mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
unb den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Berlage.
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Die „Gbrrtzesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen unb der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Marburg
Sonnabend 6. November 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Äug. Koch, UaioersttätSbuchdruckerei Inhaber Dr. T. H itzero th, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 86.
Konservative und Polenfrage.
I Die Korrespondenz des Ostmarkenvereins e$Xr Osten" schreibt:
Obwohl der Abgeordnete e. Heydebrand im Reichstag bi- unverändert bleibende Stellung her konservativen Partei zur Polenpolitik trotz der Gemeinsamkeit der Abstimmung mit den Polen unzweideutig festgelegt hat, hören Aeuherungen und Besorgnisse in Zeitungen und Wählerkreisen über eine zu besorgende Unzuverlässigkeit der Konservativen nicht auf. Deshalb spricht die „Konservative Korrespondenz" es nochmals mit vollster Entschiedenheit aus, daß sich an dem seit 25 Jahren mit stets gleicher Entschiedenheit in der nationalen Ostmarkenpolitik festgehaltenen Standpunkte der Konservativen nichts geändert habe. Sie tritt entschieden für die Tendenzen des geplanten Parzellierungsgesetzes ein und erklärt dazu im besonderen: „Wenn, wie die Konservativen es nach wie vor für geboten halten die Ansiedelung deutscher Kleinbauern noch lange Jahre wird fortgesetzt werden muffen, so muff dafür gesorgt werden, daff der dafür aus den Händen des Groffbesitzers zu erhaltende Grund und Boden nicht von den polnischen Parzellanten für ihre Zwecke mit Beschlag belegt wird. Der deutsche Großbesitz würde sonst schliefflich einer Dezimierung verfallen, die wie mit allgemeinen Jnter- effen mannigfachster Art, so auch mit dem spe- Sieden konservativen Parteiinteresse nicht ver- i einüar wäre. Wenn aber der deutsche Eroff- grundbesitz mehr, als es in den letzten Jahren der Fall war, geschont werden soll, so wird man nicht gestatten dürfen, daff der polnische Besitz durch Aufteilung dem freihändigen oder zwangsweisen Erwerb durch die Ansiedelungskommission entzogen wird." Wir begrüßen, obwohl für uns an sich schon kein Zweifel an der Haltung der konservativen Partei in dieser nationalen Frage war, diese klare und feste Stellungnahme mit großer Freude. Zwar ist kaum zu . hoffen, daß die Blätter der Linken, denen das in das Geschäft pafft, nun mit ihren Zweifeln «nd direkten Verdächtigungen aufhören werden. Aber wir erhoffen von der Erklärung eine gute Wirkung auf die Wähler in den konservativ vertretenen Wahlkeisen der Kampfprovinzen, besonders weil an manchen Stellen die Gefahr nahe liegt, daß man sich im eigenen Lager verärgert und sich in eine Gegnerschaft gegen den konservativen Vertreter hineinredet, zu der von unserem Ostmarkenstandpunkte aus gar kein begründeter Anlaß vorliegt. Man mag über die Stellung der Konservativen zur Erbschaftssteuer urteilen wie man wolle, an ihrer unveränderten nationalen Haltung zur Polenfrage ist kein Zweifel. Und darum sollte Überall das einigende über dem trennenden betont werden, wo eine Gefahr wie die bezeichnete vorliegt. Denn es kann nicht oft aenug wiederholt werden: wir können uns in den Provinzen Posen und West-
IjL (Nachdruck verboten.)
Was Gott zusammengefugt —♦
-r Roman von H. Tourths-Mahler.
(Fortsetzung.)
Eva Rodenfels hatte ihren Einzug in das schöne, vornehme Heim ihrer Wohltäterin gehalten. Drei Tage blieb Georg noch zu Gaste in Villa Waldfrieden. Diese Zeit genügte ihm, um sich zu überzeugen, daß seine Schwelet nicht nur eine edle, treusorgende Erzieherin in Paula Hardenberg gefunden hatte, sondern auch ein Heim, in dem jedes Winkelchen den Stempel der Schönheit unb bes Reichtums trug, in bem ste wie eine kleine Prinzessin gehalten würbe, fern von aller Not unb Sorge.
In diesen drei Tagen kam er auch seiner großherzigen Gastgeberin näher, als man sonst Menschen in jahrelangem Verkehr kommt. Diese beiden Menschen verband schon nach Stunden die herzlichste Sympathie. Paula gefiel das schlichte, ernste Wesen des jungen Manne« seine ehrliche Offenheit, sein gerader Sinn. Mit dem feinen Instinkt der fühlenden Frau erkannte sie das weiche, liebevolle Gemüt, das sich unter seiner stillen Art verbarg. Und Georg hegte eine schrankenlose Verehrung für Paula. Er bewunderte sie. Sie hatte so etwas Mütterliches, Verständnisvolles in ihrem Wesen, baff er sich ihr gegenüber rückhaltloser gab, als es sonst in seiner zurückhaltenben Art lag. Als er sich von ihr verabschiedete, trennten sie sich als Freunde im Gefühl gegenseitiger Hochachtung. Georg hatte gebeten, ihr schreiben zu dürfen von dem, was rhn bewegte, und sie hatte ihm die Erlaubnis dazu erteilt, ihm versichernd, daß sie ihm fleiffig berichten würde über Evas Gedeihen und ihre Entwickelung.
preuffen den Luxus eines Parteikampfes unb einer Parteizersplitterung, wie sonst im Reiche, unter keinen Umständen leisten. Es ist nicht nur überflüssig, sondern direkt gefährlich, wenn aus so unbegründetem Anlaß in einem konservativen Wahlkreise der Kampfprovinzen der Friede unter den Deutschen dauernd gefährdet würde. Besser ist, das Vergangene ruhen zu lassen und sich in gemeinsamer nationaler Arbeit wieder zusammenzufinden. Der Boden dafür ist ja durch diese varteiamtliche Erklärung der konservativen Kortespoift>enz gegeben.
Deutsches Reich.
— Der Kaiser und die deutsch-österreichische Waffenbrüderschaft. Wie die Blätter melden, ließ der Kaiser dem Oberbürgermeister Göttelmann in Mainz auf dessen Huldigungstelegramm anläßlich der Weihe der neuen Soldaten-Massengräber auf dem Mainzer Friedhöfe die folgende Drahtantwort zugehen: „Ihnen, der österreichischen Offiziers- depntation, den Vertretern der Stadt Mainz und dem Osftzierkorps des Standortes danke ich für den mir übersandten Huldigungsgruß und hoffe, daß die gemeinsam geweihten Kriegergräber ein Wahrzeichen alter und jetziger Waffenbrüderschaft sein und bleiben werden. Wilhelm I. R." — Auch der Kaiser von Oesterreich sandte aus gleichem Anlaß ein Telegramm, in dem er für die ihm dargebrachte Huldigung dantt.
— Vom Hofe. Berlin, 4. Nov. Der „ Staats - anzeiger„ meldet: Der bisherige erste Sekretär der Königlichen Schatulle, Grimm, wurde zum Scha- tullverwalter ernannt. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Bei dem Neichskanzler findet zu Ehren des scheidenden Staatssekretärs Dr. Rieberding heute Abend ein Diner statt, zu dem unter anderen Einladungen erhielten: der bayerische, der württembergische und der hanseattsche Gesandte, sowie zahlreiche Minister und Staatssekretäre. — Neues Palais bei Potsdam, 4. Nov. Der Kronprinz und die Kronprinzessin von Griechenland mit dem Prinzen Alexander und der Prinzessin Helene von Griechenland sind nachmittags um 5 Uhr ,30 Min. auf der Wildparkstation eingetroffen und nahmen im Neuen Palais Wohnung.
— Bundesrat. Berlin, 4. Nov. In der Bun desratssttzung wurde der Entwurf einer Fern- sprech-Gebührenordnung den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
— Einberufung bcS Reichstages. Berlin, 4. Rov. Der „Reichsanzeiger" veröfieutticht eine kaiserliche Verordnung betreffend die Einberufung des Reichstages zum 30. November.
— Festlegung des Osterfestes. Berlin, 4. Nov. Die evangelische Generalsynode stimmte in ihrer heutigen Sitzung prinzipiell dem Plane der staatlichen Festlegung des Osterfestes zu.
— Berliner Stadtverordnetenwahlen. Herr v. Gerlach in der Stichwahl. Berlin, 3. Nov. Die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung ergaben das wohl von niemand anders er
So reiste er mit leichterem Herzen wieder nach Kiel zurück, als er zu hoffen gewagt hatte. Er wußte Eva geborgen in treuer Hut.---
Eva gewöhnte sich bald in die neuen Verhältnisse ein. Sie lernte es schnell, all ihre kleinen Sorgen unb Kümmernisse, ihre Freuden und Schmerzen Paula mitzuteilen. Und sie fand ein so liebesvolles Eingehen auf alles, was sie bewegte, daß sich ihr kleines Herz bald mit inniger Neigung der neuen Mutter zuwandte. Sie merkte auch, baff ihr fröhliches Plaudern einigen Einfluß auf Paulas traurige Stimmung aus- übte unb gewöhnte sich bald daran, eine gewisse fröhliche Tyrannei auszuüben. Fand sie einmal Tränen in Paulas Augen, dann schalt sie zärtlich in ihrer drolligen kindlichen Art unb gab nicht Ruhe, bis ein Lächeln über bie traurigen Züge flog. Dann war sie stolz, als hätte sie ein großes Werk vollbracht.
Die Dienerschaft Paulas hatte anfangs ben kleinen Fremdling mit scheelen Augen pnge- sehen. Man war verwöhnt im Harbenbergschen Hause unb liebte nicht viel Arbeit. So ein Kinb pflegt aber viel Mühe zu verursachen unb davon waren die Leute nicht erbaut. Aber Eva hatte bald durch ihre Lieblichkeit gesiegt. Es bauerte nicht lange, da wetteiferten alle, bem reizenden Kinde etwas zuliebe zu tun, ihm eine Freude zu machen. So hatte bie kleine Waise ein Heim gefunben, welches sie halb bie«alte Heimat vergessen ließ.
Fritz Coulmann hatte seinen Einzug in Schloß Rodenfels gehalten. Als er von der Erkrankung und bem bald darauf erfolgten Ableben Michaels erfuhr, hatte ein wilder Triumph aus seinen Augen geblitzt. Er empfand innige Genugtuung darüber, baff er zuvor noch Abrechnung mit dem Verderber seiner Schwester gehalten hatte. Michael Robenfels
wartete Resultat, daß fast in allen Bezirken die Genossen die Mehrheit erhielten, und zwar wurden gewählt: im 8. Bezirk: Dupont; 13. Bez.: Singer; 14. Bezirk: Stadthagen; 17. Bezirk: Börner; 18. Bezirk: Keufin; 24. Bezirk: Schneider, 25. Bezirk: Bruns; 28. Bezirk: Zucht; 31. Bezirk: Dr. Rosenfeld; 37. Bezirk: Borgmann; 39. Bezirk: Ritter; 42. Bezirk: Dr. Cohn; 43. Bezirk: Ewald; 47. Bezirk: Motzke. Im 5. Bezirk erhielt Marggraf (soz. Fottschr.) die Mehrheit, während im 2. Bezirk Stichwahl zwischen bem Freisinnigen Leis und dem bekannten Demokraten H. v. Gerlach stattzufinden hat.
— Stadtverordnetenwahlen In Köln. Köln, 4. Nov. Bei den heute Abend 6 Uhr zu Ende gegangenen Stadwerordnetenwahlen der britten Klasse wurde folgendes Stimmenverhältnis festgestellt: Es erhielten die Zentrnmskandidaten 18 976 bis 19 996 Stimmen, die Liberalen 3936 bis 4000, die Sozialdemokraten IQ 485 bis 10 655. Die Zentrumskandidaten siegten also mit einer Mehrheit von rund 4000 Stimmen. Die Zahl der Wahlberechtigten hat sich infolge der Herabsetzung des Wahlzensus auf vier Mark um etwa 20 000 vermehrt. Die Wahlbeteiligung betrug 33 300 von etwa 70 000 Wahlberechtigten. Gegen die letzten Wahlen derselben Klasse erhielten das Zentrum et- wa 7500, die Liberalen rund 1500, die Sozialdemokraten annähernd 7000 Stimmen mehr.
— Ein Moltkedenkmal in Bremen. Bremen, 4. Nov. Heute Nachmittag wurde in Gegenwart des Senats, der Bürgerschaft, der Spitzen der Behörden, des Offizierkorps und der Kriegervercine das Moltkedenkmal, ein Geschenk des verstorbenen Bankiers Beruh. Loose, feierlichst enthüllt. Nach einer Ansprache übergab Bürgermeister Dr. Pauli im Namen des Komitees das fettige Werk der Stadt Bremen. Hierauf hielt Bürgermeister Dr. Marcus eine längere Rede, in der er seiner Verehrung für den Generalseldmarschall Ausdruck verlieh. Im Anschluß hieran wurde dann in der Nähe des Denkmals ein Brunnen enthüllt, ein Geschenk des regierenden Bürgermeisters Dr. Marcus.
— Einkommensteuer in Bayern. München, 4. Nov. Die Kammer der Abgeordneten nahm mit 130 gegen 20 Stimmen das Einkommensteuergesetz an, durch welches die allgemeine progessive Einkommensteuer in Bayern eingefühtt wird.
— Amtsrichter und polnischer Volksverein. Berlin, 4. Nov. In Kossakau im Kreise Putzig ist kürzlich ein polnischer Volksverein gegründet worden, an dessen Gründung sich nach einer Blättermeldung auch ein preußischer Amtsrichter Chmi- lewski aus Zoppot in hervorragender Weise beteiligt haben sollte. Nach der Meinung der „Kreuzzeitung" liegt hier offenbar ein Irrtum vor, denn einen Amtsrichter dieses oder eines ähnlichen Namens gibt es nach Ausweis des Staatshandbuchs weder in Zoppot noch sonstwo.
— Arbeitervorstellungen. Berlin, 4. Nov. Die „Berliner Korrespondenz" schreibt: Auch im Winterhalbjahr 1909/10 sollen im Neuen König!.
war der einzige Mensch, ben Fritz Coulman je gehaßt hatte, aber dieser Haß hatte auch bas ganze Wesen des sonst gutmütigen Mannes erfüllt. Mit jedem Jahre hatte er sich tiefer in seine Seele gebrannt unb habet manches Gute zerstört.
So lange seine Frau lebte, hatte er wenigstens einen Menschen, mit bem er über biefes Thema reden konnte. Anna Coulmann liebte ihren Gatten innig unb empfanb mit ihm schmerzlich die Schmach, die man seiner Schwester angetan. Und Helenens Tochter hielt die Erinnerung an jene furchtbare Zeit wach, da die beiden Gatten um bie Unglückliche gebangt batten. Nun war Anna Coulmann vor zwei Jahren gestorben unb ihr Gatte muffte ben Groll und Haß gegen Rodenfels allein weitertragen.
Wie eine Erlösung nach jahrelanger Pein ging es durch Coulmanns Wesen, als et mit Rodenfels abgerechnet hatte. Und der Tag, da et mit feiner unb Helenens Tochter in Rodenfels einzog, war der größte Festtag feines Lebens.
Coulmanns Herz füllte sich mit inniger Genugtuung. Helenens Tod wat gesühnt, ihre Tochter stand an dem Platze, wo sie hingehörte. Michael Robenfels war tot unb feine legitimen Nachkommen hatten keine Heimat mehr. Daß bie beiden Kinder seines Feindes eher fein Mitleid verdienten, daran dachte er nicht. Der sonst so gerechte Mann wat in diesem Punkte von grausamer Härte erfüllt. Sein Haß galt auch den Kindern, weil sie ben Namen feines Feinbes trugen.
Erfüllt von stolzer Freude, führte er bie beiden jungen Damen, die als feine Zwillings- töchter galten und selbst glaubtet, daß sie Schwestern seien, in bas Schloß Rodenfels, in
Operntheater zehn Arbeiter-Vorstellungen unter der Stntfinbigung „auf Allerhöchsten Befehl" veranstaltet werden. Die Verteilung der Eintrittskarten soll auch diesmal unter Vermittelung bet Zentralstelle für Volkswohl erfolgen.
— Unterschlagung auf der Kieler Werft. Kiel, 4. Rov. In dem Prozesse wegen der Unterfangungen auf der Kieler Reichswerft fand heute Nachmittag eine Besichtigung der Werft statt; auch di« Angeklagten wurden aus dem Untersuchungsgefängnis dotthin gefühtt. Morgen wird im Verwaltungsgebäude der Werst weiter verhandelt.
Ausland.
** Oestrreich-Ungarn. Wien, 4. Nov. Die parlamentarische Kommission der slawischen Union nahm in ihrer heutigen Sitzung einstimmig folgenden Antrag bes Äbgeorbneten Sn- stersic an. Die slawische Union erklärt sich außer Staube, mit bet Regierung in ihrer gegenwärtigen Zusammensetzung zu verhandeln; hingegen ist die slawische Union bereit, die friedliche Lösung der Krisis zu fordern und mit der Regierung in Verhandlungen einzutreten, welche Gewähr für das System der vollen Ee- rechttgkeit gegen alle Völker des Reiches bieten würde.
** Typalbos gefangen! In einer Sorftabt Athens würbe letzte Nacht der Schiffskapitän Typalbos verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf offener Straße. Typalbos wie ein mitverhafteter Offizier trug Arbeiterkleidung. Sie leisteten ben Gendarmen keinen Widerstand. Jetzt befinden sich sämtliche Offiziere, die an bei Meuterei teilgenommen haben, bis auf vier in der Gewalt der Regierung. — Athen, 4. Nov. Infolge bet anscheinend unrichtigen Nachricht, baff der König bie Erwartung ausgesprochen habe, bet Offizietsbunb werde sich sofort nach Beeidigung der Arbeiten bes Parlaments auf« lösen, erklärte bet Vunb, daß er vor Verwirklichung seiner Mission und seines Programms an die Auflösung nicht denke.
** Athen, 4. Nov. Das königlich: Schloß wird zur Zeit von zwei Schwadronen Kavallerie und einem Bataillon Infanterie bewacht. Typaldos wird wegen politischen Verbrechens, auf bem bie Tobesstrafe nicht steht, abgeurteilt werben.
Marburg und Umgegend. , K druck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei crrechtS nur mit der deutlichen Quellenangabe „Öberhesi. Ztg." gestattet.)
Marburg, 5. Nov.
• Winter boten. Die für die jetzige Jahreszeit recht milbe Witterung, die auch nachtsüber vorherr- fchenb war, hat in der vergangenen Nacht plötzlich eine Aenderung erfahren. Dicker Reis bedeckte heute früh bie Dächer und mit ben Herbstblumen in ben ©arten* wovon namentlich die Georgine unb bie Astet bis in die letzten Tage hinein Blüten entwickelten, dürste es nun mit einem Male zu Ende
bem er nun den größten Teil bes Jahres fein Domizil aufschlagen wollte. Er war mit ben Jahren ein seht reichet Mann geworden. Mit rastlosem Fleiß und kluger Umsicht hatte et vorwärts gestrebt. Seine geschäftlichen Erfolge grenzten ans Wunderbare. Die Bank, bie ihn vor langen Iahten zu ihrem Direktor ernannt, hatte ihm einen ungeahnte,: Aufschwung zu danken. Seit Jahresfrist hatte et sich von den Geschäften zurückgezogen, um sich mehr Ruhe zu gönnen. Vor allen Dingen wollte er sich nun einen Lieblingswunsch erfüllen und groffe Reisen mache Bisher hatte er sich es versagen muffen, seine längst schon gefaßten Reisepläne auszuführen. Seine geschäftlichen Verbindungen hatten ihn daran gehindert und auch seine Rachsucht. So lange er die nicht befriedigt hatte, wollte er nicht in der Welt umhetstreifen; ei hätte auch nur den halben Eenuff davon gehabt. Aber nun war et frei. Seine Töchter waren gut aufgehoben unter bet Obhut einer Haus- bame, die feit dem Tode feiner Frau ben häuslichen Angelegenheiten Vorstand. Frau Amalie Werner war bie Witwe eines Beamten, eine würdige Matrone, die ihren Platz in seinem Hause bisher gut ausgefüllt hatte und nun auch, von Mamfell Wollmann unterstützt, in Schloß Rodenfels die Hausfrau ersetzen sollte.
Coulmann wat, nachdem et sich von seinen Geschäften zurückgezogen hatte, von Berlin nach Dresden gezogen. Et hatte dort eine komfortable Etage in einem feinen Hause gemietet Diese Wohnung wollte er beibehalten, um im Winter, wenn die jungen Damen Bälle unb Gesellschaften, Oper und Konzerte besuchen wollten, ein festes Quartier zu haben. Die Sommermonate sollten in Rodenfels verlebt werden. —-
Mortfetzung folgt.),