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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:9lod> Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

JnsertionSgebühr beträgt für die 7oefpattene Zeile deren Raum 15 Pfennig, für Reklame» 30 Pfennig.

Die

44. Jahrg."

Erstes Blatt

oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklame» 30 Psenntg. Druck unv Verlag: Ioh. Äug. Koh, ilmoersttätSbu-Sruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

Die heutige Nummer umfaßt 4 Blätter.

Marburg

Sonntag, 5. Dezember 1909.

Aus dem Reichstage.

Erster Punkt der Tagesordnung ist die Wahl des zweiten Vizepräsidenten. Es wurde gewählt mit 178 Stimmen von 322 der Hospitant der Reichspartei Prinz Hohenlohe-Langenburg, 98 Zettel waren unbeschrieben, daher ungültig, 42 lauteten auf Singer, 4 waren zersplittert. Prinz Hohenlohe nimmt die Wahl an. (Lebhaftes Bravo rechts). Es folgte sodann die Wahl der Schriftfüh­rer, deren Ergebnis erst in einer späteren Sitzung mitgeteilt wird.

Der zweite Punkt der TagesordnungVer­längerung des Handelsprovisoriums mit England um zwei Jahre* ging debattelos in erster und zweiter Lesung vorüber, während beim dritten PunktHinausschiebung des Zeitpunktes des Eintritts der Hinterbliebenenversicherung bis 1. April 1911', es zeitweilig sehr lebhaft zuging. Die Aeutzerung deS nationalliberalen Abg. JumI, daß seine Freunde auch in Zukunft am Zolltarife fest­haften würden, da seine Wirkung für die Land­wirtschaft eine gute gewesen sei, entfesselte eine rege Aussprache, in der die Abg. Mugdan und Molken- buhr mit ihren alten Ladenhütern über die Schäd­lichkeit der Getreidezölle anrfldten. Abg. Trimborn (Ztr.) erklärte, die Hinausschiebung der Reliften- fürsorge ist zwar bedauerlich, aber unabwendbar. Das Zentrum habe seinerzeit von vornherein klipp und klar offen heraus erklärt: ohne Witwen- und Waisenfürsorge keinen Zolltarif. Die Sozialdemo­kraten dagegen haben das Schifflein damals ge­fährdet, indem sie bald hier, bald da einen land- wirffchastlichen Zoll bekämpften. Staatssekretär Dr. Delbrück entgegnet dem Abg. Molkenbuhr, daß bet Annahme dieses Gesetzes wenigstens Aussicht sei, daß in absehbarer Zett ein Gesetz verabschiedet wird, dar den Reliften einen, wenn nicht hohen, so doch auskömmlichen Anspruch sichert! Abg. Linz (Hospitant der Reichsp.) bedauert zwar, daß die Reliktenversicherung um ein Jahr verschoben wer­den müsse, aber in diese Unannehmlichkeit müssen wir uns fügen. Die Verhältnisse sind stärker als wir. Es sprechen dann noch die Abg. Mugdan, Becker (Arnsberg), Ledebour, Trimborn und Erz­berger. Wie zum Schlüsse verlautet, ergab die Schriftführerwahl die Ramen: Rogalla v. Bieber­stein, Pauli (Breienwalde), v. Damm, Frhr. v. Thünefeld, Engelen, Rimpau, Dr. Hermes und Dr. Heckscher.

Rach einer Reihe persönlicher Bemerkungen vertagt sich das Haus auf Sonnabend 11 Uhr: Fortsetzung der heuttgen Debatte.

Ausland.

Aus der russischen Reichsduma. Peters­burg, 3. Dez. Während der Debatte über dir Gesetzesvorlage betreffend di« Unantastbarkeit der Person In der Reichsduma erging sich Mar­kow (extreme Rechte) in den heftigsten Schmäh­ungen gegen Kadetten und Nichtrussen. Dir Kadetten verlieben unter heftigem Widerspruch den Saal. Der Präsident entzog dem Redner nach dem siebenten Ordnungsruf das Wort. Di« Vorlage wurde mit 204 Stimmen der Opposi­tion und der Oktobristen gegen 113 der Rechten einer neuen Kommission zur Bearbeitung in Monatsfrist überwiesen.

*» Die Spanier in Marokko. Melilla, & Dezember. Die Führer des Stammes Bem Sikar haben sich, wie amtlich mitgeteilt wird, gestern sämtlich dem spanischen Oberstkomman- dierenden unterworfen ~.

** Der Rücktritt des Kabinetts Giolittt. Nachdem die italienische Kammer in die Kom- Mission zur Beratung der von der Regierung vorgeschlagenen neuen Steuern sieben oppositio­nelle und zwei ministeriell« Abgeordnete ge­wählt hatte, zog das Kabinett Eiolittt daraus seine Konsequenzen und kündigte seinen bevor­stehenden Rückttift an. Der König hat auf da, EMlassungsgesuch hin noch keine bestimmte Ent- scheidung getroffen. Er bat vielmehr die Kam- mer, sich zu vertagen, was nunmehr geschehen ist.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Berlin, 3. Dez. Der Kaiser nahm heute Vormittag auf der Fahrt von Station Wildpark nach Goehrde den Vortrag des Chefs des Marinekabinettes, Vizeadmiral v. Müller ent- gegen. Goehrde, 3. Dez. Der Sonderzug mll dem Kaiser und den kaiserlichen Pttnzen Eitel Fttedttch und Oskar, sowie den Jagdgästen ttaf um 11 Uhr 40 Mn. auf der Station Goehrde ein. Die Herrschaften begaben stch in Auwmobtten nach dem vier Kilometer entfernten Jagdschloß Göhrde.

Zum Tode des Herzog« Karl Theodor. München, 3. Dez. Heute Vormittag erfolgte in Anwesenhett der nächsten fürstlichen Verwandten die Beisetzung des Herzogs Katt Theodor in Te- gentfee. Zu gleicher Zett wurde in München ein feierliches Requiem abgehalten, dem der Prinz- regent mtt den hier weilenden Pttnzen und Pttn- zessinnen des königftchen HauseS sowie daS diplo­matische Korps und die Spitzen der Behörden bei­wohnten.

Die Landtagswahlen in Sachsen-Weimar Weimar, 3. Dez. DaS Ergebnis der Sandtags­wahlen ist folgende-: Rechtsstehende (Kompromiß- kandidaten deS Bundes der Landwirte und der Konfervativen) 5, Sozialdemokaten 4, Liberale 3, Zentrum einer. An den Stichwahlen sind beteiligt sechs Rechtsstehende, sieben Liberale und sieben Sozialdemokaten.

Landtagsersatzwahl in Merseburg. Halle a. S 3. Dez. Bei der Ersatzwahl zum Abgeord- netenhause im Wahlbezitt 4 Merseburg entfielen aus Oberpostasstent Delius (fts. Bpt.) 423, aus Grecke (ftattionslos) 243 Stimmen. Delius ist ge­wählt.

Bayern. München, 3. Dez. Die Kammer der Abgeordntten nahm mtt 119 Stimmen gegen 30 Stimmen das Umlagengesetz nach mehrwöchent- licher Beratung an. Durch die Annahme dieser Gesetzes wird die Einführung der bereits be­schlossenen allgemeinen progressiven Einkommen­steuer und der ganzen Steuerreform ermöglicht.

Die fteisimtigen Einigungsverhandlungen. Der Viererausschuß der fteistnnigen FraktionSge- meinschast hat nach Mitteilung hiesiger Blätter heute Vormittag die erste BeraMng deS EntwuttS ttnes Einigungsprogramms zu Ende gefühtt. ES wurde Einvetttändnis über alle in Bettacht kom­menden Fragen herbeigeführt. Die zwette Lesung wird in ttnigen Tagen vorgenommen werden.

Protest der Ansiedler gegen die Dernburgsche Diamantenpolitik. Lüdetttzbucht, 2. Dez. Eine heute abgehaltene, zahlreich besuchte Vettammlung Lüdettßbuchter Bürger hat an das Reichstagsprä­sidium mit der Bitte um Weitergabe an die Mit­glieder deS Hauses eine einstimmig angenommene Entschließung gekabeft, in der der Reichstag bei fei- nem Wiederzusammenttttte gebeten wird, eine Untersuchungskommission einzusetzen, zur Prüfung der Gründungen von Diamantengesellschaften durch den Staatsseketär Dernburg und der Vor­verhandlungen, welche zu den Verttagsabschlüflen gefühtt haben. Namentlich wird der Reichstag ge­beten, darauf Hinzuwitten, daß der Vettrag mtt der Diamanten-Regiegesellschast über den 31. März 1911 hinaus nur unter angemessenen Beding­ungen gegen eine wirkliche Gegenleistung für den Landesfiskus, und nur dann verlängett werden txtrf, wenn die zuständigen Dienststellen im Schutz- gebiete und der Landes rat der Kolonie befragt worden sind und die Bedingungen annehmbar ge­funden haben. Eine Kopie der Reichstagseingabe ist an den Reichskanzler gekabelt worden.

Da» Uttell hn Kieler Werftprozeß. Kitt, t. Dez. Im Werftprozeß wurden sämtliche Schuld­ftagen von den Geschworenen vernttnt und die Angeklagten fteigesprochen.« u

Politische Umschau.

Ein Weißbuch Über die Londoner Seekriegs- rechts-Konferenz.

Berlin, 3. Dez. Wie di«Nordd. Allg. Ztg." schreibt, geht dem Reichstag heut« ein Weißbuch über die im Februar 1909 beendete Londoner Seekriegsrechts-Konferenz zu, das den Generalbericht des Redakttonsausschusses der Konferenz zu der Erklärung über das Äekriegs- recht und dann anschließend zusammenfassende Bemerkungen enthätt, woraus Nachstehende, wiedergegeben sei: Der Bericht enthätt eine ein­gehende Begründung der von der Konferenz ausgearbeiteten Erklärung über das Seekrieg», recht. Er ist daher geeignet, den zur Anwen­dung der Erklärung berufenen Militär- und Zivilbehörden al» amtlicher Kommentar zu dienen. Wenn auch diese Vereinbarungen für den Fall des Krieg«, getroffen sind, so werden sie Höch unmittelbar int Zntereg« de» Frieden,

Das Reichstagspräsidium

ffl nun vollzählig. In der gestrigen Sitzung wurde der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg mit 178 Stimmen zum 2. Vizepräsidenten ge­wählt. Dir 98 Stimmzettel der Freisinnigen And Rationaliberalen waren unbeschrieben, 43

Stimmzetel lauteten auf Singer. Der Erbprinz nahm die Wahl an.

Die Reichspattei hatte zunächst auf die Stellung eine» Vizepräsidenten in jedem Falle verzichtet. Angesichts der durch die Ablehnung der Nationalliberalen ist sie aber in die Bresche gesprungen. Ueber die Person ihres Vertteters schreibt dieFreik. Äon":

Der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg, welchen man für die Stelle des zweiten Vize­präsident« in Aussicht genommen hat, ist über den Verdacht erhaben, ein Anhänger einer kon­servativ-klerikalen Polittk zu sein. In der Presse wird er sogar mehrfach als bAte noir des Zentrums bezeichnet. Man wird daher hof­fen dürfen, daß die Liberalen wenn anders sie sich von Rücksichten stattsmännischer Natur leiten lassen, dem Erbprinzen zu Hohenlohe ihre Sttmme geben werden. ( Das ist, wie oben ge­meldet nicht geschehen. D. Red.) Der Erbprinz ist überdies ein Süddeutscher und Vertreter eines nichtpreußischen Wahlkreffes. Mit seiner Wahl wird daher di« alte gute Uebung wieder hergestellt werden, daß in dem Reichstagsprä- stdum auch das nichtpreußische Deutschland, insbesondere Süddeutschland vettreten ist.

DieGverhesstfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel- fährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeiwngSstellen und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Drtginalartilet ist gemäß § 18 bei Urbeberrechtl nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberhess. Zig.' gestattet.)

Marburg, 4. Dez.

)( Universität. Den Herren Professoren Dr. Jülicher und Konsistottalrat Dr. Mirbt wurde der Eharatter al» Geheimer Konsistottalrat ver- liehen. _

Parolemufik findet am morgigen Sonntag von 121 Uhr bei günstiger Witterung vor der Kaserne statt. Programm: 1. Armeemarsch Rr. 221; 2. Ouvertüre z. OperetteBanditen­streich«", von Supp6; 3. a)Mit dem grünen Lautenbande" (Lied), von Fr. Schubett, b) ©et gegrüßt, du mein schönes Sorent (Lied), von Waldmann; 4. Waidmanns Lieblingslieder (Pot- pourtt), von H. Loßner; 5. Pulverfaß-Walzer a. d. OperetteDie oberen 10 000", von Kerker; 6. Marsch a. d. OperetteDer fidele Bauer", von Leo Fall.

)( Der Landwirtschaftliche Kreisverein hielt heute mittag im Restaurant Schultz eine Sitzung ab. Wir werden darüber in nächster Nummer be­richten.

Marburger Konzert Verein. Das 4. Konzert, der Liederabend der Altistin Julia Culp aus Berttn, findet Mittwoch, den 8. Dezember, statt. Frau Culp, die fett Jahren als eine der bedeu­tendsten Sängerinnen Deutschlands gilt, Hai für Marburg ein besonders geschmackvolles Pro­gramm gewählt: Schubett, Brahms, Hugo Wolf.

Baterländischer Frauenverein. Mitte Ja­nuar 1910 beginnt ein Kursus für Samariterinnen in den Räumen der Chirurgischen Klinik, unter gütiger Leitung des Herrn Privaidozenien Dr. Haecker, Montags und Donnerstags nachmittag um 4 Uhr. Näheres wird durch spätere Inserate bekannt gegeben.

Vortrag. Der vom Deuffch-Evang. Frauen­bund gestern Abend in den Stadffälen veranstaltete Lichtbildervottrag überBurnand, Die Gleichnisse Jesu" war überaus stark besucht. Das Gebotene erttsprach auch sicherlich den Erwartungen, ja über­traf sie vielleicht bei manchem. Es waren wirklich Bilder eines großen Künstlers, die recht geeignet sind, sowohl belehrend als aesthetisch bildend auf uns zu Witten, zumal bei einer fo trefflichen Er­läuterung, wie sie gestern Abend Herr Dekan Gün­ther gab. Der Deutsch-Evang. Frauenbund kann über die so schön beriaufene Veranstaltung recht zu­frieden sein.

)( Der Marburger Tierschutz Verein hielt gestem seine Generalvettammlung ab. Unter Geschäft­lichem teilte der Vorsitzende, Oekonomierat Direk- tor Dr. Hesse mtt, daß voraussichtlich ttn Januar hier wieder ttne Sitzung stattfinden würde, in wel­cher der wegen feinet Tierschutzbestrebungen be­kannte Pfarrer gering einen Vortrag über die Be­täubung der Schweine vor dem Schlachten sprechen und auch ein von ihm zu diesem Zwecke erfundenes Instrument vorzuführen gedenke. ' In Düsseldorf, wo man den k!ft>parat im Schlachthause erprobt, hätte dieser den allseitigen Bttsall der Metzger ge-, sunden. Mittelst dieses Instruments würden He, Schweine ohne jegliche Quälerei, di« stch jetzt noch f durch daS laute langanhaltende Outeten bemed» bar mache, geschlachtet, Herr gering gedenk W-

Offener Brief

au S«. -Exzellenz den Kaiser!. Botschafter ht Washington Herrn Grafen v. Bernstorff.

Der Alldeutsche Verband veröffentlicht fol­gendenoffenen Brief":

Ew. Exzellenz

haben sich am 6. November in deracademie of political and social scienses vor einer Hörer­schaft von Ausländern in Ihrer Eigenschaft als Botschafter des Deutschen Reiches über dieso­genannten Pangermanisten" in einer Weise ausgelassen, die einer Richtigstellu.lg als nötig und als im nationalen Interesse liegend er­scheinen läßt.

Pangermanisten", wie Sie den Amerikanern malten, gibt es in Deutschland nicht. Diese sind vielmehr durch ausländische, deutschfeind­liche Organe erfunden worden, um gegen das Deutsche Reich zu besten und gegen seine politi­schen Absichten Mißtrauen zu säen. Ew. Ex­zellenz hätten das wissen müssen uttb um so mehr die Pflicht als Beamter und als Deutscher gehabt, jenen weitverbreiteten Lügen und Irr­tümern entgegenzutreten, als Ihre Bemerkun- gen sich auf eine politische Schrift des Ameri­kaners A. E. Coolidge bezogen. Dieser hatte die Pangermanisten als ein verderbliches, ein­flußreiches Element hingestellt. Ew. Exzellenz unterstrichen dasverderblich" und bestritten den Einfluß. Aufgabe des Botschafters und Deutschen wäre es gewesen, zu sagen, daß der Amerikaner irrt, daß dr» al» Pangermanisten . bezeichneten Alldeutschen nichts anderes tun und wollen, als jeder für die Größe seines Lande» begeisterte Amerikaner tut und will. Der Bot­schafter und Deutsche hätte im besonderen sagen müssen, daß die Alldeutschen nicht daran denken, die albernen Pläne zu hegen, dieljnen hinsicht­lich des amerikanischen Festlandes unterschoben werden, um die Vereinigten Staaten mit Miß­trauen gegen Deutschland zu erfüllen. Ew. Ex­zellenz haben anstatt dessen die tatsächlich un­richtigen Behauptungen geradezu amtlich be­kräftigt und leichtherzig viele Tausende national gesinnter Deutscher in den Augen der Auslän­der, zu denen Sie sprachen, herabgesetzt: denn Cie haben die Alldeutschen als minderwertige Deutsche, alsein sehr wenig wünschenswertes Element" bezeichnet.

Oder verdient der Alldeuffche Verband öffentliche Herabsetzung durch einen deutschen Botschafter deshalb, weil er zuerst für eine starke Flotte, für tatkräftige Kolonialpolitk ein­trat, weil er die deutschen Grenzmarken deuffch will, weil er von den Ausländsdeutschen ver­langt, daß sie das Deutschtum hochhalten, unfa weil er wiederum als erster dafür gearbeitet hat. dies auch durch Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen zu erleichtern?

Alle diese Dinge haben einmalaußerhalb des Rahmens praktischer Politik" gelegen.

Ew. Exzellenz erleuchtetem Urteil sei anheim­gegeben, ob ihre Förderung durch den Alldeur- schen Verband diesen von Rechtswegen der Herabsetzung durch den deutschen Botschafter in den Vereinigten Staaten aussetz-n darf?

Andere Botschafter haben andere Auffassun­gen: ungefähr um dieselbe Zeit, als Sie, Ex­zellenz, in Philadelphia sprachen, wohnte Mr. Bryce, der großbritannische Botschafter in den Vereinigten Staaten, einer Versammlung bei. Als der Redner die Geschichte der englischen Herrschaft in Indien kritssch betrachtete, ver­ließ der britische Botschafter den Saal, und es folgten ihm die anwesenden Engländer. Ew. Erzellenz bevorzugten ein anderes Verfahren. Aber es kann der Bedeutung des deutschen Bot­schafters nicht nützlich sein, wenn er sich über die nationalen Bewegungen in seinem Vaterlande so falsch unterrichtet zeigt. Darunter leidet nicht der Alldeutsche Verband das könnten wir verschmerzen sondern das Ansehen de» Deutschen Reiches, dessen Vertteter dadurch bloß- gestellt wird.

Berlin, am 4. Dezember 1909.

Die Hauptleitung und der geschäftsführende Ausschuß des Alldeutschen Verbandes.

wirken, da sie eine Reihe schwerwiegender völker­rechtlicher Streitigkeiten zwischen Neutralen und Kriegführenden ohne Weiteres abschneiden oder der friedlichen Erledigung durch den inter­nationalen Prisenhof überweisen. Die Erklä­rung ist von den Delegierten aller Konferenz­staaten unterzeichnet worden: ihre Ratifikation witt> allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da hierzu In verschiedenen Staaten ge­setzgeberische Maßnahmen erforderlich find. Dr« in der Erklärung aufgestellten Regeln über di« Blockade enthalten eine vollständige Modifika­tion dieses Gegenstandes. Sie entscheiden die auf diesem Gebiete streitigen Fragen und er­weisen schon dadurch der neutralen Schiffahrt und dem neutralen Seehandel eine wesentliche Wohltat Außer der Blokade werden in der Erklärung folgende Punkte behandelt: Kriegs- tonterßanbe, neutralitätswidrige Unterstützung, Zerstörung neutraler Prisen, Flaggenwechsel, feindliche Eigenschaft, Geleit durch Kriegsschiffe, Widerstand gegen Durchsuchung, Schadensersatz.