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GßechW ZeilMg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

M 262

DieGverhrsstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Spedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonntag. 7. November 1909.

Di« JnsertionSgebvhr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Auq. Koch, UaiversttätSbuchdruckeret Inhaber Dr. C. H>tzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44. Jahrgc'

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Umschau im Auslände.

Auf die siegreiche Meuterei der griechischen Offiziere am 28. August, vor der die Regierung in unrühmlicher Weise kapitulierte, ist nun die Meu­terei des Typaldos gegen die Regierung gefolgt. Beide Meutereien sind gleichwertig, ein sittlicher Unterschied läßt sich nicht erkennen. Die einen sind dank der Schwäche der legalen Regierung durch den Erfolg gercchtferttgt worden, die andern sind unterlegen, und man begreift nicht, mit welchem Recht die Meuterer von gestern über die von heute zu Gericht sitzen sollen. Jetzt liegen englische Kriegsschiffe und ein russisches im Piräus, um weitere Unordnungen zu verhüten, vielleicht auch, um mehr zu tun. Aber das Geschehene können sie nicht mehr ungeschehen machen. Der Philhelle- nismus der vier Schutzmächte Kretas wird sich ge­genüber diesem anarchistischen Treiben kaum be­haupten können. Es ist die Frucht eines langjäh­rige» kranken Parlamentarismus, der individuel­len Interessen und nicht dem Lande diente. Die Demütigung, die König Georg und sein ganzes Haus haben hinnehmen müssen, bedeuten ein Un­glück für Griechenland. Die griechischen Offiziere können in keiner Hinsicht den türkischen Patrioten gleichgestellt werden, die es unternommen haben, das osmanische Reich zu erneuern, und König Georg darf nicht mit einem Abdul Hamid vergli­chen werden. Es galt keinen Tyrannen zu stürzen, daß zur Gewalt gegriffen wurde, war und bleibt unentschuldbar.

Tie Erörterungen über die Zusammenkunft in Raeconigi dauern immer noch fort und neh­men zumal in der englischen Presse einen gegen den Dreibund gerichteten Charafter an. Ge­flissentlich wird das Verbleiben Italiens im Bunde allein als Folge eines von Deutschland und Oesterreich ausgeübten Zwanges hingestellt. Nun, die Gelegenheit, sich von uns zu lösen, hat sich den italienischen Staatsmännern vor jeder Erneuerung de? Dreibundes oft genug schon geboten. Daß sie dieselbe nicht benutzten, dafür müssen sie also ihre guten Gründe gehabt haben. Allerdings haben sich die politischen Verhältnisse seither wesenttich verschoben. Aus einer gegenseittgen Assekuranz ist eine fast ganz einseitige Sicherung Italiens ge­worden. Als Italien dem Dreibunde heitrat, wurde von ihm eine Mitwirkung an der Abwehr eines damals noch möglichen französischen Angrif­fes erwartet; als Gegenleistung sicherte man ihm den Frieden mit Oesterreich, der durch die irre- dentistiscke Agitation sehr leicht gefährdet werden konnte. Italien gewann dadurch die Möglichkett, sich wirtschaftlichen Aufgaben hinzugeben, welche di« zeitweise außerordentlich schwierigen ftnanziel- len und kulturellen Verhältnisse des Landes in er­freulicher Weise hoben. Heute liegen nun die Dinge sehr wesentlich anders. Ein Angriff von feiten Frankreichs erscheint als eine der unwahr­scheinlichsten polittschen Möglichkeiten, und selbst eintretendenfalls sind wir stark genug, um ihn ohne italienische Hilfe abzuwehren. In einer Reihe

wichttger diplomatischer Akttonen aber hat Italien versagt und ist der österreichischen Polittk in man­chen Fragen sogar direkt als Gegner entgegenge­treten. Auch hat der Jrredenttsmus an Schärfe so zugenommen, daß er sogar im Herzen der habs­burgischen Monarchie mit seinen Ansprüchen her­vorzutreten wagt. Das alles sind ohne Zweifel Tatfachen, die nicht so glatt beizulegen waren und sein werden, wenn Italien nicht im Dreibunde wäre.

Inzwischen geht die russische Regierung mit steigender Energie in der einmal gegen die Westprovinzen eingeschlagenen Richtung vor, um dem russischen Element die Vorherrschaft vor dem polnischen und auch jüdischen zu sichern. Des­gleichen werden gegen Finnland immer schär­fere Maßregeln ergriffen. Die Neubesetzung des finnländischen Senats mit Männern, die die Lan­dessprache nicht kennen, hat große Erbitterung her­vorgerufen und man fürchtet weitere Konflitte. An den Grenzen stehen denn auch marschbereite rus­sische Truppen. Die gesamte russische Presse ist allerdings in der finnländischen Frage, im Gegen­satz zur polnischen, auf feiten der Regierung. Da­gegen hat die teilweise Zurückziehung des Tole­ranzgesetzes, des Verbotes der Mischehen, lebhafte Opposition erregt. Alles in allem sieht der poli- ttsche Horizont in Rußland sehr düster aus.

Die diesjährigen Neuwahlen zur Ersten Kam­mer in Schweden beanspruchen insofern ein weitergehendes Interesse, als sie zum ersten Male auf der Grundlage des neuen Proporttonal- und Pluralshstems vollzogen wurden. Nach der neuen Wahlordnung beträgt die Wahldauer hinfort nicht mehr neun, sondern nur sechs Jahre. Sämtliche 150 Wahlkreise werden in sechs Gruppen zerlegt, die in bestimmter Reihenfolge ihre Mandate et- neuem, dergestalt, daß entsprechend der sechsjäh­rigen Dauer der Legislaturperioden in jedem Jahre eine Gruppe wählt. Alle Bürger männlichen und weiblichen Geschlechts werden zu den Wahlen zugelassen. Die Sttmmberechttgung steht Im Verhältnis zur Höhe des versteuerten Einkom­mens. Für 1000 Kronen Einkommen ist eine Stimme in Ansatz gebracht, für 2000 Kronen 12, für 3000 Kronen 14 Stimmen usw. Die Staffel schließt mit 40 Stimmen als Höchstgrenze, so daß alle Wahlberechttgten mit mehr als 15 000 Kronen unter sich gleichgestellt sind. Von den Grundzügen der alten Wahlordnung ist herzlich wenig übrig ge­blieben. Der Unterschied zwischen srüher und jetzt tritt auch insofern noch hervor, als die neue Wahl­ordnung ausdrücklich für beide Kammern Diäten­bezüge fesssetzt, welche bisher nur für die Zweite Kammer (Unterhaus) in Geltung waren.

Deutsch - portugiesischer Handels­vertrag.

Berlin, 5. Nov. DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht heute den vollen Wortlaut des am 30. November 1908 in Oporto abgeschlosse­nen, von der portugiesischen Tortes bereits an­genommenen Handels- und Schiffahrtsver- trages zwischen dem Deutschen Reich und Por­tugal. Der Vertrag, der sich an den alten deutsch-portugichischen Handelsvertrag, sowie an die von Deutschland mit den meisten europä­ischen Staaten Handelsverträge anlehnt, enthält alle Vorteile eines reinen Meistbegünstigungs- Vertrages, sowohl im Warenverkehr wie im Handelsbetrieb und der Schiffahrt, wobei jedoch

der portugiesische Vertrag mit der südafrikani­schen Republik vom Jahre 1875 für Deutschland eine belanglose Ausnahme bildet. Der zurzeit geltende portugiesische Zolltarif wird für die Dauer des Vertrages gebunden, soweit dies ge­setzlich zulässig ist. Portugal kann während der Dauer des Vertrages der Zollsätze für die in Tabelle A aufgeführten Artikel, bei welchen ge­setzlich jede Bindung oder Ermäßigung ausge­schlossen ist, erhöhen, jedoch darf die Erhöhung die in Tabelle A vereinbarten Sätze nicht über­steigen. Wenn Portugal von dem Rechte der Erhöhung des Zolles auch nur für einen ein­zigen in Tabelle A genannten Artikel Gebrauch macht, so ist es verpflichtet, gleichzeitig die Zoll­sätze für alle in Tabelle B aufgeführten Artikel auf den dort angegebenen Betrag zu ermäßigen. Die Höchstgrenze der zulässigen Zollerhöhungen hält sich im Rahmen der Ansätze des portugiesi­schen Zolltarifentwurfes und bietet dadurch die Gewähr, daß die in Portugal hervorgetretenen Bestrebungen, diese Zollsätze noch weiter zu er­höhen, für die Dauer des Vertrages erfolglos sind. Falls inPortugal abweichend von dem jetzi­gen Zustand die Zahlung der Zölle nur in Gold eingeführt werden sollte, was unter Umständen einer Zollerhöhung gleichkäme, ist die Kündig­ung des Vertrages mit sechsmonatiger Frist vor­gesehen. Den portugiesischen Port- und Ma­deiraweinen wird deutscherseits ein befonberei Schutz ihrer Marke eingeräumt, nachdem die innere portugiesische Gesetzgebung die erforder­lichen Sicherheiten geschafft hat, welche die Vor­aussetzung für die Anerkennung der Bezeichnung Portwein und Madeirawein" als Herkunftsbe­zeichnung bilden. Im Interesse der deutschen Zuckerausfuhr nach Portugal ist dieser Staat verpflichtet, Rohzucker keinen niedrigeren Sätzen als denjenigen für Rübenzucker zu unterwerfen. Rach Artikel 24 sollen Meinungsverschiedenhei­ten, die zwischen den vertragschließenden Teilen Über die Auslegung oder die Anwendung der Vertragstarife oder hinsichtlich der Meistbe- günfttgung entstehen, auf Verlangen eines Teils durch Schiedsspruch erledigt werden. Der Vertrag tritt zwei Wochen nach dem Austausch der Ratifikationen in Kraft. Seine Gültig­keitsdauer ist auf Jahre mit der üblichen still- fckweigenden Verlängerung und der Maßgabe festgesetzt, daß der Teil das Recht behält, durch vorgängige einjährige Kündigung den Vertrag mit Ablauf de» fünften Jahres außer Kraft zu setzen.

Deutsches Reich.

Der Kronprinz als Pate. Der Kronprinz hat bei dem Sohne des Arbeiters Grabowstt in Köpenick Patenstelle übernommen und ließ dem kleinen Täufling ein Geldgeschenk von 30 M über­weisen. In dem Begleisschreiben äußerte der Kronprinz, nur der Umstand, daß der Täufling mit dem jüngsten Hohenzollernfproß an ein und demselben Tage (30. September d. I.) geboren sei, habe ihn dazu veranlaßt; sonst übernehme et stets nur beim 8. Sohne einer Familie Patenstelle.

Badischer Landtag. Karlsruhe, 5. Nov. WieKarlsruher Zeitung* vernimmt, wird der Landtag am 23. November durch den Großherzog eröffnet werden.

Freigesprochen. Leipzig, 5. Nov. Im Pro­zeß gegen den Tischler Levhn und den Schriftsetzer Luebeck wegen Hochverrates, begangen durch zwei imFreien Arbeiter* veröffentlichte Artikel, sprach das Reichsgericht die beiden Angeflagten frei.

Marburger Konzert-Verein.

' Zweites Konzert.

Das war wieder einmal ein Abend voll Schönheit und Hoheit, ein erlesener Kunstgenuß, erhebend und befreiend. Das berühmte Brüsseler Streichquartett, das im Anfänge dieses Jahres schon die hiesige Kunstgemeinde entzückt hatte, war wieder erschienen, freudig begrüßt von einem starkbesetzten Hause. Die Vortragsfolge enthielt als erste Nummer das A-moll-Streich- quartett von Alexander Elazounow. Russische Quartettmufik haben wir wohl noch nie gehört. Um so bantbarer find wir den Künstlern, daß sie uns die Bekanntschaft des obengenannten Werkes vermittelten. Ohne Frage ist es eine bedeutende Komposition, interessant und packend bis zum letzten Takte. Der slavische Meister zeigt sich hier im Vollbesitze aller modernen Ausdrucksmittel, als Techniker von außerordent­lichem Reichtum und größter Vielseitigkeit. Keine der kontrapunktischen Künste ist ihm fremd,' es wimmelt bei ihm von thematischen Durch- und Engführungen, freien und strengeren Imitationen, Orgelpunkten, Sequenzen und kanons und seine Chromatik istt von einer so überraschenden Farbenpracht durchsättigt, daß

man die Linienführung oft vergißt oder gar ver- "mißt. Doch in die freigehandhabte internatio­nale Form gießt er seine russische Seele, diese eigenartige Mischung von weicher Schwermut und rosigem Optimismus. Wie träumerische Sehnsucht hebt das Andante an, eine unruhige Frage löst sich heraus und quält sich durch ver­schiedene Tonarten und moderne harmonische Rückungen empor, bis sie Frieden findet in einer farbenfatten, breit hinströmenden choralmäßigen Durchführung. Vielleicht ist der erste Teil, der bei feiner Schönheit eine großzügig«, durch­gehende Thematik aufweist, der musikalisch wert­vollste. Ganz Empfindung ist die zweite. Die einzelnen Instrumente singen sich die prächtig­sten Melodien zu, besonders das Celle ergeht sich in herrlichen Cantilenen, welche die übrigen Stimmen kontrapunktisch umrahmen. Die Har­monik zeigt hier ganz besonders, wieviel Glazounow von Richard Wagner gelernt hat. Das Scherzo ist ein Kabinettstück der Technik. Uebermütige Champagnerlaune, prickelnd und berauschend, quillt und kichert aus diesen von rasendem Temperament gejagten Tönen heraus. Oder ist es eine sausende Schlittenfahrt durch die sarmatische Steppe, mit Schellenklingen und Peitschenknall? Im Finale läßt der Komponist noch einmal alle Minen springen. Manchmal

erwacht aus dem Tongewirr eine köstliche Me­lodie und blickt einen an wie ein Dornröschen aus dem umhegenden Gestrüpp. Derartige Ein­drücke können natürlich nur durch eine vollen­dete Wiedergabe hervorgerufen werden. Das Spiel der Künstler war von auserlesener Schön­heit, jener Vollkommenheit des Einzel- und Zu­sammenklangs, die wohl kaum noch einer Stei­gerung fähig ist. Auffassung, Temperament und Technik stehen auf einer positiven Höhe, und man wird nicht fehlgehen, wenn man dem Brüs­seler Quartett einen der ersten Plätze unter den ähnlichen Vereinigungen der Gegenwart zu- rveist. Nach der Pause kam ein noch Größerer zum Wort, der Vollender des klassischen Ideals der Kammermusik, Ludwig von Beethoven. Ihm war es vorbehalten, im Streichquartett die tief­sten Mysterien der Kunst zu offenbaren. Das gilt besonders von seinen letzten Werken, die er in völliger Taubheit, losgelöst von der tönenden Erscheinungsform seiner Kunst, aus den gewal­tigen Tiefen seines Innern erlauschte. Hier ist alles seelisches Erleben, schlicht und groß, kein Schwelgen im Klang wie bei dem ersten Werke des Abends. Man könnte an einen Dürrerschen Stich gegenüber der modernen Farbenfreude denken. Beethoven ist einfach in seinen Mitteln. Er schreibt im Lapidarstil. Dabei hat alles bei

Der Streik im Mansfelder Bergrevier be­ginnt allmählich abzuflauen, die Zahl ist auf 6806 Streikende gesunken. Sie hielten, wie die Matter melden, gestern zahlreiche Versammlungen ab, wo­rin beschlossen wurde, einen Teil der jüngeren Leute, namentlich die Bergschlepper, aus dem Mansfelder Revier fottzunehrnen; man will ver suchen, diese auswätts im Bochumer und ober- schlestschen Revier unterzubringen. Uebei tausend junge Leute verpflichteten sich durch Unterschttst zm Abreise.

Bon der Cholera. Berlin, 5. Nov. Dir Nordd. Allgem. Ztg.' schreibt, daß die in Ruß land noch immer ausgedehnt herrschende Cholera die in Deutschland bisher stets vereinzelt gebliebei. ist, sich im September in Ostpreußen gezeigt hat und im Oftober gehäuftes Auftreten tm Memel delta gehabt hat. Sie zählt sodann die einzelner Erkrankungen auf, tm ganzen 33 bei 12 Todes­fällen und erinnert an die umfassenden Vor'eh rungen gegen die Seuche und erflätt, daß diese zu der Hoffnung berechttgen, den Cholera Ausbruch im Memeldelta zu beschränken und die Entstehung der Epidemie in Deutschland zu verhüten.

Ausland.

** Die Spanier in Marokko. Madrid, 4. Nov Der Minister des Aeußeren übergab dem marok­kanischen Gesandten die Antwort Spaniens auf die letzte Note des Sultans und erklärte es für notwendig, die Unterhandlungen, hauptsächlich soweit sie die Aktionsbedingungen der hasidischen Gesandtschaft zur Beruhigung des Riffs betref. fen, fortzuführen. Wie aus sicherer Quelle ver­lautet, hatten die Kabylen in der Umgegend von Lalla Marnia in den letzten Kämpfen mit den Spaniern so zahlreiche Verwundete, daß sie den ftanzösischen Kommandanten in 2aH« Marnia baten, ihnen Sanitätspersonal z« schicken. General Lyauthey, dessen Einwillig­ung nachgesucht wurde, schlug die Bitte ab.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartiket ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. Ztg.* gestattet.)

Marburg, 6. Rov.

* Universität. Im Pbnsikalischen Institut fand Freitag vormittag zu Beginn der Vor- lesung eine improvisierte Gedächtnisfeier für Rtcholf Kohlrausch statt. Wie wir bereits vor­gestern erwähnten, wurde dieser hervorragende Physiker, der 185157 Marburg angehörte, vor 100 Jahren am 6. November 1809 zu Göttingen geboren. Sein ältester Sohn, unser Mitbürger Präsident Friedrich Kohlrausch, augenblicklich selbst in Jugenheim an der Bergstraße weilend, hatte Auftrag gegeben, daß am Freitag früh ein großes Bild seines Vaters als Geschenk dem Physikalischen Institut überbracht wurde; ist dieses doch die Arbeitsstätte gewesen, an der Ru< dolf Kohlrausch jene grundlegenden Unter- suchungen anstellte, die wir neulich hervorhoben. Das Bild war, mit Lorbeerzweigen geschmückt, im großen Hörsaal aufgestellt. Professor Richarz begann seine Vorlesung in Gegenwart der Phy­sikalischen Dozenten und Assistenten mit einer Ansprache in der er den Lebenslauf und die wissenschaftliche Bedeutung von Rudolf Kohl­rausch kurz schilderte unD hervorhob, daß der erste Erfinder der Dampfmaschine Denis Papin [f 1712] und Rudolf Kohlraufch die bedeutend- sten Physiker seien, die der alma mater Philip pina angehörten. Weiter erwähnte er die treue

ihm den großen Zug und inneren Zusammen­hang. Er hält an der Tonart fest, solange sie ihm noch etwas zu sagen hat; er spielt nicht mit der Form, sondern Ausdruckswahrheit ist sein Prinzip. Jenes tiefe Menschheitsproblem, das Faustische hat kein Künstler so vielfach gestaltet wie Beethoven. Auch aus den letzten Teilen des Cis-moll-Quartetts klingt es heraus. In dem ergreifenden, wie von Weltschmerz und Todes­ahnung durchzogenen Adagio erhebt sich ur­plötzlich titanenhafter Trutz. Das packende Spiel der Brüsseler brachte es einem deutlich zum Bewußtsein: das ist der Gewaltige, den nichts gebeugt hat, und der einst schrieb:Ich will dem Schicksal in den Rachen fassen." Als die Künstler geendet hatten, setzte wie auch nach dem ersten Teil des Programms stürmischer Beifall ein, der ihnen sicherlich gezeigt hat wie gern gesehene Gäste sie bei uns find. (Zum Schluß sei ein Mißstand erwähnt: Die Stuhl- nummern waren ganz anders geordnet wie sonst und wie sie auf der Rückseite ies Billets vorge- druckt find. Die Folge war ein langes Hin- uNd Herwandern und Suchen, das selbst bei Beging des Konzertes noch nicht zur Ruhe kam.« man das nächste Mal wieder auf die alte Ord- »ung zurüchgreifen. H. W.