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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchharn *

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Berlage."

M 257

DieGverhesstfche Zeit«,»«" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch bi- Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Dienstag. 2. November 1909.

U. Jahrg.

Die JnsertionSgeblllrr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, UnioersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Die Militärrevolte in Griechenland.

Seitdem Oberst Zorbas die Militärliga zu so großen Erfolgen führte, daß heute bcu Parla­ment nichts gegen feine-r Willen beschließt, regen sich in der griechischen Mari*« auch laut die Wünsche der jung-, Offizier». Da diese nicht schnell genug befriedigt wurden, ergriff Leutnant Typaldos die Initiative zu einem 'etwas schärferen Vorgehen, das sich auch gegen die Militärpartei richtete. Dieser neueste Putsch der allerdings inzwischen erledigt ist, hat aber die üble Begleiterscheinung daß er das Ansehen der Dynastie noch mehr schwächt, und so ist nicht abzusehen, ob das immer wieder auftau­chende Gerücht, König Georg werde bald ab- danken und das Land, dem er so viel genützt, seinem Schicksal überlasien, nicht doch bald zur Wahrheit werde.

Folgende Meldungen liegen über das Ende der Revolte vor:

Athen, 30. Okt. Die meuternden Marineoffiziere haben in der letzten Nacht die Flucht ergriffen. Sie gingen zwischen Eleusis und Magara an Land; vier von ihnen wurden gefangen genommen. Typaldos befindet sich noch auf der Flucht. Der Kommandant des Kreuzergeschwaders Miaulis hat das Arsenal rite« der besetzt; die dort befindlichen Meuterer ergaben sich und bezeugten tiefe Reue über das Geschehene. Dem zweiten Offizier des TorpedobootzerstörersAspis" ist es gelungen, den Kommandanten des Schiffes fest« zunehmen und ihn an Land zu bringen. Er fuhr so­dann nach Korinth, von wo et der Regierung tele­graphisch mitteilte, daß die Bewegung als vollkommen beendet angesehen werde.

Athen, 30. Okt. Ein Augenzeuge gibt folgende Schilderung von dem Kampf, der gestern am Ort der berühmten Seeschlacht von Salamis stattfand. Der Zeuge bestieg einen Hügel, von dem er den Stand­punkt Typaldos übersehen konnte. Auf der anderen Seite desselben Vorgebirges, wo die königstreuen Kriegsschiffe und drei Torpedobootzerstörer vor dem Arsenal kreuzten, war Artillerie und Infanterie postiert. Die ersten Söbüffe fielen um 4 Uhr; das Ge- wchrfeuer war sehr lebhaft; ein Kanonenschuß folgte Ihm. Einige Schüsse trafen die Schiffe und das Ar­senal. Der Zeuge sah, wie ein Torpedoboot von einer Granate getroffen wurde, worauf sich dichte Rauch­wolken erhoben. Die Torpedoboote zogen sich dann nach und nach zurück.

Athen, 30. Okt. Nach dem offenbaren Mißerfolg der Revolte verliehen die zwölf meuternden Offiziere unter dem Schutze der Nacht die Torpedoboote und gingen in der Nähe von Klauses in Zivilkleidung an Land. Dort verbargen sie sich im Walde von Kinclta. Starke Gendarmerieabteilungen werden zur Verfol­gung ausgesandt. Die Offiziere versuchten, den nach Larissa gehenden Eisenbahnzug anzuhalten, wurden aber dabei von Gendarmen bemerkt und entflohen. Ein Offizier und ein Fähnrich sind bereits verhafiet. Man hofft, der anderen im Laufe des Tages habhaft zu iverden. Die meuternden Schiffe, mit Ausnahme beS TorpedojägersVelos", auf dem sich Typaldos und drei andere Offiziere befinden, sollen wieder zu­rückgekehrt und vor dem Arsenal vor Anker gegangen sein. Man glaubt, derVelos" werde sich in einen ausländischen Hafen begeben und dort von den Offi­zieren dem griechischen Konsul übergeben werden, weil die Offiziere auf diese Weise der Verfolgung zu entgehen hoffen.

Athen, 30. Okt. Die Kammer hielt heute keine Sitzung ab; sie wird erst am Montag wieder zu- saminentreten.

Athen, 30. Okt. Die gesamte Presse verdammt auf das schärfste die Offiziere, die die Meuterei angestistet haben und beklagt die Beschädigungen, die der Tor-

'8 (Nachdruck verboten.)

Was Gott zirfammengefügl.

Roman von H. Tourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Nun waren die Geschwister verwaist. Georg war um Nachurlaub eingenommen, um das Nö­tigste regeln zu können. Coulrnanns Rechtsan­walt sand keinerlei Schwierigkeiten. Georg war schnell von der Berechtigung seiner Forderungen überzeugt und erklärte sich bereit, Rodenfels so­fort abzutreten. Nur machte es ihm eine große Sorge, was er mit Eva beginnen sollte. Trine kleine Rente gestattete ihm nicht, Eva in ein Pensionat zu geben, was wohl das einfachste gewesen wäre. Verwandte, die sich des Kindes hatten annehmen können, befaß er nicht mehr. Nur an eine Koufine feiner Mutter erinnerte er sich, die in Straßburg als Witwe eines Hauptmanns in kümmerlichen Verhältnisien lebte. An diese schrieb er, nachdem er sich klar geworden, daß ihm kein anderer Ausweg blieb, ob sie gegen ein bescheidenes Entgelt Eva ber sich ausnehmen wollte. Die Antwort blieb aus, und er sah ein, daß ihm nichts anderes übrig blieb, als mit Eva aufs Geratewohl nach Straßburg zu reisen. Als ahne sie ihr trübes Schicksal, so sahen Evas Augen bang und zagend in des Bruders Gesicht, als er bet ihr eintrat. Schonend legte er ihr die Verhält- nifje klar, so weit es ihrem Kinderfinn ver­ständlich war. Sie hörte ihm aufmerksam zu und versuchte, ihn zu verstehen.

Nun heißt es also Abschied nehmen von Rodenfels, Schwesterchen, wird es Dir sehr schwer werden?" , ....<

pedobootszerstörerSfendoni" erlitten hat. Die Zei­tungen fordern die exemplarische Bestrafung der Schuldigen an den höchsten Interessen des Vater­landes, das durch den Wahnsinn einiger lieber» spannter kompromittiert sei. Die ZeitungTmbras" versichert, daß gestern nachmittag die bei dem Obersten ZorbaS vereinigten Befehlshaber der Landtruppen den dem König, der Verfassung und der gesetzlichen Regierung geleisteten Treueid erneuert hätten. Pa­trouillen, welche die Offiziere, die noch nicht verhaftet sind, verfolgen, haben den Befehl erhalten, im Falle des Widerstandes von ihren Waffen gegen die Offi­ziere Gebrauch zu machen. Die feste Haltung deS Kabinetts in der Unterdrückung der Meuterei und die loyale Haltung deS Militärverbandes finden in allen Kreisen die größte Anerkennung.

Athen, 31. Okt. In der Bucht von Phaleron sind zwei weitere englische Kriegsschiffe eingetroffen, sodaß gegenwärtig vier englische und ein russisches Kriegs­schiff dort vor Anker liegen. Die Garnison Athen bezog wieder die Kasernen.

Athen, 31. Okt. Hier erhält sich das Gerücht, daß ungefähr 80 Marineoftiziere, die mit den Forderun­gen Typaldos sich einverstanden erklärt hatten, aber sich nicht mit ihm im Arsenal hatten vereinigen kön­nen oder wollen, beschlossen haben sbllen, ihre Ent­lassung zu fordern, wenn nicht gewisse höhere Offi­ziere pensioniert würden, tote schon Typaldos verlangt hatte.

Athen, 21. Okt. Von den meuternden Marine­offizieren befinden sich jetzt neun in Haft. Typaldos soll sich mit einigen anderen ins Gebirge geflüchtet haben, aber von der Gendarmerie umstellt sein. Unter den Unteroffizieren der Marine macht sich eine ge- toisse Erregung geltend, doch hofft man. sie zu be­ruhigen. Die Beschädigungen des Torpedoboots­zerstörersSfendoni" sind nicht sehr schwer. Ins­gesamt sind bei dem vorgestrigen Kampf vier Mann getötet worden; die aufständischen Besatzungen der Torpedoboote haben sich ergeben.

Politische Umschau.

Universität Dahlem.

DieBerl. Pol. Nachr." schreiben:

Aus Reminiszenzen an Geheimrat Althoff wird in einigen Blättern der Plan einer künfti­gen Verlegung der Universität Berlin nach Dahlem konstruiert und daran der Ausdruck der Befürchtung geknüpft, daß, wenn dieser Plan zur Ausführung gelangte, ein Teil der jetzt aus fiskalischen Gründen der Privatspekulatton überlassenen Dahlemer Ländereien zu übermäßi­gen Preisen zurückgekauft werden müßte. Diese Erörterungen entbehren aber in allen ihren Teilen der tatsächlichen Unterlage. An die Verlegung der Berliner Universität und der mit ihr in unmittelbarem Zusammenhangs stehen­den Institute nach Dahlem wird nicht gedacht und ist auch in Zukunft nicht zu denken. Der größte Teil der Einrichtungen der Hochschule ließe sich garnicht oder doch nur auf die Gefahr schwerer Schädigung aus Berlin verlegen: die Hochschule würde daher durch eine solche Maß­nahme sehr an Leistungsfähigkeit verlieren, nicht minder müßte ihr Besuch an Studierenden empfindlich leiden. Sprechen so die Lebens- interessen der Universität sehr nachdrücklich gegen deren Verlegung nach Dahlem, so lallen nach derselben Richtung die Rücksichten auf die Haupt- und Residenzstadt Berlin entscheidend ins Gewicht. Von einer Verlegung der Ber­liner Universität nach Dahlem kann daher weder in der Gegenwart noch in der Zukunft

Sie schüttelte tapfer den Kopf.

Nein, wenn Du nicht mehr hierherkommft, will ich auch nicht mehr hierbleiben. Es ist gar nicht mehr schön jetzt in Rodenfels. Ach, Georg, ich fürchte mich. So traurig ist das alles."

Sie barg ihr Gesicht an seiner Schulter. Er zog sie auf seine Knie.

Mußt mein tapferes, kleines Mädchen sein, Eva. Mach' mir das Herz nicht schwer."

Sie schluckte die Tränen hinunter.

Kann denn Mamsell Wollmann nicht mit uns gehen, Georg?"

Nein, mein Liebling. Die Mamsell bleibt hier in Rodenfels. Der neue Besitzer will sie in seinen Diensten bchalten und den alten Gustav auch."

Darf ich sie zuweilen besuchen?"

Das wird nicht angehen, Eva. Du weißt, ich bringe Dich zur Tante nach Straßburg. Das ist eine weite Reise. Aber ich besuche Dich dort immer, wenn ich Urlaub habe."

Sie atmete auf.

O ja, das mußt Du tun. Dann bleibt mir doch etwas, worauf ich mich freuen kann. Aber die Tante wird sie gut zu mir sein?"

Georg fiel diese Frage schwer aufs Herz. Wenn er sie sich doch selbst hätte beantworten können. Er strich zärtlich über ihr goldiges Eelock und sah liebevoll in das liebreizende Kindergeficht mit den großen, bang fragenden Augen.

Gewiß wird sie gut sein, Eva, wenn Du arttg und folgsam bist. Und das wirst Du sein, dann sind alle Leute gut mit Dir."

Sie sah nachdenklich zu ihm aus.

Weißt Du. was Mir viel schöner dünkte?

die Rede sein, wohl aber ist die Ueberweisunz einzelner Institute der Hochschule nach diesem Orte nicht nur angängig, sondern voraussichtlich auch zweckmäßig. Wenn damit vorgegangen werden wird, ist aber keinerlei Mangel an ge­eignetem Baugelände zu befürchten, denn von dem Terrain der vormaligen Königlichen Do­mäne Dahlem wird nur ein verhältnismäßig kleiner Teil an Private veräußert. Der im Staatsbesitz verbliebene Rest des Geländes geht weit über das hinaus, was gegenwärtig und für lange Zeit für Staatszwecke gebraucht wird, und enthält noch eine mehr als ausreichende Reserve für den Bedarf der etwa dorthin zu verlegenden wissenschaftlichen Institute.

Deutsches Reich.

Vvm Reichsgericht. Berlin, 30. Okt. Der Oberlandesgerichtsrat Simonson in Breslau ist zum Reichsgerichtsrate ernannt worden.

Die Landtagswahl in Baden. Karlsruhe, 30. Okt. Nach dem Ausfall der Stichwahlen setzt sich der künftige Landtag zusammen aus 26 Zentrum (28) 17 Nationalliberalen (23), 2 Konservative (3), 1 Bund der Landwirte (1). 1 Freisinniger (1), 6 Demokraten (5) und 20 Sozialdemokraten.

Sachsen. Dresden, 30. Okt. Die feierliche Eröffnung des Landtages wird am 11. Novem­ber nachmittags um 1 Uhr im Thronsaal des Königlichen Schlosses stattfinden.

Die amerikanischen Austauschprofessoren. Berlin, 30. Okt. Heute mittag hielten in der Aula der Universität die beiden derzeitigen amerikanischen Gastprofessoren in Gegenwart des Kaiserpaares, des Kultusministers, seines Vorgängers, des kaiserlichen Gefolges, des Lehr­körpers der Universität u. a. ihre Antrittsvor­lesungen. Nach der Bewillkommnungsansprach« des Rektors, Professor Erich Schmidt, sprach der Präsident der Universität Berkekey (Kalifor­nien), Professor Weehler, über die Macht der öffentlichen Meinung von Amerika und sodann Professor George F. Moore von der Havard- Uni oersität in Cambridge über die Aufgaben der Religionsgeschichte. Beide sprachen in deut­scher Sprache.

Ausland.

** Oesterreich-Ungarn. Wien, 30. Okt. Die Neue Freie Presse" meldet: Der heutige Mi­nisterrat beschloß mit allen Stimmen gegen die Stimmen der beiden tschechischen Minister, die nationalen Schutzgesetze dem Kaiser zur Sank­tion zu unterbreiten, worauf die beiden tschechi­schen Minister ihre Demission anmeldeten; sie rohen Gründe hierfür zu Protokoll. Der Mi­nisterpräsident wird morgen vom Kaiser in Audienz empfangen; es ist außer Zweifel, daß der Kaiser die Demission der beiden tschechischen Minister sofort annehmen wird. Der Posten eines tschechischen Landsmannministers bleibt vorläufig unbesetzt. Der Reichsrat wird während des ganzen Monat November nicht tagen. Von einer Eesamtdemission des Ka­binetts ist keine Rede.

Wenn Du mich mit nähmst ai.f Dein schönes, großes Schiff."

Ueber das ernste, scharfmarkierte Gesicht des jungen Mannes flog ein Lächeln.

Dummerchen was sollen wir da wohl mit solch einem kleinen Mädchen ansangen? Ich hab Dir doch erzählt, wie das Leben auf solch einem Kriegsschiff ist."

Sie nickte ganz verständig.

Feilich wohl. Ich weiß, daß Du mich nicht gebrauchen kannst. Aber schön wäre es doch."

Er nickte seufzend.

Sehr schön." Und er dachte, wie froh er sein könnte, wenn er das Kind mit sich nehmen dürfte, heraus aus all den quälenden Verhält­nissen, auf seine geliebte See mit dem klaren, freien Ausblick.

Sie umfaßte seinen Hals.

Gelt, Dir tut es auch leid, daß Du mich nicht mitnehmen kannst?"

Sehr leid, mein liebes Kleines. Aber nun komm, nun wollen wir Mamsell Wollmann bitten, daß sie Dir Deine Kleider und Spiel­sachen zusammenpackt. Morgen früh reisen wir nach Straßburg."

So bald schon?"

Ja, mein Liebling. Mein Urlaub ist bald zu Ende, und ich will Dich doch erst in Sicherheit wissen, ehe ich auf mein Schiff zurückgehe."

Sie löste sich folgsam aus seinen Armen und ging an seiner Hand aus dem Zimmer. Zu Mamsell Wollmann plauderte sie nach Kinder­art, schon halb getröstet über die Reise, die, sie mit Georg machen werde. Die kleine, rundliche Mamsell mußte tapfer die Tränen hinunter­schlucken. Sie liebte das schöne gutherzige Kind-» und hätte es am liebsten bei sich behalte«. Daß

Antijapanische Erhebungen in Rotte. Lqndon, 30. Ott.Star" meldet aus Kobe: 300 Koreaner haben die Eisenbahnstation in der Nähe von Soeul angegriffen. Ueber das Schick­sal des japanischen Bahnpersonals verlautet noch nichts.

es nicht anging, sah sie ein, aber es war der alten treuen Seele ein großes Herzeleid, daß sie in sicher aeordneten Verhältnissen zurückbleiben durfte, während das Kind ihrer verstorbenen Herrschaft einem ungewissen Schicksal entgegen gehen mußte. Mit schwerem Kummer packte sie Evas Sachen in einen großen Reisekorb, legte auch all ihr Spielzeug dazu und manche heim­liche Träne fiel mit hinein.' Eva hals ganz fröhlich dabei, nach Kinderart vom Augenblick in Anspruch genommen. Noch begriff sie nicht, welch Schicksal ihrer harrte, noch war der Bru­der bei ihr, der sür sie sorgte und dachte, noch streichelten liebevolle Hände ihr lockiges Haupt wenn es auch nur die Hände einer alten treuen Dienerin waren.---

Am anderen Morgen verließ sie an Georgs Hand ihr Elternhaus. Zum letzten Mal sprang sie in den mit blauem Tuch ausgeschlagenen Landauer, in dem sie so ost spazieren gefahren war. Dicht aneinander geschmiegt saßen die beiden Geschwister im Fond und sahen zurück. Auf der Freitreppe stand Mamsell Wollmann, in Tränen aufgelöst, und der alte Gustav stand neben ihr und mühte sich vergebens, Fassung zu behalten.

Eva weinte leise vor sich hin und, auch Ge­orgs Augen umflorten sich. Erst in diesem Augenblick ersaßte er ganz, daß er die Heimat verlor. Die Wochen seit dem Tode der Elter« waren so voll Aufregungen und Arbeit gewe­sen, daß er keine Zeit gehabt hatte, an sein eigenes Empfinden zu denken. Nun durchzuckte ihn ein scharfer Schmerz. Heimatlos aus- gestoßen. Und neben ihm das dang weinende Äinb (Fortsetzung folgt.),

Landwirtschaftlicher Kreisverein Marburg.

Marburg, 30. Okt.

Im großen Saale des Restaurants Schultz hielt Beute mittag der Landtoirtschaftliche Kreisverein Mar­burg seine erste diesjährige Winterversammlung ab, die eine zahlreiche Beteiligung auftoies. Der Vor­sitzende, jöekonomierat Dr. Hesse, eröffnete die Ver­sammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser. Dann toidmete er dem langjährigen treuen Mitglied Soldan aus Großseelheim, der durch einen jähen Unglcksfall sein Leben einbüßte, einen toarmen Nachruf, worauf sich die Anwesenden zu Ehren des Verblichenen von ihren Sitzen erhoben. Ferner teilte er mit, daß der langjährige Kassi "er des Vereins, Herr Holly am 20. September seinen 70. Geburtstag gefeiert habe. Aus diesem Anlaß sei ihm auch eine Ehrengabe seitens des Vereins gestiftet worden. Ein Gesuch des Geflügelzucht - Verein» Frankenberg, für die dortige Geflügel-Ausstellung einen Ehrenpreis zu stiften, wurde abgelehnt, da der­artige Gesuche auch bei anderen Gelegenheiten unbe­rücksichtigt geblieben sind.

Es folgte nun eine gemeinsame Beratung darüber, ob es im Interesse der Schweinezucht liege, den Erlaß eines Gesetzes zur Regelung der Verpflichtung der Eberhaltung herbeizuführen. Von Hanau ist ein dies­bezüglicher Antrag bei der Landwirtschaftskammer, in Cassel gestellt worden. Die Mehrzahl der Redner hielt es für bedenklich, derartige gesetzliche Vorschriften einzuführen und sprach man sich auch gegen diesen Antrag aus. Es wurde gewünscht, daß eine Ver­mehrung der Eberzucht-Stationen seitens der Land­wirtschaftskammer herbeigeführt riürde.

In einer früheren Versammlung war beschlossen worden, den Antrag an die Landwirtschaftskammer in Cassel zu richten, im Jahre 1910 hier in Marburg die Sommer-Generalversammlung und die Bezirks- tierschau abhalten zu dürfen. Dieser Antrag ist ab­gelehnt worden, weil im Jahre 1911 in Cassel die große Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts- gescllschaft stattfindet. Die Versammlung nahm mit Bedauern davon Kenntnis und beschloß, um zu sehen, welches Viehmaterial man in Cassel aus hiesiger Ge­gend ausstellen kann, im nächsten Jahre hier eine Lokalviehschau für Simmentaler und Vogelsberger Rasse zu veranstalten. Vorausgesetzt wird, daß die Landwirtschaftskammer eine finanzielle Beihilfe leistet. Das landwirtschaftliche Bezirksfest für Kur- heffen findet dann erst im Jahre 1914 hier statt.

Eine gemeinschaftliche Besprechung über Kalkstein­brüche und Mergellager ergab, daß im hiesigen Kreise, in Amönau und Weitersbmisen Kalk gebrochen und gebrannt wird, von vorhandenen Megellagern war den Anwesenden nichts bekannt. Die Anfrage hatte den Zweck, festzustellen, ob Kalk aus unserer Gegend als Düngemittel zu verwerten ist.

Der Vorsikende erstattete dann einen ausführ­lichen Bericht' über den Ausflug des Vereins nach Schlanstedt, an dem sich etwa 12 Mitglieder betei­ligt hätten. Die Teilnehmer hätten einen vorzüg­lichen Eindruck von dem Viehstande und der Land­wirtschaft des Herrn Strcube mit nach Hause genom­men und auch sonst wäre der Ausflug gut verlaufen.

Zum Schluß bereinigten sich die Teilnebmer an der Versammlung zu einem gemeinsamen Mahl.