mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
Jfä 293
®ic „Gdrrhrsstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt oiertel- sährlich durch dis Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21.) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch. 15. Dezember 1909.
Dis InlertionSgebü > r betragt für Die 7gespaltene Zelle »der deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Au Äoch, ilnlverittätsbu h» rackere i Inhaber Dr. T. H i tz e r o t h, Marburg, Markt 21. — Telephon 55
44 Jahrg.
Erstes Blatt.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 96.
Zlw Geschichte der Mannesmann- Minenkonzessionen
wird folgende Darstellung gegeben:
Bereits vor der Mgeciras-Atte hatte der deutsche Reichsangehörige Reinhard Mannesmann unter Atlswendung bedeutender Mittel Untersuchungen über die Bodenschätze Marokkos vorgenommen und eine große Anzahl Mineralvorkommen sestge- stellt. Er beantragte dann bei dem Sultan Abdul Asis die Verleihung der Konzessionen auf die von ihm ermittelten Erzvorkommen. Abdul Asis sicherte ihm diese auch nach Erlaß der Mgeciras-Atte zu und brstätigte seine Zusage im Oktober desselben Jahres in feierlicher Form dem deutschen Gesandten gegenüber. Der Sultan wandte sich dann an den deutschen Gesandten mit der Bitte, ihm bei der Ausarbeitung eines solchen Gesetzes behilflich zu sein und bestätigte noch einmal das Prioritätsrecht der Atannesmannschen Verleihungsanttäge durch ein offizielles Schreiben an die deutsche Gesandtschaft in Tanger.
Das Gesetz wurde daraufhin mit den Vertte- tern des Sllltans in Tanger Paragraph für Paragraph in monatclangen Beratungen vereinbart. Bevor es jedoch von Abdul Asis unterschrieben wirrde, trat die bekannte Staatsumwälzung ein. dieMnlay Hafid zur Regierung brachte. Run erneuerte Mannesmann seine Anmeldungen und richtete seine Bemühungen auf Erlassung des bereits entworfenen Berggesetzes. Durch eine Indiskretion erhielt die französische Gruppe der „Union des Mines Marocaines" Kenntnis von diesen Bestrebungen "und bemühte sich, sie zu vereiteln. Das diplomatische Korps in Tanger protestierte gegen den Erlaß eines ohne seine Mitwirkung zustande gekommenen Berggesetzes und beschloß, daß alle Algecirasmächte sich an den Beratungen des neuen Berggesetzes beteiligen sollten. Mnlay Hafid nahm von diesem Protest keine Notiz, erließ vielmehr am 6. Oktober 1908 ein Berggesetz. Auf Grund dessen Herrn Mannesmann die ihm (bereits von Abdul Asis verliehenen Konzessionen in amtlicher Form von Sultan Mulay Hafid unter Beifügung seines Großen Staatsstegels erteilt wurden. Die dem Protest- des diplomatischen Korps zugrunde liegende Auffassung, daß nach der Algeciras-Atte seine Mitwirkung zum Erlaß eines Berggesetzes erforderlich sei, beruht nach Auf- fasiung der Gebrüder Mannesmann auf einem zweifellosen Jrrtttm. Frankreich und Spanien haben diese irrige Auffassung des diplomattschen Korps selbst nie vertreten; unterstützten sie doch ihre Staatsangehörigen, als diese später Konzessi- ne,i beim Sultan nachsuchten. Sogar die „Union des Attnes Marocaines", welche ursprünglich dem Sultan das Recht bestritten, Minenkonzessionen zu erteilen, stellte, unterstützt von den Vertretern verschiedener Mächte, nachträglich beim Sultan den schriftlichen Antrag, ihr auf 15 Jahre das ausschließliche Recht, in bestimmten Erzdtstrikten Marokkos, speziell in den Mannesrnannschen Konzes- sionsgebictcn, bergbauliche Schürfarbeiten zu ma- cherl, und bot dem Sultan für dieses Recht eine bedeutende Barsumme an. Ihre Bemühungen waren jedoch erfolglos, da der Sultan an dem den Herren Mannesmann gegebenen Wort fefthielt.
Vergleichsverhandlungen zwischen Mannesmann und der „Union des Mines Marocaines", welche selbst keine Konzessionen besitzt, scheiterten stets an deren Forderung, man solle ihr selbst den größten Teil der Mannesmannschen Konzessionen ohne Gegenleistung überschreiben, widrigenfalls sie gestützt auf ihren großen diplomattschen Einfluß, diese Konzessionen bekämpfen würde. Die Annahme dieser Forderung war natürlich unmöglich. Augenblicklich wird nun unter Mitwirkung des unter dem Einfluß der „Union des Mines Marocaines" stehenden Staatsingenteurs Porchs der Entwurf eines neuen Berggesetzes in Paris beraten. Der Inhalt des Gesetzentwurfes wird seitens der deutschen Regierung den deutschen Interessenten nicht bekannt gegeben, doch verlautet aus Frankreich, daß dieser Entwurf ganz einseitig auf die französischen Interessen zugcstbnitten ist.
Eine Erklärung des Großadmirals von Koester zur Flotteufrage.
Von der Präsidial-Geschäftsstelle des Deutschen Flotten-Vereins geht uns folgende Mitteilung zu:
Die vom Vize-Admiral a. D. Galster in der letzten Zeit wiederholt in der Presse vertretene Ansicht, die Zahl der im Flottengesetz vorgesehenen Linienschiffe müsse zugunsten der Unterseeboote vermindert werden, wurde von uns und einem Teil der Presse in einer Reihe von Artikeln in eingehender Weise widerlegt. Bei der Wichtigkeit der Frage angesichts der bevorstehenden Reichstagsverhandlungen hielten wir es jedoch im Interesse der Klärung der öffentlichen Meinung für wünschenswert, Herrn Großadmiral von Koester, unseren Präsidenten, den langjährigen Führer der deutschen Flotte, um eine dirette Aeußerung dazu zu bitten, die uns in nachstehender Form bereit- willigst übermittelt worden ist:
„Ich glaube mich mit den in Kiel anwesenden zu einem Urteil berufenen älteren Seeoffizieren darin einig, daß wir die Bedeutung der Unterseeboote für die lokale Verteidigung nicht unterschätzen und das jetzige Vorgehen der Marinever- tvattung in Beziehung aus die Entwickelung dieser Waffe nur durchaus billigen können; es aber für gefährlich und unheilvoll halten würden, wenn man den Galsterschen Vorschlägen folgen wollte. Wir müssen sein Vorgehen um so mehr verurteilen, als gerade für die sogenannte Kleinkriegsführung in den letzten Jahren genügend Mittel aufgewendet worden sind. Wir vertteten den Stand- puntt, daß unsere Marine die ihr zustehenden hoben Aufgaben für den Schutz der heimischen Gewässer und unserer sich von Jahr zu Jahr steigernden Seeinteressen nut gerecht werden kann, wenn wir an dem " uns durch das Flottengesetz vorgeschriebenen Weg festhalten und dessen stritte Durchführung für das Wohl unseres Vaterlandes sor- dern."
Rus dem Reichstage.
10. Sitzung vom 13. Dezember. 1 Uhr.
Das Haus ist nur schwach besetzt, dagegen sind die Tribünen gut besucht. Der Bundesrat mit dem Reichskanzler an der Spitze hat sich wieder vollzählig eingefunden. Zuerst werden zwei schleunige Anträge auf Einstellung schwebender Strafverfahren gegen die Abgg. Kirsch und Studien angenommen. Staatssekretär Delbrück erklärt dann, die Interpellation Ablatz über das Kohlensyndikat im Lause des Januar beantworten zu wollen. — Es wird die Generaldebatte über den Etat fortgesetzt. Reichskanzler v. Bethmann-Hollweg spricht dann über die elsatz-lotbringischen Verhältnisse, eine Frage, die die Abgg. v. Hert- l i n g und H o e f f e l angeschnitten" haben. Bezüglich der Denkmalsfeier in Weitzenburg sind bei der Erörterung im Lande Uebertreibungen mit untergelaufen und Momente, die besser ferngehalten worden wären. Es fei versucht worden, den politischen Chauvinismus dem Kultus der Toten dienstbar zu machen. Die Beunruhigung darüber stieg durch die Vorgänge in Mülhausen i. E. Solche Herausforderungen werden in den Reichslanden nicht mehr geduldet werden. Kein Mensch in Deutschland denkt daran, den Elsatz-Lothringern ihre Anhänglichkeit an die Vergangenheit zu verübeln. Aber es geht nicht an, daß die unter der deutschen Herrschaft geborene Generation künstlich zu Trägern von Erinnerungen gemacht wird, die nicht die ihrigen sind. Die Gewährung politischer Selbständigkeit erfordert Garantien, die in erster Linie die Elsatz-Lothringer geben müssen. Jeder Schritt zur Verwirklichung dieses Gedankens wird aber erschwert, wenn sich eine Aga- tation breit macht, die es sich zur Aufgabe macht, das Land zu verwelfchen. Die Hoffnung finkt um so mehr, wenn die Elsatz-Lothringer jenen Bestrebungen keinen Widerstand entgegensetzen. Das Festhalten der Elsatz-Lotbringer an ihrer Eigenart ist berechtigt. Es wird den inneren Frieden des Landes nut fördern und die inneren Gegensätze ausgleichen, wenn diese Stammesangehörigkeit auch von den Eingewanderten geachtet wird. Je mehr man sich gewöhnt, hüben wie drüben die Dinge freizuhal- ten von chauvinistischen Bestrebungen, desto eher wird Elsatz-Lothringen aufhören, der Schauplatz nationaler Streitigkeiten zu sein und desto eher wird es gelingen, Elsatz-Lothringen zu einem wertvollen Glied der deutschen Staatenfamilie zu machen. (Beifall.) — Abg. Schrader (Freis. -Vgg.) stimmt mit dem Kanzler überein und führt dann aus, Fürst Bülow sei gestürzt worden, weil er eine Politik des Fortschrittes versuchen wollte. Redner der sehr schwer verständlich ist, verbreitet sich dann über die Steuerbelastung und über die steigende»
Ausgaben für Heer und Flotte. Man müsse da- ’et Sparsamkeit walten lassen. — Abg. Gans Edler Herr zu Putlttz (kons.) weist dann energisch die Beleidigungen zurück, die der sozialdemokratische Abg. Scheidemann gegen die preußischen Könige geschleudert hat. Die maßlose Agitation gegen die neuen Steuern sei tief bedauerlich, ebenso wie der Reichstag kein Recht habe, einen Druck auszuüben in Angelegenheiten der Einzelstaaten, insbesondere des preußischen Wahlrechtes. Die Minister dürfen keine Organe des Parlaments sein, bei uns fehlt es zu einem parlamentarischen Regiment an Disziplin; so ständen wir am Ende unserer Kultur, wenn die Sozialdemokratie noch mehr Einfluß gewänne. Deshalb müssen alle Parteien gegen diese Front machen. Die konservative Partei sei eine solche des Fortschritts und sei bereit, mit jeder anderen positiv zusammenzuarbeiten, aber nut auf dem Boden bet Gleichberechtigung. — Abg. Frank-Mannheim (Soz.) leiste sich zuerst einen Exkurs in die preußische Geschichte, spricht über den konservativen Dele- giertentag, von dem et wünscht, daß die „Rhein- goldptahletei" bet Anfang bet konservativen „Götterdämmerung" sein möge, und polemisiert dann gegen den Kanzler und die anderen Parteien. Er hofft, daß die Weiterentwickelung auch den Abg. Wassermann dahin bringt, in Zukunft nicht mehr gegen einen Eroßblock zu sein. — Abg. Fehrenbach (Ztr.) bezeichnete die Rede Franks als vorbereitete Bosheiten und polemisierte in geschickter Weise unter größtem Beifall des Hauses gegen ihn. Er geht dann auf badische Verhältnisse genauer ein und sucht nachzuweisen, daß das Zentrum bei seinem Bündnis mit den Genossen im Gegensatz zu den Libralen jetzt keine Kulturgemeinschaft mit der llmsturz- partei eingegangen sei. Er schloß, daß der Ferrer-Rummel den wahren Charakter der Liberalen und Genossen gezeigt l>abe und daß diese Tatsacheebenso wie noch mehr solcher Reden des Abg. Frank wie heute den Zusammenschluß aller konservativen Elemente beschleunigen müsse. (Allgemeiner Beifall rechts und im Zentrum). — Der württembergische Ministerialdirektor Schleehauf wies dann einen seiner Regierung vom Abg. Gröber gemachten Vorwurf zurück. — Abg. Dr. Mülle r-Meiningen (Freis. Volksp.) bezeichnet die Aeußerung des Abg. Frank, als hätten sich die Freisinnigen von den Konservativen mit Fußtritten behandeln lassen, als völlig unzutreffend und polemisiert gegen die Rechte und das Zentrum. — Abg. Erzberger (Ztr.): Wenn das Zentrum eine Bankerottwirtschaft je getrieben haben soll, so mag Dr. Müller-Meiningen die Statistik durchsehen, die beweist, daß die meisten Schulden gemacht worden sind, als das Zentrum ausgeschaltet war. Prof. Spahn hat den Zeitungsbericht über seine Mülheimer Rede, in der er die Finanzreform abfällig kritisiert haben soll, sofort berichtigt. (Hört? Hört!) Wir verlangen eine Ausgestaltung des Kolonialrechts und ein Kolonialbeamtengesetz. Die Justiz in den Kolonien muß von der Verwaltung immer getrennt werden. — Staatssekretär des Auswärtigen Frhr. v. Schoen: Ich bin nicht genau unter« ricbtet über die Vertretung des deutschen Kavi- tals in den Syndikaten. Es hat aber den Anschein, als ob in dem Mannesmannssyndikate das deutsche Interesse mehr vertreten ist als in dem anderen. Zahlen stehen mir noch nickt zur Verfüaung. Auch im sogenannten fran-öfischen Snndikat sind namhafte deutsche Interessen vertreten. — Mit einer Reibe persönlicher Bemer- kunoen scklietzt die Diskussion. Der Etat wird an die Budgetkommiifion verwiesen. — Nächste Sitzung morgen 11 Uhr: Nachtragsetat und Interpellation betreffend den Arbeitsnachweis. Schluß 7 Uhr 15 Minuten.
Berlin, 13. Dez. In der heutigen Sitzung der Budgetkominifsion des Reichstages wurde der Zentrumsantrag, die Forderung von zwei Millionen für die Unterstützung der infolge der Steuergesetze arbeitslos gewordenen Tabakarbciter zu erhöhen, einstimmig angenommen. Staatssekretär Wermuth erklärte, durch die neuen Ausführungshestimmungen würden die borgebrachten Klagen beseitigt. Im Gan-, gen seien von allen Bundesstaaten bis jetzt 1 228 624 ausbezahlt worden, der Ansatz könne, um alle Bedürfnisse zu befriedigen, für das Jahr 1909 auf 2,5 Millionen erhöht werden.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser empfing das Präsidium des Reichstages
— Zum Tode des Kultusministers Dr. Holle. Godesberg, 13. Dez. Der Kaiser sandte der Witwe des früheren Kultusministers Dr. Holle folgendes Telegramm: „Mit aufrichtigem Beileide empfing ich die schmerzliche Nachricht von dem Ableben Ihres auch von mir hochgeschätzten Gatten. Ich betrauere mit Ihnen den frühen Heimgang des vortrefflichen Mannes, der ohne die tückische Krankheit, die ihn dahinraffte, mir und dem Vaterlande noch ausgezeichnete Dienst« hätte leisten könne» Seien sie meiner herzlich
sten Teilnahme an dem schmerzlichen Verlust« versichert/' Wilhelm I. R.“ — Dr. Holles Lebensgang war folgender: Ludwig Holle ist im Jahre 1855 in Schwelm in Westfalen geboren. 1878 als Referendar beim Appellationsgericht zu Hamm verpflichtet, wurde er 1883 Gerichtsassessor. 1884 schied er aus dem Justizdienst und wurde Spezialkommissar in Höxter, wo «i 1889 zum Regierungsrat aufrückte. 1890 erfolgte Berufung in das Landwirtschaftsministerium als Hilfsarbeiter und 1892 feine Ernennung zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat. Nachdem er 1895 zum Geh. Ober- regierungsrat befördert worden war, erhielt et 1900 die nachgesuchte Entlassung aus dem unmittelbaren Staatsdienst unter Belassung sein-, Titels und Ranges und wurde Landeshauptmann in Münster. Im Dezember 1904 wurde er zum Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ernannt, aus welchem Amte er im Jahre 1907 zum Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinalangelegen- heilen berufen werde.
— Italien und die Rede de» Reichskanzlers. Rom, 13. Dez. Zu der Rede des Reichskanzler» schreibt die „Perseveranza": Nach der feierlichen Huldigung, die der Reichskanzler der Treue Italiens dargebracht hat, müsse diesseits wie jenseits der Alpen jeder Zweifel an der Festigkeit des Dreibundes schwinden. Der Wechsel im Ministerium ändere diese Sachlage nicht; denn Sonnino wie Euiccardini seien überzeugte Anhänger des Dreibundes; auch sei eine Auslandspolitik Italiens, die nicht auf dem Bündnis mit Deuffchland und Oesterreich beruhe, unmöglich, da dkeses Land einen sicheren Schutz gegen die Gefahren internationaler Verwicklungen und eine feste Grundlage zur Entfaltung seiner Kräfte, sowie zur Wahrnehmung seiner Interessen böte.
— Von der Ansicdlnngskommisstou. Posen, 9. Dez. Die Ansiedlungskommission hat das im Kreise Könitz gelegene 538 Morgen große Gut Frankenhagen für Besiedlungszwecke angetauft. Im Kreise Könitz befinden sich die mit Katholiken aus dem Westen und Süden Denffchlands besetzter Anstedlungsgüter Melanenhos, Neuhof, Sternau, Götzendorf, Lotthe; in dem angrenzenden Kreist Tuchel liegen die katholischen Anssedlungsdörfet Grochowo sowie Zwangsbruch. Die katholischen Ansiedler finden dort Anschluß bei den Nachkommen der unter Friedrich dem Großen angesiedelten westfälischen Katholiken. Diese Katholiken sind denffch geblieben und haben sich nicht polonisieren lassen.
— Die Zerfplitternüg der „Demokratischen Bereinigung" vollzieht sich unaufhaltsam. Es haben sich jetzt, wie wir der „D. Tgsztg." entnehmen, einige frühere Mitglieder der Vereinigung zusammengetan und noch ein „Vereinigungcken" gegründet. Sie nennen es: „Politischer Fortbildungsverein Freier Demokratie". Von Leuten, die noch bis vor kurzer Zeit für die „Demokratisch« Bereinigung" tätig waren, gehören dem neuen Verein an: Dr. Moses, Böttcher. Dr. Zeppler und Pfemfert. Der neue Verein hat auch schon eine Versammlung abgehalten. Folgende Resolution fand dort Annahme: „Die am 8. Dezember im Restaurant Patzenhofer, Potsdamer Straße 123. tagende Versammlung, welche zum Teil aus Mitgliedern der „D. V." besteht, zum Teil ans nicht organisierten Demokraten, beschließt, eine engere Gemeinschaft zu gründen lediglich zu dem Zweck, gründliche politische Bildung und demokratische Gesinnung, auch außerhalb jeder politischen Parteiorganisation, zu verbreiten und damit eine unabhängige Zentrale zu schaffen. Speziell lehnt sie es ausdrücklich ab, mit einer bestehenden demokratischen Organisation in Konkurrenz zu treten. Die freie Vereinigung sieht jedoch zurzeit in der „D. V." diejenige politische Organisation, bereit Tendenzen ihren Mitgliedern am nächsten stehen."
Ausland.
** König Leopold. Brüssel, 13. Dez. Köniz Leopold empfing heute nachmittag die Sterb- sakramente, der Nuntius überbrachte ihm den päpstlichen Segen. Am Nachmittag weilten Prinzessin Clementine, die Gräfin von Flanbern, sowie Prinz unb Prinzessin Albert bei« König. Der Krankheitszustanb ist stationär. Die Operation findet wahrscheinlich morgen vormittag statt.
** Türkei. Konstantinopel, 13. Dez. Die Kammer setzte heute die Verhandlung über di« Interpellation betreffend die Schiffahrt i» Mesopotanien fort. Die oppositionellen Redner bekämpften den Konzesfionsvertrag, durch ben Mesopotanien bem englischen Einfluß ausgeliefert sei. Nach langer Debatte nahm bie Kammer unter bem heftigsten Widersvruch bei Opposition einen Antrag auf Schluß bet Debatte a» und genehmigte, wie bereit» gemeldet, mit 168