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und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".

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DieGberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme bet Sonn- und Feiertage. Der Bezug »preis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und bet Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Mittwoch 1. Dezember 1909.

Die FnsertloaSgebühr beträgt für dre 7gespatteae Zeile -der deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck «ad Verlag: Joh. Auq. stoch, ilnioersttätSbnchdruckeret Inhaber Dr. L. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 65.

44. Jahrg.

Erstes Blatt.

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Bestellungen

fc. für den Monat Dezember

auf dieObetfreffifche Zeitung« nebst ^Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in p* Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbriestrLgern entgegengenommen.

Die gegenwärtige politische Situation in Frankreich.

Aus Paris wird uns vom 28. NovemLer ge- ' schrieben:

Die gegenwärtige Situation ist unter mehr als einem Gesichtsp'<nkt interessant. Es werden schwere und folgenreiche Probleme in den Par­lamenten verhandelt: ein neuer Zolltarif, ein ganzes Bünd-l neuer Steuern, Arbeiterver- ficherung, Laienschule. Aber die Behandlung aller dieser Fragen ist vollkommen beherrscht von einem Gesichtspunkt, der mit diesen Fragen selbst nicht das geringste zu tun hat: nämlich durch die bevorstehendenWahlen. Es ist die letzte Sitzungsperiode der Kammer, im Mai werden die Neuwahlen ,ein, im Sommer wird die neue Kammer zusammentreten. Da ist es selbstver­ständlich, daß die Deputierten, die alle wieder­kommen wollen, vcn mancherlei nicht sachlichen Gedanken in Anspruch genommen sind und z. B. zu allem eher geneigt sind als zur Bewilligung von neuen Steuern. Die Kammer ist schlecht besucht, ein großer Teil der Deputierten ist schon setzt in den Wahlkreisen. Es ist auch schon heute sicher, daß von den 200 Millionen neuer Steuern, die die Kammer bewilligen soll, auch nicht eine durchgehen wird, daß das Ministe­rium, wenn es auch jüngst darauf bestanden hat, daß über die Steuern überhaupt diskutiert wird, sein Schicksal nicht an der Annahme gerade die­ser Steuern ketten wird. Man wird sie ab- lehnen, andere suchen, aber eben keine finden. Uebrigens drangt die Frage nicht. Der Staat hat in seiner schwebenden Schuld bei der Bank von Frankreich eine weit bequemere Geldquelle. Sie beträgt heute 800 Millionen, ob sie morgen 1000 beträgt, kümmert niemanden. Die Wahlen haben ein anderes Problem abermals in den Vordergrund gerückt: das religiöse. Es wird zweifellos den Wahlkampf beherrschen. Die ra­dikale Partei verdankt Dasein und Herrschaft dem Antiklerikalismus. Sie fühlt bei einer anti­klerikalen Bewegung den Boden unter den Füßen wanken. Es ist zweifellos, daß Briand der als Minister unter Elemenceau den Kampf gegen die Kirche geleitet hat und schon von An­fang an ängstlich Bedacht genommen hat, scho­nend zu verfahren und keine Märtyrer zu -- machen, am liebsten nun, nachdem alles Wesent­liche erreicht ist, ein Ende machen und in eine Politik des inneren Feindes einlenken würde. Er hat zu Beginn seines Kabinetts, wie dies ygüt feiner ersten Programmrede zutage trat, *' * Wirten' Versuch damit gemacht. Aber dies hat die radikale Mehrheit ihm sehr übel genommen. Er hat bald wieder in die alten Bahnen ein­lenken und die Radikalen durch das Versprechen energischer Schritte zum Schuhe der Laienschule wieder versöhnen müssen. Auf der anderen Seite scheint auch die Kirche Kampfbedürfnis zu haben. Sie hat in der Schulfrage sehr ener­gische Saiten aufgezogen und dadurch Eegen- maßregeln hervorgerufen. Dies kam den radi­kalen Parteitaktikern sehr zurecht, hat aber dem Ministerpräsidenten und seiner Friedenspolitik das Konzept verdorben. Unter diesen Umständen ist zu erwarten, daß, je näher die Wahlen rücken, desto mehr die Kirchenfrage in den Vor­dergrund tritt. Von den Steuern wird bald gar nicht mehr geredet werden, geschweige denn, daß irgend eine zur Einführung kommt. Auch das Zustandekomen des Zolltarifs ist zwar wahr­scheinlich, aber immer nock nicht sicher. Di« Kammer arbeitet eifrig an ihm, ohne daß indes die Interessengegensätze zu heftigen Debatten Anlaß geben. Von anderen Dingen aber wird vor Schluß der Kammer nichts mehr zustande kommen. Alles ist gebannt durch die bevorstehen­den Wahlen. Die neuen Abgeordneten, die noch nicht an ihre Wiederwahl denken müssen, pfle­gen mehr Mut zu haben. Dann wird mancher halte aussichtslose Plan wiederkommen können.

Politische Umschau.

DieDeutsche Mittelstandsvereinigung« hielt am Sonntag in Berlin ihre Generawersamm- bmg ab, auf die wir bereits hinwtesen. Bon vie­

len Mittelstandsverbänden war sie nicht beschickt worden. Außer den Berliner Vertreten» waren nur noch 14 auswärtige da. Trotzdem kam es zu heftigen Kämpfen über die Stellung des Verban­des zum Hansabund. Man einigte sich schließlich auf folgende Resolution: *1. Die unbedingte Selb­ständigkeit der Deutschen Mittelstandsvereinigung ist austecht zu erhalten. 2. Ein Zusammengehen der Mittelstandsvereinigung mtt dem Hansabunde in den allen Schichten von Handel, Gewerbe und Industrie gemeinsamen Fragen liegt im wohlver­standenen JMeresse des Mittelstandes. 8. Wir haben das Vertrauen zu unserem Vorstande, daß er die richttgen Maßnahmen treffen wird, um die Deutsche Mittelstandsvereingung zu einer den ge­samten Mittelstand umfassenden wirtschaftlichen Verttetung auszubauen.* Sodann wurde über das Wahlrecht debattiert: In einer Resolutton for­dert man die Einführung der geheimen Wahl, ebenso der direkten Wahl bei Landtags- und Ge­meindewahlen, da die öffentliche Wahl weiten Kreisen des Mittelstandes die Ausübung des Wahlrechtes unmöglich mache.

Deutsches Reich.

Bom Kaiser. Breslau, 29. Nov. Der Kaiser traf mittags hier ein und fuhr nach der Dominsel zum Besuche des Kardinal-Fürst­bischofs v. Kopp. Nach einem Aufenthalt von 40 Minuten begab sich der Kaiser nach der Kü­rassierkasern«. Der Kaiser ist um 4 Uhr nach­mittags nach Berlin abgereist. Zur Verabschie­dung am Bahnsteige waren anwesend der kom­mandierende General, der Polizeipräsident, so­wie das Offizierkorps des Leib-Kürasfierregi- mentsGroßer Kurfürst" (Schlesisches Nr. 1). Von der Kürassierkaserne in Kleinburg bi, zur Stadt bildeten die Truppen der Garnison mit Fahnen und Musik Spalier. Das Publikum brachte dem Kaiser auf dem ganzen Weg« be­geisterte Kundgebungen dar.

Ein angebliches Kaiserwort. Au» Paris wird gemeldet: Der Schauspieler Henry Mayer, der mit Mm«. Granier zusammen vor Kaiser Wilhelm gespielt hatte, erzählt in den Blättern über seine Unterredung mit dem Kaiser. Mayer bezeichnet den Kaiser als einen liebenswürdi- gen, sehr einfachen, von jeder Pose freien Mann. Die Unterhaltung zwischen dem Kaiser und dem Schauspieler dauert« eine Viertelstunde. Mayer erzählt:Der Kaiser macht« mir Kompliment« und ich sagte zu ihm, daß ich mich im Namen der Künstler freue, daß er sich so sehr für das Theater interessiere." Der Kaiser erwiderte:Drei Dinge besitzen vor allem meine Vorliebe, und zwar in der folgenden Reihenfolge: die Univer­sitäten. die Armee und das Theater."

Vom Ausschuß für auswärtige Angelegen­heiten. Berlin, 29. Nov. Bei dem Staats­sekretär des auswärttgen Amts und Freiftau v. Schoen fand wie dieNordd. Allg. Ztg." mitteilt anläßlich der Versammlung des Bundesausschusses für auswärttge Angelegen­heiten gestern ein Mal statt, dem der bayerische Ministerpräsident Frhr. v. Podewtls, der würt- tembergische Ministerpräsident Dr. v. Weizsäcker, der badisch« Minister des Aeußern, Frhr. von Marschall, und die Gesandten der in dem Aus­schuß vertretenen Bundesstaaten, sowie einige Mitglieder der Reichregierung mit ihren Damen erschienen waren.

Aus der nationalliberalen Partei. Berlin, 29. Nov. DieNattonalzeitung" erklärt sich zur nochmaligen Erklärung ermächttgt, daß die Mit­teilungen, Abgeordneter Bassermann werde von der Leitung der nationalliberalen Partei zurück­treten, der Begrüichung entbehren.

Ausstellung von Eigenhaus- und Klein­wohnungsbau. Stettin, 29. Nov. In Anwesen­heit des Oberpräsidenten der Provinz Pom­mern, Frhr. v. Maltzahn-Eültz, sowie von Ver­tretern der Stadt und sonstigen Interessenten, wurde hier die erste Ausstellung von Modellen und Bauplänen für den Eigenhaus- und Klein­wohnungsbau eröffnet, die der Wiedererweckung der volkstümlichen Baukünste dienen soll.

Ausland.

** Die ungarische Krise. Budapest, 29. Nov. Zu der Audienz des Grafen Stefan Tisza mel­det derPester Lloyd": Graf Tisza habe dem König empfohlen, die Krise mtt dem gegenwär­tigen Kabinett zu lösen zu suchen.

** Die Beseitigung der finnländische« Selb­ständigkeit. Der finnländische Senat erhielt den kaiserlichen Befehl, Maßnahmen zur Auf­hebung des finnländischen Obermilitärgerichts zu treffen. An Stelle des Generals Böckmann als Eeneralgouverneur von Finnland tritt der Gehilfe des Generalgouverneurs, Generalmajor Seyn, mit Beförderung zum Generalleutnant.

Zur österreichischen Giftmordaffaire.

Wien. 29. Nov. Während die Mehrzahl der Blätter behauptet, daß der Indizienbeweis für die Schuld des Oberleutnants Hofrichter ge­schlossen sei, verweisen einige Blätter darauf, daß die schweren Beschuldigungen Hofiichters allerdings durch die Feststellung, daß er eine Schapirographenplatte in Ouartform gekauft und nach seiner Angabe vernichtet hab«, ver- stärtt werden, daß jedoch der Indizienbeweis noch vielfacher Ergänzung und Verstärkung be­dürfe, namentlich hinsichtlich der Beschaffung der größeren Quantität Zyankali. Die Familie Hofrichters, insbesondere seine Frau, ist von sei- nr Unschuld fest überzeugt. Nach Übereinstim­menden Meldungen dauert die am Samstag Nachmittag eingettetene Depression Hofiichters an, der anfangs bekanntlich völlige Ruhe und Selbstbeherrschung zeigte. Heute Vormittag wurde das erste Verhör des Beschuldigten vor dem Garnisonsgerichte vorgenommen.

Wie der Verdacht auf Oberleutnant Hof­richter gelentt worden ist, mitt» derFranks. Ztg." gemeldet: Im Gespräch mit Kameraden hatte ein Offizier des 14. Jnsanterie-Regiment» eines Namenstagsgeschenks erwähnt, das «r von Oberleutnant Hofrichter erhalten habe. Es war eine kleine braune Kartonschachtel mit der Aufschrift:Zum Namenstage 9. November 1909. Die Schachtel enthielt einen Iuxgegen- stand, der auffälligerweise auch in einem ge­wissen Zusammenhänge mit den angeblichner­venstärkenden" Pulvern steht, die der Gist- mörder an die Generafftabsoffiziere versendet hat. Im Scherz hatte der Oberleutnant noch er­wähnt, daß die Schachtel eigentlich untersuchen sollte, ob st« nicht mit jenen des Giftmischers identffch sei. Das Sicherheitsbureau ersuchte die Militärbehörde um Vernehmung des betteffen- ben Offiziers, der die Richtigkeit der Mitteilung bestätigte. Die Schachtel wurde sofott nach Wien übersandt und hier wurde feftgestellt, daß ihre Aufschrift mit den Schriftzügen auf den Adressen der Gift enthaltenden Kuverts vollständig Iben» tisch sei. Die Uniersuchungsbehörde forderte ihn auf, nach seinerPrivatwohnung, wo sie gleichfalls Haussuchung vornehmen müßten zu gehen und seine in gesegneten Umständen befindlich« Frau schonend vorzubereiten. Man wollte auf diese Weise dem Offizier Gelegenheit geben, Selbst­mord zu begehen. Hofrichter weigerte sich aber allein zu gehen, damit man nicht behaupte, et habe Beweismittel aus dem Wege geräumt.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller vttginalartikel ist gemäß § 18 be­ll rheverrechts nur mit bet deutlichen Quellenangabe

.Oberheff. Ztg.» gestattet.)

Marburg, 30. Nov.

Ein neuer Promenadenweg, der eine Ergän­zung unserer herrlichen Bismarckpromenade bildet, ist dieser Tage durch den Verschönerungsverein ferttggestellt worden. Derselbe fühtt, gleich hinter dem Bahnübergang am Südbahnhof beginnend, auf der Höhe des die Bahnlinie begrenzenden Ber­ges her, teils beschattet von alten Eichen und Kirschbäumen usw., prächtige Aussicht in das Tal und auf die Stadt bietend, bis zu dem an der Cap- pelerstraße befindlichen mit alten Bäumen um­gebenen Ruheplatz, der das natürliche Verbin­dungsglied mit der kurz dahinter beginnenden Bismarckpromenade bildet. Schon jetzt ist der Weg durch den vorhandenen alten Baumbestand zum Teil vor der Nachmittagssonne geschützt, zur Vervollständigung sind aber die bisher unbeschc'.- teten Wegteile bereits mit verschiedenen Baum­atten bepflanzt worden, und wird derselbe somit ohne Zweifel einer unserer bevorzugtesten Spa­zierwege in unserer nächsten Umgebung werden. Besonderer Dank gebühtt, wie wir hören, der Kgl. Eisenbahn-Betriebs-Inspektion für Etteilung der Erlaubnis zur Benutzung des ihr gehörigen Ge­ländes für den Weg wie ein die Bestrebungen des Versönerungs-Vereins fördernder Freund und der Marburger Bank für gewähtte finanzielle Un­terstützung.

* Staatsbeihilfen für Schnee- nud Sturm­schäden. Gegenwärtig finden in den von den letzten Stürmen am schwersten 'heimgesuchten Gegenden Erhebungen über die Beschädigung kommunalen und privaten Eigentums statt Sowohl arme Landgemeinden wie hilfsbedürf­tige Privatpersonen sollen für die Abstellung der Schäden Beihilfen aus Staatsmitteln er­halten. Für die Vernichtung von Obstbaum­anlagen will das Landwirtschaftsministerium in weitestem Maß« eintteten. So sollen auch die vom Sturm geknickten Zierbäume an Chausseen, Landstraßen und Feldwegen durch Obstbäume ersetzt werden.

)( Der Gattenbauvereiu hält freute Abend im Hotel Freidhof eine Sitzung ad. ,

Bolksnnterhaltungs Abend. Auf den morgen großen Sladffale stattfindende« Vortrags« großen MuseumSsaale stattfindenden BottragS« abend unter Mitwirkung der Konzertsängerin Frl. Verschüür aus Frankfutt (Sopran), PH. Sttöbek (Bariton), Stud. jur. Carlos Philippe (Cello) und Fritz Engel (Rezitation) weisen wir an dieser Stelle nochmals bestens hin, da derselbe genuß­reiche Stuicken versprechen dürfte. Die Zett des Beginnes ist mit Rücksicht auf den Geschäftsschluß günstig gewählt. Kattenverkauf bei der Reufeld- schen Musikalienhandlung.

Stadtthealer. Am Montag, den 6. Dezember wird Leo Falls neue erfolgreiche OperetteDer fidele Bauer' zur Aufführung gelangen. DaS Werk, das gegenwättig den Spielplan aller Operet­tenbühnen beherscht, ist von Direttor Steingötter beretts in Ems und jetzt wieder in Gießen mtt durchschlagenden Erfolg und in zahlreichen Wieder­holungen gegeben worden. Zwei Frankfurter Gäste sind für die beiden Houptgesangspartien ver­pflichtet. Die Vorstellung findtt außer Abonne­ment statt, hoch genießen die Abonnenten bedeu­tende Preisermäßigung kür die bis Samstag Abend entnommenen Billets. Näheres stehe in der Annonce.

Vortrag. Man schreibt uns: Im akademi­schen Freibund sprach am Freitag Herr Sekretär Fischer aus Hellbronn überBürgettum und Ar­beiterschaft'. Herr Fischer, der längere Zett Lei­ter der evangelischen Arbeitervereine Württem­berg sgewesen, verstand es, den Hörern ein klares Bild der in der Arbeiterschaft herrschenden geisti­gen Strömungen zu geben. Er zeigte, wie sich in der Arbeiterschaft ein Streben nach persönlicher Freiheit, nach Selbständigkeit des^Denkens reg« und in weiten Kreisen geradezu Bildungshunger herrsche. Dieses Sehnen der Arbeiterschaft soweit wie möglich zu erfftBett, sei Aufgabe des Bürger- tuntS. Pflicht des einzelnen sei es daher, an den Bestrebungen zur Bildungspflege teil zu nehmen. Auf diese Weise werde mtch der Akademiker mehr und mehr die Berechtigung der wirtschaftlichen Wünsche der Arbeiter erkennen. Die Kluft zwi­schen der wetttättgen Bevölkerung und der Bil­dungsschicht, die nach der marxistischen Anschauung unüberbrückbar sei, könne auf solche Weise geschlos­sen werden. Für die nationale Politik bringt dies uns den Gewinn, daß beim Arbeiter Staatsfreu­digkeit entstehe, und er sich nicht als denAusge­beuteten' sondern als Glied der Gesamtheit fühle. An den Bottrag schloß sich eine rege Diskussion, an der Professoren. Arbeiter, Beamte und Studen­ten für einen sozialen Ausgleich eintraten und die marxistischen Anschauugen eines Studenten zurück­wiesen.

Deutsch-Evangelischer Frauenbund. Zu dem Festabend am Freitag, 3. Dezember, um 8 Uhr in den Stadffälen:Burnand. Gleichnisse Jesu, Licht­bilder und erläuternder Bottrag des Herrn Dekan Lic. Günther' sind die Eintrittskatten in den bei­den Buchhandlungen Elwett, Reitgasse und Ebel, Wettergaffe zu haben. Die Kinderkatten verkaufen die Pedelle der verschiedenen Schulen. Selber ist es bisher versäumt worden, die Buchhandlungen an deutlicher Stelle zu erwähnen.

Stiftungsfest. Der Kreisverein Marburg im Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig feierte am Sonnabend den 27. und Sonntag den 28 d. M. in seinem VereinslokalFamilienzimmer der alten Post' sein Kjähriges Bestehen am Platze. Eingeleitet wurde die Feier am Sonnabend mit einem kleinen Herrenabend. Der Vorsitzende ge­dachte mit kurzen Worten bet wenigen Herren, di« es vor 6 Jahren unter schwierigen Verhältnisse» unternommen hatten den Kreisverein hier zu be­gründen; weiter wie es diese und später noch einige andere tüchtige Männer verstanden haben, die Mitgliederzahl in verhältnismäßig sehr kurzer Zeit zu verfünf- und sechsfachen, und wie dann auch diese Ottsvereinigung seinen Mitgfieder» schon lange dasselbe geworden ist, was die Ver­eine dieses mächtigen Verbandes in anderen Städ­ten schon lange sind:Eine gute Zufluchtsstätte aller am Platze befindlichen Handlungsgehilfe«, sowohl zu ernster Arbeit, als auch zur Pflege der Geselligkeit.' Mit einem Hoch auf den Verband schloß die Ansprache. Alsdann wechselten ernste und heitere Votträge in langer Reihe einander ab und hielten die Teilnehmer noch lange beisammen. Ein Familienabenb, der sich am Sonntag anschloß, nahm einen schonen Verlauf.

* Herr von Gerlach hält sich gegenwärtig wie­der hier auf. Gestern Abend hielt et im Höcksche» Saale eine Versammlung ab, welche die gewöhn­liche Zusammensetzung aufwtes. Dreiviettel der, Besucher waren Studenten. Herr v. Gerlach sprach über die ungerechte Verteilung der neuen Steuer» und rügte auch das Verhaften des ReichstagSabge-