mit dem Kreisblatt für dre Kreise Marburg und Kirchham
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Berlage."
M 259
Die „Gberhesftsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21') 2 Mk.
Marburg
Donnerstag 4. November 1909.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Berlag: Joh. Aug. Koch, Unioersttätsbuchdruckerei Jnbaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
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44. Jahrg.
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Erttes Blatt.
Um die Ehe!
Man schreibt uns:
......Einige Kundgebungen der letzten Woche M-Htch»n uns von neuem gezeigt, daß in unsirem ^MÜLutjchchkn Leben auch außerhalb der sozial- '^emMatischen Kreise Strömungen vorha'-den wir als ernstliche Gefahren für die Jn- Mpituik men der Ehe, und das will sagen: für die Grundlage unserer Gesellschaft ansehen müffen. Wenn auch in einer Versammlung des Bundes für Mutterschutz in Berlin von der Vortragenden (Frau Grete Meisel-Heß) das Konkubinat und von einer anderen Dam« (Frau Adele Schreiber) die freie Liebe gepriesen wurde, so hat das jedenfalls den Vorzug einer unzweideutigen Stellungnahme zur Ehe. Aber auch der ebenfalls in Berlin abgehaltene Verbandslag der fortgeschrittenen Frauenvereine hat Forderungen aufgestellt, die auf eine Untergrabung des Ehe- und Familienlebens hinauslaufen. Die Hauswirtschaft sei in der Auflösung begriffen, damit höre die Frau auf, Mittel zum Zweck zu sein. Ebenbürtig müffe sie künftig dem Manne gegenübertreten und deshalb zu den gleichen Bedingungen wie er zu allen Berufen zugelasfen werden, damit sie so zur wirtschaftlichen Selbstständigkeit gelangen könne. Die Pflichten der Gattin und Mutter müßten, wo sich Konflikte ergäben, hinter den höheren Interessen des Berufs- und öffentlichen Lebens zurücktreten. Und in logischer Anwendung dieses Satzes wurde auch gefordert, daß die Frau über ihr Mutterwerden selbst zu bestimmen haben müffe. Der Allgemeine deutsche Frauenverein, der gleichzeitig in Darmstadt tagte, nimmt zwar in der Theorie in den Fragen der Ehe und Familie eine positive Haltung ein. erkennt die Pflichten der Frau in diesem Punkte als die vornehmsten an, aber auch er fordert die völlige Gleichberechtigung der Frauen im Vildungswesen, im Berufs- und öffentlichen Leben.
Und doch kann kein Zweifel darüber sein, daß die Erfüllung dieser Forderungen auflösend auf das Familienleben wirken würden. Schon die Ausbildung der Frau für einen Beruf, z. B. der als Lehrerin oder gar einer akademischen, wird sie vielfach körperlich in einer Weise beeinflussen, die sie bei dem Manne erst gerade begehrenswerter erscheinen läßt, unter Umständen ihre Fähigkeit zur Erfüllung der Mutterpflichten beeinträchtigt. Vor allem aber — wir sagen damit nichts Neues, aber immer von neuem muß dieser Widerspruch den Frauenrecht- lcrinnen vorqehalten werden —, man verschlimmert das Hebe* nur, wenn man immer weitere Verufskreise der Frau zugänglich macht, und es damit dem Manne erschwert, sich eine Existenz zu gründen, die ihm eine Heirat ermöglicht. Die Folge kann nur sein, daß die Zahl der Frauen, die ledig durchs Leben gehen, weiter anschwillt. Wie groß ist heute z. B. die Zahl der Lehrerinnen, die in großen Städten auch an Knabenschulen unterrichten? Wird nicht durch eine jeb« dieser Lehrerinnenstellen sozusagen eine Familienstelle in eine ledige Stelle verwandelt? Daß dabei die Lehrersfrau vielleicht einer sozial etwas anderen Schicht entnommen wird, als die -- Lehrerin, ändert nichts an der Bedeutung der Sache für die Gesamtheit.
Nun pflegen die Frauenrechtlerinnen ihre Forderungen nach Erschließung weiterer Berufskreise für die Frau damit zu begründen, daß eine Zwangslage vorhanden sei. Es gebe aber mehr Frauen als Männer, deshalb müßten zahlreiche Frauen ledig bleiben, und für deren Fortkommen müffe eben gesorgt werden. Dieses Argument hat aber, wenn wir die große Fülle heute bereits vorhandener Frauenberufe berücksichtigen, nach den Ziffern der Statistik keine Berechtigung. Denn den 4 399 256 ledigen Frauen im Alter von 18 bis 45 Jahren standen bei der Zählung von 1900 5 227 512 ledige Männer gegenüber, und wenn wir die Verwitweten und Geschiedenen hinzunehmen, immer noch 4 714 061 Frauen gegen 5 318 836 Männer. Wir haben also auch in dem zweiten Falle noch einen Usber- schuß von 604 775 auf der männlichen Seite. Dieser Ueberschuß dürfte in Verbindung mit den Erwerbsstellen, die auch jetzt schon den Frauen im privaten oder öffentlichen Berufsleben offen stehen, mehr als hinreichen, um die Tatsache auszustreichen, daß die Männer von 18 Jahren im allgemeinen noch nicht in der Lage find, eine Frau zu ernähren. Stände also der Frauenbewegung die Förderung des Ehe- unb Familienlebens als erstes Ziel vor Augen, so müßte ihr Streben nicht dahin gehen, dem Manne durch ben Wettbewerb der Frauenarbeit die Existenz And damit die Heiratsmöglichkeil zu erschweren, ftndern vielmehr dahin, ihm auf alle Weise die Hindernisse aus dem Wege zu -räumen, die die Schwierigkeiten des heutigen Wirtschaftslebens Der Familiengründung bereite«. Davon aber
hört man in der heutigen Frauenbewegung herzlich wenig, weil sie, wie das bei den „fortgeschrittenen" Frauen ja auch unverhohlen zum Ausdruck kam, von einer weitgehenden Geringschätzung der Frauenarbeit in Haug und Familie beherrscht wird.
Daß diese Geringschätzung keine neue Erscheinung ist, sondern bei den von ihren geistigen Gaben überzeugten Frauen recht weit zurück- datiert, wissen wir u. a. aus einer Stelle in Goethes Wilhelm Meister. Durch den Mund Lotharios wendet sich Goethe dort gegen den Vorwurf, die Männer wollten alle höhere Kultur für sich behalten, man wolle die Frauen zu keinem Wiffenschaften zulaffen, man verlange, daß sie nur Tändelpuppen oder Haushälterinnen fein sollten. Hiergegen wird erklärt, daß das Negiment des Hauses die höchste Stelle sei, die eine Frau einzunehmen fähig sei. Der Mann müffe in feinem Berufsleben immer Rücksichten nehmen und könne so nie zur Harmonie mit sich selbst gelangen. Die Frau aber herrsche im Innern wirklich, sei Herrin über die Mittel zu ihren Zwecken, und was sei das höchste Glück des Menschen, als daß wir das ausführen, was wir als recht und gut ein- fchen! Wo sollen, wo können unsere nächsten Zwecke liegen als innerhalb des Hauses? Von niemandem abhängig verschafft die Frau dem Mann, den fie liebt, erst die wahre Nnabhängig- keit, die häusliche, die innere. „So kann er sein Gemüt nach großen Gegenständen wenden, und wenn das Glück gut fft, das dem Staate sein, was seiner Gattin zu Hause so wohl ansteht." Solche goldenen Worte haben bei unserer Frauenbewegung keinen rechten Kurs mehr. Es ist aber höchste Zeit, daß derjenige Teil der Frauenwelt, der durch sein Tun uni) Lasten fich zu den von Goethe ausgesprochenen Idealen bekennt, das Schweigen breche, das in der Öffentlichkeit den falschen Schein hervorruft, als handle es fich bei dem von der Frauenbewegung vertretenen Programm, das gesamte Berufsleben (und auch das politische) den Frauen zugänglich zu machen, um eine Forderung, hinter der die ganze Frauenwelt stehe. Wir dürfen auf dieser schiefen Bahn nicht weiter hinab- schreiten, denn sie führt letzten Endes zur Auflösung unseres Familienlebens, auf dem unsere sittliche, wie auch unsere rein materielle Zukunft beruht.
Politische Umschau.
Oberprästdent von Hegel und die unbedingte Satisfaktion.
Die Göttinger Burschenschaft „Germania", die dem Schwarzburgbunde angehört, ersucht verschiedene Blätter um Veröffentlichung nachstehn- der Zeilen:
„Die Liberale Korrespondenz" hat vor kurzem auf die Behauptung hingewiesen, die der frühere Bürgermeister Schücking vor dem Oberverwaltungsgerichte erhoben hat, daß der jetzige Oberpräsident der Provinz Sachsen Herr von Hegel in seiner Eigenschaft als Regierungspräsident in Allenstein jeden Referendar, der fich zur Verwaltung meldete, gefragt habe, ob er unbedingte Satisfaktion gebe. Sie knüpft daran die Frage, wie sich diese Stellungnahme mit der Zugehörigkeit des Herrn Oberpräsidenten zum Schwarzburgbunde, einem Verbände nichtschlagender Verbindungen, vereinigen laste.
Die Burschenschaft „Germania" zu Göttingen ist in der Lage, auf den aus dieser Veranlassung auch gegen sie und den Schwarzburgbund in verschiedenen Zeitungen gerichteten Angriff zu erwidern, daß ihr A. H., der jetzige Oberpräsident von Hegel, in seiner früheren Stellung als Regierungspräsident di« Forderung unbedingter Satisfaktion an die ihm unterstellten Referendare nicht erhoben hat.
Uebrigens findet sich in Nr. 528 der „Magde- kurgischen Zeitung" vom 17. Oktober eine von dem Oberpräsidenten von Hegel veranlaßte, bisher nicht genügend berücksichtigte Berichtigung, welche besagt, daß in Gumbinnen ebensowenig wie anderwärts von den Referendaren solche Erklärung gefordert ist."
Herr von Gerlach Berliner Stadtverordneter?
Herr v. Gerlach will sich zum Stadwerordneten in Berlin wählen lasten, und zwar macht er dem Freisinn dort Konkurrenz (— in Marburg ist be- kannllich der Freisinn seine Stütze!!). Die „Vos- fische Zeitung" ist natürlich damit nicht einverstanden und gräbt einiges aus, was Herrn v. G. jetzt nicht ganz angenehm ist. Herr Leuß, der frühere Antisemit und jetzige radikale Demokrat, hat nämlich in der „WM am Montag" einen schwungvollen Wahlartikel für ihn geschrieben. Dagegen wendet sich das Blatt: „Möglich, daß andere aus dem Lob und Preis des Fahnenwcchsels den Schluß ziehen, Herr Hans Leuß würde seinen Freund von Gerlach auch dann als politischen Charakter feiern, wenn er im Kreislauf der Ent
wicklung zu seiner ersten Liebe zurückkehrte und wieder der stramme Antisemit würde, der er gewesen ist. Herrn Stöckers rechter Flügeladjutant a. D. empfiehlt Herrn Stöckers linken Flügel- adjutanten a. D. Herr Leuß wie Herr v. Gerlach waren Redakteure des Stöckerschen „Bott", seine Gestnnungsgenoffen und Waffengefährten. Friedrich Naumann hat, als er noch nicht zur Freisinnigen Vereinigung gehörte, Herrn v. Gerlach nachgerühmt: „Nächst Stöcker hat niemand für die älteren Christlich-Sozialen so viel geleistet wie v. Gerlach." Wäre Herr v. Gerlach noch, was er ehedem war, er könnte auch kaum mehr für die Kandidatur des Herrn Ulrich tun, als daß er sich selbst als Kandidat bemühte, den Freisinnigen durch tunlichste Abtreibung der Stimmen aus der Stichwahl zu drängen und damit di« Aussichten des Herrn Ulrich (den konservativen Kandidaten) zu verbessern."
Wir unsererseits wünschen Herrn v. Gerlach daß er zum Berliner Stadwerordneten gewählt wird.
Deutsches Reich.
— Sachse«. Dresden. 2. Nov. Bei den heut« in Sachsen stattgehabten Stichwahlen für die Zweite Ständekammer sind nach den bis halb 9 Uhr abends vorliegenden Ergebniffen gewählt: 7 Konservativ«. 8 Nationallrberale, 3 Freisinnig«, 2 Sozialdemokraten. In Dresden wurden drei Nationalliberale und ein Freisinniger und in dem großstädtischen Wahlkreise Plauen ein Freisinniger gewählt
— Bom Reichsgericht. Leipzig, 2. Nov. Das Reichsgericht verwarf die Revision des Schriftstellers und Redakteurs Dr. Heinrich Jlgenstein, der am 23. Februar d. I. vom Landgericht II zu Berlin wegen Beleidigung des Admirals Schmidt, begangen durch zwei Artikel feiner Zeitschrift „Das Blaubuch", die et in Gemeinschaft mit dem Kapitän zur See Berger veröffentlicht«, zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden war.
— Die Karrikatur und das Ausland. Berlin, 1. Nov. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt in ihrer Blätterschau: „Der als Beilage zum „Berliner Tageblatt" auch im Auslands verbreitete „Ult" hat in seiner letzten Nummer ein« Karikatur des Königs von Spanien gebracht, di« mit Recht als anstößig empfunden werden muß. Derartig« Ausschreitungen des Karikaturenstiftes verraten einen bedauerlichen Mangel an politischem Verantwortungsgefühl.«
Ausland.
•* Oesterreich. Wien, 2. Nov. Die von den Landtagen Nieder-Oesierreich, Ober-Oesterreich und Salzburg Voralberg beschlossenen Gesetzentwürfe über den Gebrauch der Landessprache in den Landtagen, bei anatomen Behörden, ferner über den Gebrauch der Unterrichtssprache in den staatlichen Landes-, Lehrer- und Lehrerin- nen-Bildungsanstalten und an den Landesrealschulen erhielten die Sanktion des Kaisers.
** Italien. Rom, 2. Nov. Leutnant Ro- vetti, der in der vorletzten Nacht durch einen Propeller des Militärlenkballons getötet worden ist, wurde heute nachmittag beerdigt. Dem Sarge, worauf ein Kranz des Königs lag, folgten u. a. ein Adjutant des Königs, der Kriegsminister, zahlreiche Generäle und viele Offiziere, darunter mehrere fremde Militärattaches. Trotz des Regens waren etwa 50 000 Menschen zusammengeströmt. um den Trauerzug zu sehen.
** Cin Interview bei König Alfons. Paris, 2. Nov. König Alfons von Spanien empfing einen Mitarbeiter des „Journal" und erklärte ihm u. «., die in Frankreich stattgehabten Fer- rer-Kundgebungen hätten ihn sehr geschmerzt und betrübt: et spreche nicht von der Volksmenge, welche sich leicht durch ein paar Zeitungsartikel leiten laste, aber et finde es unbegreiflich, daß sich an diesen Kundgebungen Gelehrte beteiligten, welche sonst bei ihren Untersuchungen mit genauester Sorgfalt vorgingen, daß Gelehrte gegen ein Urteil Einspruch erhoben hätten, das aus Grund von Gesetzen gefällt wurde, welche fie nicht kennen, und unter einet Bürgschaft. welche immerhin einigen Wert habe, nämlich der Ehre spanischer Offiziere. Welche Vorstellungen macht man sich denn in Frankreich von Spanien? Wenn man gewisse Franzosen hört, so möchte man glauben, daß wir «in Volk von Wilden sind. Und Ihre Religionskriege? Hat das denn ein spanischer Soldat gesagt: „Tötet, tötet nur, Gott wird die Seinigen erkennen"? Ich bin ein konstitutioneller Monarch. so konstitutionell, daß ich nicht einmal die Initiative des Begnadigungsrechtes besitz«. Erblicken Sie darin keinen Ausdruck des Bedauerns, sondern nur di« Feststellung einer Tatsache. Wir haben Militärgerichte, deren Ehre
über allen Zweifel erhaben ist. Möchten doch uns jene Nationen, welche uns nur unvollkommen kennen, mit ihrer Kritik und ihren Ratschlägen verschonen. Sie haben Ihre Dreyfus« Affäre gehabt: haben wir uns in dieselbe «ingemischt? — Zum Schluß kam der König auf die Riff-Expedition zu sprechen und sagte, Frankreich und Spanien hätten ihre gemeinsame Aktion in Marokko weder vergeffen, noch würden sie die genau abgegrenzten Bedingungen und Aufgaben außer Acht lasten. Auf die Frage bezüglich des geheimen französisch-spanischen Marokko-Vertrages antwortete der König lächelnd: Wenn man von einem Vertrage sagt, daß er geheim ist. dann ist er es nicht mehr. Spanien hat sein Wort gegeben, das ist das sicherst« Unterpfand, welches Frankreich haben kann, und man würde es nicht verstehen, daß Frankreich der spanischen Regierung Absichten zuschreibt. welche mit den von ihr übernommenen Verpflichtungen unvereinbar wären.
•* Englands Finanzreform. London, 2. Nov. Unterhaus. Heute begann die dritte Lesung der Finanzbill, für die drei Tage in Aussicht genommen sind. Austen Ehamberlain beantragte die Ablehnung der Vorlage. Er «r- flärte, daß zwar manche Mängel aus dem Gesetz ausgemerzt, aber die Vorwürfe der Opposition gegen seine Hauptgrundsätze dieselben seien. Er wiederholte seine Kritik an den Grundsteuern und der Konzessionssteuer und erklärte, der Hauptnachteil des Budgets sei, daß eg abgefaßt fei mit der anerkannten Absicht, besondere Lasten aus besondere Volkskreise zu legen und darum von der Regierung geächtet und verfolgt werden sollte. Die Opposition glaube, daß es noch ander« Wege geb«, den finanziellen Grforber« nisten zu begegnen. Ehamberlain schloß «.mit den Worten: Laßt uns aus den Erfahrungen unserer Kolonien und fremder Länder lernen (ironischer Beifall bei den Liberalen), laßt den Luxus der Reichen seinen Anteil an den Steuern tragen, laßt die große Menge der Einfuhrgüter aus dem Auslande ebenso ihren Anteil, tragen. Ihr Zoll trägt zum Vorteil des Marktes bei, von dem sie profitieren. ,
** Persien. Teheran, 2. Nov. Die Räubereien im Süden Persiens nehmen zu. Die Straß« von Isfahan nach Schiras ist von mehreren hundert Räubern besetzt. Dor einigen Tagen zerstörten Räuber den englischen Telegraphen in Deschti Ardjan. Die Telegraphenverbindung mit Abuschir war vierundzwanzig Stunden unterbrochen. Der Telegraph arbeitet auch heute noch sehr schlecht. i
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß 8 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
„Oberheff. Ztg." gestattet.)
Marburg, 3. Nov. ,
)( Universität. Der Zuzug von Neuimmatrikulierten im diesmaligen Wintersemester bewegt sich ungefähr gerade so wie im vorigen Wintersemester. Die Gesamtzahl der Studierenden dürfte jedoch steigen, weil aus dem Sommersemester eine größere Zahl zurückgeblieben sind. Die Immatrikulationen gehen am 5. November zu Ende.
♦ Jägerbataillon. Beim Kurhessischen Jäger- Bataillon Nr. 11 in Marburg a. d. Lahn werden zum Herbst 1910 Zweijährig-Freiwillige angenommen. Vorbedingung ist volle Sehschärfe, durchaus träftiger Körperbau, widerstandsfähige Atmungs- Kreislaufsorgane, sowie gutgebildete Füße (nicht Plattfuß) und Größe int allgemeinen nicht unter 1,60 Meter. Handwerker, wie Schneider, Schuster, Schreiner, Maler, Buchbinder, Steindrucker, Gärtner sowie Landwirte werden bei der Anmeldung bevorzugt. Diejenigen jungen Leute, welche angenommen zu werden wünschen, wollen sich unter Vorlage eines bis zum 31. März 1910 gültigen Meldescheines an einem Mittwoch oder Sonnabend vormittag im Marburg (Kaserne) zur ärztlichen Untersuchung melden. Auswärtige Untersuchungen können nur in ganz besonders begründeten Fällen genehmigt werden. Schriftliche Anfragen vor der persönlichen Meldung bei« Truppenteil sind zu Unterlasten.
* Titelverleihung. Herrn Sanitätsrat Dr. Abse wurde der Tttel „Geheimer Medizinalrat" verliehen.
)( Verleihung. Der „Reichsanzeiger" meldet die Verleihung deS Roten Adlerordens 4. Klaffe an den emeritierten Pfarrer Heinrich Schönhals zu Marburg, seither in Neinstedt. Die Auszeichnung kommt zu spät, da der Herr vergangen« Woche gestorben ist. \
♦ Erster Bolksunterhaltungsabend. Der Besuch des am 7. November, abends 8 Uhr, tat Turnergarten stattfindenden ersten Volksunterhaltungsabends wird von dem Ev angel. Arbeit«» verein, dem Fortbildungsverein, dem Evaugel, i