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«. Jahrg.

Erstes Blatt

sich erst die neuen «Steuern eingelebt haben, werde erst recht Beruhigung Platz greifen. Das Zustande­kommen der Finanzreform habe auch die Regie­rung nach außen hin gekräftigt im Interesse der Wahrung des Friedens und der Würde des Rei­ches. Auf die auswärtige Politik eingehend, meint Redner, unsere wirtschaftlichen Interessen schienen nicht ganz ausreichend gewahrt. In der Wirt­schaftspolitik müssen die Grundsätze des Zolltarif- von 1902 festgehalten werden. Die konservative Partei steht selbständig da und kümmert sich um ander Parteien nicht.

Abg. Baflermann (natlib.) beleuchtet zunächst die veränderte innerpolitische Situation, die in der Zu­sammensetzung des neuen Präsidiums des Reichs­tages ihren Ausdruck finde. Er sucht die Ableh­nung seiner Partei, sich am Präsidium zu beteili­gen, zu rechtfertigen. Redner fordert die schleu­nigste Erledigung der Pensionsversicherung für Privatbeamten. Dem Etat zollt er das Lob, daß er auf Sparsamkeit aufgebaut sei. Rach einem kur­zen Ueberblick über die auswärtige Politik weist Basiermann die Behauptung Hertlings zurück, daß den Katholiken gegenüber eine feindselige Gesin­nung herrsche. Seine Partei teile aber nicht die Auffassung, daß das Zentrum keine politische Par­tei sei. Von höchstem Jntereffe für alle deutsche Patrioten sei die Frage des preußischen Wahl­rechts. Redner spricht dann für die Besteuerung des Kindes- und Gattenerbes und stellt für die nächsten Wahlen eine Annäherung der liberalen Parteien in Aussicht. Auf keinen Fall fei es ange­bracht, die Sozialdemokraten für die Dauer aus den Einzellandtagen auszuschließen. Darauf ver­tagt sich das Haus auf Freitag 1 Uhr.

men haben. Er macht dabei ausgezeichnete Ge- fchäfte. (Sehr richtig! rechts.) Ein solcher Dualis­mus ist eine Fiktion und zwar zu Parieizwecken, an der aber, trotz der Verbitterung, die bei uns eingezogen ist, auf die Dauer nur festgehalten wer­den kann, wenn zum Schaden unferer politischen Entwickelung ganze Parteien auf ihre Geschichte, auf ihre Tradition und auf ihre Ziele verzichten sollten. (Beifall links.) Ich kann nicht sehen, daß das Land irgend welchen Vorteil davon hätte, wenn es gelänge, die Gegensätze, welche sich über die neuen Steuern entwickelt haben, für alle Ewig­keit auf nufer ganzes politifches Leben fortwirken ju lassem Ist es denn richtig, daß die vorliegen­den Arbeiten so nüchtern und geschäftsmäßig sind, so sehr allen politischen Interesses entbehren? Als ob nur ganz scharf gewürzte Kost, womöglich grundstürzende Aenderungen staatlicher Jnftittttio- neu noch genießbar wären! Meine Herren! Ich fchließc die Augen nicht vor der parteipolitischen Erregung, die unser Land durchzieht. Aber das behaupte ich, daß weite Kreise des Volkes anders Senken und nicht ans die Dauer von der politi­schen Sensation und der Verärgerung leben »vollen. Was das Volk in erster Linie ver­langt, ist, daß es in seiner werktätigen Arbeit, mag sie nun wirtschaftlicher oder MtureKer Art fein, hier und draußen auf dem Weltmarkt nicht durch Unruhe und Experimente gestört, sondern darin durch eine stetige und feste Politik sowohl im In­nern wie nach Außer» gestützt und gefördert werde. (Lebhafte Zustimmung). Und glaubt man nun, daß diesem Verlangen mit seinen vielgestaltigen Bedürfnisse» damit gedient werde, wenn die gesetz­geberischen Arbeiten, von denen ich sprach und die zum Teil sehr tief in das wirtschaftliche und soziale L den eingreifen, unter ein, Schema gestellt werde«, das nur mehr die «Schlagworte Radikalismus und Reaktionen kennt? (Sehr wahr!) Das würde sede gesunde Entwickelung, jeden vernünftigen Fort­schritt unmöglich machen.

So wenig eine Ration ohne politischen Kampf leben kann, so wenig verträgt sie es, durch hoch poliüfche, sensationell zugespitzte Strei­tigketten dauernd in Atem gehalten zu werden. (Sehr wahr!). Solche Streitigkeiten müssen auf die Dauer das Vertraue» nach Innen und das An­sehen nach Außen schwächen und schließlich auf­heben. (Zustimmung rechts.) Dazu sind die Zeiten nicht angetan. Wir können uns nicht den Luxus gestatten, uns bei Vergangenem aufhalten oder unflätig zu bleiben. Wer sich wie Deutschland seine wirtschaftliche und kulturelle Stellung durch nüch­terne Arbeit errungen hat, kann sie auch nur in solcher Arbeit behaupten, und wie lassen Sie Deutschlands Geschichte an sich vorübergehen es nicht hier und da eine einzelne Parteirichtung ge­wesen ist, die Deutschland sein Gepräge gegeben hat, sondern wie dabei alle Kräfte des Volkes mit- gewirkt haben, so muß es auch in Zukunft bleiben. Darin spricht sich nicht der in den letzten Wochen so viel bespöttelte Ruf nach politischer Mitarbeit oder gar ängstliche Sorge um die Schaffung einer momentanen parlamentarischen Majorität aus, nein, meine Herren, das nicht, sondern die Ueber- zeugung, daß es einen Zwang gibt, den die Volks­gemeinschaft jedem ihrer Glieder auferlegt und dP Gewißheit, daß dieser Zwang auch die jetzigen

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 95.

Die Insertio»Sgebü''r betragt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklame» 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Äug. Kotz, Universitätsbutzdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Irren und Wirren überdauern wird. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum, Unruhe links).

Wir können im Sinne unserer bisherigen Hal­tung nur wünschen, daß diese Worte des Reichs­kanzlers auf die Partetne Eindruck machen.

Ausland.

** Die Affäre Hofrichter. Wien, 9. Dezbr. Den Blättern zufolge wurde heute dem Rechts­anwalt bet Familie Hofrichter auf feine Bitte, als Betteidiger im Prozesse des Oberleutnants Hofrichter zugelassen zu werden, vom Kriegs­ministerium der Bescheid, daß zunächst der Kai­ser die Anwendung der neuen Militärstraf- orbnung und bie Zulassung eines Zivilvertei­digers abgelehnt habe, sich aber eine weitere Entschließung in dieser Angelegenheit nach Ab­schluß der Voruntersuchung Vorbehalten habe.

** Frankreich und Muley Hafid. Paris, 9. Dez. Aus Tanger wird berichtet: Der von bet französischen Regierung infolge bet Grau­samkeiten Muley Hafibs erlassene Befehl, baß bie französischen Instruktionsoffziere an ben Expeditionen bet Mahalla nicht mehr teilneh­men und sich auf ihre Rolle als Instruktions- offiziete beschränken sollen, hei ben Sultan leb­haft verstimmt. Er beauftragte El Mokti, gegen bieten Befehl Einspruch bei bet französi­schen Regierung zu erheben. Letztere antwor­tete: Dieser Befehl würbe unter ben folgenden drei Bedingungen zurückgenommen werden: Erstens: Müsse sich Muley Hafid schriftlich gegen­über allen Vertragsmächten der Algeciras-Akte verpflichten, die Folterungen in Marokko abzu­schaffen; zweiten: Müsse et die jüngst ange­worbenen türkischen Jnstruktionsoffiziere sofort entlassen und drittens: Alle zwischen Frankreich und Marokko schwebenden Fragen in befriedi­gender Weise regeln.

Aus dem Reichstage.

Vor vollbesetztem Haus und Tribünen begann der Reichstag gestern die erste Lesung des Etats. Dieselbe wurde vom Reichskanzler von Bethmann- Hollweg mtt einer längeren Rede eingeleitet, deren Inhalt wir an anderer Stelle veröffentlichen. Hierauf gab der Staatssekretär des Reichsschatz­amtes eine mehr speziell gehaltene Uebefficht über den Etat. Er begründete zunächst die Notwendig­keit des Nachtragsetats für 1909 mit einem Ge- famtanleihebedarf von 520 Millionen M. Um den Geldmarkt nicht zu beunruhigen, wird dieser An­leihebedarf nicht mit einem Male, sondern nach und nach auf den Markt gebracht werden. Der neue Etat fei mit äußerster Vorsicht aufgestellt worden. . Insbesondere sei die «Schätzung der neuen Zölle und Steuern äußerst vorsichtig angesetzt worden. Die Schwierigkeiten, welche bei der Talonsteuer entstanden seien, feien im Wege der Verständigung größtenteils beseitigt. Der Etat stehe streng auf dem Standpunkte; keine Ausgabe ohne Deckung. Dem Anfchwellen des Beamtenapparates fei tun­lichst borgebeugt und bei Dienstreisen sollen nur noch die wirklichen Unkosten vergütet worden. Der mit diesem Etat betretene Weg, so schloß der Staatssekretär, fei zwar nicht ohne Dornen und Entbehrungen, aber er werde wieder auf festen und fruchtbaren Boden führen. Den Reigen der Ab- yorbneten eröffnete namens, des Zentrums Frei­herr von tzertting. Der Etat macht demselben ttn großen und ganzen einen günstigen Eindruck. Be­sonders erfteulich sei die Minderung bet Heeres- ansgaben um 42 Millionen M. Sodann geht der Redner auf die auswärtige Lage ein und begrüßt mit Befriedigung und Genugtuung das Marokko- Abkommen mit Frankreich. Er hofft, daß unser Verhältnis zu diesem Nachbarlande mehr und mehr ein vertrauliches werden möge. Der Drei­bund sei bisher stets ein Hott des Friedens ge­wesen. Das beweise die Situation in Oesterreich während des letzten Jahres. Auch Italiens Ver­hältnis zum Dreibunde fei durch die Zufammen- kunst von Raecouigi nicht geändert worden. Wün­schenswert sei, daß unser Verhältnis zu England nicht nur ein korrektes, sondern ein freundschaft­liches werden möge. Sodann geht Redner auf bie inneren politischen Zustande über und bebauert die Verhetzung, welche infolge der Steuergesetzgebung Platz gegriffen habe. Der feindseligen Stimmung gegen die katholischen Deutschen solle durch den Toleranzantrag abgeholfen werden. Die Behaup­tung des Redners, daß das Zentrum keine kon­fessionelle Pattei sei, ruft Heiterkeit und Gelächter hervor und findet nur Beifall bei der Pattei des Redners. Abg. Frhr, v. Richthofen-Damsdors (kons.) betont, daß auch die Konservativen bereit sind, mit dem Reichskanzler positiv mitzuarbeiten. Auf den Etat eingehend, erführt Redner, daß für die Ausdehnung unseres kolonialen Eisenbahn­netzes auf die Konservativen zu rechnen sei. Wenn

Die Etatsrede

des neuen Reichskanzlers.

Der Reichskanzler v. Bethmau» Hollweg er griff gestern im Reichstage vor Beginn der erste» . Lesung des Etats das Wott zu folgenden Ausfüh niugen r

Der Etat ist mit besonderer Vorsicht aufgestellt. Das. zu tu», war die erste praktische Forderung aus dc» Ereignissen der letzten Session. Allen Ansorde- s. nutgen für die Aufrechterhaltung unserer Wehr- jjt macht ist genügt. Akltzpmeine Richffchnnr war es, p in keinem Ressort das Maß des unbedingt Not­wendigen 31t überschreite». Der Anleihebedarf ist soweit wie irgend möglich eingeschränkt worden. Dem Reiche eine solche Finanzgebantng zu sichern, ist unsere erste Aufgabe und bei der Lösung dieser Aufgabe werden die Parteien wieder zusammen arbeiten müssen, die bei den Steuern auseinander geraten sind. Die Regierungen sind in die,em Kampfe nirfit untätig geblieben, sondern der uu richtigen Berechnung über die Verteltentng der einzelnen Artikel nachdrücklich entgegengetreten. Allerdings haben sie es getan, ohne sich in die Parteipolemik einzumischen, weil sie feine prak­tischen Erfolge voraussetzen konnten. Berhindett hätten sie die leidenschaftliche Agitation nicht. Da­für . war die . allgemeine politische Erregung zu groß, dafür ist es zu leicht, jede neue Steuer zu kri­tisieren. Anstatt zu beruhigen, hätten die Regie­rungen den Kampf immer aufs neue beliebt. Sie sind heute noch fo wie tut Juli fest davon überzeugt, daß es nur mit dieser Zustimmung möglich gewor­den ist. Ihnen einen Etat vorznlegcn, der eine all­mähliche Gesundung der Reichsfinanzen verspricht. (Lebhaftes sehr richtig! rechts und in der Mitte.) Mau hat z. T. erwartet, daß ich neben dem Ak­tionsprogramm der Gegenwatt noch ein allgemei­nes für die Zukunft entwickeln würde. Wie mir fcheint, enffpricht biefe Erwartung in erfter Linie Parteibedürfnissen, daher denn auch das weitere Verlangen nach programmäßigen Erklärungen, auf welche Mehrheitskonstellation ich mich zu stützen ge- | dächte. So entschieden es von jeher die einzelnen Patteien abgelehnt haben und noch ablehnen, Re­gierungsparteien zu sein, so wenig kann in Deuffch- land eine Regierung Patteiregierung sein. (Sehr wahr! Lebhafte Unruhe und Zurufe bei den So­zialdemokraten.) Mit den «Schwierigkeiten die sich hieraus ergeben, hat noch jeder deuffche Staats« Mann zu kämpseu gehabt und an diesem Verhält­nisse. das ein gerichtliches ist. und das durch un­ser Patteiwesen und unsere staatlichen Jnstttutio- nen begründet wird, bat auch die letzte Krise keinen Deut geändert. Gewiß, der Radikalismus hat ein lebhaftes Interesse daran, ganz Deuffchland ht zwei politische Lager zu trennen, je nach der Stel­lung, welche die einzelnen Patteien zu einzelnen Teile» der letzt>ährigen Steuervorlageu eiugenom-

Marburg

Sonnabend. 11, Dezember 1909.

.. t Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der ......6 yeiettaae. Der Bezugspreis beträgt viertel« t ..lyrbch durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei j unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21.) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt kür die Kreis- Marbmg «nd Kirchhain

den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) undLandwirtschaftliche Leckage.

38 (Nachdruck verboten.)

Mas Gtrtt zulammengefögl.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Forttetzung.)

Nachdem die Angekommenen mit Paula und Eva einen gemeinsamen Imbiß eingenommen hatten, gingen sie alle zusammen noch ein wenig an den Strand hinunter und auf bie Landungsbrücke.

Das Gewitter war inzwischen etwas näher gekommen. Es lag bleischwer unb drohend über dem Wasser. Erst als die Damen eine Weile auf der Landungsbrücke saßen, erhob sich der Wind und jagte es näher herbei.

Eva lag schon schlafend in ihrem Bettchen, als der erste Donner über das Wasser rollte. Die Schwestern saßen noch mit Paula und Frau Werner in der geschützten Loggia und schauten, in warme Plaids gehüllt, Sem großartigen Schauspiel zu.

Der Wind wuchs sich zum Sturme aus und »ritschte das unruhig gewordene Meer. Grelle Blitze durchschnitten die schweren Wolkenmassen ni) die ersten schweren Regentropfen fielen her- ieber.

Als der erste krachende Donnerschlag et- t>lgte, hatte sich Mary erhoben und war hin- 6et geschlichen an Evas Bettchen. Das Kind Mg im friedlichen Schlummer, ein Bild süßen Stieben».

Mary beugte sich leise herab über bie kleine Schläferin. Eine tiefe Rührung lag auf bem sonst so lachenden Gesicht. Ganz zart drückte sie ihre Lippen auf das mollige Händchen und schlich beruhigt, der wachenden Dienerin lächelnd zunickend. wieder hinaus. Wie ein sorgendes Mütterchen hatte sie sich überzeugt, daß das Kind vom Gewitter nicht im Schlafe gestört wurde.

Paula Hardenberg wußte nicht, ob sie den Schwestern verraten sollte, daß Georg Roden-- fels nach Z. kommen würde. Er hatte inzwischen seine bestimmte Ankunft für Mitte August an­gesagt. Sie entschied sich schließlich dafür, zu schweigen, wie sie auch Eva gegenüber geschwie­gen hatte, und freute sich auf die Ueberraschung.

Die nächsten Tage vergingen, wie meistens an der See, im süßen Nichtstun. Kleine Spa­ziergänge in den herrlichen Wald mit dem dichten Heidelbeergestrüpp und den wunder­schönen alten Buchen ober zuweilen eine Ruder- und Segelpartie, das war alles, was bie Damen unternahmen.

Renate und Mary waren tüchtige Schwim­merinnen und übten diesen Sport fast täglich. Da sehr warme Tage waren, nahmen sie Eva mit in das Wasser und es macht« ihnen Spaß, ihr die Kunst des Schwimmens beizubringen. Das kleine Persönchen zeigte auch viel Geschick und Mut unb freute sich, als es merkte, daß bas

Wasser wirklich ihren kleinen rundlichen Körper trug.

Storni mußte das natürlich sehen, sie lag dicht am Wasser im «Sanb; um das übermütige Treiben zu überwachen.

Zur Reunion waren die Schwestern noch nicht gegangen. Sie saßen lieber plaudernd mit Paula Hardenberg in der Loggia. Sie lebten ganz für sich, soweit das in einem belebten Badeort überhaupt möglich ist. Einige gemein­same Bekannte aus Dresden und Berlin fanden sich zu kurzen Besuchen an den Strandkörben ein.

So kam der Tag heran, an dem Paula Georg Rodenfels erwartete. Sie hatte ihn davon unterrichtet, daß niemand um sein Kommen wisse. Die Nummern der Gträn', körbe, in denen et sie finden würde, hatte sie ihm angegeben, auch die Stelle am Strand genau beschrieben, wo die Körbe standen.

Daß Georg im Strandhotel Wohnung fand, dafür hatte sie gesorgt. Nun saß sie in ihrem Strandkorb unb schaute zuweilen forschend den Weg entlang, der übet die Düne zum Sttande führte.

Renate saß neben ihr und zeichnete mit ihrem Schirm mechanisch Striche in den losen Sand, die jedesmal schnell wieder verwehten. Mary und Eva bauten aus feuchtem Sand eine Festung mit allerlei Türmen unb Wällen und waren seht eifrig dabei. Frau Werner wat mtt einer Handaroeit beschäftigt.

So entging es allen nutzer Paula, daß Ge­

orgs hohe schlanke Gestalt sichtbar wurde. Wit bem geübten Blick des Seemanns orientiertest sich von der Düne aus unb steuerte bann im sicheren Kurs auf die Strandkörbe los.

Paula wandte sich nun an Renate.Wollen Sie Runen in den Sand graben, liebe Renate? Ich fürchte, das ist eine fruchtlose Arbeit," sagte sie lächelnd, Georg immer im Auge behaltend.

Renate stellte lachend ihre Beschäftigung ein.

Nein. Ich fühle mich nur nicht talentvoll genug, mich als Hilfsarbeiter bei diesem kompli­zierten Festungsbau anstellen zu lassen. Mary und Eva wollen mich auch gar nicht habet haben."

Und nun plagt Sie die Langeweile?"

Renate schüttelte lächelnd ben Kopf.

Langeweile? Dieser Begriff ist mir fremd. Ich langweile mich nie unb nitgenb, ganz sicher aber nicht, wenn ich in Ihrer Gesellschaft bin,' Frau Professor."

Und doch mache ich mit ein wenig Bor­wurfe, Sie hierhergelockt zu haben. Z. bietet eigentlich wenig Zerstreuungen für junge Damen. Es fehlt an Herren."

O da muß ist protestieren, Frau Profes­sor," rief Mary lachend herüber.Mir fehlt es weder an Zerstreuung noch an angenehmer Tätigkeit, lieber ben Herrenmangel will ich schweigen. Eva wiegt mir ein« große Gesell­schaft auf. Nicht wahr. Du süßes Dummerchen, wir haben zu tun wie der Reichstag?" Uc (Fortsetzung folgt)