und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Vertage.
M 262
Die „Gberhesstsche Irttmrg" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonntag, 7. November 1909. niiii—uMwiinti irin—ww
Die JniertionSgebühr beträgt für dte 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 80 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnwersttätSbuchdruckerei Jndaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
U. Jahrgo!
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^wertes Blatt
(Nachdruck verboten.)
in der Folge aber den früheren Teilnehmern an der Empörung, die sich geändert hatten, di« Teilnahme an den Landesgeschäften gestattete. Aber ich wiederhole, „daß es in Spanien keinen Fall Ferrer gibt und geben kann."
Das wird trotzdem sonst ganz kluge Leute in Deutschland und anderswo nicht abhalten weiter den Fall Ferrer als Sache der „Freiheit" zu behandeln!
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Was Gott zulammettgefiigt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Rodenfels prangte noch in sommerlicher Blütenpracht, als di« neue Herrschaft einzog. Mamsell Wollmanns Eckfensterchen verschwand fast hinter den großen, roten Geranien.
Das alte Fräulein sah mit recht beklomme- - nem Herzen der neuen Herrschaft entgegen. Wie würde es nach Jahresfrist in dem alten Schlöffe aussehen. Sicher roütbe das Unterste zu oberst gekehrt werden.
Mit ängstlichen Blicken und flatternden Haubenbändern lief ste mit dem alten Gustav vor die Tür, um mit den anderen Dienstboten die neue Herrschaft zu empfangen. Sie wurde aber zu ihrem freudigen Erstaunen von Fritz Eoulmann und den beiden anmutigen jungen Damen sehr freundlich begrüßt, Frau Werner reichte ihr die Hand und sagte etwas von „guter Kameradschaft und gemeinsamer Pflichterfüllung".
Das klang ganz ermutigend und die Mamsell wechselte mit Gustav einen verstohlenen Blick, als wollte ste sagen: „Es scheinen ganz erttäg- liche Menschen zu sein." —
Einige Tage später standen auf der Schloß- ^rraffe die vermeintlichen Zwillingsschwestern. Sie sahen nach dem Park hinüber, hinter dem die Wirtschaftsgebäude lagen. Dort weilt« der Bater mit dem Inspektor, um sich zu orientieren, was alles zur Renovierung der Gebäude getan werden mußte. Auf Rodenfels sah es ziemlich verwahrlost aus und ehe Fritz Eoulmann seine vroße Reise antrat, wollte er aus seinem neuen vesttz alles in Ordnung wissen.
Das neue liberale spanische Kabinett und Ferrer.
Der neue Kriegsminister b<» liberalen Kabinetts Moret hat sich einem Vertreter des ^^Mgaro" über den Fall Ferrer folgendermaßen geäußert:
—„Sie wollen von mir wissen, wie man in der Armee über die Ferrer-Angelegenheit dentt. Ich kann Ihnen nur sagen, daß diese Angelegenheit für uns nicht besteht: Ferrer ist erschossen, und ich glaube nicht, daß man ihn auf- erstehen lassen will. Als Liberale mißbilligen wir gewiß das llnterdrückungssystem das Maura in Barzelona angewendet hat. In solchen Fällen und in unserer Zeit muß die Unterdrückung sofort geschehen, nicht mit langer Frist und Kleinfeuer, denn auch wenn sie nicht blutig ist, hinterläßt st« dann den Eindruck, daß man eher politische Vergeltung als die Herstellung der Ordnung verfolgt. Gefangennahmen und Hinrichtungen nach zwei Monaten sind nicht nach unserem Sinn. Der Fall Fer- ttrs ist nur eine Episode dieser Unterdrückung, wir verurteilen sie als eine politischen Fehler, aber nach Gesetz und Recht ist Ferrer zu Recht verurteilt worden. Die eben veröffentlichten Prozeßakten zeigen, daß die Gesamtheit der Zeugnisse und Indizien zur Genüge die Schuld Ferrer? dartun, nicht als Verbreiter von Ideen, sondern als Leiter des Aufstandes. Entgegen den Mitteilungen des Auslandes war die Verhandlung öffentlich, und das einstimmig gefällte Urteil wurde durch den Auditeur des Generalkapitanats für Katalonien bestätigt, leisen begründeter Bericht den Akten beiliegt. Diejenigen, die in gutem Glauben das befolgte Verfahren angreifen, kennen die spanische Gesetzgebung nicht. Di« Aburteilung durch ein bürgerliches Gericht war unmöglich, nicht nur auf Grund des Jurisdittionsgesetzes (von 1906), dessen Urheber ich bin und das den Kriegsgerichten die Vergehen gegen die Arm« zumeist, sondern auch nach dem gemeinen spanischen Recht, wonach die Empörung stets durch die Kriegsgerichte abgeurteilt wird. Auch wär« eine Begnadigung Ferrers nach der Hinrichtung der übrigen Verurteilten als eine unzulässig« Ausnahme erschienen. Wenn die konservative Regierung die gesetzlichen Vorschriften verletzt hat, so ist das im Gegenteil geschehen, weil sie zu viel beweisen wollte und Ferrer unstatthafte Mittel zu seiner Verteidigung eingeräumt und das Verfahren in die Länge hat gehen lassen, anstatt das durch die Umstände gebotene summarische Verfahren anzuwenden, bei dem die Aburteilung und Hinrichtung der Verhaftung unmittelbar gefolgt wären. Die Wirkung, welche dieses gesprenkelte Verfahren auf di« öffentliche Meinung Europas ausgeübt hat, ist das Gegenteil von dem gewesen, was Maura erwartete. Für meine Person bewundere ich das Vorgehen Frankreichs, das während der Kommune den Aufstand nachdrücklich erstickte,
Politische Umschau.
Schack legt sein Mandat nieder.
Die „Dsz. Blätter" schreiben: „Obgleich es im allgemeinen Sitte ist, jemanden, der sich im Krankenhause in ärztlicher Behandlung befindet, nicht unnötig zu verletzen ,fährt die liberale Presse fort, den unglücklichen Abgeordneten Schack in der perfidesten Weise zu beschimpfen, jetzt wieder, weil er angeblich sein Mandat behalten möchte. Für unsere Freunde stellen wir, um den nichtswürdigen Angriffen zu begegnen, noch einmal folgende Tatsachen zusammen. Herr Schack hat sofort nach Veröffentlichung der bekannten Briefe sein Mandat der Pattei zur Verfügung gestellt und sein Amt als Vorsteher des D. H. V. freiwillig niedergelegt, ist also auch von diesem nicht, wie in manchen Blättern behauptet wird, „abgeschüttelt" worden. Die Leitung des D. H. V. war ohne weiteres in der Lage, die Erllärung annehmen zu können, der Patteivorstand aber nicht, da alle Beteiligten der Ueberzeugung waren, daß Schack sich in einem Zustande befand, der eine eigene giftige Willenskundgebung ausscbloß; diese ivar aber erforderlich, um jede Handhabe zu einem Proteste gegen die Nachwahl nach dieser Richtung hin zu unterbinden. Hatten doch sozialdemokrattsche Blätter bereits geschrieben, daß der Verfasser beim Schreiben der Bttefe gar nicht normal gewesen sein könne. Schack wurde dann in eine bekannte Nervenheilanstalt gebracht, in der et sich noch immer befindet. Er lebt dott völlig abgeschlossen, die Verbindung mit der Außenwelt wird nur durch seine nächsten Ange- höttgen auftecht erhalten, Zeitungen liest er nicht und seine einzige politische Kundgebung war eine abermalige Zuschrift, datiert von Mitte Ottober, in der er nochmals sein Mandat niederlegt. Aber auch diese ist, aus denselben Gründen wie die erste, einstweilen zu den Allen gelegt worden, bis der Parteivorstand sich durch das Gutachten der Schack behandelnden Aerzte objelliv davon überzeugt hat, daß er in der Lage ist, eine unter allen Umständen gilttge Willensknndgebung abzufassen. Dann wird die Niederlegung deS Mandats sofort erfolgen, ' da Monate, vielleicht Jahre vergehen werden, ehe Schack völlig wieder hergestellt sein wird und eine parlamentarische Tättgkeit schon aus diesem Grunde ausgefchloffen ist. Der Zeit- punll der Enllassung aus der Nervenheilanstalt kann heute noch nicht bestimmt werden, und daß die Mandatsniederlegung vorher erfolgen kann, ist sehr unwahrscheinlich. Im Interesse der schwer-
Die beiden Schwestern waren schlanke, jugendschön« Gestalten. Beide trugen fußfreie, weiße Kleider ' von feinem weichen Wollstoff und gleichem Schnitt. Von klein auf waren sie immer ganz gleich gekleidet. Sie trugen auch das Haar in derselben Weise geordnet. Da sie fast in einer Größe waren, erschienen sie auf den ersten Blick wirklich so ähnlich, wie Zwillingsschwestern. Bei näherer Betrachtung verblaßt« jÄwch diese Aehnlichkeit.
Renate war etwas schlanker und in ihren Bewegungen voll ruhiger Anmut. Sie besaß nicht jene klassische Züge, die bei aller Vollkommenheit kalt lassen. Wohl war ihr Gesicht fein geschnitten, aber nicht streng regelmäßig. Der Teint glich mattweißen Rosen, die am Kelch zart rosig getönt sind. Er war rein und trotz aller Zartheit von gesunder Farbe. Das feine Oval des Gesichts umgab kastanienbraunes Haar in dichter Fülle und war in glänzenden Flechten wie eine Krone aufgesteckt. Der Haaransatz an den Schläfen und im Nacken, den ein schmaler Ausschnitt des Kleides freigab, war von vollendeter Schönheit. Das Schönste an Renate waren di« Augen, klar« braune Sterne mit sonnigen Lichtern auf dem Grund und einem Ausdruck von großer Herzensaüte und Reinheit. Trotz des etwas sttllen, gehaltenen Wesens der jungen Dame verrieten sie Geist und reiches Seelenleben. Alles in allem war Renate Eoulmann ein« jener Frauen, die rasch Sympathie einflößen und nicht feiifjt vergessen werden. Weil ihr Aeußeres mit dem Inneren harmonierte, übte ste unbewußt einen Zauber auf ihre Umgebung aus.
Anders in Wesen und Aussehen war Mary Eoulmann. EntfchiHen war st« auf den ersten Blick die Schönere, Blendendere der beiden „Schwestern". Da» goldblond« Haar umgab ein Köpfchen von reizvoller Lieblichkeit. Die großen.
geprüften Familie hätten wir von der Veröffentlichung dieser Mitteilungen gerne Abstand genommen, aber die „Humanität" der liberalen Prefle zwingt uns leider dazu, und schließlich werden ste auch immerhin noch leichter zu ertragen sein, als die beständigen Beschimpfungen eines wehrlosen Mannes, der selber glücklicherweise davon vorläufig nichts erfähtt." — Wir haben stets betont, daß Schack niederlegen wird, wie es ja auch nicht anders möglich ist. Die Hetze gegen ihn und die deutschsoziale Pattei war also unnötig, wenn st« auch dem Freisinn gut in den Kram paßte.
Wer hat recht?
Die freisinnige „Königsberger Hartungsche Zeitung" schreibt in einem „Bei Philippi" genannten Artikel über die Landtagswahlen in Sachsen u. a.:
„Denn — hie sozialdemokratische „Leipziger Volkszeitung" hat vollkommen recht, wenn ste schreibt: „Es waren eigentlich keine sächsischen Wahlen; es waren Reichswahlen. Die Motive für ihre Abstimmung holten sich Sachsens Wähler an der Reichspolittk, aus der Reichsfinanzreform, und hatten sich die Konservativen als die erlesenste Vorfrucht der Sozialdemokratie erwiesen."
Hierauf anrwortet« die „Kons. Korresp.":
Fürst Bismarck sagte am 9. Oktober 1878 im Reichstage folgendes:
„Die Operationsbasis des Sozialismus, die großen Städte sind in Deutschland durch die fortschrittliche (die freisinnige) Bearbeitung sehr sorgfältig vorbereitet worden. Der Freisinn ist, um landwirtschaftlich zu sprechen, eine sehr gute Vorfrucht für den Sozialismus als Boden- bereiter, er gedeiht danach vorzüglich. Der Freisinn ist an und für sich nur eine Partei der Negation. die, solange sie existiert, noch keinen positiven Vorschlag zur Verwirklichung ihrer Theorien gemacht hat, und die dadurch auch eine gewisse Verwandtschaft 'mit der Sozialdemokratie hot, daß sie bekämpft, was besteht, ohne daß sie sagt, was sie an seine Stelle setzen würde."
Uns scheint das Urteil das Fürsten Bismarck maßgebender wie das des gemeinsten Sozialistenblattes, das gegenwärtig in Deutschland erscheint. Bei der freisinnigen „Hartungschen Zeitung" ist es vielleicht umgekehrt. Jeder nach seinem Geschmack.
Polnische Unternehmungslust mit beMschcm Geldr.
Die Unternehmungslust der Polen mit Hilfe deutschen Geldes, insbesondere der Hypothekenbanken, ist bewundernswett. Es ist bekannt, wie ausgesprochen nationalen Zielen dienende Gebäude in der Stadt Posen, wie der Bazar, das polnische Gewerbehaus (Dom Przemyslowy) am Wilhelmsplatz sich hoher Beleihunaen durch die Mecklenburgische Hvpotbekenbank erfreuen. Trotz der schlechten Erfahrungen bei dieser Gcwerbe- Hans-Genoffenschaft z. B., bei der auch eine Abschreibung von 100 000 M der Geschäftsanteile die Rentabilität nicht Herstellen konnte, und in dem die Sondergründung Grand-Eaf6-Restaurant erst
blauen Augen strahlten sonnige Heiterkeit und Lebensfreude aus und zuweilen blitzte es darin aus, wie leidenschaftliches Ungestüm. Leidenschaftliches Naturell verriet auch der kleine Mund mit den eigenwillig geschwungenen roten Lippen. Mary war viel rascher und lebhafter in ihren Bewegungen als Renate und ihre Gestalt war etwas voller, üppiger. Gutherzig und temperamentvoll, war sie vom Augenblick leicht beeinflußt und schnell zur Hand mit einem unbedachten Wort, das aber nie verletzte, nur zum Lachen reizte. Sie lachte überhaupt' gern und wo sie war, herrschte Frohsinn und Heiterkeit.
Die beiden jungen Damen boten jedenfalls einen herzerfreuenden Anblick und es war Fritz Eoulmann nicht zu verdenken, daß seine Augen stolz aufleuchteten, als er sie erblickte!
Er kam vom Park herüber über die weite Rasenfläche, die sich bis an die Freitreppe heran erstreckte.
„Hier müssen zwei große Blumenrabatten angelegt werden, damit etwas Farbe in das stumpfe Grün kommt," sagte Mary, als sie den Vater begrüßte, und zeigte auf den Rasenplatz.
Eoulmann nickte.
„Wird gemacht, Blondchen. Nun sorgt aber erst, daß der Tee hier serviert wird. Ich bin hungttg und durstig."
Renate klingelt« und gleich darauf rollte Gustav den Teetisch heraus, gefolgt von Frau Werner, die sich sogleich an die Bereitung des duftenden Getränkes machte. Behaglich nahm Eoulmann an dem Tisch mit seinen Damen Platz und ließ seinen Blick mit stolzer Freude umherschweifen.
»Nun, Kinder, wie gefällt e« Euch eigentlich in Rodenfels?"
Jarnos, Papa. Ich bin War mit «einen
kürzlich in Konkurs gegangen war, hält man es auf polnischer Sette für zweckmäßig, eine umfanreiche monumentale Bautätigkeit in steigendem Maße fottzusetzen. Nach dem kostspieligen Neubau des polnischen Museums, des Geschäftshauses der Bank Przemhslowcow, dessen Mietsräume schwer Mieter zu finden scheinen, des noch nicht vollendeten Geschäftshauses des Architekten Leitgeber haben sich jetzt zwei Baugesellschasten mtt beschr. Haftung, Grand Hotel de France und Union, die den Neubau des Hotel de France und des Grundstückes Wilhelmsplatz 14 bezwecken, gebildet. Mtt je 600 000 Jl sind allein die beiden Grundstücke bewertet worden. Man rechnet mit einer Beleihung von je 900 000 M durch deutsche Banken (!), die damit Wohl die wirllich erforderlichen Mittel decken werden. Nöttgenfalls dürfte die polnische Gewerbebank trotz ihrer Bestimmung für den Personalkredit keine Bedenken tragen, wie bei dem Gewerbehaus einen Teil der ihr anvertrauten Depositen in den dauernden Schlußhypotheken festzulegen. Ob diese Riesenneubauten, bei denen immer wieder Läden und Caf6s die Rente bringen sollen, wirtschaftliche Berechtigung haben und sich nicht selbst untereinander Wettbewerb machen, wird weniger gefragt. Die Hauptsache ist, die gesteigerten Bodenwette zum Nutzen der polnischen Arckitetten und zur Beschäfttgung des teilweise künstlich hochgezüchteten polnischen Gewerbes mit Hilfe des deutschen Michels slüflig zu machen. Aus diesem Gebiete ist der Deutsche dem Polen noch ein willkommener Helfer.
SlWerfkicr vor 50 Jahren in Marburg.
Zum 150. Geburtstage Friedrich Schillers.
(Geb. 10. November 1759.) Von L. Müller.
Heber die Schillerfeier am 10. und 11. November kann ich folgendes berichten:
Der Tag wurde um 7 Uhr morgens auf dem Markt neben dem alten Marktbrunnen durch einige Gesänge, wie „Freiche schöner Götterfunken", welche der Liederverein unter Leitung seines Dirigenten Pdter vortrug, eingeleitet, woran Schreiber dieses» auch Anteil nahm.
Don 9 bis 11 Uhr fand eine Feier im Saale des Gymnasiums, das damals noch im alten Kreuzgang war, statt. Der Saal war von den Schülern sinnig geschmückt. Die beginnend« Feier begann mit Gesängen un> Deklamationen her Schüler, welchen sich hie Festrehe heg Gymnasiallehrers Buchenau anschloß. Um 11 Uhr begann hie Frier in her alten Aula her Universität mit her Ouvertüre von „Jhameno". Pro» sessor Eduard Plattner hielt mit gewohnter Meisterschaft hie Festrehe, her Musihirektor Deichert leitete unter Mitwirkung eines von Eaffel berufenen Musikkorps und unter Mitwirkung von Dilettanten hie erste Symphonie von Beethoven. Nachmittags um 5 Uhr hielt her Lieherverein in Derbinhung mit hen Sängern des Fortbilhungsvereins im Rathaussaale eine entsprechende Feier, wobei Gesänge vorgetragen
Jnspizierungsgängen noch nicht halb zu Ende, aber soviel weiß ich schon — hier gefällt «s mir außerordentlich," erwiderte Mary schnell.
„Und Du, Renate? Willst Du Dich aus- schweigen?"
Diese sah mit freundlichem Lächeln in fein Gesicht und streichelte seine Hand.
„Wunderschön ist es hier draußen, Papa. Du weißt, ich habe immer ein Faible für ha« ßanhleben gehabt. Nur eins stört mich in meinem Vergnügen, ich muß immer baran denken, haß hie Kinder des angestammten Be- sitzers dies Paradies verloren haben und heimatlos geworden sind."
Eoulmanns Gesicht verfinsterte sich etwas.
„Was gehen uns diese Menschen an? De» Gedanke an sie soll mich wahrlich nicht in meinet Freude an diesem Besitz stören, wenn es auch noch ein tüchtiges Stück Geld kosten wird, bis er wieder emporgebracht ist. Drüben in den Wirtschaftsgebäuden herrscht eine unglaubliche Verwahrlosung. Ich habe eben hem Inspektor gesagt, daß alles in Dehnung gebracht werben soll, sobald die Ernte herein ist. Auch hier im Schloß muß manches geschehen. Einig« Zimmer müssen neue Tapeten und neue Möbel bekommen."
„Ich finde die alten Möbel sehr schön," warf Renate ein.
„Ich auch, Papak Es ist hier alles so köstlich feudal und vornehm. Die Robenfels müssen ehr sehr altes Geschlecht sein," sagte Mary lebhaft.
Eoulmann sah finnenb bas Wappen an, welches über bet Tür in Stein gehauen war und wohl schon Jahrhunderte überdauert hatte. Eia stolzes Leuchten erschien in seinen Augen.
(Fortsetzung f-lgt.) "