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unv den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage.'

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DieGbrrhesftfche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitringsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Sonntag, 7. November 1909.

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44. Jahrg

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 3) Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitätsbu hdruckerel Inhaber Dr. E. H ltzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Drittes Blatt.

Der Freisinn bei den sächsischen Stichwahlen.

Wie die Freisinnigen sich bei den Stichwahlen verhielten, das wird beleuchtet durch nachstehen­den Beschluß, den die Vertrauensmänner der Freisinnigen Volkspartei im 1. und 3. länd­lichen Wahlkreise gefaßt haben:

Die heute in Zittau tagende Vertrauens- «annerversammlung der Freisinnigen Volks- pertei im 1. und 3. ländlichen Wahlkreise er- hlickt in der Beseitigung der konservativ-agra­rischen Vorherrschaft in Sachsen das Ziel, wel­ches der entschiedene Liberalismus auch bei den bevorstehenden Stichwahlen nach wie vor im Auge behalten muß.

Wenn auch nach bem Ausfall der Haupt- roahlen am 21. Oktober die Aussichten der kon­servativen Partei auf Erlangung der absoluten Mehrheit in der Zweite?. Kammer geschwunden fini)' so besteht doch noch die Gefahr, daß ihr durch die Stichwahlen eine starke Stellung im Landtag gesichert wird.

Angesichts dieser Sachlage ist den zielbewuß­ten freisinnigen Wählern im 1. und 3. länd­lichen Wahlkreise das Verhalten bei der Stich­wahl klar vorgezeichnet. Es gilt die Wahl der beiden konfervativ-bündlerischen Stichwahlkan- bidaien zu verhindern.

Freisinnige Wähler! Danach handelt am Ctichwahltage!"

Der gemäßigt-konservativeFreiberger An­zeiger" gibt hierauf die rechte Antwort:

Vom nationalen Standpunkt sowohl wie vom bürgerlichen einfach schamlos! Es heißt wirklich von den Konservativen ein unerhörtes Opfer verlangen, wenn man von ihnen als ganz selbstverständlich erwartet, daß sie die Liberalen im Kampfe gegen die Sozialdemokratie zum Siege führen, denselben Liberalismus, der auf der anderen Seite der Sozialdemokratie unter Verleugnung jedes nationalen Empfindens Vorspann leistet. Fallen die diesmaligen Stich­wahlen so aus, wie es das Eros des Liberalis­mus will, dann kann kein Billigdenkender es dem loyalsten Konservativen verdenken, wenn er in Zukunft Gleiches mit Gleichem vergilt und die bürgerliche Demokratie in einen Topf wirft mit der sozialdemokratischen! Würden die Kon­servativen schon bei den diesmaligen Wahlen nach diesen Grundsätzen verfahren, so würde der künftige Landtag über 40 Sozialdemokraten zählen und zu gesetzgeberischer Arbeit völlig im­potent sein. Seine Auflösung wäre eine Frage kürzester Zeit. Verzichtet also der Linkslibera­lismus in seinem blinden Haste gegen die kon­servative Weltanschauung aus jede nationale nnd vaterländische Betätigung, dann werden die Konservativen bei den nächsten Wahlen ein

Die letzten Blätter.

Ein rauher Herbstwind schüttelt die Bäume, und zu Tausenden lösen sich di" fahlen Blätter, in alle vier Winde zerstiebend. Wehmütig folgt ihnen unser Auge: wie lange, lange wird es währen, bis neuer Blätterschmuck unser Herz wieder höher schlagen läßt?! Aber wie kam es nur. daß die Blätter, dem Windesspiele preis- gegeben, nun unieren Fuß umflattern? Wollten wir uns doch noch recht lange an ihren schillern­den Farben erfreuen! Es ist das ewige Gesetz des Werdens und Vergehens, des Kommens und Scheidens, Las hier unerbittlich seinen Tribut fordert. Mar doch keinesfalls bittere Kälte, die gemeinhin als Ursache fälschlicherweise ange­nommen wird, dem Laubfall vorausgegangen. Gewiß gibt es für jede Pflanzenart eine Tem­peratur- die ihrem Leben Stillstand gebietet, ohne dieses jeooch gleich völlig zu zerstören. Von der Eigenart der Protoplasten einzelnes Klümpchen vom Protoplasma, dem Träger des Pflanzenlebens hängt es ab, welchen Kälte­grad die Pflanze vertragen kann, ohne einzu­gehen. Auch ohne einen Nachtfrost beginnt im Oktober und November bei verhältnismäßig milder schöner Witterung das Laub sich zu fär­ben und zu fallen. Die Bäume haben sich dem herrschenden Klima anaepaßt und beginnen jetzt der Ruhe zu pflegen. Doch auch aus anderen Gründe» sterben manche Pflanzen oder einzelne Gebilde frühzeitig ab, auch die Blätter. Ver­seilen chlorophyllhaltiger Pflanzen bringt die Entziehung des Lichtes oder zu schwaches Licht hervor. Fehlen die notwendigen Nährstoffe rm Boden, so ist kümmerliche Entwicklung und vor­zeitiges Absterben bei Eisenmangel: Gelb­sucht die Folge. Wassermangel äußert sichim Verwelken der Pflanze, sowie auch imVer- scheinen" des Getreides und in der Sommerdmcre der Bäume und Sträucher. Verschiedene Ursachen rufen Mißbildungen hervor. Nicht zuletzt smd Gifte im Boden (den Leitungsröhren entwiche­nes Leuchtgas) oder in der Luft der Pflanze sehr

Exempel statuieren und der bürgerlichen Demo­kratie einmal zu Eemüte führen, daß sie ohne Unterstützung durch den staatserhaltenden Kon­servatismus nur ein wesenloses politisches Ge­bilde ist. Dann vielleicht wird sich der Links­liberalismus wieder auf seine bürgerlichen Pflichten besinnen. Es wird eine Gewaltkur werden, aber hoffentlich eine heilsame. Diese und ähnliche Gedanken haben wir während der letzten Tage oft genug aus gut bürgerlichen Kreisen vernommen, und desten darf der Frei­sinn und der Linksliberalismus versichert sein: Sie werden bei den nächsten Wahlen in die Tat umgesetzt werden."

Auch unsere Ansicht!

Typaldos.

Der Korrespondent desDaily Telegraph" in Athen bringt einige interessante Einzelheiten über die Fest­nahme des Leutnants Thpaldos: Typaldos trieb sich mit einem Kameraden bereits den ganzen Abend von 7 Uhr an in den Straßen von Athen umher, um sich nach einem geeigneten Unterschlupf für die Nacht um- zuschen. . Als er festgenommen wurde, hatte er keine Waffe bei sich, nur sein Freund befaß einen Revolver, mit dem er zwar die Polizisten einzuschüchtern ver­suchte, den er aber nicht ernsthaft gebrauchte. Leut­nant Spirimelius, ein Freund des Typaldos, eilte nach der Polizeistation, als er von der Festnahme des Thpaldos hörte, um seinen Freund nach dem Ge­fängnis zu begleiten. Sofort verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, daß Typaldos mit Hilfe seiner Freundes entkommen sei. Auch Leutnant Spiremilius wurde festgenommen.

Der Premierminister empfing noch um Mitter­nacht den genannten Korespondcnten und sagte zu ihm mit Bezugnahme auf die Verhaftung des Typaldos: Sie sehen, die Regierung tut ihre Pflicht und zieht die Meuterer zur Rechenschaft. Der Korrespondent be­merkte hierzu, daß die Meuterei von Typaldos und Genossen mit ihrem kläglichen Ausgange einen tief beschämenden Eindruck auf das Volk mache und wahr­lich nicht imstande sei, dessen Vertrauen zu der Wehr­macht zu erhöhen, das ohnehin schon auf den Nullpunkt gesunken sei. Vor wenigen Tagen noch wurde Typal­dos als ein Nationalheld gefeiert, und bei der Ver­haftung benahm er sich wie ein echter Feigling. Denn niemand hatte erwartet, daß sich Thpaldos auf so un­rühmliche Weise der Polizei ausliefern werde. Es sei daher nicht ausgeschloffen, daß die vollständige Wen­dung der öffentlichen Meinung in der Affäre Typaldos noch sehr ernste Folgen nach sich ziehen könne.

So ist es auf dem PanzerschiffeHhdra" bereits zu einem höchst bedenklichen Zwischenfalle gekommen. Dort ioerdcn drei Mann wegen ihrer Teilnahme an der Meuterei des Thpaldos in Arrest gehalten. Als nun der Kommandant aus irgend einem höchst gleich­gültigen Grunde Befehl gab, die drei Gefangenen in einem anderen Teile des Schiffes unterzubringc», weigerten sich die übrigen Mannschaften, zu gehorchen, mit der Begründung, daß die Gefangenen zu rück­sichtsvoll behandelt würden. Sie protestierten da­gegen. und es bedurfte geraumer Zeit, bis es gelang, die Ordnung auf dem Schiffe wiedcrherzustellcn. Hätte der Kommandant cs nicht berniocht, den Ma­trosen eine durchaus befriedigende Erklärung über die Ursache seines Befehles zu geben, so wäre cs sicher zu einer schweren Meuterei gekommen. So wird die

unzuträglich. Man denke nur an die Vergif­tung der Atmosphäre durch die im Steinkohlen­rauch enthaltene schwefelige Säure, welche die Blätter tötet. Von ihr werden besonders die Nadelbäume getroffen, deren Nadeln fünf bis sieben Jahre festsitzen und darum ununterbrochen dem Einfluß jener Säure ausgesetzt sind. Wäh­rend die Nadeln an Bäumen in der freien Natur diesen langen Zeitraum überdauern, bringen es diejenigen an Orten mit viel Stein­kohlenentwickelung nur auf etwa zwei bis drei Jahre. Erst wenn ein Kubikmeter dieses Rau­ches mit 2000 Kubikmeter Luft verdünnt wird, vermag er keinen Schaden mehr zuzufügen. Aber wo finden wir dieses Verhältnis. Weder in Fabrikgegenden, noch in den meisten Eroßstadt- vierteln. Der Laubfall unserer immergrünen Waldbäume ist das ganze Jahr hindurch zu be­merken, indem täglich ein paar Nadeln sich lösen. Führt uns aber im Frühling unser Weg durch einen Tannenwald, so werden wir mit Staunen erfüllt: Was der Laubwald im Herbste vol­lendete, das will jener jetzt nachholen. In Masten fallen die welken Nadeln zu Boden: der erste Laubfall im Frühling. Recht inter­essant ist auch die Beobachtung, daß viele som- mergrüne Bäume mit dem Abwerfen ihres Lau­bes in unserer heißen Jahreszeit beginnen, charakteristischer Weise nach der Sonnenwende um Johanni. Diese Eigenart veranlaßte Pro- festor Wiesner in Wien, genauere Feststellungen zu machen. Er zählte die fallenden Blätter eines Ahornbaumes, der im Juni (letzte Woche) 7, im Juli 381, im August 284, im September 707, im Oktober 8448, im November 4359, im ganzen also 14 186 Blätter abwarf. Man habe durch genaue Betrachtung festgestellt, daß das frühzeitige Abwerfen des Laubes feinen Grund in der geringen Belichtung hat. Bei Birke und Lärche ist kein sommerlicher Laubfall zu be­merken, da alle Blätter genügend Licht emp­fangen, während Linde, ^lieber, Roßkastanie u. a. meist schon im Mai einige Blätter abstoßen. Im Herbste wird die Lebenstätigkeit der Pflan-

Disziplin in der griechischen Armee und Marine voll­ständig untergraben, und man ist täglich auf neue un­vorhergesehene Zwischenfälle gefaßt.

Die Aussagen der bisher vernommenen verhafteten Marineoffiziere haben hier den Eindruck gemacht, daß sich Typaldos mit dem Plane trug, sich mit den von ihm beschlagnahmten Schiffen nach Korea zu begeben, um sich dort den Kretensern zur Verfügung zu stellen und sich zum Fürsten von Kreta ausrufen zu lasten.

Die Kölner Vergleichsfahtten.

Köln, 5. Nov. Der heutige Aufstieg der Luftschiffe, zu denen sich wiederumP. 3" als Privatluftschiff gesellte, galt Uebungsfahrten mit einer Landung in Koblenz. Die Fahrten vollzogen sich glatt.P. 3",P. 1 undM. 2* stiegen rasch hintereinander gegen Mittag vor der Vallonhalle in Bickendorf auf, um gemein« san die Fahrt nach Koblenz anzutreten. Dabei verlorP. 3" seine Begleiter wegen des herr­schenden Nebels aus den Augen und mußte, um sich über das Gelände zu informieren, wieder landen und ging in der Nähe der Halle nieder. Er versah sich mit neuem Wasterballast und stieg sofort roieber auf, um den anderen Luftschiffen zu folgen. Alle drei Luftschiffe erreichten in kur­zen Zeitabständen die Karthause in Koblenz, auf welcher sie alsbald landeten. Sie hielten sich aber nur eine Viertelstunde lang auf der Karthause auf und traten kurz nach drei Uhr die Heimfahrt an. In der Zeit von 5% bis 6 Uhr landeten die Luftschiffe wieder vor der Halle in Bickendorf.Z. 2 unter­nahm von 2 y2 Uhr ab eine Höhenfahrt über der Stadt Köln und landete nach mehr- stütüiiger Fahrt um 5 Uhr 10 Min. vor der Halle.P. 3" wird diese Nacht in der Halle verbleiben.

K ö l n , 5. Nov.M. 2" traf um 2 Uhr 10 MinutenP 1", der in der Kielliene folgte, um 2 Uhr 15 Min.,P. 3" 2 Uhr 40 Min. in Koblenz ein Die Landungen erfolgten glatt. M. 2 stieg um 3 Uhr 5 Min. wieder auf; in der Gondel nahm der kommandierende General Plötz Platz. Bald darauf verließen. 1 und P. 3 den Landungsplatz und fuhren rhein­abwärts.Z. 2" stieg um 2 Uhr 55 Min. auf und kreuzte über Köln.

Köln, 5. Nov. Bei der Landung desP. 1" ereignete sich ein Unglücksfall, indem ein Sol­dat die Leine noch festhielt, als der Ballon sich unversehens wieder hob. Der Soldat stürzte herab und trug anscheinend schwere innere Ver­letzungen davon. ,

Unpolitische Tagesnachrichten.

Berlin, 5. Nov. Kapitän Engelhardt unternahm heute auf dem Bornstedter Felde einen längeren Daucrflug. Er mußte jedoch nach einer Stunde 53 Minuten abbrcchcn, da der mitgeführte Benzin-Vorrat erschöpft war. Die zurückgelegte Entfernung dürfte der Strecke Berlin-Bitterfcld entsprechen.

Meulan, 5. Rov. Das lenkbare LuftschiftEspana", das gestern eine Nachtfahrt unternommen hat, erlitt

zen allmählich geringer; die Nächte werden kühler und die Sonne mag die verlorene Wärme nicht zu ersetzen. Die Wurzeln saugen immer weniger Wasser auf, sodaß es den Blättern an Flüssigkeit mangelt. Wurzel, Stamm, Knospen und Zweige nehmen die zurückgeleiteten, noch brauchbaren Stoffe, besonders Stärke, auf. So vertrocknen die Blätter, färben sich gelb, rot, braun, und schließlich fallen sie ab. Das Chloro­phyll Blattgrün erleidet nämlich eine chemische Veränderung, und so verschwindet das­selbe aus den Blättern, welche nun in die Stoffe zerfallen, aus denen sie entstanden sind; Luft und Erdreich erhalten ihre Elemente zurück. Um sich vor der brennenden Hitze zu schützen, werfen euch die Bäume der Tropen alljährlich ihre Blätter ab. Zweige, Aeste, Stamm und Wurzel speichern die Baustoffe auf, wo sie der Sonnen­glut nicht so sehr preisgegeben sind. Doch be­halten viele Bäume ihr dürres Laub bis zum Frühjahr, wie denn überhaupt das Laub lang­sam sich absetzt. Der Farbenreichtum, den wir gewöhnlich mit dem Begriffe Tropen zu verbin­den pflegen, trifft indes für den Herbst nicht zu, der an Fülle der Farben bei weitem nicht an den unserigen heranreicht. Vis ins andere Jahr hinein grünt in den Oasen bei Sahara der Pftrsichkmum, und der Flieder behält am Schwarzen Meere auch während des Winters fein grünes Kleid. Auch in Griechenland gibt es Platanen, die in ihrer sommerlichen Blätter­pracht den Winter überdauern. Und Bäume von historisch nachweisbar hohem Alter gibt es eine stattliche Zahl. Schon 1226 wird alsder große Baum an der Heerstraße" die Linde bei Neustadt am Kocher erwähnt, liebet 2000 Jahre alte Oelbäume stehen auf dem Oelberg. Ein mehrtausendjähriges Alter muß der Drachen­baum auf Tenerisa erreicht haben, desien Stamm am Grunde 13 Meter Umfang hatte. Etwa 3000 Jahre alt ist der Eibenbaum in Braburn (Eng­land). Einige kalifornische Mammutbäume schätzt man auf 4000 Jahre, und einen Affen- brotbaum in Senegambie» 5000 bis 6000

heute früh einen Propellerdefekt und wurde, ohne daß die Steuer gebraucht werden konnten, weitergctricbcn. Der Besatzung gelang es aber etwa zwölf Kilometer von Meula zu landen. Das Luftschiff wird vom Gal entleert und in die Halle nach Beauval zurückgebracht werden.

Cannstabt, 5. Nov. Bei Grab-Arbeiten wurden fünf menschliche Skelette aufgefunden, die von der Ueberschwemmung von 1817 herstammen.

Brüssel, 5. Nov. Auf der Strecke Manage-Charle- roi bei der Statton Pieton fuhr ein Personenzug auf einen Güterzug auf. Ein Wagen des Personenzuge» wurde zertrümmert und etwa zwanzig Paffagicre der-' letzt.

Mitteilungen aus dem Leserkreise.

Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Redaktion Stimmen aus ihrem Leserkreis. Für die hierin aus­gesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion (außer der preßgesetzlichen) keine Ver­antwortung, diese bleibt vielmehr dem Ein­sender überlassen.

Den meisten Fußballvereinen stehen abgeschlossene Spielplätze zur Verfügung .auf denen zwecks Deckung der nicht unbedeutenden Unkosten bei Wettspielen ein geringes Eintrittsgeld erhoben wird. So haben Ver­eine in unseren Nachbarstädten Gießen, Siegen, Frankfurt, Hanau, Fulda und Cassel umzäunte Plätze. Bei Erwerbung und Herrichtung derselben waren die Vereine auf die Unterstützung der Gemeinden und einflußreicher Personen angewiesen. In Marburg ist man ebenfalls den betreffenden Vereinen entgegen» gekommen. Der hiesigeVerein für Bewegungsspiele" hat von der Stadt die Dammwiese gegen eine Ent­schädigung als Spielplatz erhalten, dem Fußball- vcreinGermania" ist gestattet, seinen Sport auf dem Juxplahe ausüben zu dürfen. Immerhin macht sich aber das Bedürfnis nach einem zweckentsprechen­den abgeschlossenen Platze fühlbar, an dem nicht nur die Stadt, sondern auch die Universität ein Interesse haben muß, da auch eine ganze Anzahl von Studenten dem Fußballsport huldigt. Auf der Lahn­insel ließe sich wohl ein solcher Platz (95 tn lang und 6 in breit) Herrichten, tvenn der Schuppen beseitigt würde. Die Dammwiese darf nicht mit einem Bretter­zaun umgeben werden, da sie im Flutgebiet der Lahn liegt. DerVerein für Bewegungsspiele", der neben dem Fußballspiel noch leichtathletische Uebungen in seine Satzungen ausgenommen hat, hat daher vor, bei seinen ferneren Wettspielen von den Zuschauern ein kleines Eintrittsgeld (20 und 10 Pfg.) zu erheben. Wer daher gewillt ist, ein Schcrflein zu den Unkosten des Vereins beizutragen und die Sache zu unterstützen, wird gebeten, sich beim Wettspiel auf die Südseite der Wiese zu begeben, an den beiden Eingängen werden Eintrittskarten zu erhalten fein. Der Dammweg wird wie feither dem vorübergehenden Publikum frei ge­halten. Nächsten Sonntag spielt auf dem Sportplatz hier die 2. Mannschaft des hiesigen Vereins für Be­wegungsspiele gegen die 2. Mannschaft des Fußball­klubs 1900 in Gießen. Die ersten Mannschaften der genannten Vereine fediten in Gießen ein Meister­schaftsspiel aus. Das Spiel auf der Dammwiese, zu dem das sportliebende Publikum Marburg? freund­lich einaeladen wird, beginnt um 3 Uhr mit 20 Mi­nuten Wartezeit.

Ein Mitglied des Vereins für Bewegungsspiele.

Verantwortlich für bie Rebaktion:

Dr. phil. Carl Hitzeroth in Marburg.

Jahre. Der älteste Baurn ber Welt soll eine uralte Platane auf der Insel Eos an bet Küste Kleinasiens sein, unter bereu Schatten ber Be- grünber ber antiken Mebizin, Hippokrates, lei­nen ersten Schüler-'. Lehrstunben gegeben haben soll. Der Laubfall beginnt in hohen L..gen viel früher als in ber Tiefebene, trotzbem die Bäume dort später zu grünen beginnen. Haben sich also unsere einheimischen Pflanzen an ihe Lage ge­wöhnt, so hält es schwer, in Gewächshäusern ge­pflegte Tropenpflanzen ganz bem Charakter bei sie umgebenben Natur anznpassen. Auch bei bester Pflege setzt bei ihnen ber Laubfall ein, so- balb in ihrer Heimat bie Bäume beginnen, sich be; Blätter zu entlebigen, um in ihre Ruhe- periobe einzutreten. Um das Wesen ber Winter­ruhe bet Pflanzen zu ergrünben, stellte B. L. Howarb Versuche an, bie zu interesianten Er- gebnisien führten. Er schnitt Enbe Oktober und Anfang November von Bäumen unb Sträuchern im Botanischen Garten zu Halle a. C. Zweige ab unb stellte sie in bem warmen Gewächshaus ins Wasser, um zu prüfen, ob bie Zweige bereits unter bem Einfluß ber Wärme zu treiben begin­nen. Von ben 280 Arien trieben innerhalb zwei Wochen mehr als bie Hälfte aus. ein Teil trieb noch in ber ersten Hälfte bes Winters, bann all­mählich 27 Arten, unb 56 Arten wiberstrebten, sogar bis März. Besonbers hatten europäisch« unb asiatische Arten bereits im November ge­trieben. Würben bie Pflanzen zuvor mit Aether, burch Verbunkelung, Trockenheit, Frost usw. be­handelt, so entwickelte sich ein großer Teil rasch weiter. Aus diesen Versuchen schließt Howard, baß bie meisten ber im gemäßigten Klima ein­heimischen Bäume unb Sträucher aus ihrer Winterruhperiobe erweckt werben können. Dies« ist nach seiner Meinung eine Gewohnheit, bie infolge ungünstiger äußerer Bedingungen ent­standen sind. Und diese Ruhepause hat für un­sere Flora allseitig begonnen, wenn sie gefallen sind bie letzten Blätter.f.