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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentl. Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage".

DieGberhesstsche ZritNNg" erscheint täglich mit Ausnahme der

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unser» ZeitungSstellen und der Expeditien (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Donnerstag 25. November 1909

Di- Jnsertronsgebühr beträgt fllr die 7 gespaltene Zette I oder deren Ran« 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. I Druck und Verlag: Iah. Ang. Koch, llntversitätsbuchdruckere» I Inhaber Dr. T. Hitzerath, Marburg, Markt 21. Telephon 55. |

44. Jahrg.

ErNes Blatt

I

Hebet in< Verhandlungen im Oberhause wird gemeldet:

Sei : der Sitzung, ir« der die Homs Rule-Bill abgelehnt wurde, ist der Sitzungssaal nicht wie­der so gedrängt voll gewesen. Auch die Tri­bünen sind überfüllt. In einer Seitenloge hat der König von Portugal Platz genommen. Nach der Verlesung der Tagesordnung unterbreitete de» Grasisisgelbewahrer Earl of Giern-' dem Hause die zweite Lesung der Finanzreformvor- hrge, ohne zu ibrrr Erklärung oder zu ihrer Verteidigung zu sprechen. Sodann erhob sich Lord Lansdowne unter dem Beifall bet Oppo­sition und erklärte, das Schweigen von Earl of Gten>e zeige, daß die Regieiung bet Meinung sei, daß bie Peers mit bet wichtigen Frage bet Finanzresorm nichts zu tun hatten. Für bte Opposition liege die Sache einfach. Es Jet eine schwerwiegenbe Gesetzesvorlage ohne Präzedenz­fall, wie sie niemals dem englischen Volke vor- gelegt worden sei. Sie erfordere bte Zustim­mung des Oberhauses und bieses bürfe bte Ver­antwortlichkeit seiner Zustimmuna nicht auf sich nehmen, ohne daß es sich vergewisiert hätte, daß das Volk wünsche die Vorlage solle Gesetz wer­ben. Im weiteren Verlaufe seiner JRebe er­klärte Lvrd Lansdowne, die Peers hätten das Recht. Finanzvorlagen abzulehnen. Wenn die Schankkonzessionsvorlage und die Vorlage über die Besteuerung be* *. Grundeigentums bet Fi­nanzvorlage einverleibt werden könnten, so sei kein Ende für bte daraus entspringenden Miß­bräuche abzusehen. Eg rei unwahr, daß die Peets bezüglich der Besteuerung des Grundeigentums von selbstsüchtigen Motiven geleitet würden. Diese Steuern seien leicht zu rechtfertigen, wenn angenommen würde, daß bet Erunb und Boden Staatseiaentum sei und daß es die Bestimmung des Parlaments sein mülle, den Grund und Boden zu verstaatlichen. Die Opposition wider­setzte sich dielen Steuern, weil sie eine einzelne Klalle für eine besonders drückende und auf so­zialistischem Truaschluß beruhende Inanspruch­nahme herausgreift. Wenn die Vorlage Ge­setzeskraft erlanae, würde die Ration gezwungen sein, ihre fäbrlichen Verbindlichkeiten aus ihrem Kapital zu bezahlen. Der Wert bet englischen Staatspapiere sei im Sinken und die Engländer wendeten, um ihr Kapital anzulegen, ihre Auf­merksamkeit mehr und mehr dem Auslände zu. Ironisch fragte Lord Lansdowne, was aus des armen Mannes" Budget werde, wenn es das Kapital aus dem Londe vertreibe. (Beifall bet der Opposition.) Redner geht sodann auf die Tarifbewegunq ein und sagte, man frage sich, ob die Zeit nicht gekommen sei für eine erneute Prüfung der Grundlage des englischen Finanz-

Prof. Med. Joh. Heinrich Sternberg in Marburg,

geb. 15. April 1772 zu Goßlar, erschollen am 19. Juli 1809 auf dem Forst zu Easiel.

Don L. Müller.

Da man beabsichttgt, dem Hoftat Sternberg eine Gedenktafel an dem Hause, wo er wohnte, zu stiften, so mag folgendes dazu dienen, etwas Näheres über die letzten LebenÄage Sternbergs zu erfahren.

Daß Sternberg in Gemeinschaft mtt Oberst Emmerich den verunglückten Aufstand am 24. Juni 1809 leitete, ist ja bekannt. Sternberg selber hat hierbei gar nicht aktiv eingreifen kön­nen, er war krank und hatte denTyphus, weshalb man ihn nicht mit dem Haupttransport bet Ge­fangenen, bie auf fünf Wagen nach Kastel ge­bracht würben, transportieren konnte. Am 2. Juli kam der Befehl von Taste! an beit Ge­neralkommissar von Wolff, ben Professor Stern­berg verhaften zu lasten, bet immer noch krank zu Bette lag. Am 6. Juli traf von Cassel eine Untersuchungskommisfion in Marburg ein, bie imSchwatzen Adler" in bet Barfühersttatze (Arcularius) ein Sitzungszimmer einrichtete. Die Verhaftung Sternbergs wurde nun einge­leitet, seine Wohnung Renthofstratze Ri. 4e) durchsucht und alles versiegelt. Er selbst wurde in die Wohnung des Generalkommissars von Wolff, welcher in dem Hause des Ratschöffen

fr--

*) Sternberg wohnte am Renthof -et Kur- Ifitftl. Obergerichtsrat Wetzell.

systems und ob man noch länger über ein Fi­nanzsystem lachen könnte, unter dem andere Länder mächtig emporblühten. Die Opposition habe nicht das Gefühl, daß sie das Recht habe, dem Volke bie neuerlichen und ucksteheuerlichen Lasten, bie bie Bill bringe, aufzuhalsen, weil sie wisse, batz bies die Richtung sei, bie bas Volk einzuschlagen wünsche. Die Opposition habe bie Folgen bet neuen Ablehnung bet Bill ins Auge gefaßt und sei bereit, ihnen zu begegnen. (Bei­fall bei der Opposition.) Die polttischen Stock­ungen brauchten nicht lange zu dauern. Die Regierung habe ja beständig erklärt, daß sie wünsche, diese Frage einer Probe auszusetzen. Das Budget sei so hinfällig, daß es nicht sechs Wochen durchhalten könne. Durch Drohungen gegen bie konstitutionellen Rechte bet Peers sei er nicht sonderlich berührt. Dieser Kampf habe kommen müssen; er ermahne die Peers, ihrer Verantwortlichkeit nicht auszuweichen.

Der Lordkanzler entgegnete: Der vor­geschlagene Schritt stürze alle parlamentarische 'Tradition um; wenn er Auch, vielleicht zulässig Unit gesetzlich sei, so sei er doch vom konstitutiv-" netten Standpunkt aus verkehrt. Die Ablehnung wäre ein direkter Eingriff in bie Prärogative der Krone und bie Privilegien bes Unterhauses. Was Lord Lansbowne Vorschläge, sei ein Schritt zur konstitutionellen Revolution.

Der Lordkanzler nahm zum Schluß Bezug auf bie Ablehnung wichtiger Regierungsvor­lagen burch das Oberhaus während der letzten vier Jahre und erklärte, es sei keiner liberalen Regierung roieber möglich, zu amtieren, wenn sie nid) t gegen eine Wiederholung derartiger Maßnahmen geschützt wäre. Et betonte weiter das Recht des Unterhauses auf eine Kontrolle der Finanzen und spottete über ben Gedanken, daß das Haus, das aus nicht vom Volke gewähl­ten Mitgliedern bestehe, dieses Recht sich an- maßen und die Macht haben sollte, eine Regie­rung zu stürzen, bie zu irgend einer Zeit in einem politischen Gegensatz zu ihm stehe. Et verteidigte die Prinzipien der Vorlage und er­klärte, daß, wenn et sich die außerordentliche Be­deutung bet vorgeschlagenen Maßnahmen ver­gegenwärtige, er erstaunt sei, daß da? Haus wegen einet so geringen Ursache bereit sein sollte, eine so bedeutungsvolle neue Richtung einzuschlagen. Nachdem noch andere Redner gesprochen hatten, wurde die Debatte vertagt.

Das Oberhaus setzte gestern bei dicht besetz­tem Hause die Beratung der Finanzreformvor­lage fort. Lord Cromer führte aus, et wolle sich bet Abstimmung enthalten. Et könne nicht für bie Resolution Lansdowne stimmen. Wenn er gegen sie stimmen wolle, würde dies als ein Zeichen der Zustimmung zur Bill angesehen, bie er aber ablehne. Die Ablehnung bet Bill würde zweifellos langandauernde heftige Kämpfe Her­vorrufen, denn sie würde auch die gemäßigten Liberalen zwingen, sich nicht eher gufrieben zu geben, bis nicht nur die Zusammensetzung, son­dern auch die Befugnisie des Oberhauses tat­sächlich geändert sind. So verwerflich auch die Finanzvorschläge der Regierung seien, könnten sie doch nicht abgelehnt werden, ohne daß man anderen schrecklicheren Gefahren entgegenginge. Für die Regierung sprach hierauf Lord Pent­land und erklärte, daß sie nie geschlossen für das Budget eintrete und stellte in Abrede, daß sie der Angreifer im Streite sei. Das von Lans-

Der englische Verfassungskampf

hat begonnen, denn um die Verfassung geht es, «icht um das Budget, das nur das augenblick- Pche Streitobjett darstellt Hat das Unterhaus das alleinige Budgetrecht oder kann auch das A>?Mrhaus das Budget ab lehnen, bas ist bie -Hraae, um bie im Londonerhouse of lords jetzt'gekämpft wird, vornehm sachlich versteht

Ulrich in der Reitgasie (jetzt Elwert) wohnte, geschafft und interniert. Man wollte ein Ge­ständnis aus ihm herauspresien und so cm einer hochgestellten Persönchlikeit ein Erempel statu­ieren. Sternburg wurde nach Easiel gebracht, obgleich ein Consilium medicum, bie Pro­fessoren Michaelis, Ullmann unb Schumacher sich gegen {eben Transport bes Kranken aus­sprach. Sein Tob war eine beschlossene Sache. Wolff gebrauchte alle Mittel, um aus Stern­berg ein Geständnis herauszupressen, er er­zählte bet Gemahlin Sternbergs, es sei alles entdeckt und ihr Mann fei verloren. Nur ein offenes Bekenntnis könne ihn retten und et werde ihn bann bet Gnade des Königs emp­fehlen.

In ihrer Herzensangst bat die Frau, welche keine Ahnung der Folgen hatte, den Kommissar um Zulassung zu ihrem Manne, sie wollte den­selben bewegen, daß er gestehe und sich bet Gnade des Königs empfehle. Wolff bestellte darauf die Frau an demselben Morgen, an wel­chem et einen Ansturm auf Sternburg machte es wat am 11. Juli um 4 Uhr in sein Haus. Et erflärte, et wolle ihr den Zutritt zu ihrem Manne, obgleich ihn bie Kommission streng verboten habe, ermöglichen. Als Sternburg nun mtt seinen Enthüllungen bei Wolff wieder schwankend wurde, holle dieser bie im Neben­zimmer wartende Frau Sternbergs herbei. Es spielte sich nun eine ergreifende Szene ab. Die Frau beschwört ihren kranken Mann, offen zu bekennen, nut so könne et fein Leben retten.

downe vorgeschlagene Vorgehen sei ein Präze­denzfall uni) wenn er auch daraus hingewiesen habe, daß ein Chaos, wie es bie Ablehnung bes Finanzgesetzes zur Folge haben werbe, burch ein Zusammenarbeiten bet Regierung mit der Op­position vermieden werden könne, so müsse Lansdowne doch sehr gut wissen, daß bie Re­gierung sich niemals an einem Schritte betei­ligen tonne, bet auch nur ben leisesten Anschein erwecke, an ben Privilegien bes Unterhauses rütteln zu wollen. Die Ablehnung bes Finanz­gesetzes bedeutet bie Lahmlegung bet Exekution unb eine sich daraus ergebende Stockung bet Ge­schäfte, zu beten Beseitigung es keinen Ausweg gebe, es sei eine revolutionäre Aen - berung bet Verfassung.

Nachdem noch weitere Redner für unb gegen bie Vorlage gesprochen hatten, würbe bie Wei­terberatung auf morgen vertagt. Die Abstim­mung finbet voraussichtlich am 25. November statt.

: ... LandsbergSowin.

Wie bereits gemeldet, siegte in bet ReichsiagS- stichwahl der Konservative Holischke, bet 12 370 Stimmen erhielt über ben Sozialdemokraten- tzel, bet es auf 11226 Stimmen brachte. Die Nationalliberalen traten geschlossen für Holischke ein, sodaß et 2665 Stimmen mehr erhielt. Der Freisinn hat zwar seinen Wählern bte Entschei­dung anheim gegeben, aber so entschieden den Kamps gegen rechts" gefordett, daß seine An­hänger diese Parole auch richtig befolgten und dem Sozialdemokraten 3644 Stimmen zuführten. 200 Stimmen wurden bet der Sti »Wahl mehr abge­geben als bei bet Hauptwahl, abet bie Wahlbe­teiligung blieb doch noch um 3000 gegen diejenige von 1907 zurück ein betrübliches Zeichen! Es wat ja zu erwarten, daß bet Freisinn ben Sozial­demokraten erheblich unterstützen würde, damit durfte ober bie Einigkeit unter ben bürgerlichen Parteien völlig in bte Brüche gegangen fein. Der­artige Helfershelfer der Internationale in Zu- , kunft ihrerseits zu unterstützen, dürste eine über­flüssige Forderung fein, das kann man in der Tat nicht verlangen.

Deutsches Reich.

Ernennung. Berlin, 23. Rov. DieNotdd. Allgemeine Zeitung" meldet: Der Geheime Oberregierungstat und vottragende Rat der Reichskanzlei, Wahnschaffe, ist zum llnterstaats- fefretär her Reichskanzlei ernannt worden.

Der frühere Chef des ®larinefabinette, Admiral Freiherr v. Eenden-Bibran, ist ge­storben.

Ausland.

* Eine neue Marokkodebatte auf Antrag Jaurtzs erlebte die ftanzösische Kammer, in der aber bie Regierung siegte. Bei der Abstimmung wurde die Priorität zugunsten der Tagesordnung Jaurös, in der die Zurückziehung der Truppen an- Marokko verlangt wird, mtt 436 gegen 71 Stim­men abgelehnt. Eine Tagesordnung Lafevte, welche besagt: bie Kammer billigt bte Erklärungen

rief dann in Verzweiflung:O Mann wie hab' ich Sie zu meinem Unglück verkannt'. Ich bitte um Papier und Feder, ja, ich bin schuldig, aber nicht wie man glaubt. Er setzte sein Be­kenntnis auf und Wolffs Plan war gelungen. Sternberg hatte das Spiel, das er getrieben, nicht durchschaut und hatte dem dunklen Ehren­mann geglaubt.

Durch das Geständnis war das Los des Hof­rats entschieden und man hatte keinen Grund mehr, ihn in Marburg zu behalten. Am 12. Juki wurde er mit noch anderen Angeklagten nach Cassel transportiert, er selber in seinem eigenen Wagen. Am 14. Juli wurde et im Kastell ab­geliefert, welches er nur zu seinem Todesgange verlassen sollte. Die kriegsgerichtliche Unter­suchung hatte einen schnellen Verlauf, Stern­berg wurde nun täglich zweimal verhört. Er wurde zum Tode mittels Pulver und Blei ver­urteilt. Sternberg wurde bei Verkündigung dieses Urteils, obgleich et es nicht erwartet hatte, nicht erschüttert. Er traf die letzten An­ordnungen mit Ruhe und schrieb an seine Frau. Der Pfarrer Götz bereitete ihn zum Tode vor. Am 19. Juli nachmittags 5 Uhr trat et mit zwei seiner Genossen, Daniel Muth aus Ockershausen und Wendel Günther aus Sterzhausen, den Todesweg nach dem Forst an, um 6 Uhr war das Urteil vollstreckt. Sternberg verband sich selbst die Augen und empfing das tätliche Blei; schlecht getroffen lag et wimmernd am Boden. Die Kugel eines mitleidigen Jägers bereitete seinem geben ein Ende. Sternbergs Frau glaubte sicher daran, daß Jerome Gnade gewähren würde. Sie wollte sich ihm persönlich zu Füßen

bet Regierung im Vertrauen darauf, daß sie in Marokko die Achtung vor ben Interessen Frank­reichs unb bet Ausführung bet Uebereinfouunen unb Verträge wahren werde, welche bie Bezieh­ungen Frankreichs zur marokkanischen Regierung regeln, wurde mtt 433 gegen 67 Stimmen ange­nommen. Das Haus nahm sodann mit 460 gegen 72 Stimmen ben einzigen Artikel des Gesetzent­wurfes an, bet einen Ergänzungskredit in Höhe von 12 Millionen für bie Operationen in Marokko verlangt. Darauf würbe bie Sitzung geschlossen.

Marburg und Umgegend.

(Rächdruck aller Ortginalartikel ist gemäß 8 18 bei Urheberrecht! nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhesi. gtg.* erstattet.)

Marburg, 24. Rov.

Bom Amtsgericht. Vom 1. Dezember b. I. ab stnb bie Sprechstunden für sämtliche Gerichts­schreibereiabteilungen des Amtsgerichts Marburg auf die Zeiten von 1012 Uhr vormittags unb 34 Uhr nachmittags verlegt worden.

Verleihung. Einem früheren Offizier des hiesigen Jägerbataillons, dem Oberleutnant Frei- Herrn von Rorbeck zur Rabenau in der Schutz- trnppe für Deutsch-Ostafrika wurde das Ritterkreuz des Königlich Italienischen St. Mauritius- und Lazarus ordens verliehen.

Militärisches. Die Umwandlung des Vete­rinärkorps der Armee in ein VeterinäroflisterkorpS ist zum 1. April 1910 in Aussicht genommen. Diele Verwandlung ist den Militärveterinären bereits seit Jahren versprochen worden und sollte ur­sprünglich schon am 1. April 1909 erfolgen, dem Zeitpunkte, an dem die ersten Abiturienten in bie Laufbahn eingetreten sind. Die Neuorganisation wirb Ausgaben in Höhe von y2 Million .M. verur­sachen.

* 8« 30 Jahren. Am 23. Januar 1879 brannte abermals die Brauerei von Zeitz in Weidenhausen ab. Am 10. März brannte am Renthof Nr. 4 (Glaser Schultz) der Mittelbau ab. Von der Morbacher Quelle werden nach beendigtem Prozeß mtt der Gemeinde Marbach zwei neue Röhrenftränqe gelegt unb der seit­herige Weg burch ben Ouenttnschen Garten ver­lassen. Die Röhren werben Über die Rent- hofsttaße geführt. Vom 28. bis 30. Mai fanden bie Feierlichkeiten zur Einweihung des fertig gestellten Universttätsgebäudes statt. Kaiser Wilhelm hat der Universität fein Bild geschenkt und dem Rettor die goldene Amtskette verliehen. Am 25. November brannten am Grün in der 6. Eauerschen Gerberei mit Dampfbetrieb einige Gebäude ab; es war ein großes Feuer, besonders bei der damals herrschenden Kälte war es eine schwierige Aufgabe der Feuerwehr, Herr darüber zu werden, weil bei der damaligen Kälte von 6 Grad die Schläuche einfroren. Man dachte auch, daß der Dampfkessel erplodieren würde. Das Rathaus war in diesem Jahre innen und außen renoviert worden. Bei der Neuwahl des städtischen Körpers wurde auch der ganze Stadtrat renoviert und der Ausschuß bis auf einige neu gewählt. Vom 15. November bis zum 28. Dezember war starker Frost mit teilweise 2224 Grad Kälte. Am 28. Dezember gab es Tauwetter bis nach Neujahr, wo es

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werfen, aber auf dem Weg nach Cassel, in Jes­berg, mußte sie umkehren, weil sie die Geburt eines Kindes erwartete. Sie würde auch zu spät gekommen sein, denn ihr Mann war bereits erschossen. Am folgenden Tage gab sie einem , Sohn das Leben.

Die Briefe, welche Sternberg an seine Frau geschrieben hatte, wurden dieser erst nach feinem Tode ausgeliefert.. Eine Stunde vorher schrieb et an sie:

Cassel, 1 Stunde vor meinem Tode.

19. Juli 1809.

Hier liebes Weib noch eine Haarlocke! Noch ein Lebewohl dazu, Dir und den Kindern. Gott sei mit Euch! Er verzeihe allen, die Un­recht tun! Sieh ich bin voll Fassung! Eltern, Geschwister, Kinder! Bald werde ich bei Euch sein! Bald in einer besseren Wett! .. . Nie bin ich böse gewesen. .Menschenwohl war mein höch­stes Ziel. Pfarrer Götz ist bei mit gewesen. Die Unterhaltung mit ihm war erhebend, denn seine Ideen sind die meinigen. O hätt' ich Euch nicht, Weib und Kinder, wie gerne schied ich aus einer Welt, die mir nur Jammertal war. Die Freuden gingen meinem Leiden voraus, um dieses desto fühlbarer zu machen. Genug, ich habe ausgekämpft. Nie war mein Herz böse. O, an Dir und den Kindern, wie innig es daran hängt, das fühle ich jetzt. Aber ich will Mann sein, wie ich immer gewesen bitt. Und wenn mit der König Gnade geben wollte nein! Diese Beschimpfung ist groß. Gott sorge fit Euch und fei Euer Vater. Lebt wohl!

Ewig Dein Sternberg. !

\ (Schluß felgt.)