mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Jtl 289
Die „Obrrhessrschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertags — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag. 10. Dezember 1909.
Die Inlertionsgeliüor beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, llniosrsrtätsbn hdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
14. Jahrg.
Zweites Blatt.
Die Untersuchungshaft»
Einen viel erörterten Mißstand bildet die Anwendung der Untersuchungshaft in Sachen, deren geringe Bedeutung eine so einschneidende Maßregel nicht genügend rechtfertigt. Im Zusammenhänge damit steht der Mangel von Vorschriften, die eine gründliche Nachprüfung der Verhaftung sichern. Nach beiden Richtungen soll durch Aenderung der Strafprozeßordnung Abhilfe geschaffen werden.
Schon nach geltendem Rechte ist bei ganz geringfügigen Delkiten die Untersuchungshaft wegen Verdunkelungsgefahr ausgeschlossen, wegen Fluchtgefahr nur in gewissen, durch persönliche Eigenschaften des Täters bedingten Ausnahmefällen zugelassen. Diese Vorschriften haben jedoch wenig praktische Bedeutung, da sie lediglich für den kleinen Kreis von strafbaren Handlungen gelten, die nur mit Haft oder Geldstrafe bedroht sind. Es soll daher der Kreis der Sachen, in denen die Haft nur wegen Flucht- gesahr und nur unter erschwerten Voraussetzungen verhängt werden darf, nach zwei Richtungen erweitert werden; einerseits in Bezug auf Vergehen, bei denen geringe Gefängnisstrafen angedroht find, andererseits soll ohne Rücksicht auf die Strasandrohung die Einschränkung der Untersuchungshaft auf alle Fälle ausgedehnt werden, in denen nach Lage der Umstände nur eine geringe Gefängnisstrafe zu erwarten ist. Gleichzeitig werden die Voraussetzungen verschärft, unter denen innerhalb jener Grenzen Fluchtverdacht angenommen werden darf. Hierdurch werden Verhaftungen in wirklich unbedeutenden Sachen ganz vermieden werden. , „ _
Ferner will man einer oberflächlichen Begründung des Fluchtverdachts entgegentreten, wie sie das'bisherige Recht zuläßt. Nach geltendem Gesetze genügt es, daß ein Verbrechen den Gegenstand der Untersuchung bildet, um ohne weiteres Fluchtgefahr anzunehmen. Künftig soll es nur dann einer weiteren Begründung der Fluchtgefahr nicht bedürfen, wenn nach Lage des einzelnen Falles wirklich eine schwere Strafe zu erwarten ist. In allen anderen Fällen bedarf es bestimmter Tatsachen, aus denen sich der Fluchtverdacht ergibt, und die stnd stets in den Haftbefehl selbst aufzunehmen. Dadurch soll dem Verhafteten Gelegenheit geboten werden, sich gegen irrige Annahmen in dieser Beziehung zu verteidigen. ,
Für eine gründliche Nachprüfung der Berechtigung des Haftbefehls soll dadurch Sorge tragen werden, daß der Verhaftete das Recht erhält, feine Einwendungen gegen den Haftbefehl mündlich dem Richter vorzutraqen. der den Sachverhalt kennt und zur Entscheidung über die Aufrechterhaltung des Haftbefehls berufen ist. Auch dem ungewandten Verhafteten wird die Möglichkeit gelben, feine Einwendungen an zuständiger Stelle vorzubringen. Der Richter gewinnt so einen persönlichen Eindruck, der für die Entscheidung über die Haft von maß-
37 - (Nachdruck verboten.)
Mas Gott Msommenaefügt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
P' (Fortsetzung.)
So hütete sie wie ein sorgsamer Gärtner das zarte Pflänzchen Liebe, welches in Georgs und Renates Herzen aufgekeimt war, und gab ihm Nahrung, daß es gedeihen konnte.
Sie teilte auch Georg mit, daß im August die Schwestern mit Frau Werner nach dem Ost- secbad Z. kommen wollten, wohin sie mit Eva gehen würde. Und im nächsten Briefe, gleichsam ganz zusammenhanglos, fragte sie bei ihm an ob er nicht bald nach Kiel zurückkehre. Dann könne er vielleicht, wenn auch nur für wenige Tage nach Z. kommen, um sich von Evas wieder erlangter Gesundheit und Frische zu überzeugen.
• Georg antwortete, daß es ihm leider unmöglich sei zu kommen, da er erst im Oktober wieder in den heimischen Hafen einlaufen würde.
Als aber Paula bereits einige Wochen in Z. weilte, erhielt sie von Georg Nachricht, daß sich . eines größeren Maschinendefektes wegen sein Schiff auf der Heimreise befinde. Da es wochenlang zur Reparatur festliegen müsse, sei es nicht ausgeschlossen, daß er Mitte August Urlaub bekäme. Dann würde er selbstverständlich nach Z. kommen.
Paula fteufe sich sehr über diese Ankündigung. Sie wohnte mit Eva und ihrer Bedienung in der dicht am Strande gelegenen Villa „Seestern". Von ihren Fenstern aus hatte sie einen herrlichen Blick über die See und bei schlechtem Wetter konnte sie mit Eva auf der windge- schützten Loggia sitzen. ...
gebender Bedeutung sein kann, der Verteidiger kann mündlich und damit häufig wirksamer für die Freilassung des Verhafteten eintreten. Auf das ihm zustehende BeschiWrderecht bei Verwerfung seiner Einwendungen ist dieser ausdrücklich hinzuweisen.
Auch wenn der Haftbefehl erlassen werden muß. so soll es gleichwohl möglich sein, von der Haft Abstand zu nehmen, wenn der Gefahr einer Flucht oder einer Erschwerung der Wahrheitsermittlung durch andere Maßregeln vorgebeugt werden kann. Im Uebrigen soll dafür gesorgt werden, daß die Untersuchungshaft mit möglichster Schonung vollzogen und daß eine ungerechtfertigte Ausdehnung ihrer Dauer vermieden wird.
Deutsches Reich.
— Das Ende des Invalidenfonds. Der Reichsinvalidenfonds wird, wie aus den veröffentlichten Etatszahlen hervorgeht, im, Finanzjahr 1910 noch in vollstem Maße seinen Verbindlichkeiten gerecht werden können. Seine Ausgaben sind auf 33,7 Millionen Mark angenommen; deren Deckung wird durch 1 Million Mark an Zinsen und 32,7 Millionen Mark an Kavitalüberschuß vorgenommen werden können. Ende 1910 aber ist der Znvalidenfonds» außerstande. die auf ihn angewiesenen Ausgaben noch weiter zu bestreiten. Seinen Bestand zu diesem Zeitpunkte kann man sich leicht ans der Angabe berechnen, daß nur noch auf eine Zinseneinnahme von rund 100 000 Mark zu rechnen sein wird. Der Reichsinvalidenfonds, der mit 561 Millon-n Mark aus der französtsckenKrieqs- kostenentschädigung dotiert wurde, wird Ende 1910 nur noch einen Bestand von 2 bis 3 Mill. Mark aufweisen. Seine Ausgaben für 1911 werden nicht viel kleiner sein als für 1910. Es erhebt sich die Frage, was dann? Schon mehrfach find dem Znvalidenfonds Ausgaben abgenommen, darunter hauptsächlich die für die Veteranenbeihilfe. Zm Etat für 1909 macht die Summe dieser Ausgaben etwa 24 Millionen Mark aus. Sie sind in den Etat des Reichsschatzamts eingestellt und werden schon seit längerer Zeit aus den allgemeinen Reichsmitteln bestritten. Mit Beginn des Finanzjahres 1911 wird nichts anderes übrig bleiben, als die über 30 Millionen Mark betragende jetzige Ausgabe des Znvalidenfonds gleichfalls auf allgemeine Reichsmittel zu übernehmen unter Kürzung der Summe durch die dann noch zu erwartenden Zinsen und den noch vorhandenen Kapitalbestand. Die Belastung, die das Reichsbudget durch die Verpflichtungen aus den Kriegen erhält wird sich dann auf über 50 Millionen Mark belaufen. Es ist selbstverständlich. daß die neue Last getragen werden muß; sie ist ja auch bereits bei der Bemellunq der neuen Einnahmen aus der letzten Reichsfinanzreform mit in Rechnung gestellt gewesen.
— Zu den Schiffahrtsabgaben. Dresden, 8. Dezember. Das „Dresdener Zournal" veröffentlicht heute in einer Sonderbeilaae eine Denkschrift Sachsens und Vadens zur Bundesdrucksache betreffend di? Einführung der Schifffahrtsabgaben. Die Denkschrift schließt mit den
Für die Schwestern und Frau Werner hatte sie auf deren Wunsch gleichfalls im „Seestern" Zimmer bestellt. Sie freute sich mit Eva auf die Zeit, wo die jungen Damen eintreffen würden. Daß'Georg vielleicht auch kommen würde, verriet sie dem Kinde nicht, weil es noch nicht ganz bestimmt war.
Eva spielte fast den ganzen Tag am Strande. Si» hatte schon braune Arme und Beinchen bekommen. während Gesicht und Nacken von einem großen Hute beschützt waren. Jedenfalls sah sie frischer und blühender aus denn je und ihr helles klares Lachen zeugte oft genug von ihrem Wohlbehagen.
Mitten im Spiel hielt sie manchmal inne und Mute zu Mami hinüber. Saß diese dann mit dem alten traurigen Ausdruck in ihrem Strandkorb und blickte trübe auf das Meer, dann flogen Evas Spaten und Sandformen beiseite und sie hing sich in stürmischer Zärtlichkeit an den Hals der vereinsamten Frau.
„Mami. Du siehst wieder so traurig aus — Du sollst nicht so aussehen, ich will es nicht."
Dieses „ich will es nicht" klang so drollig energisch, daß sich Paula der kleinen Tyrannin fügte und lachte. So wohl tat ihr diese zärtliche Tyrannei, daß sie Eva innig an sich zog und sie zärtlich küßte. Mami wurde dann ohne Erbarmen kommandiert. Sie mußte helfen bei der Arbeit im Sande und wenn sie es nicht aufmerksam und gewissenhaft tat, dann wurde vernichtende Kritik geübt und die kleinen braunen Barbarenfäustchen zerstörten ohne Erbarmen Mamis mangelhafte Arbeit.
Ganz ließen sich Paulas traurige Gedanken freilich nicht bannen. Schmerzlich süße Erinnerungen rissen die Wunde» immer »on
Worten: Die Regierungen Sachsens und Badens glauben, dargetan zu haben, mit wie überaus weittragenden und grundsätzlich bedenklichen Folgen wirtschaftlicher, volkstümlicher und verfassungsrechtlicher Natur die von der königlich preußischen Regierung erstrebte Zulassung von Schifsahrtsabgaben auf den regulierten Strömen verbunden sein würde; sie können sich der ernsten Sorge nicht erwehren, daß die Bestimmungen der Vorlage weite Kreise Deutschlands schädigen und den föderativen Charakter des Reiches antasten, die Eintracht unter den deutschen Bundesstaaten stören und das Vertrauen in die Unverletzlichkeit der Verfassung erschüttern würden. Sie geben sich derHoffnung hin. daß es gelingen möge, die Abgabenfreiheit der deutschen Ströme, dieses Wahrzeichen von Deutschlands Einheit und dieses Bollwerk guten Einvernehmens zwischen den deutschen Bundesstaaten zu schirmen und zu erhalten.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Berlin, 8. Dez. Wegen schweren Raubes und versuchten Mordes wurde der 20 Zahre alte Dienstknecht Ernst Hirsch, der den Kleiderhändler Horwitz am 3. Oktober bei Gelegenheit eines Kleiderkaufs niedergeschlagen und einen Anzug geraubt hatte, vom Schwurgericht zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 8 Jahre Zuchthaus beantragt.
Berlin, 8. Dez. Kapitän Engelhard der Pilot-Gesellschaft. Flugmaschine Wright, nahm heute die Lehrtätigkeit mit zwei Schülern auf dem Flugplätze bei Johannisthal auf und führte im ganzen sieben wohlgelungene Flüge aus. von denen der längste 20 Minuten dauerte. Heryor- zuheben ist, daß er mit je einem Passagier ohne Benutzung des Fallgewichts startete.
Hamburg, 8. Dez. Bon den gestern als vermißt gemeldeten 21 Finkenwärder Fischfahrzeugen sind fünf in Kuxhaven-Altona-Hambvrg eingetroffen; weitere vier wurden nach dem Sturm von anderen Schiffen angetroffen, ein anderes kenterte am Fueitag, konnte sich aber aufrichten und kam mit schweren Havarien ab. Das Schicksal der übrigen elf ist ungewiß.
Bitterfeld, 8. Dez. Heute Nachmittag um 4 Uhr 5 Min. unternahm der neue Parseval- Ballon unter Führung des Oberleutnants Stelling die erste Probefahrt. Sie währte eine Stunde und ist vorzüglich gelungen. Besonders bewährte sich die neue Höhensteuerung gut.
Köln, 7. Dez. Der 17jährige Lehrling einer hiesigen Weinkellerei, der zur Erhebung von 6000 <M. zu einer Bank gesandt worden war, erhob den Betrag und ist seitdem flüchtig.
Düsseldorf, 7. Dez. Der Kassierer Theodor Grahl und die Kassiererin Emma Kirberg vom hiesigen Warenhause Tietz sind mit 15000 M geflüchtet.
Erfurt, 7. Dez. In einer Schneeverwehung tot aufgefunden wurde der Kaufmann Ph'lipp Bender von hier. Mitinhaber der Firma $ ober Nachf.. der dieser Tage eine Geschäftsreise durch den Thüringer Wald angetteten hatte und bei Oberschönau vom Wege abgekommen war.
neuem auf. Wenn Eva an ihren Arbeiten Kritik übte, dann dachte sie an ihren Gatten. Manchmal hatte sie versucht, irgend eine kleine Zeichnung zustande zu bringen. Da pflegte er ihr lachend den Stift aus der Hand zu winden.
„Laß deine Hände von diesen fruchtlosen Versuchen, kannst ja keinen geraden Strich zeichnen, >. Liebste. Schau mir lieber in die Augen. Mit jeder Minute geize ich, die ich bei Dir bin. Das Leben ist so kurz." So hatte er gesagt.
Das Leben ist kurz. — Ach. so jammervoll kurz war es gewesen, sein geliebtes Leben. — Und das ihre war noch so lang, wie ein endloser Weg lag es noch vor ihr.
Der Jammer wollte sie übermannen bei solchen Gedanken, aber dann dachte sie an seine letzten angstvollen Worte: „Nicht verzweifeln, mein geliebtes Weib, nicht verzweifeln."
„Nicht verzweifeln." Tag und Nacht hatte sie sich an diese Worte geklammert. Sie waren sein letztes Vermächtnis und sein letzter Wille. Danach mußt« sie leben. Diese Worte allein hatten sie in jenen furchtbaren Tagen, die seinem Tode folgten, davor bewahtt, ihr eigenes Leben auszulöschen. Sie hatte geglaubt, es allein nicht weiter ttagen zu können. Nicht verzweifeln — wie oft hatte sie es sich selbst zugerufen! Nicht verzweifeln — wie schwer das ist, wenn plötzlich ein großes heiliges Glück in Trümmer geht!
Nun war sie über das ärgste hinweg. An seinen Motten hatte sie sich gestärkt, sich daran gehalten. Ein Lebenswerk hatte sie sich geschaffen. Dem verwaisten Kinde die Mutter zu ersetzen, ftemdes Elend zu lindern. Gutes zu tun. da» war ihr Lebensinhalt geworden. Alle»
Paris. 8. Dez. Das Zuchtpolizeigericht von , Chartres verurteilte sechs streikende Erdarbeiter, welche auf einem Bau der Staatseisenbahn Verwüstungen angerichtet und Arbeitswillige bedroht hatten, zu Gefängnisstrafen von vier bi» , acht Monaten. Da man nach der Urteilsver- kündung Kundgebungen befürchtete, wurde das ' Eerichtsaebäude und das Gefängnis von einem starken Aufgebot von Gendarmen und Kürassieren bewacht.
Zum Brand des Hamburger Gaswerks.
Hamburg. 8. Dez. Von den bei der Erplosion Schwerverletzten ist heute noch der Monteur Scheika aus Berlin gestorben, so daß jetzt die Zahl der Toten 14 beträgt. Das Befinden von vier Schwerverletzten ist'hoffnungslos. Bei der Katastrophe sind 142 000 Kubikmeter Gas verloren gegangen. Einer noch größeren Ausdehnung des Unglücks wurde von den auf den Retorten angestellten Heizern dadurch vorgebeugt, daß sie gleich nach der ersten Erplosion trotz großer Lebensgefahr die Oefen verschlossen, um die Bildung von neuem Gas zu verhindern. Der Mangel an Gas macht sich in allen Betrieben und noch mehr in den Wohnungen bemerkbar.— Seitens der Direkton der Gaswerke wird mitgeteilt, daß sich über die Ursache der Katastrophe noch nicht Bestimmtes sagen läßt, da die eigentliche Untersuchung erst morgen beginnt. Das große Kohlenlager der Werke bat nur wenig gelitten, der Betrieb wird nicht in vollem Umfange eingestellt, da die Oefen in Tätigkeit bleiben und das erzeugte Gas durch den erhöhten Druck in die Reservoire der Gasanstalt in Billwärter umgeleitet wird. Der Schaden, dessenUmfang sich noch nicht genau feststellen ließ, ist durch Derstcherungen gedeckt. Die Zahl der Toten, die 13 beträgt, hat sich bisher nicht weiter erhöht. Es stebt aber nicht fest, ob sich unter den Trümmern nicht noch Leichen befinden. Von der Gasanstalt mitt» noch ein Mann vermißt, V , sich möalichwerweise aber unter den im 5mffnkrankenbause noch nicht rekognoszierten Toten befindet. Ob auch Privatpersonen vermißt werden, entzieht sich der Kentnnis der Gaswerke. Zn den Krankenhäusern befinden sich jetzt noch 15 Schwerverletzte: die Leichtverletzten werden nach Anlegung von Verbänden entlassen. Die Feuerwehr ist von der Brandstätte rbgerückt, da nunmehr alle Gefahr beseitigt ist.
Hamburg. 8. Dez. Man neigt jetzt zu der Ansicht, daß das Ervlostonsunglück in erster Linie darauf zurückzuführen ist, daß eine der Ketten riß, die den oberen Mantel des Gasometers hielten, das hatte das ^Herabstürzen des schweren Mantels zur Folge, dadurch wurde das Eos so dicht zusammengepreßt, daß es sich durch eine Stelle Ausgang verschaffte, die vielleicht nicht ganz dicht war. Alsdann o-riet das Gas mit brennenden Kohlen in B -rüh-ung und explodierte.
Hochschulnachr: ch ien.
X Frequenz der Universität Jena. 1496 immatri- fnlvrte Studierende zählt im lausenden Winleneme« strr die Universität Jena lgegen 1--19 im Wintersemester 1908/09). Davon sind 43 S'lieolc,Kn, ?’1 Juristen, 307 Mediziner und 869 Pb'tesm^en. Ter
geschah in seinem Sinne, von seinem Geist durchdrungen. Es war ihr, als würde sie von ihm geführt. Und langsam zog Ruhe und Frieden in ihr Herz, eine entsagungsvolle Ruhe fteilich, die auf eigenes Glück verzichtet und nur anderes zu schaffen sucht.
Renate und Mary waren mit Frau Werner in Z. eingetroffen. Paula und Eva geleiteten sie nach dem „Seestern".
Als die Wagen oben an der Düne angangten und an der Villens ont am Strande dahin- fuh-en bot sich ihnen ein herrliches Bild. Am Horizont hingen über dem Meere violette Gewitterwolken, die an den Rändern von der untergehenden Sonne schwefelgelb beleuchtet wurden. Sie hoben sich von dem sonst noch klaren, lichtgrün erscheinenden Himmel in plastischen Formen ab. wie ein mächtiges Gebirge. Die See lag still, wie gebannt, wie lauernd auf den Sturm, der sie zu wilden Wellen emporpeitschen sollte. Sie glich im Vordergrund durch die eigenartige Beleuchtung einem flüssigen Bronzemeer. Weit hinten aber lagerten gespenstische Schatten.
Auf Renate wirkte die See wie auf alle sensitiven Menschen jedesmal von neuem mit besonderem Reiz. Wie gebannt schaute sie, an Paulas Seite sitzend, hinaus ins Weite. Auch Paula war stumm und faßte Renate.- Hand wie im stillen Verständnis.
Zm anderen Wagen war es lustiger. ®t saßen Mary und Evä mit Frau Werner. Die beiden hatten so viel zu plaudern und zu lache», e» wollte kein Ende nehmen.
-—(Fortsetzung folgt.) '
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