Einzelbild herunterladen
 

Mr,

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

JV1 282

BteGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme beu Sann- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne BesteUgetd), 6e< unser» Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag 14. Dezember 1909.

Die Jnsertionsgeüüor beträgt sur die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Foh. Ang. Koch, llnwerütätsbuhdruckerei Inhaber Dr. T. H itzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

SfiaEMäMiiiiMäiKiMi

Der Allgemeine Delegiertentag der deutsch-konservativen Pattei fand am Samstag in Berlin im Kaisersaal des Rheingald" statt. Sie war von ungefähr 1500 Teilnehmern aus asten Teilen des Reichs besucht.

.Die Versauunisteug wurde eingeleitet von dem BMtzendetl deS Geschäftsführenden FünferanS- MKxs, Landesdirektor Frhrn. v. Manteuffel, Präsidenten des Herrenhauses. Er eröffnete sie kurz, nach 10 Uhr mit einer Begrüßung der Ver­sammlung und einem Gelübde der Treue für den Landesherrn. In das Hoch, zu dem er die Ver­sammlung aufforderte, stimmte diese brausend ein.

Hieraus machte daS geschäftsführende Vorstands­mitglied, Regierungsrat a. D. Stackmann, eine Reihe von geschäftlichen Mitteilungen. Er teilte u. a. mit, daß der Vorstand davon überzeugt sei, daß daS zurzeit noch bestehende OrganisatwnS- statut der Partei den gesteigerten Ansprüchen der Gegenwart und der immer mehr anwachsenden Bedeutung der konservativen Partei in unserem polittschen Leben nicht mehr entspreche. Nach der Ansicht deS Parteivorstandes entspricht der Weitere Vorstand der Ansicht der Partei in seiner gegen­wärtigen Zusammensetzung nicht völlig dem ober­sten Grundsätzen der Partei, alle Berufskreise und Stände in den Bereich der polittschen Wirk­samkeit zu ziehen. Der Vorstand erbitte daher das Recht der Zuwahl in den wetteren Vorstand. Der andere wichtige Punkt betrifft eine Ergänzung des Statuts in bezug auf Bestimmungen über Auf­nahme und Ausschluß von Einzelpersonen und Vereinen aus der Partei. Gewisse Erfahrungen in der Zeit nach der Erledigung der Reichsfinanz­reform lasten es unbedingt notwendig erscheinen, daß hierüber ganz präzise und unzweideutige Be­stimmungen geschaffen werden. Der Redner erbat vom Delegiertentage das Mandat für den Zwö- lferausfchuß, die Durcharbeitung, Aenderung und Ergänzung des Organisattonsstatuts baldigst in die Wege zu leiten.

Zur Ergänzung des Bureaus berief Herr Re- giernngsrat a. D. Stackmann alsdann noch die Herren: Rechtsanwalt Dr. Kraut (Stuttgart), Vizepräsidenten der Württembergischen Kammer der Abgeordneten, den Fürsten zu Salm-Horstmar, Rektor Roos (Plötze), Bezirksschornsteinfeger- meister Mirisch (Berlin), Mittelschullehrer Paul (Thorn), Rechnüngsrat Lietz (Stettin), Landwirt Sielermann und Pastor Landwehr auf die Tri­büne.

Es sprachen dann: Frhr. v. Manteuffel, der einen kurzen Ueberblick über die Situation gab, Abg. Dietrich und Graf Westarp über die Reichs­finanzreform, Dr. Beutler über kouservattve Par­tei und wirtschaftlichen Vereinigungen, Graf von Schwerin über die wirtschaftlichen Aufgaben der konservativen Partei, Abg. Malkewitz über Mittel­stand und politische Parteien. Rechtsanwalt Bte- dereck brachte den Standpunkt der neuen Pankower konservativen Vereinigung zum Ausdruck, woran sich eine Diskussion anschloß, die für die Vereinig-

40 »iir (Nachdruck verboten.)

Was Gott Mfammeaaefagl.

Roman von H. Courths-Mahler.

tftorttehung.)

Wie in* schweigender Vereinbarung be­schäftigten sich Mary und Frau Profestor Har­denberg in den nächsten Tagen viel mit Eva und Frau Werner. So kam es, daß Georg und Renate oft aufeinander angewiesen waren. Sie konnten ungestört ihre Gedanken austauschen und sich seelisch immer näher kommen.

Frau Werner hätte vielleicht das junge Paar mit schärferen Augen überwacht, wenn sie sich nicht einmal zu sehr auf Frau Profestor Hardenberg verkästen hätte und zum anderen Male durch die baldige Rückkehr Coulrnanns beruhigt worden wäre. Dieser wollte am 26. August in Z. eintreffen. Bis dahin waren noch zehn Tage Zeit.

Eines Tages war die ganze Gesellschaft am Strande versammelt, als eine Zigeunertruppe auftauchte und Leben und Bewegung in die etwas trägen, schläfrigen Menschengruppen brachte. Die Kinder begrüßten mit Jubel die beiden Bären, die von zwei schmutzigen Zigeu- tiern geführt wurden und allerlei Kunststücke Ausfuhren mußten. Auch ein postierlicher Affe, den ein kleiner Zigeunerbube auf Kopf und Schultern voltigieren ließ, erregte Heiterkeit. Die Münzen flogen Dem Zigeunervölkchen fleißig zu, wenn man sich auch in respektvoller Entfernung von ihnen hielt aus Reinltch- keitsbedürfnis.

Aber nicht ner für dar Amüsement der

ung nicht günstig verlief. Ueber die z. T. sehr interessanten Reden und Verhandlungen werden wir noch eingehender berichten. Zum Schluß wur­den zwei Resoluttonen einstimmig angenommen. Die erste spricht der Reichstagsfraktton und der Parteileitung aus Anlaß ihrer Tättgkeit und ihrer Haltung in der Finanzreform Dank aus.Wenn auch über die Wege zur Ordnung der Reichsfinan­zen innerhalb der konservattven Partei die An­sichten und Wünsche auseinandergegangen sind, so erkennt doch der Delegiertentag in vollem Maße an, daß das ungeschmälerte Aufbringen der zur Beseitigung der Finanznot des Reiches erforder­lichen 500 Millionen eine Aufgabe von höchster nationaler Bedeutung war, und daß es nur den Bemühungen der konservattven Fraktton des Reichstages zu danken ist, wenn die Besettigung der Finanzkrisis und damtt die Gesundung des Reiches im Innern wie die Stärkung seines An­sehens im Auslande herbeigeführt worden ist. Der Delegiertentag hat sich mit Genugtuung davon überzeugt, daß dieses Resultat erzielt worden ist in voller Selbständigkeit der Partei ohne Verpflich- tung gegen andere Parteien. Er hat das Ver­trauen, daß auch in Zukunft die kouservattve Partei sest, stark und unabhängig nach allen Seiten blei­ben wird."

Die zweite Resolution des Landtagsabeord- neten Hammer besagt:Der Allgemeine Delegier­tentag der deustch-konservattven Partei ist davon überzeugt, daß die kouservattve Partei wie bisher, so auch künfttg unverrückt für das Wohl jeder red­lichen Arbeit in Handel, Gewerbe, Amt und in allen Mittelständischen Berufen wirken, und daß sie neben ihrer niemals nachlassenden Fürsorge für die Landwirtschaft ebenso für die wohlverstandenen und wahlberechtigten Interessen der städttschen und industriellen Bevölkerung und für die Förderung geistiger KulMr eintreten wird. Der Delegierten­tag hofft und erwartet, daß sich alle unsere Partei­genossen im Lande gegenüber den immer rücksichts­loser das Haupt erhebender Mächten des Umstur­zes fester denn je zusammenschließen. Unter der bewährten Leitung unserer Partei wollen wir mehr und mehr eine gesammelte Macht derjenigen sein, die auf der Grundlage der bestehenden und bewäbrten Einrichtungen an der von den Zeitver- hältnisien gebotenen Fortentwicklung unserer öffeMlichen und sozialen Einrichtungen rückhaltlos arbeiten unter dem Wahlspruch:Mit Gott für Kaiser und Reich, für Fürst und Vaterland."

Mit Worten des Dankes an alle Anwesenden schloß Frhr. v. Manteuffel hierauf die imposante Versammlung.

Aus dem Neickstaae.

9. Sitzung vom 11. Dezember 1909.

Das Haus ist schwach besetzt, so ist infolge des konservativen Deleoiertentaoes satt die ganze rechte Seite leer, ebenso ist der Tribünenbesuch ge­ringer, dagegen sind die Bundesrotsttsche sebr gut besetzt. Rach Erledigung eines schleunigen Antra­ges auf Einstellung ein-s Strafverkghrens wird die Generaldebatte mm Etat fortgesetzt. Das Wort

der war gesorgt. Eine bildhübsche, malerisch gekleidete Zigeunerin mit dämonisch glübenden Augen trug einen Kasten und einen seltsamen, buntgefiederten Vogel bei sich. Dieser Vogel mußte auf ihr Eeheiß aus dem Kasten geheim­nisvolle Briefe mit dem Schnabel herausziehen und sie demjenigen überreichen, der durch das Opfer eines Geldstückes eine Prophezeiung er­kaufen wollte. Die Zigeunerin machte gute Geschäfte. Viele wollten auf diese Weise schnell einen Blick in die Zukunft tun, wenn auch nut zum Scherz.

Eva hatte voll Vergnügen den Tanzbären zugesehen, während sich die anderen an der Zerlumptheit der Zigeuner ergötzten. Nun kam auch die junge Zigeunerin nahe herbei, um den Damen ihre Künste anzubieten.

Georg sprang auf, um sie nicht zu dicht her- ankornmen zu lasten, und warf ihr ein Geldstück zu. Sie fing es geschickt auf und blitzte ihn mit ihren glühenden Augen an, ohne sich abschrecken zu lasten. Dicht drängte sie sich an ihn heran. Die weißen Zähne schimmerten, ihre Augen bohrten sich dämonisch in die seinen und einige fremdartige Laute drangen über ihre Lippen. Fast gebieterisch hielt sie ihm den Wundervogel entgegen, bet ein Briefchen aus dem Kasten gezogen hatte und es ihm überreichen wollte.

Georg winkte ab und warf ihr noch ein zwei­tes Geldstück zu. Da faßte die Zigeunerin das Briefchen und drückte es ihm in die Hand. Ein unheimliches Aufleuchten ihrer Augen bannte ihn momentan, so daß er fast willenlos zufaßte. Gleich darauf war die Zigeunerin zwischen den Strandkörben verschwunden.

Mar, lachte fröhlich auf. JD, Herr we

ergreift Abg. Liebermann v. Sonnenberg, der er­klärt, seine Partei habe so lange als möglich beim Block ausgehalten und verurteilt dann, daß sich die Rattonalliberaleu in Baden schon auf die Sozial­demokraten stützen, ebenso, daß der Evangelische Bund an der Agitation gegen die neuen Zölle und Steuern tellnehme. Die nächsten Wahlen würden unter dem Zeichen des Geldsackes mit Unterstütz­ung des Hansabundes stehen. Bei Sttchwahlen werde man in Zukunft sich den bürgerlichen Gegen­kandidaten der Genossen daraufhin ansehen, ob er sich von diesen überhaupt unterscheide. Redner geht bann auf bie Marokkofrage und besonders auf den Fall Mannesmann ein, der den Staatssekretär Frhrn. v. Schoen zu einer Erwiderung veranlaßt, daß es falsch sei. anzunehmen, als ob es sich dabei aus der einen Seite um französische und auf der anderen um deutsche Interessen handele, es seien Interessengruppen gemischter Rationalität. Diese können nur auf der Grundlage von Rechten und Verträgen entschieden werden. Abg. Gröber (Ztr.) geht bann auf verschiedene, von seiner Partei ein« gebrachte Anträge ein und gibt weiter dem deut­schen Botschafter in Washington recht, daß er den phantastischen Ideen der Alldeutschen entgegenge­treten sei. Rach der Ansicht des Redners hätten die Nationalliberalen die Blockpokittk nut als eine Fortsetzung des KulMrkampfes angesehen. Abg. Gröber spricht dann über anaebliche Ungerechtig- feitert- aeaen Katholiken in einzelnen Bundesstaa­ten und tadelt die Aufbauschung der Fetter Ange- legenheit. Das Zentrum sei keine konfessionelle Partei, auch sei der Vorwurf unrichttg. daß seine Partei nur für indirekte Steuern eintritt, aber man könne sie nicht aanz beseitigen. Das Pie nicht im Interesse der Minderbemittelten, da sie sonst keinen Anspruch auf polittsche Rechte erheben könnten Abg. Zimmermann (Rfp) verteidigte bie Haltung seiner Partei in her Reichsfinanzreform unb fo> dert zum Zusammengehen aller Parteien gegen bie Sottaldemokratie auf. Abg. Heinze (natlib) pole­misiert gegen bie Vorredner. Er glaubt nicht, daß, wenn die Liberalen für bie Finmnresorm gestimmt hätten, bie Erregung im Lande geringer gewesen sein würde. Redner betont dann bie Wichtigkeit der vreukiscben Woblrechtsfrgge für das Reich und hofft, daß man dabei dem Liberalismus entgegen­kommen werde. Abg. Hoeffet (Rv) begrüßt es. daß Anzeichen vorhanden sind, als ob bie maß­gebenden Krette sich neuerdings mehr als zuvor mit der elfaß lothringischen Versgsstmgsfrgge be­schäftigten Höher als der varttknlare Gedanke stehe in Elsaß-Lothrinqen der Gedanke der Anglie­derung an bas Reich. (Beifall.)

Hierauf Vertagung. Montag 1 Uhr Fortsetzung. Vorher Intervellatton Ablaß betr. bas Kottwnbi- kat. Der in der Thronrede angekündiate Ent­wurf über bie Ausgabe kleiner Aktien in den Kon- snlargeri^tsbgekeiten unb im Schutzgebiet Kiau- tschou ttt dem P-'chstage uioeganoen. Er sieht na­mentlich mit Rückstcht auf bie ausländische Gesetz­gebung bieWögtWeit vor. Akfien in geringerem Bettgge. ieboch nicht unter 200 J<, gusutgeben, und bricht so mit dem System der 1000 Mgrk Aktie. In der vorigen Session war er an bie Bnbaetkom- miPott verwiesen, aber bort nicht mehr zur Bc- rnVma gelangt.

Politische Umschau.

Born österreichischen Hochvettatsptozeß.

Wien, 11. Dez. In bet fortgesetzten Det- fkmbtung des Prozesses Friedfung sagte heute der als Zeuge vernommene Statthaltereisekre­tär a. D. Freiherr Elumetzky unter Eid aus, daß während feiner eigenen Dienstzeit als Kon­zipist hei einer politischen Behörde Supilo, der damals eine Serbien feindliche Haltung bekun-

Rodenfels. Ihr Gesicht ist eine Studie in diesem Augenblick!"

Auch die anderen Damen lachten. Er sah so hilflos und widerwillig auf das Couvert herab und wußte nicht, was er damit anfanaen sollte. Nun stimmte er mit ein in das fröhliche Lachen unb hot bie Prophezeiung aus.

Meine Damen wer trägt von Ihnen Verlangen banach, einen Blick in bie Zukunft zu tun?"

Das gift nicht. Die Prophezeiung ist für Sie bestimmt," tagte Paula ablehnend und auch die andern dankten. Da ballte Georg das Pa­pier sufammen und warf es in den Sand.

Mary sprang hinzu unb hob es auf.

Dagegen protestieren wir, Herr von Roben­fels, so bequem wirb es Ihnen nie wieder ge­boten, einen Blick in die Zukunft zu tun. Ich glaube fest an die Zauberkräfte dieser Zigeu­nerin, sie sah zu dämonisch aus."

Umständlich glättete sie das Couvert unb reichte es Georg toieber hin.

Er nahm es mit einet tiefen Verbeugung aus ihrer Hand.

Und wenn mir nun Tod unb Verderben drohte aus Ihrer Hand, mein gnädiges Fräulein, sollte es mit willkommen fein Aber erst will ich mich niedetlassen, ich fühle mich nicht stark genug, stehend dem Verhängnis zu trotzen." scherzte er und sich niederfetzend öffnete er umständlich das Couvert. Lachend sah et in die erwartungsvollen Gesichtet, als et einen schmalen, bedruckten Zettel hetauszog. Dann las et die wenigen Worte, bie batauf standen:

Die Hanb, die Dir kn kurzer Zett Verlorenes Kleinod -ringt zurück, Die holte fest - fio ist Dein «lück."

bet habe, eben mit Rücksicht auf biefe polittsche Haltung 200 Kronen von privater österreichi­scher Seite erhalten, unb daß seines Wissens Supilo auch von einem Vertrauten des Mini­sters Kallay Geld angenommen habe. Supilo erklärte unter Ehrenwort, er habe in feinem ganzen Leben von niemand einen Kreuzet weder für feine eigene Politik noch für deren Aende­rung angenommen. Der Präsident forderte darauf den Zeugen Chlumetzky auf, die Person zu nennen, von der Supilo Geld erhalten habe. Clumetzkq antwortete: Ich selbst habe es ihm tn Ragusa gegeben. Große Bewegung.) Auf Be­fragen erklärte Chlumetzky, eine Petsonenver- wechselung sei absolut ausgeschlossen. Der hier­auf vernommene Zeuge Hrotka, Chefredakteur des Agtamet BlattesUstavnost", sagte aus, er habe von dem ehemaligen Gouverneur von Fiume, Ladislaus Szapaty, erfahren, daß Supilo sich stets bei Szapaty Weisungen für seine politischen Artikel eingeholt und hierfür jedesmal zehn Kronen erhalten habe. Sppilo erklärte, er habe mit Szapaty niemals ge­sprochen.

Deutsches Reich.

Fürst Bülow beim Papste. Rom, 11. Dez. Der Papst empfing ben Fürsten unb bie Fürstin Bülow in halbstündiger Audienz.

Schiffahrtsabgaben. Dresden, 11. Dez. An­läßlich der Veröfientlichung der sächsisch-badischen Denkschrift betreffend die Einführung der Schiff- fahttsabgaben finden sich in der Presse vielfach Darstellungen, die den Anschein erwecken, als ob es sich um einen unfreundlichen Akt der fächsischen gegen die preußische Regierung handele. Diese Auffassung ist wie von zuständiger Seite mttge- teilt wird durchaus irrig und auch keineswegs in den sachlichen Ausführungen der Denkschrift be­gründet. Sie ist der sächsischen Regierung ums» unwillkommener, als sie gerade auf eine sachliche Erörterung der ganzen Angelegenheit den größten Wett legt.

Ausland.

König Leopold. Brüssel, 12. Dez. Der Zu­stand des Königs ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Der Ministerrat trat nachmittags zu einer Sitz­ung zusammen.

* König Alfons. Berlin, 11. Dez. Entgegen den in der letzten Zeit verbreiteten Gerüchten er­halten wir aus Madrid von zuständiger Sette bie Nachricht, daß das Befinden des Königs AlfonS ein absolut gutes ist, unb daß der König sich wie immer um diese Zeit in Madrid befindet. Alle ge- genteiliaen Nachrichten bentben auf Erfindung.

* Zar Ferdinand auf Reisen. Belgrad, 11. Dez. König Ferdinand ist heute Nachmittag in Begleitung des Kronprinzen Alexander. der ihm bis Cieevas entaegengesahren war. hier eingettof- fen. Am Bahnhof war zur Bearützuna der erste Adjutant des Königs Peter und der Minister des Aeußern erschienen. Rach kur rem Aufenthalte setzte der König seine Reise nach Wien fort.

Sein Gesicht wurde ernst. Wie ein Traum stieg plötzlich Robenfels vor ihm empor. Dis jetzt hatte er nie baran gebucht, baß Renate bie Tochter bes Besitzers von Robenfels war biefe Zeilen erinnerten ihn baran. Verlorenes Kleinob? War ihm Robenfels nicht ein ver­lorenes Kleinob? Er sah zu Renate hinüber, ihre Augen trafen zusammen. Wie erwachenb, richtete er sich empor. Dann sah er in Marys lachendes Gesicht. Sie batte ihn scharf beob­achtet und aus feinem Blick auf Renate merkte sie, daß die prophezeienden Worte auf diese Be­zug hatten.

Fordern Sie nicht, meine Damen, daß ich Ihnen enthülle, was meiner harret. Ich werde mit diesen Schicksalsspruch in meine Brieftasche legen und ihn feben Abenb unb jeben Morgen meinem Eebiichtnis einprägen."

Huh wie gruslich geheimnisvoll. Jetzt verlangt mich auch danach, eine Frage an das Schicksal zu tun. Bitte mich zu enffchuldigen. Ich muß der Sibylle nach, dort drüben sehe ich sie uustauchen." tief Mary.

Schnell sprang sie übet den Sandwall hin­weg und ging den Zigeunern nach. Bald hatte sie dieselben erreicht und stand nun vor der jungen Zigeunerin. Ihr ein Geldstück reichend,, zeigte sie auf den Vogel. Das ftemde Weib sah, auf die schlanke, weißgekleidete Mädchengestalt , mit dem goldigen Haar unb lachte sie an. Der Vogel zog bas Briefchen unb reichte es Mary. Sie wog es unschlüssig in bet Hand und trat langsam aus dem Trudel zurück, der die Zigeu­ner umgab. s

- (Fortsetzung folgt.)