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U. Jahrg.

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Marburg

Sonnabend 4. Dezember 1909.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

«nd den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".

Die Insertioargebüvr beträgt für bte 7gespaltene Zeile oder deren Ran« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Ilnwerlltättbnchdruckerer Inhaber Dr. $. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

DieGbrrhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Au-nahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel» fährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Exveditton (Markt 21,) 2 Mk.

Die Haftung des Reiches für seine Beamten.

82

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(Nachdruck verboten.)

Golt zafammeuaefügl<

Roman von H. Courths-Mahler.

l Fortsetzung.)

Der vom Bundesrat beschlossene und dem Reichstag zur verfassungsmäßigen Beschluß» «ahme vorgelegte Gesetzentwurf über di« Haftung des Reiches fiir seine Beamten, be­seitigt zunächst die auf den § 839 des B. E. B. bisher begründete Haftpflicht eines Beamten x,.. l>ei vorsätzlicher oder fahrlässiger Verletzung der ihm Dritten gegenüber obliegenden Amtspflicht - und überträgt sie auf das Reich. Ist die Ver­antwortlichkeit des Beamten deshalb ausge­schlossen, weil er den Schaden im Zustande der Bewußtlosigkeit oder in einem die freie Willens­bestimmung ausschließenden Zustande krank­hafter Störung der Eeistestätigkeit verursacht hat, so hat gleichwohl das Reich den Schaden zu ersetzen, wie wenn dem Beamten Fahrlässig­keit zu Last fiele jedoch nur insoweit, als die Billigkeit die Schadloshaltung erfordert. Per­sonen des Soldatenstandes mit Ausnahme der­jenigen des Königreichs Bayern, stehen im Sinne des neuen Gesetzes den Reichsbeamten gleich. Der Erlaß von Vorschriften über die Haftung der Bundesstaaten, der Gemeinden und airderer öffentlich-rechtlicher Verbände für ihre Beamten, bleibt den Landesgesetzgebungen überlasten. Der Entwurf sieht ferner eine un­mittelbare, nicht eine bloß subsidiäre Haftung des Reichs vor; dem geschädigten Dritten soll rin Ersatzanspruch nur gegenüber dem Reiche zustehen, wogegen diesem der Rückgriff gegen den schuldigen Beamten gewährt wird, d. h. das Reich kann von dem Beamten Ersatz des Schadens verlangen. Der Ersatzanspruch ver­jährt in drei Jahren. Diese Regelung liegt so­wohl im Jntereste des Geschädigten als in dem­jenigen des Beamten. Dem ersteren steht in dem Reichsfiskus ein stets zahlungsfähiger Schuldner gegenüber und es bleibt ihm erspart, einen in vielen Fällen nicht zur Befriedigung führenden Rechtsstreit gegen den Beamten zu führen. Andererseits bleibt der Beamte vor der Verfolgung mit grundlosen Klagen bewahrt. Auf die Beamten der deutschen Schutzgebiet« finden, soweit sie nicht im Sinne des Schutzge­bietsgesetzes zu den Eingeborenen gehören, di« Vorschriften des neuen Gesetzes mit der Maß­gabe entsprechende Anwendung, daß an die Stelle des Reiches, das Schutzgebiet tritt. Die Vorschriften des Entwurfs finden kein« An­wendung, soweit durch die Vorschriften anderer Reichsgesetze für bestimmt« Fälle die Haftung des Reiches über den in jenen Gesetzen festge- stellten Umfang hinaus ausgeschlosten wird. Dazu gehören die Post- und Telegraphengesetz­gebung, das Ofsizierpensionsgesetz, das Mann­schaftsversorgungsgesetz u. a. m.; ferner soweit es sich um die Tätigkeit solcher Beamten handelt, die abgesehen von der Entschädigung für Dienstaufwand auf den Bezug von Ge­bühren angewiesen sind; drittens, soweit eg stch um die Tätigkeit eines mit Angelegenheiten des auswärtigen Dienstes befaßten Beamten handelt, welche die Gewährung des Schutzes gegenüber dem Auslande zum Gegenstand macht, oder durch die auf eine ausländische Staats­hoheit oder auf ausländische Rechtsvorschrift«» zu nehmenden internationalen Rücksichten ver«

O, das ist ein herrlicher Gedanke, liebe, gnädige Frau, damit sind wir sehr einver­standen, nicht wahr, Renate?"

Gewiß, mit großer Freude!"

Schön, dann sprechen wir noch darüber. Ich sehe Sie doch noch einmal, ehe Sie nach Rodenfels gehen?"

Morgen noch, gnädige Frau. Für über­morgen sind wir in Rodenfels angemeldet, und Mamsell Wollmann erwartet uns schon. Vor allen Dingen soll auch jetzt schon alles in herr­lichster Blüte stehen, der gr^ße Obstgarten zu­mal. Wir wollten nur nicht eher übersiedeln, bis wir Eva gesund wiedergesehen hatten. Also auf morgen!"

Als die Schwestern sich am nächsten Tage von Paula verabschiedeten, war gerade ein Brief von Georg eingetroffen. Er erkundigte sich darin, ob die Schwestern schon,in Rodenfels waren und bat Paula, jedenfalls seine ergeben­sten, herzlichsten Grüße an die Damen zu vestsllen.

Als die Schwestern wieder im Wagen saßen, sagte Mary schelmisch:

Ich scheine doch etwas Eindruck auf Herrn »on Rodenfels gemacht zu haben, da er mich immer s« ^herzlich und ergeben" mit grüßen laßt. Oder tut er das am Ende nur, um den >rüßen an Dich ein unverfänglicheres Ausfeh«» zu geben? Was meinst Du?"

anlatzt ist. Den Angehörigen eines aus­ländischen Staate» soll ein Ersatzanspruch nur insoweit zustehen, als durch die Gesetzgebung des ausländischen Staates oder durch Staats­vertrag die Gegenseitigkeit verbürgt ist.

Deutsches Reich.

Bundesrat. Berlin, 2. Dez. In der heu­tigen Bundesratsfitzung wurde dem Freund- schasts- und Handelsvertrag zwischen dem Deut­schen Reiche und dem Freistaate Bolivien di« Zustimmung erteilt.

Italien und di« Thronrede. Ronr 2. Dez. Popolo Romano" schreibt: Der Passus der Thronrede, in dem der deutsche Kaiser in deut­lichster Weise das Vertrauen auf die Fortdauer des Dreibundes ausgesprochen hat, sei in Ita­lien mit herzlichster Genugtuung ausgenommen worden. Italien sei dem Kaiser und seiner Re­gierung dankbar dafür, ebenso den Volksver­tretern für die sympathische Kundgebung. Di« Worte des Kaisers seien umso mehr opportun, als man in den oberflächlichen Polemiken habe glauben machen wollen der Besuch des russischen Kaisers in Racconigi könne der Ausgangspunkt einer neuen Orientierung der auswärtigen Politik Italiens werden. Die Auslastungen irgend eines irredenttstischen Blattes könnten jedoch Italien von dem freiwillig geschlostenen und mehreremale erneuerten Bündnisse nicht lostrennen.

Eine Erklärung der Ze»tr«mspart«i. Die Zentrumspartei des Reichstages und des preu­ßischen Landtages veröffentlichen eine gemein­same Erklärung, die scharf betont, daß das Zen­trum eine poltische nichtkonfessionelle Partei sei. Eie stehe auf dem Boden der Reichsver- fastung, nehme auch Angehörige anderer Kon­fessionen als Mitglieder auf und wenn sie auch die Interessen der katholischen Kirche vertrete, so verliere sie dadurch doch nicht den Charakter einer reinpolitischen Partei. Schließlich wird noch erwähnt, daß das Zentrum den Frieden unter den christlichen Konfessionen zu fördern suche.

Zur Reichstagsersatzwahl in Eisenach. Berlin, 1. Dez. Rach Blättermeldungen wollen die Deutschsozialen für die Ersatzwahl im Kreise Eisenach-Dermbach den Postverwalter Haederich als Kandidaten aufstellen. Als nationallibera­ler Kandidat soll der Straßburger Professor van Calker aufgestellt werden.

Di« Fernsprechgebührenordnung ist dem Reichstage heute wieder zugegangen. Für jeden Anschluß gibt es «ine Grundgebühr und eine Gesprächsgebühr. Die Grundgebühr beträgt 50 bis 70 Mk., je nach der Größe des Fern­sprechnetzes, die Gesprächsgebühr 4 Pf. für jede Verbindung. Bei Ferngesprächen werden für je 3 Minuten erhoben: bis 25 Km. 20 Pf., bis 50 Km. 25 Pf., bis 100 Km. 50 Pf., bis 250 Km. 75 Pf. bis 500 Km. 1 Mk., bis 750 Km. 1 Mk. 50 Pf., bis 1000 Km. 2 Mk., über 1000 Km. für jede angefangenen weiteren 250 Km. 50 Pf. mehr. ________

Ausland.

* Die innere Krise in England. London, 2. Dez. In der heutigen Sitzung des llnter-

Datz Du «in unerträglicher Quälgeist bist, Mary." _ ,

Mary drückte lachend Renates Arm.

Die Zornesfalte auf Deiner Stirn kleidet Dich zum Entzücken und ich bin gar nicht zer­knirscht. Aber das ist gewiß, wenn aus Dir und Georg Rodenfels ein Paar wird, dann weiß ich, daß mir mein künftiger Schwager voll Dank­barkeit um den Hals fallen muß. Denn wenn ich sein Andenken bei Dir nicht immer mit meinenQuälereien" frisch erhielte, hättest Du ihn am Ende längst roieder vergessen."

Meinst-Du?" -

Hm ganz bestimmt. Ach Renate, es ist jammerschade, daß et so weit fort ist und so selten hierher kommt. Dem gönn« ich Dich von Herzen. Weißt Du, wenn meine Seele nicht so ganz und gar von meiner künftigen Dottor- wüüx erfüllt wäre, dem Georg Rodenfels könnte ich selbst gut sein. Das sage ich Dir aber, wenn er das nächste Mal Urlaub hat, dann sei nicht so sehr Eletscherjungfrau, damit er nicht fort muß, ohne sich Dir erklärt zu haben. Du hast «s Ernst Trautmann gegenüber in der Eletscherhaftigkeit bis zur Virtuosität gebracht und ich weiß nicht, wo er den Mut hernimmt, überhaupt noch in Deine Näh« zu kommen."

Renats seufzte.

Ich wollt«, er ließe mich endlich in Frieden. Gottlob, daß er durch die Scharlachepidemie jetzt stark in Anspruch genommen wird. Nach Rodenfels wird et sobald nicht kommen können. Dafür werden wir den neue« Dottor hoffent­lich recht ost zu Gaste haben."

Staig nitfte eifrig. v : 5 . ' '

Hauses teilt« Premierminister Asquith mit, daß et dem Könige angeraten habe, das Parlament sobald als möglich aufzulösen und daß bet König diesen Rat angenommen habe. Wenn die Libera­len am Ruder bleiben, würde ihre etsteHandlung die sein, alle in der Finanzbill enthaltenen Steuer» mit Wirkung ab dieser Woche weitet zu erheben und alle bisherigen Steuerein­ziehungen für rechtmäßig zu erklären, Der Lordpräfident des Geheimen Rates, Wolver­hampton, und der Lordgeheirnstegelbewahter Earl of Gtew« begaben sich heute vormittag nach Sandtingham. wo der König wegen der Vettagung d«s Parlaments einen Ministerrat abhalten wird.

** Amerika. Washington, 2. Dez. In dem Begleitschreiben, welches der Geschäftsträger von Nicaragua mit seinen Pässen erhielt, führte Staatssekretär Knox aus, Zelaya hab« fett dem Washingtoner Uebereinkommen vom Jahr« 1907 ständig Zentralamerika in Unruhe versetzt und den nattonalen und internattonalen Frie­den gestött. Er sei ein Tyrann, dessen Ver­waltung den guten Namen einer Regierung be- flecke. Knox erkannte an, daß die Revolution der Ä«druck der Ansichten des Volkes von Nicaragua sei, erklärte aber im übrigen, daß beide Parteien verantwortlich seien für die Ver­handlungen, welche die Interessen Amerikas be­rührten.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des 1! rhcberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 3. Dez.

Pros. Tenneri, der bekannte Ratutforschet und wissenschaftliche Direftor des Keplerbundes, hielt gestern Abend vor einer sehr zahlreichen Zu­hörerschaft einen Vottrag überNaturkenntniS und Nalurgenuß." Die Natur können wir von dreierlei verschiedenen Seiten betrachten: wissen­schaftlich, philosophisch, ästhetisch. I. wissen- fchaftliche Naturkenntnis hat vier verschiedene Wege: 1. Ihr erscheint die Natur als Wechselwir­kung von Bewegungen, 2. als System gleichgeord- neter Begriffe, sie ist ein logisches Verwandtschafts- gebäude, für dessen Erklärung der Entwicklungs- gedanke in Anspruch genommen wird. 8. Die Natur erscheint als Reich spezifisch ausgeprägter Tzpen. 4. endlich erscheint die Natur als ein In­dividualismus. Diese vier verschiedenen Bettach­tungsweisen der Natur lassen sich nicht gegenseitig erklären oder ersetzen; erst alle zusammen liefern ein umfassendes und vielseitiges wissenschaftliche- Weltbild. II. Die philosophische Bettach­tung der Natur lehrt uns, die überlieferte Gesetz­mäßigkeit ju verstehen und zu verwetten, sie fragt nach dem wozu, woher, von wem. Die wissen­schaftliche und die philosophische Betrachtung bet Natur vermitteln zusammen unsre Naturerkennt­nis, sie wenden sich unser Denken (dem Wahren) und Wollen (dem Guten). III. Die ästhetische Naturbetrachtung wendet stch an unser Fühlen (dem Schönen). Sie vermittelt uns Naturgenuß im edelsten Sinne des Wortes. Die Natur zeigt

Er will, wenn irgend möglich, jeden Sonn­tag hinauskommen."

""Darauf war ich vorbereitet," neckte Renat«.

In Rodenfels war alles zur Aufnahme bet Herrschaft bereit. Mamsell Wollmann hatte, nachdem die notwendigen Neuerungen und Aenderungen vorgenommen worden waren, ein großes General - Scheuerfest abgehalten. Kein Winkelchen blieb verschont, nicht da« feinst« Spinngewebe wurde übersehen.

Die Renovierungen waren mit Verständnis vorgenommen worden. Alles paßte sich dem alten Rahmen an. Rur in den Schlafzimmern der jungen Damen und des neuen Schloßherrn merkte man deutlich den Einfluß der Neuzeit. Da waren alle schweren staubfangenden Por­tieren verschwunden. Die Fenster, soweit wie möglich für Licht und Luft freigehalten, waren nur mit leichten, luftigen Stoffen dekoriert. Auch die neuen Tapeten waren hell und freund- lich gehalten. In allen übrigen Räumen war zu Renates freudiger Genugtuung bet alter­tümliche Charakter festgehalten worden.

Mamsell Wollmann hatte für ihre jungen Damen gebraten und gebacken, als wenn eine Schar hungriger Leutnants aus dem Manöver- gelände erwartet würde. Fast war sie beleidigt, daß die Schüsseln nicht so gründlich geleert wur­den, als sie gehofft hatte, obwohl die Schwestern mit dem gesunden Appetit der Jugend den vor­trefflich bereiteten Suppe alle Ehre angetan hatten.

Ihr Gesicht hellte sich «ist wieder auf, al» Renate am Nachmittag «n ihr« Tür klopft« «ich b«i ihr «inttat.

all« Merkmale eines großen Kunstwerks, sie übt auf Menschen eine moralisch religiöse Wirkung aul und wird so zur Erzieherin deS Menschenge­schlechts. Die Natur wird beherrscht von dem gro­ßen Gesetz der Einheit in bet Mannigfaltigkeit, nicht Willkür, überall Einheit nicht Schablone, immer Freiheit der Form und Farbe. Unser Wohl­gefallen an der Natur ist fein Sinnenkitzel,, son­dern es ttihtt daher, daß sie uns etwas zu sagen hat von uns selbst, von unferm Leben und von unsrer Seele. Dies waren die Leitsätze, die der Vottragende seinen Ausführungen zu Grunde legte. Die zahlreiche Zuhörerschaft spendete leb­haften Beifall. Es fand eine Diskussion statt. Der Abend war von der hiesigen Freien Studen­tenschaft beranftaltet.

Ladenschluß. An den letzten drei Sonntagen vor Weihnachten dürfen die Verkaufsstellen bis zu 19 Stunden offen gehalten werden und zwar am 5. Dezember von 7 Uhr vormittags bis 7 Uhl abends, am 12. und 19. Dezember von 8 Uhr vor­mittags bis 8 Uhr abends mit Ausnahme bei Hauptgottesdienstzeit von 911 Uhr vormittags. Ferner dürfen die Lüden an den letzten fünf Werk­tagen vor Weihnachten, und zwar am 18., 20., 21, 22., 23. Dezember, bis 10 Uhr abends offen ge­halten werden. Am heiligen Abend, den 24. De­zember, ist wie gewöhnlich um 8 Uhr zu schließen. Am 1. Weihnachtstag ist nut der Handel mit Back- und Kondltorwaren, Fleisch- und Wurstwaren und Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags, mit Kolonialwaren, Blumen, Tabak, Zigarren, Bier und Wein von 79 Uhr morgens gestattet. Auch am 30. und 31. d. Mts. darf bis 10 Uhr abend­offen gehalten werden.

)( Cine Bitte. Wir haben in unseren Be­richten über das traurige Vorkommnis in Cappel darauf hingewiesen, daß die zahlreich« ~ Familie des Schwick durch den Tod ihres Er­nährers in die bitterste Not geraten ist. Es ist ja auch bekannt, daß Schwick sich nicht in frivoler Weife an der Schlägerei beteiligte, sondern nut edle Menschenpflicht ausüben wollte. Ohne fein Hinzuspringen hätte vielleicht den Studenten der tötliche Schlag getroffen. Nun steht Weihnachten vor der Tür. Wir find gern bereit, Gaben für die total mittellosen Waisen Schwicks in Empfanz zu nehmen.

)( Zum Totschlag in Cappel. Heute fand hier im Beisein des Täters die gerichtliche Obduktion der Leiche des Schwick statt. Es stellte sich heraus, daß der Tod auf einen schweren Schädelbruch und Verletzung deS Gehirns zurückzuführen ist. Der Täter trug bei dem Anblick bet Leiche einen großen Gleichmut zur Schau. *

)( Hochwasser in Sicht. Es kann nicht aus- bleiben, baß nach ben heftigen Schneefällen und dem jetzigen anhaltenden Regenwettet bi« Flüsse aus ihren Ufern treten. Dieser Fall ist jetzt eingetreten. Nachdem gestern bereits vom Oberlaufe der Lahn Hochwasser gemeldet wurde, ist feit heute auch hier die Lahn aus ihren Ufern getreten. Auch die Ohm, Wohra und anbete Nebenflüsse führen Hochwasser. So bittet da» Ohmtal wieder, wie schon oft, einen großen Se«, bet mit allerhand Wassergeflügel belebt ist.

Di« Geranien blühten noch nicht, hatten aber fleißig frische Triebe angesetzt. Es duftet« herb nach den dumpfen Blättern. In freudiger Ueberraschung sprang das runde kleine Persön­chen mit dem energischen Gesicht und den gut­mütigen Augen vom Stuhl empor und ruckt« Renat« einen Sitz zurecht. Dabei beteuerte sie atemlos ihre Freude, sie bei sich zu sehen.

.Renate drückte sie lächelnd in ihren Stuhl zurück.

Bleiben Sie doch fitzen. Mamsell Woll­mann, ich finde schon Platz. Ihr Ruhestündchen will ich Ihnen nicht verkümmern!"

Ach liebes, gnädiges Fräulein, wie gut Sie find. Wirklich, wir können hier in Rodenfels von Glück reden, daß wir eine so gute Herrschaft bekommen haben, eine vornehme feine Herr­schaft. Drüben auf Leukersdorf da ist es anders geworden, feit der alte Baron mit feiner Tochter fort mußte. Lieber Gott, da waren auch Schul­den wie Sand am Meere. Aber der alte Baron war ein Kanker Mann und hatte die Schulden gleich mit dem Gute geerbt. Gut war er und auch die Baronesse mit ben Leuten, »alle Hoch­achtung. Aber bie neue Herrschaft daß Gott erbarm bie ist hart und streng. Und so hoch­mütig, als wären fie Fürsten. Da find wir gut daran und wir danken es Ihnen alle, daß Sie uns fo liebevoll und menschlich behandeln."

Renat« schüttelte den Kopf.

So sollten Sie nicht reden, Mamsell, sonst vertreiben 6te mich. Sie tun doch alle Ihr« glicht, warum sollen rott nicht gut zu Ihne» f «. (Fortsetzung folgt.),

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