mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain *
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und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.-'
Die „Gberhrsstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21j) 2 Mk.
Marburg
Donnerstag 4. November 1909.
Die Jnsertionsgebüdr beträgt ftir die 7gespaltene Zeile I oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. I Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnioersitätSbuchdruckecer I Inhaber Dr. E. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55. |
44. Jahrg.
Zweites Blatt.
Marburg und Umgegend.
^Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 deS Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg.» gestattet.)
Marburg, 3. Nov.
* Am Buß- und Bettage, sowie dem dem Andenken der Verstorbenen gewidmeten Jahrestage (Totensonntage) 17. und 21. November find alle Konzerte und theatralischen Vorführungen untersagt. Von diesem Verbote find ausgenommen: 1. Darbietungen geistlicher Musik und 2. Theaterstücke ernsten Inhalts, die von der Polizeibehörde als der Bedeutung des Tages angemessen genehmigt werden. In den für die Aufführungen unter 1 und 2 benutzten Räumen darf ein Schankbetrieb nicht statt- finden.
* Schule und Bolksgesang. Nach einer allgemeinen Anordnung soll der Volksgesang mehr als bisher gepflegt werden: die Kreisschulinspektoren sollen besonders darauf hinwirken, daß die Schulkinder das Volkslied recht lieb gewinnen und die in der Schule geübten Lieder als köstlichen Schatz in das Elternhaus, in Wald und Feld. Dörfer und Städte mitnehmen.
* Fleischpreise. In der ersten Hälfte des Monats Oktober stellten sich die Einheitspreise für Fleisch an den Normal-Marktorten des Regierungsbezirks Cassel wie folgt: Im Großhandel kosteten 100 Kilo Rindfleisch in Gaffel 142, Fritzlar 150, Fulda 140, Hanau 113, Hersfeld 143, Hofgeismar 108, Marburg 137 und Rotenburg 160 Mark. Im Kleinhandel stellte fich der Durchschnitts-Einheitspreis pro Kilo für Rind-, Kalb-, Schweine- und Hammelfleisch, Schinken und Speck in Marburg auf 1,47, 1,52, 1,60, 1,65, 2,40 und 2,00 Mark, in Hersfeld auf 1,50, 1,50, 1,60, 1,71, 2,40 und 2 Mark, in Rotenburg auf 1,60, 1,40, 1,30, 1,53, 2,40 und 1,80 Mark, in Cassel auf 1,57, 1,47, 1,62, 1,73, 3,40 und 1,90 Mark, in Fritzlar auf 1,41, 1,36, 1,46, 1,71, 3,00 und 2,00 Mark, in Fulda auf 1,46, 1,56, 1,32. 1,80. 2,40 und 2,20 Mark, in Hanau auf 1,38, 1,46, 1,46, 1,91, 2,60 und 2,40 Mark und in Hofgeismar auf 1,40, 1,30, 1,40, 1,50, 2,73 und 2.00 Mark.
* Folgende Aenderungen in der Postscheckordnung sind mit dem 1. November in Kraft getreten : Die Scheckformulare werden in Plattform oder in Kartenform ausgegeben. Die Formulare werden den Kontoinhabern vom Postscheckamt in Heften von 50 Stück zum Preise von 50 Pfg. für das Heft geliefert. Der Höchst- betrag eines Schecks wird auf 10 000 M. festgesetzt. Von der am rechten Rande des Schecks befindlichen Zahlenreihe hat der Aussteller vor der Ausgabe des Schecks die Zahlen, die den Betrag des Schecks übersteigen, mit Tinte zu durchstreichen. Bei Schecks in Blatiform können die Zahlen, die den Betrag des Schecks übersteigen, auch abgetrennt werden. Ist die Durchstreichung oder Abtrennung versehentlich
10 (Nachdruck verboten.)
Was Gott zrrlammeugefiigt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
(Fortsetzung.)
„Sie haben Ihr Schwesterchen sehr lieb, nicht wahr?" fragte Paula nach einer Weile.
..Ja, sehr lieb. Es ist mir sehr schmerzlich, daß ich mich jetzt von ihr trennen muß."
„Ich verstehe. Darf ich fragen, wohin Sie das Kind bringen wollen? Bitte, halten Sie meine Frage nicht für müßige Neugier. Ich sprach mit Frau von Maffenbach darüber und hörte, daß Sie keine näheren Verwandten besitzen. denen Sie Ihre Schwster ohne Sorge an- ver.rauen könnten."
Georg quoll es heiß im Innern auf. Er fühlte das Bedürfnis, einem Menschen seine Sorge um die Zukunst des Kindes anvertrauen, zu dürfen. Und Paulas Wesen hatte etwas so Gütiges, Vertrauenerweckendes. Auch schien sie ihm gar nicht fremd, vielleicht, weil er von ihrem Schicksal gehört hatte. Jedenfalls drängte sich ihm, der sonst gar nicht sehr mitteilsam war, das Bekenntnis seiner Sorge um Eva über die Lippen. Er erzählte Paula rückhaltlos die Er- lebniffe der letzten Wochen und verhehlte nicht die Angst um Evas Zukunft. Sie hörte ihm still und teilnahmsvoll zu. Nun wußte sie, daß die klein« Eva aufs ungewisse in fremde Ver- bältniffe gebracht werden sollte. Als Georg schwieg, atmete sie tief auf. Dann sagte sie, ihn fest ansehend: - ■
..Jetzt kann ich Ihnen sagen, was mich nach Rodsnfels führte. Ihre Eröffnungen _ machen «s mir leicht, Ihnen eine Bitte auszusprechen. Ich hatte von Frau von Maffenbach schon (einiges über Sie und Ihr Schwesterchen gehört
ich kam. um Sie zu bitten: Geben Sie mir
unterblieben, so hängt es vom Ermeffen des Postscheckamtes ab, ob der Scheck einzulösen ist. Der an dem Scheckformular in Kartenform befindliche Abschnitt kann zu schriftlichen Mitteilungen benutzt werden: er wird dem Zahlungsempfänger ausgehändigt.
* Sternschnuppen. Der sternschnuppenreichste Monat des Jahres ist der November. In nicht zu zählender Anzahl leuchten die Sternschnuppen gleich dahineilenden feurigen Raketen am westlichen Firmament, dem Aberglauben reichliche Nahrung und dem Astronomen interessantes Material zu seinen Beobachtungen bietend. Solch ein glänzendes Schauspiel haben wir zunächst in der Zeit vom 12. bis 14. November zu erwarten. Dieser Sternschnuppenschwarm führt den Namen Leoniden, weil sie alle aus dem Stevnbilde des Löwen zu kommen scheinen, wird aber auch schlechthin als Novemberschwarm bezeichnet. In der Zeit vom 24. bis 26. November wiederholt sich das schöne Schauspiel am Himmel, diesmal aber aus dem Sternbilde der Andromeda, weshalb diese Sternschnuppen die Andromediten genannt werden. Beide Sternschnuppenschwärme scheinen Ueberreste untergegangener Kometen zu sein. Es ist schwer, nur eine annähernde Vorstellung von der Fülle der leuchtenden Sternschnuppen sich zu verschaffen, da sie mit einer rasenden Schnelligkeit die verschiedensten Himmelsrichtungen durcheilen, um ebenso schnell, wie sie kamen, wieder zu verschwinden. Sie stellen ein großartiges Himmelfeuerwerk dar.
r- Kirchhain, 1. Nov. In der IjeuHgcn Stadt- verordnetcnsibung wurde zunächst mitgcteilt, daß für die in der Schweiz angekauftcn Zuchttiere 1890 M ausgegeben und für die abständig gewordenen Zucht- llere 1691 'M gelöst worden seien. Ferner wählte man die Beisitzer zu den demnächst stattfindcndcn Stadtverordnetcnwahlen und genehmigte die Tiefcr- legung der Zuleitungsrohre von den Quellen bis zum Triebwerk. Das Miewerhältnis mit der Kreis-Verwaltung bezüglich der Herberge zur Heimat wurde genehmigt. Zustimmung fand ferner der Ankauf eines Grundstückes zum Preise von 5 M pro Quadratmeter. Zum Schluß beschloß man die Entwäfferung der Bahnhofstraße mit einem Kostcnaufwande von 8300 M.
tt Lixfekb, 2. Nov. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit während des Bahnbaucs ist Herr Fußgendarm Flebbe aus Höchst a. M. vertretungsweise nach hier versetzt worden.
Hessen-Nassau und Nachbargebrete.
Arolsen, 1. Nov. Die zur diesjährigen verfassungsmäßigen Sitzung berufene Landtag der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wurde am Sonnabend von dem Königlichen Landesdirektor Präsident von Glasenapp im landständischen Sitzungssaale im Eerichtsgebäude hier eröffnet.
Cassel, 2. Nov. Mit dem Bau des neuen städtischen Elektrizitätswerkes soll im Frühjahr des kommenden Jahres begonnen werden. Im Ämter 1910/11 soll das Werk schon Strom abgeben. Es soll so angelegt werden, daß es nicht nur den Bedürfnissen der Stadt genügt, sondern auch al§' Ueberland-Zentrale sämtlichen Ortschaften de? Landkreises Caffel elektrischen Strom zu allen Zwecken zuführt.
bav Kind. Es soll mir wie eine eigene Tochter sein."
Georg fuhr betroffen auf.
„Gnädige Frau —" Sie winkte hastig ab.
„Nein, antworten Sie mir noch nicht. Lasten Sie mich erst alles sagen, was ich aus dem Herzen habe. Mein Mann ist mir, wie Sie wissen, durch einen jähen Tod entriffen worden. Er war mir alles im Leben, ich besaß neben ihm tonen Menschen mehr, der mir angehörte. Reich an Geld und Gut, bin ich doch die ärmste aller Frauen. Mein Leben ist seines köstlichen Inhaltes beraubt — es nützt niemand mehr, keinem Menschen bin ich nötig. — Als ich vom Tode ihrer Eltern hörte, ging die Kunde wie ein lerer Schall an meinem Ohr vorbei. Zu tief hatte ich mich in mein eigenes Leid ver- Saben. Erst der Besuch von Frau von Massen- ch riß mich aus dem Egoismus meines Schmerzes empor. Maffenbachs sind trostlos, daß die Hochzeit ihrer Tochter uns allen so viel Leid gebracht hat. Sie möchten helfen Schmerzen lindern. Da hörte ich denn von Ihnen und Ihrer bedrängten Lage. Frau von Mastenbach zeigte mir «in Bildchen von Ihrer kleinen Schwester und sagte mir: „Das Kind ist verwafft durch denselben Schicksalsschlag, der Ihnen den Gatten raubte. Georg Rodenfels wird nicht wisten, wohin er das Kind bringen soll. . Wir selbst sind zu alt, um solch ein junges Kind zu uns zu nehmen. Frau Professor, hier gäb es ein Lebenswe-k für Sie." — Und es kam wie eine Erleuchtung über mich. Meines Gatten letzter Wunsch war, daß ich meinem Leben einen Inhalt geben sollte, um es tragen zu können ohne ihn. Er wußte, was mir not tat. Und deshalb tite ich Sie noch einmal, geben Sie mir Ihr Schwesterchen! Mir ift, als gehörten wir zusammen, als habe uns ein trauriges Verhäng-
Eaffel, 2. Nov. Durchgebrannt ist ein in der Orleansstraße wohnender Milchhändlcr mit feinem noch in sehr jugendlichem Alter stehenden Dienstmädchen. Seine Frau und vier unmündige Kinder hat der Durchbrenner fast mittellos zurückgelaffcn.
Witzenhausen, 1. Nov. Bei dem dieser Tage stattgehabten Nutzholzverkauf in der Königlichen Oberförsterei Wenzen wurden für das astige Holz so niedrige Preise geboten, daß der Zuschlag nicht erteilt werden konnte, und auch die Preise für besseres Nutzholz waren wesentlich niedriger als im Vorjahre. Voraussichtlich fallen die Holzpreise noch mehr.
Niederaula, 2. Nov. Das Landgestüt in Dillenburg hat die bisher in Breitcnbach befindliche Deckstation vom Jahre 1910 ab hierhin verlegt.
G. Schlüchtern, 2. Nov. Am Neubau der evangel. Kirche zu Niederzell stürzte ein aus Backsteinen aus- geführtcr Bogen zusammen, der eine Giebelwand zu tragen hatte, diesem Gewicht aber nicht gewachsen war. Verletzt ist glücklicherweise niemand.
Gießen, 2. Nov. Die Leibkompagnie des Jnfan^ terie-Rgmts. Kaiser Wilhelm (2. Großherzogi. Hess.) Nr. 116 erhielt heute vom Kaiser als Anerkennung für ihr vorjähriges gutes Schießen ein Bild von dcni Berliner Maler Röchling zum Geschenk, das die Erstürmung des Ferme Champcnois am 18. Aug. 1870 darstellt. — Kommerzienrat Heichelheim schenkte der Universitäts-Bibliothek zur Egänzung einer schon früher gemachten Stiftung 4000 M zu dem Zwecke, die Handbibliothek des Lesesaales auf dem Laufenden zu erhalten.
Wiesbaden, 2. Nov. Die hiesige Privafierc Siebel und ihr Verlobter haben sich heute vormittag mit Cvankali vergiftet. Beide wurden tot aufgefunden. Ein Nervenleiden der Frau und Hindernisse, die sich der ehelichen Vereinigung entgegengestellt haben, sind die Ursachen des Doppelsclbstmordes.
Heiligciistadt, 2. Nov. Eine Vertretervcrsamm- lung. von Delegierten der etwa 500 Veteranen der Kreise Heiligenstadt, Worbis und Mühlhausen besucht, tagte hier gestern und nahm nach mehrstündiger Beratung eine Resolution an, in der cs heißt: Die Vertreter der Veteranen der Kreise Hciligenstadt, Mühlhausen und Worbis wünschen dringend, daß dem Gesetzentwurf über die Gewährung von Bei- bülfen an Kriegsteilnehmer die Genehmigung, des Bundesrats bald erteilt werde. Sie erachten es aber als eine dringende Notwendigkeit, daß in der Prüfung der Bcdürftigkeitsfrage in Zukunft die Gemeindebehörde nicht allein der maßgebende Faktor ist, sondern daß auch den Vorständen der örtlichen Krie- gcrvereinc eine mitbcschlicßende Stimme eingeräumt wird. Die erhöhten diesbezüglichen finanziellen Anforderungen an die Staatskasse würden nach Ansicht der Petenten am zweckmäßigsten durch Einführung einer Wehrsteuer befriedigt.
Unpolitische Tagesnachrichten.
Wongrowrtz, 1. Nov. Am 29. Oktober, abends 9 Uhr. verunglückte bei hellem Mondschein auf dem unbewachten Cauffeeüberganq zwischen den Stationen Murowana-Goslin und Bolechowo, der Nebenbahn Posen—Wongrowitz, bei Dor- Lberfahrt des Zuges 548 ein Motorzweirad mit Beiwagen. Das Fahrzeug wurde teilweise zertrümmert und die beiden Insassen in den Bahngraben geschleudert. Sie wurden schwer verletzt und sind mit- dem genannten Zuge nach Posen befördert worden. Der eine, Alfred Szy- balski aus Waidmannslust 48 bei Berlin, starb während der Fahrt, der andere, Kaufmann Paul
nis aneinander gebunden. Eva würde mit ein Trost sein, würde meinem Leben neuen Zweck und Inhalt geben. Und ich würde mich ernst bemühen, ihr die Mutter zu ersetzen. Sir könnten ihr Schicksal in jeder Beziehung br- ruhigt in meine Hände legen. Ich besitze ein großes Vermögen, lebe in meiner Villa Waldfrieden dicht bei Dresden und würde, da ich ohne Erben bin, auch Evas Zukunft sicher stellen. Wir könnten das alles noch besprechen, wenn Sie Ihre Reise nach Straßburg aufgeben und mich nach Dresden begleiten wollten. Daan könnten wir alles ordnen, ehe Ihr Urlaub zu Ende geht. — So — nun habe ich Ihnen alles gesagt — nun überlegen Sie — zwei Stunden bleiben Ihnen Zeit bis Dresden. Sie können in Ruhe Ihren Entschluß fasten, ich werde Sie nickt stören, aber gern aus alle Fragen, die Ihnen offen bleiben, Antwort geben."
Sie schwieg und legte sich in das Polster zurück mit freundlichen Augen in Evas ängst fiches Gesichtchen blickend.
Georg hatte mit eigenartigen Empfindungen zugehört. Voll Erregung sah er in das feingeschnittene Frauengesicht, ahnungslos, daß seines Vaters letzte Leidenschaft dieser Frau gegolten. Fast erschien es ihm als ein Wunder, daß ihm der Himmel so plötzlich diesen Ausweg zeigte. Paulas ganzes Wesen hatte ihn mit Vertrauen erfüllt. Welche verlockende Aussichten wurden ihm von ihr für seine verwaiste Schwester geboten! Wenn diese Frau, die so mutig lhr:n Schmerz bezwang und im Leben Umschau hirlt, ob sie helfen uni) nützen konnte, Eva wirklich eine Mutter sein wollte, welch ein Glück für das Kind! Mit geheimer Sorge hätte et Eva jener Verwaisten übergeben, immer vorrus- resctzt, daß fich diese zur Aufnahme erklärte. Und sollte ihm dieser klägliche Ausweg er- {pari Weihen. Eine großherzige. Heldenkende
Mutz aus Posen. Caprivistraße 14, befindet fich im Krankenhause zu Posen. Nach dem Ergebnis der Untersuchung scheint eigenes Verschulden des Führers des Motorrades rorzuliegen.
Vermischtes.
Studentenstreich. Ein Unbekannter ließ in einer Berliner Tageszeitung eine Anzeige erscheinen, in der er ankündigte, daß noch einige gute Billetts für das Caruso-Gastspiel im Königlichen Opernhause zu haben seien., Als Abholungsort war in dem Inserat die Adresse eines Professors in Charlottenburg angegeben. Natürlich strömten zahllose Personen nach der betreffenden Wohnung. Der Professor, der von garnichts wußte, war nicht wenig erstaunt, als es fortwährend an der Korridortüre klingelte und immer wieder neue Personen erschienen, um die Billetts abzuheben, die garnicht exi- stierten.
Bon dummen Streichen höherer Töchter erzählt die „Tgl. Rdsch.". Kürzlich gingen die während des Sommers in Hagenbecks Tierpark zur Schau gestellten Aethiopier in See. Dazu hatten sich etwa 20 höhere Töchter eingefunden, die sich als die intimen Freundinnen der Schwarzen gaben und in jeder Weise ihr Bedauern über deren Scheiden zum Ausdruck brachten. Daß die Schwarzen auch allerhand Geschenke zum Abschied mitbekamen, versteht sich wohl von selbst. Auch Adressen wurden ausgetauscht, und so wird wohl eine schwarz-weiße Korrespondenz nach Berliner Vorbild auch von Hamburg 'aus unternommen.
Aasjägerei in Afrika. Gegen das sinnlos« Abschießen des Wildes in unseren afrikanischen Kolonien wendet sich Oberleutnant A. Schulze- Bonn. Er wirft in der „Deutschen Kolonalztg." die Frage auf, ob die für Kamerun bestehenden Jagdgesetze zum Schutze des Großwildes ausreichen. Mit was für einer Art von Jägern man es oft zu tun hat, und zwar unter Leuten, bei denen man doch einigen weidmännischen Sinn voraussetzen sollte, dafür erzählt er folgendes Beispiel: Vor wenigen Jahren waren die schonen und nüßtzlichen Kronenkraniche in Vornu so vertraulich, daß man durch die Herden, welch« solche Vögel förmlich bildeten, hindurchreiten konnte, ohne daß sie aufflogen. Trotzdem fanden sich Aasjäger. die das Vertrauen schnöde miß. brauchten und aus nächster Nähe auf die Kra-- niche knallten: nicht einmal die als Reinlichkeitspolizei unentbehrlichen Marabus und Geier, halbe Haustiere, blieben vor ihren Büchsen verschont, ohne daß, wie ich versickern kann, wisten- sckaftliche Gründe für diese Art der „Jagd" Vorgelegen hätten. Was bei dieser Sorte von Jägern Wildschongesetze bedeuten, wenn diese nicht die allerschärfste Fassung haben, liegt auf der Hand. Zudem würde der Grundsatz „Wenn ich's nicht schieße, schießt's ein anderer" auch das letzte Bedenken bei solchen Leuten beseitigen. Also — nur die Regierung kann das Wild schützen!
Wildschongebiete, wie das vor Jahren — ich weiß nicht, ob heute noch — am unteren Sa-
Frau streckte die helfenden Hände aus nach dem Kinde und vollte ihm Mutter sein. In gu:.m, sicheren Verhältnissen sollte sein Schwesterchen weiterleben dürfen, beschützt und behütet von dieser warmherzigen, feinfühlenden Frau, die ihrem vereinsamten Leben durch ein Liebecwerk Wert und Inhalt geben wollte. — Er atmete tief, auf und sah mit offenem, ernstem Blick in ihr« erwartungsvoll ausgeschlagenen Augen.
„Gnädige Frau — Sie sehen mich faffung--- - las. ergriffen. Ich möchte Ihnen sagen, w'lche Gefühle Ihr hochherziges Anerbieten in mir erweckt. Das vermag ich jedoch nicht. Mein« Sprache ist zu arm dazu, sagte er bewegt.
Die leichte Röte, die vorhin in Paulas Wangen gestiegen, war schon wieder der traurigen Bläste gewichen.
„Soll das heißen, daß Sie mein Anerbieten dankend ablehnen? fragte sie matt.
Er hob leicht die Hand.
„Verehrte gnädige Frau, Sie wissen nicht, was dieses Anerbieten mir ist, welche Last es von meiner Seele nimmt, sonst würden Sie dies« Frage nicht an mich richten. Ich sagte Ihnen vorhin, wie wenig Aussicht ich habe, meine Schwester so unterzubringen, wie ich es wünsch«. Wenn ich nicht sofort eine Zusage gebe, so geschieht es nur aus Rücksicht für Sie. Haben Sie schon bedacht, welche Mühe und Sorge Sie fich aufbürden wollen mit einem fremden Kinde?"
„Das gerade brauche ich, Herr von Rodenfels. Eine Aufgabe, Mühe und Pflichten muß ich haben, um das Leben ertragen zu können. Wenn Sie weiter keine Bedenken haben . . .*
„Nein, gewiß nicht. Ich glaube, daß Eva bei Ihnen sehr gut aufgehoben sein würde. Es erscheint mir nur ungeheuerlich, daß ich soviel Güte von einer Fremden annehmen soll." .!
Cie sah ihn mit traurigem Lächeln an.
.(Fortsetzung solgt-t