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Die JniertionLgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, llniversttätsbuchdrnckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 de- Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 12. Nov.

* Universität. Ernannt wurde, wie schon kur, erwähnt, der bisherige o. Professor an der Uni­versität Tübingen Dr. Mlhelm Busch zum ordent­lichen Professor der Geschichte in Marburg als Nachfolger des in den Ruhestand getretenen Geh. Reg.-Rats Konrad Varrentrapp. Dr. Busch (geb. 1861 zu Bonn) ist Schüler von Wilhelm Mauren­brecher. Er war früher in Leipzig, Dresden und Freiburg i. Br. tätig. 1896 kam er nach Tübingen als Nachfolger Dietrich Schäfers.

)( Zur Stadtverordnetenwahl. Bei der gestrigen Stadtverordnetenwahl in der dritten Wählerklasse war, wie schon gestern gesagt, die Beteiligung recht schwach. Wie wir jetzt erfahren, übten von 2025 Stimmberechtigten nur 373 ihr Stimmrecht auS. Diese Gleichgültigkeit ist eigentlich kaum zu begrei­fen, von Rechtswegen sollte jeder Einwohner Inter- ess« an diesen Wahlen haben, dann erübrigt es sich auch, nachher darüber zu reden, daß einzelne Be­rufsgruppen zu viel und andere gar nicht auf de» Rathaus vertreten seien. Die Abstimmung ergab genau folgendes Resultat: Metzgermeister Keppler 198 Stimmen, Rentier Brauer 185 Stimmen, .. Gastwirt Briel 160 Stimmen, Schuhmachermeister August Krantz 121 Stimmen, Lohgerbermeistcr Mlhelm Weintraut 101 Stimmen, Gastwirt Hilde- manu 70 Stimmen, Schriftsetzer Fischer 83 Stim­men, Schriftsetzer Härtling 74 Stimmen, Schreiner Wolf 84 Stimmen. Außerdem sielen noch 4 Stim­men auf andere Perfonen. Da die absolute Majo­rität 187 Stimmen beträgt, ist nur der seitherige Stadwerordnete Keppler als gewählt zu betrachten. Es findet Ssichwahl zwischen den Herren Brauer

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 88.

bucht telegraphisch gemeldet wird daß auf den Diamantenfeldern der Gesellschaft Lek Bogen­feld (27% Grad südlicher Breite) ein Diamant von über 17 Karat gefunden worden ist. Wie von anderer Seite gemeldet wird, sind be­reits vor Monaten auf den Feldern der ®e» sellichaft Stück« im Gewicht bis zu neun Karat gefunden worden.

sprach dafür, daß diesmal ein ernstes und tieferes Gefühl in Marys Herzen wohnte. Renate hatte derartige unschuldige Herzens- affären noch nicht an sich erfahren. Sie war idealer veranlagt als Mary und dacht« sich die Liebe als ein hohes, heiliges Empfinden, das alles Sein wie eine Offenbarung durchdringen mußte. Sie war noch nicht dem Mann begegnet, der ihr Herz besiegt hätte.-----

Die Brüder Trautmann waren eingetroffen und hatten herzliche Aufnahme gefunden. Bernhard und Mary standen sofort wieder auf dem lustigen Necktan. Dabei umgab jedoch der junge Mann das schöne Mädchen mit ritterlicher Artigkeit und sie dankte ihm zuweilen mit einem aufleuchtenden Blick der die Leidenschaftlichkeit ihres Naturells durchblicken ließ und ihn mit heißer Zärtlichkeit erfüllte.

Ernst hatte sich vorgenommen, diese wenigen Tage, die er mühsam seinem Beruf abgerungen hatte, gut auszunützen, um Renate näher zu kommen. Es gelang ihm jedoch nicht. Sie wich all seinen Bemühungen aus und suchte vor allen Dingen ein Alleinsein mit ihm zu vermeiden.

Gleich am ersten Nachmittag wurde Tennis gespielt. Bernhard und Mary liebten diesen Sport und waren während des Spiels ganz bei der Sache. Nur manchmal vergaß der jung« Mann, einen Ball zurückzugeben, wenn ihn Marys graziöse Bewegungen zu sehr fesselten. Dann schalt Ernst ärgerlich, denn er war auch beim Spiel ehrgeizig und konnte es nicht leiden, wenn jemand unachtsam war.

Später unternahmen die vier jungen L«ut« «inen Streifzug durch das ganze Schloß. Bis in di« unwirtlichst« Turmkammer kletterten sie hinauf, wo es Mary zum Gruseln schaurig fand. Aengstlich faßte sie nach Bernhards Arm, als eine aufgescheucht« Fledermaus an ihrem Kopf

: DieGberhlfstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchham

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Vellage

Marburg

Sonnabend. 12. November 1909.

Deutsches Reich.

Bom Reichskanzler, Berlin, 11. Nov. Der Reichskanzler begibt sich heut« abend nach Potsdam, um an der musikalischen Soiree teil­zunehmen, die sich an die zu Ehren des Erz­herzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin veranstaltete Hoftafel anfchließt. Morgen be­gibt sich der Reichskanzler nach Letzlingen, um an den Hofjagden teilzunehmen.

. Vom Bundesrat. Berlin, 11. Nov. In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde beschlossen, den Gesetzentwurf über die Aus­gabe kleiner Aktien in den Konsulargerichtsbe­zirken und im Schutzgebiete Kiautschou unver­ändert im Reichstage wieder einzubringen.

Besuch des Erzherros Franz Ferdinand, de« österreichischen Thronfolger- in Berlin.

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jungen Damen zuweilen mit ihrem Bater die Eltern der Brüder, die in Loschwitz ein« kleine Billa bewohnten und anscheinend mit Ver­gnügen die Bemühungen ihrer Söhne um die Schwestern sahen. Selbstverständlich waren dann die beiden jungen Männer auchganz zufällig" zu Hause.

Durch die lleberfiedelung Coulmanns nach Rodenfels war der Verkehr vorläufig etwas schwieriger geworden. Aber welche Hindernisse werden nicht von liebenden Herzen überwundeni Mary wußte ganz genau, daß die zwei­stündige Bahnfahrt Bernhard Trautmann ebensowenig zurückhalten würde, sie zu sehen, als die Wagenfahrt auf der staubigen Ehaussee von der Station bis zum Schlosse. Renate wußte, daß Mary gegen Bernhards Neigung nicht gleichgültig war. Deshalb vermied sie es, Ernst gegenüber allzu schroff aufzutreten. Sie wollte nicht, daß ein Schatten auf das Ver­hältnis der Schwester zu Bernhard fiele. So versuchte sie durch ihr Verhalten Ernst von einer Werbung abzuhalten, um nicht gezwungen zu sein, ihm einen Korb zu geben. Natürlich war ihr unter diesen Umständen der Besuch der Brüder viel weniger angenehm als Mary ob­wohl auch sie Bernhard als guten, fröhlichen Gesellschafter schätzte.

Renates Herz hatte überhaupt noch nicht ge­sprochen, obwohl er ihr auch an anderen Bewerbern nicht gefehlt hatte. Sie war nicht so leicht entflammt wie Mary, die schon einige Maleunglücklich geliebt" hatte. Da war zu­erst der Literaturlehrer, dann ein berühmter Sänger und zuletzt ein schneidiger Ulanenleut­nant gewesen, für di« Mary auf Tod und Leben geschwärmt hatte, eh« sie Bernhard Trautmann kennen lernte. Renat« war in all diesen Krisen Marys Vertraut« gewesen. Aber von ihrer Neigung zu Bernhard redete sie nicht und da.

Das Nachspiel zur bosnischen Krise.

Wien, 10. Nov. Der Herausgeber der PeterS- LurgerNowoje Wremja" hat sich an den Minister der Aeußern, Graf Aehrenthal, mit folgender telegra- ^Phffsber Anfrage gewendet:

Exzellenz haben sicherlich von dem Artikel im letz­ten Hefte derFortnightlh Review" Kenntnis erhal­ten, in dem die Vorgänge, die der Annektion Bosniens und der Herzegowina vorangingen, behandelt werden. Der Artikel erläutert die Vorgänge, indem er sich auf den Standpunkt des Wiener KabinetteS stellt. Die Meinung der politischen Kreise geht dahin, daß diese Darlegung als Antwort auf einen seinerzeit in der­selben Review erschienenen Artikel dienen soll, in dem der österreichisch-ungarischen Diplomatie Mangel an Loyalität in der erwähnten Angelegenheit dem Peters­burger Kabinett gegenüber zum Vorwurf gemacht wird. DieNowoje Wremja" fühlte sich verpflichtet, statt eines jeden Kommeutares hie beiden Artikel un­parteiisch wiederzügeben. Unser Blatt-hat den Wunsch ausgesprochen, daß die russische Gesellschaft, die sich mit Recht für eine jede die Balkanhalbinsel berührende Frage lebhaft interessiert, endlich von maßgebender Seite über die der' Annektion vorangegangenen Pour- parlcs aufgeklärt werde. Heute bekämpft die Peters­burger Telegraphen-Agentur, deren Charakter Eurer Exzellenz nicht unbekannt ist, auf das Kategorischste die Auseinandersetzung derFortinightly Review". Ein Vorschlag des kaiserlichen Kabknettes, welcher die Annektion Bosniens und der Herzegowina oder gar de? Sandschaks suggerierte, habe niemals bestanden. Diese Behauptung sei nur auf eine irrtümliche Inter­pretation des geheimen, avcr zum Teil enthüllten Memoires vom 19. Juni 1908 zurückzuführen. Um nun unsere Gesellschaft in den Stand zu setzen, selbst über diese, sie so nahe berührende Frage unparteiisch zu urteilen und um dazu behilflich zu sein, das Ver­trauen zwischen den beiden Ländern wieder herzu- stellen und gleichzeitig einer Polemik ein Ende zu machen, die den guten Beziehungen zwischen Rußland und Oesterreich-Üngarn äußerst abträglich sind, er­laubt sich die 'Nowoje Wremja", diese« sonst nicht üblichen Weg einzuschlagen, sich direkt an Eure Exzel­lenz mit der Bitte zu wenden, uns, soweit es für möglich erachtet wird, bei der Lösung der Aufgabe, die wir uns gesetzt haben, unterstützen zu wollen.

Die Antwort des Graftn v. Aehrenthal hatte folgenden Wortlaut:

Ich bitte Sie, der Reserve Rechnung zu tragen, zu welcher ich in Anbetracht von Verhandlungen zwischen den Kabinetten verpflichtet bin, und mir zu erlauben, daß ich mich darauf beschränkte, festzustellen, daß daS in Petersburg erschienene Communique die Sprache bestätigt, die ich in den Delegattonen geführt habe. Ein freundschaftlicher Gedankenaustausch mit Rußland Ist der Annektion Bosniens und der Herzegowina vor­ausgegangen; ich wäre nicht in der Lage, in meinen Mitteilungen weiter zu gehen, solange die Kabinette in, Wien und Petersburg es nicht für anqezeigt erachten, ihre auf diese Frage bezügliche Korrespondenz zu ver­öffentlichen. Ich bin aufrichtig dankbar für die Mo­tive, die Sie zu Ihrem Telegramm veranlaßten.

Petersburg, 10. Nov. DieNowoje Wremja" be- mertt zu dem an sie gerichteten Telegramm des Gra­fen Aehrenthal, Graf Aehrenthal habe sich darauf be­schränkt, den allen bekannten, von niemanden geleug­neten Umstand zu wiederholen, daß ein freundschaft­licher Meinungsaustausch vor der Annekfton statt­gefunden habe. Der Graf habe iedoch gleichzeittg nicht denjenigen Teil des russischen Conimuniquäs in Ab-

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vorbeistrich. Und Bernhard hielt di« kleine Hand mit aufleuchtenden Augen fest.

Als sie sich errötend abwandte, küßte er schnell und verstohlen die zarten Finger, die leise bebten. Und sie entzog sie ihm nicht eher, als bis sie aus dem Dunkel wieder auf die Helle Treppe hinaustraten.

Ernst hielt sich dicht an Renates Seite und suchte einen Blick von ihr zu erhaschen. Als si« die schmale Turmtreppe herabschritten und vor ihnen sich Mary auf Bernhards Arm stützte, boi auch er Renate seine Hand, um sie zu führen. Sie wehrte mit einem Scherz ab und suchte an ihm vorbei zu kommen, da sie merkte, daß er sie zurückhalten wollte. Kühn sprang sie di« letzten Stufen hinab und eilte den beide» anderen nach.

Ernst folgte unwillig. Weit entfernt, Renates Verhalten für ernste Abwehr zu halten, glaubte er nur an mädchenhafte Zurückhaltung, die er heimlich verwünschte, weil sie ihn nicht zum Ziele kommen ließ.

Trotzdem versuchte er noch einmal, sich mit Renate zu isolieren, indem er großes Interesse für einen alten, nicht gerade sehr schönen und wertvollen Gobelin heuchelte, der eine Kamin­wand bekleidete. Sie mußte bei ihm Zurück­bleiben und ihm Auskunft geben, während die beiden anderen weitergingen. Sie sah da» unruhige Flackern in seinen Augen und suchte ängstlich nach einem Vorwand, sich zu entfernen. Da trat zum Glück Mamsell Wollmann ein mit einem Körbchen voll Pfirsichen, die sie eben selbst geflückt hatte, um sie den jungen Leuten vorzusetzen. Renate nahm sie voll Freude in Empfang und rief nach Bernhard und Mary, di« sich dann auch fröhlich am Schmause beteiligten. u

(Fortsetzung folgt.).

Ausland.

* Vom Streik in Australien. Sydney, 11. November. Heute wurden weder Kohlen noch Koks zum Verkauf angeboten. Brennholz wurde zu hohen Preisen verkauft. Aermere Haushal­tungen kochen die Mahlzeiten auf gemein« samem Feuer. Die Frachtsätze, sowie das Fahr­geld für den Personenverkehr an der Küste wurden erhöht. Die Vereinigung der Lager­arbeiter gab ihre Bereitwilligkeit, sich dein Streik anzuschließen, zu verstehen; die Ver­einigung zählt etwa 1750 Mitglieder, di« zum großen Teil in Wollyagazinen beschäftigt find.

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"Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Bernhard, fein zwei Jahre jüngerer Bruder,

war ihm wenig ähnlich im Wesen. Er studiert« Chemie und war im Begriff, sein Doktorexamen zu machen. Nach dessen Bestehen stand ihm durch Verwendung seines Vaters eine sehr gute Anstellung in einem chemischen Laboratorium in Aussicht. Warmherzig, frisch und fröhlich, voll Humor und Schaffensfreude, faßte er das Leben von der schönsten Seit«, die es ihm bot. Schon beim ersten Sehen war et Marys Zauber erlegen und dis anfänglich mehr auf Aeußer- lichkeiten basierende Neigung hatte sich bald in eine tiefe, aufrichtig« Liebe verwandelt. Und Mary zeigte ihm, daß sie ihn nicht ungern sah. ,Es wäre wohl schon zu einer Erklärung zwischen den beiden jungen Menschen gekommen, wenn sich Bernhard nicht gelobt hätte, erst seinen Doktor zu machen und festen Boden unter den Füßen zu haben, «he er seine Werbung vor­brachte. Daß bis dahin wohl noch ein Jahr vergehen konnte, war ihm nicht sehr lieb, aber trotz seines fröhlichen Wesens hatte er Grund­sätze. Er wollte etwas fein, ehe er an Coulmann die Frag« richtete, ob er ihm seine Tochter zur Frau geben wolle. Vorläufig bestand zwischen sden beiden jungen Menschen ein heiteres Rech­tverhältnis, das nur zuweilen in unbewachten Augenblicken einen ernsten, warmen Unterton erhielt.

Sie sahen sich oft. Di« Brüder verkehrten viel im Coulmannschen Hause. Man spielte Tennis miteinander, tanzte zusammen und fand sich ostganz zufällig" auf der Eisbahn, im Theater und Konzert. Auch besuchten die

Berlin, 11. Nov. Heute mittag gegen 1 U6t trafen auf dem Anhalter Bahnhofe Erzherzog Franz Ferdinand und Gemahlin ein. Eine Ehrenkompagnie des Kaiser Franz Garde-Regi­ments war mit Fahne und Musik aufgestellt. Um y2l Uhr erschien der Kaiser in österreichi­scher Husaren-Uniform, ferner Prinzessin Ettel- Friedrich, der Reichskanzler, Staatssekretär Freiherr v. Schoen und der österreichisch-unga­rische Botschafter. Der Kaiser überreichte der Herzogin einen Maiglöckchenstrautz. Sodann begaben sich die Herrschaften zu den Automobi­len, um durch den Grünewald nach dem Neuen Palais bei Potsdam zu fahren, wo dann das Frühstück im Familienkreise eingenommen wurde.

Di« 6. preußisch« G«n«ralsynode nahm in zweimaliger Lesung einstimmig ein Gesetz an, das das Verfahren gegen Geistliche regelt, die von der Lehre der Kirche abweichen. Das Gesetz tritt in Wirksamkeit,wenn auf Grund von Tatsachen die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß ein Geistlicher in seiner amtlichen oder außeramtlichen Lehrtätigkeit mit dem Bekennt­nis der Kirche dergestalt in Widerspruch inner­halb der Landeskirche mit der für die Lehr- verkündigung allein maßgebenden Bedeutung des in der heiligen Schrift verfaßten und in den Bekenntnissen bezeugten Wortes Gottes unvereinbar ist." Die Entscheidung liegt bei einem Kollegium aus 13 Mitgliedern, das voll­zählig versammelt sein muß.

Eröffnung de» sächsischen Landtage«. Dresden, 11. Nov. Heute Mittag um 1 Uhr fand im Thronsaale des königlichen Residenz­schlosses die feierliche Eröffnung des einbe­rufenen Landtages durch den König statt. Der Vorsitzende Minister des Gesamtministeriums, Dr. Rüger, überreichte dem König die Thron­rede, welche dieser verlas. Nach der Verlesung der Thronrede durch den König und der Ver­lesung der Landtagsmitteilungen durch den Vortragenden Rat Dr. Schröder trat Staats­minister Dr. Rüger vor di« Stufen des Thrones und erklärte auf Allerhöchsten Befehl des Kö­nigs den 33. ordentlichen Landtag derMonarchie für eröffnet. Der König entblößte das Haupt und verließ den Thronsaal, während dessen der Präsident der Zweiten Kammer, Dr. Vogel, ein dreimaliges Hoch auf den König ausbrachte. Abends um 6 Uhr findet im Residenzschloß königliche Landtagstafel statt.

Eisenach-Dernbach. Eisenach, 10. Nov. Wie die Blätter melden, wurde in einer hier abgehaltenen Vertrauensmännerversammlung der deutschsozialen Pattei beschlossen, von der Aufftellung eines Kandidaten für die nächste Reichstagswahl abzusehen. Man war der An­sicht,, daß nach der Abstimmung im Reichstag über die Reichsfinanzreform, namentlich aber infolge des außerparlamentarischen Verhaltens des Abgeordneten Schack eine deutsch-soziale Kandidatur aussichtslos sei.

Neue Diamantenfunde in Deutschsiid- w«st. Die Deutsche Diamantengesellschast m. b. H. teilt mit, daß ihr vor Niederlassung in Liideritz-

rcde gestellt, in dem behauptet wird, daß das Peters­burger Kabinett sich in weitestem Sinne für die Not­wendigkeit der Erhaltung des Status quo ausgespro­chen und seine Anschauung bestätigt habe, daß die Frage Bosniens, der Herzegowina und des Sandschaks europäischen Charakter trage. DieNowoje Wremja" spricht dabei das Bedauern darüber aus, daß Graf Aehrenthal die Bedeutung der ihm durch diplomattsche Zurückhaltung auferlegten Verpflichtung zu hoch ge­schätzt habe, wodurch infolge einer durch einen Ver­treter der österreichischen Diplomatie begangenen Jn- diskretton diplomattsche Geheimnisse in vorsetzlich ent­stellter Form in die europäische Presse gedrungen feien. Der Arttkel schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, Graf Aehrenthal werde nicht auf halbem Wege stehen bleiben, sondern werde seine Gegner ent- Ivaffnen, die ihm gerne jesuittsche Takttk vorwerfen.

Petersburg, 11. Nov. Im Zusammenhänge mit dem gestrigen Telegramm des Grafen Aehrenthal an dirNowoje Wremja" interviewte ein Mitarbeiter der Nowoje Wremja" den Minister Iswolski anläßlich der jüngsten Meldung der Russischen Telegraphen- agentur über die Annexionsfrage. Der Minister sagte, die erwähnte Mitteilung habe den Zweck, die von einigen, sich für vorzüglich informiert haltenden Or­ganen der europäischen Presse gegen ihn erhobene An­schuldigung zuiückzuweisen, als habe er selbst in dem Memorandum pcm 19. .Juli Oesterreich vorgeschlagen, Bosnien die Herzegowina und sogar den Sandschak anzugliedern/ Jetzt, sagte er, ist mein Ziel erreichtI Diese absurde Anschuldigung wird offenbar nicht mehr aufrecht erhalten und die österreichischen Blätter be­mühen ssch die Verantwortung für diese grobe Erfin­dung der fremden Presse zuzuwenden. Auf eine An­frage über den mündlichen Meinungsaustausch in Buchlau antwortete der Minister, er müsse selbstver­ständlich nicht weniger als Graf Aehrenthal diploma­tische Zurückhaltung beobachten; einerseits könne er aber bestätigen was er in seiner Rede in der Duma am 25 Dezember 1908 sagte, daß er Aehrenthal in Buchlau durchaus kategorisch erklärte, die Frage Bos­niens. der Herzegowina und des Sandschaks trage vom ruO'-f-'-en Standpunkt durchaus europäischen Charakter und könne nur auf einer Konferenz der Siqnatar- mächte gelöst werden. Auf den Hinweis, es sei Vieh leicht angezeigt, den österreichisch-russischen Briefwech­sel zu veröffentlichen, sagte Iswolski, das sei eine sehr delikate Frage Ihm persönlich erscheine die Ver- öffentlichung durchaus möglich, wenn sie aber erfolge, dürfe sie nicht dieses ober jenes Dokument, sondern müsse alle Geheimdokumente über die österreichisch- rusüschen Abkommen, angefangen mit dem Abkommen von lbS7, umfassen, und das könnte sich nicht für Rußland allem als unbequem erweisen.

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