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mit dem Kreisblatt sür die Kreise Marburg uub KrrchlMM f und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche »euage."

JK. 264

DieGbekhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Vast bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), Bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Mittwoch, 10. November 1909.

44. Jahrg.

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Die Fniertion-gebühr beträgt für dre 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckere, Jnbaber Dr. T. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 87.

Mit einem Korbeerkranz auf Schillers Grab.

Lern Leben war kein holder Reigentanz!

Ein Held warst du und gingst auf Kampfes- wegen.

Du'hast gesiegt: jedoch den Lorbeerkranz, Nur auf die Stuft könnt' ihn dein Volk dir legen.

Wie eine deutsche Sonne, früh zum Tod Zogst du durch Wolken, Nebel und Beschwerde, Vor Untergang ein flüchtig Abendrot:

Das ist das Los des Schönen auf der Erde!" Doch still! denn eines Halbgotts war sein Los: Wie Herakles durchrang er all' sein Leben, Am endlich aus des Scheiterhaufens Schoß Sich siegreich zum Olyrnpog zu erheben. r So prangt er, seinem Volk ein Heiligtum, M Ein schönster Stern in Gottes Weltgebäude: Für flüchtig Weh ward ihm der ew'ge Ruhm: Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude!"

Felix Dahn. ---*---

Schiller rmd die deutsche Einheit.

Jenseits des Atlantischen Ozeans bereitete sich das großartige Drama der Negerbefreiung vor, in Deutschland legte man die Geister in lKetten. Besonders mißliebig waren die freien Geister, die der deutschen Einheit die Wege ebnen wollten. Dem Nationalverein, der im Schiller-Gedenkjahr 1850 begründet war, anzu- gehören, machte beinahe des Hochverrats ver­dächtig. Neiderfüllt blickte man auf Italien, das ebenso wie Deutschland jahrhundertelang zerrissen und zerstückelt gewesen war, in dem sich aber eben jetzt Schlag auf Schlag die national« Einigung vollzog.

In diese für Deutschland so trübe Zeit brachte der 10. November, der 100. Geburtstag Schillers, hellen Glanz. Da zeigte es sich seit langer Zeit wieder einmal, daß Deutschland doch einig war, wenn auch vorläufig in der Liebe und Verehrung für das hehre ideale Na­tionalgut, Schiller geheißen. An diesem 10. No­vember feierte der Dorfschullehrer in der ma­surischen Tiefebene den Schiller-Gedenktag mit derselben Begeisterung, wie des großen Dichters engere Landsleute in der Rauhen Alb und an den Ufern des Bodensees. Gar vielen wurde an diesem Tage das Schillerwort lebendig:Ja wir sind eines Herzens, eines Blutes! Wir sind ein Volk, und einig wollen wir handeln."

Freilich, der gewaltige Schwur aus der

Zu Friedrich Schillers 150. Geburtstage, den 10. November.

Von Alexander von Eleichen-Rußwunn.")

Von Goethes Briefen schrieb Hugo von Hof- mannsthal an einen Freund:Du verlangst aber auch von mir zu wißen wie du's lesen sollst. Lies es ohne Vorurteil. . . . Laß ihn nicht seinen Namen wie den Medusenschild mit sich tragen und Dich damit versteinern. Son­dern laß den verspielten, den leidenschaftlichen und den weltklugen Ton seiner Red« in Dein Ohr fallen, wie die Sätze eines neuen Freun­des." Dies kluge und gute Wort sollte für alles Intim« gelten, das uns au, dem Leben der Großen über kommen ist. Nur die kleinen und kleinsten Züge, die Falten auf einem Angesicht, das man von fern in monumentalen Linien zu sehe gewohnt ist, bringen auch späteren Genera­tionen bedeutende Ahnherren menschlich so nah« daß wir glauben, mit ihnen zu sprechen, statt nur kalt und kritisch ihre Werke zu lesen. Unser Leben besteht vor allem aus intimen Vorgän­gen, große, wetterschütternde Ereignisse spiegeln sich darin wie die Wolken im winzigen Teich, dessen Frieden durch ein hineingeworfenes Steinchen gestört wird, dessen Klarheit die fal­lenden Blätter vernichten. Zwischen den ver­gilbten Seiten alter Briefe wohnt das Anden­ken von verschwundenem Leid und Glück, das Andenken an schwere Kämpfe, deren Spuren wir als geläutertes Gold in den Werken fin­den. In dem Aufsatz über Bürgers Gedichte sagt Schiller:Alles, was uns der Dichter geben kann, ist seine Individualität. Diese muß es also wert sein, vor Welt und Nachwelt ausge-

*) Der einzige noch lebende Urenkel Schil­lers, der Freiherr Alexander von Eleichen- Rußwurm, gibt in diesem Aufsatze ein Bild des Schiller intime", wie die Franzosen zu sagen pflegen, das Bild feines großen Ahnen, wie es sich durch die Ueberlieferung und durch Schiller- eigene briefliche Aeußerungen in seiner Familie erhalten und fottgepflanzt hat. D. R.

eben angeführten Rütli-Szene:Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr!" sollte erst 11 Jahre später, im großen Jahre 1870, auf das deutsche Volk in Waffen Anwendung finden. Aber jene Schiller-Gedenkfeier machte eben den Gedanken der nationalen Gemeinsamkeit, aus dem allein heraus ein Sedan geschlagen werden konnte, lebeiüttg. Mancher empfand wohl da- mals schon, was wenige Jahre darauf Deutsch­lands größter Sohn, Bismarck, kühn und trotzig in die Welt hinausschleuderte:Nur durch Blut und Eisen wird die deutsche Einheit geschaffen werden." Wer aber dies vorausfühlte, wer es ahnte, daß das einige Deutschland nur durch furchtbare Opfer an Gut und Blut würde ge­wonnen werden können, dem stählte auch wieder Schillers hoher und stolzer Geist den Mut. sein Leben für das Große einzusetzen. Schillersche Aussprüche, wieNichtswürdig ist die Nation, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre" oderVon des Lebens Gütern allen ist der Ruhm das höchste doch: wenn d«r Leib in Staub zerfallen, lebt der große Name noch. Tapfrer, deines Ruhmes Schimmer wird unsterblich fein im Lied: denn das ird'sche Leben flieht, und die Toten dauern immer" das sind flammende Worte, an denen sich das Herz des deutschen Jünglings für die kommenden schweren Kämpfe stählen mochte. Es wird im Deutschen Reiche kaum ein Dorf geben, das nicht eine Denktafel für die Gefallenen des großen deutschen Ein­heitskrieges besäße, und so hat sich des natio­nalen Dichters VersprechenUnd die Toten dauern immer" buchstäblich erfüllt.

Jahrzehnte sind vergangen, seit der Geist der unsterblichen Werke Schillers mit den deutschen Jünglingen in die Feldschlacht hinauszog und die Einheit erkämpfen half. Nun rüsten wir uns von neuem, den Gedenktag des großen Mannes zu begehen. Wenn auch die deutsche Einheit längst erfochten ist, so ist doch der na­tionale Gehalt der Schillerschen Werke noch lange nicht überflüssig geworden. Denn um die deutsche Einigkeit im Innern ist es noch immer übel bestellt, und wer von dem Gezänk und Gekläff des Alltaas ermüdet und angewidert ist, dem ist es eine Wohltat, zu den reinen Höhen des Schillerschen Idealismus emporzuklimmen. Auch sonst ist der Schillersche Idealismus, den ein großer Unglücklicher sehr zu Unrecht ver­spottet hat viele mindere Geister haben es nachgebetet, um auch geistreich zu erscheinen, uns in unseren Tagen recht sehr von nöten. Der Kampf um das Dasein ist immer schärfer und schwerer geworden, er hat die Herzen hart gemacht und die Selbstsucht zum allgemeinen Götzen erhoben. Da ist es dringend erwünscht, daß gerade Schiller, von dem Goethe so herrlich gesagt hat:Und hinter ihm in wesenlosem Scheine liegt, was uns alle bändigt, das Ge­

stellt zu werden." Wo sieht man sie aber deut­licher, plastischer als da, woder Genius un­befangen in die nächste Berührung mit Zu­ständen und Verhältnissen der Wirklichkeit tritt, um sie zu bewältigen und für seinen Zweck fügsam zu machen?"

Die Deutschen gewöhnen sich sehr langsam ich möchte beinahe sagen mit Widerstreben daran, die Briefe eines großen Schriftstellers dem Kreise seiner Schriften zuzurechnen, und so sind auch Schillers Briefe, vielleicht mit Aus­nahme derer, die er mit Goethe und mit Lotte tauschte, wenig bekannt. In Erinnerung jener reichen Stunden, die ihm der nahe Verkehr mit dem Freunde geboten, sagte Goethe als alter Mann:Alle acht Tage war Schiller ein anderer und vollendeterer: jedesmal, wenn ich ihn wirtiersah, erschien er mir vorgeschritten in Belesenheit, Gelehrsamkeit und Urteil. Seine Briefe sind das schönste Andenken, das ich von ihm besitze, und sie gehören mit zu dem Vortrefflichsten, was er geschrieben." Und vor dem inneren Auge des greisen Dichters mag, so oft er Schillers Briefe durchblätterte, jene kleine Wohnung im Bilde erschienen sein, wo sich die Klassiker an Gesprächen über die Schön­heit erfreuten, wo sie die Xenten dichteten und besprachen und wo Goethe mit den Frauen und Kindern des Schillerschen Hauses so fröhlich und ausgelassen scherzte, daß der Horenredakteur, der noch einen Brief vollenden wollte, einmal eiligst abschließen mußte und schrieb:Goethe macht einen so großen Lärm, daß ich aufhören muß". Durch die unendlich vielen praktischen Fragen, di« sich den Generationen des neun­zehnten Jahrhunderts aufdrängten, find wir dezu erzogen, den Wert guter Gespräche zu unterschätzen, wie wir auch im Zeitalter der illustrierten Postkarte den Wett ausführlicher, sensitiver Bttefe kaum verstehen. Die intimen Dialoge in denen sich philosophische Spekula­tionen und Pläne zu neuem Schaffen mit Fragen des häuslichen Lebens und Kommis- fionnen mischen, gleichen Stimmen aus einer anderen Zeit und werden zu einem Kulturbild, in dem sich di« Berühmten bewegen tote die

meine", uns allen im Herzen lebendig erhalten bleibt und ein Gegengewicht bildet gegen das schrankenlose Ueberwuchern der Selbstsucht. Und in diesem Sinne ist Schiller Deutschlands guter Genius, den Deutschlands Einigkeit wird nur erhalten bleiben, wenn dem deutschen Volke die Ideale bewahrt werden.

Deutsches Reich.

Staatssekretär Dernburg in Liverpool. Liverpool, 8. Nov. Staatssekretär Dernburg besichtigte' di« hauptsächlichsten städtischen Ein­richtungen. Nachdem er im Rathaus« dem Lordmayor seinen Besuch gemacht hatte, begab sich der Staatssekretär nach der Baumwollbörse, wo ihm zu Ehren ein von dem deutschen Konsul gegebenes Frühstück stattfand, an dem hervor­ragende Mitglieder der deutschen Gesellschaft teilnahmen. Hierauf fuhr Dernburg an die Merseymündung, um die Docks anzusehen.

Zu der Affäre auf der Kieler Werst. Berlin, 8. Nov. DieNordd. Allg. Ztg." bringt heute Abend einen Auszug aus dem in der Berliner Korrespondenz" veröffentlichten amt­lichen Bericht der Kommission, die auf Veran­lassung des Staatssekretärs des Reichs-Marine- Amts seit dem 12. Januar 1909 eine größere Anzahl Fragen der Organisation der Verwal­tung der kaiserlichen Werften beraten hat. Die einzelnen Kommissionsmitglieder haben prak­tische Studien in größeren Staats- und Privat­betrieben gemacht. Ihre Vorschläge, die inzwi­schen die Genehmigung des Staatssekretärs des Neichs-Marine-Amts gefunden haben, sollen alsbald zur Durchführung gelangen. Sie bauen sich auf praktische Erfahrungen der Privatbe­triebe auf, bezwecken eine Vereinfachung in der Buchführung und dem schleppenden Geschäfts­gang auf den Werften, größere Selbständigkeit und Verantwortlichkeit und Vorbildung der Verwaltungsbeamten, bessere Durchführung der Materialrevisionen. Veamtenvermehrungen zu diesem Zwecke sind nicht in Aussicht genommen.

Herr v. Eerlach Berliner Stadtverord­neter!? Die Sozialdemokraten fordern natür­lich ihre Genossen auf, bei der bevorstehenden Stichwahl zum Stadtparlamente zwischen Leis ffreis.) und v. Esrlach (Demokr. Vereinigung) für v. Gerlach zu stimmen. Er erhielt in der Hauptwabl 306 gegenüber 409 freisinnigen, 217 sozialdemokratischen und 176 konservativen Stimmen.

Ausland.

** Oesterreich-Ungarn und Rumänien. Buka­rest. 8. Nov. DieAgence Rumaine" ist er­mächtigt, die von derAgence telegraphique Ottomane veröffentlichte Nachricht, betreffend

Figuren eines Schattenspiels. Wenn Hum­boldt im Auftrage Schillers für Goethe tn Berlin ein Fäßchen Kaviar bestellt und Schiller dem Freund die Rechnung schickt mit der Be­merkung,ich finde es für eine genossene Speise recht teuer", und wenn Goethe aus Weimar Tapeten für das Eattenhaus nach Jena sendet, so zeigt sich der harmlos herzliche Verkehr jener Menschen, die man sich gar zu gern auf dem Kothurn weltfremder Olympier vorstellt. Es gibt Leute, die aus den Ver­öffentlichungen gern alles strichen, was nicht bedeutend" ist, doch sie vergessen, daß durch solches Verfahren der feine Staub des Lebens von der Vergangenheit abgestreift würde. Aus den Stimmungen des Tages entstehen die bleibenden Werke. Wir sehen, wie aus der Zopfwelt mit ihren gemütlichen Möbeln. und fcinabgestimmten Sachen, mit ihrer tiefen Ehrfurcht vor allem, was französisch war, langsam das Verständnis für Shakespeare aufblüht und die Freude an seinen Stücken täglich größer wird. Nach der ersten Lektüre des Aristoteles schrieb Schiller:Jetzt begreife ich erst den schlechten Zustand, in den er die französischen Ausleger und Poeten versetzt hat. Auch haben sie sich immer vor ihm gefürchtet, wie die Jungen vor dem Stecken. Shakespeare, soviel er gegen ihn wirklich sündigt, würde weit besser mit ihm ausgekommen sein als die ganze französische Tragödie". Später meinte der Dich­ter über eine Aufführung von Julius Caesar: Für meinen Teil ist mir das Stück von un­schätzbarem Wert, mein Schifflein wird auch da­durch gehoben. Er hat mich gestern in die tätigst« Stimmung gesetzt."

Unterschreiben wir auch nicht mehr alle Ur­teile, die damals Schiller und Goethe in Sachen von Kunst und Dichtung fällten, so können wir doch lernen, wie sie urteilten und wie ernst sie das geistige Leben anderer erfaßten.Es ist freilich beichtet tadeln als hetvotbtingen", schrieb Schillet, als et ein getinges Stück bespto- chen hatte. Nut über das Publikum, über den lieben Leser wie über den Zuschauer im Theater (allen manchmal recht derbe Wort«. So heißt

den Abschluß eines Militär-Allianzvertrage, zwischen Oesterreich-Ungarn und Rumänien tn aller Form zu dementieren.

** Der Wahlreformvorschlag in Frankreich. Paris, 8. Nov. Die Kammer schloß heute di« Eeneraldiskussion über die Wahlreformvorlage und lehnte einen Antrag auf Rückverweisung der Vorlage an die Kommission mit 345 Stim­men gegen 187 Stimmen ab.

* König Manuel in Madrid. Madrid, 8. Nov. König Manuel Ui um 11% Uhr hier eingetroffen unb wurde am Bahnhof von t:m König Alfons empfangen.

Typaldos. Athen, 8. Nov. In Kepha- lonia, der Heimat des Typaldos. fand eine Ver­sammlung statt, in der dagegen Protest einge. legt wurde, daß gegen Typaldos Anklage wegen Hochverrats erhoben fei; ein Sohn Kephalonicns sei noch niemals ein Verräter gewesen. Ty­paldos' Freunde wünschten, daß das Programm der Militärliga in die Tat umgesetzt werde.

* * Die Finanzbill in England. London, 8. Nov. Die erste, rein formelle Lesung des Finanzgesetzes wurde heute vom Oberhaus« an­genommen.

* * Meneliks Gesundheit. Rom, 8. Nov. Di« Agenzia Stefani" meldet aus Abdis Abebba: Auch diesmal scheint der starken Natur des Negus Menelik gelungen zu sein, die Folgen der letzten Schlaganfalles zu überwinden. Der Ee- sundheitszustand des Kaisers hat sich so gebessert, daß eine Lebensgefahr für den Augenblick aus- geschlossen erscheint.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 de« Urheberrechts nur mit der deutlicken Quellenangabe Oberheff. Ztg." gektttttt.)

Marburg, 9. Nov.

* Polizeiliches. Am 6. d. M. fand, wie man uns mitteilt, im Hotel Freidhos eine Konferenz der Polizeikommissare aus den Städten Hessen- Nassaus und des Mittelrheins statt, zu welcher 14 Herren erschienen waren. Die Herren Oberbür­germeister Troje, Beigeordneter Schimpfs und Kreisarzt Dr. Hildebrandt waren auf ergangene Einladung gleichfalls erschienen. Nachdem der Leiter der Zusammenkunft, Polizeikommissai Knaufs von hier, den genannten Herren für ihi Erscheinen gedantt und die Kollegen willkommen geheißen hatte, wurden zunächst zwei für das Polizeiwesen sehr lehrreiche und interessante Vor­träge gehalten. Polizeikommissar Kausmann- Limburg sprach überSexual-Psychologie" und Die Konträr-Sexuale vor der Polizei". In die­sem wohlvorbereiteten Vottrag schildette der Re­ferent eingehend und in spannender Weise das Wesen und die große Verschiedenheit dieser Per­

es über den Verkauf der ZeitschriftPropy­läen":Was Cotta von dem Absatz des Jour­nals schreibt, ist zum Erstaunen und zeigt das kunsttreibende und tunstliebende Publikum in Deutschland von einer noch viel kläglicheren Seite, als man bei noch so schlechten Erwar­tungen je hätte denken mögen." Dies mag vielen Redakteuren und Verlegern aus dem Her. zen geschrieben sein, aber trotzdem hat auch der liebe Leser und sein Geschmack ein gewisses Recht In diesem Sinne dachte der Coadjutor von Dal. berg:Schiller und Goethe scheinen sich abzu- schließen und zu hoffen, daß die Welt die Türen einrennt, um sich Eingang in ihren ästhetischen Himmel zu verschaffen. Aber die Welt ver. langt eben von ihren Dichtern, daß sie zu ihr hinuntersteigen." Der feinsinnige Priester und Weltmann, der zum Freundeskreis der Schiller, schen Damen gehörte, war so anregend und geistvoll im Verkehr, daß die Dichter von Jena und Weimar aus gern an den Hof des Kutfür- Ren nach Erfurt gingen. Schiller war erfreut über das Interesse, das Dalberg den Horen enti gegenbrachte, aber sehr unangenehm berührt, als der Gönner auch Mitarbeiter werden wollte. In einem Brief an Körner steht:Vorn Coad- jutor ist ein unendlich elenderAufsatz eingelaufen, den ich recht verlegen bin wieder los zu sein." Es gelang auch nicht, denn die Arbeit über Kunstschulen prangt im fünften Stück der Horen. Heute sind auch diese in schlechtem Stil vorge- tragenen Ansichten kulturhistorisch interessant, denn es hat sie ein Mann geschrieben, dem Na­poleon eine bedeutende Rolle zudachte. Das neunzehnte Jahrhundert schmähte sein Anden­ken weil er als Eroßherzog von Franffurt dem Rheinbund Vorstand. Niemand begriff noch die Psychologie jenes Kosmopoliten, dessen Anfich- ten in einet Zeit wurzelten, in der Schiller ge­schrieben hatte:Ein ganz anderes Interesse ist es, jede merkwürdige Begebenheit, die »tt Menschen vorging, dem Menschen wichtig darzu­stellen. Es ist ein armseliges, kleinliches Ideal, für ein« Nation zu schreiben: einem philosophi­schen Geiste ist diese Grenz« durchaus Unertrag« lich." (Schluß folgt.) .