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für die Monate November und Dezember euf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi- Äon (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und LandbrieftrSgcrn entgegengenommen.

Griechenland.

Die Lage in Griechenland ist noch immer eine verwirrte, aber schon mehren sich die Stimmen, welche gegen die Offizierliga Front machen. Die GrK-bische Armee gleicht einem wildaufgewachse­nen Kinde, und die nötigste Reform derselben mühte an dem Haupt, d. i. an dem Geiste des Offizierkorps vollzogen werden. An der glühen­den Vaterlandsliebe der Offiziere zweifelt nie­mand, wohl aber an ihrer Einsicht und an ihrer Erkenntnis der ersten Aufgaben eines Offizier­korps. Ein Offizierkorps darf nicht Politik trei­ben, es soll die Soldaten Zucht und Ordnung kehren und sich selbst vervollkommnen. Der oberste Kriegsherr und sein Stellvertreter muffen es verstehen, Begeisterung für den Sol­datenstand zu erwecken; das geschieht am besten durch Eefechtsbilder, die der Wirklichkeit mög­lichst entsprechen und die Phantasie anregen, durch glänzende militärische Schaustellungen und durch die belehrenden Mitteilungen aus der Kriegsgeschichte. Politische Reden der Vorge­setzten find meist überflüssig, aber nötig ist es, baff das persönliche Auftreten der Vorgesetzten ein leuchtendes Beispiel für den jungen Solda­ten abgibt. Erst in zweiter Linie kommen die Fragen der Organisation und der Bewaffnung. Der Griechischen Armee fehlen noch die so wich­tigen Maschinengewehre, für die das dortig« Kriegstheater wie geschaffen ist; bei ihrer Ein­führung würde freilich zu berücksichtigen sein, daff die Offiziere und Unteroffiziere dieser Waffe eine vorzügliche Ausbildung besitzen müssen, da i sonst die Gefahr besteht, daff Munitionsver­schwendung einreiffen wird.

Ein vortrefflicher Entschluß des Kronprinzen Konstantin ist es, seinen Sohn Georg der Er­ziehung des 1. preuff. Earderegiments anzuver- trauen. Möge das Hohenzollernblut, das beste Soldatenblut der Welt, dereinst seine regene­rierende Kraft im alten Hellas erweisen, wo schwere Aufgaben des jungen Prinzen harren.

Boysen, Oberst z. D.

Forderungen des Oberlebrerstandes.

Die Delegiertenkonferenz der Philologenver­eine hat in folgendendringlichen Beschlüssen"

* 7 (Nachdruck verboten.)

Mas Gott zirfammengefügt.

Roman von H. Courths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Die blasse Frau reichte dem Fiebernden einen Löffel Medizin.

Laff das doch jetzt warte, bis Du gesund bist."

Gesund ich werde nicht wieder gesund will es auch gar nicht. Wenn ich die Droro- . ning hätte dann wäre es schon aus."

Schweig doch, ich bitte Dich."

Rein, laff mich reden, ehe mir der Kopf wieder so ganz wirr ist. llllrike wie ost habe ich Dich gekränkt. Und die Vorwürfe in Deinen Augen ich wollte sie nicht sehen. Jetzt tut es mir leid zu spät verzeihe mir."

Das starre Gesicht Ullrikens war wie in Schmerz verzogen. Die Augen brannten, wie verglimmende Kohlen und sahen über den Kranken fort ins Leere.

Ich habe Dir vergeben alles. Die Fessel drückte Dich, Du hast sie zerbrochen."

Zerbrochen ja alles hab' ich zerbro­chen Dich und andere. Mein heißes Blut ich bin schuld an vielem Leid. Was ich Dir getan nie habe ich darüber nachgedacht aber jetzt Ullrike Du hast mich geliebt als Du meine Frau wurdest ich habe es Dir schlecht gedankt."

Die Frau fuhr auf und drückte sich die Hände n die Ohren. Ihr Gesicht war wie verstört.

Schweig schweig," schrie sie auf, sodaff er tzusammenzucktr und sie anstarrte. In ihren Äugen las er, welch Martyrium diese Frau an seiner Seite getragen. Er krampfte die Hände in die Decke, die über seinen Körper gebreitet

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Zweites Blatt

Durch die Vereidigung würde ihre Beamten- eigenschast zweifellos feststehen.

6. Endlich wird gewünscht, daß die über 4 Fahre hinausgehende Wartezeit bei allen vor

1. April 1908 angestellten Oberlehrern auf das Vesoldungsdienstalter voll angerechnet wird, wie sie nach § 8 des Richterbesoldungsgesetzes allen bei dessen Inkrafttreten bereits angestell­ten Richtern tatsächlich angerechnet worden ist.

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wärtigen Augenblick in irgend welche Opposition zur Sozialdemokratie gerate und schreibt daher;

Diese Zuschrift die, wie man sieht, er­freulicherweise nur eine rein per. sönliche Stellungnahme enthält, muff schon wegen ihrer Terminologie befremden. Wa, sindnationale Kandidaten"? Herr Günther faßt, wie es scheint, alle Gegner der Soziallernw kratie unter diesem Namen zusammen. Es ist uns aber unklar, welche Ursache bi« bürgerliche Linke hat, einem reaktiv- träten Konservativen mehr natio­nale Gesinnung zu attestieren als einem S o - ztaldemokraten. Dies Operieren mit dem Begriffnational" sollte man anderen Leuten überlass« n. Auch abgesehen hiervon sind wir nach wie vor der Ansicht, das es nicht Aufgabe der sächsischen Freisinniger sein darf bei den bevorstehenden Stichwahlen weitere Niederlagen der Konservativen zu ver. hindern."

Niedriger hängen genügt, um dem verderb lichen Einfluß des Frankfurter Weltblattes rot» der einmal zu demonstrieren!

DieGberhelkschr Zeit«««" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis betragt viertel­jährlich durch die Volt bezogen 2,25 Btt. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

an ihm. Wenn er heimkam, waren Festtage für sie, die sie mit innigem Jubel begrüffte, mit denen sie rechnete, nach den-n sie ihre klein« Welt einteilte.

Der laute, übermütige Vater, die streng«, stille Mutter, sie füllten das kleine Herz nur mit unverstandenem Unbehagen. Der groffe Bruder aber war ihr alles, ihn liebte sie mit einer Inbrunst, die sonst so junge Kinder kaum empfinden.

Und noch ein warmes Plätzchen besaß das kleine Mädchen, wo sie zuweilen ein gutes Wort, einen heimlichen Leckerbissen, eine Lieb­kosung fand. Das war das Stübchen der Mam­sell Wollmann, die schon seit langen Jahren in Rodenfels das Szepter über die Dienstboten schwang.

In Mamsells Stübchen war es heimisch und traulich, wie sonst nirgends in Schloff Rodenfels. Da schmorten int Winter köstliche Bratäpfel in der Ofenröhre, und im Sommer stand der ganze, breite Fenstersims voll blühender Geranien. Wenn dann die Mamsell mit einer Näherei am Fenster saff und die toten Blüten um ihre roeiffe Haube nickten, bann saff klein Evcheu auf. bem Fenstertritt zu ihren Füffen, guckte anbächtig in bie runden Brillengläser des alten Fräuleins uitb lieh sich herrliche Märchen erzählen von Rittern und Edeldamen. Das kleine Mam- sellenstübchen war Evas poesieumsponnener Lieblingsplatz, wenn Georg nicht zu Hause war. Hier fand Georg auch das Schwesterchen, als er heimkam, den kranken Vater zu sehen und statt dessen beide Eltern in höchster Lebensge­fahr sand. Hierher brachte er auch das Kind, als der Tod seine doppelte Beute gefordert hatte und allerlei Verpflichtungen ihn hinderten, sich selbst mit dem Kinde zu befassen.

(Fortsetzung folgt.) -

Marburg und Umgegend.

(Nackdrack oller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhefl. Ztg.' gestattet.)

Marbura. 30. Okt.

* De, Monat November.Trübe wird'?, die Wolken jagen," sagt der Dichter. Und wo der November bildlich dargestellt roirb, ver­gißt man wohl auch bie fallenden Blätter und Nebelschleier nicht, bie biesem Monat bas ihm eigentümliche Gepräae geben. Der November ist der Monat ber Melancholie. Denn wie kein Monat im Jahr erinnert et an bas Vergehen alles Jrbischen: keiner wie er führt so zwingend zur ernsten, stillen Einkebr unb zum Gebanken an ben Tob! Fast selbstverstänblich erscheint'« uns daher, baff er Allerseelen, Bufftag und Totensonntag in sich schließt. Der NameNo­vember" hat seine Bebeutung in bem lateini­schen Worte novem, bas heißtneun". Denn bekanntlich begann einstmals bei ben Römern das Jahr nicht mit bem ersten Januar, sonbern mit dem ersten März.

nissen zu Hause frühzeitig ein stiller, ernster Mensch wurde, war natürlich. Er litt unter dem Zerwürfnis der Eltern, und seiner im Grunde liebevollen Natur war es schwer genug gefallen, sich in sich selbst zurückzuziehen. Der charakterlose, leichtsinnige und genußsüchtige Va­ter vermocht« es nicht, dem Sohne etwas zu sein. Und bie vergrämte, verbitterte Mutter, in deren Händen seine Erziehung lag, suchte seinen Charakter dadurch zu stählen, daß sie ihn hart und kalt anfaßte und weiche Regungen zu ersticken suchte aus Angst, der Leichtsinn des Vaters möchte sich auf ihn vererben. So darbte der warmherzige junge Mensch zwischen ben beiben Eltern unb war froh, als er ben See­mannsberuf ergreifen burfte. Viel lieber wäre er Landwirt geworden und hätte sich mit seiner jungen Kraft gegen den Untergang des väter­lichen Besitzes gestemmt. Aber die Mutter nahm ihm alle Illusionen in dieser Beziehung und rechnete ihm klar und scharf vor, daß er nichts vermochte, wo sie vergeblich alles versucht hatte. Da ging er lieber fort von zu Hause, baff er nichts mehr sah von all ben trostlosen Zustän­den. So war er früh zum Manne gereift, ber mit ernsten Augen ins Leben sah.

Daff hinter seinem zurückhaltenben stillen Wesen ein reicher Liebesschatz verborgen war, das muffte nur sein kleines Schwesterchen. Eva gegi nüber gab er sich anders als sonst. Zärtlich unb liebevoll nahm er sich des Kindes an, wenn er auf Urlaub kam. Dann waren die im Alter so verschiedenen Geschwister unzertrennlich. War bie Mutter auch biesem zarten Kinbe gegenüber weniger schroff als sonst, so blieb doch in ihrem Wesen genug Bitterkeit unb Strenge auch im Verkehr mit Eva. Das Kinb fühlte instinktiv in dem Stuber den zärtlichen, verständnisvollen Freund und sie hing mit übet)chwenglicher Liebe

war. Erneute Schmerzen verwischten ihm das Bewußtsein. Fieberphantasien drängten sich über seine Lippen, die heiß unb trocken waren. Ullrike blickte mit umflorten matten Augen in sein Gesicht. Auch in ihrem Innern wühlte be­reits bie Krankheit, bie außer Harbenberg unb ihrem Manne noch zwölf Personen erfaßt hatte. Als bie vom Arzt beorberte Diakonissin eintraf, hatte sie zwei Kranke zu pflegen. Am anberen Tage traf Georg von Robenfels ein. Er fand beide Eltern schwer krank unb sein kleines Schwesterchen verweint unb verschüchtert im Zimmer der Mamsell Wollmann, bie sich voll Mitleib ber kleinen Eva angenommen hatte. Schwere Tage brachen über den jungen Mann herein. Die Eltern starben kurz hintereinander in wenig Tagen und vom Rechtsanwalt bekam er die Nachricht, daß Robenfels ihm verlo­ren war. Dies traf ihn nicht unvorbereitet.

Georg von Rodenfels war Marineoffizier. Schon seit Jahren kam er nur auf kurze Ur­laubswochen auf das väterlich« Gut. Er wußte, baff Robenfels tief verschulbet war unb von feinem Vater nur durch bie gewagtesten Mittel gehalten werben konnte. Die Mutter hatte ihm die Augen frühzeitig genug geöffnet, um ihn an den Gedanken zu gewöhnen, baff ihm eines Tages bie Heimat genommen werden könnte.

Der junge Mann fühlte sich nicht wohl da­heim, denn er war innerlich dem Vater ent­fremdet. Er fühlte sich nicht berechtigt, sich zu besten Richter aufzuwerfen, aber Liebe und Hochachtung vermochte er ihm ebensowenig ent­gegenzubringen. Michael Robenfels hatte auch nie versucht, seinem Sohne väterlich näher zu treten. Er schalt ihn einen Sauertopf unb Kopfhänger unb brachte ihm wenig Liebe ent­gegen. Georg war toeber das eine noch das andere. Daß er in den unerquicklichen Verhält-

Marburg

Sonntaz. 31. Oktober 1909.

mit -em Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastUche Benage

ihre Wünsche an die Staatsregierung for­muliert:

1. Der Vorsitzende der D.-K. wird beauftragt, unverzüglich bei der Königlichen Staatsregie­rung Schritte zu tun, um die Beamtenstellung der Direktoren unb Oberlehrer an ben nicht- staatlichen höheren Lehranstalten gesetzlich fest­zulegen unb biese für bie jetzt in Kraft getre­tene Besolbungsorbnung, sowie für bie Zukunft in keiner Beziehung schlechter als bie Direktoren i< nb Oberlehrer an Staatsanstalten zu stellen. Während nämlich in den Dienstvorschriften usw. der einzelnen Provinzen die Oberlehrer an städtischen usw. Anstalten mehrfach aus­drücklich als Staatsbeamte bezeichnet werden, der Diensteid ist auch der gleiche wie der­jenige der Oberlehrer an staatlichen Anstalten, erkennen bie Stäbte diese Eigenschaft vielfach nicht an unb haben deshalb zum groffen Teile die staatlichen Gehaltssätze unb sonstigen Be­stimmungen (über Umzugsentschädigung usw.) nicht eingeführt; das gilt sogar von solchen Städten, die für ihre höhere Lehranstalt einen staatlichen, oft recht beträchtlichen Zuschuff er­halten.

2. Es roirb ferner eine selbständige Gestal­tung ber Provinzialschulkollegien unb eine Ver­mehrung der Zahl der Provinzialschulräte ge­wünscht. die Räte 3. Kl. werben sollen. Die Präsibenten der Provinzialschulkollegien sollen aus den Provinzialschulräten berufen werben, unter Verleihung bes Ranges bet Räte 2. Kl. Die Leitung bet Geschäfte ist im Hauptamte zu führen. Bisher steht an ber Spitze der Ptovin- zialschulkollegien in den meisten Provinzen ein Vertreter des Oberptäsibenten; einige Provin­zen (z. V. Ostpreuffen) machen indes eine Aus­nahme und haben schon heute an ber Spitze ber Provinzialschulkollegien einen Fachmann.

3. Der dritte Wunsch betrifft die Herab­setzung ber PflichtstunbeiHahl der Direktoren von 14 auf 12.

4. Für bie wöchentliche Höchststundenzahl der Oberlehrer ist die für die Professorenernennung geltende Anciennität (also nicht die Dienstzeit als Oberlehrer) als moffgebenb zu betrachten.

5. Für die Seminarkandidaten unb Probe- fabibaten werben die Titel Studien- (oder Schul-) Referendar bezw. Afiesiot gewünscht. Es roirb ferner geforbert,, baff bie Kanbidaten bes höheren Lehramts ihr Seminarjahr nicht nur am 1. April unb 1. Oktober antreten kön­nen, sondern auch an anderen Terminen, die dem Tage der Staatsprüfung möglichst nahe- liegen, wie das entsprechend bei jungen Juri­sten ja stets Brauch gewesen ist. Die Kandida­ten sollen, wie die Referendare, bei Beginn ber Dienstzeit »ereibigt werben, eine Forberung, auf die besonderes Gewicht gelegt roirb, ba bie Kandidaten schon heute amtliche Handlungen vornehmen können (sie können ein Ordinariat verwalten, Zeugnisse unterschreiben, ben Kom­missionen für die Einjährigen- unb Abiturien­tenprüfung angehören, sie können auch in Dis- ziplinaruntersuchung genommen ober wegen Vergehens im Amte zur Rechenschaft gezogen werben), ohne baff ihnen bie Vorzüge ober ber Schutz ber Beamten gesetzlich zugesichert sind.

Ausland.

* Die Wahrmunbasfär«. Prag, 28. Okt. Die Angelegenheit bes Professors des Kirchen­rechts Wahrmund ist nach immer nicht erledigt. Heute genehmigte das Profestorenkollegium ber juristischen Fakultät einstimmig einen von der in bieser Angelegenheit eingesetzten Kom­mission erstatteten Bericht, in bem ber gegen Wahrmunb erhobene Vorwurf, baff er bei seiner Berufung nach Prag sich vom llnterrichtsinini- sterium bie Beschränkung ber Lehrfreiheit ins­geheim habe auferlegen lasten, aufrecht erhalten wirb. Wahrmund erklärte, er werde Berufung einlegen und beantragen, die Disziplinarunter- suchung gegen sich und den Dekan der juristischen Fakultät, Professor Pfersche, den er gehässige, Stellungnahme beschuldige, einzuleiten.

Die Iniertionsgebübr beträgt für die 7gespalten- Zeile I ober deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen M Pfennig. I Druck und Verlag: Job. Aug. UnwersttatSbuchdruckerei I * O M ü Inhaber Dr. T. S'tzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Politische Umschau.

Bon der Ansiedlungs-Kommission.

Die Ansiedlungskommission hat bas fast 2000 Morgen große Gut Löwin im Kreise Schwetz angetauft. Es beträgt bet Eesamiankauf in diesem Kreise über 60 000 Morgen, die bis auf zwei verpachtete unb zwei noch unvergebene im Großbetrieb befindliche Güter sämtlich be­siedelt sind. Der Kreis Schwetz hat bis letzt 19 neue Ansiedlungsbörfer.

Die großen Fortschritte, die die Arbeit der Kommission bringt, wurden letzthin wieder ein­mal recht augenfällig bei ber Einweihung einer neuen evangelischen Kirche im Kreise Mogilno, in Schetzingen (früher Wszebzin). Nachbem in ber Ansieblungsschule, in bet bisher bie Gottes­dienste abgehalten würben, eine Andacht stattge­funden hatte, ging es in langem Zuge zum Eutspark des früheren Rittergutes, aus besten schönen alten wen ber geschmackvolle Neu­bau hervorragt. Den Geistlichen, Vertretern ber Behörden unb Gutsbesitzern folgte ein« Schar von wohl 600 Personen aus ben Ansieb- lunoen Schetzingen unb Trockau, bie zum Kirch­spiel gehören, unb aus ben benachbarten An­siedlungen. sodaß die neue geräumige Kirche die Zabl der Besucher kaum faßte. Sind doch im Kreise Mogilno jetzt mehr als 1000 Ansiedler­familien in ca. 30 Landgemeinden von der Ansieblungskommisfion anaesetzt, bie vielfach burch verwandtschaftliche Beziehungen verbun­den, zum größten Teile den Kreisen der galizi­schen und russischen Rückwanderer entstammen und sich durch kirchliche Gesinnung besonders auszeichnen.

Niedriger hängen!

Die freisinnige Partei Sachsens hat k e i ne Stichwahlparole gegen die Sozialdemokratie ausgegeben. Dagegen hat aber der Führer dieser Partei, Abg. Günther, in anerkennens­werter Weise folgende Mahnung imLeipz. Tgbl." veröffentlicht:

Im Hinblick auf die vor einigen Jahren ge- faßten Beschlüste bes Landesvereins der Frei­sinnigen Volkspartei, daß vor der Hauptwahl bei Reichs- und Landtagswahlen Abmachungen über Stichwahlen zu unterlasten seien und die Wahlkreise zu den Stichwahlen selbst zu ent­scheiden haben, empfiehlt der Unterzeichnete den Parteifteunden, ohne selbständigen Entschließun­gen der Wahlkreise vorgreifen zu wollen, in der Stichwahl für bie nationalen Kanbibaten ein­zutreten."

Dies ist aber ber Frankfurter Ztg. stark auf die Nerven gefallen. Sie wehrt sich mit Händen unb Füßen bagegen, daß ber Freisinn im gegen­