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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und,Landwirtschaftliche Beilage."

0*71 Sonn- und Feiertag« eJi=. 11 jährlich durch di« '5i

DieGdrrhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der ' ~ ' ,e. Der Bezugspreis beträgt oiertel-

. , , tost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei

unser» Zeitungsstelle» und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Freitag. 19. November 1909.

44. Jahrg,

Die JniertionSgebützr beträgt für die 7gespaltetle Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnwersttätSSuchdruckerei Inhaber Dr. $. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

Politische Umschau.

Zum Besuch des österreichischen Thronfolgers in Berlin.

Wie«, 16. Nov. In einem Artikel des Fremdenblattes" über den Berliner Besuch des Erzherzogs Franz Ferdinand heißt es u. a.: In den letzten Tagen haben wir gewiß mit größ­ter Befriedigung über den herzlichen Empfang zu berichten gehabt, den der Erzherzog Thron­folger Franz Ferdinand und die Herzogin von Hohenberg am Berliner Hofe gefunden haben. Dabei find ckufs Neue, wie schon oft bei ähn­lichen Anlässen, die wahrhaft innigen Bezie­hungen für alle Welt wahrnehmbar geworden, wie sie zwischen beiden Herrscherhäusern seit einer langen Reihe von Jahren bestehen. Die Begegnung zwischen ihren Mi- /...ehern trägt dazu bei, dieses auf gegenseitiger Hofchätzung und Zuneigung begründet« Verhältnis zu ver­tiefen und diese die beiden Reiche verbindende «nersch'itterliche Freundschaft immer wieder zum. Ausdruck zu bringen. Mit Recht erblickt darum die Bevölkerung dieser Monarchie in den enoen persönlichen Beziehungen der beiden Dynastien eine äußerlt wertvolle Ergänzung des den beiderseitiaen Interessen in so segens­reicher Weise dienenden Bündnisses.

Deutsches Reich.

Der König von Sachse« i« Wien. Wien, 17. Nov. Der König von Sachsen, der heute früh hier eintraf, begab sich vormittag liy2 Uhr zur Hofburg, um dem Kaiser einen Besuch abzu­zustatten. Später fuhr der Kaiser beim Au- gortenvalois vor, um dem König FriÄrich August seinen Gegenbesuch zu machen. Am Abend veranstaltete Erzherzogin Maria Josefa im Augartenpalais zu Ehren des Königs ein Diner, dem u. a. der deutsche Botschafter von Tschirschkv und Gemahlin, und der sächsische Ge­sandte ^raf von Rer beiwohnten.

Der Herzog von Cumberland in Mün­chen. München, 26. Nov. Der Prinzregent gab heute Nachmittag zu Ehren des Herzogs und der Herzogin von Cumberland eine Tafel, an der außer den Genannten die Prinzen Georg Wil­helm und Ernst August Wilhelm, ferner die Prinzessin Ludwig von Bayern, Kriegsminister von Horn und andere teilnahmen.

Landtomsersatzwahl. Marienwerder, 16. November. Bei der heutigen Landtagsersatz­wal l im Kreise Stvbm-Marienwerder wurde Justizrat Dr. Schroek (Freikonservattv) mit 249

Lebensbilder ans der Tierwelt.

Es ist unter diesem Titel durch den rümlichst be­kannten Verlag R. -Voiatländer, Leipzig, in Verbin­dung mit dem .Herausgeber H. Meerwatth ein Unter­nehmen ins Leben gerufen worden, das unsere unbe- dinate Bewunderung herausfordett. Zwei Bände sind bis jcfet erschienen: 1. Säugetiere, 2. Vögel. Es sollen sich als weitere Bände daran anschließen: 3. Amphi­bien, Reptilien und Fische, 4. Wirbellose Tiere. Was jene beiden ersten Bände auszeichnet, das ist die auf naturwissenschaftlicher Grundlage aufgebaute und da­bei doch in gemeinverständlicher, ansprechender Form gegebene biologische Darstellung deS- Tieres, wie es fick in seinem Verhältnis zum Herrn der Schöpfung und zu anderen, das gleiche Gebiet bewohnenden Tieren, in seinem natürlichen Leben und Treiben zeigt. Diese Tarstellungsweise schließt selbstverständ­lich eine systematische Beschreibung auS. Das Leben läßt sich eben nicht in Systeme einzwängen, dazu ist .es zu mannigfach. Die Tiere werden also, wie fie sich fteilebend in der Natur geben, nicht wie sieeinander angeordnet passen", vorgefühtt. Alle diese Schll- berungen im ersten Bande von Hermann Meerwarth (Reinecke Fuchs, das Opussum, das Kaninchen), Her­man Löus (der Zaunigel, das Eichhörnchen, der Edel­marder), Else Sossel (die Haselmaus, die Haus- Mans), Hermann Friedrich (ter Biber), Karl Sossel ((Waldmaus und Wühlmaus), Martin Braeß (die Wasserratte, Scher- oder Reutmaus), A. Bütow (Wald- und Mühlmaus), Ernst Schaef (Bison und Wisent), Hugo Otto (Unsere Wiesel) sind so lebens­voll, so klar und so anschaulich, daß wir beim Lesen gar nicht aufsehen möchten: es ist so, als wären wir -selber mit draußen und möchten gar nicht wieder in unser Zimmer zurück. Und nun diese entzückenden scharfen Freilichtaufnahmen freilebender Tiere! Jede Retousche ist vermieten: man fragt sich unwillkürlich, wie all das Bildmaterial zusamuwntzttraaen werte« konnte, und wie es nur mflafMj Var, solche kühnen Aufnahmen zu machen? Ich heb« et^efac hervor, die m ihrer Schönheit tote SBietergaßat von Oelbildern 'anmuten:Jungfuchs tat tec Rtoagflfmnfe auf dem Bau" von H. Meerwarth, totnetet&n stimmungsvoll tmd friedlich;Igel im Schn« (eine seltene Erschei­nung) von F. .Haselmaus" (tat ter Ga­

belung zweier Aeste mit wette« Aua« nach unten witternd) von DouglauS;tote Kaninchen" bei ter Aesung auf einer dufti-e« Wakdschoetfe, von Meer« warth;Junges Kaninchen am Bau",Zwei jun« Kaninchen in ter Einfahrt jutm Bau", (em herzlich« ttaulickes Bild) von demselben. Dan« einige wert­volle Aufnahmen vom Opossum, unter denen eine Her-

Stimmen gewählt; Donirnirsky (Pole) erhielt 89 Stimmen. i

Die Stichwahlen int 12. Berliner Land-' tcgswahlkreise. Berlin, 16. Nov. Bei der | Stichwahl im 12. Berliner Wahlkreise wurden gewählt: 86 freisinnig«, 52 nationalliberale, 31 konservative, sowie 12 sozialdemokratische Wahlmänner. Es find also jetzt gewählt, ein­schließlich der Hauptwahl: 31 konservattoe, 109 nationalliberale, 226 freisinnige und 338 sozial­demokratische: da di« Zahl der Wahlmänner 704 ist, gehören zur absoluten Majotttät 353. Es hat infolgedessen keine Partei die Majorität.

Deutsche Kolonialgesellschaft. Magde­burg, 16. Nov. Heute Vormittag wurde hier die Vorstandstagung der Deutschen Kolonial­gesellschaft abgehalten. Der Regent von Braun- schweig, Herzog Johann Albrecht von Mecklen­burg, eröffnete die Sitzung mit einer Ansprache, in der er des 25jährigen Bestehens der Kolo­nien gedachte. Zur Annahme gelangte eine Re­solution an den Reichstag über die Abänderung des Gesetzes über die Reichsangehörigkeit. Für den nächstjährigen Kolonialkongreß wurde ein Garantiefonds von 10 000 J*. bereit gestellt.

DieArbeiterpartei" im sächsischen Land­tage. DreÄien, 16. Nov. Von den 25 sozial­demokratischen Abgeordneten, die in der Zwei­ten sächsischen Kammer sitzen, find 7 Redakteure, 3 Lagerhalter, je 2 Geschäftsführer, Buchhänd­ler. Gauleiter und Kassierer. Die übrigen roten Herren find Materialwarenhändler, Tischler­meister, Kassenvorftand, Eewerkschaft.sekretär, Eewertschaftsbearnter, Buchhalter und Bezirks­leiter. Auf der Kandidatenliste war der Abge­ordnete Richter noch als Arbeiter verzeichnet, inzwischen ist er jedoch zum Gauleiter avanciett. Hierzu bemerkt dieD. Tgsztg." sehr richtig: Die Sozialdemokraten, die immerfort darüber Klage führen, daß die bürgerlichen Patteien keine Arbeiterkandidaturen aufftellen, haben also auch in Sachsen, wie man steht, nicht einen wirklichen Arbeiter in den Reihen ihrer Abge­ordneten.

Luftschiffahrt A.-E. Frankfurt a. M., 15. Nov. In der Wohnung des Oberbürger­meisters Adickes konstituierte fich heute die Deutsche Luftfchiffahrt-Attiengesellschaft mit einem Kapital von drei Millionen Mark. Den Vorstand bilden die Herren: Direttor Cols- mann von der Luftschiffbau-Gesellschaft Zeppe­lin Friedttchshafen, Rechtsanwalt Dr. Andreas. Dem Aufsichtsrat gehören an: Oberbürgermei­ster Dr. Adickes-Frankfutt a. M., Walther vom Rath, Oberbürgermeister Marx-Düsseldorf, Oberbürgermeister Wallraf-Köln, Kommerzien­rat Theodor v. Guillaume-Köln u. a.

Berichtigung. Marburg, 18. Nov. Die hiesige StudentenverbindungFrankonia" im Schwarzburgbunde" teilt bezüglich des Ar-

borragenb ist (die Mutter verteidigt die Jungen in ihrem Schlupfwinkel) von A. Ratelhffe. Und ferner: alle die vorzüglichen Aufnahmen vom amerikanischen Bibel (tote er im Wasser sichert, wie er mit Hilfe ter aufgehobenen Kelle auf dem Kreuze Baumaterial zum Damm trägt wie er nach getaner Arbeit im geöff­neten Uferbau ruht, wie er den abgeschnittenen Zweig beim Fallen beobachtet u. s. f.; von Behr, Leithold, Pfau u. a.). Aus der ganzen Fülle nur noch einige erwähnenswert sind sie ja alle: das Bild der beiden Bisons aus der Corbinherte, die Springmaus auf der Weizenähre, das humorvolle Bild von den zwei streitenden Bergmäusen, die Hausratte beim Zu­richten von Neftmaterial, die Hausratte in Vetteidi- gungsjiellung, und eins ter allerschönsten: ein nord- amerikanischeS Eichhörnchen beim Plündern eine 3 Droffelnestes, sämtliche lebensvollen Aufnahmen vom Edelmarder; tote die Waldmühlmaus ihre Jungen säugt, Wildsctzveine auf dem Wechsel in tiefem Schnee, die durchweg gut gelungenen Aufnahmen vom Schwarzwild:

Den Schluß des ersten Bandes bildet eine Mono­graphie über ten Etelhirfch von Fritz Bley, die Perle von all den biologischen Darstellungen, so anziehend und, ich möchte sagen: ntit einer so poetisch-epischen Gründlichkeit, mit einer so sicheren, immer den je­weiligen Begriff ausfüllenten Ausdrucksweise geschrte« ten, daß wir sie in einem Zuge lesen mußten, trotz ter 241 Seiten. Das macht: tem Verfasser ist von Natur aus ein scharfer Beobachtungssinn eigen, den er auf seinen mannigfachen, ausgedehnten Fahrten al? toalb« und heitefroher Waidmann geschult und immer mehr verfeinert. Er hat im buchstäblichen Sinne den Edel­hirsch verfolgt, bis in die Landschaften von West Wyoming und Montana und ins nordwestliche Kolo­rado hinein. Zu Beginn seiner Monographie läßt er sich über die wissenschaftliche Stellung und Verbreitung der Edelhirsche im allgemeinen aus und wünscht batet der Wissenschaft, die gewiß viel nützliche Einzelarteit geleistet habe, mehr eine ernstere Beobachtung an lebenden Tiere selbst. Dann kommt er auf ten «Wa­piti" zu sprechen und gibt seine sicheren Forschungen, die an sich auf den Laien vielleicht ermüdend Witten Knuten, eine so starke Hochwaldstimmung, daß wir an feiner Seite hinzuschreiten glauben: er reißt unS mit sich- ob wie wollen oder nicht.Der Ruf ter großen Ohr-Eule schweigt. In durchsichtigem Rosenrot glühen hoch, himmelhoch über tem dunllen, schlummernden Walte die schneebedeckten Gipfel ter Felsengebirge von Wyoming. Ein mattgraues Tiefrot zieht langsam im Osten herauf, ten jungen Tag verkündend. In ten Wipfeln ter Schwarzkiefern eetoadjt das Leben. Am Rande bet Waldblöße weckt bk Wachtel mit ihrem

LikelsHegelSchücking" in Nr. 269 unseres Blattes mit, daß die BurschenschaftEer- mania"-Eötttngen nicht, wie irrtümlich be­richtet. demWartburgbunde" fonbetn dem Schwarzburgbunde" angehört.

Ausland.

** Schweiz. Bern, 16. Nov. Bundeskanzler Dr, Rigier reichte sein Rückttittsgesuch ein.

** Französische Steuersorgen. Paris, 16. November. In der Kammer wurde di« Be­ratung des Budgets fortgesetzt. Leroy-Beaulieu (liberaler Republikaner) befürchtet, daß die vorgeschlagenen neuen Steuern auf Alkohol und Tabak, sowie die Erbschaftssteuern die äußerste Grenze der Bcheuerungsmöglichkeit erreichten, und betonte, daß die Steuern in Frankreich 18 v. H. des Nationaleinkommens ausmachten, in Deutschland und England aber nur 12 v. H. Trotzdem habe Deutschland noch seine Marine ausbauen und die Arbeiterfürsorge verwirk­lichen können. Der Redner zeigt dann, wie Frankreich auf das Fünf-Milliarden-Budget losmarschiere. Frankreich gab seit zehn Jahren 3 Milliarden für die Marine aus, Deutschland dagegen nur zwei) dabei habe Deutschland Frankreich eingeholt, sogar übertroffen. Doumer (radikaler Republikaner) führte aus, Frank­reich bezahle teurer als Deutfchlatü», aber diefes Jahr gebe Deutschland für seine Flotte 200 Millionen mehr aus als Frankreich. Leroy- Beaulieu meint darauf, man könne sogar bei den Ausgaben für die nationale Verteidigung sparen, denn nicht alle seien nutzbringend.

Hessen-Nassau und Nachbargeblete.

G. Nidda (Oberh.), 17. Nov. Durch den Zu­sammenbruch des Vorschuß- und Kreditvereins Ober-Mockstadt, e. G. m. u. H., und die notwendig gewordene Zuschutzzahlung von 2500 M pro Mit­glied zur Deckung des Defizits sind auch viele Mit­glieder der Kttegervereine in finanzielle Bedräng­nis geraten. In kameradschaftlicher Weise ist setzt innerhalb des hessischen Landeskttegerverbandes Hassia" eine Hilfsaktion zugunsten der bedräng­ten Kameraden einaeleitet worden.

Frankfurt er. M 16. Nov. Die Stadtver­ordnetenversammlung beschloß heute einstimmig, den Magistrat zu «suchen , gegen die für das Reich geplante Wertzuwachssteuer vorstellig zu werden.

G. Hanau, 17. Nov. Die beiden hiesigen Aktien­bierbrauereien werden in diesem Jahre keine Di­vidende vetteilen.

CSatms, 16. Nov. Der in Untersuchungshaft befindliche Taglöhner Selzer hat, wie die Wormser Zeitung" melddt, heute vor dem Un­tersuchungsrichter ein endgilttges Geständnis abgelegt. Nach seiner Aussage ging er am

Dresschlage die anderen Vögel. Schäckernd und zwit­schernd fährt die Amsel aus ihrem Schlafe auf und stimmt ihr helles Lied an, in das die Spottdrossel ein­fällt." U. s. f. So seht es ein. Hier ist wahrlich mehr als MasiuS. Und dann lassen wir uns von den asiati­schen Edelhirschen erzählen. Er beteuert, daß in dem Gebiet vom Japanischen Meer bis zum Ural ter Wild­stand seinem Untergang entgegengeht, bevor überhaupt die Tierwelt dieser hochwichtigen Länder auch nur annähernd bekannt ist. Bei ter Gesetzlosigkeit, die im russischen Reiche nun schon seit Jahren herrscht, ist vorläufig noch gar kein Ende dieses Vernichtungs­werkes abzusehen . Noch im Jahre 1905 ist im Ber­liner Zoologischen Gatten eine ganz neue Hirschart eingeliefert worden, von deren Dasein im Statur« gebiete des Tianschan man bisher keine Ahnung hatte und viele neue Formen bekannter Arten kommen noch jährlich als bisher unbekannt in die Äulturftäbte. Im Altai züchtet man den asiatischen Edelhirsch in ge­schlossenen Patten, aber auch nur zu Handelszwecken. Man muß es vom waidmännischen Standpunkte auS geradezu als einen Segen preisen, daß das wildreiche Korea japanisch geworden ist. Jetzt sind in Japan wie auch in Amerika, wenn auch leitet etwas zu spät, gute Wildschuhmaßregeln getroffen worden. Die Japaner sehen mit ter Zeit auch ein, daß die Tier- und Pflan­zenwelt ihrer Heimat zu ten Naturdenkmälern gehört, die pietätvoll ihren Nachkommen zum Nutzen geschützt werten müssen. Dann nehmen wir im Geiste teil an einem Jagdausflug Bleys in Persien: auch hier wieder einzig schöne Schilderungen, hören weiter vom Kaukasus- und Altaihirsch (dazu eine wunderschöne, stimmungsvolle Aufnahme vom Altaihirsch) und lassen uns über die Geweihbildung belehren. Den Aussatz: Das Waldgespenst", der sich daran anschließt, muß man lesen; hier ist Bley Natur, in und mit Statur! Der Brunsthirsch' undDer Hirsch als Bild des Le­bens" zeigen Bley dann nicht nur als vorzüglich be­gabten Beobachter und Lauscher bet Statur, sondern auch al# literarisch gründlich gebildeten Menschen. Von den Bildern hebe ich hier noch hervor:Deusscher Stoöjirfdj" (toter Scharhirsch) gleich zu Anfang de# Buches, die Aufnahme von den Hirschen inJacksons Loch" (südlich teS weltberühmten Nellowstcme-ParkeS, Wo gegen 40 000 Wagttihirsche zusammenkommen), ferner:Zur Tränke ziehendes Wild", Wapitikreu- zungShtrfch (nut rechtsseitiger Schaufelbildung), meh­rere schöne Aufnahmen vom Altaihirsch, den schreien­den KaukasuShrrsch (ein ergreifendes Bild! S. 439), Schottische Hirsche an ter Tränke", ein Platzhirsch (vom schottisihen Hochwald), ein mähnenloser un­garischer Gebirgsrvthirsch, zwei miteinaber ringende Rothirsch« «sw. -____.____ . -

Mittwoch nachmittag zur Frau Scheid, die da bei das Ansinnen an ihn stellte, den Lehre) Kruger umzubringen, worin er schließlich ein willigte. Frau Scheid gab Selzer 5 Mark, un ein Rasiermesser zu kaufen, das Selzer dani auch erstand, worauf er zu Frau Scheid zurüch kehrt«, die dann mit dem Lehrer Kruger fort ging mit dem Bemerken, daß sie ihn hetruntei machen wolle. Selzer hielt sich unterdessen ft einer Kammer verborgen. Später kam Fra« Scheid mit Kruger zurück, der fich in betrun kenem Zustande schlafen legte. Selzer wurd» jetzt von Frau Scheid aufgefordert, die Tat auszuführen. Er trat vier- oder fünfmal ft die Schlafstube, doch fehlte ihm zunächst de> Mut, die Tat auszuführen. Endlich packte e Kruger an dem Kopf, hielt ihn fest und Frai Scheid schoß dem Schlafenden eine Kugel in di, Schläfe und brachte ihm den Schnitt in del Hals bei. Nachträglich hat auch die neun, jährige Tochter der Frau Scheid erklärt, das ihre Mutter mft einem Manne im Zimmer go wesen sei. Selzer verließ nach der Tat dai Haus.

Unpolitische Tagesnachrichten.

Lerlin, 16. Nov. Infolge einer Benzin explosion entstand in einer Droguerie der Blü cherstraße eine gewaltige Feuersbrunst, der de gesamte Inhalt der Drogenhandlung uni einer angrenzenden Gastwirtschaft :,um Opfe. fielen. Durchschlagende Flammen, die ihre» Weg durch einen Luftschacht bis zum Dach- nahmen, verursachten in den dem Luftschach zugewendet liegenden Wohnung Brände. Per feiten find nicht zu Schaden gekommen.

Sternen, 16. Nov. Der deutsche Dampfet LLtzow", von Ostasien heimkommend, berührte in Neapel bei der Heimfahrt die äußere Mole Die Taucheruntersuchung ergab nur eine gering, Verbeulung der Außenhaut des Schisses. De» Dampfer setzte nachmittags die Reise fort.

Dutlach, 16. Nov. Bei der Bluttat ft Grötzingen ist noch zu berichten, daß der Mör der Vetter nicht aus Mülhausen, sondern au» Malsch bei Heidelberg stammt.

Leipzig, 10. Nov. Heute fand die Grund steinlegung des künftigen Leipziger Hauptbahn- Hofs statt.

Chemnitz, 16. Nov. Gestern Abend ent stand, wie dieChemnitzer Neuesten Nachrich ten" melden, tn der Wohnung der Witw« Frömming dadurch Feuer, daß ihr iy2iafjrttje, Kind beim Spielen die brennende Petroleum, lampe umwarf. Die beiden Kinder der Witw, erlitten so schwere Brandwunden, daß dar jüngste Kind ball, darauf starb, während-c« älteste kaum mit dem Leben davon komme»

Auf ten zweiten, ebenso schnönen Band (Di, Vögel), komme ich später noch zu ip-.w,. Mak möchte von Hetzen wünschen, daß dieses Unternehme» nach Kräften unterstützt wird, besonders <-4 Ankauf des Werkes für Bibliotheken. UebrigenS soll >- Edel, Hirsch-Monographie tem Fritz Bley auch in >-*>'teiei Ausgabe erscheinen. Man wird dieser Monographi« vielleicht die von Forstmeiste, von Raesfeld entgegen» halten, die in ihrer Weise zweifellos das Beste ist, bal wir besitzen. Aber Bleys Arbeit liegt eben auf ei neu) ganz ernteten Gebiete. Raesfeld behandelt nut' da» RotsnId und sogar nur teS ort nordteuIschen Tief­ebene. Er hat sich weder um den Rothirsch ter Alpen, noch um den ungarischen oder schottischen gekümmert Hingegen behandelt Bley die sämtlichen Edelhirsch» (ElaphuS-Gtuppe) der Erve und seine Darstellung unterscheidet sich von tec Raesfelds ganz wefentlif terin, daß sie hauptsächlich biologisch ist, andererseitk aber die ganze Gruppe im Rahmen ihrer entwicke­lungsgeschichtlichen Stellung gibt. WaS dies anbetrifft, so muß man bedenken, daß die Paläontologen UNS du Austvättsbewegung der vorzeitlichen Arten vom lang- gezähnten und geweihlosen Paläomeryx bis zu dem eckzahnlosen und das Gabelgeweih bereits abwerfenden Dicrocerus clegans zwar richtig tetgestellt, es aber alle abgelehnt haben, auf dieser Grundlage die Weiter­entwicklung bis zu den nunmehr lebenden Arten zu geben. Selbst Nitzsche, der Direktor der Kgl. Forst- akademie in Tharmandt, schreibt am Schlüsse seiner Arbeit über die vorzeitlichen Hirsche ausdrücklich, daß erauf den billigen Ruhm, eine Stammtafel der Hirsche zu geben, verzichte". Und doch war diese ein unabweisbares praktisches Bdürfnis. Denn wie sollte ter gebildete Laie sich eine Anschauung von dem Zu­sammenhänge erwerben, da alle modernen zoologischen Werke die Hirsche mit ter höchstentwickelten Art, dem deussche» Rothirsche, begannen und die Verzweiaung der anderen Gruppen in höchst unübersichtlicher Weise gegeben war. Dem hat Bley abgeholfen, indem er die Entwickelung von Zwergsprießen zum Kronenhirsche bargetan und die Zugehörigkeit des aus Amerika aus- getoanterten Wapiti mit der Elavhus-Gruppe auf Grund der Griffelbeinrechte anschaulich dargestellt hat (wie die eigenartige Ausnahmestellung, die das Reh ht dieser Hinsicht als eine anatomisch tem Elch in man­cher Hinsicht verwandten Art einnimmt).

Selbstverständlich ist dies für Bley nur der Näh­men gewesen, innerhalb dessen er die Edelhirsche be­handelt hat. Diesem hat er aber doch gewiß viel neng Seiten abgewonnen, denn vom Tun und Treiben bet amerikanischen unb asiatischen Edelhirsche ist bisher doch eigentlich ein anschauliches Bild noch nicht geboten treiben. O. öneelbarb-Sflna«.