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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain _ ,
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
JVi. 265
®te „Gberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag 11. November 1909. rn—W—BII WKBM — ■
Die InsertionSgebühr beträgt für die 7gefpaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Uniosrsttatsbuchdruckere« Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
u. Jahrg.
Politische Umschau.
Kreta.
Konstantinopel, 9. Nov. Das Zir- vilar der Pforte an die beiden Schutzmächten Kretas beglaubigten Botschafter betont die Not- Vendigkeit, eine den berechtigten Hoffnungen 6*r A-urtei entsprechende definitive Lösung der Kretafrage herbeizuführen, die für die Türket «rne Lebensfrage bilde. Das Zirkular beruft sich auf dre in dieser Hinsicht gemachten Versprechungen der Schutzmächte. Der gegenwärtige Augenblick sei am meisten geeignet, eine Lösung herberzufuhren, da die jetzige anormale Lage nicht ohne schwere Nachteile fortdauern könne uud das xetzrge Regime auf Kreta die türkischen Rechte verletze. Das Zirkular zählt dann die bekannten Beschwerden der Türkei in dieser Angelegenheit und wendet sich gegen die agres- sive Haltung Griechenlands, insbesondere gegen rle verausfotbernbe Sprache einzelner griechischer Minister im Parlament unb gegen bie mit ben griechischen Hülfsmitteln unvereinbaren Kriegsrüstungen, bis ben Zweck hätten im geeigneten Moment der Türkei Trotz zu bieten Die Pforte werbe energisch jede offene ober versteckte Teilnahme eines dritten Staates an der Verwaltung Kretas zurückweisen. Die Gefahren der mißlichen Lage Kretas könnten nur durch Schaffung eines definitiven Regimes auf der Jn,el, bas selbstverständlich bie Autonomie unter türkischer Souveränität wahre, beseitigt werben. Das Zikular spricht bie Hoffnung aus vast bie Schutzmächte im Interesse ber Türkei unb Griechenlands das gerechte Verlangen ber Pforte günstig aufnehmen werben.
Deutsches Reich.
-- T Truppenoereidigung. Potsbam, 9. Nov.
Gegenwart bes Kaiserpaares und zahlreicher Fürstlichkeiten fand heute bie Vereidigung ber Rekruten _ der Garnison im großen Exerzierschuppen statt. Nach erfolgter Vereibiung hielt ber Kaiser an bie Truppen eine Ansprache.
~ Verlobung des Regenten von Braun- sthwerg. Wernigerode, 9. Nov. Herzog Johann Albrecht ju. Mecklenburg-Schwerin, Regent von Braunschweig, hat sich auf dem hiesigen Schlosse mit der Prinzessin Elisabeth zu Stolberg-Rotzla verlobt. Der Herzog-Regent steht im 52. Lebens- rahre) er war in erster kinderloser Ehe mit der Prinzessin Elisabeth von Sachsen-Weimar verheiratet, die 1908 starb. Seine jetzige Braut Prinzessin Elisabeth von Stolberg-Rosila ist am 23. Juni 1885 geboren, sie ist die älteste Schwester des Fürsten Jost Christian zu Stolberg- Rostla und Tochter der Fürstin Hedwig zu Stol- berg, geborenen Prinzessin zu Ysenburg und Büdingen, die in zweiter Ehe mit dem Grafen Kuno zu Stolberg, dem Bruder ihres verstorbenen Gatten vermählt ist. Die „Braunschwei- gischen Anzeigen" geben bekannt, daß die Ver- mahlung am 15. Dezember in Braunschweig stattsinden wird.
Zu Friedrich Schillers 150. Gebnrtstage, den 10. November.
Vrn Alexander oo.: Gleichev-Rutzwurm.
(Schluß.)
Diesen Eedankengang, den Schiller hier als Schriftsteller ausgeführt hat, trug die Welt der Aufklärungszeit im Herzen auch in bezug auf alle Dinge des öffentlichen Lebens. Und aus diesem Geist heraus ernannte die französische Republik den Dichter der „Räuber" zu ihrem Ehrenbürger. Das Dokument hat eine seltsame Geschichte. Mit ungenügender Adresse versehen, ging es im Oktober des Jahres 1793 in die Welt und kam in Schillers Hände durch den bekannten Pädagogen und Rousseau-llebersetzer Campe aus Hamburg. „Ich habe vor vierzehn Tagen endlich das Vürgevviplom von Paris erhalten", schrieb Schiller an Körner, ,chas schon vor fünf Jahren von Roland ausgefertigt worden und bis jetzt in Straßburg gelegen hat. Es rft ganz aus dem Reich« der Toten an mrch gelangt, denn die „loi" haben Danton und Clavi^re unterschrieben, und den Brief an mich Roland. Die Besorgung ging durch Custine, auf seinem deutschen Feldzuge,- und dies« alle find nicht mehr". In diesen Worten liegt Weltgeschichte. Daß Schiller den Ehrenbürgerbrief nicht nur als flüchtige Laun« einer flüchtigen Gewaltherrschaft betrachtete, geht aus den Worten hervor, die er an Goethe darüber richtete. Man wünschte das interessante Aktenstück im Staatsarchiv unterzubringen, aber >le citoyen Gille" wollte es nicht aus der Hand fleBen, da es vielleicht seinen Kindern bei,, einem gelegentlichen Etablissement" in Frankreich »ritzen könne.
So frei Schiller über den Verkehr und die Zusammenaehörigkeit der Kulturvölker dachte,
— De» Kiele, Werftprozeß. Kiel, 9. Nov. In der heutigen Schwurgerichtsverhaichlung im Werftprozeß wies der Staatsanwalt darauf hin, daß es höchste Zeit sei, den teils maßlos übertriebenen, teils unrichtigen Angriffen Frankenthals, des Hauptangeklagten, auf die Marineverwaltung entgegenzutreten, um so zu verhiickern, daß di« Geschworenen ein falsches Bild von dem Werftbtriebe bekämen. Im Anschluß hieran wurde der Oberwerftbirektor von Usedom über bett Verkauf eines Mastes vernommen. um an einem Beispiele bie Haltlosigkeit ber Behauptungen des Angeschulbigten zu beweisen. Die Aussage ergab, daß nach sorgfältiger Prüfung und der enfftehenden hohen Transportkosten wegen der Verkauf des Mastes als Altmaterial die zweckmäßigste und wirtschaftlichste Verwendung dieses für Flotte und Werft unbrauchbaren Stückes darstellte.
Ausland.
* * Der italienische Lenkballon. Bracciano, 9. Nov. Der Kriegsminister nahm heute an einem Aufstieg des Militärlenkballons teil, der eine Stunde lang vorzüglich gelungene Uebun- gen machte und dabei gegen den Wind eine Schnelligkeit von 31 Kilometern in der Stunde erzielte. Der Minister beglückwünschte den Erbauer und die Mannschaft des Ballons zu ihrem Erfolg.
* * König Manuel in Madrid. Madrid, 9. November. König Manuel und König Alfons wohnten heute den Manövern der Garnison in Carabanchel bei und kehrten danach nach dem Schloß zurück.
* * Die Spanier in Marokko. Madrid, 9. November. Auf eine Fraoe wegen des angeblich bevorstehenden Friedensschlusses mit den Riffstämmen erklärte Ministerpräsident Moret, zweifellos ginge Spanien dem Frieden entgegen) es müßte aber noch die letzten Konsequenzen aus dem Feldzugsplan des früheren Kabinetts ziehen und in Albuecemas und Penon de la Eomeran Ruhe stiften.
* * Admiral Fisher. London. 9. Nov. Admiral Fisher wurde aus Anlaß des Geburtstage? des Königs zum Peer ernannt.
Die Verhandlungen Frankreichs mit Marokko. Paris, 9. Nov. In dem heute im Elys^e abgehaltenen Ministerrate berichtete der Minster des Arußern über den Stand der Verhandlungen mit der marokkanischen Gesandtschaft und teilte mit, daß er den Vertretern bes Sultans bie allgemeinen Bebingungen bargelegt habe, von betten bie französische Regierung bie Verständigung mit Mulay Hafib unb über bie Fragen abhängig mache, die Gegenstand bet Verhandlungen waren. Die marokkanischen Gesandten würden diese Bedingungen unverzüglich zur Kenntnis des Machsen bringen. — Tanger, 9. Nov. Nach einer Meldung aus Fes vom 3. November ist der Sohn von El Mokri nach Tanger abgereist) er soll seinem Vater Instruktionen überbringen.
* * Ein Sieg Vriands. Die Deputiertenkammer nahm mit 379 geoen 142 Stimmen ben
so wenig liebte er selbst zu reisen. Darin bildete er feinen Zeitgenossen gegenüber eine Ausnahme. bie Reisen für bas wichtigste Bildungs- Mittel hielten. Bezeichnend für seine Ansichten ist eine Stelle aus einem Brief an seine Schwägerin Karoline von Wolzogen: „Ob es gleich in der Welt überall schlecht zu leben ist, so ist doch der Ennui der beste, den man schon in Besitz hat und nicht erst mühselig aufzusuchen und teuer zu erkaufen braucht. Wir wollen uns diesen Winter angenehm zu machen suchen. Du wirst uns von Deiner Reise erzählen, und wir wollen uns dafür erfreuen, daß wir zu Hause geblieben- sind." Aus mündlichen Erzählungen schöpfte der Dichter die Kenntnis von Land und Leuten, die er in feinen Stücken bewies. Karoline von Wolzogen hat im Reifewagen die Wege zurückgelegt, bie das Mädchen von Orleans einst gegangen, Lotte kannte die Schweiz und Goethe führte den Freund in die klassisch« Landschaft. Darüber hat Richard Wagner in den Briefen an Mathilde Wesendonk ein beherzigenswertes Wort gesprochen: „Was Goethe in Rom ausbeutete, kam allen zugute, und Schillern ersparte «r dadurch entschieden das Selbstsehen; dieser konnte sich nun vortrefflich behelfen und feine edelsten Werke schaffen."
So weit die Grenzen der Gedankenwelt gezogen waren, so eng blieb der Schauplatz des äußeren Daseins, der die Tage des großen Mannes umrahmte.
Aber es müssen seltene Frauen gewesen sein, die das Leben in Jena und Weimar zu schmücken und dies« kleine Welt im besten Sinn zu einem „beau monde" zu machen verstanden. Goethes Jphigenia und die Prinzessin im Tasso künden den hohen Ruhm dieser Charlotte von Stein) Karoline und Lotte von Lengefeld leben, so lange Schiller im deutschen Volle lebt, und Charlotte von Kalb, seine erste
ersten Teil des Artikels 1 an, wonach die Mitglieder der Kammer auf Grund der Listenwahl zu wählen sind. Dann wurde mit 281 gegen 235 Stimmen der zweite Teil desselben Artikels angenommen, durch den für die Wahlen das Proportionalsystem festgesetzt wird. Hierauf ergriff Ministerpräsident Briand das Wott und führte aus, er sei der Ansicht, daß die Kammer am Schlüsse der Legislaturperiode, welche durch eine so wichtige Frage ausgefüllt fei, eine so einschneidende Wendung des Wahlsystems nicht beschließen solle. Der Antrag betreffend , die Proportionalwahlen fei voller Dunkelheiten. Ein solches Gesetz möge der Initiative bet Regierung überlassen werden, er könne nicht die Verantwortung dafür übernehmen, daß die Kammer in der Erörterung der einzelnen Artikel fortfahre. Briand schloß, er werde vor dem Lande unb der Kammer, welche für feine letzte Rede ben Maueranschlag beschlossen, aber seine Ratschläge nicht befolgt haben, in einem zweifelhaften Lichte dastehen. Et stelle beshalb bie Vertrauensfrage. (Große Bewegung.) Die Kammer votierte hierauf betn Ministerium mit einer Mehrheit von 66 Stimmen bas Vertrauen und lehnte den Artikel 1 im ganzen mit 291 gegen 225 Stimmen ab. (Lebhafter Beifall bei den Radikalen, Geacnrufe bei den Sozialisten: „Bei den nächsten Wahlen sehen wir uns wieder!")
Stadtverordneten-SitzilW.
)( Marburg, 9. November.
Unter Mitteilungen zur Kenntnisnahme wurde u. a. ein Dankschreiben des Rektors der Universität für das anläßlich des Eintreffens des 2000. Studenten von ber Stadt bewilligte Stipendium zur Verlesung gebracht.
Der folgende Punkt ber Tagesordnung betraf bie Versetzung eines Straßengeliinders mit Sockelmauer vor bem Hausgrundstück Schwan- all ee 8. Stadtv. Eichelberg gab hierzu die erforderlichen Mitteilungen, welche dahin gingen, daß dem Anlieger, weil ihm durch eine dort seitens der Stadt getroffene Anordnung besondere Kosten entstehen, diese ersetzt werden. Es wurde empfohlen, die Kosten, welche 220 <M. betragen, auf die Stadt zu übernehmen. Der Antrag fand Annahme.
Ueber den Erlaß einer Freibankordnung machte ber Stadtv. Keppler die erforderlichen Mitteilungen. Er brachte zur Kenntnis, in welchen Fällen von int Schlachthof geschlachtetem Vieh bas Fleisch nach ben gesetzlichen Bestimmungen der Freibank überwiesen werben muß. Die-hiesige Freibank bestehe seit dem Jahre 1884. Jetzt liege eine gesetzliche Bestimmung vor, welche fordere, daß die Freibank-Ordnungen in allen Städten eine einheitliche Fassung haben mußten. Die diesbezügliche Ordnung ist bereits von bei hiesigen Metzgerinnung bis auf ben Paragraph, daß ber Magistrat irgend einen Unternehmer mit der Freibank beauftragt, genehmigt. Die Innung wünscht, daß bet Betrieb ber Freibank wie seither unter bet Aufsicht bet Metzgerinnung steht und von dieser geleitet
Erzieherin zu feiner Sitte, ist mehr als eine flüchtige Liebe des jungen Mannes, sonst hätte er nicht an die alternde Freundin einen seiner edelsten Briefe gerichtet, der mit den Worten beginnt: „Die Menge hielt sich an das, was geschieht unb gehandelt wird, aber die Seele, bie bei Dichtet in fein Weik zu legen wünscht unb welche tiefer liegt, als bie Handlung selbst, ist nur für bie, welche eine Seele fassen können."
Nach ber ersten Aufführung des „Wallenstein" auf bie hier angespielt ist, erhielt Schiller von oer Herzogin ein silbernes Kaffeeservice, und auch die Schauspieler haben (nach einrn seiner Briefe) „vorn £of Präsente. erhalten". Bei dieser Gelegenheit tat Schiller ben Ausspruch: „Die Poeten sollten immer durch Geschenke belohnt, nicht besoldet werden. Es ist eine Verwandtschaft zwischen dem glücklichen Gedanken und den Gaben des Glücks, beide flattern vom Himmel." Das Kaffeeservice gehört heute zu den Gegenständen des Schiller- Museums in Schloß Greifenstein. An dieselbe bedeutungsvolle Wallenstein-Aufführung erinnern zwei Handzeichnungen, die in ihren Rollen die Schauspieler Voß und Gras dar- stellen, unb ein Brief an Jffland, der sich auf bie Inszenierung bezieht. Ein andermal schrieb Schiller dem berühmten Schauspieler über < Turandot und fügte hinzu: „Es wird das Interesse vermehren, wenn bei wiederholten Repräsentationen zuweilen mit den Rätseln changiert wird, ich werde es hier so halten und Ihnen die neuen Rätsel, die mir einfallen, zu beliebigem Gebrauche nachsenden." Auch Goethe lieferte Rätsel für bas chinesische Märchenspiel. Scharaden aller Art waren damals Mode, es lag in der Zeit, auflösen ermitteln zu wollen, sich klar zu werden über bie verschiedensten Begriffe. Karoline von Wolzogen erzählt in ihrem Tagebuche, daß mau in einet kleinen Abend-
wird. Stadtv. Dietrich hielt es für richtig, dech den East-, Schank- und Speisewirte» die Verwendung des Freibanffleisches untersagt würde. Man möge unter diesen Begriff «ach die Privatspeisewirtschasten einbeziehen, d. h. diejenigen, die tm Hause an andere 2eete Mittagsttsch verabfolgten. Gerade diese Leute benutzten die Freibank am meisten. Stadtv. Keppler meint, daß an solche Personen sowiese kein Fleisch verabfolgt würde, sobald es bekannt fei. Der Oberbürgermeister meinte man möge durch die Polizei feststellen, wer solchen Mittagsttsch gebe unb bie Namen der Fleischer- Innung zur Verfügung stellen. Stadtv. Sttoinsky hält diese Maßregel für eine Belästigung der Einwohner) sie führen zu unangenehmen Schnüffeleien. Stadtv. Engel meint dementgegen. er fei eine Pflicht der Gerechtigkeit, die Gewerbetreibenden welche ihre Steuern bezahlen. zu schützen. Auch ber Stadtv. Dr. Maur- mann bezeichnet bie Einbeziehung der Prtvat- pensionen unter diese Maßregel als Schnüffelei. Stadtv. Dietrich pflichtet dem Stadtv. Engel bei; man müsse unbedingt die Gewerbetreibenden schützen. Die Ordnung wurde angenommen, bet vom Stadtv. Engel gestellte Zufatzantrag wegen der Privatpenfionen wurde dagegen ab- gelehnt.
Am Eingang zur früheren Hohl« am Rotenberg ist in ber letzten Woche am ersten Grundstück rechts oberhalb dem Felsenkeller ein Teil der Mauer abgetragen worden. Dem Vertrag betreffs des Erunderwerbs seitens der Stobt würbe nachträglich zugestimmt. Der Quadratmeter wird mit 3 M berechnet.
Die Abrechnung der Jahresrechnung der Stadthauptkasse gab der Stadtv. Storck. Von ben Ziffern feien erwähnt, baß die Gesamteinnahmen 1825 629,95 Jt und bie Ausgabe« 1755 188,79 betrugen, Bestand 69 441,16 X
Die Abrechnung des Wasserwerks pro 1908 betrug nach einem Referat bes Stadtv. Dr. Maurmann 109 704,29 Gesamteinnahmen unb 109 370,96 M. Ausgaben, Rest 2019 X Bestand am Ende des Jahres 333,33 X
Der Voranschlag ber Sparkasse für 1910 würbe in gleicher Höhe wie im Vorjahre festge- stellt. Stadtv. Stroinsky wies bei bet Besprechung der Anstellung einer weiteren Hilfskraft auf ber Sparkasse auf bie Vorteile ber täglichen Verzinsung hin, die er recht bald eingeführt wünsche.
Bei dem Verkauf des städtischen Grundstücks Bl. 23, Nr. 10, Acker am Rotenberg, handelt es sich um ben gemetbeten Bau eines Hauses für eine Diakonissenanstalt. Der Quadratmeter wirb mit 1,20 <M. berechnet. Der Vorlage würbe zugestimmt.
Der Verein für Luftschiffahrt hat um Fest- etzung des Preises für das für Luftschiffahrt benötigte Gas gebeten. Der Magistrat hat be- chlossen, ben Preis auf 12 Pfg. pro Kubikmeter estzusetzen, die Wiese neben der Gasanstalt mietweise zur Verfügung zu stellen unb außerdem 100 M. jährliche Unterstützung aus städtischen Mitteln dazu zu bewilligen. Stadtverordneter Reihert wünschte, baß man mit Rücksicht darauf,
gesellschaft „durch improvisierte Gruppen mancherlei zu erraten" aufgegeben habe unb baß Goethe wie Schiller an dem Spiel lebhaft teil« genommen hätten. Harmlos wußten sich diese Menschen zu unterhalten, sie vermochten das Unbedeutend« zur eigenen Höhe zu erheben und sich an einer zierlichen Geselligkeit ohne Präten- stonen zu erfreuen. So erzählt Schiller im Jahre 1801: „Wir suchen uns hier aufs beste durch ben Winter hinburch zu helfen. Goethe hat eine Anzahl harmonierenber Freunde zu einem Klub ober Kränzchen vereinigt, bas alle vierzehn Tage zusammenkommt unb soupiert. Es geht recht vergnügt babei zu, obgleich bie Gäste zum Teil sehr heterogen sind, benn ber Herzog selbst unb bie fürstlichen Kinder werden auch «inge- lüben. Wir lassen uns nicht stören, es wirb fleißig gesungen unb pokuliert. Auch soll biesei Anlaß allerlei lyrische Kleinigkeiten erzeugen, zu denen ich sonst bei meinen größeren Arbeiten niemals kommen würbe." So enstanben bie Gebichte „An bie Freude" und „Die vier Weltalter", Körner sollte sie komponieren „mit einer recht belebten, dithyrambischen Musik, um eine recht exaltierte Stimmung auszudrücken." Bei diesen Versuchen kam Schiller zu der Erkenntnis, wie schwer es fei, Gelegenheitsgedichte zu machen. „Es ist eine erstaunliche Klippe für die Poesie," bemerkte er, „Eefellschaftslieber zu verfertigen, die Prosa des wirklichen Lebens hängt sich bleischwer an die Phantasie, und man ist immer in Gefahr, in ben Ton der Freimaurerlieber zu.fallen, der der heilloseste von allen ist." Zu diesen berühmten Mittwochsgesellschaften wollten sich manche drängen, die den Dichtern recht unerwünscht waren. So klagte Schiller in einem Brief an Goethe, der auf ein paar Tage »ach Jena gefahren war: „Wenn Sie nicht tourae», so toitb mit einem großen Klub gedroht» Mei