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GßechM IMng mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain' und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

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DieGberhasftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Hast bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag 16. November 1909.

44. Jahrg.'

Die FniertronSgebildr beträgt für die 7gefpolten» Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Bering: Joh. Au,. Koch, UniverlltätSbuchdruckerel Inhaber Dr. T. Hrtzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Politische Umschau.

Landsberg-Soldi«.

Wie wir bereits mitteilten, erhielten bei der Reichstagsersatzwahl im Kreise Landsberg- Soldin Holschke (tonf.) 9469, Pätzel (Soz.) 7554 und Schöppe (Lib.) 6377 Stimmen. Es findet also Stiwahl zwischen Holschke und Pätzel statt. Bei der-letzten Wahl 1907 siegte der kon­servative Kandidat gleich in der Hauptwahl. Er erhielt 13 829 gegen 6176 und 6477 sozialdemo- V"Erotische Stimmen. Die Konservativen haben also bei der jetzigen Wahl etwa 4000 Stimmen verloren, während die Liberalen etwa 200 und die Sozialisten etwa 1500 Stimmen gewonnen haben. Die Wahlbeteiligung betrug 75 gegen 82,9 Prozent im Jahre 1907. Es ist zu hoffen, daß der Mandat einer bürgerlichen Partei in der Stichwahl erhalten bleibt, wenngleich dies bei der starken Verhetzung anläßlich der Reichs- finanzreform jedoch keineswegs sicher ist. Der gewaltige Stimmenrückgang um 4000 bei der konservativen Partei zeigt aber, daß ihre Stellungnahme bei dcr Reichsfinanzreform der Partei doch weite Kreise entfremdet hat. Wir haben das vorausgesehen und stets gefordert, daß die Partei durch Annahme der mäßigen Erb- unfallsteuer den Konflikt vermied. Nun wird die Partei sehen muffen, wie sie die Fahnen­flüchtigen wieder in ihre Reihen zurückführt. Aber auch dies Resultat zeigt, daß der Freisinn von der Hetze gegendie Rechte keinen Erfolg hat. Die 200 Stimmen mehr sind für eine ma^ lose Agitation, : 'e sie dort getrieben, nicht «in Erfolg zu nennen.

PolnischeBildung".

Was der Pole unter Bildung versteht, er­sieht man aus den Satzungen des vor kurzem in Oberbausen an der Ruhr begründeten pol­nischen BildungsvrreinsOswiata". Die Mit­glieder des Vereins verpflichten sich: 1. muster­gültig polnisch zu leben; 2. mindestens eine polnische Zeitung zu halten; 3. zu sparen und die Spargroschen in polnischen Banken zu hinter­legen: 4. Ehen nur mit Polen oder Polinnen zu schließen; 5. für polnische Zeitungen, Vereine und Orgarnisationen zu agitieren, und darauf bedacht zu sein, daß die Kinder anderer Polen nicht entarten; 6. während der Wahlen den Weisungen unseres Wahlkomitees entsprechend zu wählen; 7. immer die Seinigen zu unter­stützen. DerPoet" meint hiezu :Wie aus die­sen Verpflichtungen ersichtlich ist, bandelt es sich bei derOswiata" um einen polnisch-nationalen Agitattionsverein in aller Form, für den die BezeichnungBildungsverein" nur das Aus­hängeschild für die harmlose deutsche Oeffent- lichkeit ist. In Rußland hat man übrigens die polnischenBildungsvereine" als staats­feindlicher Gesinnung verdächtig verboten.

Deutsches Reich.

Der österreichische Besuch in Berlin. Pots­dam, 14. Rov. Der Kaiser traf mit dem Erz­herzog Franz Ferdinand von Oesterreich, dem Kronpringen und den übrigen Jagdgästen abends um 11 Uhr 25 Minuten auf der Station Wildpark ein und begab sich in das Neue Pa-

18 (Nachdruck verboten.)

Was Gott zulaurmeugefirgt.

Roman von H. Courths-Mahler.

< Fortsetzung.)

Als sich Paula mit dem Kinde verab­schiedete, sah Mary lange hinter ihnen her.

Ein süßes, reizendes Geschöpf, die kleine Eva. Ich mutzte ihr gut sein auf den ersten Blick," sagte sie halblaut mit einem herzlichen Ausdruck.

Bernhard wandte den Blick nicht von ihrem Gesicht und fand, daß es kein reizenderes, süßeres Geschöpf als sie selbst auf der Welt geben konnte.

Renate ritz ihn mit einer Frage aus seiner Verzückung.

Frau Professor Hardenberg ist Witwe, nicht wahr?"

»Ja, so viel ich weiß, erst seit diesem Sommer."

Ist die kleine Eva ihr einziges Kind?"

Sicher weiß ich das nicht. Aber darüber kann Ihnen mein Bruder Auskunft geben, gnädiges Fräulein."

Die Dame interessiert mich. Das weiße Haar sieht so seltsam aus zu dem jungen trau­rigen Gesicht."

Als ich sie kennen lernte, hatte ich dasselbe Gefühl. Jedenfalls ist Frau Professor Harden­berg eine eigenartige, fesselnde Erscheinung."

Und ich freue mich, daß wir die kleine Eva morgen wiedersehen," sagte Mary mit Wärme.

Sie sind sehr kinderlieb, gnädiges Fräulein, bas habe ich schon ost bemerk^" erwiderte Bern­

lais. Berlin, 14. Rov. Vom Neuen Palais kommend, wo die österreichischen Herrschaften sich von der Kaiserin verabschiedet hatten, trafen der Kaiser sowie der Erzherzog-Thronfolger und Gemahlin 3y2 Uhr int Automobil in Char- lcttenburg ein und besuchten das Mausoleum, Kaiser Wilhelm I. und das Eharlottenburger Schloß. Darauf geleitete der Kaiser die Gäste zum Bahnhof Charlottenburg, von wo nach herzlicher Verabschiedung die österreichischen Herrschaften um 4y4 Uhr die Abreise antraten.

Eine Aufmerksamkeit de« Kaisers. Lon­don, 13. Nov. Im Auftrage des deutschen Kai­sers legte Legationsrat Dr. v. Kühlmann heute bei der Leichenfeier für den auf der Jagd in Sandringham am Geburtstage des Königs Eduards plötzlich verstorbenen Freund des Kö­nigs, Montague Euest, einen Kranz nieder.

Erkrankung des jungen Fürsten Bismarck. Berlin, 13. Nov. Nach einer Mitteilung des Inf." leidet der junge Fürst Otto von Bis­marck, der Enkel des Altreichskanzlers, in letzter Zeit an Schwindel- und Ohnmachtsanfällen, deren Ursache den Aerzten noch unbekannt sein soll. Di«Post" läßt sich hierzu noch melden: Der junge Fürst Bismarck, der 12jährige Enkel des Altreichskanzlers, weilt seit Monaten in Berlin. Bis vor kurzem lebte er mit seiner Tante, der Gräfin Hoyos, in der Pension Herz­berg in der Potsdamer Straße, nachdem er nach dem Tode seines Vaters mehrere Jahre in dem stillen Heim seiner Mutter im Herrenhause zu Friedrichsruh verbracht hatte und dort durch Prioatlehrer ünterrichtet wurde. In letzter Zeit kränkelte der junge Fürst und kam daher zu Professor Israel in Behandlung; ist er jetzt auch gesundheitlich noch nicht wieder völlig gefestigt, so liegt doch auch keinerlei (befahr vor, im Gegenteil, Fürst Otto, dessen Mutter seit kur­zem auch in Berlin am Hohenzollerndamm Woh­nung genommen bat, ist verhältnismäßig wohl­auf und auch nicht gehindert, täglich durch seine Lehrer unterrichtet zu werden.

Baden. Karlsruhe, 13. Nov. Nach dem Etaatsanzeiger" wird der Landtag am 22. November durch den Eroßherzog eröffnet. Der Großherzog ernannte bett Prinzen Max von Baden zum Präsidenten der ersten Kammer. Zu Mitglieder der Ersten Kammer wurden er­nannt: der Oberlandesgerichtspräsident Dr. Dörner, der Geheime Rat Dr. BLrklin, der Ministerialdirektor im Justizamt, Dr. Hübsch und der Professor Dr. Hans Thoma.

Landtaqsersatzwähl in Württemberg. Stuttgart, 13. Nov. Bei der Landtagsersatzwahl in Herrenberg erhielten Schmid (Bund der Landwirte) 2063, Eärttner (natl.) 1569, Bötzel (SoziaÜtemokrat) 461 Stimmen. Schmid ist gewählt. Das Mandat war im Besitz der Nationalliberalen.

Vorstandssitzung des deutschen Städte­tages. Berlin, 13. Nov. Unter dem Vorsitze des Oberbürgermeisters fand im Rathause eine zahlreich besuchte Vorstandssitzung des deutschen Städtetages statt. Es wurde beschlossen, von einem Beschluß über die Unterwerfung des Reichsfiskus unter das Eemeindesteuerrecht vor­läufig Abstand zu nehmen, aber den Reichs­kanzler zu ersuchen, den betreffenden Gesetzent­wurf dem Vorstande zugänglich zu machen.

Hard, Mary mit leuchtenden Augen in das zart gerötete Gesicht blickend.

Sie nickte energisch mit dem Kopf und lachte ein wenig verlegen.

Ja, ich mag Kinder sehr gern, aber es müssen hübsche Kinder sein. Garstige mag ich nicht leiden, obwohl mir Renate oft sagt, daß es unrecht ist, sich von Aeußerlichkeiten be­stimmen zu lassen."

Er wußte nicht, ob es ein Unrecht war, fand nut, daß auch dieser Zug zu Mary gehörte.

Eine Weile liefen die drei noch im schnellen Laufe um die Bahn. Da aber Ernst nicht kam, beschlossen sie, heimzugehen. Sicher war er länger aufgehalten worden. Renate war da­rüber innerlich sehr froh und es war ihr sehr lieb, daß er erst kurz vor dem Abendessen wieder eintraf.---

Am nächsten Vormittag trafen die Schwe­stern wieder mit Paula und Eva auf der Eis­bahn zusammen. Coulmann begleitete seine Töchter und ließ sich Frau Professor Hardenberg vorstellen. Während die Schwestern mit Eva dem Eissport huldigten, promenierte er mit ihr um die Bahn und plauderte sehr angeregt mit ihr. Nach der enthusiastischen Schildernug seiner Töchter hatte er sich auf eine Enttäusch­ung gefaßt gemacht. Er fand jedoch, daß Paula eine sehr liebenswürdige kluge Dame war und freute sich, daß Renate und Mary diese Be­kanntschaft gemacht hatten.

In der Folge traf man oft auf der Eisbahn zusammen und es entwickelte sich ein freund­schaftliches Verhältnis. Hauptsächlich zwischen Renate und Paula herrschte vom ersten Tage an eine starke Sympathie.

Renate» feines Empfinden erfaßte das Leid

Ferner wurde beschlossen, an den Bundesrat und an den Reichstag eine Petition zu richten, die Städte von der Talonsteuer zu befreien. Be­züglich der Reichswertzuwachssteuer wurde be­schlossen, die Städte aufzufordern, sich gegen die Reichswertzuwachssteuer mit allen Mitteln zu wehren. Der Oberbürgermeister von Frank- furt a. M., Dr. Adickes, war anwesend.

Eine Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Schücking. Mit Bezug auf die Erklärung, daß Oberpräsident Hegel die Referendare nicht nach ihrer Stellung zur Sattsfaktion gefragt habe, da er A. H. einer Verbindung des die Satis­faktion verwerfenden Wartburgbundes fei, schreibt er:Ich lese mit Interesse, daß die Korporation Germania es übernommen hat, meine Aussagen in meinem Disziplinarver­fahren über den Oberpräsidenten von Hegel zu dementieren. Ich habe diese meine Aussage unter zeugeneidlichen Beweis gestellt und werde in meinem Vertrauen auf die Zulässigkeit mei­nes Gewährsmannes, der ein noch im Dienste befindlicher höherer Regierungsbeamter ist, be­stärkt durch die eigenartige Dementierung." Also heraus mit den Zeugen!

Niederlaffungsvertrag zwischen Deutsch« land und de» Schweiz. Bern, 13. Nov. Die zwi­schen dem Vorsteher des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, Bundesrat Dr. Bren­ner, und den drei Delegierten der deutschen Reichsregierung geführten Verhandlungen über die Revision des Niederlaffungsvertrages zwi­schen Deutschland und der Schweiz führten zu einer vollständigen Einigung. . In einer am Nachmittag abgehaltenen Schlußsitzung erfolgte die Unterzeichnung des vereinbarten neuen Ver­tragsentwurfes, über dessen Inhalt eine amt­liche Mitteilung folgen wird.

Feier des deutschen Hospitales in New- York. New-Bork, 13. Nov. Aus Anlaß des 40jährigen Bestehens des hiesigen deutschen Hospitales wurde heute ein« Feier veranstaltet, bei welcher der Direktor des Hospitales, Zinker, ein Glückwunschschreiben des deutschen Reichs­kanzlers vorlas. Der deutsche Generalkonsul gab mehrere Ordensauszeicbnungen bekennt.

Schifksver. * mit Tsingtau. Hamburg, 13. Nov. Die Hamburg-Amerika-Linie beschloß, nachdem seit Jahren bereits die Dampfer ihrer ostasiatischen Linie bei Bedarf Tsingtau an= laufen, dieses nunmehr in Anbetracht seiner wachsenden Bedeutung als Handelsplatz und Hafen in ihren regelmäßigen Fahrplan der ost- asiattschen Linie aufzunehmen und zunächst ein­mal monatlich anzulaufen.

Ausland.

** Oesterreich-Ungarn. Budapest, 13. Nov. Zum Präsidenten des Abgeordnetenhauses wurde an Stelle Jusths Alexander Gaal (Koffuth- partei) gewählt; zu Vizepräsidenten Naaway (Verfaffungspartei) und Stefan Rakowsky (Volkspartei). Ministerpräsident Dr. Wekerle wird am Sonntag, die Minister Koffuth und Graf Andraffy werden am Montag vorn Könige in Audienz empfangen.

** Der König von Portugal in Frankreich. Hendaye, 13. Nov. Der König von Portugal traf heute Vormittag hier ein und wurde

Paulas mit zartem Verständnis. Ihre Herzens­gute erweckte in ihr das Bedürfnis, Paula von ihrem Leid abzulenken. Und diese empfaftb mit feinem Instinkt dies Bestreben und erkannte bald in Renate die verwandte Seele.

Als plötzlich einige Tage Tauwetter eintrat und die Eisbahn nicht zu benutzen war, lud Paula die jungen Damen ein, sie in Villa Sßalbfrieben zu besuchen. Das geschah auch am nächsten Tage und diesem Besuche folgten andere. Paula gab ihre gänzlich« Zurückge- zogenh«it auf und erwidert« zuweilen diese Be­such«, aber meistens fuhren die jungen Damen nach Waldfrieden hinaus. Obwohl die Schwe­stern dort fast nie mit anderen Menschen zu- sammentrasen, da Paula seit dem Tode ihres Mannes jeden Verkehr aufgegeben hatte, er­schienen ihnen diese Besuche nie langweilig. Mary war ganz vernarrt in die kleine Eva und spielte mit ihr, als wäre sie selbst noch ein Kind. Und Renate betrachtete voll Entzücken die Kunstschätze, die in Villa Waldfrieden auf­gestapelt waren, und unterhielt 6ch angeregt und verständnisvoll mit der Herrin des Hauses darüber.

So kam man sich immer näher und Paula Hardenberg freute sich schließlich nicht weniger als Eva, wenn ihre jugendlichen Besucherinnen eintrafen. Da Eva zu PaulaMami" fügte und das Verhältnis bet beiben zueinander sehr zärtlich war, ahnten die Schwestern nicht, daß Eva die Tochter des früheren Besitzers von Robenfels war. Zufällig erwähnten auch di« Schwestern und Coulmann im Verkehr mit Paula den Namen Robenfels nicht. Diese wußte zwar aus gelegentlichen Gesprächen, daß Coul­mann ein Landgut besaß, aber der Name wurde

namen» des Präsidenten Falliäres auf franzö­sischem Boden begrüßt; er reiste nach kurze« Aufenthalt nach Cherbourg weiter. Cher­bourg, 14. Nov. König Manuel ist heute Vor­mittag hier eingetroffen.

* Sine rabiate Stimmrechtlerin. London, 13. Nov. Eine Anhängerin des Frauenstimm­rechts griff heute auf dem Bahnhof von Bristol den Hanbelsminister Winston Churchill mit der Reitpeitsche an. Der Minister entriß ihr die Peitsche und reichte sie ihr als Erinnerungs­zeichen zurück. Die Frau würbe verhaftet.

** Italia irredenta. Rom, 13. Nov. Die Blätter beschäftigen sich mit bei Rede, bie Ge­neral Asinari in Brescia gehalten und in bei er auf die Lage an der Ostgrenze und auf die Be­freiung von dem fremden Joche hingewiesen haben soll. In den Artikeln wird ausgeführt, wenn bie Worte des Generals richtig wieder- gegeben seien, so seien sie in hohem Maße be­dauerlich, weil die Soldaten die Pflicht hätten, sich streng von dem politischen Gebiet seinzu- halten. Auch der sozialistischeAvanti" und die radikaleVita" äußern sich in demselben Sinne. DieVita" meldet, daß in den Wandelgängen der Deputiertenkammer die Abgeordneten der verschiedenen Parteien einstimmig ihrer Miß­billigung für die dem General zugeschriebenen Worte Ausdruck gegeben haben. Mit Bezug auf die infolge der Rede des Generals Asinari getroffene Maßnahme der Regierung erklärt dieTribuna", daß seitens des österreichisch- ungarischen Botschafters in dieser Angelegenheit kein Schritt unternommen worden sei und auch keiner unternommen werden konnte. Die von der italienischen Regierung getroffene Maß­nahme sei durchaus selbständig gewesen und allein von der Notwendigkeit der Aufrechterhal­tung der Manneszucht und der Achtung vor den internationalen Verpflichtungen diktiert worden, die die unerläßliche Pflicht eines jeden Kulturstaates seien.

" Ei« Attentat in Zndie«. Ahmadabad, 14. Nov. Als der Vizekönig Earl of Minto mit feiner Gemahlin gestern Nachmittag durch die Stadt fuhr, explodierte in einer Straß« kurz nach der Vorbeifahrt des Wagens eine Bombe. Man fand bann einen Menschen mit abgerissener Hand am Boden liegen, und neben ihm eine noch nicht explodierte Bombe, die mit Melinit gefüllt war. Bei der Annäherung des Wagens hätte man gesehen, wie ein Hindu etwas wegwarf.

** Prozeß Eteinhcil. Paris, 14. Nov. Frau Steinheil wurde freigesprochen. Die Geschwo­renen zogen sich um 10 Uhr 25 Min. zur Be­ratung zurück. Sie baten zweimal den Präsi­denten des Gerichtshofes in das Beratungs- zimmer. Die Beratung der Geschworenen im Prozeß Steinheil dauerte 2V» Stunden. Die Erregung des Publikums während dieser Zeit war sehr groß. Der Freispruch wurde mit un­geheurem Jubel ausgenommen. Man tief allge­mein Bravo! Diese Nuse erneuerten sich, als Frau Steinbeil in den Saa^ geführt wurde. Als sie den Freispruch hörte, sank sie in Ohnmacht; nachdem sie sich erholt hatte, verließ sie kurz nach 2 Uhr den Justizpalast.

** Kritik an der englischen Flotte. Bristol, 14 Nov. Lord Charles Beresford hielt gestern

nicht genannt. Um die Weihnachtszeit wurden bie Besuche seltener. Es gab allerlei Besorg­ungen und heimliche Beschäftigungen vor dem Feste. Coulmann mutzte sich seine Reiseaus­stattung beschaffen, denn am 27. Dezember sollte seine Abreise stattfinden. Er hatte sich mit einem befreundetem Herrn aus Berlin, der dieselbe Reise machen wollte, fest für diesen Termin verabredet. So machte er schon vor dem Feste einen Abschiedsbesuch bei Frau Professor Hardenberg und bat sie, auch während seiner Abwesenheit stch so freundlich wie bisher seiner Töchter anzunehmen. Paula versprach das gern, zumal sie sich wirklich der Gesellschaft der beiden jungen Damen freute.

Am Tage vor dem heiligen Abend fuhren auch die Schwestern noch einmal nach Wald­frieden hinaus weil sie bann bis zur Abreis« ihres Vaters behinbert waren, zu kommen.

Eva kam ihnen mit glänzenden Augen ent­gegen.

Denk Dir nur, Tante Mary, mein Bruder Georg kommt heute abend," rief sie aufgeregt.

Die jungen Damen sahen mit leisem Er­staunen fragend in Paulas Gesicht. Dies« streichelte zärtlich Evas Wange und schickte sie unter einem Vorwand hinaus. Dann wandte sie sich an die Schwestern und sagte in ihrer sanften, freundlichen Weise:

Eva ist nur mein Pflegetöchterchen. Ich bitte Sie aber, in ihrer Gegenwart dies Thema nie zu berühren. Das Kind soll nicht daran erinnert werden, daß es die Eltern verloren hat, und sich hier bei mir ganz zu Hause fühlen.

Dann ging sie leicht auf ein anderes Thema über und gab den Schwestern Zeit, sich von ihrem Erstaunen zu erholen. (Forts, folgt.)