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Viertes Blatt
Verantwortlich für die Redaktion:
Dr. phil. Karl Hitzeroth in Marburg
Di« gafe111on8gebüi>r beträgt für bte 7gespaltene Zeile ober beten Staunt 15 Pfennig, für Reklamen 3) Pfennig. — Druck unb Verlag: Joh. Ang. Koh, Unioerfttätebu bäructeret Inhaber Dr. L. H itzero th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Oeffenllicke Feuermeldeftellen befinden sich: Im Elektrizitätswerk, Rudolisplah, in der GaSaniialt, im Hotel Pfeiffer, im Kontor deS Spediteurs August Heppe, Schwanallee, in bet Wohnung des StadtratS Binder. WilhelmSplatz und auf der Polizeiwache im Rathhaus.
Der Streit Hal auch Herrn v. Eerlach auf den Plan gerufen, in einem Schreiben an die Ortsgruppen fetzt er auseinander, der „Demokrat" sei ein Privatunternehmen eines Herrn Böttcher, das ungenügend fundiert und daher in finanzielle Schwierigkeiten geraten fei. Wegen des schlechten Eindrucks, das ein Eingehen des Blattes gemacht hätte, hat der Zentralvorstand sich bemüht, es durch Gründung einer E. m. b. H. zu fundieren und sei dann in Verhandlungen mit Böttcher getreten, dem Ersatz der Auslagen und 1000 Jt darüber angeboten wurden.
Der Herr Böttcher habe aber plötzlich die Verhandlungen abgebrochen. Herr v. Eerlach ersucht die Ortsgruppen, sich nunmehr der neuen Wochenschrift des Dr. Breitscheid: „Das freie Volk,, zuzuwenden. Dr. Breitscheid seinerseits erklärt. Pfemfert habe wiederholt ehrenrührige Verleumdungen verbreitet, und nur um öffentlichen Skandal zu vermeiden, sei er nicht gerichtlich gegen ihn vorgegangen: dagegen habe die Ortsorganisation der D. V. das Ausschlutzver- fahren gegen ihn eingeleitet, das Pfemfert durch freiwilligen Austritt beendet habe.
Diese Erklärungen haben aber offenbar wenig Eindruck gemacht. Die Parteileitung hat sich einiges sagen lasten müsten, der „Demokrat" bringt nämlich noch folgende Mitteilungen des „Demokratischen Verbandes Groß-Berlins":
„In der letzten außerordentlichen Vorstands- sitzung des Verbandes, die sich ausschließlich mit der Angelegenheit des „Demokrat" befaßte, wurde mit allen gegen eine Stimme beschlosten, der Eeschäftsleitung der „D. V.", speziell dem Parteisekretär und dem Partei- ftlssierer ein scharfes Mißtrauensvotum in bezug auf deren Verhalten gegenüber dem „Demokrat" auszusprechen.
Diese „Einigkeit" und die werbende Kraft des „demokratischen Gedankens" werden so bald weiter große Erfolge feiern. Wir gratulieren einstweilen im voraus! Ein Rätsel bleibt es uns aber, woher nun die Leser für die b e i d e n Blätter des Asphaltliberalismus kommen sollen.
Roch eins: Mehrere Pestimisten sprachen uns neulich davon, das nächste Mal werde gewiß Herr v. Eerlach hier gewählt werden, denn, so drückte man sich aus, er sei doch jetzt bei einer neuen Partei und habe daher in unserem nun schon als Versuchskaninchen für neue Parteien klassisch gewordenen Wahlkreis die meiste Aussicht. Ganz abgesehen davon, daß er in diesem Punkte ja nicht ohne Konkurrenz ist, hoffen wir, daß die obigen Ausführungen, die durchaus nicht der „böse Oberheste" allein veröffentlicht, sondern die die Runde durch die gesamte Presse machen, genügen werden, um manchem Freunde der Veränderung die Augen zu öffnen.
drängen, während es sich in Wirklichkeit doch um Selbstmord handelt. In der Fachpreste lie-
Eeschüftliche Mitteilungen.
Wer seine Gesundheit zu schätze» weiß, der nehm, statt Bohnenkaffee Scelig's kandierten Korn-Kaffee Dieses Kaffee-Ersatzmittel gibt ein nährkräftiges Getränk von aromatischem Wohlgeschmack und wirb von Dr. Lahmann, Sanatorium „Weißer Hirsch" bei Dresden, und anderen hervorragenden Aerzten seit Jahren verwendet und angelcgcntlichst empfohlen. Der Preis ist nur 20 Pfg. per Halbpfund, ausreichend für 30—35 Taffen. Angesichts der durch den neuer Zoll bedeutend erhöhten Kaffee-Preise sollte keim Hausfrau es unterlassen, Seelig'S kand-'e^^n Korn- Kaffee einmal zu versuchen. Proben und Nieder- lagen-Verzeichnis erhält man von den Fabrikanten Emil Seelig A.-G. in Heilbronn a. N. gratis.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Aus Sand geraten. Flensburg, 10. Dez. Das Schulschiff „Württemberg" ist gestern Abend gegen 4 Uhr bei seiner Rückkehr von einer Schießübung auf der Außenföhrde wegen Nebels in der Nähe von Glücksburg östlich von Holnis auf sandigen Grund geraten. Die Abbringungsarbeiten haben begonnen.
10 Zahre Zuchthaus. Heilbronn, 10. Dezember. Das Schwurgericht verhandelte in den letzten fünf Tagen gegen den früheren Schutzmann Ianns, der angeklagt war, als
Marburg
Sonntag 12. Dezember 1909.
Vermischtes.
Das 26. Kind. Die Frau des Schuhmachers Braun in Berlin , Stolpische Straße 43, hat ihr 26. Kind zur Welt gebracht. Alle 26 Kinder des Ehepaares, das 24 Jahre verheiratet ist, sind lebensfähig geboren worden.
Lohnende Beute. Von einem Speditionswagen der Nordbahngesellschaft in Paris wurde von einem bisher unbekannten Dieb eine Kiste mit Wertpapieren und Schmuckgegenständen im Werte von 300 000 Francs gestohlen.
Humoristisches. Verteidiger: „Wenn man alle diese Umstände erwägt, so muß man zu dem Schluß kommen, daß der Angeklagte nicht im Besitze seiner freien Willensbestimmung war. — Angeklagter: „Herr Rechtsanwalt, bitte, vergeßen Sie nicht zu erwähnen, daß ich auch verheiratet bin."
Humoristisches. Serenissimus: -.Ihren Herrn Vater hab' ich gekannt, sehen ihm fabelhaft ähnlich." — „Verzeihen. Durchlaucht, das war mein Stiefvater." — Serenissimus: „Aeh — um so fabelhafter." _
Humoristisches. Beim Drogulsten: .HabenSe velleicht Insektenpulver?" — ..Eewlß. Für wieviel denn?" — „Ick hab' se neicht lezahlt.
Literarisches.
•• Unsere Muttersprache, ihr Werde» und ihr Wesen. Von O. Weise, 7. verb. Aust Geb. dH 3.80. Verlag vonb B. G. Teubner in Leipzii unb Berlin. Weises Buch. baS bereits in siebente verbefferter Auflagevorliegt, bedarf keiner Empfeh lung mehr. Seitdem eS, vom deutschen Sprachverein durch eine Ehrengabe ausgezeichnet in die Welt hinausgegangen ist, hat eS sich sehr viel Freunde erwor. ben. ES führt in belehrender und anregender Art i> den Reichtum und die Pracht unserer deutscher Sprache ein, eS zeigt, wie sie gewachsen und geworde» ist, wie sich deutsches Wesen und deutsches Gemüt it der Sprache äußert, wie die Wörter ihre Geschieht« haben und oft den Gang unserer Kultur widerspiegeln wie Schriftsprache und Mundart sich scheiden und er- gänzen. Nach einem Ueberblick über die Geschichte bei »rutschen Sprache wirb ihr Verhältnis zur deutschen Volksart beleuchtet, die Sprache Norddeutschlands und Süddeutschlands verglichen und der Unterschied zwi- chen Mundart und Schriftsprache erörtert. Es folgt eine Darstellung der altdeutschen Gesittung und bei Entwicklung des Stils und der Kultur, wie sie sich im Lichte der Sprache darstellen, eine Verständlichmachung der Gesetze des Lautwandels, der Wortbiegung und der Wortbildung, eine Geschichte der Fremdwörter und ein Ueberblick über den Reichtum des einheimischen Wortschatzes. Endlich eine Erörterung des Verhält« niffes von natürlichem und grammatischem Geschlecht, eine Uebersicht über den Bedeutungswandel im Deutschen, über die allmähliche Veränderung der Redensarten und schließlich die Lehr« vom Satzgefüge. Eine Fülle von Stoff ist jo wissenschaftlich zuverlässig, dabet echt volkstümlich behandelt, sodaß nicht nur der Lehrer, sondern jeder, der für deutsche Art ein Herz hat. seine Freude an dem Buch haben muß.
Die demokratische Vereinigung l
unter st !?. I
(Heiteres aus der Politik!) I
Die „Demokratische Vereinigung" der Herren I
1. Eerlach, Dr. Vreitscheid, ü. a. an deren Spitze I einst Dr. Barth stand, verfällt anscheinend de- I teits jetzt dem Schicksal radikaler Parteigrüpp- I chen, daß die Mitglieder sich bald gegenseitig I aufs heftigste befehden. Die Wochenschrift „Der I Demokrat" galt bis jetzt für das offizielle Organ I des Parteileins. Das hat sich geändert. Offene I Fehde ist zwischen ihr und den „Größen" der I Parteileitung, speziell Dr. Breitscheid ausge- I »rochen. Das gibt dem Organ Gelegenheit, be- I denklich aus der Schule zu plaudern. In einem I Aitikel wird ausgeführt, daß die Gründung des I Demokraten" erfolgt sei, weil die Bewegung I in bedenklicher Weise zu erlahmen begonnen hatte. Der Zentralvorstand der „Demokratischen I Bereinigung" sei an der Gründung finanziell I nicht beteiligt gewesen. Es wird dann weiter I dargelegt: I
„Gegen eine Uebernahme des Organs I seitens der Partei hätten die Gründer des I „Demokrat" natürlich nichts einzuwenden ge- I habt. Hier aber handelte es sich, wie sich bald herausstellte, um etwas anderes. Mit einet I Offenheit, die keine Mißverständnisse aufkom- I men ließ, wurde von den Führern zugegeben, I daß es sich bei dem Auftreten des Zentralvor- I standes weniger um das Blatt noch um die I Partei handele, sondern ausschließlich darum, unter allen Umständen für den ersten Vorsitzende», der Demokratischen Vereinigung, Dr. Rudolf Breitscheid, eine Existenz zu schaffen. Wir hatten an und für sich gegen die Unterbringung dieses Herrn im „Demokrat" nichts einzuwenden gehabt. Es stellte sich aber bald heraus, daß der Gründer des Blattes für fein Entgegenkommen dadurch belohnt werden sollte, daß man ihm weder in der Redaktions- noch in der Geschäftsführung der Zeitung irgendwelchen Einfluß lassen wollte. Man wollte vielmehr neben Herrn Dr. Breitscheid noch einem zweiten Mitgliede des geschäftsführenden Ausschusses, Herrn Kaufmann Zucker, eine Position in dem „Demokrat" als Geschäftsführer besorgen. Selbstverständlich mußten wir solches Ansinnen ab-
.Jn derselben Nummer ist eine Zuschrift des früheren Anarchisten und jetzigen Demokraten Pfemfert abgedruckt, die den Zweck haben soll, „den anonymen Söldlingen einer gewissenlosen Clique das dunkle Gewerbe der Verleumdungen zu erschweren". Darin ist mitgeteilt, daß Pfemfert aus der Demokratischen Vereinigung ausgetreten sei, weil er qenen Dr. Breit- fcheid so schwerwiegende persönliche Vorwürfe erhoben habe, daß Dr. Vreitscheid ihn hätte t>er= klagen müssen. Das habe Dr. Breitscheid aber nicht getan, sondern er habe die persönliche Streitigkeit zur Parteifache gemacht und Pfem- fert5 Ausscheiden aus der Demokratischen Vereinigung verlangt, wenn er (Vreitscheid) derselben weiter angehören solle. Pfemfert wollte der Vereinigung nickt „durch immer neue innere Konflikte" die Arbeit erschweren und schied aus. Dies gibt Pfemfert den „Kreaturen, die andere, ihn verdächtigende Darstellungen verbreiten", bekannt.
gen mehrfache Berichte von Personen vor, di« bei dem Versuch, die Wirkungen des Erhängens an sich selbst zu studieren, auf ein Haar den Tod sanden, weil sie sich nicht wiederauszurichten vermochten, und die nur der Dazwischenkunft anderer Personen ihre Rettung verdankten.
Liegt nun wirklich <in Mord durch Erhang- ung vor, oder ist das Opfer vor oder nach der Tötung gefesselt worden, so kann die Art, wie die Knoten geschürzt sind, bedeutsam sein: es gibt eine ganze Reihe verschiedener Knoten, »on denen einzelne Berufe ausschließlich einen bestimmten anwenden. Auch die Leichenteile des Opfers verdienen Beachtung. e'nct Dresdner Mordsache war die Spitze eines großen Messers, mit dem der Täter sein Verbrechen begangen hatte, in der Schädeldecke des Opfers abgebrochen und stecken geblieben: ein Vergleich dieser Spitze mit der Klinge eines großen Messers, das bei dem Verdächtigen vor- gefunden war und an dem die Spitze fehlte, ergab, daß die aus dem Kopf des Leichnams her- ausgezogene 6pii$t genau zu diesem Messer paßte
Im Falle einer Leichenzerstückelung lassen die Leichenteile Schlüsse auf die Persönlichkeit des Täters zu, besonders durch die Art, wie die einzelnen EliÄer abgetrennt sind. Kunstge- mätze, mit Sicherheit ausgefflbrte Gelenkauslösungen find meist von einem Schlächter, einem
Milchkontrolleur die von ihm untersuchte Milch durch Wasserzusatz gefälscht und in den daraus entspringenden Gerichtsverhandlungen Meineide geleistet zu haben. Ianns bezog für die Milch- kontrolle der von ihm zur Anzeige gebrachten Fälle Diäten. Ianns wurde in elf Fällen für schuldig erkannt, die Milch durch Wasserzusatz gefälscht zu haben und in den daraus entspringenden Gerichtsverhandlungen, die zur Verurteilung führten, in neun Füllen einen Meineid geleistet zu haben. Der Staatsanwalt beantragte eine Zuchthausstrafe von 15 Jahren, das Gericht erkannte auf 10 Jahre Zuchthaus, 10 Jahren Ehrverlust und Veröffentlichung des Urteils.
Luftschiffahrt. Leichlingen, 10. Dez. Das Luftfchif jder Rheinisch-Westfälffchen Motorluftschiffahrtgesellschaft unternahm heute nachmittag iy4 Uhr den ersten Aufstieg. In der Gondel befanden sich die Herren Erbslöh, Meckel und ein Ingenieur der Gesellschaft. Das Luftschiff manövrierte zwei Stungen über und in der nächsten Umgebung von Leichlingen. Wegen eines Motordefektes, der jedoch bald wieder behoben war, mußte eine Zwischenlandung dicht bei Leichlingen erfolgen. Kurz darauf stieg das Luftschiff wieder auf und landete dann sehr glatt vor der BallonhLtte in Leichlingen. Trotz de sheftigen, sehr böigen Windes funktionierte das Luftschiff tadellos und in jeder Hinsicht befriedigend Morgen findet wieder ein Aufstieg statt. , ,z _ ,
Zur Hamburger Gasexplosion. Hamburg, 10. Dez. Nachdem heute der Arbeiter Brügg- mann gestorben ist, beträgt dA Zahl der Toten be» der Gasexplosion einschließlich des vermißten Ewerführers nunmehr 18; das Befinden zweier Schwerverletzten ist bedenklich. Morgen findet die gemeinsame Bestattung der Opfer statt. _ _ .
„P. v“. Bitterfeld, 10. Dez. Heute Mittag um 1 Uhr 40 Min. unternahm der neue Ballon „P. V“ unter Führung von Oberleutnant Stelling abermals eine Fahr über Bitterfeld und Umgegend. Die Fahrt verlief in jeder Hinsicht befriedigend. Um 3 Uhr 40 Min. landete der Ballon glatt bei der Ballonhülle.
Von Dr. Erwin Rex. (Schluß.)
Nicht weniger interessant, und wichtig ist die Beantwortung der Frage, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt. Liegt z. B. ein Er- hängungsfall vor, so gibt die Lage, in der der Leicknam bei der ersten Besichtigung gesunden wird leicht zu Irrtümern Anlaß. Es kommt vor, daß die Leiche nickt ausgesprochen in hänaender Stellung gefunden wird: bald stehen br Füße auf dem Boden auf. bald sitzt der Tote QUr der Erde, oder er liegt fast ganz langaus- gcstreckt. so daß nur Kopf und Hals noch durch die Schlinge gehoben werden. In solchen Fällen ist man versucht, eher an Mord als an Selbstmord zu denken: und doch kann man sich hierin sehr oft täuschen. Man muß im Auge behalten, daß nicht immer ein regelrecktes Hängen notig ist um den Tod durch Selbstmord herbeizu- führen. Jeder Kriminalist entsinnt sich, des Aufsehen erregenden Selbstmordes des Prinzen
•) Rach dem soeben erschienenen Werke: Die <Kri» Minalpolizci unb ihre Hilfswissenschaften von Professor Dr. Nicceforo unb Reg.-Rat Dr. Stnbcnau. Mir 300 kriminalistischen Abbildungen. Preis 20 M, «b. 23 dH. Verlag Dr. P. Langenscheidt, Berlin— Groß-Lichterfclde-Oft.
Die „Gverhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bez u a s preis betragt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zritungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
MchslW MW mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
' von Cond6 der sich an seinem Fensterriegel mit
Auf den Svmen de? Verbrechers?) RT”«, wS”«.
hatte er ein zweites Tuch gezogen und sich um den Hals gelegt. Einer der Hauptgründe für die Annahme eines Mordes stützte sich damals darauf, daß die Leiche mit den Füßen auf dem Bod->n stehend gefunden wurde, während die Verteidigung diesen Umstand der allmählichen Dehnung der Taschentücher zuschrieb. Niemand ist in diesem Prozeß auf den Gedanken gekommen, daß auch bei Selbstmord der Tod ein- treten kann, ohne daß die Füße zuerst frei in der Luft schweben. Dr. M. Minovici, der diese Frage eingehend studiert hat, fand, daß von 136 Personen, die ihrem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht hatten, mehr als die Hälfte beim Auffinden den Boden berührten. Es stellt sich nähmlich infolge des Zusammenpressens der Halsschlagadern sehr rasch Bewußtlosigkeit ein, so daß der Selbstmörder, selbst wenn er in plötzlich wiedererwachendem Selbsterhaltungstriebe dies beabsichtigt, nicht mehr die kleine Bewegung auszuführen vermag, die genügen würde, um ihn wieder auf die Füße zu stellen. Daher entstehen auch jene merkwürdigen, oft geradezu verblüffenden Stellungen der Leichen, die beim Anblick den Gedanken an Mord auf-
Ein weitverbreiteter Irrtum ist die Meinung, daß der Alkohol dem Körper Wärme zuführe. Gerade dat Gegenteil ist der Fall. Der Irrtum erklärt sich daraus, daß das sehr schnell vorübergehende Wärmc- gefühl, das man unmittelbar nach Alkoholgenuß empfindet, über die tatsächliche Wirkung des Alkohols täuscht. Der Alkohol reduziert den Sauerstoff im Organismus und setzt infolgedessen die Körpertemperatur herab, statt sie zu erhöhen. Man friert schließlich nach Alkohol mehr als vorher. Will man etwa? genießen, was wirklich und dauernd erwärmt, und was zugleich ganz unschädlich ist und auch nicht aufregt, so empfiehlt es sich, Kathreiners Malzkasfcc zu trinken. Dieses Getränk enthält keinen einzigen schädlichen und aufregenden Stoff, erwärmt den ganzen Körper behaglich und schmeckt dabei wohlschmeckend und aromatisch.
MÄiziner oder einem Anatomiediener ausgeführt: auch eine Köchin zerstückelt z. B. — wie dieses schon vorgekommen ist — den Körp-- ->ines Kindes auffällig kuffstgerecht. Sind die Leichenteile in Wäsche, eine Serviette u. a eingeschnürt oder eingenäht, so kann ebenfalls die Art des Knotens den Beruf des Mörders verraten: ebenso führte die saubere Naht der Leinwänden einem solchen Fall auf die Spur, daß nur eine Frau die Täterin fein konnte.
Jedes Geschoß verrät die Waffe, aus der es abgefeuert ist, und kann den Mörder überführen. Bald find es normale Deformationen, bald die Spuren der eingepreßten Züge, die dem Lauf eines bestimmten Revolvers entsprechen, oder aber Konstruktionsfehler der Waffe, die dem Geschoß ein charakteristisches Identität^ zeichen geben. In einer Mordsache fanden fich im Leichnam mehrere Kugeln mit hohlen Furchen: die Untersuchung der beim Verdächtigen beschlagnahmten Waffe ergab, daß ihr Korn in auffälliger Weise in das Innere des Laufes hineinragte und die gleichen hohlen Furchen auf dem Geschoß hervorries.
Der Staunt zwingt uns, trotz der Fülle ben Materials in dem oben genannten Werke uns auf das Vorstehende zu beschränken: wir Wen jedoch, daß auch dieses Wenige das Interesse unfeter Leier gefunden hat.