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44. 3«W
Erstes Blatt
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sich ergeben, daß auch in der Beschränkung auf die erste Instanz die Vorteile der Laienbeteiligung voll zur Geltung kommen. Den Gerichten höherer Instanz mutz durch Besetzung besonders erfahrenen Richtern ein erhöhtes Ansehen und Vertrauen verschafft werden. Bei Laienrichtern aber ist es vornherein ausgeschlossen, eine Auswahl nach der größeren oder geringeren Qualifikation zu treffen. Die Tätigkeit der Berufungsgerichte schließt zudem immer eine gewisse Nachprüfung der rechtlichen Auffassung des ersten Gerichts ein, für die Laien weniger geeignet sind. Als ausschlaggäwnd kommt jedoch schließlich die Tatsache in Betracht, daß in einigen Bezirken Preußens, namentlich in solchen mit sprachlich gemischter Bevölkerung, das nötige Material an Schöffen für eine Besetzung der Berufungsgerichte mit Laien nicht vorhanden ist.
Deutsches Reich.
— Der Allgemeine D«legier.tentag der DeutschKonservativen Partei findet, wie schon kurz gemeldet, am Sonnabend, den 11. Dezember, vormittags 10 Uhr, im großen Kaisersale des Weinhauses Rheingold, Berlin, statt. Auf der Tagesordnung stehen: Referate über die Haltung der konservativen Frattion in der Frage der Reichsfinanzreform, erstattet von dem Reichstagsabgeordneten Dietrich und Grak Westarp, ein Vortrag des Oberbürgermeisters Dr. Beutler (Dresden) über „Politische Parteien und wirtschaftliche Vereinigungen", ein Referat des Reichstagsabgeordneten Grafen von Schwerin-Löwitz über die „wirtschaftlichen Aufgaben der konservativen Partei" und ein solches des Reichstagsabgeordneten Malkewitz über „Mittelstand und politische Parteien".
— Der Städtetag zur Zinsbogensteuer. Der Vorstand des deutschen Städtetages hat bei dem Reichstag und Bundesrat den Antrag gestellt, in einer Novelle zum Reichsstempelgesetz die Steuerpflicht der Zinsbogen von Renten und Schuldverschreibungen der öffentlich-rechtlichen Verbände zu beseitigen.
— Bürgerschaftsjubiläum in Hamburg. Hamburg, 6. Dez. Aus Anlaß der Feier des 80jährigen Jubiläums der Bürgerschaft wurde heute im großen Saale des Rathauses ein Festakt gekalten, an dem der gesamte Senat in Amtstracht, die Bürgerschaft, die Mitglieder der Verwaltungsbehörden usw., ferner der preußische Gesandte, Graf v. Eoetzen, der russische
zuteil werden soll, wußte in seiner Rolle des Ma thäus Scheichelröther, die mehr sinnige Fröhlichkeit gegenüber der derberen des Lindoberbauern zum Ausdruck zu bringen und auch die warmen und fenttmentttten Töne gelangen ihm gut. Herr Pauly (Vinzenz), dessen Talent wir stets gern anerkennen, war auch gestern Abend an seinem Platze, wie auch Frl. Lore Scholz als „rote Lisi", die zudem eine recht angenehme Singstimme zeigte. — Besonders sei die Leistung der kleinen Stsierwald als Hei- nerle bcrvorgehoben, die so graziös zu tanzen verstand und ihre Fragen und Antwotten so aus- dntcksvoll anbrachte, daß ihr das Publikum lauten Beifall zollte. Die beiden Gäste, Frl. Lucie Görgi und Herr Albett Mahlau aus Frankfutt a. M., hatten die schwierigeren Gesangspartten übernommen. Frl. Görgi spielte und fang die Rolle der Annamirl mit guter Stimme und viel lebendigem Spiel. Herr Mahlau war ein frischer Stephan. — Die Musik tritt in dieser Operette weniger hervor. Das Orchester — unter Mitwirkung des hiesigen Jägerbataillons, entledigte sich seiner Aufgabe zur Zufriedenheit. — Wir hoffen, daß die Direktton sich zu einer Wiederholung der Operette entschließt, und sind überzeugt, daß das Hans an Fülle dem -estrigen Besuch nichts nachgibt.
nochmals gegen die Ausführungen verschiedener Vorredner. Abg. Spahn (Ztr.) verteidigt die Prozeß- führung; darauf tritt Vertagung auf Dienstag mittag 1 Uhr ein.
= Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 94.
mal dort, um den ©einigen seine Verlobung mitzuteilen, eine Teilnahme von Vater und Schwester an der Hochzeit weiß er abzulehnen. Allen Schmerz aber überwindet der Vater und der dritte Akt zeigt uns bann die bäuerliche Familie mtt dem Taufpaten Lindoberer in den feinen Salons der jungen Frau Professor. Dieser hält gerade heute feine Antrittsvorlesung und so sind auch die „vornehmen" Schwiegereltem aus Berlin da. Dabei entwickeln sich dann die komischsten Szenen, denen auch der Ernst nicht fehlt. Die junge grau aber, die mutig dem bäuerlichen Schwiegervater ihre Achtung bezeugt, weiß zum Schluß alles zu verföhnen.
Der gestttge übergroße Beifall war zum großen Tell auf das Konto der guten Aufführung zu fetzen, mußten doch einzelne Lieder fogar zweimal wiederholt werden. Die Szenette war wieder besonders im zweiten Akte für unsere beschränkten Bühnenverhältniffe gut aufgemacht, sogar das Kasperletheater fehlte nicht und wirtte tatkräftig mtt. Einzelne Mitglieder unseres Ensembles zeigten sich hier von neuen Seiten. Herrn Gühne erinnern wir uns nicht, je so komisch gesehen zu haben tote gestern Abend in der Rolle des Lind- oberer, er spielte mit einem Elfer und einer Stimmung, die das Publikum schnell mittiß. Herr Norden, dessen Regie nebenbei volle Anerkennung
Ausland.
•* Po« Balkan. Konstantinopel, 6. Dez. Die Zeitung „Sabah" dementiert auf Grund von Mitteilungen aus authentischer Quelle die Blättermeldungen, welche behaupteten, die Türkei sei eingeladen worden, dem Balkanbunde beizutreten. Das Blatt bemerkt hierzu, die Pforte würde, auch wenn sie eine Einladung bekäme, ohne Zögern antworten, daß sie die Notwendigkeit eines solchen Bundes nicht ern- sehe und daß die Türkei nur nach Abschluß von Ententen mit anderen Ländern in den Balkanbund eintreter könne.
** Die Jur /en Abdul Asis. Parts, 6. Dez. Die für heute anberaumte Versteigerung der Juwelen des'Ekfultans Abdul Äsis wurde auf Ansuchen El Mokris aufgeschoben. El Mokri ließ durch seinen Anwalt erklären, daß der Pfandschein in Verlust geraten sei und hinterlegte im Namen der marokkanischen Regierung einen Scheck von W2 Millionen Francs zur Deckung des Darlehns, sowie der Kosten.
Stadttbeater.
Der fidele Bauer, Operette In 3 Akten von Viktor L6on. Musik von Leo Fall.
Setten , hat das hiesige Theater einen solchen Beifalls stürm erlebt wie gestern Abend bei der Aufführung des „Fidelen Bauern". Diese Operette hat bis jetzt einen wahren Siegeslauf gehalten, und ist nun auch zu uns gekommen. Sie bringt alle Sttlcke mit, die einen rechten Operetten- . erfolg ausmachen, fo einige gefällige Melodien, tote das „Hemerle, Hetnerle", ferner das Lied vom Bugen Bauern, von den drei Manövettagen nfto., eine Handlung, die nicht übermäßig tief und ; schwer ist und — die Gelegenheit zu lebhaften ''Szenen. Der Inhalt der drei Afte ist zudem •abgesehen von manchen Unmöglichkeiten, gar so schlecht nicht, wie man es von mancher anderen noch heute zugkräftigen Operette sagen muß.
Der Inhalt ist kurz folgender: Ein armer i Dauer in Oberösterreich — ein Sonderling — setzt PS mit schweren Entbehrungen durch, seinen Sohn studieren zu lassen und lebt nur in der Zukunft, Ivo er als Vater eines „hochwürdigen Herrn" Ehre genießen wird. Der Sohn, der im Anfang lieber . tzm Haufe geblieben wäre, studiett und wird Arzt And ein b-rühmter Mann, aber er hat Vater und , Heimat unterdessen vergessen. Rur kurz weilt er ein-
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und «Landwirtschaftliche Beilage."
Marburg
Mittwoch. 8. Dezember 1909.
Politische Umschau.
Verwendung von Lenkballons.
Paris, 6. Dez. Auch der „Temps" beschäftigt sich eingehend mit der Frage der militärischen Verwendung der Lenkballons und der Flugmaschine und berichtet darüber u. a.: Der Kriegsminister General Brun sei keineswegs durch die große Zahl der deutschen Lenkballons beunruhigt. Nach den Erfahrungen, die man bei den letzten Manövern und auch bei späteren Versuchen gemacht habe, könne man behaupten, daß der Militärlenkballon dem Oberbefehlshaber keineswegs diejenigen Dienste leiste, die man von ihm erwartete. Der Lenkballon müsse, um den Geschossen der Infanterie und Artillerie zu entgehen, sich in einer Höhe von 1500 Metern erheben, bann aber sei er außer Stande, die Stellungen und Bewegungen des Gegners zu erkennen. Ueberdies sei dem Lenkballon ein neuer Feind erstanden: der Aeroplan, welcher schneller, kühner und leichter zu handhaben sei, Sprengstoffe mit sich führen und mit diesen den Lenkballon in einer Sekunde kampfunfähig machen könne. Erst vor kurzem feier. Aviatiker mit einer Mitrailleufe im Gerüste des Aeroplans 875 Meter gestiegen. Der Kriegsminister legte der Verwendung der Aeroplane die größte Bedeutung bei. Er habe die Absicht, ein Versuchs- laboratorium bei Marseille, eine Bauwerkstätte in der Nähe von Paris und eine Aviattkerichule auf dem Flugplätze bei Bordeaux zu errichten. Bezüglich des Typs der Militär-Aeroplane sei noch keine Entscheidung getroffen. Vorläufig habe der Kriegsminister mehrere Ein- und Zweidecker bestellt.
Ministerresident e. Arseniew u. a. teilnah me». Bürgermeister Dr. Burchard hielt die Festred^ — Hamburg, 8. Dez. Bürgermeister Surdkn* warf in seiner Red« ans Anlaß des 50jährtge> Bestehens der Bürgerschaft zunächst einen Rückblick auf die verflossenen Jahre seit dem Bestehen der Bürgerschaft und hob hervor, daß die a« 6 Dezember 1859 neben dem Senat getretene und aus den freien Wählern hervorgegangene neue Bürgerschaft die Erwartungen, die man in der Vaterstadt an ihre Tätigkeit geknüpft habe, nicht getäuscht habe. Der Redner hieß sodann die Herren herzlich willkommen, die vor 50 Jahren der ersten Bürgerschaftssitzung beigewohnt haben und gab dann der Ansicht Ausdruck, daß Hamburg in nationalen Gedanken auf politischem wie wirtschaftlichem Gebiet die von ihm geforderten Opfer bereitwillig dargebracht habe; es werde, wenn es sich um die Interessen, den Ruhm und das Ansehen des teuren Vaterlandes handle, auch in Zukunft niemals versagen. Nach einem vom Hamburger Lehrergesangverein vorgetragenen Liede hielt der Präsident der Bür- gerst^ft, Landgerichtspräsident Engel, eine Rede, in der er u. a. auf die langjährigen schweren Kämpfe hinwies, die der durch den gemeinschaftlichen Entschluß des Senats und der erbgesessenen Bürgerschaft erfolgten Verabschiedung des Verfassungsgesetzes vom 11. August 1859 voraufgingen. Redner gedachte hierauf der Entwickelung des Hamburger Handels und der Schiffahrt unter dem mächtigen Schutze von Kaiser und Reich zu seiner heutigen Höhe, an der aber auch Hamburgs Bürger stets opferwillig mitgearbeitet hätten. Nach dem Vortrage bei hamburgischen Hymne wurde alsdann der Fest« aft geschlossen.
- Die Erfindung des „Gil Blas". Wie einige Blätter meldeten, sollte die Pariser Schauspielerin Madame Eranier auf Schloß Neudeck vor dem Kaiser den Monolog „Conference sur l’arnour" von Andre Beaunier vorgetragen haben. Verschiedene Personen nahmen an dieser Mitteilung Anstoß, indem sie das aus diesem Monologe zuerst im „Eil Blas" und danach in deutschen Blättern Mitgeteilte für verletzend und dem deutschen Sittlichkeitsbegriff direkt zuwiderlaufend erklärten. Die Kanzlei des Grafen Henckel v. Donnersmarck erklärt jetzt auf Anfrage eines Berliner Blattes, daß bet Wortlaut des Monologes, der auch vor ander« Majestäten schon vorgetragen worden sei, vor- her genau geprüft worden fei, daß er aber nicht die geringste Aehnlichkeit mit den in den Blättern mitgeteilten losen Reden habe. Die Mitteilungen des „Gil Blas" über diesen Vortrag feien von Anfang bis zu Ende erfunden.
— „Parteisekretär". In einer Zeitungsannonce aus West-Deuschland steht zu lesen: „Parteisekretär gesucht. Für einen großen in« dustriellen Wahlkreis Norddeutschlands wird ein akademisch gebildeter, erfahrener Parteisekretär gesucht. Gefl. Angebote sind nebst Angabe der Eebaltsansprüche, Referenzen u. Zeugnis-Abschriften" usw. Die politische Ueberzeugung scheint hier „Privatsache" zu sein. Jedenfalls ist der Posten eines Parteiagitators so gut dotiert, daß es sich lohnt?!!
Stadtverordnelen-sltznnff.
)( Marburg, 6. Dezember.
Die ersten drei Punkte der heutigen Tagesordnung betreffend Festsetzung der Bauleitungskosten für die Umbauten in der Kaserne und der Offizier-Speiseanstalt, sowie der Vergütung für eine aushilfsweise beschäftigte Lehrerin wurde» genehmigt. c
Ferner erfolgte die Genehmigung der kür», lich erfolgten Wahl der Stadtverordneten ie 2. und 3. Klasse. M
Nachdem man dann vertrauliche Angelegenheiten erledigt hatte, besprach man den Vertrag mit dem Alt-Herrenverband Lridericiana*
Aus dem Reichstage.
Am Bundesratstisch: Staatssekretär b. Tirpitz. In der Hofloge wohnt der Chef des Marinekabinetts bon Müller den Verhandlungen bei.
Erster Punkt der Tagesordnung ist die Interpellation Dr. Leonhart und Singer betreffend die Vorkommnisse auf der Kieler Werft. Abg. Dr. Leonhart begründet die Interpellation. Die Verwaltungsbeamten bringen für ihre Tättgkeit im allgemeinen zu wenig technische Kenntnisse mit. Auch werden die Magazinaufseher so schlecht bezahlt, daß sie leicht einer Versuchung ausgesetzt sind. Redner bemängelt dann das Fehlen einer kaufmännischen Buchführung auf den Wersten. Redner empfiehlt u. a. einen Marinerechnungshof, dem auch technische Beamte angehören müssen. Abg. Legten (Soz.) kündigte an, daß seine Partei für die zweite Beratung des Marineetats die Einsetzung einer parlamentarischen Untersuchungskommission beantragen würde.
Staatssekretär b. Tirpitz erklärt: Die Verwaltung sei nach seiner Ueberzeugung, abgesehen von einem Betriebe, nämlich dem des Altmaterials, absolut intakt aus der Untersuchung herborgegangen. Was den Betrieb mit diesem anlangt, so sind SiiarbtiMUftüL. getroffen, die Mißstände zu verhindern. U. a. sollen die Angebote bei Submissionen verlesen werden. Gegen direkte Untreue wird sich natürlich schwerlich, etwas machen lassen. Auch zu viel Bureaukratismus sei zum Vorwurf gemacht worden, er habe aber gerade die technischen Betriebe freigemacht von Bureaukratie. Auch sind die Gehälter der Magazin-Aufseher gesteigert worden. Wo nicht sparsam genug gewirtfchaf- tet zu werden schien, ist eingegriffen worden. Gegenüber der Beunruhigung, die der Kieler Prozeß hervorgerufen, halte er sich für verflichtet, auf die große Leistungsfähigkeit unserer Werften hinzuweisen, die in vielen Dingen vorbildlich seien. Jegliche Verallge- mcinerungen aus dem Kieler Prozeß müsse er auf jeden Fall im Interesse des Ansehens unserer Marine und im Interesse des Landes energisch zurückweisen. (Beifall).
Abg. 9retlj (kons.): Die Regierung habe doch leider erst spät sich entschlossen, Stellung zu nehmen. Die Details, die die Interpellanten sowie der Staatssekretär borgebracht, könne man jetzt nicht prüfen. In der Budgetkommission werde dazu Gelegenheit sein. Man werde bornehmlich auf ein sparsames Wirtschaften zu dringen haben. Nach Abg. Erzbrrger (Ztr.) bleibt trotz der Erklärungen des Staatssekretärs doch noch manches übrig. ES liege ihm allerdings fern, die ganze Marineverwaltung auf die Anklagebank zu setzen. Aber in den Details der Maschinerie ist doch etwas nicht in Ordnung. Wenn nicht tüchttge sachvör- ständige Techniker an die Spitze der Werftverwaltung gestellt würden — wie dies analog bei den technischen Instituten im Landheere der Fall sei —, werde alle Kontrolle nichts helfen. Abg. Semlrr (natlib.) erklärt, daß der Herr Staatssekretär die Gewichtskontrolle für verbesserungsbedürftig bezeichnet, ebenso müsse die Aufficht überhaupt eine bessere werden. Abg. b. Gamp (Rp.) macht das Submissionswesen, das geradezu ein Krebsschaden ist, für alles verantwortlich. Die Schmiergelder seien jetzt geradezu kaufmännischer Brauch. Der Staatssekretär b. Tirpitz wendet sich
Zur Frage der Beteiligung von "Laien an der Rechtsprechung.
Die bem Reichstage vorliegende Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz schlägt in Heber« «instimmung mit den Beschlüssen bet Strafprozeßkommission vor, auch in den bisher ausschließlich aus gelehrten Richtern bestehenden Strafgerichten mittlerer Ordnung den Strafkammern, für die erste Instanz Schöffen zuzuziehen. Zur Begründung der Zweckmäßigkeit dieses Vorschlags dienen folgende Erwägungen:
Zwar ist nicht zu verkennnen, daß für die Entscheidung von Rechtsfragen,*sür die schnelle Sichtung eines verwickelten Tatsachenmaterials und für eine Bemessung der Strafen, wie sie namentlich zur wirksamen Bekämpfung des ge- , wohnheitsmäßigen Verbrechertums notwendig 'ist, reine Richterkollegien besonders geeignet find; auch unterliegt es keinem Zweifel, baß auf eine leidenschaftslose Beuteilung der Straftat gerade bei erfahrenen und in langer Schulung zu strenger Unparteilichkeit erzogenen Berufsrichtern mit Sicherheit zu rechnen ist. Aber andererseits bildet die Zuziehung von Laien zur Rechtsprechung Vorteile, die bei abwägender Prüfung als ausschlaggebend anzusehen sind.
Nach den unter bet Herrschaft der Reichs- tjustizgesetze gemachten Erfahrungen haben die Schöffengerichte ihre Aufgabe in befrtebigenber Weise erfüllt. Sie haben außer Zweifel gesetzt, daß die Mitwirkung der Laien für die Aufklärung des Sachverhalts wie für die Beurteilung der festgestellten Straftat eine nicht zu unterschätzende Hilfe bietet. Ist auch der neuerdings gegen die Berufsrichter zuweilen erhobene Vorwurf der Weltfremdheit in dieser Allgemeinheit \ grundlos und unberechtigt, so ist doch anzuer- fennnen, daß mancher Schöffe auf dem Gebiete des täglichen Lebens Erfahrungen mitbringt, die dem Richter in gleichem Maße nicht immer eigen find. Die Schöffen können mitunter durch die Kenntnis persönlicher und örtlicher Verhältnisse insbesondere der Ausdrucksweise der Bevölkerung, sowie durch ihre Bekanntschaft mit örtlichen oder beruflichen Anschauungen und Gewohnheiten den Richtern Aufklärungen geben. Ihre Mitwirkung führt zu einer eingehenden Verhandlung der Sachen und trägt dazu bei, daß die Urteile dem Empfinden des Volkes entsprechen. Bisher hat sich die Laienbeteiligung allerdings auf Gerichte befcfränft, die zur Abteilung kleinerer Delikte berufen sind; doch ist zu hoffen, daß sie sich auch in größeren Strafsachen bewähren wird. Vor allem kann erwartet werden, daß das zuweilen hervortretende Mißtrauen gegen die Rechtsprechung der Strafkammern verschwinden wird, wenn auch bei diesen Gerichten den Berufrichtern Laien in gleichberechtigter Stellung hinzutreten. Gerade auf dem Gebiete der Strafrechtspflege muß Wert darauf gelegt werden, daß die Gerichte auch im Vertrauen der Bevölkerung eine Stütze finden. , , „
Für die Berufungsinstanz ist die Mitwirkung von Laien nicht in Aussicht genommen. Es hat
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