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44. Jahrg.

Zweites Blatt

der Einrichtung Abstand zu nehmen, zumal sich hier gewiß leicht ein emeritierter Lehrer oder Be- amirr oder am besten einer unserer Rechtsanwälte im Nebenamt gegen eine gewiß nicht allzu hohe Summe als Berussvormund gewinnen ließe. Möchten die maßgebenden Persön­lichkeiten unserer Stadt die schon lange erhobeneForderungdes Evan­gelischen Frauenbundes beachten. Es handelt sich um eine Sache der Sorge für die Aermsten der Armen. Die von wärmster Men­schenliebe getragene Verfügung des Ministers weist den richtigen Weg.

rufsvormundschast den Weg zu einem gründlichen Ausbau ihrer Kinderpflege gesunden u»ld wirken mit bestem Erfolge der großen Säuglingssterblich­keit unter den unehelichen Kindern entgegen.' Dies werde durch rechtzeitige Unterstützung der Mutter gleich nach der Geburt erreicht, ferner durch Für­sorge fiir Unterbringung des Kindes und der Mut- ter, Ueberweisung des Kindes an Säuglingsfür­sorgestellen durch Sorge für ärztlichen Beistand uitd besonders für geordnete Aufsicht durch Waisen- pslegerinnen Das rasche Eingreifen des Be- rusSvormundes werde namentlich dadurch ge­fördert, daß die Standesbeamten dem Be­russvormund die Anzeigen über die Geburt des unehelichen Kinds übersenden und dieser schon vor seiner Verpflichtung als Vormund die nötigen Schritte tun und insbesondere auch die nöttgcn Er­mittelungen anstellen kann. Dabei bewähre sich die Beibehaltung des Berufsvormundes über die Zeit der Alimentenklage hinaus bis zur Großjäh­rigkeit sehr. Namentlich bei der Berufswahl habe sich als zweckmäßig erwiesen, daß die Beriifsvor- münder sich eine größere Anzahl von Lehr- und Dienststellen sichern. Die Folge sei die E n t - lastung der Armenkassen infolge der prompten Alimentenbeitreibung und der Erzieh­ung arbeitsamer und erwerbsfähiger Mündel, so­wie Entlastung der Gemeindeangehörigen von Vormundschaften. Der Minister weist die Behör­den an auf die Einführung der Berussvormund- schast in Städten und größeren Land­gemeinden hinzuwirken und dabei dieviel­fachen für die gefährdete Jugend arbeitenden frei­willigen und amtlichen Kräfte planmäßig zusam­menzufassen und so einer unwirtschaftlichen Zer­splitterung entgegenzuarbeiten'. Dabei wird be, sonders die vermehrte Heranziehung von Frauen auf dem Gebiete der Waisenpflege emp­fohlen; namentlich erweise sich die Hülfe der Frau auch in kleineren Orten und auf dem Lande als be­deutsam und es verdiene dankbare Anerkennung, daß sich zur Uebernahme des Waisenpflegerinnen­amts Frauen von Richtern, Geistlichen, Lehrern, Gutsbesitzern, Waisenräten sowie Lehrerinnen und Gemeindeschwestern haben bereit finden lassen. Die Füblnnanabme mit den Frauen-, Lebrerinnen- und ähnlichen Vereinen wird empfohlen.

Für die Marburger Verhältnisse ist es beson­ders nöttg, ans die mit der Berussvormundschaft verbundene Ersparnis binzuweisen. Nach neueren Erhebunaen leisten bei Einzelvormund­schaft die unehelichen Väter nur in 3040 % der Fälle irgendwelche Zahlungen. Dagegen hat z B. in Straßburg die Berussvormundschaft 85% aller unehelichen Väter zur Zahlung gezwungen l Die Leipziger Berussvormundschaft trieb 1905 im Ganzen 180 000 .M bei. Die Zahlen mögen va­riieren. Daß Ersparnisse eintreten, ist sscher und wird mrch durch die Darlemrnaen des f^errrt Mini­sters bestätigt. Nichts wäre allo unrichttger als in . Marburg ans angeblichen Ersparnisaründen von

DaS offtzielle Mitgliederverzeichnis ist im Reichstage ausgegeben worden. Die Stärke der Fraktionen zeigt folgenden Stand: Konser» vattve 60 (2 Hospitanten: Dr. Roesicke, Rupp), btt dritte Hospitant Arnold ist srakttonslos geworden; Reichspartei 25 (5 Hospitanten); deutsche Reform- Partei 4 (1 Hospitant: Köhler), srüher 7 Mitglieder resp. Hospitanten, es sind ausgeschieden Binde­wald, Gäbel (zur Wirtschaft!. Vereinigung über­getreten) und Bruhn (jetzt frattionslos); wirt­schaftliche Vereinigung 17 (1 Hospitant), ausge­schieden Dr. Böhme (jetzt frattionslos), Schack (Mandat niedergelegt), eingetreten Bindewald, Gäbel; Zentrum 105, früher 103, (1 Hospitant), neu gewählt Herzog von Arenberg und liebel; Polen 20; Nationalliberale 50 (5 Hospitanten), früher 54, ausgeschieden: Frhr. Hehl zu Herrns­heim, Graf Oriola, Quarck, Schellhorn; freisinnige Vereinigung 15 (wie bisher); freisinnige Volks­partei 27 (früher 28), ausgeschieden Schmidt-Halle; deutsche Volkspartei 7 (wie bisher); Sozialdemo­kraten 46 ^früher 42), eingetreten Huber, Kunert, Schöpftin, Zietsch. Bei keiner Fraktion sind 19 (früher 12) Mitglieder, neu hinzugekommen Ar­nold, Dr. Böhme, Bruhn, v. Dannenberg, Frhr. Hehl zu Herrnsheim, Lehmann-Jena, Graf Oriola. Erledigt sind zwei Mandate: Köln Wipperfürth durch den Tod des Abg. de Witt (Zentrum) und Eisenach-Dernbach durch Mandatsniederlegung des Abg. Schack (Wirtsch. Vgg.). Im Sommer haben Ersatzwahlen stattgefunden und es wurden ge­wählt: Huber (Soz.) für Schellhorn (natl.) t 23.5. 09 in 2. Pfalz, Kunert (Soz.) für Schmidt-Halle (frs. Vp) t 7.6.09 in 4. Merseburg, Schöpflin (Soz.) für Goldstein (Soz.) f 14.6. 09 in 19. Sach­sen, Wellstein (Ztr.) 3. Koblenz, dessen Mandat er­losch, wurde wiedergewählt, ferner wurden ge­wählt Zietsch (So,.) für Quarck (nntl.)*t 3.7.09 in 1. Gachsen-Koburg-Gotha, Holtschke (kons.) für Böntng (kons.) f 15.7.09 in 2. Frankfurt. Wäh­rend Zentrum und Konservattve ihre Sitze behaup­teten. verloren die Nationalliberalen 2, die Frei­sinnigen ein Mandat an die Sozialdemokraten. Seit den letzten allaemeinen Reichstaaswahlen haben verloren je 1 Mandat die Konservativen (1. Hannover), die wirtschaft! Vereinigung (1. Arns­berg). die freisinnige Volkspartei (Halle), die Natto- nalliberalen verloren 2 (2. Pfalz und 1. Sachlen- Kobura) und gewannen 1 (1. Arnsberg), ferner gewannen je ein Mandat die freisinnige Vereinig­ung (1. Hannover) und das Zentrum (8. Hessen), die Sozialdemokraten gewannen 3 Mandate (2. Malz. Halle, 1. Sachsen-Kobnrg).

Deutsches Reich.

Di«Rabbodwttwe". Unter der Ueber- schriftDie Radbodwitwe" haben sozialdemo­kratische Blätter einen Artikel veröffentlicht, worin u. a. behauptet wurde, daß die vielge­nannte Witwe Dora, deren Mann bei dem

Berussvormundschaft.

Uns wird geschrieben:

Auch in Marburg beklagen die Kundigen im­mer wieder die Not mancher kleinen Ziehttnder. Das legt dir Fra^: nahe, ob nicht auch für unsere Etadt, -^sr Anregu g d - s evangelisch en Frauenbundes n sprechend, nach dem Muster Frankfurts, Straßburgs und anderer Städte, di« Kmfübrung eines Berufsvormunds brrn-zenlSzu empfehlen wäre, d. h. die Bestellung ein«*« von der Stadt bezahlten Herrn, dem an Stelle d" jetzt bestellten Einzelvormünder die sämtliche» Vormundschaften üb-r die armen, ins­besondere die unedelichen Kinder übertragen wür­den.

Oberbürgermeister Dr. Tbode-Stettin faßt neuestens in einer Denkschrift die allgemeinen anerkannte.» Vorzüge einer Berufsvormundschaft dahin zusammen- 1. Die Berufsvormundschaft sichert in weit höhe>m Maße die Heranziehung der Erzeuger zur Erfüllung ihrer gesetzlichen llnterhal- tungspflicht und beseitigt damit zum guten Teil den jetzigen gegen Gesetz und Moral verstoßenden Zustande, daß in ungezählten Fällen die Unterhal­tung des unehelichen Kindes der in bitterer Not be­findlichen Mutter, ihrer Familie oder der Armen­kasse überlassen bleibt 2. Sie bildet somit eine Maßregel vorbeugender Armenpflege und schützt den Stadtsäckel vor ungerechtferttgter Belasttrng, sie ist ein wirksamstes Mittel zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit und eröffnet die Möglichkeit auf Pflege, Erziehung und Berufsvorbildung einer besonders gefährdeten Gattung von Kindern fördersam einzuwirken. 4. Sie entlastet die Waisen­räte und Bezirksvorsteher von einer umfang­reichen, zeitraubenden, und undankbaren Arbett, die von Jahr zu Jahr schwieriger wird. 5. Sie entlastet eine sehr große Anzahl von Bürgern von einem beschwerlichen Ehrenamt, macht sie dadurch für andere Ehrenämter frei, und beugt einer Kräftevergeudung vor. 6. Sie erleichtert dem Vor­mundschaftsgericht feine Tätigkeit ganz wesentlich.

In gleichem Sinne spricht sich neustens aber auch eine sehr wichtige Verfügung deS Herrn Ministers des Innern vom 15. November 1909 über die Waisenpflege aus (Min.-Bl. f. d. V., S. 228). Es wird darin her­vorgehoben, daß die Berufsvormundschaft sich ht zahlreichen Gemeinden trefflich bewährt hat, daß die Berufsvormünder durch Schulung. Erfahrung, Unabhängigkeit und Autorität zur Wahrnehmung der Mündelinteressen, namentlich zur Unterhaltungsbeitreibung, Lohnpfändung rc., besonders befähigt erscheinen.Weitblickende Ge­meindeverwaltungen haben in der Form der Be-

Marburg

Sonntag. 12. Dezember 1909.

Die IniertlonSgebüt>r betragt für Öie 7 gespalten: Zelle oder deren Raum15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aua. Koch, ilitmersitätsbuhsruckerei Inhaber Dr. C. Hitzero th, Marbltrg, Markt 21. Telephon 55.

Politische Umschau.

Da§ neue Unterstützungswohnsitzgesetz in der Praxis.

Das Bundesamt für das Heimatwesen hatte in der Sitzung vom 6. November d. I. bei An- weftnheit sämtlicher Mitglieder zum ersten Male Gelegenheit, die Vorschriften der am 1. April d. I. in Kraft getretenen Novelle zum Unterstützungswohnsitzgesetze vom 30. Mai 1908 anzuwenden und dabei eine wichtige Frage, die in der juristischen Literatur sowie in der Praxis der Armenverwaltungen streitig geworden war, endgültig zu entscheiden. DieNordd. Allg. 3tg. teilt darüber folgendes mit: Durch die Novelle ist die bisherige zweijährige Frist für den Erwerb und den Verlust des Unterstützungs­wohnsitzes auf ein Jahr herabgesetzt worden. Der Arbeiter St. hatte sich mit seiner Familie vom 16. November 1907 bis zum 27. März d I., also nicht zwei Jahre lang, in Weingarten-Rhe­der aufgebalten, war dann am 27. März d. I. nach Euskirchen verzogen und dort am 6. April infolge einer Erkrankung der Armenpflege an­heimgefallen. Es war nun streitig, ob St. durch seinen Aufenthalt in Weingarten-Rheder den Unterstützungswohnsitz erworben hat, trotzdem et dort sich nicht volle zwei Jahre aufgehalten und diesen Ort schon vor dem Tage des In­krafttretens der Novelle verlassen hatte. Das Bundesamt hat diese Frage bejaht mit Rück­sicht auf die Bestimmung in Art. 3 Abs. 2 der Novelle, wonach deren Vorschriften auf alle nach Inkrafttreten eintretenden neuen Unterstütz­ungsfälle Anwendung finden sollen. In dem Urteil ist ausgeführt worden, gemäß Art. 3 sei bei den seit dem 1. April d. I. eintretenden Unterstützunasfällen der endgültig unter­stützungspflichtige Armenverbond ausnahmslos nach den Vorschriften der Novelle zu bestimmen; es genüge allo bei diesen neuen Fällen eine einjährige Frist für den Erwerb des Unter­stützungswohnsitzes, ohne Unterschied, ob der den Erwerb begründende Aufenthalt am 1. April, d. I. noch bestanden Hobe oder nicht. Demzu­folge ist die Vorentscheidung, durch die der Orts« atmenverband Weingarten-Rbeder zur Er­stattung der in Euskirchen entstandenen Kosten verurteilt worden war, vom Bundesamt auf­recht erhalten worden.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

DieS>i»erhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- Ä«fV jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expeditton (Markt 21,) 2 Mk.

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9 (Nachdruck verboten.)

Wa» Gott zulammenftefirgl.

. Roman von H. Courths-Mahler.

(Forttetzung.)

Und auch ich vermisse weder Gesellschaft noch Zerstreuung," pflichtete Renate bei. Es war auch ihre ehrliche Ueberzeugung. Für sie gab es keine liebere Unterhaltung, als wenn sie mit Paula von Georg Rodenfels plaudern konnte. Und diese sorgte mit Verständnis da­für. daß dies Thema unerschöpflich war. In­zwischen war Georg dicht herangekommen. Pau­la grüßte ihn verstohlen mit den Augen und sagte zu den Schwestern:

Trotzdem fühle ich mich verpflichtet. Ihnen wenigstens einen Kavalier zu beordern. Und um Bosko Konkurrenz zu machen eins, Mei, in ei da steht er vor Ihnen."

Sie hatte ihre letzten Worte sehr laut ge­sprochen. so daß sie Georg hören mußte. Er trat jetzt rasch hinter einem Strandkorb hervor und verneigte sich lächelnd vor den Damen.

Renate blickte auf und zuckte zusammen. Paula lächelte zufrieden. Sie sah. wie dunkle Glut verräterisch in Renates Wangen stieg, sah auch, daß sich Georgs Gesicht bei ihrem Anblick höher färbte und daß die beiden Augenpaare einige Augenblicke weltvergessen in einander tauchten.

In Renates Blick lag ein verträumtes Stau­nen, gepaart mit heißer (Slücffeligfelt, und Ge­orgs Augen schienen sich festsaugen zu wollen an hem lieben Mädchengesicht. Es verriet ihm, daß ihr Herz ihm entgegenschlug in scheuer Liebe. Sie vermochte sich in diesem Augenblick nicht konventionell zu verstellen.

Nun hatte aber auch Eva trotz allem Spiel­eifer Georg entdeckt. Eie flog jubelnd empor,

mitten in die mühsam aufgebaute Festung bin- eintretenb. und umfaßte Georg mit beiden Armen. Er hob sie empor und drückte sie an seine Brust, aber über ibr goldschimmerndes Köpfchen hinweg traf sein Blick doch wieder auf- flammend in den Renates.

Mary lag noch sprachlos vor Ueberralchung auf den Knien vor bet zerstörten Festung und sah aespannt in das Gefickt der Sckwester.

Georg ließ Eva aus feinen Armen und be­grüßte nun vor allem Paula mit einem ehrer- bietioen Handkuß.

Verehrte gnädige Frau da bin ich. Hof­fentlich falle ich nicht als Störenfried in Ihr Strandidyll."

Paula drückte ihm herzlich die Hand.Will­kommen, herzlich willkommen. Ich glaube, ich fege das auch im Sinne dielet Damen."

Georg verneigte sich grüßend und sagte zu Renate:Ist das wahr, gnädiges Fräulein?"

Sie reichte ihm, sich fassend die Hand.Ja ganz gewiß." antwortete sie leise, noch immer mit dem verträumten Lächeln.

Mary hatte sich erhoben und klopfte den Sand von ihren Kleidern. Georg wandte sich ihr zu.

Gnädiges Fräulein, ich sehe, daß ich Sie in einer wichtigen Beschäftigung störte," sagte er scherzend.

Sie reichte ihm die Hand.Obwohl Ihre überraschende Ankunft die anstrengende Arbeit eines halben Tages zu Nichte gemacht hat, freue ich mich doch übet Ihr Kommen."

O, ich stelle mich beim Wiederaufbau mit meinet ganzen, noch ungeschwächten Arbeits­kraft zur Verfügung."

Das ist sehr lobenswert von Ihnen. Aber Du, Eva, kleines Barbarenkind, steh an, was Du angerichtet hast. Ist es wohl nett von Dir, daß Du mitten in biefe kunstvolle Festungsmauer

hineintrittst? Ich weiß nicht, was ich von Dir denken soll. Wie der ärgste Feind hast Du ge­haust."

Eva hing sich lachend an ihren Hals.Du bist gar nicht böse, Tante Mary, machst nur Scherz." /

So, weißt Du das so genau?"

Ja, Deine Augen lachen. Du kannst gar nicht böse sein."

Mary drückte das Kind fest an sich.Dir sicher nicht. Du Schelm, das weißt Du schon und beutest es aus."

Renate stellte Georg inzwischen Frau Werner vor. Die alte Dame sah überrascht auf, als sie seinen Namen hörte. Er wechselte einige artige Worte mit ihr, dann wandte er sich wie­der Renate zu.

Ueberroältigenb war es ihm bei diesem Wie­dersehen klar geworden, daß sie seines Seins Vollendung bedeute, daß seine Liebe zu ihr in diesen Monaten der Trennung Me und tiefe Wurzeln in seinem Herzen geschlagen hatte.

Und in Renates Herzen sang und jubelte es mit tausend süßen Stimmen. Er war da! Ihr Herz flog ihm entgegen in seliger Lust. Und da sie in seinen Augen las, wie teuer sie ihm war, verbarg sie ihm nicht, wie seine Gegenwatt sie beglückte.---

Während sich eine angeregte Unterhaltung entspann, begegneten sicy Georgs und Renates Augen immer wieder in suchender Wonne. Wie schön war plötzlich das Leben, wie glückvoll ihre jungen Herzen.

Und Paula sah, wieviel Glück ihre Hebet» raschung geschaffen hatte.

Als sie später mtt Georg allein oben in ihrer Loggia saß, sagte dieser herzlich:Ich habe Ihnen für so vieles zu danken; verehtte Freun­din auch heute wieder. Sie wissen nicht, was

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Sie mir Gutes getan haben, daß Sie mich hies- hergerufen."

Sie lächelte fein und sah ihn bedeutung» voll an.

Vielleicht weiß ich es doch. Wir Frauen spielen alle gern ein wenig Vorsehung für die Menschen, die wir Heben. Hoffentlich kommt wirklich etwas Gutes dabei heraus, man weiß es nie vorher."

Sie werden mir von Tag zu Tag ver- ehrungswürdiget."

Paula roinfte hastig ab.Egoismus, lieber Freund ober sagen mir Selbsterhaltungs­trieb. Ich muß etwas tun, um das Leben wieder lieb zu gewinnen, das wissen Sie.Wie lange können Sie bleiben?"

Vierzehn Tage, da unser Schiff unfrei­willige Rast hat."

Sie sah ernst in seine Augen.Nutzen Sie die Zeit gut, lieber Freund."

Er erwiderte ihren Blick fest und offen.

Sie wissen, daß Renate Coulmann mit teuer geworden ist?"

Ja."

Er atmete tief auf.Wenn es für mich ein Glück gibt, liegt es in ihrer Hand."

Paula stützte den Kopf in die Hand.Das wußte ich, und wenn ich Eie hierher gerufen habe, zeigt Ihnen, baß ich für Sie hoffe. Wenn Ihren Wünschen nicht anbete Hinder­nisse im Wege stehen von Renate fürchte ich nichts. Sie ist wie ein klarer Quell, den man bis auf den Grund durchschauen kann. Und ich sah Ihr Bild auf diesem Grunde."

Er küßte feurig ihre Hand. Sie lächelt« leise, gerührt. J

Ich bin ja nicht Renate," sagte sie scherzend.

j (Fottjetzung jc-lat.1