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44. Jahrg.

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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Berlage.

Marburg

Sonnabend, 30. Oktober 1909.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätsbuchdruckerei Jnbaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

DieGdrrchesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der "Wq 9^0 Sonn» und Feiertage. Der Bez u g spreis beträgt viertel- jährlich durch die Bost bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 84. ----------- ----------

Worte und Wirklichkeit.

Bekanntlich müht sich die Bank und ihre Presse Tag für Tag ab, ihren Gläubigen die Üeberzeugung beizubringen, daß die Wirt­schaftspolitik der Reichstagsmehrheit auf einsei­tiger Begünstigung der landwirtschaftlichen In­teressen hinauslaufe und zu diesem Zwecke dem Handel und dem Gewerbe alle nur irgendwie erdenklichen Lasten aufbürde. Im einzelnen ist dieser Vorwurf schon oft widerlegt worden, da­her mag er auch einmal zusammenfaffend an der Hand unserer wirtschaftlichen Entwickelung auf seinen wahren Wert zurückgeführt werden.

-Die jetzt noch bestehende Wirtschafts- und Zollpolitik wurde am 12. Juli 1879 durch An­nahme eines mäßigen Schutzzolltarifes inaugu­riert. Die vorhergegangene, etwa 15jährige Periode fast unbedingten Freihandels hatte in Deutschland trotz seiner politischen Wiederge­burt fast alle Gewerbe ruiniert und trieb jähr­lich über hunderttausende Deutsche über den Ozean. Das hinderte diejenigen Parteien, die sich jetzt im Hansabund zusammengefunden haben, in keiner Weise, sich dieser Wirtschafts­reform nach Kräften entgegenzustemmen.

Die Wirkungen der Reform während der ersten 15 Jahre kommen in folgenden Zahlen zum Ausdruck:

1. Die Zahl der Auswanderer ging von ihrem Höchstsätze, 2f)3 500 im Jahre 1882 (als also die neuen Zölle noch keinerlei Wirkung ausgeübt haben konnten) auf 37 500 im Jahre 1895 zurück.

2. Die Eesamtbevölkerung des Reiches stieg von 5 234 000 im Jahre 1880 auf 52 280 000 im Jahre 1895.

3. Die Bevölkerung der Groß- und Mittel­städte stieg in diesem Zeitraum von 7 300 000 auf etwa 14 000 000. Hingegen fiel die Land­bevölkerung von 26iz. auf 26 Millionen.

4. Rach der Berufsstatistik von 1882 betrug in Deutschland die Anzahl der Verufszugehöri- gen: a) Landwirtschaft 19 225 000, b) Industrie 16 058 000, c) Handel 4 531000. Hingegen waren 1895 die entsprechenden Zahlen die folgenden: a) 18 501000, b) 20 253 000, c) 5 967 000. Mit­hin hatte verloren die Landwirtschaft 724 000 Berufszugehörige, während die Industrie aber 4195 000 und der Handel 1436 000 Berufszu­gehörige gewannen.

5. Die Ausfuhr Deutschlands stieg von 1879 bis 1895 von 2927 Millionen Mark auf 3920 Millionen Mark, stieg also jährlich um Ito Mill. Mark, während in dem gleichen Zeitraum die englische um 290 Millionen fiel (von 4910 Mill, auf 4620 Millionen).

Ganz unzweifelhaft bedeutete diese Entwick­lung eine gewaltige Hebung der Gewerbe und einen Rückgang der Landwirtschaft. Wie ge­sagt, war diese Politik beschlossen und getragen von denjenigen Parteien, die heute im Gegen­satz zu den Banken stehen. Das hinderte die letztere nun aber in keiner Weise, bei Beratung der sogenannten Caprivischen Handelsverträge

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(Nachdruck verboten.)

Mas Golt ;«fammettgef«gt.

Roman von H. Lourths-Mahler.

(Fortsetzung.)

Rodenfels stierte mit glanzlosen Augen vor sich hin. Wohl hatte er gefürchtet, daß er sich nicht würde halten können auf dem ererbten Besitz. Daß aber der Zusammenbruch so plötz­lich und in so demütigender Weis« kommen würde, hatte er nicht vorausgesehen. Kalter Schweiß bedeckte seine Stirn. Er sah in Coul- manns erbarmungsloses Gesicht.Sie halten mich für schlechter, als ich bin. Ich habe Helene angeboten, für sie sorgen zu wollen, aber sie war all meinen Vorstellungen gegenüber unzugäng­lich," stammelte er in dem unklaren Bestreben, Coulmann milder zu stimmen.

Ich weiß," erwiderte dieser zornig,Sie waren schamlos genug, ihr Geld anzubieten. Aber meine Schwester war wohl schwach gewesen aus Liebe zu Ihnen, jedoch nicht niebrig genug in ihrer Denkungsweise. Von dem Moment an, da sie erfuhr, daß Sie bereits der Gatte einer anderen waren, erstarb ihre Liebe in Verach­tung und Verzweiflung. Und daß Sie Ihr Verhalten mit Geld gutzumachen glaubten, er­füllte sie mit Abscheu. Aber lassen wir das jetzt. Lch habe Ihnen nun erklärt, daß ich dazu ge­kommen bin. in aller Still» di« Forderungen all Ihrer Gläubiger an mich zu bringen. Sie haben letzt mit nackten Tatsachen zu rechnen. Entwe­der bezahlen Sie mich oder ich gehe in der schärf­ten Form gegen Sie vor."

fahles Lächeln verzerrte Michaels

wiederum die Herabsetzung der der Landwirt­schaft um die Mitte der achtziger Jahre zuge­standenen Schutzzölle durchzusetzen und dadurch die Landwirtschaft selbst an den Rand des Ver­derbens zu bringen. Aber auch das wurde für die Rechtsparteien keine Veranlassung, ihre Gewerbefreundlichkeit irgendwie einzuschränken, und unter ihrer tätigsten Mitwirkung kam dann 1902 ein neuer Zolltarif zustande, der nun zwar auch für die Landwirtschaft erträgliche Daseins- bÄingungen, der Industrie und dem Handel einen weiteren, geradezu ungeheuren Auf­schwung brachte, der sich ziffernmäßig folgender­maßen stellt:

1. Die Zahl der Auswanderer ging von 1895 bis 1908 von etwa 38 000 auf 19 000 zurück.

2. Zu dieser geringen Auswanderung kam dann noch eine erhebliche Einwanderung hinzu, so daß Deutschland von 1895 big 1905 einen Wanderungsgewinn von etwa 150 000 Per­sonen erzielte, ein Vorgang, der seit der Ent­deckung Amerikas jetzt zum erstenmal eintrat.

3. Die Eesamtbevölkerung des Reiches stieg von 52 280 000 im Jahre 1895 auf etwa 63 000 000 Mitte 1909. Aber diese Zunahme ging auch nicht annähernd gleichmäßig vor sich. Profeffor Max Weber schildert den Vorgang treffend folgendermaßen:Wie der Osten vor­nehmlich das Menschenmaterial zur militäri­schen Größe der Ration stellte, so liefert er jetzt der Industrie des Westens die Arbeitskräfte zur Begründung der wirtschaftlichen Machtstellung Deutschlands; ihm wird durch die glänzende Entwicklung der deutschen Industrie und der Großstädte sein Lebensblut, der Nachwuchs an Arbeitskräften, aus den Adern gesogen." (Die Verhältnisse der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland, S. 803.)

4. Die Bevölkerung der Groß- und Mittel­städte stieg von etwa 14 Millionen im Jahre 1895 aus 21 Millionen 1909.

5. Rach der Eewerbezählung von 1897 betrug die Anzahl der Berufszugehörigen: a) Land­wirtschaft 17 681 000, b) Industrie 26 387 000, c) Handel 8 278 000. Mithin war die Land­wirtschaft wieder um 820 000 Berufszugehörige gefallen, die Industrie hingegen um 6134 000 und der Handel um 2 311000 gestiegen.

6. Die deutsche Ausfuhr stieg von 3920 Millionen Mark in 1895 auf 6845 Millionen in 1907.

7. Deutschland ist an die Spitze aller Ee- werbestaaten der Welt gerückt, denn die Ee­werbezählung von 1907 ergab für Deutschland 11 256 000 Erwerbstätige in der Industrie; die englische von 1901 hingegen nur 10 187 000; seitdem aber kann es bei seiner gänzlich zu­grunde gerichteten Landwirtschaft und 'seiner schwachen Bevölkerungszunahme unmöglich mehr wie höchstens einige Hunderttausende neu ein­gestellt haben.

Das sind die Früchte einer Politik, die seit dreißig Jahren im heftigen Kampfe mit der konsequnent durchgefochten wurden. Es gehört angesichts dieser Tatsachen eine eiserne Stirn dazu, diese Politik als gewerbe- und handels­feindlich hinzustellen. Aber es wird sogar wei­ter behauptet, diese Politik, die für Handel und Industrie einen für unmöglich gehaltenen Auf­schwung gebracht hat, sei nicht nur rein agra-

, ,,Da Sie so genau über meine Verhältnisie orientiert find, muffen Sie auch wiffen, daß ich nicht zahlen kann."

Allerdings. Und somit ist meine Ang-p legenheit hier zu Ende geführt. Was Ihnen bevorsteht, wiffen Sie nun."

Michael Rodenfels erhob sich schwerfällig.

Lasten Sie mir wenigstens einige Monat« Frist. Ich bitte nicht für mich, sondern für meine Familie," sagte er heiser.

Coulmann hatte sich schon zum Gehen gewen­det. Er kehrte sich noch einmal um.Was geht mich Ihre Familie an? Im übrigen weiß ich, daß Ihr« unverheiratete Schwester Ihrem Sohne eine unantastbare Rente von dreitausend Mark jährlich vermacht hat. Die kluge Dame, die ihren Bruder wohl sehr genau kannte, hat mit diesem Vermächtnis wahrscheinlich Ihrer Familie das Schlimmste ersparen wollen. Sie sehen, ich bin auch davon unterrichtet."

Rodenfels wischte sich über die Stirn.

Diese dreitausend Mark braucht mein Sohn als Zulage für sich selbst."

Coulmann lächelte höhnisch.

Da er der Sohn seines Vaters ist, wird er sie wohl für sich verbrauchen und die Rot seiner Familie wird ihm gleichgüMg sein. Da müsten Sie sich freilich selbst um Brot für Ihre Familie bemühen. Vielleicht lernen Sie dadurch erken­nen, wie fest solche Familienbande sind. Bis jetzt haben Sie das noch nie gewußt. Von mir erwarten Sie nicht das geringste Entgegenkom­men. Ich habe über zwanzig Jahre auf diesen Tag der Heimzahlung gewartet. Und wenn Sie wie ein Bettler am Zaun verenden, dann haben Sie es an meiner unglücklichen Schwester ver­dient."

risch, sondern auch einseittg groß-agrarisch zum Schaden des mittleren und kleineren Besitzes. Auch das läßt sich auf statistischer Grundlage exakt widerlegen. Denn die mit den Gewerbe» zählungen verbundenen landwirtschaftlichen Be­triebszählungen von 1895 bis 1907 stellten ein Wachsen der kleinen uni> eine Abnahme der großen landwirtschaftlichen Betriebe fest. Die einschlägigen Zahlen für Preußen, in dem doch der weitaus überwiegende Teil des Groß­grundbesitzes ansässig ist, sind folgende:

1. Kleinbäuerliche Betriebe, 2 bis 5 Hektar. 1895 zusammen 2131134 Hektar, 1907 2 226106 Hektar. Zunahme 6,33 v. H. 2. Mittelbäuerliche Betriebe, 5 bis 10 Hektar. 1895 zusammen 6 667 483 Hektar; 1897 7 738 862 Hektar. Zunahme = 16,07 v. H 3. Großbäuerliche Betriebe, 20 bis 100 Hektar. 1895 zusammen 9 014 494 Hektar; 1907 8 822 953 Hektar. Abnahme 2,13 v. H. 4. Groß­betriebe über 100 Hektar. 1895 zusammen 9 331000 Hektar; 1907 = 8 291936 Hektar. Ab­nahme 11,14 v. H. Speziell bei dem Großbetriebe betrug bi« Anzahl der Betriebe 1895 20 390 Betriebe, so daß auf den einzelnen Betrieb eine Durchschnittsgröße von 457 Hektar kam. 1907 war die Anzahl der Betriebe auf 19117 zurückgegangen, also um 1273 geringer gewor­den. Da dieser Verlust eine Verminderung der Vodenfläche um 1039 685 Hektar herbeiführte, wie aus den vorstehenden Zahlen ersichtlich, kommt aus jeden eingegangenen, parzellierten usw. Betrieb eine Durchschnittsfläche von 186 Hektar. Es ist gerade der allergrößte Betrieb, der zugunsten des klein- und mittelbäuerlichen eine so gewaltige Abnahme erfahren hat.

Nach alledem ist ein ganz außergewöhnlich kühnes Hinwegsehen über unbestreitbare Tat­sachen, wenn man eine wirtschaftspolitische Rich­tung, die solche Früchte gezeitigt hat, als Han­dels- und gewerbefeindlich, ja sogar als einseitig groß-agrarisch bezeichnet.

Politische Umschau.

De» Deutsch-Evang. Frauenbund

hat für die Tage des 4.6. November seine dies­jährig« Ausschußsitzung, welche für 1909 die nur zweijährliche Generalversammlung ersetzt, nach Hannover einberufen. Die Vettreterinnen sämt­licher 90 Ortsgruppen des Bundes und der an­geschloffenen Vereine werden erwartet. Die Ver­handlungen sind nicht nur den Jntereffen des Bundes und der Frauenbewegung gewidmet, sondern es stehen auch aktuelle soziale Fragen zur Besprechung. Der bekannte Vorkämpfer für die Reform des Hebammen-Wesens, Herr Sani­tätsrat Dr. Vrennecke-Magdeburg, hat gütigst ein Referat zu diesem wichtigen Thema über­nommen. Anknüpfend an die Tagung ist eine Feier des 10jährigen Bestehens des Bundes ge­plant, wobei die Vorsitzende, Frl. Paula Müller, einen Rückblick unb einen Ausblick in Bezug auf den Deutsch-Evang. Frauenbund geben wird. Auskunft erteilt das Sekretariat des Deutsch-Ev. Frauenbundes Hannover, Alexanderstr. 7 I.

Zur Ermordung Itos.

Berlin, 28. Okt. Nach einer Mitteilung der japanischen Botschaft meldet ein Telegramm

Nach diesen Worten verließ Coulmann das Zimmer, ohne sich noch einmal umzusehen.

Rodenfels war wieder in seinen Sessel ge­sunken. Verstört sah er Coulmann nach. Ein Frösteln rann durch seine Glieder. Di« Lippen waren heiß und trocken. Neben der seelischen Depression machten sich plötzlich heftige körper­liche Schmerzen bemerkbar. Er wollte aufste­hen. Dunkel kam ihm zum Bewußtsein, daß es wohl jetzt das beste war, dort drüben aus seinem Schreibtisch die Browningpistole, die immer ge­laden war, zu nehmen und ein Ende zu machen. Aber etwas lähmte und hielt ihn fest. Und nun wieder die Schmerzen ein Surren und Sau­sen vor Augen und Ohren eine kalte krie­chende Angst.Das ist der Typhus jetzt packt es auch mich ich will nicht nein lieber gleich ein Ende dort drüben, im Schreibtisch"

Er xiß sich empor und taumelte durch das Zimmer. Aber ehe «r den Schreibtisch erreicht«, griff er haltlos in die Luft und brach zusammen.

So fand ihn gleich darauf der alte Gustav im heftigsten Fieber. Michael Rodenfels war am Typhus erkrankt.

llllrike, bist Du da?"

Die bleich« Frau mit dem starren, glanz­losen Blick erhob sich und beugte sich über den Kranken.

Hier bin ich, Michael. Wünschest Du etwas?"

Er sah unruhig zu ihr empor und faßte mit seiner Hand nach der ihren.

llllrike ich hab« Dir je Viel abzubitten."

des japanischen Generalkonsuls Kawakarni in Chardin folgende Einzelheiten zur Ermordung des Fürsten Ito: Zur Reife des Fürsten Ito hatte ihm die Ostchinesische Eisenbahn-Gesell­schaft «inen Extra-Salonwagen, in dem sich Generalmajor Asanasief, der Chef der Zivilver­waltung, Eintsueshi, der Betriebschef, Oberst Feodorof, der Chef des 8. Militärbezirks, und fünf oder sechs andere Herren befanden, die der Person des Fürsten als Gefolge attachiert fein sollten, am 24. Oktober entgegengesandt. Wäh­rend der Fahrt unterhielt sich der Fürst mit be« russisschen Beamten. Bei der Ankunft um 9 Uhr früh stattete bet russische Finanzminister dem Fürsten in dessen Wagen einen Besuch ab. Nach Verlaßen des Wagens schritt der Fürst, von Kokowzow begleitet, die Front der russischen Ehrenkompagnie ab, die durch besondere Auf­merksamkeit des Finanzministers auf dem Bahn­steig aufgestellt war, unb begrüßte bie auf dem Bahnhofe zu seinem Empfang versammelten Vertreter ber fremben Mächte, ber russisch- chinesischen Behörben unb ber Korporationen. Als ber Fürst darauf an der russischen ftom« pagnie vorüberschritt, steckte ein europäisch ge­kleideter Koreaner die Pistole durch den Zwi­schenraum in der Frontaufstellung ber Nüssen hinburch und feuerte mehrere Schüsse auf ihn ab. Der Fürst erhielt einig« schwere Wunden und sank auf der Stelle nieder. Mit Hilfe des umstehenden Volkes wurde er in ein Wagen, abteil hineingetragen, wo japanische Aerzte und russische Beamte ihm den ersten Veiftano lei­steten. Ein Schuß war tätlich; der Fürst ver­schied ungefähr 15 Minuten nach ber Verwun­dung. Unter Begleitung eines russischen Arztes, sowie mehrerer Offiziere wurde die Leiche unter Erweisung der fürstlichen Ehren mit einem Extrazuge, der Charbin heute vormittag 11 Uh> verließ, nachChan-Chun transportiert. Von dem Gefolge wurde Generalkonsul Kawakami schwer, Privatsekretär Mori unb Direktor Ternaka von bet sübmandschurischen Eisenbahngesellschaft leicht verwundet. Der russische Finanzministet, die Ostchinesische Eisenbahngescllschaft, bas Amur-Korps unb ber Magistrat von Charbin unb Calun haben je einen Kranz an dem Garge niedergelegt. Die Gebäude der fremden Ver. tretet und andere Häuser haben Halbmast ge. flaggt.

Paris, 28. Okt. DerPetit Parisien" will aus angeblich guter Quelle erfahren haben, daß gegenwärtig zwischen Rußland unb Japan Unterhandlungen wegen eines weitgehenden Abkommens schweben, das die Lage Ostastens in bedeutender Weise ändern könnte. Der ermor­dete Fürst Ito habe sich hauptsächlich zu dem Zwecke nach Charbin begeben, um die vorläu­figen Grundlagen für das geplante Abkommen festzustellen.

Deutsches Reich.

Prinzregent Luitpold. München, 28. Ott. Das Verordnungsblatt des Kriegsministeriums veröffentlicht ein Handschreiben des Prinzregenten aus Anlaß des Tages, an dem er vor siebzig Jah­ren von König Ludwig l. zum Inhaber des Feld- artillene-Negiments ernannt wurde. Der Prinz-

Jn ihr blaffes Gesicht stieg eine leichte Röte.

Laß das. Sprich nicht davon."

Sie rückte ihm das Kiffen zurecht unb ließ sich matt wieder in den Sessel fallen.

Du bist müde, die Pflege strengt Dich an." Es zuckte um ihre Lippen. Wann hatte et je danach gefragt, ob sie müde war, ob ihr etwas schwer oder leicht würde? Die Sorge, die in seiner Stimme lag, war ihr peinlich, weil sie ihr fremd war.

Die Pflegerin, die der Arzt herausschickt, wird gleich hier fein.

Ein« Weile blieb «s still. Dann seufzte der Kranke auf. Die Augen leuchteten in Fieber­glanz. *

Hast Du Georg depeschiert, daß er sich eilen soll, wenn et mich noch einmal sehen will?"

Ich hab« ihm depeschiert, daß Du krank bist und ihn zu sehen wünschest. Da «r gegen­wärtig in Kiel ist, kann et morgen abend schon eintreffen."

Robenfels warf sich umher unb verzog bas Gesicht. Ein Stöhnen kam über feine Lippen, Halb flüsternd sprach er weiter in fieberhaftes Hast.

Es ist gut so, daß es mit mit zu Ende geht. Ich habe schlecht gewirtschaftet und meinen Besitz verlottert. Ihr müßt fort von Robenfels, llllrike. Coulmann kennt kein Erbarmen. Weißt Du, warum? Nein Du brauchst es auch nicht zu wiffen? Et ist ja im Recht. Wenn ich nut Rettung wüßte für Euch.< Georg muß sich Eurer annehmen deshalb must ich ihn noch einmal sprechen Georg wird Euch nicht verlassen. Dich und Eva." . J

(Fortsetzung folgt.) (