Die „Gberhesstsche Zeitung*' erscheint tägllch m't Ausnahme der er-*.____ <Tu» betraat niettel*
44. Iahrg.
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Zweites Blatt
(Nachdruck verboten.)
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Hinterlandes in erwünschtem Matze. Die Etn- Ahr hat wiederum eine Zunahme aufzuweisen, und wenn nicht gerade schlechte Ernten ein- treten, die naturgemätz eine Verminderung dei Ausfuhr herbeiführen, so ist für die nächsten Jahre eine weitere Steigerung des Einfuhrhandels und eine entsprechende Erhöhung de, Zolleinnahmen der Kaiserlichen Regierung mii Sicherheit zu erwarten. Hand in Hand mit dem wirtschaftlichen Aufschwung, namentlich de« Ausfuhrhandels von Tsingtau, geht eine allgemeine Besierung der Geschäftslage der dortigen europäischen Firmen.
stimmen.
Oberleutnant -Adolf Hofrichter war der fünfte im Rang der im November zu ernennenden Generalstäbler. Sein unmittelbarer Vordermann befindet sich unter den Offizieren, welche die Kiftpillen erhielten; die drei übrigen Vordermänner blieben verschont, offenbar um die Sache weniger auffällig erscheinen zu lauen. Die Erhebungen haben ergeben, datz der Verhaftete seit dem 9. November nach Böhmen beurlaubt war und am 16. November in die Garnison zurückkehrte. Er blieb bis zum 13. N^ vember in Linz und reiste in der Nacht nach Wien wo er am 14. November früh nach seiner Ankunft die Briefe der Post übergab. Eine Woche früher hatte Hofrichter einem Linzer Kameraden in einer Schachtel, welche mit den an die Generalstäbler gelangten Schachteln identisch ist," ein Namenstagsgeschenkt geschickt. Die Schritt,mge bei dieser Sendung wurden von Sachverständigen mit den Schriftzügen bei den Briefumschläaen der Eiftbriefe für identisch erklärt. Die Erhebungen in Linz haben ergeben, datz Hofrichter die OblatenKapseln- Echachteln und Briefumschläge tatsächlich bei Linzer Firmen eingekaust hatte. Zwei solcher Schachteln wurden bei der Revision in seinem Schreibtisch gefunden; auch 10 Oblaten-Kapseln wurden gefunden, die denjenigen völlig gleich sind, die an die Generalstäbler gesandt wurden. Der verhaftete Oberleutnant erklärte, datz er darin Bandwurmpillen für Hunde aufbewahren
Was Gott rulammenaefügt —.
Roman von H. Eourths-Mahler.
(Rortfefruna.l
Eva hatte inzwischen Mary mit hinausgezogen um ihr die neuen Puppen zu zeigen, die das Christkind gebracht hatte. Paula war ihnen unbemerkt gefolgt.
Renate sah mit scheuer Glückseligkeft zu Georg empor. „ „„
„Wirklich, lassen Sie es uns nicht entgelten?"
„Wie sollte ich so töricht sein, gnädiges Fräulein? Ihr Herr Vater übernahm Rodenfels zu einem Preis, den es in einer Versteigerung kaum erreicht hätte. So konnte wenigstens die Schuldenlast gedeckt werden, und ich kann als ehrlicher Mensch jedem frei ins Auge sehen. Das ist viel! Und im Grunde danke ich das Ihrem Herrn Vater. Ich hoffe, ihn später einmal kennen zu lernen und ihm das sagen zu dürfen."
Renate hatte fetzt keine Zeit, daran zu denken wie ihr Vater wobl die Bekanntschaft nnt dem Sohn« des Mannes auffassen würde, von dem er oft so verächtlich gesprochen hatte Sre vergaß jetzt alles über der Eewitzhert, datz Georg ihr nicht zürnte.
Er sah. datz sie allein waren und blieb dicht 'gor ihr stehen.
„Das neue Jahr scheint für mich unter einem glücklichen Stern zu beginnen, gnädiges Fräulein."
Sie hatte sich gefaßt.
V »Wie meine« Sie das?" , , ,,
£ »Weil ich Sie noch einmal sehen darf, «he ich
Marburg
Dienstag 30. November 1909
deutschfeindlichen Artikel veröffentlicht, in dem er nichts weniger als die Aufteilung Preußens forderte, das eine stete Gefahr für die anderen Staaten bedeute. Die russische Regierung beeilte sich, diese Phatafieen als das zu bezeichnen, । was sie find, und zu verurteilen; besondere Bedeutung hat das Gewäsch nicht. Der tapfere Fürst hat aber seine Gnade wollen walte» lasten und die Wiederherstellung der früheren selbstständigen Deutschen Staaten wie Hesten, I Hannover durch die vereinigten and«ren„Kul- I tur"Staaten, England, Frankreich und Rußland, I «ach ihrem Siege über Deutschland befürwortet. I Eine äußerst treffende Antwort, deren man sich I freuen darf, wird ihm nun in den „Hessischen I Blättern", dem Organ der hessischen Parttku- | laristen, zuteil. Da heißt es:
„Da der Fürst Swiatopolk-Mirsk, so gnädig I ist, auf einer mitteleuropäischen Zukunftskarte I auch unser Kurhessen und die anderen von I Preußen annektierten Länder wieder aufleben I zu lasten, so wird es nicht überflüssig sein, uns I solche Unverschämtheiten auf das nachdrück- I ljchste zu verbitten. Was wir Annektierten mit Preußen auszumachen haben, geht nur Deutsch- I land, das Ausland aber von Haut und Haaren I nichts an. Eine Wiederherstellung unserer ver- I gewaltigten Länder von Rusten, Franzosen und I Engländern entgegennehmen zu müsten, würden I wir als ein noch größeres Unglück als die I preußischen Annexionen empfinden; und wenn I wir sie gar, wie der rustische Fürst ankündigt. I mit einer weiteren Zerreißung und Ber- I kleinerung Gesamtdeutschlands erkaufen sollen, I so werden wir uns dagegen in fester Gemein- I schaf mit allen übrigen Gliedern des großen I Vaterlandes, zu dem allerdings auch Oesterreich I gehört, bis aufs äußerste zur Wehre setzen. Das mögen sich Fürst Mirski und seine amtlichen I russischen Hintermänner ein für allemal
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Lastet. 26. Nov. Die Vorbereitung des Ar beitsausschustes für den 1. Casseler Schaufensterwettbewerb vom 1. bis einschließlich 5. Dezember sind mit Erscheinen der offiziellen Zeitung , Gaffel im Zeichen des Verkehrs" beendigt. Um den auswärttgen Besuchern zeitig einen Ueber- blick über das während der Casteler Verkehrstage Gebotene zu ermöglichen, ist die Zeitung auch in unsrer Stadt, zum Preise von 10 -3 zu erhalten. Die reich Illustrierte offizielle Verkehrszeitung enthält neben einem Führer durch die Stadt und verschiedenen Aufsätzen, das Verzeichnis der Teilnehmer am Wettbewerb, der Preise, Freikonzerte usw. Besonderen Wert verbleiben dem Blatt die beigehefteten Ver- günstigungsscheine für den Besuch von Hof. theater, Varietees, Kinematographen, Pan^ rama usw. Bemerkt sei noch, daß am Sonnabend den 4. Dezember, Nachmittags, im Kgl. Hos- theater die beliebte Operette „Luftige Witwe" zu kleinen Preisen aufgeführt wird. Die Offizielle Zeitung kann auch vom „Arbeiterausschuß für den Schaufenster-Wettbewerb" Cassel Rathaus, gegen Einsendung von 0,15 cM. in Briefmarken portofrei bezogen werden.
G Hanau. 28. Nov. Bom Landescws-'cknsse ist der Beschluß gekaht worden, für den Umbau del medizinischen Männerabteilung des Hanauer Landkrankenhauses die Summe von 100 000 M i« den außerordentlichen Etat des Bezirksverban- des fitt 1910 einzustellen.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und KrrchHam
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wSchentl. Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage'
ist geklärt. Der Wiener Polizei ist es gelungen, den Absender der Cyankalibriefe an Generalstabsoffiziere in der Person des Oberleutnants Hofrichter in Linz festgestellt. Die Verdachts, gründe, welche gegen ihn vorlagen, find nach einer Meldung der „Reuen Freien Presse" folgende: Sein krankhafter Ehrgeiz, seine Rück- ichtslosigkeit, ferner, datz er als passionierter Photograph sich Cyankali leicht verschaffen konnte, und datz er zu der krittschen Zeit von Linz beurlaubt war. Wie eine Umfrage bei seinen Verwandten ergab, hielt er sich in der Zeit zwischen dem 11. und 14. d. M. in Wien auf; es wurde auch ermittelt, datz der Offizier sich bei einem Papierhändler in Linz eine größere Anzahl Schachteln beschafft habe, welche mit den Eiftschachteln vollständig überein-
M2 Sonn, und Feiertage. — D« Be,unspreis betragt merkt.
Jtl 2oU jährlich durch die soft bezogen 2,25 StL (ohne Bestellgeld), be, unfern Zeitungsstellen und der Erped,tion (Markt 21,) 2 Mk.
wollte. Ferner wurde festgestellt, datz sich Hofrichter über die Art und Weise der Oblatenfüllung informiert hat. Das Verhör des Verdächtigen dauerte von 3 Uhr nachmittags bis . 11 Uhr abends. Er nimmt eine unbewußte Hal- tun« ein und leugnet die Täterschaft entschieden, l KJvUvUUllyVlv I Trichter ist seit drei Jahren verheiratet; seine
l für den Monat Dezember. I Frau sieht ihrer Entbindung entgegen. Ueber
Leitung" nebst die Art der Eistbeschaffung herrscht noch Dunkel.
«nf dre „Ob er hessische Zeitung v Hofrichter ist hervorragender Amateurphoto-
Ihren Beilagen werden von unserer Expedi- I ^öph > .
ttoit (Markt 21), unseren Ausgabestellen in I Wie die Polizeikorrespondenz mitteilt, fft | ^irchbain Neustadt und Wetter, sowie bei dem Oberleutnant Hofrickter auch emFlasch-
»4rchstatn, xeuypi ' '__*cn Kopiertinte gefunden worden. Obwohl
von Men Postanstalten und Landbriestriger« I Gutachten von Sackverständigen über diese rntgegengenommen. I Tinte noch nicht vorliegt, so dürfte sie doch mit
I der Tinte identisch sein, die bei der Ausfertrq-
—--~~ I ung von Reklamezettel verwandt worden ist,
<T\;« gnhwr ßiiftmnrhnffatre I die den Giftpulvern beigeleaen haben. Der
L)ie Lviener Ijunrnuiuunuuc. I Militärobergerichtshof hat bereits das Gar
nisonsgericht in Wien mit dem weiteren Verfahren gegen den Oberleutnant Hofrichter betraut, der in der nächsten Woche voraussichtlich diesem Gericht überwiesen wird.
Die „Franks. Ztg." weiß weiter zu berichten: Hofrichter scheint auf Grund des seinerzeitigen Kriegsschulranges, wonach er als fünfter noch mit dem 1. November in den Generalstab übernommenen Hauptleuten für die Einberufungen in den Eeneralstab in Betracht gekommen wär«, angenommen zu haben, daß er nach Beseitigung von mindestens fünf Vordermännern in den Eeneralstab kommen würde. Er scheint nicht gewußt zu haben, datz auf Grund seiner mittlerweile geänderten Dienstbeschreibung an seiner Berufung zum Eeneralstab auch bei Abgang von fünf Vordermännern gar nicht gedacht worden wäre.
Wien, 28. Nov. Trotzdem das Beweis- material bezüglich der Aehnlichkeit der Handschrift des Begleitschreibens und bezüglich der Schächtelchen der Oblaten und des Aufenthaltes Hofrichters in Wien immer mehr den Schuldbeweis verdichtet hat, verblieb Hofrichter nach übereinstimmenden Meldungen bisher beim hartnäckigen Leugnen. Es ist immer noch nicht vollständig ausgeschlossen, datz es sich um eine unselige Verkettung von Umständen handelt. Hofrichter, der die Kadettenschule mit ausgezeichnetem Erfolge absolvierte, galt als ein überaus ebraeiziger Offizier, und in seiner Charakteristik begegnet man vielfach dem Vorwurf des Strebertums. Während einerseits das Svmpatbische wegen der allgemeinen Beliebtheit Hofrichters hervoraehoben wird, wird er andererseits als verichlosien. wenig kameradschaftlich und bei der Mannschaft als nicht sehr beliebt geschildert. Während seiner letzten Studienzeit in der Kriegsschule soll Hofrichter ein aufaeregtes Wesen und Nervosität gezeigt haben.
Wien, 28. Nov. Oberleutnant Hofrichter fft heute unter Bedeckung hier eingetroffen und dem Garnisonsgericht überwiesen worden.
merken."
Gute Nachrichten aus Kiautschou.
Seit Beendigung des rusiisch - japanischen Krieges hatte in ganz Ostasien der Handel unter einem allgemeinen Druck zu leiden, der sich noch infolge der nordamerikanischen Krisis vom Herbst 1904 verschärfte. Auch Kiautschou wurde davon in Mitleidenschaft gezogen und man glaubte dort, besiere Zeiten nicht sobald erwarten zu dürfen. Inzwischen ist eine angenehme und erfreuliche Enttäuschung eingetreten. Wie der „Deutschen Kolonialzeitung" von gut unterrichteter Seite aus Tsingtau mitgeteift wird, haben nach den Ermittelungen des Seezolldirektors Ohlwer daselbst die Zolleinnahmen für das letzte Jahr vom Oftober 1908 bis September 1909 zum erstenmal die Million Taels (3,4 Millionen Mark) überschritten. Auch die Ausfuhr, der wunde Punkt des Handels, ist in andauernder Zunahme begriffen. Der Wert der Ausfuhr belief sich im Jahre 1907 auf 8 Millionen Taels (27,2 Millionen Mark) im ^abre 1908 auf 12 Millionen Taels (40,^Millionen Mark) und im Jahre 1909 auf 15 Millionen Taels (51.0 Millionen Mark). Alle Anzeichen svrechen dafür, datz das weitere Anwachsen der Ausfuhr von Dauer sein wird. Infolgedessen erhöht sich die Kauffähigkeit des
„Ja. Das Beste hatten wir uns für zuletzt aufgehoben."
„Dann müssen Sie heute Mittag meine Gäste sein? Ja?"
Renate sah Mary an. Sie dachten beide daran, datz Bernhard Trautmann nachmittag kommen wollte.
„Wir müssen aber um vier Uhr zu Hause sein, weil wir Besuch erwarten," sagte Renate und sah. wie sich die ängstliche Spannung in Marvs Gesicht verlor.
„Bis dahin ist noch lange Zeit. Also Sie bleiben?" ~
„Gern, wenn Sie bitte an Frau Werner telephonieren lassen wollen, daß wir später kommen."
„Das soll geschehen."
So blieben die Schwestern. Mary war schr vergnüat und Georg lochte einige Male herzlich über ihre drolligen Bemerkungen. Bei Tisch saß sie neben Eva und die beiden amüsierten sich köstlich über allerlei Kunstfertigkeiten, die Mary ausllbte. Mit Hilfe von Brotkrume, Orangenschalen und dergleichen fabrizierte sie originelle Figuren, die bei Tisch ein ganzes Drama aufführten.
Renate und Georg saßen sich gegenüber und tauschten bedeutsame Blicke.
Niemand schien etwas davon zu bemerken. Er erkundigte sich bei ihr nach Mamsell Wollmann und Gustav und trug ihr Grütze an diese auf.
Aber die wenigen Stunden verrannen leider nur zu schnell und die Schwestern mußten aufbrechen.
Als sich Renate und Georg verabschiedeten, sagten sie kein Wort, fie blickten sich nur stumm Ins Erficht. Und als er ihr« Hand fest drückt«,
(Die Iniertionsgebühr beträgt für ine 7gefpaltenejjetle ober beten Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: F°h. Ang. K-ch, llnwerütatsbu tzstuckett, Inhaber Dr. E. Sitzerath, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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Literarisches.
»* Wilhelm von Humboldt in seinen Briefen. Ausgewählt und cingeleitet von Dr. Karl Sell, Professor an der Universität Bonn. Mit 3 Bildnissen (Deutsche Charakterkäpfe, Bd. 7)., Preis 3 Berlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin. — Zu der Kraft und dem unvergleichlichen Glanz der deutschen Geistesentwicklung im Malter unserer klassischen Literatur am Ende des achtzehnten Jahrhunderts har ridfc wenig beigctragen der für unsere großen Di-Hkr i >t‘o Denker aufs höchste förderliche Umstand, daß sie das Glück harten. Zeitgenossen neben und um sich haben, die sofort ihren Werken und ihrem innerste-. Streben jene» Verständnis. jene fruchtbare Bewunderung cntgegenbrockiwn. bte die Schaffenden zu im ner neuen Anstrengungen deklit- geln. Unter diesen nut einer unvergleichlichen Gabe des künsuerlfchem Genießen» und des unbestechlich tvahrhasr»p--n ll-tei'S ausgerüsteten Freunden Schillers und Go-Hes s.-ht obenan Wilhelm u. Humboldt. Und denselben Mann rechnen mir unter die größten Staatsmänner Preußens im Zeitalter Ver Befreiung»« kriege; er ist der eigentliche Begriinder der Berliner
fühlte ci Meetigt, daß Re den Druck scheu und leise, abii doch bemerkbar für ihn zurückgab. —
Und dann «aßen die Schwestern im Wagen still nebeneinander. Endlich sagt« Mar» lächelnd:
„Du, Renate — dieser Georg von Rodenfels ist ein prächtiger Mensch, der gefällt mir ausnehmend. Dir auch?"
Renate schrak empor aus ihren Träumen.
„Wie meinst Du?"
Mary lachte.
„Schläfst Du mit offenen Augen, Renate? Ich frage Dich, ob Dir Herr von Rodenfels fe gut gefällt, als mir."
„D ja.«
„Hm — das ist kurz und erbaulich. Jedenfalls bedaure ich sehr, daß er morgen schon wieder abreist. Dir ist das natürlich sehr gleich- aültia nicht wahr?«
Sie sah mutwillig in Renates Augen, di« sich getrübt hatten. Da revoltierte Marys gutes Herz, es war ihr bedrückend, die Schwester traurig zu sehen. Sie legte zärtlich den Arm um ihre Schulter und kützte sie auf die Wange,
„Ich bin garstig, Renate, ich quäle Dich." Renate wurde glühend rot.
„Du mich? O nein, gar nicht."
Mary faßte ihre Hand.
„Renate, wir haben doch alles mit einander geteilt, Leid und Freud. Ich habe Dir auch immer alles anvertraut und will Dir nun auch sagen, daß Bernhard Trautmann mir sehr teuer ist und datz wir uns verloben werden, sobald er im Laboratorium angestellt ist."
„Liebes Herz, ich wußte, daß Ihr Euch liebtet, wenn Du mich auch diesmal nicht ringe- .cu_, *. _u 4
C ' < . . (Fortsetzung folgt.)
Politische Umschau.
Ein rechtes Wort?
Der russische Fürst Swiatopolk-Mirski hat kürzlich einen außerordentlichen gehässigen abreise. Weichen Sie mir ein gutes Andenken bewahren?" „
Das werde ich gewiß?" erwiderte sie ernst.
„Und darf ich zuweilen du ch Frau Professor Hardenberg einen Gruß an Sie gelangen lassen?«
„Ich werde mich immer freuen, von Hhnen zu hören.«
„War das nicht nur eine höfliche Phrase?" fragte er mit unterdrückter Stimme.
Sie sab ihn an. Ein feuchter Schimmer lag in ihren Augen.
„Nein, es ist Wahrheit."
„Und ich darf sagen: Auf Wiedersehen?" „Auf Wiedersehen?" gab ft: leise zurück.
„Ich werde immer an dieses freundliche Wort denken," sagte er bewegt.
Noch ein lanaer, fester Blick in die klaren, goldig schimmernden Mädchenauqen, aus denen so viel Seelengüte leuchtete. Das Herz wurde ihm eng in der Brust. Dann trat er von ihr zurück und fragte in beherrschtem Tone, wie sie Silvester verlebt hätte.
Sie antwortete in gleicher Weise. Beide wußten aber, datz sie von dieser Stunde zehren würden lange Zeit.
Dann kamen die anderen wieder zurück. Paula trat zu Renate.
„Nun liebes Kind, hat Sie Herr von Rodenfels überzeugt, daß er nicht ungerecht ist?"
Renate konnte lächeln.
„Ich war wirttich fäjt erschrocken, liebe, gnädige Frau?"
„Das merkte ich Ihnen an. Aber nun ist alles wieder gut, nicht wahr?"
„Ganz gut.«
„Schön — und nun — sind Sie mit Ihrer Besuchstournee fertig?*
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