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U. Jahkg!

D«r Kurhesfische Verein für Lustschisfahrt

kommt man eine Vorstellung, wenn man von den Szenen hört, die sich kürzlich in einer eng­lischen Versammlung für Frauenstimmrecht abgespielt haben. Nach dem Willen der Ver­anstalterinnen sollte der Zutritt zu der Der

Marburg

Donnerstag, 9. Dezember 1909.

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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage." A

D-eGverhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel­jährlich durch di« Post bezogen 2^5 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Di« Jnsertionsgebilhr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Foh. Ang. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Erstes Blatt.

Aus dem Reichstage.

Im Reichstage wurde heute die Besprechung der Interpellation über den -Kieler Wcrstbetrieb fortge­setzt. Abg. Lattmann (wirtsch. Vgg.): Es wäre wert­voll zu erfahren, wie hoch sich der Schaden, den di« Werst durch diese Vorkommnisse erlitten hat, beläuft. Im Volke ist man nämlich der Meinung, daß er Mil- und Abermillionen beträgt. Wir verlangen daher ein scharfes, rücksichtsloses Eingreifen gegen Bnreaukratenzopf und Meschoresgeist. (Beifall rechts.) Abg. Werner (deutsche Reformp.): Mein der heutige Bureaukratismus ist Schuld an den Vorkommnissen in Kiel. Abg. Dr. Struve (freis. Vgg.): Es ist keines­wegs immer mit der nötigen Sparsamkeit gewirtschaf­tet worden. Unterschleife sind überall möglich, schlimm ist es aber, daß dieselben in solcher Höhe vorgekommen sind und daß sie 20 Jahre lang unentdeckt bleiben konnten. Die Angeklagten sind freigesprochen worden, das System Tirpitz aber sitzt noch auf der Anklagebank. Die einzelnen Ressorts m Kiel sind intakt geblieben, aber die Verwaltung liegt am Boden. Herr von Tir­pitz sagt: Unterschleife scheiden aus, denn die Angeklag­ten sind freigesprochen worden, so wird damit der Mord noch nicht aus der Welt geschafft. Präsident Graf Stolberg unterbricht den Redner und meint, es wäre angemeffener, wenn er vomHerrn Staats­sekretär" sprechen würde und nicht von Herrn Tirpitz. Abg. Dr. Struve fortfahrend: Wir wollen das Ver­trauen zwischen Offizieren und eBamten und daß ein gutes Einvernehmen zwischen Flotte und Heer herrsche. Wir üben diese Kritik, weil wir die Kriegstüchtig^lt und die Schlagfertigkeit der Marine heben wollen. (Beifall links.) Staatssekretär v. Tirpitz: Es wäre ja für den Staatssekretär leichter und bequemer, wenn er sagen könnte, hier sitzt der ungetreue Beamte. Das kann ich aber nicht sagen, und darum ist meine Ver­tretung dieser Angelegenheit schwieriger. Der Umfang des Söldens ist schwer festzustellen, weil es nicht mög­lich ist, di« Verwiegungen genau zu machen. Wenn wir das tun würden, so würde das Verwiegen teurer werden als der Verkauf. Der jährliche Umsatz von Altmaterial beträgt etwa 300 000 M, der Schaden ist jedenfalls erheblich geringer, als in der Presse ange­nommen wird. Von Millionen kann bei dem Umsatz von 300 000 jK nicht die Rede sein. Meine Angaben über Assessor Frerichs sind dem amtlichen Stenogramm entnommen. Die Berichte der Zeitungen darüber sind unzutreffend. DerEber", den Dr. Struve für see­untüchtig erklärt, ist das beste Kanonenboot, das wir überhaupt haben. Er wird demnächst als Reserveschiff ins Ausland gehen. Auch dieHagenklasse" ist noch auf Jahre hinaus kriegsfähig. (Hört! Hörti rechts.) DieMarie" ist nicht verkauft worden, und die 800 000 dH zu ihrem Umbau sind in dem Etat ge­strichen worden. (Große Heiterkeit rechts.) Die An­klagen und übertriebenen Vorwürfe des Sozialdemo­kraten Severing widerlegte im einzelnen Admirali­tätsrat Harms: Ich habe den Korvettenkapitän Simon aus Danzig gegenüber dem Vorredner zu verteidigen. Die Kündigung eines Werftarbeiters ist erfolgt, weil der Mann ein sozialdemokratischer Agitator war. (Lärm bei den Soz.) Agitatoren dürfen die Leute nicht sein. (Zuruf bei den Soz.: Aber SpitzbubenI) Es sprachen dan noch Abg. Dr. Leonbart (fräs. Vp.), der über einzelne Schiffe Vorhaltungen machte. Staatssekretär v. Tirpitz: Die politische Gesinnung der Arbeiter berührt uns nicht. Nur dulde ich nicht, daß sie als Agitator wirken. Abg. Erzberger (Ztr.) miß­billigt die Entlassung von Arbeitern, einzig weil sie sozialistische Agitatoren seien. Staatssekretär v. Tir­pitz weist demgegenüber darauf hin, daß in dieser Be­ziehung bei der Marineverwaltung dieselben Grund­sätze wie bei den anderen Staatsbetrieben herrschen. In bezug auf die Konzentration des Beschaffungs- Wesens stehe auf dem Standpunkt des Abg. Erzber­ger. Auch ein Staatssekretär müsse den Mut haben, in Kleinigkeiten einmal vorbeizuhauen; Hauptsache sei, daß er die Nase über Wasser hat und die Richtung be­hält, die nach seiner Meinung die richtige ist. Rach wei­teren Bemerkungen der Abg. Struve (freis. Vgg.) und Fegter (Hoip. d. freis. Vgg.) schließt die Besprechung der Interpellation.

Es folgt die dritte Lesung des deutsch-englischen Handelsabkommens. Das Gesetz wird ohne Debatte definitiv angenommen. Ebenso wird das Gesetz be­treffend die Hinausschiebung des Termins für das In­krafttreten des § 15 des Zolltarifgesehes definitiv an­genommen. Sodann wird die Debatte über den deutsch-portugiesischen Handelsvertrag fortgesetzt. Die Vorlage wird an eine Kommission von 28 Mitgliedern Überwiesen. Eine Anzahl von Rechnungssachen wer­den auf Antrag Dr. Mugdans ohye Diskussion an die Rechnungskommission verwiesen. Nächste Sitzung Don­nerstag: Erste Lesung des Etats. Schluß 149 Uhr.

Politische Umschau.

Legendenbildung

um die Person unseres Kaisers ist eine alte Sache. Aeußerungen von ihm werden als authentische kolportiert, die überhaupt nicht oder doch ganz anders in anderem Zusammenhang« usw. gesprochen sind. Eine Legende wird jetzt durch dieKattowitzer Ztg." zerstört.

Der Kaiser sollte in Neudeck von wo aus auch die gestern berichtigte Legende über die französische Deklamation ausging bei dem Srenzkommisiar Mädler über die Kattowitzer Etadtverordnetenwahlen sich erkundigt haben »nd daraufhin dem Regierungspräsidenten sein Bild mit der Unterschriftnemo me impune lacessit* gegeben haben, war als eine Auffor­derung zum scharfen Vorgehen gegen die katho­lische polnische Bevölkerung «usgelegt wurde.

Nun ist aber die Geschichte dieses letzten Kaiser­wortes wesentlich harmloser. DieKattowitzer Ztg " teilt darüber mit:

Der Kaiser saß in Neudeck nach dem Diner mit verschiedenen Herren in zwangloser und an­geregter Unterhaltung beisammen, darunter Herr Regierungspräsident von Schwerin und ein« Anzahl Beamten des Fürsten. Bei dieser Gelegenheit verteilte der Kaiser eine Anzahl Photographien, wovon auch eine dem Herrn Regierungspräsidenten zugodacht war. Herr Regierungspräsident von Schwerin bat den Kai­ser, ihm eine Widmung auf sein Bild zu schrei­ben, da es dann noch einen höheren Wert be­sitze. Der Kaiser bemerkte scherzend, diese An­reizung zu neuen Taten dürfe nicht ungestraft bleiben, ging an den Schreibtisch und schrieb nunNemo me impune lacessit" unter das Bild. Das war das furchtbar«Verbrechen", das in Neudeck an der Zentrumspartei begangen worden ist."

Wieviel Hatz und Aerger könnte erspart wer­den, wenn derartige Kolportagegeschichtchen gleich auf das zurückegeführt würden, was in der Tat vorliegt.

Deutsches Reich.

D«r Reichstag überwies den Entwurf des deutsch-portugiesischen Handelsvertrages an eine Kommission von 28 Mitgliedern. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Etats.

Die Reichstagsersatzwahl in Eisenach- Dermbach, die durch die Mandatsniederlegung des Abgeordneten Schack notwendig geworden ist, findet, wie die Blätter melden am 29. Januar statt. Die Deutschsozialen haben den Postver­walter Hädrich in Dermbach als Kandidaten aufgestellt.

Gegen die Konservative Bereinigung. Der erweiterte Vorstand des Berliner deutsch- konservativen Wahlvereins hat in seiner letzten Sitzung, an der die Vertreter zahlreicher Burgervereine teilnahmen, bei zwei Stimmen- enrhaltungen einstimmig folgenden Beschluß gefaßt:Der erweiterte Vorstand verwirft unbedingt das Auftteten der Konservativen Vereinigung als die Interessen der deutsch­konservativen Partei auf das schärfste schädigend und bedauert lebhaft die durch die Konservative Vereinigung hervorgerufene Zersplitterung innerhalb der konservativen Partei. Er erklärt seinerseits, unbeirrt durch alle Anfeindungen tteu und fest zur deutsch-konservativen Partei $u halten."

Bom Kieler Werftprozeß. Kiel, 7. Dez. Wie dieKieler Neuesten Nachrichten" melden, zog die Staatsanwaltschaft di« Revision des Kieler Werftprozesses zurück. Das Urteil ist so­mit rechtskräftig.

Verurteilung desSimplizisfimus". Hamm, 7. Dez. Das Schöffengericht verurteilte den Re- datteur desSimplizisfimus" Eulbransson wegen Beleidigung der Verwaltung der Zeche Radbod" zu sechs Monaten Gefängnis. Die Ur­sache gab die Veröffentlichung einer Zeichnung mit folgendem Dialog zweier in den Trümmern eingeklemmten Bergleute:Nun hat die Zechen­bank auch noch meine Frau mit ihren acht Kin­dern auf di« Straße gesetzt."Knurre nicht, dafür gibt sie uns hier noch immer freies Logis.""

Ausland.

* Französischer Ministerrat. Paris, 7. Dez. Im Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsi­denten Fälliges behandelt« der Kriegsminister General Brun die Frage der Militärluftschiff­fahrt. Es wurde ein Wettbewerb für Luftschiffe Anfang 1909 für französische Ingenieure und Konstrutteure ausgeschrieben: zwei Typen sind daraus hervorgegangen, die denn im Programm gestellten Anforderungen recht wohl zu ent­sprechen schienen. Von Leiden Luftschiffen wer­den in sehr naher Zeit Modelle angefertigt: gleichzeittg werden an den vorhandenen Ballons die für nowendig erkannten Aenderungen vor­genommen. Damit ist Ende 1910 bereits eine genügende Anzahl von Luftschiffen vorhanden, welch« im Laufe des Jahres 1911 erhöht werden soll. Die Luftschiffhallen werden rechtzeitig fer­tig gestellt. Minister Pichon erklärt«, die vier Schutzmächte Kretas hätten ein Ueoereinkom- men getroffen über die Antwortnote auf die Rote der Türkei, die eine Bestimmung der end- gülttgen Regierungsform für die Insel unter der Souveränität der Sultans verlangt. Die Antwortnote wird kommenden Freitag den tür­kischen Botschafter der vier Schutzmächte über­mittelt werden. Pichon erklätte weiter, di« Antwott Muley Hafids auf die Vorschläge Frankreichs sei von Tanger abgegangen: ihr Eintreffen in Paris werde stündlich erwartet.

** Reue Taten d«r Suffragette», Von der leidenschaftlichen Heftigkeit, mit der der Wahl­kampf in England gefiihtt werden wird, be-

sammluna nur gegen Einlaßkarten gestattet sein. Aber viele Hunderte verschafften sich gewaltsam den Zutritt, indem sie die Türen einschlugen. Mehrere Redner, die zu sprechen anfingen, wurden aus der Versammlung heraus mit Steinen beworfen. Vergebens bemühte sich die präsidierende Frauenrechtlerin, Mrs. Haver- field, die Ordnung wiederherzustellen. Di« Menge stürmte, nachdem die Easlampen durch Steinwürfe zerschmettert waren, mit Stuhl­beinen, Stöcken und anderen Schlaginstru­menten bewaffnet, gegen das Rednerpodium vor und bedrohte jede Frauenrechtlerin, die zu der Versammlung sprechen wollte. Unter diesen Umständen kam es überhaupt nicht zur Ver­handlung.

** Die Botschaft des Präsidenten Taft. Washington, 7. Dez. Die Botschaft des Präsi­denten Taft an den Kongreß ist kurz und in maßvollem Tone gehalten. Die vorgeschlagenen Aenderungen an dem Antitrustgesetz und an dem Gesetz über den zwischenstaatlichen Handel, sowie die neuen Gesetzentwürfe für die Erhaltung der nationalen Hilfsquellen und die Verbesserung der Wasserstraßen und der Bewässerung werden für Sonderbotschaften vorbehalten.

** Zum Grubenstreik in Australien. Sydney, 7. Dez. Minister Lee erklärte, et habe die Grubenbesitzer aufgefordert, die Gruben wieder zu öffnen und die Bergarbeiter die Arbeit wie­der aufzunehmen. Das Bundesschiedsgericht hat eine Entscheidung in dem Bergarbeiterstreik abgelehnt, weil es sich hierzu nicht kompetent erachtet.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Criginalartitel ist gemäß § 18 de« Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 8. Dez.

)( Zur Stadtverordnetenwahl. Die Beteilig­ung an den gestrigen Stichwahlen zur Stadtver- ordnetenversammlung in der 3. Abteilung war wohl deshalb schwach, well viele Wähler, die bei der ersten Wahl gewählt hallen, diesmal fernblie­ben. Im ganzen gaben nur 265 Wahlberechtigte (gegen 373 bei der ersten Wahl) ihre Stimme ab. Es erhielten die vom Bürgerverein, dem Beamten­verein, dem Gastwitteverein und sämtlichen hiesi­gen Innungen empfohlenen Kandidaten Rentner Brauer 113 Stimmen (gegen 185 bei der ersten Wahl) und Gastwitt August Stiel 96 (160). Der vom Gewerbeverein und den vereinigten Wählern mlfgestellte Schuhmachermeister Krantz erhielt 126 (121) und der nur von der letzteren Gruppe unter­stützte Gerbermeister Weintraut 148 (101) Stim­men. Die beiden letzteren find mithin definittv ge- ivählt.

* Mittelschul- und Rektorenprüfung. In der abgelaufenen Woche fand in den Räumen des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums die Mittel­schul- und Rektorenprüfung staat. Die Prüfungskommission bildeten folgende Herren: Geheimrat Dr. Otto, Geheimrat Mühlmann, Oberrealschuldirettor Dr. Quiehl, Eymnasial- direttor Klau (Limburg a. ß.), Schulrat Lotz (Dillenburg) und Seminardirektor Dr. Grau. Die Mittelschulprüfung bestanden folgende Prüflinge: Die Lehrer Becker, Clössner, Dahl, Eigenbrod Gaul, Eombel, Cut, Jösch, Nuckell, Schäfer, Seelmann und Stucke aus Frankfurt a. M., Eersch, Eonnermann und Ruppel aus Cassel, Helwig und Kröller aus Wiesbaden, Boos aus Rinteln, ferner die Cand. phil. Hermann aus Frankfurt a. M. und Schlüter aus Wyk auf Föhr. Der Mittelschullehrer Prinz bestand ein« Erweiterungsprüfung. Die Be­fähigung zur Leitung von Volksschulen wiesen in der Rektorprüfung nach die Mittesschullehrer Eisenhuth, Kehret, Klöppel und Wöhrmann aus Frankfurt a. M., Erößner und Reinert aus Hanau, Graulich aus Höchst a. M. und Groß aus Schlüchtern. Eine Erweiterungsprüfung bestanden die Mittelschullehrer Petzold, Prinz und Winter aus Frankfurt a. M., sowie der Oberrealschullehrer Wickenhöfer aus Marburg.

* Borttag. Die akademische Ortsgruppe Marburg des Evang. Bundes veranstaltet Donnerstag, den 9. ds. Bits., 8y2 Uhr, im Lederer" einen öffentlichen Vottragsabend, an dem Herr Generalsekretär Schilbach-Halle über da, Thema reden wird: Eegenwartsaufgaben der deusschen akademischen Jugend im Lichte des 10. Dezember 1520.

Lieder-Abend Julia Culp. Wir weisen nochmals auf das heute statfindende 4. Konzert des Marburger Konzett-Vereins hin. Es find noch Saalplätze zu 3 <M, Gallerieplätze zu 2 ^l unb Stehplätze zu 1 ^t an der Abendkasse zu

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hielt gestern Abend im physikalischen Institut seinen zweiten großen Dereinsabend ab. Zu­nächst wurde von der Anmeldung einer Reih« neuer Mitglieder Mitteilung gemacht, die Zahl der Mitglieder ist jetzt auf 102 gestiegen. Ein« Bibliothek ist eingerichtet, die den Mitgliedern im physikalischen Institut zur Verfügung steht. In der Angelegenheit des Gasanschlusses und des Ballonankaufs dürfte es in nächster Zeit zu« definitiven Abschluß kommen. Nach diesen ge­schäftlichen Mitteilungen hielt Herr Dr.Stuchtetz einen interessanten Vortrag über die Grund­lagen und die Geschichte der Luftschiffahtt, der mit Beifall ausgenommen wurde.

* Vorträge. Und wird geschrieben: Heut« und morgen Abend 8% Uhr wird im Höckschen Saale, Steinweg 4, der Evan­gelist Herr Prediger Merten aus Elberfeld Vorträge halten, zu denen jedermann freien Zu- tritt hat. (Siehe Inserats Redner ist der Herausgeber des weithin bekannten Evangeli- sationsblattesKönigs Botschaft" und der MonatsschrfftRheinische Traube".

* Dehenel in Marburg. Man schreibt uns: Am 24. Januar 1910 wird Richard Dehenel auf Veranlassung der Marburger Freien Studenten­schaft in unserer Stadt eigene Dichtungen vor­tragen. Leider muß die Vorlesung wegen der hohen Kosten der Veranstaltung im Auditorium maximum der Universität stattfinden. Wenn sich jedoch der nötige Zuspruch findet, wird es der Veranstalterin trotzdem möglich sein, dem Abend einen angemessenen Hintergrund in einem schönen Saale zu geben. Es ist dazu er­forderlich, daß jeder, der dem schönen Inhalt auch ein schönes Gefäß wünscht, schon jetzt im Ge­schäftszimmer der M. fr. St. Aud. 17 (neben der Aula) sich Vorzugskarten (ä 2 M) bestellt, da­mit ein Ueberblick über das Risiko der Veran­staltung möglich ist.

)-( Eastwirte-Verei» für Marburg und Um­gegend. In der am Montag im Schloßgarten abgehaltenen Versammlung des hiesigen Wirte­vereins hielt Herr Direktor Koch aus Darmstadt einen interessanten Vortrag über die gegenwär­tige Lage des Castwirtegewerbes. Redner hob hervor, wie die Castwirte nicht nur unter dem Druck der Antialkoholbewegung und der neuen Reichssteuerreform zu leiden haben, sondern auch anderweitig mehr als je zuvor von den wachsenden Staats- und Kommunallasten be­drückt werden, so daß das gesamte Cewerbe in seiner Existenz schwer geschädigt ist. Mit Rück­sicht auf diese bedrängte Lage des Castwirts­gewerbes empfahl Referent, mögl'chft früh für Sicherstellung der Angehörigen Sorge zu tragen, und sich der Bundessterbekasse anzuschließen, di« bisher über 3 Millionen Mark an die Hinter- . bliebenen verstorbener Castwirte ausbezahlt hak j und trotzdem über einen Reservefonds von fast j 2 Millionen Mark verfüge. Auch dem Gehilfen­stand sei die Kasse zugänglich. In einer an­schließenden Diskussion wurden verschiedene Be­denken geltend gemacht, die jedoch alle nach ge­gebener Aufklärung vollständig ihre Erledigung fanden. Zum Schluß stellte Redner fest, daß di« Haftpflichtkasse der Deutschen Gastwirte in Darmstadt an Billigkeit andere Kassen um das zwei- und dreifache übettrifft und trotzdem ihr« Mitglieder in vollen Schutz nimmt.

Für Sammler. Die neuen 25 Pfennig-Stücke aus Nickel sind jetzt auch in unserer Stadt In den Verkehr gebracht worden. Wer sich fleißig auf das Sammeln dieser neuen Münze verlegt und sorgt, daß er bald einen recht großen Sack davon voll be­kommt, je größer desto besser, kann sogar Millionär Werden! Man probiers nur!

Unermittelt. Seit einigen Wochen treibt sich in den Dämmerstunden ein pervers berontagtei krankhafter Mensch, anscheinend den besseren Stän- den angehörend, in den Straßen der Stadt umher und belästigt Schülerinnen in schamloser Weise Bisher ist es nicht gelungen, ihn wegen seines Vev haltens zur Rechenschaft ziehen zu können. EL wird um Unterstützung seitens des erwachsenen Publikums zur Feststellung der Persönlichkeit ge­beten, falls von Kindern oder sonst auf ihn auf- * merksam gemacht werden sollte^ Ferner wird um demenssprechende umgehende Benachrichtigung öet£ Polizeiorgane gebeten. £

)( Strafkammer. Gestern beschäftigte sich das Gericht in der Berufungsinstanz mit de Anklage des derzeitigen Reichstagsabgeordneten Dr. Böhme gegen den zeichnenden Redakteur Poersch von derHessischen Landeszeitung" roe# sä­gen Beleidigung durch die Presse. Die Sach«, um die es sich handelt, ist ja unseren Lesern noch bekannt. In einigen Artikeln, welche in der Nr. 216, 217 urü> 207 derHessischen Landeszeitung" entfallen waren, war in Bezug auf Dr. Böhm« von frühreifen jungen Leuten, hirnverbrannten Antisemiten unb Rüpeleien, t einem Doktor mit mangelhaften Kenntnissen u. a. die Red«. Das schöffengerichtliche Urteil hatte auf 200 Jk Geldstrafe und Publikation bei