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44. Iahrg.

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Die Denkschrift gibt in ihrem allgemeinen keile einen Üeberblick über die wirtschafts-

lRachdruck verboten.)

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Politische Umschau.

Echo der Thronrede in Frankreich.

Paris, 1. Dez. DerTemps" sagt über die das Marokkoabkommen betreffende Thron­rede: Die Bemerkung ist vollständig richtig und entspricht durchaus der des Ministers Pichon in seiner letzten Rede. Das französisch-deutsche Abkommen vom 9. Februar habe keine Ent­täuschung herbeigeführt, weil es gleichzeitig notwendig und ausreichend war. Der Kaiser habe in dem Pasius der Thronrede über die aus­wärtige Politik nur Frankreich namentlich er­wähnt: das sei ein« Aufmerksamkeit, welche sich durch die Umstände ergebe, für die ihm aber nichtsdestoweniger das französische Publikum dankbar sein werde. DasJournal des D6- bats schreibt: Der hauptsächlichste Passus der Thronrede über die auswärtigen Staaten ist Frankreich gewidmet: er bildet das Gegenstück zu der Anerkennnung, welche Minister Pichon der deutschen Loyalität bei der Durchführung des Marokkoabkommens gezollt hat. Diese dop­pelte Erklärung wird hoffentlich allen jenen Versuchen ein Ende machen, welche , darauf ab­zielen, Frankreich zu einer militärischen Aktion in Marokko zu drängen unter dem Vorwand, daß, falls er sich nicht beeile, eine andere Macht an seiner Statt handeln würde. Muley Hafid wird gewiß von der gestrigen Thronrede Kennt­nis erhalten: wenn ihm noch «in Funken von gesundem Menschenverstand geblieben ist. wird er deren Bedeutung begreifen. DerSiäcle" stellt die Thronrede mit den bei dem gestrigen

Hindernis nicht nur fth die weitere gedeihliche Entwickelung, sondern auch für die Herabjetzung der bewaffneten Macht auf das sonst durch­führbare Maß, weil die räumliche Trennung und die Unwegsamkeit der Zwischenstrecke dazu nötigt, sowohl im Norden wie im Süden stär­kere Streitkräfte zu unterhalten, als der gegen­wärtigen Lage entsoncht.

In dem aufgeft'llten Programm für die Lösung der Verkehrsf'uge bildet deshalb aus strategischen wie wi <'christlichen Gründen der Bau einer Nord-Süd-Verbindung den wesent­lichsten Bestandteil. D -mit dieses Unternehmen dauernd seine Deckung in sich trägt, werden fol­gende Maßnahmen in Vorschlag gebracht:

Der Ankauf der Otavibahn (Nordbahn) nebst ihren Zweigftrecken zu einem in zweck­mäßig verteilten Raten zu zahlenden Preise von 25 Millionen, der etwa denjenigen Kosten ent­spricht, die das Reich für den Dau dieser an und für sich notwendigen Erschließungslinie auch selbst aufzuwenden Huben würde. Aus diesem Ankäufe sollen du^ch eine Rückverpachtung an die Otavigesellschaft bare Borteile über die vom Reich zu zahlende Verzinsung hinaus für die Schutzgebietskasse erzielt werden. Weiter wird aus einem Umbau der Mittelbahn Karibib Wiirdhuk auf Kaphpur ein weiterer Zuwachs an Einnahmen erwartet.

Die hierdurch dem Schutzgebiete zufallenden reinen Einnahmen werden dazu hinreichen, so­wohl den Ankaufspreis der Otavibahn wie die Kosten des Umbaues der Strecke Karibib Windhuk und des Baues der Nord-Süd-Verbin- dung zu verzinsen und zu tilgen, soweit diese Kosten nicht aus anderen vorhandenen Mitteln des Schutzgebiets aufgebracht werden können.

Die einzelnen Maßnahmen, insbesondere die Zweckmäßigkeit des mit der Otavigesellschaft vereinbarten Vertragsentwurfs, werden sodann eingehend klargelegt. Zusammenfassend bemerkt die Denkschrift am Schluß:

Das Schutzgebiet kommt demnach nicht nur aus eigener Kraft in den Besitz von 671 Kilo­meter vorhandener und 528 Kilometer neuer Bahnen, ohne das Gleichgewicht feines Etats zu gefährden, sondern erleichtert außerdem in hohem Maße dem Mutterland« die immer noch nötige schwere militärische Rüstung für die Kolonie."

Rodenfels zu gehen, bis sie Eva wiedergesehen hätte.

Endlich war die Krise überstanden. Beglückt konnte Paula den Schwestern melden, daß die Gefahr vorüber sei. Ach, wie leuchteten da die Augen freudig auf!

Paulas ganzes Wesen war ein einziges Dankgebet. Während Evas Rekonvaleszenz wurde das Verhältnis zwischen ihr und Mami noch inniger. Beide empfanden voll über- quellender Freude, was sie einander geworden waren.

Nun ging auch ein Bericht ab an Georg und wenn er bisher noch gezweifelt hätte, ob seine Schwester wirklich der einsamen Frau in Villa Waldfrieden ein Trost geworden war, in diesem Briefe fand er die Ueberzeugung.

Paula erlaubte dann auch endlich den Schwestern, Eva zu sehen. Mary hatte sich mit einer Unmenge Blumen und Spielsachen be­laden und war ganz glücklich, daß sich die kleine Rekonvaleszentin daran freute. Trotz allen Protestierens von Paulas Seite küßte sie das Kind auf die Wangen. Wie ein kleiner Engel saß Eva im weißen Nachtkleidchen in ihrem spitzenbesetzten Bettchen. Noch mußte sie einige Zeit darinnen verbleiben.

Als di« Schwestern mit Paula wieder in den Salon zurückgegangen waren, bestürmten st« dieselbe, sie möchte mit Eva nach Rodenfels kommen, sobald das Kind gesund sei.

Paula machte ein nachdenkliches Gesicht. Endlich erwiderte sie freundlich:

Ich würde vielleicht Ihrer liebenswürdigen Einladung Folge leisten, aber ein Umstand hält mich ab, es zu tun. Ich möchte jetzt noch nicht, daß Eva Rooenfel» widersteht. Scheinbar hat

Ausland.

** Luftschiffbau in Frankreich. Paris, 1. Dez. Mehrere Parlamentarier, die sich für den Luft­schiffverkehr interessieren, sin^ an den Kriegs­minister mit der Erks""-na heranoetreten. daß der für die Militärluftschiffe vorgesehene Kredit von 500 000 Francs unzureichend sei, um ange­sichts des Anwachsens der Zabl von Luftschiffen bei der deutschen Armee Frankreich nicht in das Hintertreffen geraten zu lasten. Der Kriegs- minister Le Brun antwortete, er werde einen viel höheren Kredit fordern. Der Krieas- minister erklärte den Vertretern der Lustschiff- fahrtsarupp« im Parlament, daß er mit der Ausarbeitung eine? Gesamtvroaramms beschäf- tiot sei. Was insbesondere die Frage der Lenk­ballons anbelange, so würden bereits jetzt die Erbauung von Ballonhüllen und die erforder-

Was Golt zalammenaefirgt.

Roman von 9- Courths-Mahler.

«Fortsetzung.)

Im Gasthofe erkundigte sich auf Renates Wunsch Bernhard Trautmann, ob jemand den Verlust eines Ringes angemeldet habe. Es wußte aber niemand davon, da Georg nicht daran gedacht hatte, darüber zu sprechen.

Auch verschiedene Inserate in einer Anzahl Zeitungen blieben erfolglos. Renate mußte sich schließlich damit abfinden, daß sie den Ring auf­bewahren mußte, bis der Verlierer vielleicht im Gasthof zu Moritzburg nach seinem Eigentum forschte.

Daß die Figur auf dem Stein wirklich ein Sankt Georg war, hatte Mary zu Hause sofort festgestellt und es danach an allerlei Neckereien nicht fehlen lasten.

Du, Renate, das ist sicher ein günstiges Omen, daß Du eines Tages einen anderen Ge­org finden wirst!" sagte sie lachend und küßte die schmollende Renate, bis sie um Gnade bat. Zu­fällig sprachen die Schwestern in Paulas Gegen­wart nie von dem Ringe, sonst hätte sich Renate nicht länger mit dem Gedanken plagen müsten, wie er wieder an seinen Eigentümer gelangen könnte.

So lag denn Georgs Eigentum friedlich zwischen Renates Schmucksachen in einem filber- -etriebenen Kästchen und nahm sich recht eigen­artig aus zwischen den modernen Kostbarkeiten.

Ende April erkrantte Eva am Scharlach. Es Hamen schwere, sorgenvolle Tage für Paula Har- wnteeg. Wie lieb ihr Eva geworden war.

"geographische Gliederung des Schutzgebietes, die Lesiedelu-g und bisherige wirtschaftliche Ent­wicklung seiner einzelnen Teile, sowie über die bisher unzulängliche Ausstattung mit Schienen­wegen, d-ren die sehr aussichtsreichen Gegenden zwischen Windhuk und Keetmanshoop nach der Küste zu noch gänzlich entbehren. Der Mangel an Verbindungen zw'.-'chen dem nördlichen und südlichen Teile des Slmtzgebietes ist das Haupt-

Marburg

Frettaz 3. Dezember 1909.

Marokkobankett gehaltene» Reden zufamme» und sagt: Wir fühlen den hohen Wert der 8M Kaiser Wilhelm an Frankreich gerichtete« cur- toistevollen Worte. Die Mkßverständniste, welch» die Marokkoangelegenhett zwischen Frankreich und Deutschland ftüher hervorgerufen hach waren aber keineswegs ganz unnütz. Eie habe» uns Opfer auferlegt, nach welchen eine Abdan­kung Frankreichs, wie diejenige in Aegypte», für immer unmöglich geworden ist. Wir habe« jetzt das marokkanische Werk fortzusetzen ohne gegen di« Verträge zu verstoßen, aber auch, ohne das geringste von unseren Rechten aufzugeben.

Minister im demokratische« Dänemark.

Kopenhagen , 1. Dez. Die zur Beratung über die Erhebung der Anklage gegen die frü­heren Minister Christensen und Sigurd Berg eingesetzt« Kommission erstattete im Folkething Bericht. Im Bericht beantragt die Majorität, bestehend aus den Mitgliedern der Rechten, der Radikalen und der Sozialdemokraten, die beiden genannten früheren Minister wegen ihrer dienstlichen Beziehungen, dl« sie in den Iabren 1903 bis 1908 zu dem damaligen Iustkz- minister Alberti hatten, vor den Staatsgerichts­hof zu stellen. Der Ankla^eantraa gegen Ehristensen wird damit begründet, . daß er als Ministerpräsident und Verteidigungsminister es trotz vorhandener Verdachtsmomente nicht ver­hinderte, daß Alberti ein Amt zu eigenen Vor­teil und zu dem seiner Verwandten mißbrauchte, ferner, daß Christensen trnfc der im Reichs- gegen Alberti erhobenen Beschuldiaungen es unterließ, ein« Untersuchung einzuleiten. Trotz der vorlieaenden ungünstigen Nachrichten über di« Verhältnisse bei der Seeländiichen Bauern­svarkalle. deren Präsident Alberti war, habe Ehristensen der Bank aus der Staatskasse ein« Anleihe von 1V> Millionen Kronen gewährt. Der Anklaaeanttäg geaea Berg wird damit be­gründet. daß er als Mninster de? Innern trotz verdächtiger Nachrichten über di« Bezi-llmngen Albertis zur Seeländi^chen Bauernsparkalle es versäumte, die Lage der Svarkalle untersuchen zu lasten. (Herr von Gerlach wünschte in seiner Versammlung auch für litte Minister wie in Dänemark und sein Publikum war damit ein­verstanden. Na, Gott sei Dank sind wir noch nicht so weit.)

Die Gestaltung des Eisenbahnwesens in Deutsch-Südwestafrika.

Der beabsichtigte Ausbau der Verkehrswege t« Südwestafrika, der auch tn der Thronrede Erwähnung wird durch eine dem Reichs­tage zugehend^ Denkschrift näher erläutert.

Hertltng (Zent.), die verbündeten Regierungen zu ersuchen, die Gründung und Unterhaltung einer mit allenHilfsmitteln der modernenTechnik ausgestatteten Versuchsanstalt für 'Luftschiffahrt tn Friedrichshafen unter der Leitung des Gra­fen Zeppelin zu veranlass««. Zwettens: Ein Antrag Hertling, den Reichskanzler zu ersuch««, dem Mißbrauch entgegenzuwirken, wonach tn Fällen, wo bei Gerichtsverhandlungen wegen der Gefährdung der Sittlichkeit di« Oeffentlich- kett ausgeschlossen wird, gleichwohl Berichter­statter der Presse zugelasten werden. Drittens: Ein Antrag Hertling, den Reichskanzler zu er­suchen, durchgreifende Sparsamkeit in allen Zweigen der Reichsverwaltung unverzüglich ein­treten zu lasten, insbesondere einer Vermehrung des Beamtentums entgegenzuwirken und ferner dafür Sorge zu tragen, daß zu untergeordneten Arbeiten nicht Beamte herangezogen werden, die durch ihre Vorbildung zu wichtigeren Auf­gaben bestimmt sind, ferner di« Reisekosten und Tagegelder zu ermäßigen und die Dienstreisen einzuschränken und endlich in allen Reichsbe­betrieben eine nach erprobten kaufmännischen Grundsätzen geregelte Eeschäftsbebandlung durchzuführen und die aufzustellenden Billanzen im Reichshausetat mitzuteilen. Viertens: Ein Antrag Hertling, auf stärkere Berücksichtigung des Handwerkes bei Lieferungen an Reichsver­waltungen. Ferner ging eine Interpellation Bastermann (natl.) ein: Ist der Reichskanzler bereit. Auskunft zu geben, wann der Gesetzent­wurf über die Pensions- und Hinterbliebenen- Versicherung zu erwarten ist.

merkte sie erst jetzt, da sie um das junge, zarte Leben bangen mußte.

Wollte ihr der grausame Tod auch das Ein­zige noch nehmen, das ihr das Leben wieder erträglich gemacht hatte? Mit zitternder Angst saß sie an dem kleinen Bettchen, wie eine rechte Mutter bangend um ihr Kind.

Renate und Mary fuhren täglich nach Villa Waldfrieden hinaus, um sich nach Evas Be­finden zu erkundigen. Paula litt nicht, daß sie ins Haus kamen, obwohl die Schwestern beide schon Scharlach gehabt hatten. Vom Fenster eines Parterrezimmers aus gab sie ihnen Be­richt. So sehr die Schwestern auch baten einge- lassen zu werden, da eine Ansteckungsgefahr für sie nicht zu fürchten sei. Paula blieb fest.

Denken Sie an Ihren Vater wenn Sie krank würden, ich müßte mir bittere Vorwürfe machen," sagte sie ernst.

Und so erhielten die Schwestern immer nur vor der Tür den Krankenbericht.

An Georg schrieb Paula nichts von Evas Erkrankung. Sie sagte sich, daß er den Bericht erst erhalten würde, wenn die Entscheidung ent­weder zum Guten oder Schlimmen eingetteten wäre. In beiden Fällen war es zwecklos, ihn zu beunruhigen. Ueberstand Eva die Krankheit, dann war es immer noch Zeit genug, wenn sie ihm die Genesung melden konnte. Und trat das Schreckliche ein, vor dem sich Paula fürchtete, wie vor einem niederschmetternden Unglück, dann konnte er auch aus weiter Ferne nicht her­beieilen. So war es bester, er erfuhr vorläufig nichts.

Für Anfang Mai war die lleberfiedelung der Schwester« nach Rodenfels beschlossen. Mary erklärt« jedoch energisch, nicht eher nach

JßottfetMN . i

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Aus dem Reichstage.

2. Sitzung vm 1. Dezember, 1 Uhr.

DaS Hou- ist gut besetzt. Die BundeSratStische find jedoch leer.- nach einem alten Brauche der Regierung, sich fernzuhalten, wenn da» Hau» fette Angelegen­heiten erledigt. Zunächst wird unter dem Vorsitz des bisherigen ersten Vizepräsidenten Paaschr die Wahl de» ersten Präsidenten vorgenommZen. ES wurden abgegeben 854 Stmmzettel, davon unbeschrieben 06. ES erhielt Graf Stolberg 256 Stimmen, der also ge­wählt ist und mit einigen Dankesworten die Wahl an­nimmt. Zum ersten Vizepräsidenten wird von 850 abgegebenen Stimmen mit 239 der ZentrumSabgeord- nete Dr. Spahn gewählt, der ebenfalls annimmt.

Bei der Wahl des zweiten Vizepräsidenten entfielen bett 851 Stimmen auf den nationalliberalen Abgeord­neten Paasche 221. Bei der Wahl deS Präsidenten wurden auch 2 Stimmen für den Abg. Bruhn abge­geben, bei der Wahl der Vizepräsidenten eine für Bruhn, eine für Hengsbach nsw. Abg. Paasche erklärte auf die Anfrage des Präsidenten, daß er für die Ehre der Wahl zwar danke, aber diese im Einverständnis mit seinen politischen Freunden ablehnen müfle. (Lebh. Beifall links und bei den Sozaldemokraten.) Abg. v. Rormann schlägt dann vor, die Wahl deS zweiten Vizepräsidenten auf Freitag zu vertagen, aber die der Schriftführer schon heute vorzunehmen. Es entsteht über diesen Antrag eine ausgedehnte Gcschäftsord- nungsdebatte, da von links, zunächst seitens des Abg. Singer, Widerspruch gegen den Vorschlag erhoben er­hoben wird. Von dem Abg. Müller (Meiningen) (freis. Vp.) wird noch ausdrücklich hervorgehoben, daß laut Geschäftsordnung bet Wahl der Präsidenten diejenigen der Schriftführer zu folgen habe. Werde die Schriftführerwahl vorweggenommen, ehe der zweite Vizepräsident gewählt sei, so fei das also ein Verstoß gegen die Geschäftsordnung. Die Abg. Gklie­ber (Ztr.) und Dietrich (kons.) widersprechen dieser Ausfassung. Der letztere betont besonders, daß die Geschäftsordnung nichts über dieAnnahmeerklä­rung" des bett, gewählten Abgeordneten besage. Die Tatsache, daß die Wahl des Abg. Paasche zum zweiten Vizepräsidenten erfolgt fei, genüge. Selbst von gegne. rischer Seite werde zugegeben, ikdtz die Schriftführer­wahl vorgenommen werden könne und schon sehr oft vorgenommen worden sei, wenn eine Annahmeetklä- rung nochin der Schwebe" gewesen fei. Daher könne auch die Ablehnung der Wahl seitens des Abg. Paasche kein Hindernis für die sofortige Vornahme der Schriftführerwahl fein. Abg. Graf Praschina (Ztr.) macht weiter geltend, es lägen Präzedenzfälle aus den Jahren 1879 bis 1881 vor, wonach auch eine nach­trägliche Ablehnung einer Wahl ins Präsidium den Fortgang der Geschäfte, ja sogar den Eintritt in sach­liche Beratungen, nicht gehindert habe. Nach dem Abg. Singer fei dies aber etwas Anderes und träfe den vorliegenden Fall nicht. Es wird schließlich zu­nächst über den ersten Teil des Antrages v. Norman» (Vertagung der Wahl des zweiten Vizepräsidenten bis übermorgen) abqesftmmt, und zwar auf Verlan­gen des von der Linken unterstützten Abg. Wirmer na­mentlich. Die Vertagung wird mit 220 gegen 90 Stimmen bei 42 Enthaltungen beschlossen. Der zweite Teil des Antrages v. Normann, zur Schriftfübrer- wahl zu schreiten, ist inzwischen zurückgezogen worden. DaS Haus wird daher bis auf Freitag 1 Uhr vertagt. Die Tagesordnung ist: Wahl des zweiten Vizepräsi­denten und der Schriftführer, alsdann erste Beratung deS Handelsprovisoriums mit England und des Relik- ten-Fürsorge-Notgesetzes. Schluß gegen 4(4 Uhr.

Berlin, 1. Dez. Zum zweiten Vizepräsidenten de» Reichstages wird, wie in den Wandelgängen verlautet, der Erbprinz zu Hohelohe-Langenburg vorgeschlagen und nach Haltung der Parteien aller Voraussicht nach gewählt.

Anträge für be« Reichstag.

B«rlin, 1. Dez. Im Reichstage wurden fol­gende Anträge eingebracht: Erstens: Ein Antrag

___ ____1__ 1 1» sie ja vergessen, was hinter ihr liegt, aber i« Rodenfels würden die Erinnerungen wieder er­wachen. Und ich muß Ihnen offen sagen es beglückt mich, daß ich Eva jetzt alles bin. Es würde mich schmerzen, wenn Heimweh oder Sehnsucht nach der verstorbenen Mutter in ihr geweckt würde. Sie begreifen, daß ich Eva s» viel als möglich als mein Kind betrachten und ihr das Gefühl einflößen möchte, daß ich wirk­lich ihre Mutter bin. Verstehen Sie mich?"

Renate drückte ihr stumm die Hand und Marn nictte lebhaft.

Das verstehe ich gewiß, liebe gnädige Frau. Aber schade ist es doch. Es wäre zu reizend, wenn wir so liebe Gäste in Rodenfels hätten."

Vielleicht später einmal, wenn Eva sich noch mehr bei mir eingelebr hat. Es ist mir selbst leid, daß ich nicht zusagen kann, weil ich mich Ihrer lieben Gesellschaft beraube. Wen« Sie fort find, wird es wieder viel stiller i« meinemWaldfrieden" werden. Sie habe« mich mit Ihren lieben Besuchen verwöhnt."

Noch mehr werden Sie uns fehlen, gnädig» Frau," sagte Renate ehrlich betrübt.

Paula zog fie lächelnd an sich.

Dann will ich Ihnen einen Vorschlag machen, der uns beiderseittg die Trennungszett verkürzt. Sobald wärmere Tage kommen, will ich mtt Eva ein Ostseebad aufsuchen, damit st« fich vollends erholt. Ich bleibe dann mit ihr dort bis Ende August. Da Sie die Abficht haben, im August gleichfalls an die See zu gehen, könnten wir uns vielleicht den gleich«» Ott zum Aufenthalt wählen. Dann find wir doch wenigsten» wieder einig« Woche« betet«*

MchM Mttnn

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".