mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage".
I Dle „«devhelstlche Zettmrs" erscheint tägüch mit Ausnahme der Gon«, unb Feiertage. — Der Bezug Spreit beträgt viertel- jährlich durch di« Post bezogen 2,25 Vit. (ohne Bestellgeld), bei unfern ZettungSstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonntag 28. November 1909.
Die InsertionSgebithr beträgt für di« 7gefpcdtene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, ilnwerütät»buh)ruckerei Jnimber Dr. C. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
41. Jahrg,
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
W* Unserer heutigen Auflage liegt die wöchentliche Beilage „Nach Feierabend" (Sonn- tagshl<M^ei.
Zwiespalt in der Mittelstands- Vereinigung.
Die Mittelstandsoereinigung ist, wie bekannt, stets konservativ gerichtet gewesen und hat allen freisinnigen Absplitterungsversuchen stand gehalten. Sie hat auch stets politisch ein« große Einmüttgkeit bewahrt. Hier scheint nun doch ein großer Riß entstanden zu sein, seitdem der frühere konservative Abgeordnete Obermeister Rahardt den Hansabund begründen half. Mit di^em Verhalten ist nämlich der überwiegende-Teil des Handwerks, der in dem Hansabund nur eine Vertretung des Großkapitals erblickt, nicht einverstanden.
Wir haben bereits über den Zwiespalt auf dem Leipziger Mittelstandstage berichtet. Jetzt werden weitere interesiante Einzelheiten bekannt. Man hat in Leipzig dem Herrn Obermeister Richt klar gemacht, daß er nicht das Recht gehabt habe, im Namen des Mittelstandes dem Hansabund Hilfe zu leisten, derselbe Herr Nicht, der übrigens Zeit seines Lebens eingeschriebenes Mitglied der freisinnigen Partei gewesen se>.
Vor der eigentlichen Tagung des Vorstandes der Mittelstandsvereinigung hatte sich eine Anzahl von Abgeordneten zu einer Vorbesprechung zusammengefunden, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, dem Abgeordneten Rahardt und. den Berliner Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstandes ein scharfes Mißtrauensvotum wegen ihrer Haltung zum Hansabunde zu erteilen. Der Vorsitzende des Provinzialverbandes Schlesien. Herr Konradt-Breslau, hat diesen Beschluß in der Delegiertensitzung dann mitgeteilt. Dabei wurde zugleich von neuem gegen Herrn Rahardt der Vorwurf erhoben, daß er von freisiniger Seite Geld erhalten habe, um die bekannte Oster-Versammlung der Deutschen Mittelstandsvereinigung in Berlin zu inszenieren. Zum Beweise dafür verlas Herr Konradt folgende Stellen aus einem Briefe Rahardts, der am 29. April 1909, also nach der Oster-Ver- sammlunq geschrieben war:
„Die Mittel zu der Versammlung haben i unsere dumme« Gegner aufgebracht, weil sie ! der Meinung waren, wir würden mit fliegenden Fahnen zu ihnen übergehen. So habe ich z. B. von dem freisinnigen Bankdirektor Werner 500 Mark Beitrag erhalten. Die gegenwärtige Verstimmung mit den Konservativen und dem Bunde ist nur vorübergehend und bald genug wirst Du erfahren, daß alles wieder in »Butter ist, denn wir 1 brauchen uns gegenseitig."
Die Echtheit dieses Briefes vorausgesetzt wäre das "Vorgehen des Herrn Rahardt doch etwas -eigenartig zu beurteilen. Wer dann schließlich',, der Dumme" sein würde, bliebe doch dahingestellt. „Zum Beispiel" ist außerdem vorzüglich, wieviel mag in Wirklichkeit an Hilfs- geldern geleistet worden sein.
Die Zukunft der deutschen Frau.
Manschreibtuns:
Während die liberale Presse sonst den Bestrebungen der emanzipierten Frauen mit behaglichem Schmunzeln wohlgefällig gegenübersteht, hat jüngst einmal das „Berl. Tageblatt" in einer seltenen Anwandlung von Offenherzigkeit einem Aufsatze Raum gegeben, der an der Hand der Statistik die Zunahme der Frauen im Erwerbsleben schildett.
Das „Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich" berechnet für das Jahr 1907 die Gesamtzahl der in Fabriken und ähnlichen Anlagen beschäftigten jugendlichen Arbeiterinnen auf 157 000. Diese Zahl bedeutet ein gewaltiges Anwachsen der Fabrikarbeiterinnen. Im Jahre 1906 wurden deren nur 150000 gezählt, 1905 waren es nur 140 000. Wie rasend schnell sich die weibliche Fabrikbevölkerung vermehrt hat, erkennt man erst deutlich, wenn man auf noch frühere Jahre zurückgreift. Im Jahre 1895 z. B. betrug die Zahl der in Fabriken beschäftigten Mädchen nur 74 000; sie ist also im Laufe von nur 12 Jahren um 104 o. H. gewachsen.
Solche Zahlen geben zu ernsten Gedanken Veranlassung. Was soll werden, wenn dieser verhängnisvolle Entwicklungsgang andauert oder gar, was sehr wahrscheinlich ist, sich noch steigert? Daß <« sich um «ine völlige Umwälz»
Am 28. November soll nun in Berlin die 6. ordentliche Generalversammlung stattfinden. Zu ihr schreibt man der „D. Tgsztg." aus Thüringer Mittelstandskreisen, daß auch ein« Stimmenmehrheit für Rahardts Anschluß an den Hansabund noch lange nicht die Stimmung der Vereinigung zum Ausdrucke bringe, zumal so kurz vor Weihnachten die Versammlung aus der Provinz nur schlecht besucht werde. In Thüringen habe man sich l 8 n g st von der Berliner Zentrale und ihren Lei« t e r n losgesagt, um nicht di« alte Selbständigkeit gegen die Abhängigkeit vom Hansabund einzutauschen. Im Besonderen wendet sich die Zuschrift gegen die Rechtfertigung Rahardts in der „D. Mittelstandsztg.", wo es heißt:
„Weder Industrie und Handel, noch Gewerbe und Handwerk vermögen dieses Ziel bei getrenntem Marschieren und Schlagen zu erreichen. Denn die ersteren haben wohl genügend« Mittel, aber keine Stimmen; und die letzteren bringen wohl viele Stimmen auf, habe» aber keine Mittel. Der einzu- schkagende Weg für beide Teile wäre daher ein Kompromiß, bei dem jeder zu seinem Rechte kommt."
Dazu meint die Zeitschrift:
Also Herr Rahardt liefert die „Stimmen" und erhält dafür als Gegenleistung :„Di« Mittel". Mit anderen Worten: Die Truppen der Mittelstands-Vereinigung sollen in den Dienst des Hansabundes verkauft werden.
Und die Fahne, Herr Rahardt? Unsere Ueberzeugung. unsere Arbeit, unsere mühevolle Agitation? Wenn wir draußen im Lande auf unsere eigene Kosten umherreisten und den schwer ringenden Kleinkaufmann und Gewerbetreibenden in seinem wirtschaftlichen Kampfe gegen die Brutalisierung durch gewissenloses .Großkapital aufrecht zu erhalten versuchten und ihm als Schutz unsere Organisation bieten wollten — wenn wir gegen die Lawinen gewisser, alles vernihtender, jeden kleinen Geschäftsmann proletariflerenden Großbetriebe mühsam die Baumstämme einzelner selbständiger Existenzen zu erhalten und für neue Anpflanzung den Boden zu bereiten suchten — so sollen wir jetzt auftreten und sagen: „Linksums Marsch! Ins Lager der Feind«! Dort gibt es Geld?"
Zum Schlüsse heißt es klipp und klar: Einen Erfolg hat der Hansabund aufzuweisen: die Deutsche Mittelstands-Vereinigung wird ge- sprengt werden.
Dieser Ausgang ist allerdings zu bedauern und nur eine Freude für die Gegner. Herr Rahardt freilich dürft« ein politisch toter Mann fein.
Wieder ein geistlicher Schleppenträger der Sozialdemokratie.
In Herrhausen, ein«m kleinen Dorfe des Herzogtums Braunschweig, wirtt Pastor Keck. Er hat kürzlich in einer Versammlung des liberalen Vereins in Wolfenbüttel gesprochen. Seine Art, wie er das Bürgertum zur Sozialdemokratie zu bekehren versucht, fordert die Kritik heraus. Denn daß seine Agitation der liberalen Pattei zu Gute kommt, glauben er und fehle näheren Anhänger doch wohl selbst nicht. Durch seinen Vortrag „Was lehren uns die letzten Reichstagsverhandlungen?" zog sich wie ein roter Faden die Sehnsucht nach einem Bündnis des liberalen Bürgertums mit der Sozialdemokratie. Sätze wie
ung innerhalb unseres Volkstums handelt, ist klar, denn wLhrend die Bevölkerung im allgemeinen sich nur um 17 v. H. vermehrte, wuchs das weibliche Fabrikpersonal um 104 v. H. Tatsächlich sind "Ho Beoölkerungsschichten zerfallen, deren Angehörige in das Fabrikproletariat hinüberströmten.
Wo anders kommen jene Massen weiblicher Fabttkarbeiter her, als aus dem Mittelstände, der langsam, aber unaufhaltsam zerbröckelt. Mit der Ueberfiedlung seines weiblichen Nach- wiMes in die Fabriken erleidet der Mittelstand nicht bloß ziffernmäßig Verluste, er wird auch in seinem ganzen Dasein untergraben, denn der Uebergang der Heranwachsenden weiblichen Jugend ins Fabrrkproletariat bedeutet das Aufhörsn des Familiensinnes. Die Arbeiterin wird der häuslichen Sitte entfremdet und ist deshalb häuslicher Erziehung abhold. Das freie Leben behagt ihr besser. Außerdem fehlt es ihr auch an Zeit. Selbst das liberale „Berl. Tageblatt" findet diese Abkehr der Fabrikmädchen vom Hauswesen „beklagenswert". Welchen Umfang die Industrialisierung bereits angenommen hat, erkennt man daraus, daß in Berlin schon 21 v. H. aller Mädchen im Alter von 14—16 Jahren-Hi Fabriken tätig sind, in Chemnitz find es schon 35 v. H., also über ein Drittel, in Zwickau noch mehr, nämlich 40 v. H. Diese Zahlen findet auch das „Berk. Tagebl.",
„ich wähle einen Sozialdemokraten zehnmal lieber als einen Rechtsstehenden" ober „zwischen den Revisionisten und mir kann ich nach dem glänzend verlaufenen Parteitage keinen Unterschied mehr entdecken" — sprechen doch Bände.
Natürlich wurden die Steuern den Zuhörern gründlich verekelt. Einem nationalen Arbeiter (Vorsitzenden des Vaterländischen Arbeitervereins), der ihn gefragt hatte, wie er sich denn die Aufbringung der 400 Millionen indirekter Steuern anders gedacht hätte, er möchte doch einmal positive Vorschläge machen, antwortete er: „Sie kennen offenbar die Verfassung nicht, sonst müßten Sie wissen, daß die Parteien garnicht das Recht haben, Steuern vorzuschlagen," um im gleichen Atem fortzufahren, ,chaß die linken Parteien fottwähreiü» als Ersatz die — Nachlaßsteuer vorgeschlagen hätten". Daß diese nur den zehnten Teil des Bedarfs aufbringen sollte, verschwieg der Herr Pastor.
Der sozialdemokratische Diskussionsredner be. grüßte die Ausführungen natürlich mit großer Freude, sagte ein Zusammengehen freudig zu, zweifelte aber daran, daß die Anhänger des Pastors Keck im entscheidenden Augenblick seiner Parole folgen würden.
Einem Lehrer, der mit seiner monarchischen, patriotischen Gesinnung im Gegensatz zur republikanischen Sozialdemokratie ein Bündnis mit dieser entschieden ablehnte, antwortete Herr Pastor Keck im Schlußwort, daß er mit der linksliberalen Partei auch für Aufrechterhaltung der Wehrkraft sei, um dann, begleitet von dem Schmunzeln der anwesenden Sozialdemokraten, in bekannter Manier auf die „Verschleuderung" des Volksvermögens für die Rüstungen (auf 7 Soldaten ein Unteroffizier, aber auf 70 Schulkinder ein Lehrer!), auf Militärpensionen ufw. loszuwettern. Ein besonders starkes Stück war es, als er sagte: „Die Adjutanten der Fürsten müssen abgeschafft werden, denn im Kriegsfälle bleiben die Fürstenhöfe doch hübsch zu Haus." Der Redner hat also anscheinend noch nie etwas davon gehört, daß, wie in früheren Zeiten, so auch die letzten großen Kriege fast alle deutschen Fürsten mit dem alten Kaiser Wilhelm I. an der Spitze von Anfang bis zu Ende als Heerführer usw. mitgemacht und zu dem glücklichen Ausgang beigetragen haben, oder Herr Keck will es nicht wissen, weil diese Darstellung besser zur Aufhetzung der Massen beiträgt.
Wohlweislich hat Herr Pastor Keck diese aufreizenden Behauptungen im Schlußwort vorgebracht, sonst wäre ihm von verschiedenen Seiten gründlich der Standpunkt klar gemacht worden. Die Anhänger des Pastors sollten bedenken, daß eine derartige Wühlerei nie und nimmer ihrer Partei sondern der um einige Tonarten schärferen Sozialdemokratie zu Gute kommt. Als ersten Erfolg darf man den Einzuo des ersten Sozialdemokräten in bas Wolfenbüttler Stadtparlament bei der einige Tage nach dem Vortrag stattfindenden Stichwahl ansehen! Das sind die traurigen Früchte solcher grundverkehrten Politik.
Politische Umschau.
Wechsel im Oberpräfidium von Schlesien.
Berlin, 26. Roo. Zum Nachfolger des am 1. Januar 1910 in den Ruhestand tretenden Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Staatsminister Dr. Grafen v. Zedlitz-Trützschler, wurde der herzoglich anhaltische Staatsminister, Wirklicher Geheimer Rat von Dallwitz in Dessau ernannt. — Die Vermutung schlesischer Blätter,
das doch sonst für Frauenrechte schwärmt „er- gjreckend" unb fährt wörtlich also in seinen usführungen fort:
„Man kann annehmen, baß 60—80 v. H. aller Mäbchen unmittelbar nach ber Schulentlassung ben verschiedenen Berufen zueilen, und ein guter Kenner dieser Verhältnisse meint, daß unter 100 Fällen 86 mal die haus- wirtschaftliche Ausbildung mangelt."
Solche Mädchen, ohne Sinn und Verständnis für ein geordnetes Hauswesen treten später in die Ehe, die unter solchen Verhältnissen unglücklich werden muß, da es dem Manne ebenso wie den Kindern am rechten Heim fehlt. Das sind die Segnungen der. so hoch gepttesenen Emanzipation des Weibes.
Die weibliche Erwerbstättgkeit ist auf allen Gebieten im Fortschreiten begriffen. Rach der letzten Berufszählung vom 12. Juni 1907 sind nicht weniger als 10 Millionen weiblicher Personen erwerbstätig gegenüber 30,2 Million, männlicher Personen. Auf drei erwerbstätige Männer kommt also heute schon eine erwerbstätige Frau. Also auch hier eine starke Zunahme der Frauen, denn im Jahre 1895, als die vorletzte Berufszählung stattfand, kam erst auf 4 Männer eine erwerbstätige Frau. Geht es in dieser Weise fort, woran gar nicht zu zweifeln ist, ko ist es nicht unmöglich, daß bei der nächsten Bernfszähluna 1915 edenfovi?! er
bet Oberpräsident von Hessen-Nassau Hengste» berg werde nach Schlesien gehen, bestätigte sich also nicht. Damit ist ber im 72. Lebensjahr« stehende Graf Zeblitz aus dem Staatsdienst ausgeschieden. Bereits 1892 hat er einmal auf kurze Zeit dem Staatsdienst den Rücken gekehrt, als er von 1891 an Kultusminister über fehl Volksschulgesetz fiel. 1898 wurde er dann Oberpräsident unserer Provinz, wo et es verstand sich allgemein die größten Sympathien zu er- werben. 1903 wurde er O erpräsident von Schlesien, seiner Heimat. Auch hier erfreute et sich großen Ansehens, sodaß ihn jetzt auch die Stadt Breslau zu ihrem Ehrenbürger ernannte
Deutsches Reich.
'— Besuch des deutschen Kaiserpaares in Wien. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Berlin: Es steht nunmehr fest, daß das deutsche Kaiserpaar nach Wien zum Besuche des Kaisers Franz Joses kommen wird. Bei dieser Gelegenheit wird auch Kaiser Wilhelm auf Einladung des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand einen Jagdausflug nach Eckartsau unternehmen, wo bekanntlich bei Monarch schon einmal zu Gaste weilte.
— Ein englisches Urteil über Dernburg. Lou don, 26. Nov. „Empire Review" veröffentlich einen rühmenden Artikel über Staatssekretär Dernburg und dessen Londoner Reden. Der Artikel schließt: Die Zukunft Großbritanniens und Deutschlands sind nicht getrennt voneinaeinder. Wir wollen lieber Verbündete sein und, während wir jeder Nation das Recht zuerkennen, das Handels- poliüsche System anzuwenden, das ihren besonderen Bedürfnissen am besten entgegenkommt, zusammen voranschreiten unter dem Banner des Frie- deus und des gegenseitigen guten Willens. Reden wie die Dernburgs, führen diesem Ziele entgegen; je mehr Deutsche und Engländer einander kennen lernen, desto besser werden wir einander wahrscheinlich verstehen können und desto schneller werden jene Eifersüchteleien und jener Argwohn verschwinden, die in den letzten Jahren jener vollkommenen Harmonie im Wege standen, die zu för dein m Interesse beider Völker der Ehrgeiz uni das Ziel der Engländer und Deutschen sein sollte
— Präsidentenwahl in der badischen Kammer Karlsruhe, 26. Nov. In der badischen Kammei wurde Rohrhurst (natlib.) mit 41 Stimmen zum Pi äsidenten gewählt. Fehrenbach erhielt 28 und gi.fn ann und Zehnter je eine Stimme. — Zum ersten Vizepräsidenten wurde der Abgeordnete Geiß (Soz.) mit 40 Stimmen und zum zweitey Vizepräsidenten der Abgeordnete Heimburger fallt 42 Stimmen gewählt. Das Zentrum und die Konservativen gaben Weiße Zettel ab.
— Der Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten tritt heute in Berlin zusammen. Die Ministerpräsidenten von Bayern, Sachsen und Württemberg sind bereits in Berlin ringetrossen. Der Ausschuß, dem noch zwei weitere vom Bundesrat $v wsiblende Mitglieder angehören, tritt zi^rmmen, nm die Bundesstaaten über die Auffassung, bei Reichsregierung über die auswärtige Politik zu orientieren. Der neue Reichskanzler scheint bei Beginn seiner eigentlichen politischen Tätigkeit das Bedürfnis zur gegenseitigen Aussprache über du cin3v.f*raAenbe Politik zu haben.
— Der Verkauf des Schlosses Jägerhof. Die bisher noch ausstehende Genehmigung des König;
werbstätige Frauen als Männer in Deutschland vorhanden sind.
Welchen Einfluß eine solche Entwicklung aus das gesamte Volksleben haben muß, ist leicht deutlich zu machen, wenn wir unsere Wehrkraft ins Auge fassen. Längst ist nachgewiesen, daß überall wo verheiratete Frauen in Fabriken gehen, die Kindersterblichkeit zunimmt. In ben sächsischen Textilindustriebezirken herrscht außergewöhnlich hohe Kindersterblichkeit. Das ist ganz selbstverständlich, denn wenn die Mutter in die Fabrik geht, fehlt ben Kindern die mütterlich« Pflege, besonders entbehren fi« der Mutterbrust. Unb selbst wenn die Kinder heranwachsen, gibt es nur Schwächlinge und Tuberkulose, die zum Militärdienst untauglich sind.
Im böhmischen Jndustriebezirke Braunau, befinden sich unter je 1000 Fabrikarbeitern nur 46 Rekruten, in bet Stabt Reichenberg waren gar nur 23 Diensttaugliche unter 1000 Ar» beitem. So wirb es auch bei uns werben, sobald die Jnbustrie immer mehr Frauen an sich fesselt.
So rächt sich bie einseitige liberale Theorie roieber einmal bitter, unb ber Weg bet freien, schrankenlosen wirtschaftlichen Entwicklung, führt zum Abgründe. Das zeigt sich deutlich te ber Frauenfrage.
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