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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschastlrche Berlage.

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TL« Sonn- und Feiertage. Der

jährlich durch die Post bezogen

44. Jahrg.

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DieGberhesstsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der " Bezugspreis beträgt viertel» i 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unscrn Zeitungsstellen und ' der Expedition (Markt 21,) 2 Mk.

Marburg

Son*. 24. Oktober 1909.

Die FnsertionSgebüdr beträgt für bte 7gespaltene Zeile oder deren Raum "15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, Universttätsbu chdruckerei Jnüaber Dr. C. Hitzerotb, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Zweites Blatt.

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für die Monate November und Dezember «uf dieO b e r h e s s i s ch e Zeitung" nebst ihren Beilagen werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt und Wetter, sowie . von allen Postanstalten und Landbriesträgern rntgegengenommen.

Das Baugewerbe und die sozial­politischen Lasten.

Aus den Kreisen des Baugewerbes erhalten wir folgende Zuschrift:

. Die Bedeutung des Baugewerbes für das wirtschaftliche Leben wird bei weitem nicht ge­nügend gewürdigt. Man läßt sich durch den Bergbau, die Metall-Industrie und dergleichen gewaltig imponieren, denkt aber nicht an die Größe und Bedeutung des Baugewerbes als Faktor in der Volkswirtschaft. Das kommt da­her, weil es im Baugewerbe viel kleinere Unter­nehmungen gibt, weil dieses Gewerbe an einer gewissen lokalen und technischen Zersplitterung leidet und weil die Zahlen, welche die gr.oße Wichtigkeit des Baugewerbes beweisen, nur wenigen bekannt sind. Und doch bildet das Bau­gewerbe die größte Industrie Deutschlands, was durch die Ergebnisse der Berufs- und Betriebs­zählung vom 12. Juni 1907 dargetan wird. Zu dem genannten Zeitpunkt gab es in Deutschland 26 827 326 erwerbstätige Personen; von diesen kommen auf die Industrie, einschließlich Bergbau und Baugewerbe 11256 254, auf die Landwirt­schaft entfallen 9 883 257 und auf Handel und Verkehr 8 477 626 Personen. Von den in der Industrie erwerbstätigen Personen kommt die größte Zahl auf das Baugewerbe; in diesem waren erwerbstätig insgesamt 1905 987 Per­sonen. An zweiter Stelle kommt das Beklei­dungsgewerbe mit 1421695, Metallverarbei­tung mit 1186 099, die Industrie der Nahrungs­mittel mit 1127 516, Textil-Jndustrie mit 1057 243 und Bergbau, Hütten- und Salinen­wesen mit 963 278 Personen.

Daraus geht hervor, daß das Baugewerbe die bei weitem meisten erwerbstätigen Personen beschäftigt, somit das größte Gewerbe darstellt. Deshalb ist es auch erklärlich, wenn das Bauge­werbe den wirtschaftlichen Gradmesser im Wirt­schaftsleben des Staates abgibt und wenn eine Depression in ihm einen ungünstigen Einfluß auf die deutsche Volkswirtschaft ausübt. Steht das Baugewerbe in guter wirtschaftlicher Kon­junktur, so blüht auch das ganze wirtschaftliche Leben, liegt das Baugewerbe darnieder, so haben wir einen allgemeinen wirtschaftlichen Tiefstand. Dazu bedarf es keiner näheren Be-

1 (Nachdruck verboten.)

Mas Gott zufammengeMgt.

Roman von H. kourths-Mahler.

Und darum, meine verehrten Herrschaften, toujours lamoür! Erheben Sie bitte mit mir Ihre Gläser und lassen Sie uns anstoßen auf das Wohl unseres jungen, glücklichen Paares das die Liebe zufammengeführt hat. Es lebe hoch!" Michael von Rodenfels hatte fein Glas mit rleganter Verbeugung gegen die Tafelrunde er­hoben. Mit blitzenden Augen wandle er sich an fein« schöne Nachbarin. Allgemeines Stuhlrücken, Eläserklingen, Schwatzen und Lachen der fröhliche Tumult einer festlich gestimmten großen Gesellschaft folgte seiner Rede. Es war entschieden die beste gewesen, die an der Hochzeitstafel gehalten worden war. Jedenfalls war eine ftöhliche Stimmung ausgelöst durch diesen Toast.

Ein verfluchter Kerl, der Rcü>enfels," sagte nach aufgehobener Tafel Baron Hadersleben zu dem Brautvater, Oherftleutnant von Massen­bach. Die beiden alten Herren faßen in einer gemütlichen Trinkecke bei einem besonders guten Tropfen.Seine Rede war famos, witzig und geistvoll. Und der ganze Mensch sprüht voll Feuer und Lebenslust.

Massenbach nickte zustimmend.

Ja, ja «in glänzender Gesellschafter ist et immer gewesen. Ich kenne ihn nicht ander» als gut gelaunt. Und wie ficht er «och aus mtt feinen fünfundfünfzig Jahren."

Richt möglich, so alt kann er «och nicht Mn."

Er ist es, verlassen Sie sich darauf. A« .> April ist er fünfundfünfzig geworden. Mr

weise, das haben wir in den letzten Jahren nur zu schwer empfinden müssen.

Stellen wir uns nach dieser allgemeinen Be­trachtung über die Bedeutung des Baugewerbes die Frage: ob das Baugewerbe noch weitere sozialpolitische Lasten ohne Gefährdung seiner Ertrags- und Leistungsfähigkeit übernehmen kann, so kann die Antwort darauf nur ver­neinend lauten.

In Nr. 77 der Baugewerks-Zeitung wird ziffernmäßig nachgewiesen, daß eine weitere Be­lastung der Mitglieder der Steinbruchs-Berufs­genossenschaft in kurzer Zeit trostlose Verhält­nisse schaffen müßte. Das würde bei den Mit­gliedern der Baugewerks-Berufsgenossenschaft leider in noch viel höherem Maße der Fall sein, wie folgende Zahlen beweisen mögen:

Bei der größten der zwölf Baugewerks-Be rufsgenossenschaften. der Nordöstlichen Bauge- werks-Verufs-Eenossenschaft, hatten im Jahre 1907 (das ist die letzte der in ihren Ergebnissen vollständig abgeschlossenen Umlagen; der Ab­schluß für 1908 wird erst nach Schluß dieses Jah­res erfolgen können) rund 24 000 Mitglieder 442 856,14 Mark aufzubringen. Es sind wegen der zu zahlenden Beträge 2157 Anträge auf Stundung eingegangen, gegen 13 560 Mitglieder ist wegen der Beiträge und der auf diese zu lei­stenden Vorschüsse die Einleitung der Zwangs­vollstreckung erforderlich gewesen, 893 Mitglie­der sind fruchtlos gepfändet worden und ihrer 544 mußten zur Ableistung des Offenbarunas- eides geladen werden; die Verusgenossenschaft war gezwungen,, 77 Mitglieder durch Voll­streckung der gerichtlichen Haftbefehle zur Eides­leistung zu bringen. 91 Sicherheitshypotheken auf Grundstücke der Mitglieder eintragen zu las­sen und 139 Betriebe infolge Zahlungsunfähig­keit und Unmöglichkeit, das Gewerbe fortzusetzen, zu löschen. Ausgefallen ist trotz dieser intensiven Beitreibung der Beiträge ein Betrag von 100 520,14 Mark 2,26 Prozent der Umlage.

Damit man nicht einwende, daß diese Berufs­genossenschaft, vielleicht in Rücksicht auf die Großstadt Berlin, in welcher zahlreiche Vuu- schwindler festen Fuß fassen können, kein zutref­fendes Bild für das übrige Baugewerbe Deutsch­lands abgeben kann, so lassen wir die entspre­chenden Zahlen mehrerer anderer Berufsge­nossenschaften folgen:

Bei der Hessen-Nassauischen Baugewerks- Verufs-Genossenschaft hatten 16 457 Mitglieder 1 324 371,60 Mark aufzubringen. 531 Anträge auf Stundung gingen ein, 8914 Anträge auf Zwangsvollstreckung waren erforderlich, 611 Pfändungsversuche blieben fruchtlos, 54 Mit­glieder mußten zur Ableistung des Offen­barungseides geladen werden, bei ihrer 5 mußte die Eidesleistung durch Vollstreckung der gericht­lichen Haftbefehle erzwungen werden, 3 Sicher­heitshypotheken auf Grundstücke der Mitglieder mußten eingetragen werden, die Ausfälle bei trugen 17 525,65 Mark 1,32 Prozent.

Bei der Rheinisch-Westfälischen Vaugewerks- Berufs-Genossenschaft hatten 40 000 Mitglieder 3159 450 Mark aufzubringen. Anträge auf Stundung sind eingegangen von 548 Mitglie­dern. 17 629 Anträge auf Zwangsvollstreckung waren erforderlich, 3486 Pfändungsversuche

find doch miteinander Spielkameraden gewesen, er und ich. Er ist ein Jahr älter als ich selbst."

Donnerwetter, dann hat er sich famos kon- serviert, ich hätte ihm vierzig gegeben. Seine Gatttn hielt ich für bedeutend älter."

Massenbach sah zu Frau von Rodenfels hin­über, die mit einigen älteren Damen plauderte. Sie tat es in einer müden, lässigen Art. Ihre große, hagere Gestalt hatte eine schlechte, vorge­beugte Haltung. In dem blassen Gesicht waren scharfe Linien, eingegraben, hauptsächlich um Mund und Kinn. Die tiefliegenden grauen Augen blickten glanzlos, wie gestorben.

Bedächttg nahm Massenbach einen Schluck aus seinem Glase, ehe er antwortete:

Ein ungleich« Paar, ohne Zweifel. Wenn auch, unter uns gesagt, der gute Michel ein biß­chen künstlich nachhilft in seiner äußeren Erschei­nung, so sticht er doch sehr vorteilhaft ab gegen feine Gatttn. Aber die arme Frau tut mir leid, sie ist nicht auf Rosen gebettet gewesen an seiner Seite."

Hadersleben sah ihn fragend an.

Man hat mir gesagt, Rodenfels Glück bei den Frauen sei sprichwörtlich. Jedenfalls weiß auch seine Frau darum. In der Regel ist so etwas für den Mann plaifierlicher, als für die etwas für den Mann passierlicher, als für die Fra«."

Massenbach sich tteffinnig in sein Glas.

»Hm ja wenn es nur das wäre. Ich glaube, damft hat sich llllrike Rodenfels längst abgefunden. Aber deck ihm Spiel und Weiber bas Geld wie Sand durch die Finger laufen lasse«, da» wird ihr mehr UnruA machen. Ich weiß au» positiver Quelle, daß Rckenfels be- demlich auf der Kippe steht. Seine Fra» hat

blieben fruchtlos, 225 Mitglieder mußten zur Ableistung des Offenbarungseides geladen wer­den, bei 55 Mitgliedern mußte die Eidesleistung durch Vollstreckung der gerichtlichen Haftbefehle erzwungen werden, die Ausfälle betrugen 154513,10 Mark = 4,89 Prozent.

Daraus ergibt es sich wohl zur Genüge, daß eine große Zahl von Mitgliedern der Bauge­werks-Berufsgenossenschaften schon heute hart an der Grenze der Leistungsfähigkeit angekommen ist; weitere Lasten können diesen Unternehmern nicht auferlegt werden, ohne ihre wirtschaftliche Existenz zu gefährden. Würden ihnen gleich­wohl noch weitere, zumal unnütze und unproduk­tive Belastungen für sozialpolitische Zwecke auf­gebürdet werden, so müßten viele zu Grunde gehen. Dadurch würden aber nicht nur ur das Baugewerbe, sondern zugleich für den Staat, die Gemeinden und zahlreiche andere Gewerbetrei­bende große Schäden herbeigefühtt werden. Ob die Negierung es angesichts solcher Tatsachen und Feststellungen noch wagen wird, durch ihre Reichsversicherungsordnung dem Baugewerbe die enormen Lasten für die an sich entbehrlichen Versicherungsämter aufzuerlegen, das steht da­hin; wir möchten vor einer derartigen Maß­nahme eindringlich warnen.

Deutsches Reich.

Die Einwohnerzahl der 12 größten deut­schen Städte am 1. Juni 1909. Das Statistische Amt der Stadt Breslau hat in einem seiner letz­ten monatlichen Berichte die auf Grund von Fortschreibungen berechneten Einwohnerziffern der deutschen Großstädte nach dem Stande von Anfang Juni 1909 mitgeteilt. Danach ist die Reihenfolge der 12 größten deutschen Städte nach der erfolgten Vergrößerung DüsseLorfs die folgende:

Berechnete Einwohner­zahl am 1. Juni 1909

1. Berlin . . . . . .2101618

2. Hamburg ..... 874963

3. München 561815

>. Dresden 547 646

5. Leipzig ..... 534751

6. Breslau ..... 503158

7. Köln . 472 211

8. Frankfurt a. M. . . . . 366 005

9. Düsseldorf .... 343 000

10. Nürnberg ..... 319708

11. Hannover ..... 289617

12. Stuttgart ..... 280010 Infolge von Eingemeindungen ist gegen das Jahr 1907 Düsseldorf um zwei Stellen aufgerückt, unter Ueberspringen Nürnbergs und Hannovers.

Note und Rötliche, lieber dies Thema weiß dieD. Tgsztg." wieder folgendes mitzu­teilen: In einer von derDemokratischen Ver­einigung" nach Baumschulenweg einberufenen Versammlung entwickelte am Sonntage der ehe­malige Oberst Eaedke sein bekanntes Programm. In der Diskussion trat ihm ein Genosse ent­gegen. Der Genosse meinte, die Grundsätze Eaedkes hörten sich ganz nett an, durchführen werde er sie aber als Angehöriger einer bürger­lichen Partei nicht können. Ein anderer Ge­nosse, der später das Wort erhielt, gab der Mei-

sich anfangs mit wilder Energie gegen den Untergang gestemmt, der beiden Kinder wegen. Sie wollte ihrem Sohne Rodenfels erhalten um jeden Preis. Aber jetzt ist sie müde geworden gleichgültig. Ich fürchte, Rodenfels kommt dem­nächst unter den Hammer."

Nicht möglich! Der Mann sieht nicht aus, als ob er Sorgen hätte. So voll übermütiger Fröhlichkeit könnte er dann nicht fein."

Massenbach nickte vor sich hin.

Sie kennen ihn nicht, wie ich. Der lacht noch, wenn der Sargdeckel über ihm zugeklappt wird."

Eine Weile saßen die beiden Herren schwel­gend und sahen zu Micheal Rodensels hinüber. Einige Herren und Damen hatten in einer Ecke des Festsaales Platz genommen und schienen sich köstlich zu amüsieren. Rodenfels stand mitten unter ihnen in übermütiger Stimmung. Er drehte unternehmend an feinem Bart und ließ seine Augen nicht von der schönen Frau, die bei Tische feine Nachbarin gewesen war. Es war die Gattin des bekannten Architetten Professor Hardenberg. Dieser stand neben dem Sessel sei­ner Frau und unterhielt sich mit einem alten, weißköpfigen Herrn über die Kirche, die er vor kurzer Zeit im Bau vollendet hatte. Professor Hardenberg war von Dresden berufen worden, um der Stadt ein neues, prächtiges Gotteshaus zu bauen. Die Tochter des Oberstleutnants von Massenbach und ihr junger Gatte waren das erste Brautpaar gewesen, welches in der neuen Kirche den Segen empfing. Deshalb hatte Pro­fessor Hardenberg mit seiner Gattin der Ein­ladung zu dieser Hochzeitsfeier Folge geleistet, zumal er ohnehin mit der Stadt noch geschäftlich zu verhandeln hatte.

Hardenberg war «in« imposante, vornehm«

nung Ausdruck, daß man sich die Unterstützung durch dieDemokratische Vereinigung" ja ge­fallen lassen könne, nur dürfe sie nicht ver­suchen, mit ihrer Agitation der Sozialdemokratie ins Gehege zu kommen. Nachdem der Genosse ge­endet hatte, beeilte sich Herr Eaedke sofort zu er­klären, daß es derDemokratischen Vereinig­ung" nicht einfallen werde, bet Sozialdemokratie ins Gehege zu kommen, die Vereinigung werde, nur versuchen, dasKleinbürgertum auszu­rütteln". Diese Erklärung nahmen die Ge­nossen gnädig auf. Mancher von ihnen wird, wohl dabei über die rötlichen Lakaien gelächelt haben. Anhangsweise sei noch eine Ver­sammlung erwähnt, die die Demokraten in Breslau abhielten. Dort sprach ein Fräulein Eellrich über Friedensbestrebungen. In der Diskussion empfahl ein Redner, die Esperanta- sprache als Mittel zur Verbrüderung der Völker. Nun wird wohl Genosse Peus, dem die Ge­nossen ohnehin das Leben schwer machen, der Demokratischen Vereinigung" beitreten. Seine Gesinnung braucht er ja deshalb nicht zu ändern.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe »Oberheff. ytg.* gestattet.)

Marburg, 23. Okt.

* Nachruf. DerReichsanzeiger" schreibt: Am 16. d. M. verschied nach kurzem Leiden zu Schweinsberg in der Provinz Hessen-Nassau der Kaiserliche Gesandte a. D., Wirkliche Geheim«, Rat Gustav Adolph Karl Rudolph Freiherr Schenck zu Schweinsberg im 67. Lebensjahre. Ge­boren am 24. März 1843. bestand Freiherr von Schenck im Jahre 1872 die Eerichtsassessor- prüfung und trat nach kurzer Tätigkeit im Justizdienste im darauffolgenden Jahre in den, auswärtigen Dienst ein. Nachdem er mehr als zwei Jahre im Auswärtigen Amte gearbeitet! hatte, wurde er im Januar 1876 zum Legations- sekretär bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Petinch ernannt und im Dezember 1879 zur Hilfsleistung in die politische Abteilung des Auswärtigen Amtes einberufen. Im Mai 1880 für mehrere Monate mit der interimistischen Führung der Geschäfte der Kaiserlichen Gesandt­schaft in Bukarest betraut, erhielt er im Sep­tember desselben Jahres den Posten des Lega­tionssekretärs bei der damaligen Gesandtschaft in Madrid und im Dezember 1880 den Charak­ter als Legationsrat. Im Juli 1881 erfolgte feine Beförderung zum Kaiserlichen Minister- residenten in Santiago (Chile), rar rauf ihm im Juli 1886 der Posten des Kaiserlichen Gesandten in Teheran übertragen wurde. Diesen Posten vettauschte er im Februar 1893 mit dem gleichen in Peking und den letzteren im Mai 1896 mit dem Gesandtenposten in Tanger. Nachdem ihm im September 1896 der Charakter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem PrädikatExzellenz" verliehen worden war, mürbe er infolge seiner durch klimatische Einflüsse geschwächten Gesund­heit int April 1899, unter Verleihung des Sterns zum Roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub, in den einstweiligen Ruhestand ver-

Persönlichkeit. Auf den breiten Schultern saß ein bartloser, rassiger Künstlerkopf mit markan­ten, festgefügten Zügen, wuchtiger Stirn und ausdrucksvollen klaren Augen.

Er wechselt« zuweilen einen Blick mit seiner Gattin. In diesem Blick hätte ein aufmerksamer Beobachter allerlei lesen können. Dor allem, daß diese beiden schönen, äußerlich harmonischen Menschen sich in innigster Liebe zugetan waren. Hardenbergs Gattin war in ihren Gesellschafts­kreisen dafür bekannt, daß sie eine Jdealehe führten. Schrankenlose Liebe, restloses Jnein- anderaufgehen, feinstes Verständnis der gegen­seitigen Eigenart uni). festes Vertrauen, das waren die Fundamente dieser seltenen Ehe, die nur von einem Schatten getrübt war sie blieb kinderlos.

Rodenfels und feine Gattin waren mit an­deren Hochzeitsgästen in demselben Hotel abg«- stiegen, in dem auch Hardenbergs seit mehreren Tagen schon Wohnung genommen hatten. Kaum hatte Michael von Rodenfels die schöne Fran: Professorin kennen gelernt, als auch schon Er­oberungsgelüste bei ihm erwachten. Seine Do« Juan-Natur regte sich, sobald ihm eine besonders reizvolle Frau entgegentrat. Und Paula Har­denberg war ohne Zweifel eine entzückende Frau, wenn sie auch bereits die Dreißig überschritten haben mußte.

Daß sie seine Artigkeiten mit kühler Liebens­würdigkeit aufnahm, reizte ihn noch mehr. Eben­so der Umstand, daß sie in ihrem Manne aufzu­gehen schien. Leichte Siege waren nie fei« Genre gewesen. Für ihn hatten die Frauen nur Reiz, so lange sie ihm widerstanden.

( Fortsetzung folgt.)