei. Der eben- salls gut deutsch gesinnte reichsländische Abgeord­nete Höffel, dem der Kanzler in seiner Rede ver­schiedene Komplimente gemacht hatte, ist mit Herrn von Bethmann-Hollweg nicht recht zufrieden. Er hat dem Ausfrager eines Berliner Blattes erklärt, daß die Quintessenz der Kanzlerrede sehr dürf­tig sei. Herr Höffel bedauert es, daß der Kanzler es vermieden habe, einen besttmmten Termin für die von den Elsässern so dringend gewünschte Autonomie anzugeben. Die demokrattslbeNeue Zeitung" in Straßburg erklärt kurzerhand, die Kanzlerrede rechtferttge die schlimmsten Befürch­tungen über die Stimmung in Regierungskreisen.

Noch etwas grobsträniger ist der Faden, den die der französischen Regierung nahestehende Pa­riserPettte Nepublique" spinnt. Das Blatt sagt, Bethmann-Hollweg habe die Illusionen der Elsaß- Lothringer aufgeblasen. Seine Rede sei die trotzige Ansprache eines preußischen Schulmeisters, der di« Elsaß-Lothringer getadelt habe, weil sie nicht artig genug gewesen seien.

Man muß ein geringes Maß von Gerechtigkeits­gefühl und Objektivität besitzen, wenn man die Kanzlerrede in diesem Lichte beurteitt. Trotz der schweren Herausforderung, die sich ein Teil der elsaß lothringischen Bevölkerung in den letzten Mo­naten gestattet hat, hat der Reichskanzler nicht den Ton eines zürnenden Pädagogen angenommen, sondern als ein von höchstem Billigkeitssinne er­füllter, Licht und Schatten gerecht abwägender (Gentleman gesprochen. Er hat konstatiert, daß Uebertreibungen und Mißgriffe im Tone nicht nur auf elsässischer, sondern auch auf deuffchnatianaler Seite vorgekommen seien. Er hat die Charatter-

Marburger Konzert-Verein.

Chor- und Orchester-Abend.

Es ist ein schöner Brauch, wenn es irgendwie ungeht, einem unserer großen Altmeister, denen wir ja so unendlich viel verdanken, zu Anfang eines Konzertes das Wort zu erteilen. Sie haben uns immer noch sehr viel zu sagen, wenn auch die gesamte musikalische Entwickelung besonders in Bezug auf Stil und Darstellungsmittel weilerge­schritten ist. Auch von ihnen gilt das Wort: hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft. Das zeigte das Eingangsstück des Abends, das 3. Branden­burgische Konzert von Bach. Wie schlicht und selbst­verständlich ist da alles, und doch wie groß und stark. Schade, daß unser heutiges Orchester nicht inehr den ganzen Reichtum der älteren Instrumente besitzt. Wenn ein solches Werk dem Laien viel­leicht eintönig Vorkommen sollte, so möge man be­denken, daß die vielfachen leichten Schattierungen in der Originalbesetzung durch die Vereinheitlich­ung unseres Orchesters verloren gehen. Außerdem müssen wir hier die akustischen Tücken unseres ^Konzertsaales mit in Rechnung bringen, die man­cher Stelle den rechten Klang und Glanz nahmen. 6m allgemeinen aber bot das Orchester unter tem« deramentv oller Führung eine frische Leistung, welche eindringliches Verständnis und ernste Ar- teit erkennen ließ. Im Mittelpuntt des Pro- ßramms und auch des Interesses standenDrei khöre mit Orchester", welche unser Universitäts- Musikdirektor komponiert und der hiesigen philo­sophischen Fakultät gewidmet hat. Es ltegt uns

eigenschaften der reichsländischen Bevölkerung warm anerkannt und die Wahrung ihrer Stam- meseigenart als berechtigt und auch von den ein wandernden Altdeuffchen zu berücksichtigeich be­zeichnet. Er hat schließlich auch die Gewährung der politischen Selbständigkeit als wünschenswert erflärt. Eine gewisse Mißachtung hat er nur den Altdeuffchen gegenüber ausgesprochen, die mit den verwälschenden Bestrebungen eines Teiles der elsässischen Bevölkerung kokettieren und die sogar diese unterstützen. Wir hätten nur gewünscht, daß der Reichskanzler gerade dafür weit schärfere Aus­drücke gefunden hätte. Denn was kann es Ver­ächtlicheres geben, als wenn ein Altdeuffcher, sei es aus Gedankenlosigkeit, sei es aus einer Art Kriecherei, weil er das Französische fürfeiner" haft, französtsierende Bestrebungen fördert, statt zu seinem Teile dazu beizutragen, daß die Reichslän­der sich immer mehr als Deutsche fühlen, die sie ja doch sind. In Ländern mit starkem National­gefühl, wie in Frankreich oder in England, würde man derartigen Lassen gegenüber die Verachtung sehr deutlich zum Ausdruck zu bringen wissen.

War der Kanzler in der Form so maßvoll wie nur möglich, so wird jeder billig Denkende zugeben müssen, daß er auch in der Sache recht hat, nämlich in der Auwnomiefrage. Der Kanzler will diese Autonomie gewähren, sobald die reichsländische Bevöllerung sich durch gutdeuffche Gesinnung ihrer würdig zeigt. Das ist nun einmal im bürgerlichen und im politischen Leben nicht anders, als daß der­jenige, der einen gegenwärtigen weniger günstigen Zustand mit einem künftigen besseren Zustande vertauschen will, erst leisten muß. Die Fran­zosen sind ja in Gebieten, die sie erworben haben, auch nicht so Verfahren, daß sie die politische Selb­ständigkeit gewährt haben, ehe sie sich des Wohl- Verhaltens der Bevölkerung vergewissert hatten. Die Vorgänge von Weißenburg und Mühlhausen sind gerade keine Beweise solchen Wohlverhaltens und wenn Herr Höffel sich darüber beklagt, daß Herr von Bethmann-Hollweg im vorigen Jahre in der Autonomiefrage sich weniger zurückhaltend ausgedrückt habe, als am letzten Montag, so möge er sich eben daran erinnern, daß zwischen dem Vor­jahre und der diesmaligen Rede Weißenburg und Mühlhausen liegen. Es wird bei den Elsässern selbst liegen, diese üblen Eindrücke zu verwischen und dadurch den Zeitpuntt der Autonomie näher zu rücken.

Aus dem Reichstage.

Der Etat ist zu Ende, das merft man an der leeren Bundesratsbank, auf der di« Staatssekretäre Wermuth und Delbrück einsam thronen. Denn nur Angelegenheiten ihrer Aemter stehen heute auf der Tagesordnung. Im Hause herrscht schon Fe­rienstimmung, das zeigen die Abgeordneten, sie folgen teilnahmlos den Verhandlungen. Auch die Tribünenbesucher, soweit ihnen außer dem An­blick der Volksvertreter auch eine rege Debatte Interesse abringen sollte, dürften kaum auf ihre Rechnung gekommen sein. Aus der Debatte über

fern, nach einmaligem Hören eine erschöpfende Analyse dieser gewaltigen Tonschöpfungen geben zu wollen. Doch können wir den Komponisten be­glückwünschen zu dem durchschlagenden Erfolge, der mehr ist als das Werk lokaler Begeisterung. Unverkennbar ist die starke qualitative Steigerung seiner Produktion, sein formfüllendes Hineinwach­sen in den großen Stil, sein sicheres Beherrschen der Klangmaffen, die meisterhafte Chor- und Or- chesterpolhphonie, der melodische und harmonische Reichtum, die stimmungsvolle, bei aller Treue ge­gen die Tradition oft überraschend originelle und Mlsdruckssichere Behandlung des Textes, die groß­zügige Wahrung der künstlerischen Einheit und das starke Leben, das diesen Werken innewohnt. Gleich der erste Chor war ein voller Sieg der Jennerschen Muse. Wie frei schaltet der Komponist mit der schwierigen kontrapunktischen Form, die er bei Wahrung des strengen Aufbaus oft in ein präch­tiges, modernes Kolorit zu tauchen weiß. Inhalt und Stimmung des Pfalmtextes erfahren durch die Musik eine adäquate Widergabe in reicherem Ge­wände und künstlerischer Steigerung. Der dritte Text ist zu einer wuchtigen Fuge vertont, deren tematische Arbeit und Durchführung meisterhaft genannt werden darf. Das ist ein wirkliches Fort­schreitenvon Kraft zu Kraft", und überwältigend wie ein majestätischer Sonnenaufgang strahlt es auf in Chor und Orchester bei der Stellebis ihrer Jeglicher vor Gott erfcheint in Zion". In immer reicheren und kühneren Steigerungen wird hier die Herrlichkeft Gottes gemalt; das ist große Kunst, die mittet ßt und zur Andacht stimmt. Rach diesem

den Nachtragsetat wurde ein vierstündig« Erörte­rung über den Nutzen ober Schaden der Tabak­steuer, an der außer dem Schaßsekretär Wermuth die Abg. Everling, Marcour, Frhr. v. Richthosen, Geyer, Pachnicke, Dr. Burckhardt, Erzberger, Dr. Weber, Molkenbuhr und v. Gamp teilnahmen. Alles wurde schon während des Stteites um die Finanzreform einmal gesagt, aber es half nichts, wessen das Herz voll ist, geht der Mund über. Auf jeden Fall stieß es auf keinen Widerspruch, daß man den Tabakarbeitern, die vorläustg entlassen werden müssen, eine größere als im Sommer vor­gesehene Entschädigung gibt. Herr Wermuth hatte jedoch nicht Unrecht, wenn er bemerkte, die Herren in der Kommission, die einen derartigen Vorschlag gemacht haben, hätten auch gleich für die Deckung einen Ausweg finden sollen.

Es folgte die Interpellation des Zentrums und der Sozialdemottaten über den Zwangsarbeits­nachweis der Arbeitgeberverbände im Ruhrrevier. Staatssekretär Delbrück erklärt sich bereit, sie zu be­antworten. Es ergreift zuerst zur Begründung das Wort Abg. Giesberts (Ztt.), der ausführte, daß deswegen große Aufregung im rheinisch west­fälischen Beabaurevier herrsche. Die Arbeitgeber verfolgen dabei ein System, durch schwarze Listen, deren Einrichmng Redner schildert, Arbeiter auf längere Zeit oder für immer auszusperren. Abg. Bömelburg (So;) wendet sich gegen den am 1. Januar von den Zechenbefltzern geplanten Zwangsarbeitsnachweis und verlangt paritätische Nachweise. Die in Aussicht genommenen Arbeits­nachweise seien nicht dazu da, um Arbeit zu ver- Mwfcn. sie würden sich vielmehr zu Knebelungs­instituten für die Arbeiter entwickeln. Wenn diese Einrichttmgen zustande kämen, dann würde ein Kampf entbrennen beim Einsetzen einer Hochkon­junktur, wie ibn die Welt noch nie gesehen, und bei dem die Arbeiter auf keinen Fall nachgeben wür­den. Er verlange deshalb ein Gesetz, das die Ar­beitsnachweise regelt. Staatssekretär Delbrück er- klärt, daß er in diesem Falle zu untersuchen habe, ob ein solcher Arbeitsnachweis gegen das Gesetz verstoße, ober ob so wichtige Interessen auf dem Spiele ständen, daß ein Eingreifen der Gesetz­gebung erforderlich sei. Beides sei zu verneinen. Die Arbeitgeber könnten sich die auswählen, die ihnen paßten, ebenso wie ja auch die Arbeiter die Arbeitgeber. Gesetzlich einzuschreiten sei nicht an­gängig, da man sonst die Koalitionsfreiheit be­schränken müsse. Dies könne aber nicht einseitig zum Schaden der Arbeitgeber geschehen. Die Re­gierung fei gewöhnt, unparteiisch zu Verfahren. Außerdem möchten doch die Arbeiter bedenken, daß sie selbst zuerst mit der Nebersvannung der Koali­tionsfreiheit angefanaen hätten. (Lebh. Bravo!) Auf Anttag von Frhr. v. Hertling (Ztt.) und Singer (So;.) findet eine Besprechung der Inter­pellation statt. Abg. Beuche« (kons ): Mr sind enffchieden gegen die Vorlegung eines Reichsge­setzes des Arbeitsnachweises auf paritätischer Grundlage. Wir werden stets die Interessen der Bergarbeiter wahrnehmen. (Beifall rechts.) Da­rauf wird Vertagung beantragt. Eingegangen

Höhepunkte klingt der Chor aus in dem wunder­schön wiederkehrenden Anfangsthema. JntelligeMe Auffassung und stilsichere Wiedergabe des Textes zeigt auch der zweite Chor:Brich dem Hungrigen dein Brot". Ergreifende und rührende Töne fin­det hier der Komponist bei der Schilderung mensch­lichen Elends und der erbarmenden Liebe im ersten T^ wahre Sphärenklänge im zweiten Satz, der die geistigen Wirkungen der Barmherzigkeit schil­dert. Während die beiden ersten Chöre längere Orchestereinführungen aufweisen, setzen bei dem dritten (Wohl dem Menschen, der Weishett findet") die Singstimmen gleich nach einem kurzen Trom­petenakkord ein. Auch dieses Werk hat hohe Vor­züge. Besonders imponiert der meisterhaft be­herrschte achfftimmige Satz, welcher in farbenpräch­tiger Darstellung den Wert der Weishett preist. Ein liebliches Idyll, von seligem Frieden über­haucht, ist der dritte Abschnitt, während der vierte in wuchtigen Fugatosätzen zu einem gewaltigen Orgelpuntte anschwillt. Auch hier beruhigt sich die Stimmung nach stürmischer Bewegung wieder und klingt harmonisch und wohtuend aus. Chor und Orchester waren in diesen drei Werken vor schwie­rige Aufgaben gestellt. Besonders die oberen Sing- stimmen waren wegen der ost hohen Lage bis zu den Grenzen der Möglichkeit angeftrengt, so daß man bann und wann den Wunsch hegte, mehr Mtt- tellage zu hören. Auch dem trefflichsten Chor kann zuviel zugemutet werden, und jedenfalls Hingen die Stimmen ums» besser, j« weniger sie ange­strengt werden. Vielleicht dürste der angebeutete Umstand den prächtigen Chören die wohlverdientt

ist eine Interpellation von Mitgliedern mehrer.^ Parteien bett, die Mecklenburgische Verfassung.

Nächste Sitzung morgen elf Uhr: Fortsetzung der Beratung des Nachtragsetats und Interpella­tion bett, die Mecklenburgische Verfassung.

Deutsches Reich.

3«r Hochzeit de» Herzogregenten st» Braunschweig. Braunschweig, 14. Dez. Heust Mittag erfolgte unter feierlichem Glockengeläut« bet Einzug der Prinzessin Elisabeth zu Stol. berg-Roßla. Der Herzogregent war der Braut beis Wolfenbüttel entgegenfahren.

Frhr. v. Schoen und die Marokkofrage. DieNordd. Allgem. Ztg." teilt mit: Mehrer« Blätter bringen e:"e Zuschriftaus dem Reichs, tag von besonderer Seite, worin behauptet wirb, her Staate'efretär des Auswärtigen Amts Frhr. v. Schoen habe nach seiner Erwiderung auf die Ausführungen des Abgeordneten Lieber, mann von Sonnenberg über die Bergwerksfrag« in Marokko ein im Reichstag anwesendes Mit­glied einer hiesigen Botschaft fragen lassen, ob bet Diplomat noch weitere Erklärungen wünsche. Wir stellen fest, baß diese Behauptung dreist er­funden ist.

Gegen di« Erhöhung d«r Arzneitaxe hat her Allgemeine deutsche Knappschastsverband, der fast sämtliche Knappschastsvereine des Deut­schen Reiches mit mehr als achthunderttausend Mitgliedern angeboren, eine Eingabe an den Bundesrat gerichtet und gebeten, einer Stei­gerung der Arzneizubereitungspreise seine Zu­stimmung zu versagen, um den Knappschafts« ktankenkassen durch eine etwaige Perteuerung nicht erneut wesentlich größere Arzneikosten für ihre Mitglieder aufzubürden.

Soziale Demokraten. Für die Stadtver­ordnetenwahlen in Rirdorf bei Berlin hat auch dieDemokratische Vereinigung" Kandidaten aufgestellt, obgleich sie dort nur sehr wenige Anhänger hat. Wie nun dieFreisinnige Zei­tung" mitteilt, find die vow derDemokratischen Vereinigung" dort ausgestellten Stadtverord­netenkandidaten sämtlich Sozialdemokraten. Die Herren haben bei früheren Wahlen für die So­zialdemokraten kandidiert. Da braucht sich doch aber dieFreisinnige Zeitung" nicht zu wun­dern. Es ist doch unter Brüdern ganz egal...

Ausland.

Das Befinden König Leopolds. Brüssel, 14 Dez. Um 10 Uhr 55 Minuten erklärte der Chef des Zivilkabinetts. Baron Eoffinet, daß die Operation König Leopolds vollständig ge­lungen und fein Gesundheitszustand ein den Umständen entsprechend guter sei. Es hat sich herausgestellt, daß keine Geschwulst vorhanden ist. Der König ruht in diesem Augenblick. Di« Operation dauerte eine Viertelstunde. (11 Ubr 55 Minuten vormittags.) Die Opera­tion läßt nach dem Urteile der Aerzte Hoffnung auf Erhaltung des Lebens zu. Der König er­langte um 11 Uhr 5 Minuten das Bewußtsein wieder, er erkundigte sich nach dem Verlauf der Operation und war sehr befriedigt. Eine neue Konsultation wird um 5 Uhr nachmittags abge-

VerbreiMng etwas erschweren; denn nicht überall kann man mit so trefflichen Kräften rechnen wie hier. Das Publikum spendete begeifterten Beifall, der noch weiter durch zwei prachtvolle Kränze dokumentiert wurde. Der eine wurde dem Kom­ponisten von der philosophischen Fakultät über­reicht, der er ja die drei Chöre gewidmet hatte, der andere war ein Zeichen der Anerkennung seitens des Chors. Nach einer längeren Pause kamDie erste Walvurgisnacht" von Mendelssohn-Bartholdy zur Aufführung. Direttion, Chor und Orchester boten eine hocherfreuliche Leistung. Besonders das gut eingespielte Orchester überraschte durch Frische und Fülle sowie seinftihliges Eingehen auf die Muke der Leitung. Der Chor, welcher hier nicht solche Schwierigkeiten zu bewältigen hatte, klang ganz brillant. Di« Wahl der Solisten darf im allgemeinen als eine glückliche bezeichnet wer­den. Fräulein Klara Lion (Franffutt) würde uns mit ihrer klangvollen und sympathischen Altstimme noch besser gefallen haben, wenn sie weniger tte- mofiert hätte. Der Tenorist Herr Heinrich Kühl­born fang mit Frische und Natürlichkeit und brachtt fein nicht sehr großes Organ gut zur Gel­tung. Als beste Solokraft erschien uns Herr Hof­opernsänger Karl Groß aus Cassel. Sein umfang­reicher, in allen Lagen wohlklingender, starker und voller Bariton hinterließ einen wohlwenden Ein­druck, der durch gute Schuwng und Behandlung des Organs noch erhöht wurde. Der raufdjcnbe Beifall am Schlüsse des Konzerts brachte den Dank , des Publikums für die gebotenen reichen Genüsse j »um Ausdruck. ___... vi.,. A H. W j