mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage.
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®it „Gberhesstsihe Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Soun» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch die Boit bezogen 2,25 Mk. lohne Bestellgeld), bei unfern ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21.) 2 Mk.
Marburg
Freitag. 12. November 1909.
Die InsertionSgebütrr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen SO Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Au,. Koch, UniversitätSbu hdruckerei Jnbaber Dr. C. H itzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
44. Jahrg.
Englands auswärtige Beziehungen.
Bei dem Bankett in der Londoner Euildhäll ie Ehren des neuen Londoner Lordmayors »rach Premiermimstec Asquith über dies thema und führte u. a. aus:
Da» vergangen? 3aU fei bemerkenswert durck zwei hervorragend« Ereignisse: Die Einigung der Staaten Siida'rikas und die Reichsver- teid'arlngs-Konferenz. Asquith fuhr fort: Heute Ld). mich, sprechen zu können, ohne irgend- ’’ ibefSy« ‘4nt H''ntergrund lauernde Besorgniffe, die men früher nicht '.-nterdrücken konnte, ^ch bin weit entfernt, behaupten, das: alle Quellen der Beunruhigung auf dem Balkan und im östlichen Europa beseitigt sind, aber es gibt, soviel ich weiß, nichts, was U'-ter den heutigen Bedingungen mit der Zeit and mit Tett nicht beigelegt werden könnt«, wenn di- Großmächte mb ihren geradezu 'inbegrenzten Zerstörungsmitteln ein Beispiel von Selbstl^schränkung geben. Unsere Politik hat sich nickt geändert. Die Ententen und Freundschaft,- -öndniffe mit anderen Mächten, die wir in d -r letzten Jahren zu erreiche,? das G* *ück hatten. ' chlen stch ihrem Zweck nach gegen niemand »ns schicen auch niemand aus. Im weiteren $' 'tue seiner Rede sagte B-emierminister Asquith: Was Deutschland betris.-, weiß ich von u»hts. was einem vollen fn--i .^schaftlichen Eit Verständnis fm Wege stände. Di-'ses Einverständnis zu fordern, gilt in beiden Ländern als di« Aufgabe weisester Staatskunst. — Dte r.'edrngungen, unter denen der Kongostaat gegründet wurde, sind andauernd und gewohnheitsmäßig verletzt worden. Das Land wurde dem Handel verschlossen, und die Eingeborenen wurden zur Zwangsarbeit angehalten. Die endliche Lösung der Kongofrage liegt darin, daß wir imstande sein muffen, die Annexion durch Belgien auf Grund der gemeinsamen Gesetze der Humanität anzuerkennen. Unsere Handlungsweise u n - eigennützig und aufrichtig. (!) Wir
hegen herzliche Freundschaftsbeziehungen zu Belgien, die wir auch fernerhin aufrecht erhalten wollen. Sollte Belgien den gewünschten vollkommenen Wechsel in seiner Politik vollziehen, so find wir gern bereit, di« Annexion anzuerkennen und Belgien als Vertragsmacht zu unterstützen.
Der japanische Botschafter antwortete int Namen des diplomatischen Korps und sagt«, die Japaner freuten sich der Freundschaft der beiden Jnkelreiche, die ein so mächtiger Faktor für die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens seien. Nicht nur die beteiligten beiden Parteien, sondern die ganze zivilisierte Welt hoffe, daß das Bündnis von langer Dauer sein werde.
Den Stimmrechtsweibern war es wieder gelungen, die Festlichkeit in der Euildhäll zu stören. Während der Rede des Lordmayors ging plötzlich unter lautem Eetöse eine iw großen Fensterscheiben der Halles Trümmer und gleich dllr^f^hörte^ma^^ch^dm^ekannten Schlacht 15 / (Nachdruck verboten.)
Was Got^ zÄAmmengefugt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
t Sortierung.)
„Ach, Sie sind gut, liebes gnädiges Fräulein. Sie haben ein weiches Herz, das habe ich schon gemerkt und deshalb sage ich Ihnen so offen, wie mir ums Herz ist. Aber die Freude sollten Sie sich nicht trüben lasten. Es ist ja nun mal nicht z u ändern. Freilich hätte es anders kommen können wenn unser gnädiger Herr, Eott hab ihn selig, nicht gar so wüst gewirtschaftet hätte. Ich will ihm im Erqbe nichts Böses Nachreden — aber er allein ist schuld an allem Unglück, das meine Herrschaft betroffen hat. Es war ein Jammer, mit anzusehen, wie unsere gnädige Frau sich ganz kaput sorgte und doch nichts ändern konnte. Schlimme Zeiten waren das, liebes gnädiges Fräulein. Da gab es nichts als Tränen und-böse Worte. Wenn ich da jetzt Sie und das gnädige Fräulein Schwester singen und lachen höre, dann wird mir ganz warm ums Herz. Als wenn nach langer Regenzeit mit einem Mal« die liebe Sonne wieder erscheint!"
Renate hatte mit sinnendem Ernst zugehört. Cie waren inzwischen durch die großen Räum« gegangen und standen nun vor dem Ausgang.
„Lasten Sie die Tür offen, Mamsell. Meine Cchwester wird nachher auch ein wenig hier herumstöbern wollen. Wenn Papa einverstanden ist, können diese Räume wieder instand gesetzt werden. Es ist schade, wenn sie unbe- »utzt bleiben."
»Freilich wohl, gnädiges Fräulein. Es find die schönsten Zimmer im ganzen Schloß. Sehen Cie nut einmal den herrlichen Parkettfußboden. Vielleicht erlebe ichs noch, daß hier noch einmal wieder getanzt wird."
ruf dieser Unholdinnen gellen: „Votes for women!" Zwei Stimmrechtsweibern war es gelungen, sich in der Verkleidung von Scheuerfrauen in die Euildhäll einzuschleichen, wo sie den ganzen Tag verbrachten, um abends eine Fensterscheibe einschlagen zu können. Sie wurden verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
Die deutsch-englische« Beziehung««.
London, 10. Rov. „Pall Mall Gazetta" schreibt: Unsere Beziehungen zu unserem großen Rivalen auf dem Erbiete des Handels und der Schiffahrt jenseits der Nordsee gegen das Vorjahr sind bester geworden. Wir hoffen, daß Staatssekretär Dernburg die lleberzeugung mit nach Hause nimmt, daß es nicht Englands Schuld sein wird, wenn der deutsch-englische Wettkampf jemals anders als friedlich wird. „Westminster Eazette führt aus: Die Beilegung des deutsch- englischen Zeitungshaders ist ein großer Gegen; die beiden Länder fielen einander auf die Nerven. Es war hohe Zeit, daß sie zur Ruhe kamen. Wenn die Ruhe lange genug anhält und wenn die Staatsmänner die Zeit des WaffenstlllstarÄes ernsthaft ausnützen , werden für Fragen, welche die beiden Länder trennen, dürste manches Schreckgespenst und mancher Argwohn vertrieben werden.
Paris, 10. Nov. Der „Temps" beschäftigt stch mit den englisch-deutschen Beziehungen; et stellt fest, daß eine unleugbare Abnahme der Spannung eingetreten sei. Dieser Entspannung stehe auch nichts im Wege. In Wirklichkeit beständen zwischen Deutschland und England mehr Vorteile als widerstrebende Interessen. Die beiden Staaten werden in gutem Einvernehmen leben, falls sie sich darein finden, daß ihr« korrekten Beziehungen mit ihrer „Würde" vereinbar sind. Diese Frag« sei gegenwärtig mehr psychologischer und moralischer, als handelspolitischer und militärischer Natur. Es ist nicht Sach». Frankreichs, sich in die Angelegenheiten seiner beiden Nachbarn zu mischen, aber Frankreich, welches selbst friedlich und ohne Schwäche ist, wünscht aufrichtig, daß alle, welche den Frieden wollen, sich im Geiste des Friedens betätigen. Das können Deutschland und England tun; unsere Wünsche begleiten sie dabei.
Deutsches Reich.
— Rekrutenvereidigung. Berlin, 10. Nov. Heute Vormittag fand im Lustgarten in Gegenwart des Kaisers die Vereidigung der Rekruten der Berliner Garnison statt. Die Kaiserin und die Prinzessinnen wohnten der Feier von den Fenstern des Königlichen Schlostes aus bei.
— Prinz Heinrich an Pierpont Morgan. Berlin, 9. Nov. Nach amerikanischen Zeitungen hat Prinz Heinrich von Preußen an Pierpont Morgan aus Unlaß der Uebernahme der Ehrenpräsidentschaft für die im kommenden Jahr« in Berlin stattfindende amerikanische Ausstellung folgendes Telegramm gerichtet: „Ich habe von Ihrer Ernennung zum Ehren-
„Das können Sie gleich haben, Mamsell Wollmann," rief hinter ihnen lachend Marys Stimme und wie ein Wirbelwind faßte sie Renate um die Taille und walzte mit ihr durch den Saal. Sie sang mit ihrer Hellen Stimme dabei den Fledermauswalzer. Dann hielt st« plötzlich inne und schaute sich um in dem großen Hellen Raum.
Wonnig ist es hier, Renate. Jedes Stäubchen erzählt von Feudalität und blauem Blut. Erbt es keine Ahnengalerie im Schloff«, liebe Mamsell Wollmann?"
Doch, gnädiges Fräulein. Hier draußen in der langen schmalen Vorhalle hängen die Gemälde."
Komm, Renate, das müffen wir uns ansehen. Solche Gesichter aus uralten Zeiten erzählen intereffante Geschichten. Da bringst Du mich sobald nicht fort."
Sie zog die Schwester mit sich hinüber und Mamsell Wollmann trippelte lächelnd hinterdrein. Diese beiden jungen Menschenkinder gefielen ihr uAgemein.
*
Als Coulmann am nächsten Morgen mit den Damen am Frühstückstisch saß und die Post durchsah, blickte er lachend auf.
„Da Kinder — eine Ueberraschung! Ich habe Euch Gesellschaft eingeladen und hier ist die Zusage. Die beiden Trautmanns kommen morgen und werden Euch einige Tage Gesellschaft leisten. Was sagt Ihr dazu?"
Mary bekam einen roten Kopf und bückte sich sehr unmotiviert um das zu verbergen. In Renates Augen erschien jedoch ein leiser Ausdruck von Unbehagen. Die Nachricht wurde augenscheinlich von den Schwestern sehr verschieden ausgenommen.
Mary faßte stch schnell.
„Was wir dazu sagen? Daß Du ein ganz reizender, alter Herr bist, Papa. Da könne« wir
Präsidenten des Ausschuffes für di« nächstjährige amerikanische Ausstellung in Berlin gehört, und ich wünsche, Ihnen zu gratulieren. Ich hoffe gemeinsam mit Ihnen zum Segen unserer beiden Länder arbeiten zu können. Heinrich von Preußen. — Morgan antwortete mit folgendem Kabeltelegramm: „Bestätige mit Dank Ihr Kabel, bin stolz, mit Ihnen zu arbeiten I. P. Morgan." x
— Der neu« Kammergerichtspräsident. Berlin, 10. Nov. Zum Präsidenten des Kammergerichts wurde der Präsident des Oberlandesgerichts in Celle Heinroth ernannt.
— Die Präsidentenwahl im sächsischen Landtag. Dresden, 10. Nov. Dir Zweite Kammer wählte in ihrer heutigen zweiten Präliminarsitzung Dr. Vogel (Natl.) mit 58 Stimmen zum Präsidenten. Zum ersten Vizepräsidenten wurde Opitz (Kons.) gewählt, auf den 83 Stimmen entfielen. Zum zweiten Vizepräsidenten wurde Baer (Freis.) gewählt, der von 73 abgegebenen gütigen Stimmen 37, also eine über die absolut« Mehrheit erhielt. Man hat also die beiden Landbündler und den einen Mittelständer nicht der konservativen Partei zugerechnet und die Konservativen haben auf diese Wahl zum ersten Mal den Vorsitz der Kammer abgeben müffen.
— Schillerfeier. Marbach, 10. Nov. Unter den Kränzen, welche heute in Schillers Geburtshaus nisdergelegt wurden, befinden sich solche von den Städten Berlin, Wien und Stuttgart, von verschiedenen litterarischen Bereinigungen, von dem Urenkel Schillers, Freiherrn von Gleichen-Rußwurm und Gemahlin, von Mathilde Freifrau von Schiller und von der Urenkelin Schillers Amalie Kiesling-Krieger. — Stuttgart 10. Nov. Der Vorstand des Schiller- Museums' Geh. Hofrat Eüntter, wurde von der philosophischen Fakultät der Universität Tübingen zum Ehrendoktor ernannt. — Berlin, 10. November. Aus Anlaß des heutigen 150. Geburtstages Schillers legte heute im Auftrage des Kaisers Generalintendant Graf v. Hülsen- Häseler an dem Schiller-Denkmal vor dem Schauspielhaus einen riesigen Kranz mit den kaiserlichen Jnüialien und der Unterschrift: „Denn «r war unser, 1759, 10. November 1909" nieder.
— Dementi. Posen, 10. Nov. Di« Meldung, Domherr EoezkowÄy sei zum Weihbischof der Diözese Enesen ernannt, entbehrt, wie von maßgebender Seite versichert wird, jeder Begründung.
— Der Kieler Werftprozeß. Kiel, 10. Nov. In der heutigen Sitzung des Werftprozeffes erklärte der Präsident, daß, wenn es sich Herausstellen sollte, daß die gestern besprochenen Geschäftsbriefe gefälscht und heimlich in die Akten hineingelegt worden sind, man nut annehmen könne, daß dies unter Beihilfe der die Angeklagten besuchenden Personen geschehen sei. Er müsse, so lange eine Klarheit über die Ange- legenehit nicht geschaffen sei, die Besuche bei Frankenthal, Hermann und Siegfried Jacob- sohn sperren.
famos Tennis spielen. Der Platz liegt wunderschön mitten im Park. Er ist zwar etwas verwildert, aber wenn Du ein paar Arbeiter hin- überschickst, ist er schnell in Ordnung gebracht. Willst Du?"
„Ich muß wohl wollen," erwiderte Coulmann lächelnd, „sonst möchte ich meine Mary sehen."
Sie küßte ihn lachend auf di« Wange.
„Ach geh, tust ja. als ob Du Dich vor meiner Ungnade fürchtest."
„Tue ich auch," behauptete er und sich an Renate wendend, fuhr er fort: „Hast Du nicht auch noch ein Anliegen, Renate?"
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. In ihren Augen lag schon wieder der sonnige Ausdruck.
„Diesmal nicht, Papa. Eigentlich schad«, Du scheinst in Geberlaune zu sein. Ueberhaupt — Rodenfels übt einen heilsamen Einfluß auf Dich aus. Seit langem sah ich Dich nicht so froh und heiter, als in diesen Tagen."
Coulmann tat einen tiefen Atemzug. Renate hatte recht. Er war wie von einem Alp befreit, seit er sein Ziel erreicht hatte. Ein« heitere Ruhe lag über seinem Wesen, als hätte er eine lang« Krankheit überstanden und könnte sich nun doppelt seines Lebens freuen. Das Verlangen, fein« Schwester zu rächen, hatte schließlich «inen fast krankhaften Eharakter bei ihm angenommen. Gerade weil ihn die Verhältniffe gezwungen hatten, langsam vorzugehen, hatte dies Gefühl Zeit gehabt, sein ganzes Wesen zu durchdringen.
Er sah lächelnd in Renates Gesicht.
„Vielleicht kommt mit die Landluft besonders gut, Kind. Und dann die neuen Geschäfte und Aufgaben, die mir hier erwachsen, das regt einen schaffenslustigen Menschen an. Sa ganz ohne Arbeit hätte ich es doch nicht ausgehalten. Und wenn ich erst die schöne Welt gesehen habe und wieder -urückgekehrL bin. bann freue ich
Ausland.
•• Aviatikerversammlung in Paris. Paris,' 10. Rov. Die Senatsgruppe für Flugtechntt »er-, anftattete heute unter dem Vorsitze ihre- Cbman-, «es, des Senators Estournelles de Constant im Luxemburg-Palais zu Ehren der Aviatiker eine Festversammlung, welcher zahlreiche Parlamentarier und Gelehrte, sowie die meisten namhafte« Aviattker, unter ihnen Blöriot, Latham, Gras Lambert, Farman und Sanios Dumont, beiwohu- ten.'@enator Estournelles de Constant hob in einet mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Begrüßungsrede rühmend die außerordentlichen Leistungen der Aviattker und Lustschiffer hervor und gedachte dabei auch in warmen Worten der Verdienste des Grafen Zeppelin. Hieraus hielt Pro- feffot* Painleve einen längeren Vortrag über die Fortschritte der Flugtechnik. Er beschäfttgie sich dabei auch eingehend mit den deutschen Lenkballons und sagte, Deutschland habe auf diesem Gebiet eine unleugbare Ueberlegenheit erlangt, wenn er auch gerade von den Vorzügen des Zeppelinschen Systems keineswegs überzeugt sei. „Groß" und „Parseval" hätten bei den jüngsten Kölner Ueb- ungsfahrten sich bester bewährt als „Zeppelin". Als nachahmenswertes Beispiel aber könne die Opserwilltgkeit dienen, welche das deutsche Volk im Interesse der Luftschiffahrt an den Tag gelegt habe, sowie die wissenschaftliche Methode und Sorgfalt, mit welcher die Deutschen auch auf diesem Gebiete zu Werke gehen.
•• Von der Duma. Petersburg, 10. Nov. Die Reichsduma nahm in ihrer heutigen Sitzung den Gesetzentwurf über die Einführung der bedingten Verurteilung an. Der Entwurf enthält vom Justizminister und bee Parteien der Rechten heftig bekämpfte Bestimmungen, welche die bedingte Verurteilung auf die politischen Verbrechen ansdehnen und den Geschworenen das Recht gewähren, di« bedingte Verurteilung auszusprechen. — Weiterhin verhandelte dann die Reichsduma über die Interpellation der Sozialdemokraten wegen der Auflösung der Gewerkschaftsvereine. Der Gehülfe des Ministers des Innern, General Knrlow, wies auf den revolutionären und staatsgefährlichen Charakter dieser Vereine hin, der die Auflösung nötig gemacht habe.
** Der Kohlenstreik in Australien. Sydney 10. Nov. Premierminister Wade erwiderte auf eine Anfrage, er bedauere lebhaft den Streik der Bergarbeiter, der zahllose Einwohner Australiens in Mitleüenschast ziehe, und rate dringend zur gütlichen Beilegung der Zwistigkeiten. Die öffentliche Meinung habe noch eine größere Macht al? selbst das Parlament und wenn die Bevölkerung merke, daß sie das Opfer des Streikes sei, so werde sie von ihrer Macht Gebrauch machen. Der Streif könne den gesamten Personen- und Güterverkehr lahmlegen, sodaß auch der Transport von Wolle
mich darauf, hier selbst meinen Kohl z« bauen."------
Die beiden Brüder Ernst und Bernhard Trautmann waren di« Söhne eines alten Geschäftsfreundes von Coulmann. Die Eltern wohnten in der Nähe von Dresden, der älteste Sohn Ernst war Arzt und praktizierte seit einiger Zeit ebenfalls in Dresden. Der jüngere studierte jetzt in Leipzig, kam aber jeden Sonntag nach Haufe gefahren.
Die Familie hatte, als Coulmann von Berlin nach Dresden übergesiedelt war, einen regen Verkehr mit ihm und feinen Töchtern angebahnt. Die jungen Herren hatten großes Wohlgefallen an den Schwestern gefunden.
Ernst Trautmann machte bald kein Hehl daraus, daß er sich um Renate bewarb. Diese war jedoch wenig erbaut davon. Sie hielt Ernst für einen kalten, berechnenden Charakter und glaubte, daß feine Bemühungen mehr ihrem Vermögen galten, als ihrer Person. Und ganz unrecht hatte sie mit dieser Annahme nicht. Wenn ihm Renate auch gefiel, wäre sie atm gewesen, hätte er sich jedenfalls nicht um sie beworben. Er war ein Streber und nicht nur in geistiger Beziehung. Materieller Vorteil galt ihm sehr erstrebenswert. Daß er trotz seiner Jugend schon ein tüchtiger, gesuchter Arzt war und überhaupt in ernstes, männliches Wesen zur Schau trug, machte ihn Coulmann sehr angenehm und er hätte es nicht ungern gesehen, wenn Renates Herz sich diesem jungen Manne zugewandt hätte.
Diese suchte indessen Ernst Trautmann durch ihr Verhalten klar zu machen, daß sich seine Hoffnungen nicht verwirklichen würden. Er gehört« aber zu den selbstbewußten und selbstgefälligen Männern, di« einen Mißerfolg de» Frauen Mgenüber für ausgeschloffen halten, so-, fern sie ihre Persönlichkeit nur ernstlich in» Treffen führen. — . (Fortsetzung folgt.) !