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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage".
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Di« „vberhrsftsche Aettuug" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Polt bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitung-steilen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Freitag. 26. November 1909.
Die Jnsertlonsgebiidr beträgt für die 7gespaltene Zette oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, llnmersttätsbu chdruckeret Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
14. Jahr-.
Bestellungen
für den Monat Dezember aus die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern
Vom neuen Etat.
Berlin, 24. Nov. Di« „Nori». Allg. Zig." veröffentlicht weiter« Einzelheiten aus dem neuen Etat. Für Kiautschou einschließlich des ostafiatischen Marinedetachements ist «in Reichszuschuß von 8 466 594 «Al (—764 070 «Al) erforderlich. Von den Gesamtausgaben von 13 051 462 «Al entfallen 11201 297 «Al auf fortdauernde, 1850165 «Al auf einmalige Ausgaben^ Die angekündigteBefoldungsregelung ist fin vorliegenden Etat durchgeführt. Das Rechnungsjahr 1908 ergab infolge von Mindereinnahmen einen Fehlbetrag von 279 164 «Al.
Der Marineetat erfordert bei den ordentlichen Einnahmen 1334 727 «Al, insgesamt 434 088 233 «Al. Hiervon entfallen auf die fortdauernden Ausgaben im ordentlichen Etat 158 052 484 (mehr 10991 461) «Al. An dieser Steigerung sind namentlich beteiligt die Etats- kapitsl: Geldverpflegung der Marineteile, Indiensthaltungen, Instandhaltung der Flott«, Werften, Waffenwesen, Befestigungen. Bei den einmaligen Ausgaben sind für Schiffsbauten und Armierungen 243 550 000 (24 790 000 mehr) «Al, darunter für Neubauten 154 390 000 (14 450 000 Mehr) «Ak angefetzt. Erste Raten werden verlangt für die Linienschiffe „Ersatz Hagen", „Ersatz Aegir". „Ersatz Odin", für den großen Kreuzer J; für die kleinen Kreuzer „Er- strtz Comoran", „Ersatz Condor", für die Torpedobootsflottille 15 Millionen (5 Millionen mehr) Mark, zur Beschaffung von weiteren Unterseebooten und Fortsetzung der Versuche mit denselben. Von den Ausgaben zu Lasten des außerordentlichen Etats entfallen auf die Bedürfnisse der Werften 12 543 440 (weniger 1761560) «Al.
Im Etat für das Reichskolonialamt befindet sich unter den ordentlichen Einnahmen 1067 280 «Al (mebr 1038 500 -4t), die Summe von 700000 «Al zur Rückerstattung des Reichs- vorschusses für Kamerun. Ferner sind erstmals für einmalige Beiträge der Schutzgebiete zu den Ausgaben des Reichs 350 000 -4t gefordert. Die fortdauernden Ausgaben betragen 2 878 666 -4t (132 022 -4t mehr), darunter für kartographische Arbeiten 136 000 -4t (66 000 -4t mehr), da außerordentlich viel Kartenmaterial in der Zentralstelle eingegangen ist. Die einmaligen Ausgaben ixs ordentlichen Etats, welche u. a. die ReichszuschLsie für Ostafrika, Kamerun, Südwestafrika und Neuguinea umfaffen, belaufen sich auf 22 628 213 -.st (2 556 966 -4t weniger). Es ist beabsichtigt, die schon lange aus den Mitteln des Äfrikafonds geplant« größere wissenschaftliche Expeditton nach dem Kaiser Wilhekmslarw 1910 ins Werk zu setzen. Die
26 (Nachdruck verboten.)
Mas Gott tu lamm en gefügt —.
Roman von H. Lourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Mary schlug die Hände zusammen.
„Und da muß ich ausgerechnet einen Katarrh haben und nicht dabei sein, wenn Du eine so interessante Bekanntschaft machst! Hoffentlich lerne ich ihn morgen kennen, wenn wir die Frau Professor besuchen. Er reist doch nicht so bald wieder ab?"
„Uebermorgen."
Renate sah so sonderbar verträumt aus, daß Mary sie nachdenklich betrachtete.
„Erzähl' doch mal wie war es denn? Wie hat Euch Frau Professor Hardenberg bekannt gemacht?"
„Sie war nicht auf der Eisbahn. Nur er und Eva."
„So — nur er und Eva?"
Mary betrachtete Renate mit einem wahren Polizeiblick. Diese ging wieder unruhig im Zimmer umher, nahm dann ein Buch, sah aber versonnen darüber hinaus und hatte anscheinend die Schwester ganz vergessen.
Mary kam es zum Bewußtsein, daß Renate schon seit einigen Tagen anders war als sonst.
„Sag mal, Renate — wann hast Du den jungen Mann kennen gelernt? Heute erst?"
Renate wurde glühend rot.
„Nein, schon vor einigen Tagen."
Ein schelmisches Lächeln huschte über Marys Erficht. Sollte ihre ernste, stille Schwester auch «ndttch ein« sterbliche Stelle in ihrem Herzen
Kost«» der Vermessung der niederländisch-deutschen Grenze werd«» dadurch geringer sein.
Der Haushaltsetat der Schutzgebiete schließt in Einnahme und Ausgabe mit 109 351.238 -4t ab (mehr 10 358 234 -4t). davon für ordentliche Zwecke 76 246238 -4t (mehr 7 568 234 -4t). Der Reichszuschutz für di« Schutzgebiete beläuft sich auf insgesamt 29 617 542 -4t (2 868 822 -4t weniger). Die Summe d«s außerordentlichen Etats beträgt 33 105 000 -4t (mehr 2790 000 -4t). Dem Etat ist ein« Denkschrift über eine anderweitige Regelung der Besoldungsverhältnisse der Beamten in den vom Reichskolonialamt ressortterendenSchutzgebieten beigegeben. Danach soll der Grundsatz zur Durchführung gelangen, die dauernd notwendigen Stellen als etatsmäßige zu den Schutzgebietsetats auszubringen. Die Regelung der Rechtsverhältnisse der Schutzgebietsbeamten ist durch ein Reichsgesetz in Aussicht genommen. Das bisherige Besoldungssystem soll beihalten, jedoch die neu festzusetzenden Höchstgehälter nicht nach 5, sondern nach 6 Jahre» erreicht und dann dreimal nach je drei Jahren Dienstalterszulagen gewährt werden. Die Kolönialzulage soll nach den Teuerungsverhältnissen der einzelnen Kolonien verschieden bemessen werden.
Der Etat für Ostaftika schließt mit 14 048 420 -4t ab (weniger 260 217 -4t). Der Zuschuß beträgt 2 586 800 -4t. Zur Bekämpfung epidemischer Krankheiten sind 350 000 -4t eingestellt, für die Bekämpfung der Schlafkrankheit ist die Errichtung weiterer Konzentrationslager am Viktoria-Tanganikasee erforderlich geworden. Der Etat für Kamerun balanziert mit 8 550615 «Al (mehr 1 367 240 -4t). Der Reichszuschuß beträgt 2 385 866 -4t. Nach einer beigegebenen Denkschrift soll die Organisation der Lokalbehörden vereinheitlicht und vereinfacht werden. Die Militärstationen sollen nach und nach in zivile Verwaltungsbezirke umgewandelt und die Stationen mit einem lebhafteren Wirtschaftsleben als selbständige Verwaltungsbezirke den Bezirksämtern angereiht und dem Gouvernement direft unterstellt werden. Togo erfordert keinen Zuschuß. Im Etat sind 100 000 <4t für ein Verwaltungsgebäude in Lome vorgesehen und 35 000 «Al für eine Fortbildungsschule. Für Südwestafrika sind an Reichszuschuß 14 451 190 -« erforderlich (1 921 166 «Al weniger). Die eigenen Einnahmen sind um 5 210 400 -4l höher veranschlagt. Es wird mit einer Ausfuhr und einem Verkauf von 550 000 Karat Diamanten für 1910 gerechnet. Vis jetzt sind durchschnittlich 28 «M pro Karat erzielt worden. Der Ausfuhrzoll ergibt rund 4,5 Millionen. Für die Nord-Südbahn sind außer der zweiten Nate von 5 Millionen Mark im außerordentlichen Etat 4 Millionen Mark eingestellt und zum Erwerbe der Oktavibabn nebst den Zweig- strecken als erste Rate 5 Millionen Mark. Der günstige Wandel in der Finanzlage Südwestafrikas ermöglicht es dem Schutzgebiet, eigene Anleihen aufzunehmen. Die bisher getrennten Etats für Neuguinea und für die Karolinen-, Palau-, Mariannen- und Marschall-Inseln sind zu einem Etat vereinigt worden, nackdem die Gebiete angefangen haben, Ueberschüsse abzuwerfen.
entdeckt haben? Sie stellte sich aber genau so unbefangen, wie es Renate neulich getan hatte.
„So, feit einigen Tagen schon! Und das erfahre ich erst heute?"
„Ich hatte vergessen, es Dir zu erzählen."
„Hast Du näheres über seine Verhältnisse gehört?"
„Nein, ich weiß nur, daß er Seemann ist und sich die Eescbwister zärtlich lieben."
„Wie heißt er eigentlich? Wir kennen Evas Familiennamen doch gar nicht!" .
„Ich weiß nicht. Wie gewöhnlich habe ich den Namen bei der Vorstellung nicht verstanden."
Mary lachte. „Also ein Namenloser. Nun sag mir aber wenigstens, ob et mit der Frau Professor verwandt ist."
„Auch darüber kann ich Dir kein« Auskunft geben. Wir sprachen nicht darüber."
„Nun, hoffentlich leine ich ihn morgen kennen. Wenn et mit halb so gut gefällt, wie Eva, dann kann et mit meiner Wertschätzung zufrieden fein. Er wird doch zu Hause fein, wenn wir kommen?"
„Ja gewiß — das heißt — ich weiß es nicht genau. Jedenfalls weiß er, daß wir kommen."
In Marys Augen blitzte bet Schelm.
„Dann ist et sicher da," Jagte sie bestimmt.
„Wieso?" fragte Renate verlegen.
Mary lachte. „Nun, er wird sich doch nicht die Gelegenheit entgehen lassen, eine so ausgezeichnete Dame, wie ich bin, kennen zu lernen. Um aber nun von etwas anderem zu reden — was ziehen wir heute abend an?"
Renate war froh, das Thema wechseln zu können und beriet eifrig mit Mary die allen Frauen so wichtige Frage.
Deutsches Reich.
— Bom Kaiser. Reudeck, 24. Nov. Als bet Kaiser heute an der russischen Grenze jagte, wurde er von einer Abteilung der russischen Grenzwache, die unter dem Befehl eines Oberleutnants Paradeaufstellung genommen hatte, begrüßt. Der Kaiser dankte mit militärischem Gruß.
— Ei« falsches Gerücht. Berlin, 24. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die von dem „Berliner Tageblatt" aus Konstantinopel gebrachte Meldung, nach welcher Prinz Oskar von Preußen an den türkischen Feldmanövern teil- nehmen soll, ist unbegründet.
— Handwerk und Hansabund. Der deutsche Mittelstand, zu dem in erster Linie Handwerker- kreise zu zählen sind, hat dem Hansabunde seine Gefolgschaft versagt. Eine in Leipzig zusammLn- getretene außerordentliche Delegiettenversammlung des deutschen Mittelstandes riet in einer Resolution den mittelständischen Verbänden von einer Unterstützung des Hansabundes ab; die Mitglieder des gewerblichen Mittelstandes sollten vielmehr zunächst ihre Aufmettfamkeit den eigenen Standes- intercssen und eigenen Interessen zuwenden. Die Annahme dieser Resolution erfolgte nicht einstimmig, die Berliner delegierten verließen beispielsweise nach der Beschlußfassung den Saal, ein Zeichen, daß der deutsche Mittelstand sich nicht ganz einig ist in seiner Stellung zum Hansabund.
— Nachklänge zu Landsberg—Soldin. Allemal wenn ein rechtsstehender Kandidat in einer Wahl unterlegen ist, jubelt die ganze liberale und sogenannte „unparteiische" Presse über das „Volksgericht", ist aber der Liberalismus unterlegen, so gibt man sich mit bet Miene des Weltweisen alle Mühe, tteffinnig zu untersuchen, welche ä»Goren Umstände an dem Fall schuld sind. In Landsberg- Svldin soll es der Zwist zwischen fteisinniger Volkspattei und Vereinigung fein. Die.Herren Gothein, Potthoff, Naumann sind nämlich nicht als Redner dott agitatottsch ai.fgetreten. Ein rechter Freisinnmann hat einfach die Uebetzeugung zu haben, daß jeder von diesen ca. 2000 Mann zum Freisinn bekehtt hätte, dann wate ihr Kandidat nicht nur in die Stichwahl gelangt, er, hätte vielleicht gleich im ersten Wahlgang gesiegt oder noch besser, er wäre gleich „per Akklamation" gewählt worden. So streitet man sich, um die ganz einfache Taffache zu verdecken, daß die allerdings vorhandene Mißstimmung über die Reichsfinanz-Reform in keiner Weise dem Liberalismus zu gute kommt, sondern ausschließlich der Sozial- demottatie. Damit das Satyrspiel nicht fehle, hat sich die „Demokrafische Vereinigung" auch am Kampf beteiligt, bezeichnenderweise aber erst als es sich darum handelte, dem sozialdemokratischen Kandidaten zum Sieg zu verhelfen, für den Liberalen interessiette man sich nicht.
— In der Mühlhäuser AuSweisungSaffaire hatten sich verschiedene Blätter, voran die „Frank- furter Zeitg.', besondere Mühe gegeben, das vorgeben des ausgewiesenen Herrn Wegelin, die Marseillaise spiele» zu lassen, als ganz harmlos hinzn- stellen, die böse ^Regierung aber als „scharfmache-
Die Schwestern waren von den Eltern der beiden Trautmanns mit Herzlichkeit bewillkommnet worden. Frau Anna Trautmann war ein« lebhafte, fröhliche Frau, immer geschäftig, immer für bas Wohl ihrer Familie besorgt. Sie hatte die kleine Silvesterfeier mit Sorgfalt vorbereitet. Es fehlte nicht an kleinen Leckerbissen für die Abendtafel, noch an selbstgebackenen Pfannkuchen zur Bowle. Bernhard war entschieden ein bißchen ihr Liebling, obwohl sie auch an Ernst mit zärtlichem Stolze hing.
„Meine Jungen" — so fingen fast alle ihre Unterhaltungen an. Um ihre Jungen drehte sich alles — sie hatte keinen Wunsch, kein Interesse, das nicht mit ihren Jungen zu- sammenhing. Vater Trautmann war ein jovialer alter Herr mit einer leuchtend rosigen Glatze und einem ziemlich umfangreichen Scknnerbäuchlein. Auch er war sehr stolz auf feine Söhne, versteckte das aber vor aller Welt und tat nur mäßig zufrieden mit ihnen. Sie wußten aber doch ganz genau, was sie ihm waren, und zogen ihn gelegentlich ein bißchen auf mit feiner im Zaum gehaltenen Vaterliebe.
In dem Hellen, altväterischen Speisezimmer war die Tafel schon festlich gedeckt, als die vier jungen Leute mit Frau Werner eintrafen. Die schönen alten Kristall - Schalen und Gläser blitzten mit dem Silberzeug um die Wette und die schneeige Pracht des kostbaren Damast-Tischtuchs wurde gehoben durch eine Girlande von Tannenzweigen, die den Tisch umgab.
Mary und Renate waren schon oft hier draußen zu Gaste gewesen und fühlten sich schnell behaglich. Die beiden alten Leute hatten eine herzliche Freude an dem junge» Volk und machten kein Hehl daraus.
risch" usw. angegriffen. Demgegenüber wird jetzt durch die „«Straßburg. Post' bekannt: Wegelin bet dem Kapellmeister 5 JH für das Aufspielen bet Marseillaise. Ein Begleiter bc8 Wegelin, ei» Franzose, versprach bem Kapellmeister barauf !• jK, wenn er die Marseillaise nicht spielte, ba bet Franzose das Spielen dieses Stückes nach Zeit und Ott für ungeeignet hielt! — Wegelin zahlte übrigens nachher die 5 Jl nicht, da die Kapelle die Marseillaise nicht „apattig" gespielt, sondern in ei« amerikanisches Potpourri eingeschoben habe, ebenso wie die nachfolgende denffche Nationalhym.:e. Also sogar ein Franzose findet das Vorgehen unpassend. —
— Herr v. Gerlach wieder einmal nicht gewählt. In der Stadwerordnetenstichwahl in Berlin, wo Herr v. Gerlach dem bisherigen Vertreter, dem Freisinnigen Leis, gegenüberstand, wurde letzterer mit 930 Stimmen gewählt, von Gerlach, der von den Sozialdemokaten unterstützt wurde, erhielt 722 Stimmen. — Demnach scheint Herr von Gerlach sogar den „hellen' Berlinern zu weit „fott- geschritten" zu fein!
Ausland.
** Oesterreich. Wien, 24. Nov. Das Abgeordnetenhaus trat am Nachmittag nach mehrwöchiger Pause wieder zusammen. Die Regierung wurde beim Erscheinen im Saale von den Tschechisch-Radikalen mit andauernden feindlichen Zurufen empfangen. Nach Erledigung von Formalien nahm das Haus den Antrag Kuranda an bezüglich der Einsetzung eines Ausschusses zum Studium und zur Beratung der die wechselseitigen wirtschaftlichen Handels- und Verkehrsbeziehungen zwischen den im Reichsrat vertretenen Länder» und Ungar» betreffenden Fragen. Das Haus begann hierauf die Verhandlung der Dringlichkeitsanträge betreffend den Schutz der Minoritäten und ähnliche nationale Fragen. Die Regierung unterbreitete darauf ein sechsmonatiges Budgetprovisorium und die Vorlage betreffend das Rekrutenkontingent.
*♦ Frankreich. Paris, 24. Nov. Aus Grenoble wird berichtet: In Lamurette haben die Kinder den Schulbesuch eingestellt, weil der Lehrer sich weigette, die Benutzung eines vom Bischof verbotenen Lehrbuches aufzuheben. — Das heutige Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß betreffend die Einsetzung einer Kommission zur Ausarbeitung eines Luftschiffahrtsreale- ments: diese Kommission besteht aus den Mitgliedern der ständigen Luftschiffabrtskommission, dem Direttor der allgemeinen Sicherheit und anderen hoben Beamten der Ministeriums des Innern. Professor Painlevö wurde zum Vorsitzenden dieser Kommission ernannt.
*• Belgien. Brüssel, 24. Nov. Die Deputiertenkammer setzte beute bei der vorgesetzten Beratung des Militäraesetzes den Friedenskontingent auf 42 800 Wann fest.
** Rußland im Osten. Petersburg, 24. Nov. Der Kaiser bestätigte einen Beschluß des Ministerrats, wonach ein besonderes Komitee für di« Kolonisation des fernen Ostens errichtet werden soll, im besonderen soll die Bestedelung des Ee-
Frau Werner wurde auf einen gemütlichen Sofaplatz genötigt, Mary und Bernhard sangen ein paar Duette, die Renate begleitete, Ernst Trautmann stand neben. ihr am Flügel und blätterte die Noten um.
So ging der Abend hin.
Einmal stand Renate traumverloren am Fenster und schaute in die schweigende Nacht hinaus. Ihre Gedanken umkreisten die Villa Waldfrieden wie scheue Vögel. Wie mochte Paula Hardenberg mit ihrem jungen East bas Jahr beschließen? Sie saßen sich wohl still friedlich in einem der schönen Zimmer gegenüber und plauderten ernst und herzlich miteinander. Eva lag sicher schon in friedlichem Schlummer.
Ein stilles Sehnen durchglühte ihre Brust. Jetzt still bei diesen zwei Menschen sitzen zu dürfen, mit ihnen im ernsten Gespräch bi« letzten Stunden des Jahres zu verleben und — den tiefen innigen Blick der ernsten, treuen Männeraugen in den ihren ruhen zu lassen — welch eine köstliche Feier! — Dann, wenn der zwölfte Elockenschlag die Jahreswende ^verkündete, würden st« sich stumm die Hände reichen und fich ansehen — so wie heute, als er ihre Hand so lange fest gehalten. —
„Darf ich fragen, was Ihre Gedanken so ganz von uns abzieht, gnäbiges Fräulein?" fragte mitten hinein Ernst Trautman»» Stimme dicht neben ihr.
Sie schrak leise zusammen und sah ihn eine» Moment verständnislos an. Dann faßt« st« |14:
„Am Jahresschluß find Gedanken }ol[fret* suchte fie zu scherzen. 5
(Fortsetzung folgt).
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