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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".

M 280

DieGbertzesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei ünsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21j) 2 Mk.

Marburg

Dienstag 30. November 1909.

Die JusertlonsgebLhr beträgt für die 7gehaltene Zell« oder deren Raum 18 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck uno Berlag: Joh. Tug. Roch, UnloersitätSbuchdruckerei Indaber Dr. L. Hitzero th, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrg.

Erstes Blatt.

Dr. Böhme

an Amtsgerichtsrat Lattmann.

Abgeordneter Dr. Böhme veröffentlicht in der Korrespondenz des neuen Bauernbundes folgenden offenen Brief an seinen früheren Parteigenossen Amtsgerichtrat Lattmann. Da wir seiner Zeit die Ausführungen Lattmanns veröffentlichten, geben wir nun auch Herrn Dr. Löhme das Wort. Sein Urteil wird sich nun jeder Leser schon selbst bilden.

Dr. Böhme schreibt:

Sie haben es für gut befunden, in den Deutschen Tageszeitung" gegen mich den Vor­wurf zu erheben, ich hättr aus vertraulichen Ge­sprächen, Fraktionssitzungen und Briefen der Öffentlichkeit Mitteilungen übergeben. Wie liegt iit Wirklichkeit der Sachverhalt? In Eisenach erließen Sie von der Partei wegen jenen Uka» gegen mich, der völlig einseitig mei­nen Austritt aus der Partei und die Ueber- nähme der Geschäftsführung des Deutschen Bauernbundes verurteilte, ohne auch nur im geringsten aus der anderen Seite die Haltung des Bundes der Landwirte zu kritisieren. Die ganze Öffentlichkeit, namentlich auch die Wähler in meinem Kreise, muhten annehmen, daß ich nach Ansicht der Partei, somit völlig zu Unrecht dem Bunde der Landwirte gegenüber getreten sei. Sollte ich nicht überhaupt mund­tot sein, so mutzte ich sagen, wie es der Wahr­heit entsprach:Dieselben Leute, die diesen Be­schluß gegen mich mich gefaßt haben, sie haben genau so wie ich, ja noch schärfer das Vertrauen des Bundes der Landwirte verurteilt.

Was war nun vertraulich von meinen Mit­teilungen? Die Blamage, daß der Partei­führer, Herr von Liebermann, zunächst bei be­stimmten Entgegenkommen der verbündeten Regierungen die Annahme der Erbanfallsteucr in Aussicht stellte und dann, nachdem diese er­füllt waren, unter dem Druck der vom Bund der Landwirte entfesselten Agitation doch dagegen stimmte, war kein Geheimnis, sondern vollzog sich öffentlich im Reichstag. Daß Herr von Liebermann, wie ich behauptete, aufs schärfste das Verhalten des Bundes kritisiert hatte, war ebenfalls kein Geheimnis. Es geschah z. V. offen Herrn Dr. Hahn gegenüber, und Dutzende von Parlamentariern der verschiedensten Par­teien standen dabei. Es geschah ferner öffentlich am Fraktionstische, in der Gegenwart von Gästen, die teilweise erheblich Anstoß daran nahmen. Auch das war kein Geheimnis. Was stammte also aus vertraulichen Gesprächen? Sie machen alles vertraulich, was Ihnen zur Zeit nicht in den Kram paßt.

Wie ging die Sache dann weiter? Zahlreich« Zuschriften erhielt ich, in denen ich gefragt wurde von Leuten, die für mich viel ge­arbeitet hatten:Warum sind Sie aus der Partei ausgetreten?" Es wurde mir vielfach geschrieben:Gegen den Bund der Landwirte war es notwendig, vorzugehen. Wir stehen

Schutz der Natur und Bund Heimatschutz.

Der Geschäftsführer de, Bundes Heimat- fchutz, Herr Fritz Koch in Meiningen, Feodoren- straße 8, schreibt uns: Ein Berliner Komitee versendet jetzt Aufrufe zur Gründung eines Deutschland und Oesterreich umfassendenBun­des zur Erhaltung der Naturdenkmäler aus dem Tier- und Pflanzenreich". Es möchtealle ein­schlägigen Bestrebungen zusammenfassen und ihnen so mehr Nachdruck verleihen". Was dieses Komitee anstreben will, ist nun aber seit über 5 Jahren durch den Bund Heimatschutz und die ihm nahestehenden Heimatschutzvereine für ein­zelne Gebietsteile oder Orte in die Tat umge­setzt. Der Bund Heimatschutz besitzt heute ge­nügende Verbreitung und Geltung, um Jedem, der ernstliches Interesse für seine Bestrebungen hat, bekannt zu sein. Es ist zu verwundern, daß das Berliner Komitee ihn nicht kennt, oder daß es mit Absicht eine Gründung neben ihm ins Auge faßt. Statt der vom Komitee ge­wünschten Zusammenfassung würde diese Grün­dung demnach zu einer Zersplitterung der Kräfte führen. Es ist Pflicht des Bundes Hei­matschutz, int Interesse der Sache nachdrücklich auf diese Umstände hinzuweisen. Der Zweck des Bundes Heimatschutz, wie ihn die Satzungen bestimmen, ist, die deutsche Heimat in ihrer natürlichen und geschichtlich gewordenen Eigen­art zu schützen und die gesamte deutsche Heimat­schutzbewegung zusammenzufassen. Er erstrebt insbesondere: 1. den Schutz der Natur: Schutz der einheimischen Tier- und Pflanzenwelt, so­wie der geologischen Eigentümlichkeiten (Pflegt bei Naturdenkmäler); Schutz der Eigenart der Landschaftsbildes, 2. den Schutz und die Pflege bei Werke: Schutz der aus früherer Zeit über­

vollständig auf Ihrem Standpunkt; aber aus der Partei hätten Sie nicht austreten dürfen." Auch da habe ich lediglich den Grund ange­geben die Notwendigkeit, als Geschäftsführer einer solchen Organisation parteipolitisch neu­tral zu bleiben. Dann wiederholten sich die Anfragen. Gerade der Austritt wurde mir zum Vorwurf gemacht auch auf Ihrer Eisenacher Besprechung. Habe ich nicht die Pflicht gehabt, gegenüber derartigen Vorwürfen zu sagen, daß es auch die Partei war, die mich zum Austritt veranlaßte? Sie wundern sich darüber, daß ich die Aeußerung behalten habe. Ihnen mag sie auch mehr oder weniger gleichgültig gewesen sein, für mich war sie entscheidend für me>n Verbleiben. Sollte ich nicht berechtigt sein, diesen wahren Grund anzugeben? Lange genug habe ich geschwiegen aus Rücksicht auf die Par­tei. Nachdem Sie es aber für gut befunden hatten, zur Ausführung des Eisenacher Be­schlusses nach Marburg zu kerumen, da war end­lich der Zeitpunkt gekommen, an dem ich den Mitgliedern der deutsch-sozialen Partei und nur um eine Mitteilung an diese, nicht um ein Flugblatt handelt es sich verpflichtet war, den Grund zu nennen.

Hätten Sie von selbst die Anstandspflicht erfüllt, offen zu erklären:Der Austritt aus der Partei ist Dr. B. nicht zum Vorwurf zu machen, denn ich habe ihm selbst gesagt, daß wir ihn ausschließen müßten," dann wäre es nicht notwendig gewesen, daß ich meinerse is diese Tatsache bekannt gab. Allerdings hätten dann meine Freunde gewußt, daß ich nicht aus Untreue gegen diePartei oder aus irgendwelchen anderen Gründen ihr den Rücken gekehrt habe, sondern lediglich deshalb, weil die Partei nicht den Mut hat, dem Bund der Landwirte offen entgegenzutreten, obwohl ihre führenden Mit­glieder genau ebenso wie ich das Verhalten des Bundes der Landwirte verurteilt haben. Daß dies nunmehr bekannt ist, ist Ihnen naturgemäß sehr schmerzlich. Daß Sie diese Veröffentlichung in derDeutschen Tageszeitung" brachten, an­statt in Ihnen näher stehenden Blättern, ist ein Beweis dafür, wie Sie vor allem von dem Bestreben geleitet sind, sich dem Bunde der Landwirte in ein günstiges Licht zu setzen. Daß Sie von Freundschaft reden und sich nich^genug tun können in den vorher erwähnten Anwürfen, ist kennzeichnend für Ihre nunmehr beliebte Kampfesweise. Sie appellieren an den kleinen Mann, Sie werden damit kein Glück haben, denn gerade in den einsamen Schichten unseres Volkes ist ein feines Gefühl vorhanden für die Unterschiede zwischen rücksichtslos durchgreifen­der lleberzeugungstreue und der Art, wie Sie zurückweichen vor den Machtanfprüchen des Bundes der Landwirte."

Zur Eröffnung des Reichstages.

Wie jetzt feststeht, werden dem Reichstage außer dem Etat und verschiedenen Handelsver­trägen noch weitere Gesetzentwürfe, darunter auch die Reichversicherungsordnung, vorgelegt werden. Aber auch die bevorstehende preußische Landtagssession wird voraussichtlich nicht rein

nommenen Werke, der Bauten, beweglichen Ge­genstände, Straßen- und Flurnamen (Denkmal­pflege); Pflege und Fortbildung der überlie­ferten ländlichen und bürgerlichen Bauweise, Volkskunst auf dem Gebiet der beweglichen Gegenstände^ der Sitten Gebräuche, Feste und Trachten. Der Bund schließt also durchaus die­selben Ziele mit ein, wie sie vom Berliner Ko­mitee genannt werden. Daß die Bestrebungen des Bundes nicht auf dem Papier stehen ge­blieben sind, ist doch auch zur Genüge bekannt: Er ist stets darauf bedacht gewesen, in Deutsch­land und Oesterreich für den Heimatschutz zu sor­gen und hat seine Organisation durch die Grün­dung von Landes- und Ortsvereinen ausgebaut. Gerade auch die österreichischen Heimatschrrtzver* eine für Tirol, Steiermark und Salzburg find in enger Fühlung mit ihm entstanden. Nahe freundschaftliche Beziehungen verbinden den Bund mit den Heimatschutzorganisationen in der Schweiz und Frankreich und auch mit gleich- strebenden Kreisen in Holland und Schweden. Ueber die Fortschritte der Organisation und die Fülle der geleisteten Arbeit auf allen Gebieten des Heimatschutzes berichtet die vom Bund her­ausgegebene ZeitschriftHeimatschutz" und die Zeitschriften und Jahresberichte der Einzel­vereine, so z. B. des Sächsischen Heimatschutzes, der Landesgruppe Brandenburg des Bundes H.imatfchutz, des Heimatbundes Mecklenburg, des Württembergifchen Bundes für Heimatschutz. Daneben behandeln die Zeitschriften eingehend wichtige Einzelfragen des Heimatschutzes. Das letzte Heft der Bundeszeitschrift war gerade fast ausschließlich dem Naturschutz gewidmet. Es muß hervorgehoben werden, daß für den Schutz der Statur einschließlich der Bestrebungen, die sich lediglich auf den Schutz der sogenannten

geschäftlich sein, sondern gleichfalls gesetz­geberische Arbetten von Bedeutung bringen. Man wird eben in bet Annahme nicht fehlgehen, daß die Regierung der auch in der Presse ver­tretenen Auffassung zuneigt, das geeignetste Hilfsmittel gegen den bedauerlichen Partei­hader sei in dem praktischen Zusammenarbeiten der Parteien zu positiven gesetzgeberischen Lei­stungen zu suchen. Diese Auffassung hat natur­gemäß die gleiche Bedeutung für Preußen wie für das Reich. Man wird aber damit rechnen müssen, daß in der takischen Behandlung der Arbeitsprogramme der parlamentarischen Kam- pagnien gegen früher eine Aenderung einge- tieten ist. Die vom Fürsten Bülow vielfach mit Erfolg angewandte Methode, zunächst Fühlung mit den Führern der politischen Parteien zu nehmen und das Ergebnis dieser Beratungen für die parlamentarische Aktion der Regierung zu verwerten, erscheint zur Zeit schon wegen der argen Parieizerklüftung und der gegenseitigen Verhetzung der Parteien nicht wohl anwendbar. Es dürste daher erst auf der Grundlage der den parlamentarischen Körperschaften unter­breiteten gesetzgeberischen Vorlagen mit den politischen Parteien verhandelt werden. Schon aus diesem Grunde, wenn auch nicht keineswegs allein um desselben willen, wird endlich anzu­nehmen sein, daß für die Gestaltung der Vor­lagen der Regierung nicht sowohl Rücksichten der Tagespolitik als sachliche Erwägungen dauern­der Natur maßgebend sein werden.

Deutsches Reich.

Der neue Oberpräsident von Schlesien. Breslau, 27. Nov. Der neue Oberpräsident von Schlesien, der bisherige anhalttsche Staatminister von Dallwitz, wurde im Jahre 1855 geboren. Er trat im Jahre 1879 als Referendar in den Staats­dienst, wurde 1884 Regierungsasseflor, 1887 Land­rat des Kreises Lüben, 1900 Hilfsarbeiter int Mi­nisterium des Innern, 1901 Vortragender Rat und im Jahre 1903 anhaltischer Staatsminister. Ober­präsident von Dallwitz vertrat stüher im Abgeord­netenhause den Kreis Glogau und gehörte zu den Landräten, die wegen ihrer Abstimmung bei der Beratung der Kanalvorlage gemaßregelt wurden.

Der Reichstagsabgeordnete Schack, Vertreter des Wahlkreises Eisenach-Dermbach, hat in einem im Reichstagsbureau eingeangenen Schreiben fein Mandat niedergelegt. Wie das Reich* mitteill, hat sich Schacks Zustand soweit gebessert, daß er demnächst aus der Hellanstalt tut« lassen werden kann, wenn er auch noch voraussicht­lich längere Zeit in ärztlicher Behandlung verblei­ben und von jeder anstrengenden geistigen Tätig­keit ferngehalten werden muß.

Amtliches Wahlresultat. Halle a. S 27. Nov. Rach dem vorläufigen amtllchen Ergebnis erhielten bei der Reichstagsersatzwahl im Wahl­kreise 4 Merseburg Schriftsteller Kunert (Soz.) 26 026 Stimmen, Stadtverordneter SKimann-Ber- lin (frs. Vp.) 21549 Stimmen. DiePost* meint zu dem Ausfall:Die Agitation der Sozial-

Naturdenkmäler beschränken, besser gesorgt ist, wenn et in naher Fühlung mit den übrigen Ge­bieten des Heimatschutzes steht. Nicht nur der Machtentfaltung halber: Professor Rudorfs hat in seinem grundlegenden BuchHeimatschutz" (Verlag Callwey, München), das den Anstoß zu der ganzen Bewegung gegeben hat, dargetan, wie alle Bewegungen zum Schutze bet Heimat zusammengehören und sich vereinigen müssen zu einer großen Kulturbewegung. Im Hinblick auf diese große Zeit ist der Bund gegründet worden. Es könnte keinen größeren Rückschritt geben, als wenn jetzt die einzelnen Gebiete des Heimat­schutzes auseinandergerissen würden und der Blick auf die großen Zusammenhänge verloren ginge.

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Die höchsten Eisenbahnen der ^öclt.

Europa wird sich nie rühmen können, die höchste Eisenbahn der Welt zu besitzen; denn stlksst, wenn die projektierte Bahn auf Europas höchsten Berg, den Montblanc, zur Wirklichkeit wiid, so würde sie doch noch hinter den Anden- bahnen Südamerikas zurückbleiben, die schon j-bt. der bedeutenden Meereshöhe der Anden­pässe entsprechend, ganz beträchtliche Steigungen zu überwinden haben. Außerdem handelt es sich im elfteren Falle nur um solche Bahnen, die zur größeren Bequemlichkeit der Touristen er­baut ftnb, während die südamerikanischen Bah­nen einem ernsten Verkehrsbedürfnis ihren Ur­sprung verdanken.

Die höchste Eisenbahn der Welt besitzt Peru. Sie verbindet Callao und Lima mit Cerio de Zasco, und liegt in dem Meig-Tunnel bei der Piedra-Parodi 4834 Meter Über Meereshöhe.

demokratte war gewaltig. An Verdrehung bet Tatsachen lieferten sie das Menschenmöglichste, mch die verhaßte Steuerreform kam tot jeglicher av- sptechenden Form aufs Tapet, so daß die Lauen, die Unentschlossenen, die Mitläufer fast alle für bta Sozialdemokratie gewonnen wurdet!. Die bürger­lichen Parteien wollten und konnten mit derartigen Verdrehungen, die dem Ohre des Steuerzahlers stets genehm Hingen, nicht operieren, daher ging die Masse der übet 4000 Mitläufer und Unent­schlossenen, die 1907 für den bürgerlichen Kandi­daten stimmten, wieder zu dem Sozialdemokraten übet.* Bekannt ist ja auch, daß die Herten Demo­kraten direkt für den Sozialisten eingetreten sind.

Neues Linienschiff. Bremen, 27. Nov. DaS LinienschiffErsatz Beowulf* ist heute Nachmittag auf der Werst der Aktiengesellschaft Weser in Grö- pelingen glücklich vom Stapel gelaufen. Der Groß- herzog von Sachsen-Altenburg hielt die Taufrede. Die Herzogin von Sachsen Altenburg taufte das Schiff auf den NamenThüringen*.

Einjährig Freiwillige beim Lustschiffet- batalllou. DieFrff. Ztg.' erfährt hierzu: Es kommt häufig vor, daß junge Leute sich zum ein« jährig-freiwilligen Dienst beim Lnftschisfer-Ba- taillon melden. Diese werden, wie wir erfahren, jetzt ausnahmslos abgewiesen, da vorläufig Ein­jährig-Freiwillige bei diesem Truppenteil noch nicht eingestellt werden. Es fehlt dort am nötigen Personal zu ihrer Ausblldung. Auch ist es nicht möglich, datz ein Elnjährlgen-Unterossizier der Re­serve seine Uebung bei dem Luftschiffer-Bataillon ableisten kann. Um aber doch für späterhin Re­serveoffiziere für den Lustschiffdienst zu haben, ist man im vorigen Jahre dazu übergegangen Re­serveoffiziere der verschiedensten Truppenteile zum Lustschiffer-Bataillon zu einer achtwöchentlichen Uebung zu kommandieren. Das soll auch in die­sem Jahre geschehen. Allerdings tragt man sich mit dem Gedanken, in absehbarer Zeit auch Ein­jährig-Freiwillige bei dem Luftschiffe! Bataillon einzustellen, wenn eine entsprechende Vermehrung der Lustschiffertiuppen erfolgt sein wird, und wen» man sich erst vollkommen klar über die Organisa­tion unserer Lustschiffertiuppen ist.

Polnische Verhetzung. Posen, 27. Rov. Wie weit manche polnische Geistliche die Verhetzung ge­gen das DeutschMm treiben, zeigt ein Fall, übet den aus Wiellchowo, Kreis Schmirgel, berichtet wird. Dort hat der Geistliche beim Beichtunter- rlcht den Schulkindern aus ihren Schrelbhesten, In welche sie biblische Geschichten einschreiben sollten, das erste Blatt mit dem Bildnis des Kaiserpaares herausgerissen und zerknüllt.

Ausland.

** König Manuel in 1 Paris, 27. Nov. König Manuel ist heute Nachmittag hier einge. trafen und vom Minister Pichon empfangen worden.

** Feier bet deutschen protestantischen Kirche in Frankreich. Paris, 28. Nov. Heute Na.'mit-

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M t welchen Schwierigkeiten überhaupt in Süd* a-. -erlfc der Bahnbau zu kämpfen hat, zeigt schon ein Blick auf die Karte dieses Erdteils. Auf dem verhältnismäßig schmalen KLsten- streifen zwischen der Cordillera de los Andes und dem Stillen Ozean sieht man, namentlich in Columbia und in Nord-Chile, zahlreiche Bahn­strecken zwischen Küste und Gebirge, die aber meist in dem letzteren, oder gar an seinem Fuße, ein frühzeitiges Ende finden. Nur wenige durchqueren die Anden. Unter diesen ist die Bahnstrecke, welche Mollendo in Peru und Puno und weiter, am Titicacasee entlang, mit La Pcz und Ocuro in Bolioia verbindet, die zweit­höchste der Welt; sie erreicht bei Crucero eine Meereshöhe von 4460 Metern, nach anderen Messungen sogar 4468 Meter. Von La Paz und Ocuro aus durchquert eine zweite Bahn, die mit der ebengenannten einen Halbkreis zur Küste bildet, die Anden in südwestlicher Richtung. Sie überschreitet die Anden bei Acostan in über 40(9 Metern Höhe und endigt in Antofagasta an der nordchilenischen Küste des Stillen Ozeans. Die im Bau befindliche Strecke Arica- la Paz in Bolioia erhebt sich an einer Stelle bis zu 4071 Metern .

Ein großartiges Werk, bas man im Juni 1910 zu vollenden hofft, ist der Bau der tran> kontinentalen südamerikanischen Bahn, welche Chile mit Argentinien verbinben soll. Der ge­samte Bau bot ganz enorme Schwierigkeiten, die auf der chilenischen Seite namentlich fast unüberwindlich schienen. Bevor die Bahn die Paßhöhe von La Cumbre, 3842 Meter, erreich^ h it sie unter anderem auch einen Kehrtunnel j von über drei Kilometern Länge zu durch, laufen, dessen Einfahrt In 3180 Metern Meeres» höhe liegt, und dessen Sohle um 75 :1000 steigt