mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg uud Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
Die „Gverhefstsche Jeitunq" erscheint täglich mit Ausnahme der ■*£ 97ß I Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- •JiS« m IV | jährlich durch di» Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Mittwoch. 17. November 1909.
Die Insertion Sgebllhr beträgt für die 7 gespaltene Zelle oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Iah. Aug. Koch, UnioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiherotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
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^wertes Blatt.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 89.
Bußtagsgedanken.
Wir leben in einer Zeit voller Gegensätze. Auf der einen Seite ein kräftiges Regen des Lebens, ein Vorwärtsschreiten der Menschheit und unseres Volkes auf allen Gebieten des Wissens und der Industrie, der Technik und der Kunst — und auf der anderen Seite eine tiefe Verachtung des Lebens, mangelnde Kraft und eine erschlaffende Lebensmüdigkeit. Der Menschengeist dringt vor in ungeahnte Gebiete des Wissens, macht Wasser und Luft sich dienstbar, der Mensch setzt seinen Fuß auf die Pole der Erde, durchschneidet das Luftmeer mit seinen Flugapparaten und gestaltet die Erde um, daß Wohlstand und Kultur sich heben — und daneben ein Ueberdruß an allen gewonnen Gütern, eine erschreckende Energielosigkeit und Schwäche gegenüber dem Lebenskampf, daß selbst junge Männer nicht wagen, den Kampf des Lebens aufzunehmen, und unreife Knaben zur Schußwaffe greifen aus nichtigen Grünen. Es nützt uns nicht, daß in unserem Volke die äußeren Erfolge wachsen und die innere Kraft erlahmt. Wir brauchen Kraft, sittliche Kraft, neue Kraft. Wir brauchen sie bei Mann und Weib, bei Jüngling und Jungfrau! Wir brauchen sie nicht nur in diesen äußersten, in das Auge fallenden Gegensätzen unseres modernen Lebens, wir brauchen sie überall im täglichen Leben.
Denn wir sind alle Kinder unserer Zeit, und wie eine geistige Luftschicht dringen die Gedanken und Fehler unseres Zeitalters selbst in das kleinste und unbedeutendste Haus im Volke. Es gibt viel Murren und Unzufriedenheit, viel Kraft- und Energielosigkeit, viel Kleinmut und Verzagtheit. Und es gibt darum auch viel Schlaffheit gegen die Versuchung, viel Verwirrung des sittlichen Urteils. Man ist verwirrt durch die in der Luft schwirrenden Irrlehren unserer Zeit, man glaubt den Unterschied zwischen Gut und Böle vermischen zu können Und wagt es nicht mebr. Sünde wirklich Sünde zu nennen. Und so frißt denn die Zeitkrankheit weiter um sich, zerstört still, unheimlich wirkend Sitte und Sittlichkeit, weckt überall Schwanken und Unsicherheit und entnervt schon Kreise, die bisher dagegen ein starkes Bollwerk gewesen find.
Ja. was nützen unserem Volk äußere Erfolge und Glanz, wenn die sittliche Zuckt und Kraft, erlahmt? Wir brauchen Kraft, sittlich« Kraft, große Kraft, heilige Kraft. Rückkehr zur Kraft ist die Mahnung des Landesbußtages! Die tiefste Kraft aber, die hier erneuernd wirken kann, ist die Demut, die geweckt wird durch die tägliche Umkehr zu dem Quell aller Kraft, zu dem heiligen Gott im Himmel. Eine entwurzelte Pflanze muß welken, und trüge sie die
19 (Nachdruck verboten.)
Mas Gott zulamutenaefugl —.
Roman von H. Lourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Paula Hardenberg und Eva wurden den Schwestern nach dieser Eröffnung nur noch interessanter. Fragen zu stellen, dazu waren sie zu feinfühlend, aber auf der Nachhausefahrt unterhielten sie sich eifrig über das Thema, ohne indes mit einer Ahnung die Möglichkeit zu streifen, wer Eva und ihr Bruder Georg eigentlich waren. Unter diesem Bruder stellten sie sich naturgemäß einen Knaben vor, der im Alter nicht sehr von Eva unterschieden war.
Zu Hause wurden sie indes schnell von diesem Thema «-gelenkt, da Frau Werner ihnen mitteilte, daß Bernhard Trautmann vorgesprochen hätte und am Nachmittag noch einmal wiederkommen wolle, ehe er zur Weihnachtsfeier zu seinen Eltern nach Loschwitz fuhr.
Er traf dann auch pünktlich ein in Gesellschaft seines Bruders. Die Herren wollten sich vor allen Dingen von Coulmann verabschieden. Dieser erklärte jedoch, daß unbedingt eine kleine Abschiedsfeier stattfinden müsse und lud die Brüder für den zweiten Feiertag zu Tisch ein.
„Dabei trinken wir eine AbschiÄsbowle, meine Herren. So sang- und klanglos dürfen wir nicht auseinander gehen," sagte er jovial.
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Georg war in Villa Waldfrieden einge- troffen. Voll freudiger Genugtuung sah et, wie innig sich das Verhältnis Evas zu ihrer Pflegemutter gestaltet hatte. Wohl wurde der große Bruder noch mit dem alten Jubel und der 1
schönsten Blüten; ein Menschenleben, losge- rissen von dem Boden, auf dem es gedeihen kann, von dem Herzen feines Schöpfers, verwelkt und verkümmert. Darum ist es die eindringlichste Bußtagsforderung, umzukehren zu den Quellen wahrer Kraft mit dem Bußtags- gebet des alten Psalmbuches:
„Gib meiner Seele Kraft, große Kraft!"
Deutsches Reich.
— Kieler Werftprozeß. Kiel, 15. Nov. Der Privatdetektiv Einzell, der voe einigen Tagen im Werftprozesse eidlich darüber vernommen wurde, welche Ermittelungen er im Auftrage der Frau Frankenthal angestellt habe, ist wegen Verdachts des Meineids verhaftet worden.
— Prozeß Wetterltz. Leipzig, 15. Nov. Das Rechsgericht verwarf die Revision des Abgeordneten Wetterltz, der am 13. Oktober vom Landgericht Kalmar wegen Beleidigung des Professors Dr. Eneisse zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde.
Ausland.
** Ein englischer Genosse zum Frauenstimmrecht. Der englische Genosse Belfort-Bax hat sich in dem Organe der englischen Sozialisten „The Socialdemocrat" scharf gegen die Einführung des Frauenstimmrechtes ausgesprochen. Er meint, die Einführung des Frauenstimmrechtes sei eine Ungerechtigkeit, da die Frau ohnehin schon der „schrankenlos bevorzugte Teil der Ee- sellsckaft" sei. Belfort-Bax sagt dann es sei doch unmöglich, die Frauen über Krieg und Frieden entscheiden zu lassen, ohne sie gleichzeitig der allgemeinen Wehrpflicht zu unterstellen. Das Frauenwahlrecht sei erst dann einigermaßen gerecht, wenn die Frau gesetzlich verpflichtet sei, für ihren eigenen Lebensunterhalt, für den ihres Mannes, wenn er arbeitsunfähig ist, und teilweise für den Lebensunterhalt, ihrer Kinder zu sorgen, und wenn sie schließlich zu allen Pflichten, die dem Manne auferlegt sind, ganz ebenso herangezogen werde. — Der „Vorwärts" ist über den Genossen sehr böse und meint: „Eine ernsthafte Widerlegung dieser absurden und unhaltbaren Anschauungen erübrigt sich wohl." — Einen Grund dafür gibt er nicht an.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlicben Quellenangabe .Oberheff. Zig." gestattet.)
Marburg, 16. Nov.
• Das Kinderprivileg soll nach einer Verfügung des Finanzministers an die Vorsitzenden der Einkömmensteuerberufs - Kommission auch auf Angehörige der Ehefrau, denen auf Grund der §§ 1601 bis 1615 BEB. Unterhalt gewährt wird, ausgedehnt werden, ohne daß es darauf ankommt, ob im Einzelfalle die Ehefrau Einkommen oder Vermögen, das dem steuerpflichtigen Einkommen oder Vermögen desEhemannes hinzuzurechnen wäre, besitzt oder nicht.
* Goldatenheim bei Ohrdruf. Zur Errichtung eines Soldatenheims bei dem Truppenübungsplatz bei Ohrdruf, das der Bewahrung unserer
alten Zärtlichkeit empfangen, aber die Hauptperson in Evas Dasein war doch entschieden Mami geworden.
Mit Absicht hielt sich Paula etwa zurück, um den Bruder zu seinem Reckte kommen 'zu lassen, aber Eva verlangte, daß Mami bei allem dabei war.
Georg konnte sich genugsam überzeugen, wie sorglich und liebevoll sein Schwesterchen behandelt wurde, und innige Dankbarkeit gegen die gütige Frau füllte sein Herz.
Am ersten Abend bat Paula ihren East, sie im Gobelinzimmer zu erwarten. Sie wollte noch ein Stündchen mit ihm plaudern, nachdem sie Eva zu Bett gebracht haben würde. Dies Amt überließ die gewissenhafte Pflegemutter nie den Dienstboten. Sie beschäftigte sich überhaupt viel mit Eva, um das Gefühl bet Zusammengehörigkeit zu stärken.
Georg saß in dem wundervoll lauschigen und behaglichen Zimmer, dessen Wände mit kostbaren, herrlichen Gobelins geschmückt waren. Jedes Möbel und jeder Gegenstand verriet den geläuterten Geschmack und das feine Kunstverständnis der Besitzerin.
Mit sinnendem Blick sah er sich um. Seine Gedanken beschäftigten sich mit Paula Harden' berg. Sie war die interessanteste Frau, die et im Leben kennen, gelernt hatte. Ihr Wesen wat in den letzten Monaten wieder etwas frischer und lebhafter geworden und hatte ihn heute von neuem gefesselt.
Als sie jetzt eintrat und stch mit freundlichem Blick ihm gegenüber in einen Sessel gleiten ließ, richtete er sich lebhaft auf und sah sie an. Sie trug ein langfließendes schwarzes Kleid von weichem Seidenstoff. Es legte stch in
jungen Mannschaft vor Ausbeutung und Verführung dienen soll, hat der Herr Oberpräsident eine Landeskollette bewilligt, die 1910 auf geordnetem Weg erhoben werden soll. Sie wird jetzt schon allen Freunden der Jugend empfohlen.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Frankfurt, 14. Nov. In dem Testament der vor einigen Tagen verstorbenen Frau Franziska Speyer sind große Zuwendungen für gemeinnützige und wissenschaftliche Zwecke vermacht. Die Georg und Franziska Speyer-Stiftung der Akademie für soziale und Handelswissenschaften bekommt eine Million Mark, die Speyer-Stiftung für neue Heilmittel ebenfalls eine Million, das Frankfurter Armenamt und die Jdiötenanftalt in Idstein je eine halbe Million. Auch zahlreiche andere gemeinnützige Institute wurden reich bedacht.
Langenselbold, 14. Nov. Heute vormittag fand in hiesiger Kirche die Ordination unseres neuen Hilsspfarrers, Herrn Kurz aus Marburg, statt, vollzogen durch Herrn Superintendenten Fritsch aus Hanau unter Mitwirkung des Herrn Pfarrers Hufnagel von hier und des Herrn Pfarrers Heck aus Hüttengesäß.
Gummersbach, 14. Nov. Die ledige Unsitte, beim Kuhhüten sich ein Feuerchen zu machen, hat im nahen Helmershausen wieder ein Opfer gefordert. Das sechsjährige Töchterchen der Familie Herwarth kam mit dem Kleidchen dem Feuer zu nahe, und im Nu glich das Kind einer Feuersäule. Im Krankenhaus ist das arme Geschöpf kurz nach seiner Einlieferung unter den furchtbarsten Qualen gestorben.
Mücke, 14. Nov. Ein großzügiges Eruppen- wasscrwerk für sechs Gemeinden unserer Umgegend ist laut „Gieß. Anz." geplant. Es sollen daran Sellnrod, .Schmitten, Lardenbach, Weickartshain, Klein- und Groß-Eichen angeschlossen werden. Die Quellen liegen in der Nähe von Wohnfeld. Nachdem schon über ein Jahr Verhandlungen gepflogen wurden, fand dieser Tage im Beisein von Vertretern der Kulturinspettion und des Kreisamts Schotten eine Besprechung statt.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Madrid, 15. Nov. Gestern wurden in Jcod (Kanarische Inseln) statte Erdstöße vettpütt.
Rotterdam. 15. Nov. Ein holländischer Dampfer, von Kronstadt kommend, wurde weaen eines choleraverdächttaen Falles angehalten und unter Quarantäne gestellt.
Bremen, 16. Nov. Wie die Rettungsstation Lanaerooa der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphtett. sind am 14. b. M. von dem gestrandeten englischen Dampfer Adanst, Kapitän Faill. mit Stückgut von Havre nach Hamburg. der Feuermann und zwei Frauen durch das Rettunasboot der Statton gerettet worden.
Hamburg, 15. Nov. Der auf der Weltumsegelung befindliche Riesendampfer .Cleveland" der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern mit 618 Passagieren und 443 Mann Besatzung wohlbehalten in Bombay etnaettoffen. Der größte Teil der Passagiere ist in Sonderzüqen wer durch Indien nach Kalkutta abgeretst. Der Dampfer .Eleveland" geht am 18. November nach Colombo weiter.
schönen Falten um ihre noch schlanke, mädchenhafte Gestalt und war von eigenartigem Schnitt.
Sie stützte das edelgeformte Gesicht auf die schmale fein« Hand. Um bett Mund lag bet herbe Leidenszug, den bet Tod des geliebten Gatten in ihr Antlitz gegraben hatte. In den Atlgen war eine stille, entsagungsvolle Güte, die Resignation eines edlen Herzens.
„Nun, lieber Herr von Rodenfels, wie gefallt Ihnen Eva? Wie find Sie zufrieden mit mir?" ftagte fie in der ihr eigenen, freundlichen Art. Sie sah dabei erwartungsvoll in fein fchatfgeschnittenes, bartloses Seemannsgesicht, das durch den Wind und Wetter einen hellen Bronzeton erhalten hatte.
Georg reckte seine große, schlanke Gestalt gerade empor und sah ihr mit warmem Blick ins Gesicht.
„Erlassen Sie mir jedes Wort, teure, gnädige Frau. Ich könnte doch mit der größten Ueberschwenglichkeit nicht ausdrücken, wie dankbar ich Ihnen bin."
Nein, danken sollen Sie mir nicht für etwas, da» mich wieder mtt dem Leben ausgesöhnt hat. Sie sollen Kritik üben," sagt« fie ernst.
„Meine Ktittt ist aufrichtige Bewunderung. Ich denke, da» ist erschöpfend. Aber bitte, nun lassen Sie auch mich eine Frage tun. Vermag meine kleine Eva wirklich etwas dazu beizu- tragen. Sie mit dem Leben auszusöhnen,"
„Ja," sagte sie mit dem Ton bet Ueberzeug- ung. „Das Kind ist mit jetzt alles und füllt mein Leben aus."
„Das ist ein großes Glück für Eva. Aber für Si« ist es wenig."
»34 erwarte nichts mehr vom Leben."
Vermischtes.
Ein ganzes Stadtkollegium verunglückt. Di« sog. Wakdkommission des Gemeinderats in Rap- poltsweilet (Oberelsaß), der der Bürgermeister, zwei Beigeordnete und drei Stadträte angehören, ließ sich am Abend durch das Strengbachtal aus einem Zweispännergefähtt nach Hause bringen. In der Nähe des Forsthauses Baumschule stürzte das Gefähtt in der Dunkelheit in den tiefen Chausseegraben und begrub alle Insassen unter stch. Hierbei erlitt der Bürgermeister schwere Kopfverletzungen, die beiden Beigordeneten erlitten Nippenbrüche und Brustquetschungen und die drei Stadträte sowie der Oberförster trugen Verletzungen am Kopfe und im Gestckt davon. Die Verletzten mtlßten sich in ärztliche Behandlung begeben.
Hitzig« Stadtväter. In der Ortschaft Valle- longa bei Eosenza waren die Stadtväter zu einer Sitzung vereinigt und erhitzten sich bei der Beratung über den Ankauf einiger Laternenpfähle so sehr, daß die Sitzung in eine fürchterliche Schlacht ausartete. Zunächst ginnen die Stadtväter mit den Stühlen aufeinander los, dann griff man zu Dolchen, und endlich knallten auch Revolverschüsfe. Mehrere Stadträte wurden durch Stiche verwundet. Der Bürgermeister schoß einen Stadtrat nieder. Die Regierung entsandte zur Aufrechterhaltung der Ordnung der Truppen.
Arbeitswillig« für Mailand. Don Essen ist ein Transport von ca. 250 Arbeitswilligen nach Mailand abgegangen. Die Kriminalpolizei hatte sich längere Zeit vor Abgang des Zuges auf dem Bahnhof dortselbst eingefunden, um eine Revision der Abreisenden durchzuführen. Es wurden von ihr selbstredend zwei steckbrieflich gesuchte Personen und ein wegen Einbruchsdiebstahls gesuchter, unter Polizeiaufsicht stehender Mann gefunden und festgenominen.
, Masurische Bauernhochzeit. Bei einet masurischen Bauernhochzeit, die kürzlich in einem größeren Dorfe gefeiert wurde, und an der 20Ö Personen teilnahmen, wurden drei Ochsen, vier Schweine, sechs Schafe, 20 Enten und 70 Tauben verzehrt. 15 Faß Bier, zwei Tonnen Korn, eine Tonne Schnaps und 100 Flaschen Wein wurden ausgetrunken, die Festlichkeit dauerte vier Tage und kostete etwa 6000 Mark.
Die verwechselte Schublade. Das „Berliner Tagebl.." erzählt von dem „berühmten" Genie- Jtrfinn-Lombroso ft' -Ke Geschichte: „In Iahte 1888 hatte sich Lombroso on~ den damaligen Ehef der Sicherheitspolizei. Goron, mit bet Bitte gewandt, ihm für ein Werk „Di« Frau als Verbrecherin", Photographien von Pariser Verbrecherinnen zu übersenden. Goron trug keinen Augenblick Bedenken, dem Wunsch Lombroso» nachzukommen, und am nächsten Tage bereits gingen die Bildet an Lombroso« Adresse ab. Als nun das Buch erschien, sandte Lombroso aus Dankbarkeit auch ein Eremplar an Herrn Goron. Dieser konnte sich bald davon überzeugen, daß der Gelehrte von dem Material, das er ihm zugestellt, reichlich Gebrauch gemacht hatte. Auf mehr denn 50 Seiten ' --- ----l'-'—.........!__.--»ii i i
„Das klingt sehr resigniert. Sie können noch mehr und Besseres vom Leben erlangen."
Sie winkt« abwehrend mit der Hand.
„Mit weißem Haar wird von dem jungen Gesicht Lügen gestraft."
Sie schüttelte ernst den Kopf.
„Es ist umgekehrt, mein lieber junger Freund, ich bin innerlich viel älter, als meine Iahte verlangen. Mein Glück liegt in der Vergangenheit. Es war unaussprechlich groß und rein, deshalb durfte es wohl nur von kurzer Dauer fein. Ich habe versucht, mich damit abzufinden, weil ich weiß, daß es nie’- *fs neu erstehen kann. Hätten Sie meinen Gatten ge tonnt, Sie würden verstehen, daß mir nach seinem Verlust keine Wünsche mehr ans Leben bleiben. Daß ich überhaupt gelernt habe, da- Leben ohne Murren weitet zu tragen, danke ich meiner lieben, kleinen Eva. Sie gibt mit ar Sonnenschein, was mit das Leben noch geben tonn, und daß fie mich nötig hat, macht mit mein Leben so wertvoll, als es je wieder werden tonn."
Georg sah bewegt in ihr Gesicht.
„Welch ein Glück für meine Schwester, daß das Schicksal Sie auf ihren Weg gestellt hat. Das Kind kann ja noch nicht ermessen, wie viel Dank es Ihnen schuldet."
„Ach sprechen Sie mir doch nicht von Dankbarkeit! Ich mag dieses Wort nicht hören. Eva dankt mit ja mit jedem Atemzug — weil fie mich liebt."
„Ja das habe ich mit Freuden bemerkt. „Mami" füllt i ir kleines Herz vollkommen au«. Beinahe ist nichts mehr für den großen Bruder übrig geblieben."
(Äottfefcung folgt.) .