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t mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wschentl. Unterhaltungsbeilage) undlandwirtschaftliche Beilage".

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DieGberftesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Dost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 5. Dezember 1909.

Dir IniertionSgeblldr beträgt für bie 7gespaltene Zetl« oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Iah. Auq. Koch, ilnioersttätsbnchdruckerer Inhaber Dr. 6. Hitzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

ll. Jahrg^

Zweites Blatt.

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Zur Frage des Arbeitsnachweises.

Die zweckmäßige Regelung des Arbeitsnach­weises gehört srft Jahren zu den wichtigsten Pro­blemen de: Sozialpolitik. An ihr sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer und mit ihnen weite Volks- schichtrnim gleichen beträchtlichen Maße inter­essiert. Die öffentliche Allfmerksamkeit wendet sich daher mit Recht andauernd dieser Frage zu. Viele Jndustriezlorige nnd Geiverbe, zahlreiche staatliche and städnsck)e Betriebe haben bereits Einrichwngen dieser Art geschaffen, um Angebot und Nachfrage auf dem jcweiligeir Arbeitsmarkt möglichst vorteil­haft zu regeln, lieber die verschiedenen Arten der Arbeitsnachweise und ihre Erfolge liegen genaue Berichte vor, ans denen hecvorgeht, daß die von den Arbeitgebern errichteten Arbeitsnachweise gegenüber den übrigen Nachweisen die größte Be­deutung Haven. Der Wert der neuerdings ein- geführten öffentlichen Arbeitsnachweise dagegen ist noch gering. So haben in Preußen von den vor­handene» 276 komnmnalen und loinmunalunter- stützten Arbeitsnachweisen nur etwa 70 eine ge­wiße Bedeutung, in Bayern von 68 nur etwa 20, in Sachsen spielen diese Nachweise überhaupt noch keine Rolle. Neuerdings wird auch eine reichs- gesetzliche Regelung des Arbeitsnachweises ver­langt, mit dem Hinweis aus England, wo augen­blicklich die Negierung den gesetzlichen Ausbau des öffentlichen und paritätisch verwalteten Arbeits­nachweises int großen Stile veranlaßt habe. In besonders hohem Maße ist an der Regelung des Arbeitsnachweises die Landwirtschaft beteiligt, denn es ist klar, daß das planlose Anwerben von Arbeitskräften in landwirtschaftlichen Gegenden die schwerste Sorge des Landwirts, die Leutenot in erheblichem Maße vermehren muß.

Wenn daher ein großer wirtschasckicher Orga­nismus von der Bedeutung des Ruhrkohlenberg­baus, in dem an 330 000 Arbeiter ständig beschäf­tigt sind, eine Regelung seines Arbeitsnachweises vornimmt, so ist das eine Angelegenheit, an der nicht nur die Arbeitgeber und Arbeitnehmer dieses gewalsigen Industriezweiges, nicht nur der Westen unseres Vaterlandes, sondern auch in hohem Grade wette Kreise des Volkes Interesse nehmen müssen.

Was den Plan der Arbettsnachweisregelung für den rheinisch-westfälischen Steinkohlenbergbau im einzelnen anlangt, so soll, mtt der Haupsstelle in Essen, ein organisiertes Bureau errichtet werden und man hofft dadurch eine genaue und zuverläs­sige Uebersicht über die Arbettsnöttgkett auf den einzelnen Zechen zu schaffen, wobei zugleich dem einzelnen Zechenbesitzer die Vergebung der Arbett abgenommen und diese der Gesamtheit übertragen wird. Alle Mitglieder des Zechenverbandes sind

83 (Nachdruck verboten.)

Was Golt zufarumengefSgt.

Roman von H. Eourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Ach, wenn alle Herrschaften so denken wür­den, das wäre schön. Meist ist es anders. Und vertreiben Gott behüte ich freue mich doch so sehr, daß Sie zu mir gekommen sind, ver­treiben will ich Sie gewiß nicht."

Das wäre auch schade, denn ich will Ihnen etwas Gutes berichten. Sie sprachen doch mtt mir über die kleine Eva Rodenfels und ihren Bruder?"

Mamsell Wollmann seufzte tief aus.

Ach du lieber Gott, wenn ich doch bloß wüßte, wie es ihnen geht. Ich träume fast jede Nacht die schrecklichsten Sachen von dem Kinde. Und wenn ich einen guten Bissen in den Mund stecke, ist et mir vergällt, weil ich denke, mein armes kleines Evchen könnte am Ende gar Not leiden."

Sie seufzte wieder. Renate mußte ein Lachen unterdrücken, aber gerührt faßte sie nach der arbeitsharten Hand der Mamsell und drückte sie.

Da trifft es sich gut, daß ich Ihnen tröst­liche Auskunft geben kann. Ich habe diesen Winter Herrn von Rodenfels kennen gelernt. Er hat mir Grüße an Sie aufgetragen."

Der Mamsell Augen glänzten feucht.

^Ach, der gute, liebe, junge Herr. Wie geht ts ihm? Hat er nichts von Evchen erzählt?"

Das kann ich selbst tun, liebe Mamsell, denn Eva ist in Dresden. Eine sehr liebe, gütige Dame bat sie an Kindesstatt zu sich genommen."

Die Mamsell schlug vor freudigem Erstaunen die Hände zusammen.

3* Dresden? Ich denke, d« junge Herr

verpflichtet, für die Einstellung von Arbeitern stets den Arbettsnachweis in Anspruch ju nehmen. Sie haben ihren Bedarf an Arbeitern dem Arbeits­nachweise anzuzeigen und dürfen Arbetter zur Ar­bett nur annehmen, wenn diese im Besitze eines von der Nachweisstelle ausgestellten gültigen Ar­beitsnachweisscheines sich befinden. Die Nach­weisstellen hinwiederum haben den Wünschen der Arbeitsuchenden bezüglich der Auswahl der Ar­beitsstellen Rechnung zu tragen. Die. Regelung der Arbeitsverteilung soll nach dem wirklichen Be­darf vorgenommen werden und es vor allem eine Ausscheidung des Agentenwesens, das sich zu einem Krebsschaden entwickelt hatte, angestrebt tvorden. Dies ist ein beachtenswertes Moment, das mtt der Zeit hoffentlich eine heilsame Rück­wirkung auf den Zuzug von Arbeitern aus an­deren Teilen unseres Vaterlandes wie auch ait§ dem Auslande haben mutz. Bisher war es üblich, da Menschenmassen, ost im Ueberfluß aus dem Osten des Reiches oder aus dem Ailslande ins Ruhrgebiet strömten, angelockt von den Agenten und auf gewinnbringende Arbeit hoffend. An Ort und Stelle fanden sie aber häufig nicht alle die gesuchte Arbett und es entstand ein Proletariat, unter beut nicht nur das Kohlenrevier selbst, son­dern auch die angrenzenden Landesteile zu leiden hatten. Da die für die Arbeitsnachweisstellen in Aussicht genommenen Beamten in erster Linie aus den alten und ältesten technischen Beamten, Be­triebsführern, Obersteigern und Steigern gewählt werden sollen, so dürfte als ausgeschlossen zu be­zeichnen fein, daß in dieser Hinsicht Schwierig­keiten entstehen. Die Wahl der Nachweisstellen selbst erfolgt von dem Gestchtsp'.mkte aus, daß den Bergleuten der Weg bis zur Nachweisstelle so be­quem wie nur möglich gemacht wird, auch ist die schriftliche Meldung bei den Arbeitsnachweisstellen prinzipiell zugelassen.

Die Regulierung der Arbeiteranwerbung nach dem jeweiligen Bedarf wird aber zugleich, wie Dr. Paul Grobem soeben in derZukunft" mit Recht hervorhebt, ganz von selbst einem anderen Mißstand im Grubenbetrieb, dem Zechenlaufen, ein Ende machen. Bei einem Teil der Bergleute, zumeist bei den unzuverlässigen Elementen aus dem Auslande, hat sich nämlich die Praxis heraus- geblldei, alle Monate, manchmal fast nach jedem Lohntag, die Arbeitsstelle zu wechseln, in dem un- stäten Drang, sich zu verändern und dabei vielleicht zu verbessern. Dieses Zechenlaufen aber ist schon lange ein Gegenstand ernstlicher Sorge für die Bergpolizei wie für die verantwortlichen Zechen­beamten gewesen, denn die Eigenart des bergbau­lichen Betriebes setzt im Interesse ferner Sicherheit in erster Linie eine mtt dem Ort vertrante, ein­gewöhnte Belegschaft voraus. Die amtliche Sta- ttstik aber bestättgt, daß auf den Zechen mit dem größten Belegschaftswechsel mtch die meisten Un­glücksfälle Vorkommen.

In der Presse der Arbeitnehmer und in Ein­

wollte sie nach Straßburg bringen? Ach, du meine Güte, ich sehe sie noch, wie sie so blaß und verweint im Wagen saß. Ach, liebes, gnädiges Fräulein, erzählen Sie mir doch, geht es dem lieben Kinde gut?

Renate erzählte ihr ausführlich alles, was sie wußte. Mamsell hörte mit großen, freudig erstaunten Augen zu und als Renate geendet hatte, drückte sie ihr ganz fest die Hand.

Vergelts Gott, gnäbiges Fräulein. Ein Stein ist mir vom Herzen gefallen. Gott sei Dank, daß ich nun weiß, es geht ihr gut. Nun kann ich doch ruhig schlafen und mich sorglos freuen, daß es mir in Rodenfels so gut geht. Ich danke Ihnen tausendmal."

Schon gut, Mamsell. Es war mit selbst eine Freude, daß ich Ihnen so gute Nachricht bringen konnte. Aber nun will ich gehen und Ihnen Ihr Ruhestündchen nicht verkürzen."

Ach, jetzt ist ja nicht so viel zu tun für mich jetzt ist wieder genug Dienerschaft im Hause. Und wenn man so aus dem Bollen schaffen kann und nicht jedes Ei in zwei Hälften zer­teilen muß, da macht die Arbeit Spaß."

Renate nickte ihr noch einmal fteundlich zu und ging schnell hinaus, um zu verhindern, daß Mamsell noch einmal von ihrem Fenstetplätzchen aufftani)/

Langsam ging sie Übet den langen Korridor, dessen hohe Fenster nach dem Obstgarten hinaus­lagen, der sich an bet Rückfront des Schlosses weit hinauszog. Einige alte Apfelbäume streckten ihre Aeste bis an die Fenster heran. Alle Bäume standen in voll« Blüte und ihr Duft drang würzig herein.

Renate sah sinnend hinaus auf die blühende Pracht. Wi« ein Blütenme« wogte es vor ihren Augen. Ob wohl Georg von Rodenfels oft hi« hinaus gesehen hatte? Wie mutzte ihn dann jeder blühende Obstbau«, den er sah.

gaben her Organisationen an den Minister und an den Zechenverband ist der Einwand erhoben wor­den, durch den Arbeitsnachweis würde den Leuten das gesetzlich gewährleistete Recht bet Freizügigkeit genommen, beim bie Arbeiter würben auch gegen ihren Wunsch anberen Arbeitsstellen zugewiesen werben können. Dieser Einwanb wird von feiten des Zechenverbandes als völlig unbegründet be­zeichnet, denn es ist doch ausdrücklich die Bestim­mung ausgenommen worden, daß die Arbeitsnach­weisstellen unbedingt den Wünschen der Leute Rechnung tragen müssen. Dies soll schon des­wegen geschehen, weil jede Bergverwaltung alS selbstverständliches Recht für sich in Anspruch nimmt, daß der Arbeitswechsel sich ganz nach den Wünschen der Leute vollzieht, weil kein Werk sich das Recht nehmen lassen will, selbst darüber zu be­stimmen, ob der Mann tauglich ist oder nicht. Sollte aber der Arbeitsnachweis einen Mann ent­gegen seinem Anttag einer anderen Zeche zu- weisen, so würde darüber bie betreffenbe Verwal­tung bei bem im Ruhrkohlenbezirk bauernb herr­schenden Arbeitermangel mit Recht nachdrücklich Klage zu führen berechtigt fein. Auch die Besorg­nis, man werde mit Hilfe des Arbeitsnachweises gegen die Organisation zu Felde ziehen, dürfte durchaus unbegründet sein. Wie die gewerkschaft­lichen Organisationen durch den Arbeitsnachweis in Hamburg dott keine Einbuße erlitten haben, so wird dieses auch im Ruhrgebiet nicht der Fall sein. Infolge der gewährleisteten Freizügigkeit ist auch der Einwand hinfällig, daß der Arbeitsnach­weis etwa zum Lohndrücken bemitzt werden könnte. In allen Verhandlungen, die hierüber stattgefunden haben, ist stets einmütig immer wieder betont worden, jeder Zeche müsse nach wie vor das Recht erhalten bleiben, durch Höhersetzen der Löhne, durch Einrichtung von Arbetter- Wohnungen usw. sich einen stärkeren Zuzug von Arbeitern zu sichern.

Faßt man das, was der Zechenverband in Bezug auf die Regelung seines Arbeitsnachweises plant und in der nächsten Zeit schon in die Tat umsetzen wird, zusammen, so ergibt sich, daß den Interessen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber in gleichem Maße Rechnung getragen wird.

Politische Umschau.

Enthüllungen.

DieEons. Torr." schreibt: DieOstpr. Ztg. veröffentlicht die Zuschrift eines oftpreußischen Konservativen, in bet im Anschluß an den Be­richt übet die Rede, bie bet Herr Reichstags«b- geortnete Fürst zu Doh-Schlobittev übet feto« « g'rft im Reichstage g l>>l-en har, der An­sicht Ausdruck gegeben wird, daß bie Ablehnung bet Erbschaftssteuer, die das Zentrum zur Be­dingung seiner Mitarbeit gemacht hat, bie Vorbedingung für bas Zustandekommen bet Reichsfinanzrefotm gewesen sei. Wit haben hierzu folgenbes zu erklären: Die Darstellung,

an bie alte Heimat erinnern. Ob er wirklich verwunden hatte, baß ihm Rodenfels keine Heimat mehr wat? Wo mochte et jetzt weilen? Draußen auf offen« See in Sturm und Not, los gelöst von allem, was nicht mit ihm auf bem Schiffe wat? Ob« geborgen im sicheren Hafen, wehmütig der fernen verlorenen Heimat ge­denkend? Ob er an sie dachte, wie sie an ihn? Seine Gedanken mußten sie bann hier in Roden­fels suchen, denn er wußte, daß sie nun hier war. Ihr Herz klopfte unruhig. Hier in Rodenfels erinnerte sie alles an ihn und ihr war zumute, als sei sie ihm hi« näh« als in Dresden.

Renate! Renate!"

Sie schrak empor und lief schnell bie Treppe hinab. Unten staub Mary, zum Ausgehen fertig.

Wo steckst Du nut, Renate? Ich suche Dich überall?"

Ich war bei Mamsell Wollmann, um sie übet Evas Schicksal zu beruhigen.

Ein weiches Lächeln flog übet Marys Ge­sicht.Da hast Du wohl bie alte treue Seele seht erfreut? Aber nun komm, mit wollen einen Streifzug durch den Park unternehmen."

Die Schwestern schritten hinaus in den blü­henden Maienzauber. Mit Hefen Zügen sogen sie die reine, milde Frühlingslust ein. Quellende Lebensfreude erfüllte ihre Herzen. Wie schön, wie wunderschön war die Welt

Fritz (Soulmann hatte feit sein« Abreise fleißige Reiseberichte an seine Töchter gesandt. Abwechselnd adressierte « die Briefe an Mary und Renate. Wie in allen anderen Sachen, »«mieb et auch hier einen Unterschied zu machen zwischen seinem eigenen Kind und bem sein« unglüÄichen Schwester. Sie waren auch so feft in seinem Hetzen zusammengewachsen, datz es ihm ganz selbstverständlich wat, sie auf gleiche Stufe zu stellen.

bas Zentrum habe seine Mitarbeit förmlich von b« Ablehnung b« Erdanfallsten« abhängig gemacht, ist, soweit unsere Kenntnis bet Ver­hältnisse reicht, unrichtig. Es wat ohnedies bekannt, daß bie Erbschaftssteuer beim Zentrum ebenso auf grundsätzliche Bedenken stieß, wie bei bem größten Teile bet konservativen Partei. Hieraus ergab sich ganz von selbst, daß, ba eine Verständigung mit anderen Parteien sich als unausführbar erwiesen hatte, dieser Teil b« ursprünglichen Regierungsvorlage ausgeschieden wurde. Ein« darauf gerichteten Vereinbarung 6eburfte es nach der Natur der Sache nicht.

Liberalismus.

Dom Liberalismus gibt bas bemokratische Organ bet Herren Eädke und v. Eerlach fol- grnde Schilderung, die verdient, festgenagelt zu werden. DerDemokrat" schreibt:Die Wort­helden auf der politischen Bühne sind zu allen Zeiten dieselben geblieben. Immer halten sie am Biertisch und in ihren Bezirkskonventikeln die radikalsten Reden; sobald es sich aber darum handelt, diesen Worten auch Taten folgen zu lassen, sprechen sie von Klugheit, Besonnenheit, ruhiger Erörterung und taktischer Erwägung. Nicht bas übermütige Junkertum, nicht die Pfaffen sind es, die sich jeglichem Fortschritt ent­gegenstellen und das Dunkeltum verbreiten, nein, gerade jene Worthelden, welche Knechts- feelen haben, während sie freisinnig scheinen möchten. Solange in unserem Vaterlande diese Worthelden in den Parlamenten und auf den Bierbänken das große Wort führen, kann es niemals bess« werden." Mit dieser Abfertigung de» Liberalismus ist aber das gesinnungsver­wandte Demokratenblatt noch nicht zufrieden, es macht auch übet seine blaßroten Gesinnungs­freunde noch Witze. Man muß sagen, daß der Freisinn, denn dies« speziell ist der Gegenstand des Hasses bei denDemokraten", wirklich nicht an Männermut Ueberfluß hat, wenn er sich solche Fußtritte bieten läßt.

Deutsches Reich.

Sturm im sächsischen Landtage. Dresden, 1. Dez. Eine stürmische Auseinandersetzung gav es heute nach derDeutschen Tageszeitung" zwischen dem Finanzminister von Rüg« und den Liberalen in der Zweiten Kamm« gleich zu Beginn. Der Minister widersprach der im letzten Wahlkampfe oft geäußerten Meinung daß nicht liberal genug regiert werde. Auf feine schon vor Jahren gestellte Frage, was eigentlich liberal sei habe er nur hohle Redensarten zur Antwort bekommen. (Große Enttüstung bei den Liberalen.) Auch gegen die sozialdemokratische Aeußerung verwahrte sich der Minister, daß die Regierung endlich abtreten müsse, weil sie rück­ständig sei Gegen den nationalliberalen Ab­geordneten Hettner, der Unklarheiten iib;t Stempelgesetz- glossiert hatte, wandte sich der Finanzminist« mit d« Bemerkung, daß es mit allgemeinen Phrasen in der Politik nicht ab;e- tan sei (Zwischenruf des Nationalliberalen Langhammer:Phrasen bringen Sie auch!",

Seine Reise befriedigte ihn sehr. Voll Ge­nugtuung berichtete er von all dem Seltsamen und Schönen, das er draußen zu sehen bekam. Er lernte Sitten und Gebräuche fremder Völker kennen, sah die farbenprächtigen Bilder des Orients und die üppige-getation der südlichen Inseln im indischen Ozean. Begeistert schilderte er das Leben und Treiben in den Hafenstädten. Seine Briese kamen in bunter Reihenfolge von Kairo, Mokka, Bombay und Calcutta, später von den Cunda-Jnseln, auf denen er längeren Aufenthalt nahm.

Und wo « etwas Schönes und (Eigen» artiges fand, womit er seinen Kindern eine Freude zu machen glaubte, das kaufte er und schickte es nach Hause. Solche Sendungen wur­den immer mit Jubel begrüßt.

Er vertrug alle Strapazen, die mit einer solchen Reise verbunden sind, mit Leichtigkeit. Stets mäßig im Genuß, hatte er sich eine feste Gesundheit erhalten. Geist und Körper waren frisch und aufnahmefähig. So konnte er behag­lich die Früchte seiner Arbeit genießen und nach­holen, was et sich in jungen Jahren in strenger Pflichterfüllung und ernsten Tatendrang hatte versagen müssen.

Zu seinem rastlosen Vorwättsstreben hatte ihn neben der Lust am Schaffen hauptsächlich der Haß gegen Michael Rodenfels getrieben. Seit « wußte, daß dieser in widrigen Ver- mögensverhältnissen lebte, war es wie ein Fie­ber übet ihn gekommen, Reichtum zu erringen und sich eines Tages Rodenfels Besitz anzw> eignen. Und das Glück hatte sich in allem, was er unternahm an seine Fersen geheftet. Nu» war « am Ziel! Sein Geld arbeitete für ihn und wenn « von sein« Reise heimkehrte, wollte « behaglich seinen Kohl bauen und ausruhe» von einem tatenreiche» Leben.

(Fortsetzung folgt)