II 11117,1 lll/.lll 11111/ dfefl/illTIlf tfr lliji,Hi III,Hili i Jjlf/I IIIIII
H H ■ / Sj ■ J H H ■ j ■ ffijn h H / ■ i ■ i H i Wq H । H sS ■ H
v VM M M v v MfWE %/ Bj ®L/ w BywJ W |J KL
II I
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage."
Die Jniertionsgebüir beträgt für bte 7gespaltene Zeile »der deren Raum 16 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Fad. Auq. Koch, Unioerütätsbuchdruckerei Inhaber Dr. C. H itzerotb, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
M 250
Die „Gberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21j) 2 Mk.
UtglgHB
Marburg
Sonntaq. 24. Oktober 1909.
44. Jahrg.
Erstes Blatt
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Umschau im Auslande.
Die gegen den Spruch des spanischen Kriegsgerichts und gegen die Vollstreckung des Todesurteils an dem Anarchisten F e r r e r gerichteten Kundgebungen in den Straßen von Paris und ^rhlreicher französischer Provinzstädte, in Italien und England und in Berlin, sind zwar, abgesehen von Paris, unblutig verlaufen, zeugen aber von einer geistigen Strömung, die um so mehr Beachtung verdient, als sie über den Kreis der urteilslosen Masie auch die Reihen der Gebildeten sortzureißen droht. Der Protest, den Männer wie Lujo Brentano, Richard Dehmel, Ernst Haeckel. Gerhart Hauptmann, Max Liebermann und Julius Meier-Graefe unterzeichnet haben, spricht deutlich genug dafür. Und doch hat keiner dieser Männer die Möglichkeit gehabt, sich ein anderes Urteil zu bilden, als das, welches die Suggestion aus den anarchistischen Kreisen Frankreichs, Englands und Italiens ihnen aufzwang. Die Veröffentlichung der Prozeßakten ist von der spanischen Regierung für die nächsten Tage angekündigt. Schon jetzt aber steht fest, daß die Verhandlung des Kriegsgerichts in voller Öffentlichkeit stattfand, daß die Journalisten sie stenographieren durften, daß Ferrer das Wort erhielt und daß sein Verteidiger Calceran in seinem Plädoyer trotz seiner anarchistischen Grundsätze, die er dabei offenbarte, nicht unterbrochen worden ist. Es ist unbillig, sich zum Richter aufzuwerfen. wenn man seine Ueberzeu- gung nicht auf einwandsfreies Material stützen kann. Diese Art Kundgebungen, wie sie bisher erfolgt sind, lassen sich nur auf das schärfste mißbilligen. und nicht mit Unrecht erhebt sich alles in Spanien gegen die Eingriffe in die inneren spanischen Angelegenheiten. Es ist daher sehr leicht möglich, daß der bisher unpopuläre Krieg in Marokko, der bekanntlich den Vorwand zur Emeute in Barzelona gab, jetzt den Charakter einer spanischen Ehrenfrage gewinnt, die unter allen Umständen zu ruhmvollem Ausgang geführt werden mutz.
Die Erregung der irregeleiteten Volksmasien kann aber außerdem leicht zu bedenklichen politischen Komplikationen unter den Ländern führen. Die Zusammenkunft, die zwischen dem Präsidenten Taft und dem Präsidenten von Mexiko stattgefunden hat, mutzte durch ein ungeheures Aufgebot von Polizei und Detektivs geschützt werden, weil die Anarchisten von Ehikago beschlossen hatten, beide zugleich zu ermorden. Das stille, weltentlegene Racconigi, der Begegnungsort zwischen dem russischenZarenund dem italienischen Königspaare, ist in ein Militärlager umgewandelt worden. Die kleine Sommerresidenz des italienischen Königs hat noch nie auch nur entfernt so viel Truppen in ihren Mauern beherbergt als in diesen Tagen. Ursprünglich war für die Zarenreise die Fahrt r'durch die Dardanellen geplant. Der Minister 1 Iswolski bewog jedoch seinen kaiserlichen Herrn, diesen Plan aufzugeben, deffen Durchführung .* ohne die Zustimmung der Signatarmächte des Berliner Vertrages nicht möglich gewesen wäre.
In der deutsch-nationalen Preffe wird jetzt eifrig der bayerisch-russisch« Zwischenfall debattiert. Im vorigen Jahre hatte die bayerische Regierung auf Grund ihres Auslieferungsvertrages mit Rußland den russischen Behörden einen Mörder überantwortet. Dieser Vorgang hat zumal die Sozialdemokraten in der Kammer bewogen, in voriger Woche die Regierung aufzufordern, den Vertrag mit Rußland zu kündigen. Die Resolution wurde auch trotz des Widerspruches des Ministers Podewils angenommen. Es ist jedoch fraglich, ob die bayerische Regierung der Resolution entsprechen wird. An den maßgebenden russischen Stellen versichert man allerdings, daß das Votum der bayerischen Kammer, das übrigens noch der Zustimmung der Kammer der Reichsräte bedarf, keineswegs als ein Maßstab der Gesinnung des Deutschen Reiches gegenüber Rußland angesehen werde. Gegenwärtig enthält die deutsche Reichs- verfasiung keine Bestimmung über die Befugnis der Einzelstaaten zum Abschluß von Staatsverträgen. Aus den allgemeinen Prinzipien der Verfassung aber ergibt sich, daß ihnen der völkerrechtliche Vertragsabschluß mit fremden Staaten nicht entzogen, sondern nur beschränkt ist. Selbstverständlich dürfen mit dem Auslande keine Verträge gegen die Sicherheit und Existenz des Reiches geschloffen werden, ebenso nicht über Angelegenheiten, die ihnen durch Artikel 4 der Reichsverfassung entzogen sind. Ob Überhaupt, oder wie weit nun das Auslie» Ntuxgsredjt der Kompetenz bet Reiches nach
Artikel 4 unterliegt, darüber herrscht noch Unklarheit. In der Praxis hat man bisher den Einzelstaaten die Ausübung dieses Vertragsrechts gestattet, solange das Reichs nicht selbst diesbezügliche Verträge abschloß was in bezug auf Rußland bisher nicht geschehen ist.
In E n g l a n d'ist die Lage noch unklar. Der Präsident des Handelsamts, Winston Churchill, hat wieder einmal in Schottland eine seiner berühmten Budgetreden gehalten, aus denen klar und deutlich hervorgeht, daß die Regierung mit bezug auf die Finanzbill keine weiteren Zuge- ständniffe mehr machen will, demnach also auch von Kompromissen mit dem Oberhause keine Rede sein wird. Die auswärtige Politik Englands. die. wie es scheint, die nach Selbständigkeit strebende Politik der Türkei mit einigem Mißbehagen verfolgt, wird jetzt durch die zentralasiatischen Dfnge, namentlich an den indischen Grenzgebieten und Afghanistan, in Anspruch genommen. England scheint eine neue Expedition gegen di« unruhigen Stämme, insbesondere gegen die Waziris, zu beabsichtigen. Tatsächlich gährt es auch in ganz Afghanistan. Aus den nur spärlich von der englischen Zensur durchgelaffenen Nachrichten geht hervor, daß die gesamte Bevölkerung unter Waffen steht. Alle Hindus sollen das Recht erhalten haben, Waffen zu tragen und jeder achte Mann ausgehoben worden sein zur Bildung eines besonderen Hin- dukorps. Dazu komme ein eifriger Ausbau der Heerstraßen, die Errichtung von Militärlagern usw. Erfreulicherweise ist in letzter Zeit im eigentlichen Indien, speziell in Bengalen, nichts von Unruhen zu hören gewesen, so daß die englische Regierung sich wenigstens den Rücken gedeckt hat.
Politische Umschau.
Herrn o. Eerlachs Quellen.
Die „Freisinnige Ztg." berichtet folgendes Eeschichtchen:
„Gegen den Abg. Kopsch waren in der „Welt am Montag" vom 4. Oktober heftige Angriffe enthalten, die sich gegen seine amtliche Tätigkeit als Rektor richteten. Dieser Artikel trug so sehr den Stempel tendenziöser Zuspitzung und Uebertreibung an sich, daß wir es uns versagt haben, darauf zu antworten. In Wirklichkeit handelt es sich um einen leichten Disziplinarfall, der sich am 25. September ereignete und der inzwischen seine volle Aufklärung und Erledigung gefunden hat. Wenn wir jetzt auf diesen Artikel, der dem Abg. Kopsch einen großen Mißbrauch der Schulgewalt vorwarf, zurückkommen, so geschieht es nur, um zu zeigen, wie solch ein Artikel zustande kommen konnte. Die Mutter des in Frage kommenden Knaben K. ist nämlich Reinemachefrau bei der „Welt am Montag". Ahnungslos hat sie dort Herrn v. Eerlach von der Schule erzählt. Diese Mitteilungen der Mutter an Herrn von Eerlach find alsdann zu persönlich gehässigen Angriffen gegen den Abg. Kopsch benutzt worden. Frau K. hat dem Vertreter des Herrn Rektors Kopsch ihr Bedauern über diesen Artikel und seine Veröffentlichung zum Ausdruck gebracht."
Falls die Angaben des Blattes sich bewahrheiten, kann man Herrn v. Eerlach zu dieser noblen Art des politischen Kampfes nur beglückwünschen, er wird sich auf diese Weise überall Sympathien verschaffen.
Deutsches Reich.
— Der Geburtstag der Kaiserin. Potsdam, 22. Oft. Die Kaiserin nahm anläßlich ihres Geburtstages heute Vormittag die Glückwünsche der kaiserlichen Familie und des engeren Hofes entgegen. Später fand Familienfrühstück statt, woran auch die Großherzogin von Baden und Prinz Christian von Schleswig-Holstein tellnahmen. Der Kaiser ernannte die Prinzessin Vikwria Luise zum Chef des zweiten Leibhusarenregiments. Der Regimentskommandeur der Leibhusarenbrigade, kom mandierender General Mackensen, sind heute Vormittag im Neuen Palais eingetroffen und wurden der Prinzessin, die in der Uniform des Regiments, auf einem Schimmel reitend, an der Gartenseite des Reuen Palais erschien, durch den Kaiser in Gegenwart der Kaiserin mit einer Ansprache vorgestellt.
— Bon der Reichstagsstichwahl in Koburg liegt bereits folgendes Wahlergebnis vor: In der Reichstagsstichwahl zwischen Quarck (nat.-lib.) und Zietsche (Soz.) wurden bis 12% Uhr nachts gezählt: für Quarck 6465, für Zietsche 6986 Stimmen. Rur aus einigen kleinen Orten sehlt noch das Ergebnis. Demnach dürfte die Wahl des Sozialdemokraten sicher sein. In dem Wahlkreise hat sich wieder einmal ein Demokrat, Dr. Brettscheid, der Freund des Herrn v. Gerlach, für die Wahl des Genoffen stark ins Zeug gelegt, und es ist nicht unmöglich, daß seine Agitattim bei der
geringen Sttmmendtfferenz recht viel geholfen hat, den Rationalliberalen im Wahlkreise aus dem Sattel zu heben. Bei der Wahl am 11. ds. Mts. entfielen aus Quarck (nctt.-lib.) 3445, Arnold (freis.) 3043 und Zietsche (Soz.) 6183 Stimmen. Die Sozialdemokratie hat also einen Zuwachs von 800 Stimmen erhalten, der sich aus aufgehetzten Miß" vergnügten rekrutiert, wenn man auch annehmen darf, daß nicht wenige rötliche Freisinnige das völlige Rot in der Sttchwahl vorzogen. Eindringlich lehrt aber'der Ausfall der Ersatzwahl in Koburg wieder einmal, daß die Hetze gegen rechts wegen der Finanzreform stets den radikalsten Parteien zugute kommt und nicht etwa den liberalen Mittclparteien. Vielleicht dürfte diese neue Belehrung auf gewisse Kreise allmählich Eindruck machen. Auch die Landtagswahlen in Baden und Sachsen zeigen ja ein bedeutendes Anwachsen der roten Flut, worüber zu reden sein wird, wenn das endgilttge Resultat vorliegt, ?
— Internationaler Kongreß für Bergbau. Esten a. b. Ruhr, 22. Ott. Die Vorbereitungen für den Internationalen Kongreß für Bergbau, Hüttenwesen, angewandte Mechanik und prattische Geologie in Düsseldorf im Jahre 1910, dessen genauer Zeitpunkt nunmehr auf die Tage von Montag den 20. bis zum Donnerstag den 23. Juli 1910 festgelegt ist, haben in den letzten Monaten erfreuliche Fortschritte gemacht. Da die einladenden Vereine und unmittelbar interessierten Industrien namhafte Geldmittel zur Verfügung stellten, ist die finanzielle Grundlage des Kongresses gewährleistet. Die Organiscttion des Kongresses ist bis auf den Ehrenausschuß, die als Ehrengäste einzuladenden Vertreter der Staats- und Reichsbehörden, der beteiligten Städte, Hochschulen^mb Bergakademien durchgeführt. Der Vorsitz des Arbeitsausschusses und damit die Leitung des Kongresses Wurde dem Bergrat Kleine und dem Kommerzienrat Springswurm, den Vorsitzenden des Vereins für bergbauliche Interessen des' Oberbergamtsbezirks Dortmund und des Vereins deutscher Eisenhüttenleute, übertragen, denen als Generalsekretär die Geschäftsführer der genannten Vereine Dr. Schroedter und Bergastestor von Löwenstein zur Seite stehen. Dem Arbeitsausschuß, in dessen Händen die eigentlichen Vorbereitungen liegen, ist ein Beirat von 86 Personen angegliedert, dem hervorragende Vertreter der am Kongreß interessierten Industrien und Wissenschaften angehören.
— Die Beleidigungsklagen gegen Wilhelm Bruhn haben sich, wie Berliner Blätter melden, an der Ueberweisungsstelle derart angehäuft, daß die versprochene Beschleunigung Wohl nicht stattfinden kann. Die erst vorzunehmende Sichtung dürfte längere Zett in Anspruch nehmen. Bei der dritten Zivilkammer des Landgerichts I ist gestern auf Antrag des Rechtsanwalts Dr. Werthauer gegen den Verleger der „Wahrheit' WUHelm Bruhn, gegen den verantwortlichen Redatteur und den Drucker der Zeitschrift eine einstweilige Verfügung erlösten worden, nach der den Genannten bei einer Sttase von 10 000 .41 für jeden Fall verboten wird, in der Zeit beleidigende Aeußerungen gegen den Antragsteller zu veröffentlichen.
— In dem Fall Schack ist, wie die „Deutschsoz. Blätter' melden, auch der letzte Strafantrag zurückgezogen.
Ausland.
** Di« Reise des Zaren nach Italien. Frankfurt, 22. Ott. Der Sonderzug des Zaren traf um 2 Uhr 57 Min. auf der Station Frankfurt a. M.-Bockenheim ein. Nach erfolgtemMaschinen- wechsel wurde um 3 Uhr 5 Min. die Fahrt fortgesetzt. — Mit dem Zaren fuhren der Eroßherzog von Heffen und Prinz Heinrich vcn Preußen, um chren hohen Verwandten zu begrüßen und denselben eine Strecke zu begleiten. — Straßburg, 22. Okt. Der russische Hofzug traf heute Abend um 7 Uhr 28 Min. mit einiger Verspätung, durch einen Defekt des Güterwagens in Lauterburg veranlaßt, auf dem hiesigen Hauptbahnhose «in, der vollständig abgesperrt war. Um 7 Uhr 38 Minuten erfolgte die Weiterreise über Lyon nach Rom.
* * Dänemark. Kopenhagen, 22. Ott. Das Folkething nahm nach Ablehnung der von der Rechten und den Sozialdemokraten eingebrachten Mitztrauensanträge mit 49 gegen 44 Stimmen den von den Radikalen eingebrachten Antrag an, in dem dem gesamten Ministerium Holstein das Mißtrauen ausgesprochen wird. Dafür stimmten die Radikalen, die Sozialdemokraten und acht Mitglieder der Rechten, bagegen die Gruppen der Linken. Der Rest der Rechten enthielt sich der Abstimmung. Der Ministerpräses erklärte, daß das Ministerium demissioniere.
* * Spanien. Madrid, 22. Ott. Die liberale und die republikanische Preffe widmen dem Mi
nisterium Moret freundliche Begrüßungsattikel und treten für eine wahrhaft liberale und demokratische Politik ein.
* * Rußland. Kiew, 21. Ott. Die hiesige polnische Gesellschaft für Bildungszwecke Ozwjata nebst allen ihren Filialen wurde geschloffen auf Grund eines Ukases des Senats, welcher die Ziele und Aufgaben der genannten Gesellschaft für nicht vereinbar mit der Politik erklärt, welche die Regierung in den Westgouvernementt verfolge.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe
„Oberhess. Ztg.' gestattet.)
Marburg, 23. Ott.
• Bom Zägerbataillo«. Frhr. v. Stein zu Nord- und Ostheim wurde zum Oberleutnant befördert.
* Kinberlähmung. Die Polizeiverwaltung teilt uns mit Bezug cuf unsere gestrigen Ausführungen über bie „Kinderlähmung' folgendes mit: Die Ausdehnung der Anzeigepslicht auf Kinderlähmung ist bei dem Regierungspräsidenten in Cassel beantragt. Die Aerzte sind ersucht, schon jetzt für eine genügende Isolierung der Kranken Sorge zu tragen und die Erkrankungsfälle bei der Polizeiverwaltung zur Anzeige zu bringen. Die Letter der hiesigen Schulen sind ersucht worden, anzuordnen, daß die Geschwister der Kranken die Schule nicht besuchen und ailch erst dann zugelasten werden, wenn nachgewiesen ist, daß die Krankheit erloschen und die Desinfektion stattgefunden hat. Desinfettion erfolgt in jedem Falle, auch dann, wenn nur Verdacht der Erkrankung vorliegt. Als krank sind bisher 9 Kinder festgestellt und wird in 2 Fällen auch nur der Verdacht des Ausbruchs der Krankheit ausgesprochen. Zur Beunruhigung liegt wohl kein Grund vor, da die Krankheit gut- arttg verläuft. Es ist vielmehr auf ein baldiges Erlöschen der Krankheit zu rechnen.
* PrüfungSergebniffe. Wir lesen in einet ganzen Reihe von hessischen Provinzblätern:
Marburg, 21. Ott. Viel besprochen wird hier das Ergebnis der Prüfung von neun Kandidaten des höheren Lehramts vom letzten Freitag und Samstag: Alle neun, die zur Prüfung geladen waren fielen durch. Dies ist umso auffallender, da sämttiche neun sich schon zum zweiten- bezw. drittenmale der Prüfung unterzogen.
In anderen Blättern finden sich noch ausführlichere Expettorattonen. Wir wissen nicht, welchen prattischen Erfolg sich die Verbreiter dieser merkwürdig gefaßten Notiz versprechen. Die tendenziöse Fassung der Mitteilung kann nur die Bedeutung einer Warnung für Philologen haben, nicht nach Marburg zu gehen — mindestens dort nicht Examen machen zu wollen. Es ist ja eine alte Geschichte, daß in den Augen des Kandidaten immer der Prüfende an dem Durchfall schuld ist — der Glaube hieran ist nun einmal ein unver- äußerbares Menschenrecht — immerhin hat es bis jetzt noch niemand in Preßnottzen in eigenartiger Weise als „ausfallend' bezeichnet, daß z. B. die Resultate der Referendarexamina vielleicht bei einzelnen Oberlaudesgerichien zuweilen doch recht viel zu wünschen übrig lassen. So wird man sich billig über dies Verfahren wundern können. Wir wollen damit sagen, daß die Marburg schädigende Fassung, die nur den Charatter einer Warnung vor unserer Universität hat, unbedingt aufs schärfste zu verurteilen ist, andererseits plädieren wir gern bei den Herren Examinatoren auf „besseres Wetter' fiir die Kandidaten des höheren Schulamtes.
)( LiHervereins-Konzert. Auf das morgen Abend in den Stadtsälen stattfindende Konzert des Liedervereins machen wir hiermit noch besonders aufmerksam.
* Der Kaiser als Pate. In einem Runderlaß des Ministers des Innern an die Regierungspräsidenten wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Zahlung eines Gnadengeschenks bei der Geburt vom achten Knaben für Rechnung des Allerhöchsten Disposittonsfonds bei der Eeneralstaatskaffe nicht erfolgen darf, da die Ermächtigung zur Zahlung eines solchen sich nur auf Fälle der Uebernahme einer landesherrlichen Patenstelle bei siebenten Knaben erstreckt. Seine Majestät pflegt aber bei achten, in derselben Ehe in ununterbrochener Reihenfolge geborenen Knaben eine persönliche Patenstelle zu übernehmen, auch wenn bei dem vorhergegangenen siebenten Knaben schon die Uebernahme einer landesherlichen Patenstelle durch den Regierungspräsidenten ausgesprochen worden ist. Die Schatullverwaltung ist im Falle der Bedürftigkeit zur Zahlung eines PatengeschenL»: von sechszig Mark ermächtigt.