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DieGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der

viertel-

44. Jahrg.

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Marburg

Donnerstaa 2. Dezember 1909.

. , , ......... . . . . .. ), bei

unfern Zeitung-stellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".

Die JnsertionSgebüyr beträgt für die 7a«spaltene Zette oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck uit» Verlag: I»h. Ang. (koch, ll-tioerHtät-buhrruckerei Inhaber Dr. T. Httzeroth, Marburg, Markt 31. Telephon 55.

M ! 9Q<) Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt vi<

vl3. «Oft jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld),

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Erftes Blatt.

Die Eröffnung des Reichstages.

Gestern wurde, wie wir bereits gemeldet haben, D' tm Weißen Saale des Königlichen Schlosses der Reichstag eröffnet. Der Kaiser betrat In der Uni- Garde du Corps mit dem Band des Schwarzen Adlers den Saal, gefolgt von dem Kronprinzen, den Prinzen Ettel Friedrich, August Wilhelm, Oskar, Friedrich Leopold, vom Erb- großherzog von Mecklenburg-Strelitz, dem Prinzen Karl von Hohenzollern, dem Fürsten zu Fürsten­berg und dem Prinzen Georg von Griechenland. Graf Udo Stollberg brachte ein Hoch auf den Kaiser aus und dann verlas der Kaiser mit lauter Stimme die Thronrede. Bei der Erwähnung des £ Dreibundes wurden verschiedene Bravorufe laut. Nach Verlesung der Thronrede erklärte der Reichs­kanzler den Reichstag für eröffnet. Nachdem _ dann der bayrische Gesandte Gras Lerchenseld als ältester anwesender Gesandter ein dreifaches Hoch auf Se. Majestät ausgebracht hatte, verließ der Kaiser mit den Prinzen den Saal. (Den Wortlaut der Thronrede finden unsere Leser im 2. Blatt.)

Zu besonderen Bemerkungen über die in Aus­sicht stehende Politik gibt die Thronrede keinen An­laß. Sehr wohltuend berührt ihre knappe Form nnd der streng sachliche Inhalt. Es wäre wün­schenswert, daß der Reichstag in Bezug auf diese beiden Punkte sich die Thronrede zum Vorbild nimmt. Erfreulich ist die Art, wie die Kolonien durch die Hervorhebung in der Thronrede in ihrer Bedeutung für Deutschland zur Geltung gebracht werden. Auch die Ankündigung weiterer Bahn­bauten, insbesondere die der Bahn nach dem Kili- mandscharo ist mit großer Befriedigung aufzuneh­men. Die Ersparnisse in Südwestafrika und die Abnahme der Reichszuschüsse für die Kolonien sind ein Beweis dafür, daß der Reichstag mit den Be­willigungen für die Kolonien auf dem rechten Wege gewesen ist.

Die kommende Session wird demnach sich von der vorhergehenden durch größere politische Ruhe unterscheiden, und es ist zu hoffen, daß durch das Zusammenarbeiten an praktischen parlamentari­schen Arbeiten der Hader der Parteien, der in der parlamentslosen Zeit durch die Rückblicke auf die Reichsfinanzreform immer aufs Reue empor- wuchs, bald einer besonneneren Auffassung politi- scher Wirksamkeit Platz macht.

Was die Thronrede an parlamentarischen Ar­beiten für die nächste Zeit vorsteht, hat zwar, wie ihre Aufzählung zeigt, große prakttsche Bedeutung, ist aber weniger geeignet, die Parteigegensätze ge­gen einander zu führen, als es Fragen wie die Reichsfinanzreform waren. Dieser Umstand scheint der politischen Klugheit des neuen Reichs­kanzlers ein gutes Zeugnis auszustellen.

Die erste Sitzung des Reichstags fieilich soll über das neue Präsidium entscheiden, und hier werden die Ereignisse des letzten Sommers noch einmal eine Rolle spielen. Die Frage der Besetz­ung des Reichstagspräsidiums hat namentlich in den letzten Monaten zu lebhaften Auseinandersetz­ungen geführt, da die Parteien der Linken diese Wahl zu einer politischen Demonstration benutzen wollen. Die linksstehende Presse sucht die Rattonal- liberalen dahin zu beeinflussen, sich selbst vom Prä­sidium auszuschließen, um so das Scheitern deS Blocks auch äußerlich zu dokumenfieren. Es wäre zu bedauern, wenn die Rafionafliberalen sich in dieser Beziehung von der Linken umgarnen ließen. Mtt der Frage des Blocks hat die Wahl nichts zu tun. Im Jahre 1907 wurde nur deshalb von der Wahl eines Zentrumsmannes in das Präsidium abge­sehen, well das Zentrum die Wahl nicht rmnehmen wollte. Sogar nach den Septennatswahlen 1887 wurde von der damaligen Kartellmehrheit ein Zentrumsmann zum 1. Vizepräsidenten gewählt. Sein jetziger Anspruch auf eine Vizepräsidenten­stelle ist nur gerechtfertigt. Die ganze Frage der Präsidentenwahl eignet sich also nicht zu pro­grammatischen Erflärungen über die politische Lage, immerhin darf man auf den'Ausfall ge­spannt sein.

Deutsches Reich.

Der Reichskanzler und d«r Alldeutsche Ber- Sand. Berlin, 30. Nov. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: DieRheinisch-Westfälische Zeitung" veröffentlicht eine Zuschrift aus Berlin, in wel­cher angeführt wird, daß der Reichskanzler kein« Voreingenommenheit gegen den Alldeutschen verband hege. Das können wir bestätigen. Den Reichskanzler hindert nichts, den patriotischen Gesinnungen der alldeutschen Politiker gerecht

zu werden, ohne sich mit ihren Bestrebungen zu identifizieren. Widersprechen aber müssen wir, wenn im Anschluß an jene Berliner Zuschrift dieRheinisch-Westfälische Zeitung" von einer Desavouierung des deutschen Botschafters in Washington spricht. Die Rede Bernstorffs gegen eine dem Reichsinteresse schädliche Vermischung alldeutscher Ideen mit der amtlichen Politik des Reiches gab dem Reichskanzler keinen Grund, gegen den Botschafter einen Tadel auszusprechen.

Zum Tode des Herzogs Karl Theodor von Bayern. Bad Kreuth, 30. Nov. Von allen Sei­ten trafen bereits im Laufe des Vormittags herzliche Beileidskundgebungen aus Anlatz des Todes des Herzogs ein. Die näheren Verwand­ten, welche in München wohnen, fanden sich per­sönlich ein. Der Staatsminister des Königlichen Hauses, Freiherr v. Podewils, und Kultus­minister Dr. v. Wehner trafen hier ein, um die durch das königliche Familienstatut vorgeschrie­benen Nachlatzhandlungen vorzunehmen. München, 30. Nov. In der heutigen Sitzung des Stadtmagistrats widmet Oberbürgermeister Dr. v. Borscht vor Eintritt in die Tagesordnung dem verstorbenen Herzog einen warm empfun­denen Nachruf, in dem er hervorhob, datz fein Tod für die Stadt einen unersetzlichen Verlust bedeute, denn vielen Tauseiden habe er als Augenarzt geholfen. Die Stadt verliere in ihm einen aufrichtigen Bürgerfreund in der Worte bester Bedeutung.

Evangelische Landessynode in Hessen. Darmstadt, 30. Nov. Die achte evangelische Landessynode wurde heute vormittag durch eine Rede des Präsidenten eröffnet, in der gesagt wird, datz, während die gesetzgeberisechn Arbei­ten der verflossenen Synode zum grossen Teil bezweckten, eine Besserung der äußeren Lage der Geistlichen herbeizuführen, sich die neue Synode, nachdem auf diesem Gebiete nach Möglichkeit eine Gleichstellung mit den Verhältnissen der Staatsbeamten erreicht worden sei, auf dem Ge­biete für die Fürsorge für die Geistlichen kaum zu betätigen haben werde. Nur hinsichtlich der Verpflichtung der Geistlichen zu Aufwendungen für ihre Dienstwohnungen sei beabsichtigt, der Synode eine Vorlage zu unterbreiten, durch welche diese Frage zeitgemäss geregelt werden solle. Wie den früheren, so werden auch dieser Synode eine Reihe von Vorlagen zugehen, die die Gründung neuer Pfarreien und Veränder­ungen in den Gemeindeverhaltnissen und da­mit eine'bessere geistliche Versorgung der Ge­meinden betreffen. Ebenso werde die neue Sy­node Gelegenheit haben, sich mit der äusseren und inneren Entwickelung der Landeskirche innerhalb der letzten fünf Jahre zu beschäftiaen.

Zum Bischof dow Paderborn wurde Pro­fessor Dr. Josef Schulte in Paderborn gewählt.

Die Berliner Nachwahlen zum Landtage. Berlin, 30. Nov. Bei den Abgeordnetenersatz­wahlen erhielten int 5. Landtagswahlbezirk Borgmann (Soz.) 318, Schoeler ffreif.) 203 Stimmen; im 6. Bezirk Heyrnann (Soz.) 403, Max Schulz ffreif.) 284 Stimmen; im 7. Be­zirk Hirsch fSoz.) 393, Goldschmidt (freif.) 253 Stimmen. Die drei Sozialdemokraten find somit gewählt. In der Nachwahl im 12. Berliner Wahlkreise entfielen auf den Prediger Dr. Runze ffreif.) 349 Stimmen und auf den Buch­händler Hoffmann (Soz.) 331 Stimmen. Runze ist somit gewählt. Hier hat also der Terroris­mus doch versagt.

Die mecklenburgische Verfassungsfrage. Sternberg fMecklenburg), 30. Nov. Im Land­tage fand heute die Abstimmung über die Re­gierungsvorlage betr. die Aenderung der be­stehenden landständifchen Verfassung statt. Die Landschaft nahm den Regierungentwurf mit 26 gegen 7 Stimmen mit einigen Abänderungen an. Die Ritterschaft lehnte den Entwurf mit 169 gegen 15 Stimmen ab. Die Städte Rostock und Wismar lehnten die Vorlage gleichfalls ab. Die Regierungsvorlage wurde somit abgelebnt.

Das Rordseeabkommen. Haag, 30. Nov. In der heutigen Sitzung der Zweiten Kammer erklärte der Minister des Auswärtigen kate­gorisch, daß das Nordfeeabkommen den Ver- tragsmächten feine Verpflichtung militärischen Charakters auferlehe. Das Abkommen fei nichts als eine Konvention zur Aufrechterhaltung des status quo in der Nordsee.

Ausland.

* Zur Wiener Giftmordaffäre. Wien, 30. Nov. Der Diener des Oberleutnants Hofrichter wird gegenwärtig im Wiener Garnisongericht ver­hört, um festzustellen, ob er der Offiziersdiener war, der vor einigen Wochen im Auftrage eines Oberleutnants bei einem Linzer Dürrkräuller ver­geblich Zyankali zu kaufen versuchte. Nach Aussage der Braut des vergif­teten Hauptmanns Mader habe ihr Bräu­tigam wiederholt gesagt, daß Hofrichter noch einige Voidermänner habe und er später zum Generalstabshauptmann ernennt werden

könnte, als er selbst. Sie erzählt auch, datz es anläßlich eines Kriegsspieles, das von dem Re­giment veranstaltet worden war, zu einer schar­fen Auseinandersetzung zwischen Hofrichter und Mader kam.

** Zur Streikdrohung der Elektriker. Paris, 30. Nov. Anläßlich der gestrigen Streikdrohungen der Elektriker der Großen Oper haben mehrere Ge­meinderäte beschlossen, den Polizeipräfetten zu be­fragen, warum eine so ernste Verletzung der Ar- beitsfreiheit nicht mit der soforttgen Verhaftung Pataud's beantwortet worden sei.

** Typaldos. Athen, 30. Nov. Die Unter suchung in der Angelegenheit Typaldos und seiner Genossen ist beendet. Die Haupträdelsführer wer­den teils vor das Schwurgericht, teils vor das Zuchtpolizeigericht gestellt.

** Der australische Bergarbeiterstreik. Sydney, 30. Nov. In der gesetzgebenden Versammlung teilte heute in Vertretung des Premierministers der Minister der öffentlichen Arbeiten Lee mit, daß die Regierung beschlossen habe, unverzüglich in dem Bergarbeiterausstand zu intervenieren. Sie werde so sehr als möglich bemüht sein, das Funk­tionieren des öffentlichen Dienstes zu sichern;, sie werde zu diesem Zwecke alle notwendigen Kohlen von den zur Zeit im Betrieb befindlichen Berg­werken beziehen. Wenn die Angelegenheiten der Arbefter nicht binen weniger Tage der Lösung entgegengeführt seien, würden die Strasbestim- muttgen des Gesetzes betreffend industrielle Strei­tigkeiten in Kraft gesetzt werden. Es würden Schritte unternommen werden, ein obligatorisches Lohnamt einzusetzen.

Noch eine Cyinkaliaffaire.

Paris, 30. Nov. DemTemps wird aus Verdun berichtet, datz gegen eine ganze Schwa­dron des dortigen 8. Husarenregiments ein furchtbarer Vergistungsanschlag verübt worden sei. In die Suppe dieser Schwadron sei von dem Verbrecher eine grosse Menge Eyankali gemischt worden, doch entwickelte das Eist einen so hef­tigen Geruch, datz die Soldaten die Suppe nicht anrührten. Die Suppe wurde sofort untersucht und die Aerzte erklärten, dah sämtliche achtzig Soldatem wenn sie dieselbe verzehrt hätten, innerhalb weniger Minuten gestorben wären. Nach dem bisherigen Ergebnis der Untersuchung richtet sich der Verdacht hauptsächlich gegen einen Unteroffizier, in dessen Beinkleidern Spuren von Eyankali gefunden wurden und dessen Vater als Vergolder häufig Eyankali benutzt. Ein junger Soldat bat diesem Unteroffizier vor einiger Zeit 150 Francs geliehen und ihn wie­derholt zur Rückzahlung gedrängt. Man hält es für möglich, dah der Unteroffizier, unter dessen Sachen auch eine kostbare, aus einem Diebstahl herrührende Zigarettentafche gefunden worden ist, sich durch einen furchtbaren Anschlag seines Gläubigers entledigen wollte.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalarttkel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlicben Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 1. Dez.

* Born Dezember. Heute tritt der Dezember seine Herrschaft an. Karl der Grosse nannte ihn denheiligen" Monat, und erst später erhielt er den NamenChristmond". Da decem lateinisch zehn" bedeutet und das Jahr bei den Römern vor Julius Cäsar mit dem 1. März begann, ist die Bedeutung des NamensDezember" hin­länglich erklärt. Früher hatte der Dezember nut ,29 Tage; erst Julius Cäsar fügte noch 2 Tage hinzu. Für die Jugend ist der Cbrist- monat einer der liebsten Monate, und selbst für die Erwachsenen scheint mit ihm eine bestrickende Poesie verbunden zu fein. Dezember! Advent! 's ift wie ein Grützen aus Jugendland! Sobald der 1. Dezember da ist, ist auch schon weihnacht­liche Stimmung vorhanden. Pakete werden nach stillen Winkeln der Häuslichkeit geschafft, das Backfest wird bestellt, Christbäume werden in den Strassenecken zum Verkauf ausgeboten, Weihnachtsarbeiten werden in geheimnisvoller Stille hergestellt, die Läden der Geschäfte locken und verlocken, Ruprecht geht durch die Straßen und die Kinder fangen schon an, Weihnachts­lieder zu fingen . . .

* Das Wetter im Dezember soll sich dem 100jährigen Kalender zufolge, der wie die Wissenschaft ergeben hat auf Zuverlässigkeit allerdings keinen Anspruch mache» darf, im Großen und Ganzen sehr veränderlich gestalten. Für den 5. steht Schneefall in Aussicht für den 8. NiÄerschläge. Vom 9. bis 13. ist wechselnde Witterung wahrscheinlich für die Zeit vom 14. bis 18. aber dürsten trübe, schneereiche Tage zu gewärtigen fein. Das letzte Drittel des Monats soll dann Kälte und Rebel bringen. Der Meteorologe Brune Bürgel, der Nachfolger

Rudolf Falbs, stellt für die ersten Tage de« Weihnachtsmonats veränderliche Witterung in Aussicht, vom 4. Dezember ab soll das Wetter beständiger werden und allmählich eine ziemlich empfindliche Kälte eintreten, die bis zum 16. anhält. Dann würde man wieder mit wärmeren aber windigen und feuchten Tagen zu rechnen haben. Gegen Schluß des Monats find NiÄer- schläge und Schneegestöber in verstärktem Maße zu erwarten, auch soll es dann wieder ziemlich windig werden. Den 12. Dezember bezeichnet der Gelehrte als einen kritischen Tag von hoher Bedeutung, da alsdann eine Sonnenfinsternis stattfindet, bei der die Erde in die größte Sonnennähe gelangt. Erubenkatastrophen und Erdbeben sind zu jener Zeit nicht ausgeschlossen. Der 2. kritische Termin des Monats, der 26. Dezember, ist nach Bürgels Ansicht nur ein solcher von mittlerer Stärke.

Universität. Man schreibt uns: Professor Dr. Johannes Meisenheimer, Privatdozent und Assi­stent bei Prof. Korschelt am zoologischen Institut hier wurde wie schon erwähnt, an Stelle von Pros. Ziegler an die Universität Jena berufen als Ritter-Professor für phylogenitische Zoologie und Kustos am phyletischen Museum, welche Stelle er am 1. April 1910 antreten wird.

* Juristisches. In der Liste der Rechtsanwälte wurde der Rechtsanwalt Justizrat Schirmer in Homberg bei dem Amtsgericht in Homberg und dem Landgericht in Marburg gelöscht.

)( Stadtverordnetenwahl. Bei der gestrigen Ergänzungswahl in der ersten Abteilung gaben von 81 Wahlberechtigten nur 31 ihre Stimme ab. Es erhielten die seitherigen Stadtverordneten Justizrat Dörfsler 30, Jnstitutsvorsteher Dr. Schellenberg 24, Professor Reissert 30, Fabrikant Holzhauer 7, Kaufmann Bachrach 1 und Bier- braucreibesttzer Bopp 1 Stimme. Die drei elfteren sind somit wiedergewählt.

)( Der landwirtschaftliche Kreisverein hält am nächsten Sonnabend im Restaurant Schultz eine Versammlung ab.

)( Volksunterhaltnngs Abend. Wir verweisen nochmals auf den heute Abend 8*4 Uhr im großen Stadtsaale stattfindenden Volksunterhaltungs- Abend.

* Vortrag. Wir weisen hiermit nochmals auf den morgen Abend stattfindenden Vortrag des Herrn Dr. Phil. Eberhard Dennert im Auditorium maximum der Universität hin. Es empfiehlt sich, die Karten schon vorher in der Buchhandlung El- wert und Musikalienhandlung Reufeldt zu nehmen, da die Abendkasse nicht vor dem Auditorium maxi­mum, sondern nur im Auditorium 17 der Universi­tät Platzfinden kann.

)( Der Gartenbau-Verein hielt gestern Abend im Hotel Freidhof eine gutbesuchte Sitzung ab. Der Vorsitzende, Dekonomierat Direttor Dr. Hesse, gab bei Gelegenheit der Verteilung der verschiede­nen Rosen-Kataloge dem Wunsche Ausdruck, daß auch hier die Rosenzucht wieder mehr Liebhaber finden möchte, damit man vielleicht in einigen Jah­ren wieder einmal einer Rosen-Ausstellung näher treten könne. Weiter wurde darüber gesprochen, ob der Verein der in Berlin am letzten Sonntag gegrünt) efcn Deutschen Gartenbau Gesellschaft als Mitglied beitreten solle. Ueber die Zwecke und Ziele dieser Gesellschaft werden wir in der nächsten Nummer der «Landwirtschaftlichen Beilage" be­richten. Es wurde beschlossen, den Anschluß im Auge zu behalten, aber vorläufig eine abwartende Stellung einzunehmen. Aus der Rechnungslegung pro 1908 ist hervorzuheben, daß das Vereinsver- mögen am Schlüsse des Jahres etwa 273 M be­trägt. Aus der Berichterstattung über die Resul- täte der ausgeführten Versuchspflanzungen ist 1M erwähnen, daß die Kartoffelsorten Industrie und die rote frühe Amerikanische sich am besten bewähr­ten. Empfohlen wurde dabei weite flache Pflan­zung und gute Behäufelung. Eine als Frühsorte angezeigte KartoffelMorgenstern" stellte sich als Spättartoffel heraus. wurde mitgeteilt, daß die Blattrollkrankheit durch fremde Saatware einge­führt werden kann. Als gute Salatsorte wurde die MarkeZeppelin" empfohlen. Mit den Gur­ken wurden in diesem Jahre wie überall auch hier sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Der Vor­sitzende verbreitete sich dann des Längeren über Gartenkultur. Er wies u. a. in seinen Raffchlägen auf die Vorteile des Umgrabens der Ländereien im Herbste hin, alle Kohlstrünke feien im Interesse der Vertilgung gewisser Schädlinge zu beseitigen und auf dem ttomposthaufen mit Aetzkalk zu Hu­mus umzuwandeln. Mit einem guten Kompost­haufen ließe sich viel Kunstdünger ersparen. Be­sonders sei auch die Herbstdüngung zu empfehle«. Auch beim Obst müsse man tm Herbst die Düngung der Baumscheiben vornehmen. Nachdem man sich . noch über die verschiedenen gartentechnische« Fr«- j