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nun toten 70jährigen Führers nach innen und außen weiter führt. Japan geht seinen Weg, ohne sich viel um sentimentale Gefühle zu kümmern und — kein Land wagt sich irgendwie darüber aufzuregen!
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loten und auf ihrem Rechte bestanden? Was dann? Rodenfels mußte bereits überlastet fein, so viel er überblicken konnte. Was blieb ihm dann übrig, ihm und feiner Familie?
Zum ersten Male in seinem Leben empfand Michael in diesen unbehaglichen Tagen etwas wie Gewissensbisse. And das war ihm ebenso neu wie unbequem.
Kein Wunder, daß er sich heute ganz miserabel fühlte und keinen Appetit verspürte.
In diesem Augenblicke trat Hllrike auf die Veranda heraus. Sie hielt ei.: schwarzumrändertes Kuvert in der Hand und legte es vor ihrem Galten auf den Tisch.
„Was ist das?" fuhr er auf.
„Professor Hardenberg ist tot," sagte sie mit ihrer müden, tonlosen Stimme.
Michael sprang auf und stieß das Kuvert weit von sich. Er verfärbte sich.
„Nicht möglich! Der starke, gesunde Mann — in wenig Tagen — das ist doch undenkbar!"
„Usberzeuge Dich selbst — da hast Du es schwarz auf weiß."
Rodenfels trat ins Zimmer hinein und schenkte sich drinnen am Buffet einen Kognak ein. Er fühlte sich ganz elend.
Ullrike ließ sich draußen matt in einen Sessel gleiten und starrte mit toten, leeren Blicken hinaus auf das spielende Kind. Ihr Gatte lief hinüber in sein Zimmer und warf sich auf beit mit Leder bezogenen Divan. Die darauf liegende Pelzdecke zog er über sich, als friere er im hellen Sonnenschein. Nach einer Weile richtete er sich empor und steckte sich eine Zigarette an. Sie schmeckte nicht. Aergerlich warf er sie wieder fort und fuhr sich durchs Haar. Seine Hand zitterte dabei eigentümlich. Nun versuchte er den versäumten Schlaf nachzuhottu — es wollte ihm nicht gelingen. Unruhig warf er sich
Die FniertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Rekla nen 3) Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Univeriitätsbu hvruckerei Fnbaber Dr. E. Sißeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Fürst Itos Ermordung.
Der beste Staatsmann des neuen Japan, fein ^Bismarck", dessen politischer Fähigkeit in erster Linie das Land daS schnelle Wachsen znm modernen Kulturstaat und seine Erfolge zu danken hat, ist der Kugel eines Koreaners zum Opfer gefallen. Iw stammte aus armen adeligem Geschlecht. Nachdem er in Japan seine Studien absolviett hatte, begab er sich auf Reisen nach den europäischen Staaten, wo er England, die Vereinigten Staaten und auch Deutschland mehrmals besuchte. Nach jeder Reise blieb Ito längere Zeit in der Heimat, wo er rastlos dafür wirkte, daß das, was er von westeuropäischer Kultur gesehen hatte, in seinem Vaterlande Wurzel schlage, damit dies dereinst völlig unabhängig von Europa in Ostasten die gebietende Stellung einnehmen könne. Im Jahre 1878 führte er eine europäische Verfassung ein, wobei ihm die preußische Verfassung in gewisser Weise als Vorlage diente. Er gründete 1900 ferner die Partei Sayn Kai, die seine Ideen vertrat und heute in Japan die bei weitem wichttgste gegenüber den Fottschrittlern um Graf Okuma und dem unbedingt konservattven Daido Klub ist.
So ost das Land in schwieriger Lage war, Mußte Fürst Iw Helsen, öfter war er Ministerpräsident. Rach außen hin liegen seine bedeutendsten Erfolge, in China und Korea.-- Erst vor kurzer Zeit hat Fürst Ito für Japan den Vettrag unterzeichnet, der China für immer Japans Einfluß unterjocht. In Korea sah er wie fein Volk — Kenner Japans betrachten in Fürst Ito überhaupt den Typ des modernen Japaners — ein Land, das für das Expansionsbedürsnis des Volkes als Kolonie durchaus nötig sei. Ito handelte demgemäß. Nach dem russischen Kriege war Ito in Söul und zwang den König dazu, einen Vettrag zu unterzeichnen, der Korea völlig an Japan aus- licferte. Bald daraus — 1905 — übernahm er selbst die Regentschaft. Innerhalb 4 Monate nach dein russisch japanischen Krieg waren bereits 79 000 Jaapner in das Land cingewandett, die nun das nach aller Sitte lebende einfache Acker- banvolk der Koreaner aussaugten. Etwaige Aufstände Würben durch japanisches Militär blutig unterdrückt. Der Preffe, die z. B. Kritik an der «lassenhaften Einftibr von Dirnen und Alkohol übte, ging es schlecht. Die in Söul anwesenden Diplomaten wurden nach Tokio dirigiett. So geriet Korea gänzlich in die Hände Japans. Diese verzweifelten Verhältnisse 'scheinen es gewesen zu sein, die einen Koreaner zu der wahnwitzigen Tat gegen den Fürsten Iw bewogen haben, zumal der Haß gegen Iw im Lande allgemein war. Die Javaner sind ein rühriges Volk und cs wird sich bald ein Mann finden, der die Pläne des
Deutsches Reich.
— Ein Empfang. Dresden, 26. Okt. Der Minister des Innern, Graf Vitzthum v. Eck- staedt empfing eine Vertretung des Ausschußes der nationalen Arbeiter- und Gehilfenorganisation. Der Minister erörterte die einzelnen vorgetragenen Wünsche und drückte seine Freude über die Forschritte aus, die die auf nationalem Boden stehenden Arbeitervereinigungen in den letzten Jahren gemacht hätten. Er kam sodann auf die gegenwärtige Unzufriedenheit des Arbeiterstandes zu sprechen, wies auf die durch die kaiserliche Botschaft inaugurierte soziale Gesetzgebung hin und betonte, daß schrittweises Vor- wärtsgehen schneller zum Ziele führen werde, als die Aufstellung radikaler Forderungen. Daß ein großer Teil der Arbeiterschaft dies erkannt hätte, sei ein Zeichen der Gesundung der Verhältnisie.
— Dernburgs Heimkehr. Rewyork, 26. Okt. Staatssekretär Dernburg trat mit dem „Dampfer „Kaiser Wilhelm II." die Heimreise an.
— Die Berliner Ersatzwahlen zum Landtag. Berlin, 26. Okt. Bei den heutigen Landtagsersatzwahlen ergab der Ausfall der Wahlmännerersatzwahlen in der ersten und zweiten Abteilung den sicheren Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten in drei Wahlkreisen. Im zwölften Wahlkreis (bisher Hoffmann Soz.) wurden in den beiden ersten Abteilungen gewählt 118 freisinnige, 121 sozialdemokratische, 42 nationalliberale und 5 konservative Wahl- männer. 80 erforderliche Stichwahlen sind für
umher. Rach einer Weile hörte er draußen die Stimme seiner Frau. Sie rief Eva herein.
„Puh. jetzt mußte das arme Wurm sich den Kopf mit Rechenexempeln zerbrechen," dachte er. „Nichts von nichts bleibt nichts — um das zu begreifen, brauchts keine Rechenftunde. Verdammte Misere — elender Kram — ich pfeife auf das ganze Leben."
Er sprang wieder auf und lief im Zimmer auf und ab, um das Unbehagen los zu werden, das ihn berückte. Es wollte aber nicht gelingen.
Mitten im Lauf hielt er dann plötzlich inne, als fein alter Diener eintrat.
„Was willst Du, Gustav?"
„Ein Herr wünscht den gnädigen Herrn zu sprechen."
Er reichte Rodenfels auf einem Tablett eine Karte. Dieser machte ein abweisendes Gesicht.
„Ich empfange heute niemand."
„Verzeihen, gnädiger Herr. Der Fremde will sich nicht abweifen lasten. Er habe wichtige Geschäfte mit dem gnädigen Herrn zu besprechen."
Widerwillig nahm Rodenfels die Karte.
„Da will einer Geld von mir haben," dachte er verdrießlich und sah auf die Karte herab.
„Fritz Coulmann? Kenne ich nicht. Na also, dann herein mit ihm, wenn seine Sache gar so eilig ist."
Gustav ging hinaus, um den Fremden hereinzuführen. Dieser drückte dem Diener ein Geldstück in die Hand. „Sorgen Sie dafür, daß ich ungestört mit Ihrem Herrn reden kann."
Der alte Gustav steckte das Geldstück freudig überrascht ein. In letzter Zeit waren die guten Trinkgelder auf Rodenfels sehr rar geworden.
Fritz Eoulmann trat zu Rodenfels ins Zimmer. Er mochte ungefähr im gleichen Alter mit diesem sein. Das Haar und der spitz zulaufende
fangreiche Eüterkomplex von fast 32 000 Morgen dem Domänenfiskus übertragen worden ist, geschah nur aus Zweckmäßigkeitsrücksichten, um eine einstweilige wirtschaftliche Verwertung zu ermöglichen. Denn der eigentliche Besitzer ist das Provinzialschulkollegium, um in Posen als Rechtsnachfolger einer ähnlichen Behörde zu polnischen Zeiten, die bei der Begründung des Feideikommnisies vom Stifter als Erbe für den Fall des Fehlens von Nachkommen eingesetzt wurde. Um Prozeße nach dem Ableben des letzten Fürsten Sulkowski zu vermeiden, ist noch zu tieften Lebzeiten ein Vergleich mit **' preußischen Fiskus über eine Abfindung Erben zustande gekommen. Die wertvolle
Mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage
Marburg
Donnerstag 28. Oktober 1909.
die Freisinnigen günstig. — Der Ausfall der Wahlen der dritten Abteilung im fünften, sech. sten und sieben Berliner Landtagswahlkreise bestätigte den Sieg der sozialdemokratischen Kandidaten. Im zwölften Wahlkreis war der Kampf am schärfsten. Um 11 Uhr abend wurden gezählt: 140 freisinnige, 320 sozialdemokratische, 63 nationalliberale und konservative Wahlmänner. Etwa 170 Stichwahlen sind erforderlich ; von deren Ausfall ist es abhängig, ob es zu einer Stichwahl zwischen den freisinnigen und sozialdemokratischen Kandidaten kommen wird. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor.
— Die badischen Landtagswahlen. Karlsruhe, 25. Okt. Die Stimmenzahlen der Parteien in Baden werden vom „Schwäb. Merkur" in folgender Zusammenstellung mitgeteilt: Wahlberechtigt 399787 (i. I. 1905 : 384 010). Abstimmende 306 352 = 76,6 v. H. (297 344 =t 77,4 v. H). Nationalliberale Kandidaten (darunter auch Blockstimmen) 75181 ober 24,6 v. H. der Abstimmenden (89 393 = 30.2 v. H ), Zentrum 90 840 = 29,3 v. H. (125 453 = 42,4 v. H ), Sozialdemokraten 86 835 — 28,4 v. H. (50431—17,0 v.H.), Demokraten 15556^=5,1 v.H. (12 262 — 4,1 v. H.), Freisinnige 4810 — 1,6 v. H. (3414 = 1,2 v. H.), Bund der Landwirte 9166 = 3,0 v. H. (2547 = 0,9 v. H ), Konservative 17 865 = 5,9 v. H. (8599 = 2,9 v. H ), Nationalsoziale 694 = 0,2 v. H. Mittelständler 4242 = 1,4 v. H.
— Eine Ente. Dresden, 26. Okt. Das „Dresd. Journ." schreibt: Die von einem Berk. Blatte gebrachte Meldung, der Minister Graf Vitzthum v. Eckstaetit habe sich dahin geäußert, die Regierung fei über das Eindringen der So- zigldpmokratie in die Zweite Kammer keineswegs besorgt und es sei der Wunsch der Regierung, daß sich die sozialdemokratischen Abgeordneten auch tatsächlich an den Arbeiten für dar Wohl des Landes beteiligen möchten, fei von Anfang bis Ende erfunden.
— Die tote Fahne auf dem Hambacher Schloße. Neustadt a. d. H, 24. Okt. Gestern verhandelte das hiesige Schöffengericht gegen die Genoßen, die am Abend des Stichwahltages im. Reichstagswahlkreife Neustadt den Turm des Hambacher Schloßes erbrochen hatten, um eine rote Fahne dort zu hißen und bengalisches Feuer anzuzünden. Die Anklage lautete auf Hausfriedensbruch unter erschwerenden Umständen. Das Urteil lautete verschiedenen Blättern zufolge gegen den Anführer Parteisekretär Profit aus Ludwigshafen auf acht Tage Gefängnis; sechs weitere Angeklagte wurden zu je sechs Tagen Gefängnis verurteilt, zwei wurden frei- gesprochen.
sitzung besteht in zwei getrennten Gruppen Gütern im Kreise Lißa und Rawitsch. die _ größten Teil noch verpachtet sind. Man kann wohl annehmen, daß der Besitz später, nach Ablösung der Pachten, an verschiedene Verwaltungen übergehen wird. So Jbürfte der etwa 8000 Morgen große Waldbestand der Fotstvet- waltung zufallen,, während andere erhebliche Teile jedenfalls durch Kauf in den Besitz der .......... ' werden.
Ansiedelungskommission gelangen
Legt man zur Bewertung des ganzen Besitzes den Durchschnittspreis zugrunde, den die Ansiedlungskommission im letzten Jahre für ihre Ankäufe bezahlt hat, dann ergibt sich für die Herrschaft Reisen ein Wert von rund 8 Mil-
Politische Umschau.
Der 70. Geburtstag des Geh. Rat Haas.
Darmstadt, 26. Okt. Der Präsident der Zweiten Kammer, Gencralanwalt des Reichsverbandes der deutschen landwirtsch. Genossenschaften und erster Vorsitzender der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen, Geheimer Rat Haas, feierte heute seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß überreichte ihm Staatsminister Ewald im Namen des Großher- zogs dessen Bild mit eigenhändiger Unterschrift und einem Handschreiben. Zugleich überbrachte der Staatsminister die Glückwünsche im Namen des Ministeriums. Die Glückwünsche der Zweiten Kammer überbrachte der Vizepräsident und diejenigen der Beamten der Zweiten Kammer Kanzleidircktor Schenck; ferner überbrachten Glückwünsche Vertreter der Technischen Hochschule, der Stadt, eine Abordnung des Rcichsvcr- bandcs der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften und eine Abordnung der Landwirtschaftskam- mer und zahlreiche Privatpersonen, Behörden, Korporationen usw. — Der Großherzog von Hessen richtete an den Präsidenten der Zweiten Kammer und Generalanwalt der landwirtschaftlichen Genossenschaften, Geheimrat Haas, folgendes Handschreiben: „Mein lieber Geheimrat Haas! Empfangen Sie zur Vollendung Ihres 70. Lebensjahres meine beste Gratulation. An Ihrem Ehrentag, wo Sie auf ein Leben reich an Arbeit, wie an Erfolgen, zurückblicken, dürfen Sie sich besten freuen, daß Sic viele Jahre hindurch als Mitglied und erster Präsident der Zweiten Kammer Ihrem engeren und als Generalanwalt der landwirtschaftlichen Genossenschaften Ihrem weiteren Vaterland wertvolle Dienste geleistet haben. Ich hoffe, daß Ihre Gesundheit bald wieder völlig hergestellt sein möge, damit «ie noch lange Ihren wichtigen Remtern walten können und verbleibe mit meinen warmen Wünschen für Ihr ferneres Wohlergehen Ihr wohlgeneigter Ernst Ludwig."
Freisinn und Mittelstand.
In einem Artikel der „Deutschen Wirtschafts- zeitung" weift Dr. Wernicke das „zünftlerische Wirtschaftsprogramm" der Mittelstandsver- einigung, wie er sich ausdrückt, als „durch und durch reaktionär" zurück unti sagt bann zusam- menfaffenb: „Dieser Teil ties kleingewerblichen Mittelstandes war und ist feit Jahrhunderten nicht der Träger des Fortschrittes und der Kulturentwickelung gewesen, vielmehr sind die gebildeten Klaßen, .... die Aerzte, Techniker, Ingenieure, Naturwißenschastler und Jndu- striellen, sowie der beflere Teil (?) des Handwerks diejenigen gewesen, die die Freiheit, die Wißenschaft, die Technik, die wirtschaftliche und soziale Entwickelung gegen den zähesten Widerstand der Zünftler erkämpft haben." — Hierzu bemerkt die freisinnige „Breslauer Morgenzei- tung" ausdrücklich: „Das sind herbe Worte, aber sie sind zutreffend."
Die Herrschaft Reisen.
Heber die Herrschaft Reisen, das frühere Familienfideikommiß des Fürsten Sulkowski, schreibt man dem „N. P. T.": „Daß der um-
Ausland.
** Die Rückreise des Zaren. Worms, 26. Oktober. Der Hofzug des Kaisers von Rußland traf heute nachmittag 1 Hhr 44 Min. auf der Rückfahrt von Italien hier ein. Zum Empfange waren anwesend der Eroßherzog von Heßen, sowie Prinz Heinrich von Preußen mit
Bart waren graumeliert, die Gesichtszüge klug und energisch, aber etwas grob geschnitten. Die mittelgroße, gedrungene Gestalt mit der sicheren, ruhigen Haltung war elegant und solid gekleidet. Die ganze Erscheinung machte einen sympathischen Eindruck. Nur in den Augen zuckte ein unruhiges Leuchten, und sie verrieten entschieden eine feindselige Absicht, als sie sich auf Michaels Gesicht hefteten.
Dieser batte den Besucher mit einer kurzen, eleganten Verbeugung begrüßt. „Was verschafft mir das Vergnügen Ihres Besuches, mein Herr?" fragte er, Coulmann mit einer Bewegung aufforbernb, Platz zu nehmen. Dieser blieb jedoch stehen. Er trat einige Schritte näher und heftete seine Augen scharf und durchdringend auf Rodenfels, sodaß diesen erneutes Unbehagen erfaßte.
„Ein Vergnügen wird Ihnen mein Besuch schwerlich bereiten, Herr von Rodenfels. Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß alle Ihre Gläubiger ihre Forderungen an mich verkauft haben. Sie schulden mit demnach die Summe von dreihundertsiebenundachtzigtausend Mark. Hm diese Summe von Ihnen einzufordern, bin ich hergekommen."
Rodenfels war erblaßend einen Schritt zurückgewichen.
„Ein schlechter Scherz, mein Herr," sagte et unsicher.
„Cie irren, ich spreche 4m Ernst." Rodenfels suchte sich zu faßen.
„Aber das verstehe ich nicht. Wie komme« Sie dazu, diese Sortierungen an sich zu bringen? Ich kenne Sie nicht."
In Coulmanns Augen sprühte tödlicher Hatz.
„Wie ich dazu komme? Nun, nehmen wtt an, ich hätte Interesse daran, Sie vollständig in meine Gewalt zu bekommen."
(Fortsetzung fotzt.) !
Was Gott zulammerrgefügt —♦
Roman von H. Courths-Mahler.
(Sortierung.)
Zwei Tage später saß Rodenfels, noch immer schlecht gelaunt, auf der Veranda des Schlosses Rodenfels. Draußen lachte goldener Sonnenschein. Aus dem großen Rasenplatze vor der Freitreppe tummelte sich sein Töchterchen Eva, ein bildschönes, goldblondes Kind, mit ihrem Dackel in possierlichen Sprüngen.
Michael nahm nichts von diesem friedlichen Bild in sich auf. Er sah bei weitem nicht so frisch und jugendlich aus, als auf der Hochzeitsfeier. Er hatte die letzten beiden Nächte so schlecht geschlafen, daß sich seine Gedanken unablässig mit feinen zerrütteten Vermögensverhältnissen befaßt hatten. Zwischendurch schüttelte ihn manchmal ein Schauder, wenn er an Hardenbergs Erkrankung dachte. Der sonst so schneidige und kühne Mann hegte eine fast kindische Furcht vor allen Krankheiten.
Dazu kam noch, daß er sich über das steinerne, unbewegte Gesicht seiner (Sattin ärgerte, die lautlos und ohne Freudigkeit im Schloße cherumschlich. Ob denn Rodm'ls wirklich nicht mehr zu halten war? Er hatte eine dunkle Ahnung, als wenn in diesen Tagen eine Menge Forderungen an ihn herantreten mußten. Genau wat et nie orientiert über seine Vetmö- tzensverhältniße. Es war nicht abzuleugnen, daß er ein bißchen leichtsinnig gewirtschaftet hatte. So lange man ihm noch Geld lieh, hatte er sich feine Kopfschmerzen darüber gemacht. Aber jetzt wollte ihm mit einem Male niemand mehr aiisbelfeii, alle fanden Ausreden, und er mußte noch stob fein, daß seine Gläubiger nicht drängten. Wie aber, wenn diese die Geduld vet-
Die „Gderhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der TBn Sonn, und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel-
*/■=. jährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei
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