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mit dem Kursblatt für bie Kreise Marburg und Kirchyaru

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Benage."

PSS!

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DieGberhesstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Fe.ertaae. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21J 2 Mk.

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Marburg

Frettag 29. Oktober 1909. in»« bgm

Die Insertionsgebühr beträgt für die 7 gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, Uaiversitätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i tzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

44 Jahrg.

Bestellungen

für die Monate November und Dezember wf dieOb er hessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren AuSgabesteNe» in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriefträgern entgegcngenommcn.

Berlin

Neustadt-Landau, Stollbcrg-Schneeberg, Koburg, die sächsischen und badischen Landtagswahlen und nun die Ersatzwahlen zum Landtag in Berlin! Ueberall ein starker Stimmenzuwachs der Sozial- bemofrotie. Im 5. Wahlkreis Berlin hat sie 10 Wahlmänner, im 6. 23, im 7. 33 gegen die Haupt­wahl gewonnen, die Freisinnigen 14, 34 und 40 verloren. Im zwölften Kreis erhielten sie 327 Wahlmänner, 32 weniger als die absolute Majo­rität beträgt. Weiter wurden 141 freisinnige, 54 nationalliberale und 10 konservative Wahlmänner gewählt. In Stichwahlen sind beteiligt: die Frei­sinnigen in 129, die Nationalliberalen in 79, die Konservativen in 39, die Sozialdemokraten in 83 Fällen. Auch hier eine Schlappe der bürgerlichen Parteien, an der die Konservativen mit einem Sinken von 125 auf 10 (+ 39) am stärksten be­teiligt sind. Im 12. Wahlkreis hatte man vorher keine Einigung erzielt. Ob cs in der Stichwahl möglich sein wird alle Kräfte zu einigen, nachdem man sich untereinander so stark verhetzt hat, steht dahin, sodaß ein sozialdemokratischer Sieg auch hier nicht ausgeschlossen ist, wenngleich in bereu Reihen der Glaube au den Sieg hier nicht allzu groß zu fein scheint. Der sozialdemokra­tische Terror soll auch diesmal wieder eine Rolle gespielt haben. In den Nachmittagsstunden wur­den nach Meldung Berliner Blätter rote Zettel in die Läden geworfen, die den Ausdruck zeigten: Wählt Ihr heut nicht rot, habt Ihr morgen weder Salz noch Brot." Verschiedentlich wurden die Ge­schäftsleute gewisiermaßcn zur Sttmmenabgabe gezwungen. Zwei bis drei Schlepper drängten den sich sträubenden Mann einfach zur Tür und schoben ihn dann in das Schlepperauw, wenn er nicht, um Aufsehen zu vermeiden, freiwillig ging. Auf Grund solcher Fälle bereiten die Freisinnigen im 5. Wahlkreise c :;i Wahlprotest vor.

Daß der Jubel in sozialdcmokrattschen Kreisen keine Grenzen kannte, darf als selbswerständlich verzeichnet werden.

So steigt sie sicher heran, die rote Flut und untergräbt die Positton der bürgerlichen Parteien «nd darauf sei besonders hingewiesen nicht nur der rechts stehenden Parteien. Vielgelesene Blätter vom Schlage desBerliner Tageblattes", derFranfturter Zeitung" e tutti quanti aber finden für jedeEinigung" mit der roten Internationale begeisterte Worte der Aner­kennung, weil sie für den extremen Liberalismus

5 (Nachdruck verboten.)

Was Gstt z«famme«gefügt.

Roman von H. Eonrths-Rahler.

(Fortsetzung.)

Rodenfels starrte ihn verständnislos an.

Was soll das heißen? Was wollen Sie von mir? Wer find Sie eigentlich?"

Mein Nam« ist Coulmann Coulmann "sagt Ihnen dieser Name nichts?"

Rodenfels schüttelte den Kopf.

Der Name ist mir fremd."

Coulmann lachte schneidend auf.

So, so, nicht einmal den Namen haben Sie behalten? Ein beneidenswert schlechtes Ge­dächtnis scheinen sie zu besitzen. Sagt er Ihnen auch nichts in Perbindung mit dem Vornamen Helene? Helene Coulmann, Herr von Roden­fels, denken Sie doch ein wenig nach. Helene Coulmann war ein armes, törichtes Mädchen, das an Sie glaubte, wie an einen Gott und dem Sie, wie wohl noch manchem anderen armen Opfer die Ehe versprachen. Es ist aller­dings schon zweiundzwanzig Jahre her, aber vielleicht erinnern Sie sich nun doch. Jeden­falls will ich Ihr Gedächtnis auffrischen."

Rodenfels fuhr sich mit dem Taschentuch über die feuchte Sttrn.

Was sollen diese alten Geschichten?" fragte er mit gepreßter Stimme.

Coulmanns Gesicht nahm einen Ausdruck schmerzlichen Hohnes an.

Alte Geschichten alte Geschichten! Mir ist sie bis heute nicht alt geworden, diese Ge­schichte, denn mein Gedächtnis hat sie so frisch be­

z. Zt. Votteile davon erwatten. Man täusche sich aber nicht, hat einmal der Freisinn der Sozial- demokratte in den Sattel verholfen, so wird sie ihm gewiß keine Dankbarkeit erzeigen, gehött er doch genau so zurreattionären Masse" wie jeder Kon­servative. Sieht doch sogar Herr v. Gerlach in manchem freisinnigen Volkspatteiler einenRe- akttonär". Die fottgesetzten Wahlabkommen mit der Sozialdemokratte sind es gewiß nicht zum min­desten, die weite Kreise lässig machen und das Ge­fühl vermindern, daß wir in dieser Partei den Todfeind unseres Reiches mit allen seinen Ein­richtungen vor uns haben. Das sollten sich alle bürgerlichen Parteien merken, die in letzter Zeit dirett der Sozialdemokratie in die Hände arbeiten. In der Aufklärung nach dieser Richttmg wie auch überhaupt über das wahre Gesicht der Partei liegt jetzt für denReichsverband gegen die Sozial­demokratte" vermehrte Arbeit vor, die hoffentlich recht energisch in die Wege geleitet wird..

Politische Umschau.

Der Gotteslästerungsparagraph

(§ 166) des Strafgesetzbuches soll in dem Ent­wurf des neuen Strafgesetzes etwas abgeschwächt werden. Zur Begründung dieses Vorschlages wird derGermania" folgendes mitgeteilt:

Wie bereits mitgeteilt, macht der Entwurf des neuen Strafgesetzbuches die Böswilligkeit zur Voraussetzung der Strafbarkeit von Gottes­lästerungen und Beschimpfungen der Religions- gemeinschaften. In der Begründung dazu wird ausgeführt, das Gesetz dürfe einer erlaubten Kritik der ernsten wissenschaftlichen Forschung kein Hindernis bereiten. Fälle, in denen (nach den Worten des Prof. Kahl)guter Glaube, ehrliche Absicht, heiliger Zorn, stürmischer Wahr- heitÄrang, religiöse Erregung das Wott auf die Lippe geleat haben", dürften nicht getroffen werden. Bisher seien aber unter Anwendung des sogen, eventuellen Vorsatzes auch Aeußerun- gen getroffen worden, die mehr dem Uebereifer im wissenschaftlichen oder konfessionellen Streit als einer bösen Absicht entsprungen seien. Es erscheine daher gerechtfertigt, den Tatbestand so einzuschränken, daß die Gewissensfreiheit und die frei« wissenschaftliche Erörterung gewahrt blieben. Der Entwurf wolle dies dadurch errei­chen, daß er für die Strafbarkeit hinsichtlich der subjektiven Verschuldung ausdrücklichBöswil­ligkeit" erfordere. Der Endzweck des Täters müsse darauf gerichtet sein, zu lästern und zu beschimpfen, der Täter müsse in der Handlung zugleich seine Befriedigung suchen. Mit der Be­schränkung auf diesen Tatbestand blieben alle wirklich strafwürdigen Fälle getroffen, während die oben gekennzeichneten berücksichtigenswerten Fälle ausschiÄ>en.

Die Streichung derEinrichtungen und Ge­bräuche" wird damit begründet, daß diese Be­stimmung in dem bisherigen § 166 zu einer über das Bedürfnis hinausgehenden Anwen­dung und überdies zu einer ungleichen Behand­lung der Religionsgesellschaften geführt habe, da nicht für alle diese Gesellschaften dieEin­richtungen und Gebräuche" von gleicher Be­deutsamkeit seien und für einig: in viel höherem

wahrt, als ob sie gestern passiert wär«, als ob meine arme Schwester erst gestern durch Ihre Schurkerei in den Tod getrieben worden wäre."

Rodenfels stand Coulmann nun auch aufge­richtet gegenüber.

Mein Herr, Sie beleidigen mich in meinem eigenen Hause!"

Coulmann sah ihn hohnvoll an.

So, beleidigt Sie das? Ist es kein« Schur­kerei, wenn ein sogenannter vornehmer Mann ein armes, schutzloses Mädchen mit allen Mit­teln gewissenloser Verführungskunst an sich lockt, ihm die Ehe verspricht, obwohl er schon seit Jah­ren verheiratet und Vater eines Sohnes ist? Wie nennen Sie das, Herr von Rodenfels? Sie wissen wohl selbst noch, wie schwer es Ihnen ge- morben ist, den reinen Sinn meiner Schwester zu betören, bis sie alles vergaß -^ssogar ihre Ehre, den einzigen Schatz, den sie besaß. Ein leichter Sieg war es schwerlich meine Schwester war alles andere eher, als ein leichtfertiges Geschöpf. Sie hat Sie zu sehr geliebt, Ihnen zu viel ver­traut das war ihr Vergehen. Und als sie dann verzweiflungsvoll zu Ihnen kam, Ihnen beichtete, daß ihr Verhältnis nicht ohne Folgen bleiben sollte, als sie ihren Verführer bat, sein Versprechen einzulösen und sie zu seiner Frau zu machen, da erst erfuhr sie, daß Sie bereits verheiratet waren."

Coulmann hatte mit halblauter, unterdrück­ter Stimme gesprochen, aber jedes seiner Worte enthielt eine wuchtige Anklage.

Rodenfels war in einen Sessel gesunken.

Ich liebte Ihre Schwester das ist meine einzige Entschuldigung."

Liebe? Mißbrauchen Sie dieses Wort nicht!

Grade andere Dinge in Betracht tarnen, so z. B. die Stifter der Religionsgesellschaften und ihre Lehren. Eine Schutzbedürftigkeit bestehe nur in­sofern, als die Religionsgesellschast selbst betrof­fen werde.

Maßnahmen zur Berhütnng von Gruben- explofionen.

Man schreibt uns: Kürzlich teilte ein Ber­liner Blatt in einem Telegramm aus Brüssel mit, daß eine Reihe deutscher Bergingenieure in Belgien weilten, mit der Absicht, die in Belgien so häufig vorkommenden Easausbrüche und deren Bekämpfung zu studieren. Dem Vernehmen nach soll diese Reise dadurch veranlaßt sein, daß in der letzten Zeit sowohl im Saarrevier als auch in Westfalen einige plötzliche Easausbrüche vorgekommen sind, sodaß zu befürchten steht, daß unserem Bergbau in Zukunft diese neue ihm bis jetzt noch unbekannte Gefahr droht. Die in dem Brüsseler Telegramm genannten Herren sind, wie mitgeteilt wird, Vertreter der Berg­behörde, sowie des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund gewesen ,die in gemeinsamer Arbeit die Be­kämpfung der neuen Gefahr in Angriff nehmen wollen. Das erinnert daran, daß der Berg­bauverein schon früher davon Mitteilung machte, daß er umfangreiche Untersuchungen über die Kohlenstaubgefahr und ihre Bekämp­fung ausgenommen hat. Hoffentlich wird das Ergebnis dieser Untersuchungen, die inzwischen beendigt sein sollen, bald bekannt gegeben und werden diese verschiedenfachen Bestrebungen dazu beitragen, die Zahl der Kohlenstaub- und Schlagwetterexplosionen zu verringern.

Uebrigens verlautet ferner auch noch, daß der Bergbauverein sich mit der Absicht trägt, für das hiesige Jndustrierevier eine große Zentral­stelle für das Grubenrettungswcsen, das bis letzt den einzelnen Erubenverwaliungen überlassen ist, zu gründen. Auch mit dieser Maßnahme tbürbe in der Bekämpfung der dem Bergmann drohenden Gefahren ein großer Fortschritt er­reicht.

Deutsches Reich.

Der Kaiser zum Tode des Fürsten Zto. Berlin, 27. Okt. Der Kaiser richtete, derNord­deutschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, an den Kaiser von Japan aus Anlaß der Ermordung des Fürsten Ito nachstehendes Beileidstele­gramm:Soeben erfahre ich von der Ermor­dung des Fürsten Ito. Ich bitte Eure Majestät, den Ausdruck meiner aufrichtigsten Teilnahme an dem Verlust eines so getreuen und ausge­zeichneten Staatsmannes entgegennehmen zu wollen."

Prinz Heinrich. Straßburg, 27. Okt. Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind heute Nachmittag 5 Uhr 25 Min. hier von Schloß Wolfsgarten kommend, im Automobil zum Be­suche ihres Sohnes, des Prinzen Waldemar, der ihnen ebenfalls im Automobil bis Hagenau ent- gegengefahren war, eingetroffen und haben in der Villa des Prinzen Waldemar in der Lefsing- straße Wohnung genommen.

Zur Strafverfolgung des Abg. Bruhn schreibt diePost": Die Ansicht, daß die Straf­verfolgung des Abg. Bruhn beim Zusammen-

Liebe hätte anders gehandelt. Und ,wenn Sie meine Schwester so geliebt hätten, wie Sie mir jetzt glauben machen wollen, dann hätten Sie das unglückliche Geschöpf nicht so bald vergessen und ihr vor allen Dingen nicht so viel Nach­folgerinnen gegeben. Ich weiß mehr von Ihrem Leben, als Ihnen lieb sein dürfte, denn mein Haß hat Sie verfolgt, seit ich erfuhr, was Sie an meiner Schwester getan. Ich hatte diese Schwester lieb wie nichts auf der Welt, wir hatten nie ein Geheimnis vor einander, bis Sie in ihr Leben traten. Schlau hatten Sie ihr das Ver­sprechen abgefordert, zu schweigen über ihr Ver­hältnis zu Ihnen. So blieb mir alles verbor­gen. Elternlos, in drückenden Verhältnissen waren wir beiden Geschwister aufgewachsen, eins das andere stützend. Wir waren wie treue Ka­meraden und liebten uns mehr, als sonst unter Geschwistern üblich. Endlich ging es uns besser. Ich bekam eine gute Stellung in einem bedeuten­den Bankhaus, und meine Schwester verdiente ihren Unterhalt durch Musikstunden. Erst später habe ich erfahren, daß sic Ihre Bekannt­schaft auf einem Wohltätigkeitsfeste gemacht hatte und daß Sie ihr nachstellten, bis sie end­lich umgarnt war. Während Ihre Gattin allein hier in Rodenfels hauste, liefen Sie meiner Schwester auf Schritt und Tritt in den Weg und haben dann auch nicht Ruhe gegeben, bis Sie Ihr niederträchtiges Spiel gewonnen hatten."

Rodenfels sah einigemale besorgt nach der Tür. Coulmann dämpfte seine Stimme noch mehr, aber es verriet sich trotzdem große Er­regung darin.

Ich bin nun gleich zu Ende, will Ihnen

tritt des Reichstages sofort ausgesetzt werden müsse, trifft nicht zu. Der Reichstag verweigert immer die Zustimmung zur Einleitung eine» Strafverfahrens während der Session, sofern der Abgeordnete nicht selbst den Antrag stellt, ein Verfahren gegen ihn einleiten zu lassen. Bei Strafverfahren, die vor dem Beginn der Tagung anhängig gemacht sind, hat der Reichs­tag das Recht, den Aufschub angesetzter Termine und die Unterbrechung der Untersuchungshaft zu verlangen. Dieses Verfahren muß in Form eines genügend unterstützten Antrages gestellt werden, der durch Mehrheitsbeschluß angenom­men werden muß. In der Affäre Bruhn wird ein solcher Antrag aber ausbleiben, da der Abg. Bruhn selbst die Aufhebung des Strafver­fahrens während der Session nicht wünscht, und es auch nicht im Interesse des Reichstages liegt, die Angelegenheit zu verschleppen.

Krupp. Konstantinopel, 27. Okt. , Auf Grund der ausgeschriebenen Submission auf Kriegsmaterial, zu der eine außerordentlich große Zahl von Lieferanten zugelassen wird, soll die Firma Krupp den Zuschlag für neunzig Rohrrücklauf-Feldkanonen erhalten, während efn gewisses Quantum Munition für ältere Festungs- und Belagerungsgeschütze an Arm­strong vergeben werden soll, lieber die Muni­tionsfahrzeuge ist noch nichts Endgültiges be­kannt.

Eine Warnung. Berlin, 27. Okt. Die Nordeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die - Hamburger Nachrichten" vom 9. Oktober ver­öffentlichten eine Zuschrift eines Deutschen in Para, nach der eine nordamerikanische Gesell­schaft, die den Bau der Bahn Madeira- Mamorä am oberen Amazonenstrom übernom­men habe, in Deutschland Arbeiter anwerbe, und das Auswärtige Amt habe die Erlaubnis zur Anwerbung der Arbeiter gegeben. Wie wir von unterrichteter Seite hören, ist die Nachricht, daß das Auswärtige Amt die Erlaubnis zur Anwerbung von Arbeitern für das in Red« stehende Bauunternehmen erteilt habe, falsch, vielmehr wurde, sobald die amtlichen Nach­richten über die ungünstigen Verhältnisse in dem Vahnbaugebiete Vorlagen, das Geeignete veranlaßt, damit die deutschen-Arbeite^ vor der Uebersiedclung dorthin gewarnt würden.

Die Lage im Streitgebiet. Eisleben, 26. Okt. Im ganzen Revier herrscht zur 3eit Ruhe. In Eisleben sind sämtliche Saallokale von den Streikenden boykottiert worden, weil ihre Besitzer die Säle nicht zu Versammlungen betgegeben haben. Nur ein einziger Wirt, der Besitzer des Bürgergartens, hat sein Lokal zur Verfügung gestellt. Heute ist überall Zahltag. Eine große Menge von Streikenden strömt in die Streitbureaus der größeren Ortschaften um sich ihre Wochenraten auszahlen zu lassen. Zirka 120 000 J*. kommen heute zur Verteilung. In Helbra wurden gestern, wie demB. T." ge­meldet wird, von einem Gasthof aus die Sol­daten des 36. Infanterieregiments durch Strei­kende verhöhnt. Der hier stationierte Haupt­mann begab sich zu dem Wirt und drohte ihm im Falle der Wiederholung solcher Beleidigun­gen die Schließung seines Lokales an. In der vergangenen Nacht sind in Hettstadt, Siers- leben und Mollmek Schlägereien zwischen Strei-

nur noch sagen, daß meine Schwester damals wie von Sinnen von Ihnen fortrannte, um den Tod in ihrer Verzweiflung zu suchen. Unterweg, brach sie auf der Straße zusammen. Und so brachte man sie mir ins Haus. Ich hatte kurz« Zeit vorher geheiratet und was mir im ersten Schrecken unverständlich blieb, begriff meine junge Frau sofort. Liebevoll nahm sie sich mei­ner Schwester an. Sie haben sich nicht mehr um die Unglückliche gekümmert. Nach langer Krankheit stand sie wieder auf aber elend matt ein an Leib und Seele gebrochenes Ge­schöpf. Ich schickte sie mit meiner Frau in ein weltentferntes kleines Dorf in der Schweiz, hoffend, daß sie sich dort erholte und um ihre Schande vor unseren wenigen Freunden zu verbergen. Dort in diesem kleinen Ort ist ihre kleine Tochter geboren worden, während Sie sich bereits in ein neues Liebesabenteuer verstrickt hatten. Wenige Wochen später schenkte mit meine Frau ein Töchterchen die beiden Kinder gelten noch heute als Zwillingsschwe­stern, als meine Kinder. Kein Mensch außer mir weiß darum. Die wenigen Zeugen in bem kleinen Schweizerdorf find gestorben. Meine Frau ist mir vor einigen Jahren auch durch den Tod entrißen worden. Die Kinder ahnen nicht, und meine Schwester fie starb kurze Zeit nach der Geburt ihres Kindes fie wollte sterben, weil ihr bas Leben unerträglich gewor­den war durch Ihre Schuld. Aber an ihrer Leiche da habe ich mit damals geschworen, nicht zu ruhen, bis ich sie gerächt habe an ihrem Verderbet. Zweiundzwanzig Iahte lang habe ich Zeit gehabt diese Rache vorzubereiten. Nie habe ich in dieser Zeit vergessen, was ich an He«'