44. Jahrg.
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Die „GbrrheMche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der " ' ~ " jt. — Der Bezugspreis beträgt viertel-
____,_____ ... Joft bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unsern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.
Die InlertionSgebiidr betragt filt dl« 7 gespaltene Zeile »der deren Raum 15 Pfennig, silr Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Ioh. Aug. Koch, UnisersitätSbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H i h er o tb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Marburg
Dienstag. 26. Oktober 1909.
MchW Mimg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage."
Bestellungen
für die Monate November und Dezember euf die „Oberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedition (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie von allen Postanstalten und Landbriesträgern entgegengcnommen.
Der Hauptvorstand des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie
veröffentlicht folgenden Aufruf:
Der Gedanke, daß die Finanzen des Reiches durch Erschließung neuer Einnahmequellen einer dauernden Gesundung entgegengeführt werden muffen, war bereits Gemeingut aller staatserhaltenden Parteien geworden. So einmütig die Erkenntnis war, daß man dem Reiche geben müsse, was dem Reiche gebührt, so grundverschieden waren aber die zu diesem Zwecke vorgeschlagenen Mittel und Wege. Nur unter schweren inneren Erschütterungen ist die Neuordnung der Reichsfinanzen erfolgt. Der Streit über die Zweckmäßigkeit des von der Mehrheit der deutschen Volksvertretung gewählten Weges hat leider zur Zerllüf- tung derjenigen Parteien geführt, die seither, unbeschadet aller Parteigegensätze, einig waren in dem Ziele der Durchfühnrng der dringendsten nationalen Aufgaben. Reichstag und Bundesrat haben das Werk, dessen Gelingen sich fast unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegenstellten, zu Ende geführt, weil eine rasche Lösung gefunden werden mußte.
Der Streit um die Art der Lösung der Finanzreform durchzittert noch heute die weitesten Schichten des deutschen Volkes. Die scharfe Fehde innerhalb der bürgerlichen Parteien muß jedoch beendet werden, wenn nicht die ganze nationale Arbeit leiden, wenn nicht als lachende Dritte die Sozialdemokratie, der Todfeind der bürgerlichen Gesellschaft, aus dieser Zerklüftung dauernden Gewinn ziehen soll.
Die letzten Ersaßwahlen zum Reichstag und verschiedene Landtagswahlen haben gezeigt, wie infolge der bürgerlichen Uneinigkeit die Saat der sozialdemokratischen Verhetzung üppiger emporlchießt denn je, wie wieder eine Reichsverdrossenheit Platz zu greifen droht, die man schon überwunden glaubte. Daß dieser Zustand eine Aenderung erfährt, ist die Sehnsucht und Hoffnung aller Patrioten. Nicht rückschauender Kritik, sondern zielbewußter Arbeit an den großen nationalen Aufgaben muß künftig das Streben aller staatserhaltenden Parteien und des gesamten deutschen Bürgertums sein.
Der Vorstand des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie richtet daher an alle seine Mitglieder und Organisationen den dringenden Ruf zur Versöhnung im Streite der Parteien, zur treuen Mithilfe an dem Werke der Verständigung.
1 (Nachdruck verboten.)
Was Gott zufarumengefügt —.
Roman von H. Courths-Mahler.
c (Fortsetzung.)
Auch heute hatte er sich ihr fast ausschließlich gewidmet und seine eigene Frau schien er ganz vergessen zu haben. Seine immer noch schönen, gefährlichen Augen wichen fast nicht von dem reizenden, feingeschnittenen Gesicht mit den seelenvollen Augen und der stolzen reinen Stirn. Geschickt hatte er es einzurichten gewußt, daß er bei Tisch ihr Nachbar war und auch nach aufgehobener Tafel blieb er an ihrer Seite. Alle seine kleinen, schon oft erprobten Manöver erwiesen sich jedoch dieser Frau gegenüber als wirkungslos. Sie gab ihm höfliche artige Antworten auf all seine Fragen, sah ihm dabei so ruhig und klar in die heiß funkelnden Augen, daß er nur noch leidenschaftlicher nach einem Siege verlangte. Er bot alles auf, diese „süße kleine Professorin", die so reizend und geistvoll zu plaudern verstand, zu umstricken.
Die beiden Herren in ihrem Trinkeckchen beobachteten ihn ein« ganze Weile. Endlich sagte Hadersleben:
„Mir scheint, der Schwerenöter will einen Flirt mit Frau Professor Hardenberg inszenieren."
Massenbach sog mit vibrierenden Nasenflügeln den Duft der Blume ein, der seinem Glase entstieg. ,:
Jeder wirke an seinem Teil zur Beruhigung und Versöhnung! Berlin, 23. Oktober 1909. (Folgen die Namen der Vorstandsmitglieder.) — Im An schluß hieran werden wir gebeten mitzutellen, daß Meldungen zum Eintritt in den Reichsverband von dem hiesigen Vorsitzenden Professor I>. Hey- mann, Renthof 13 entgegen genommen werden.
Der Zar in Italien
Racconigi, 23. Okt. Der Kaiser von Rußland ist um 2 Uhr 37 Min. hier eingetroffen. — Bei der Ankunft wurde Kaiser Nikolaus vom König Viktor Emanuel, der mit dem Ministerpräsidenten Eiolitti und dem Minister des Aeußeren Tittoni auf dem Bahnhof erschienen war, begrüßt. Die Monarchen umarmten und küßten sich. Nachdem sie die Front der Ehrenkompagnie abgeschritten hatten, begrüßte der Bürgermeister von Racconigi den Kaiser im Namen der Stadt. Sodann wurde die Fahrt nach dem Schlaffe angetreten. Der Kaiser und der König fuhren in einem Wagen, während die italienischen Minister und der russische Minister des Aeüßern Iswolski, der Ehrendienst und das Gefolge in sechs anderen Wagen folgten. Der Zug wurde von Kürassieren eskortiert. Bei der Fahrt durch die Straßen brachte die Bevölkerung den Monarchen lebhafte Ovationen dar. Die Spalier bildenden Truppen präsentierten und die Musik fpielte die russische und italienische Hymne: im Schloßpark erwies eine Schwadron des Kavallerieregimentss Savoyen die Honneurs. Auf der Schloßtreppe begrüßte die Königin den hohen East, der ihr die Hand küßtej sodann erfolgte die Vorstellung der'beiderseitigen Gefolge. Hierauf begaben sich die Herrschaften in das Schloß. — Während de s ganzen Nachmittags herrschte in der Stadt reges Leben, besonders auf dem großen Platz vor dem Schloß.. Beim Eintritt der Dunkelheit wurden die öffentlichen Gebäude illuminiert, was einen großartigen Eindruck machte. Der ganze Tag war von schönem Wetter begünstigt. — Ilm 8 Uhr abends fand Hoftafel zu 36 Gedecken statt, wobei der russische Kaiser und der König in der Mitte die Tafel einnahmen. Rechts vom Kaiser saß die Königin, links von dem König die Gräfin Euicciardini. Nach der Tafel hielten die Majestäten Cercle.
'Rom, 23. Okt. Im Auftrage des Kaisers von Rußland legte heute nachmittag der Botschaftsrat Baron von Korff-Schmising am Sarge König Humberts einen Kranz nieder.
Belfort, 23. Okt. Der russische Minister des Aeußern Iswolski teilte dem französischen Minister des Aeußern Pichon mit, daß Kaiser Nikolaus sich freuen würde, ihn zu empfangen, wenn er bei der Rückkehr durch Italien reisen werde. Iswolski wird mit Pichon eine Zusammenkunft haben.
Mailand, 23. Okt. In Besprechung der Entrevue in Racconigi führt Perseveranza aus, der Besuch des Kaisers sei weit entfernt, den Dreibund zu schwächen, stärke ihn und ergänze ihn vielmehr. Das Blatt zollt der Politik Tit- tonis, die durch die Ereignisse sich als gut erwiesen habe, volle Anerkennung.
Rom, 23. Ott. Die „Tribuna" heißt in einem Artikel den hohen East willkommen und erklärt, ein engeres Einvernehmen zwischen Italien und Rußland stehe durchaus nicht im
„Da dürfte er sich einmal umsonst bemühen. Die Frau ist immun!"
„Glückliche Ehe — was?"
„Sehr glücklich. Ueberhaupt famose Menschen, dieses Ehepaar. Schade, daß sie nicht länger hier bei uns leben. Solch interessanten Zuwachs könnten wir brauchen in unserer etwas langweiligen Garnison."
„Na, na — so schlimm kann es doch nicht sein. Heute zum Ehrenfeste Ihrer Frau Tochter ist es doch ganz reizend hier."
Massenbach lachte vergnügt.
„Jawohl, lieber Freund, weil wir uns interessante Menschen aus allen Gegenden unseres lieben deutschen Vaterlandes zu diesem Feste verschrieben haben. Was meinen Sie wohl, in wieviel Garnisonen wir schon vor Anker gegangen sind? Na — und überall gibt es doch ein paar Menschen, die einem interessant und lieb sind, die man gern in der Erinnerung behält und gern wiedersieht. Ja, ja, das Beste und Rarste haben wir uns ausgesucht unter unseren Bekannten, um das Hochzeitsfest unseres einzigen Kindes würdig zu begehen."
Hadersleben lachte herzlich.
„Das Beste und Rarste! Soll ich mich am Ende gar auch dazu rechnen, lieber Freund?"
„Gewiß, und in erster Linie."
„Hm! Na, dann Prosit, alter Freund."
„Prosit, Prosit! Und tonjours I'amour, wie Rlchenfels sagte. Die Liebe in jeder Gestalt — auch die zu unseren alten lieben Freunden, von denen uns zwar das Leben trennt, mit denen
Widerspruch mit dem gegenwärtigen System der Bündnisse. Es werde vielmehr auf dasselbe belebend einwirken, was ja die Aufgabe aller Ententen sei, welche gegründet seien auf der Anerkennung der Sonderinteressen, die sehr wohl mit den allgemeinen Interessen überein- stimmen können. Das Blatt weist sodann darauf hin, daß die Frage der angesehensten Organe der österreichisch-ungarischen und der deutschen Presse erkennen lasse, daß die öffentliche Meinung diesen beiden Ländern sich vollkommen in diesem Gedankengange bewege. Die guten Beziehungen zwischen Italien und Rußland bezweckten einzig und allein den Frieden zu erhalten und den Handelsbeziehungen der beiden Länder jeden nur möglichen Aufschwung zu geben. — Andere Blätter heben hervor, daß die Freundschaft zwischen Rußland und Italien die Ergänzung des Dreibundes bilde, mit dem ste vollkommen im Einklang stehe und daß die Treue zum Dreibund die unerschütterliche Grundlage der auswärtigen Politik Italiens bedeute.
Racconigi, 24. Okt. Heute früh verhinderte dichter Nebel den Aufbruch der Majestäten zur beabsichtigten Jagd. Nachdem er sich zerstreut hatte, begaben sich der Kaiser und der König in Automobilen nach dem königlichen Schloß in Pollenza. Nach dem Besuche im Schloß und nach der Besichtigung des Parkes in Pollenza kehrten die Majestäten gestern Mittag nach Raccogini zurück. Mittags fand Familien- frühstück für die Majestäten statt. _ Heute Nachmittag um 2 Uhr begaben sich Kaiser Nikolaus und König Viktor Emanuel in Begleitung der Minister nach der Meierei Migliabruna zur Fasanenjagd. Die Majestäten kehrten, nachdem um 4 Uhr die Treiben im Walde von Miglia- bruna abgehalten waren, nach dem Park zurück und setzten hier die Jagd bis 4y2 Uhr nachmittags fort. Sodann begaben sie sich nach dem Schloß zurück. Die Jagd war sehr ergiebig. Um 5 Uhr gab die Königin Tee auf der Terrasse des Schlosses, an dem auch die Mitglieder der russischen Botschaft in Rom, die nachmittags eingetroffen waren, teilnahmen. In der Stadt herrscht nach wie vor reges Treiben. Eine ganze Menge hatte auf dem Platze vor dem Schlosse Aufstellung genommen. Die Musik spielte unter dem lebhaften Beifall der Menge die russische und die italienische Hymne.
Rom, 21. Okt. In mehreren Städten des Landes wurde gestern und heute von den Sozialisten und Anarchisten der Versuch gemacht, Versammlungen abzuhalten, in denen gegen den Besuch des Kaisers von Rußland protestiert werden sollte. Die Versammlungen kamen jedoch teils wegen gar keiner, teils wegen zu geringer Beteiligung nicht zustande. Der Versuch, den Eeneralausstand in Ancona, Siena und Ravena herbeizuführen, scheiterte vollständig gegenüber der Haltung der Bevölkerung, die in ganz Italien zeigte, daß sie keinen Zwischenfall geduldet haben würde.
Deutschss Reich.
— Aus dem Staatsanzeiger. Berlin, 23. Oktober. Das Staatsministerium ist heute zu einer Sitzung zusammengetreten. — Wie ' der „Staatsanzeiger" meldet, ist der Geheime Oberfinanzrat Heinke zum Generaldirektor der direkten Steuern ernannt worden.
wir aber immer in Liebe vereint bleiben werden. Prosit!"
Ganz andächtig leerten sie ihre Gläser, dann sagte Massenbach lächelnd:
„Da waren wir schon wieder bei Rodenfels. Und wie viel Fehler er auch haben mag, interessiert hat er mich immer. Ich kenne ihn stets als — na, sagen wir als etwas unsicheren Kantonisten. Aber es steckt so viel Leben und Unverwüstlichkeit in diesem Manne. Sehen Sie nur, wie seine Augen blitzen, wie jede Bewegung voller Kraft und Schneidigkeit ist. Ich glaube schon, daß ihm so leicht kein Weib widerstehen kann, wenn es ihm darauf ankommt."
„Doch wer kühn ist und verwegen — sehr richtig. Ist sein Sohn nach ihm geraten.?"
„Nein, nicht im mindesten, weder äußerlich noch im Wesen. Er besitzt allerdings die große schlanke Gestalt seines Vaters, aber sonst hat er kaum einen Zug mit ihm gemeinsam. Die Schönheit des Vaters hat sich mehr auf das Töchterchen vererbt, so weit man das bei einem achtjährigen Mädelchen beurteilen kann."
„So jung ist sie noch?"
„Ja, ein Nachzügler. Ihr Bruder ist bereits achtungzwanzig Jahre alt, er ging gerade zur Marine, als die kleine Eva — ich glaube, von den Eltern nicht gerade freudig begrüßt — geboren wurde."
„Das ist allerdings ein enormer Altersunterschied zwischen Geschwistern, zumal, wenn vermittelnde Zwischenstufen fehlen. Weshalb ist der junge Rodenfels zur Marine gegangen?
— Rücktritt des Staatssekretärs $. Nieder» ding. Berlin 23. Okt. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Wie wir hören, beabsichtigt der hochverdiente Staatssekretär des Reichsjustizamtes, Dr. Nieberding, mit Rücksicht auf fein vorgerücktes Alter demnächst in den Ruhestand zu treten. Seit mehr als 17 Jahren hat der Wirft. Geh. Rat Dr. Nieberding der Reichsjustizverwaltung vorgestanden. Der verdiente Staatssekretär» hat sich vor allem den Ruhm erworben, mit den, Abschluß des Bürgerlichen Gesetzbuches ein« Grundlage moderner Rechtsprechung dargeboten zu haben, die allgemein als vorbildlich anerkannt worden ist. Die Wertschätzung der reichen Lebensarbeit des bisherigen Staatsfettetärs fand aus Anlaß feines 70. Geburtstages am 4 Mai 1908 in der gesomtenPresse und besonders in den juristischen Kreisen lebhafte Würdigung. — Dr. Rudolf Nieberding ist am 4. Mai 1838 geboren, wurde 1866 Hilfsarbeiter im Handelsministerium, 1872 ins Reichskanzleramt berufen und 1875 zum Vortragenden Rat ernannt. Seil 1889 war er Direktor der ersten Abteilung im Reichsamt des Innern. 1893 wurde Dr. Nieberding Staatssekretär des Reichsjufffzamtes. Des Abschied ist bereits bewilligt.
— Die Pläne der Zeppelin-Luftschiff-Eesell- schäft. Kopenhagen, 24. Okt. Der Zeitung „Danebrog" zufolge eröffnete die deutsche Zep- pelin-Luftschiff-Eesellschaft mit der Aktiengesellschaft „Skagens Badehotel" Unterhandlungen wegen Erwerbung eines Terrains an der Spitz« Skagens zur Errichtung einer Ballonhalle. Di« Aktiengesellschaft will der Zeppelingesellschaft ein entsprechendes Terrain zur Vallonhalle unentgeltlich überlassen, ohne daß jedoch damit das Terrain in den Besitz der Zeppelingesellschaft übergeht. Das betreffende Terrain liegt westlich vom Badehotel, ist gut geschützt und zum Landen von Luftschiffen gut geeignet.
— Dr. Schiicking hält in einer Mitteilung an die „D. Tgsztg." seine Behauptung aufrecht, daß Herr v. Hegel als Regierungspräsident einen Referendar bei seiner Aufnahme gefragt hat ob er Satisfaktion gebe. Er 'ist bereit, den Namen dieses Herrn zu nennen, falls sich Herr v. Hegel dessen nicht mehr erinnert. — Hätte doch Dr. Schiicking den Namen gleich genannt, das wär doch das einfachste gewesen.
— Saatenstand in Deutschland per Mitt« Oktober. Winterweizen 2.4 (im Vorjahre 2.7), Minterspelz 2.2 (2.2), Winterroggen 2.5 (2.6), Kartoffeln 2.6 (2.5). In den Bemerkungen heißt es: Von Mitte September bis Mitte Oktober war die Witterung im ganzen Reiche recht unbeständig. Infolge des anhaltend nassen Wetters konnte in den höheren Eebirgslagen und in den verschiedenen Küstengebieten das letzte Getreide und Grummet bis Mitte Oktober noch nicht geborgen werden. Durch die verspätete Räumung der Felder und der zahleichen Niederschläge hat sich die Bestellung der Herbstsaaten vielfach sehr verzögert und erschwert. Di« Beurteilung der jungen Staaten ist daber noch wenig zuverlässig. Die früh bestellten Roggen- saaten sind bei feuchtem Wetter meist schön aufgegangen und entwickeln sich gut. Auch die Kartoffelernte wird verschiedentlich durch die häufigen Regenfälle etwas in die Länge gezogen und war bis Mitte Oktober in vielen Gegenden noch nicht beendet. Der Ertrag entspricht meist nicht ganz den gehegten Erwartungen. da die Knollen vielfach klein geblieben sind. Auch durch Fäulnis und Engerlingsfraß . ______________
Hätte et sich auf dem väterlichen Besitz nicht nützlicher machen können?"
„Ich glaube, er war froh, von Hause fort zu kommen. Und dabei hat ihn wohl auch die Mutter beeinflußt, als sie einsah, daß Poden. fels nicht zu halten war. Die familiären Verhältnisse sind natürlich keine angenehmen. Und Georg Rodenfels hat wohl zu viel vom Treiben seines Vaters gesehen, um davon sehr erbaut zu fein. Er ist, soweit ich ihn kenne, ein solider und streng ehrenhafter Charakter, der wenig Verständnis haben dürfte für die oberflächliche Schmetterlingsnatur feines Vaters. Die beiden sollen keine guten Faden spinnen und sich am liebsten aus dem Wege gehen."
„Das sind sehr unerquickliche Verhälnisse. Wahrscheinlich für den Sohn drückender als für den Vater."
„Entschieden. Ganz Rodenfels tut mir leid. Ich wäre stolz auf einen solchen Sohn. Aber — ich muß jetzt ein wenig aus diesem behaglichen Eckchen herauskriechen, mein lieber Baron. Ich muß mich nach meiner Frau umsehen. Mein« Tochter ist anscheinend mit ihrem jungen Gatten verschwunden — und sie ist unsere Einzige. Ent. schuldigen sie mich kurze Zeit — wir plaudern nachher noch weiter."
Hadersleben nickte ihm lächelnd zu.
„Gehen Sie nur, lieber Massenbach. Ich sitze hier in guter Gesellschaft eines famosen Tropfens — da halte ich's eine Weile au».
, - (Fortsetzung folgt.)