mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Benage.
JVs. 249
Die „Gberhrsstschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bez u a s p r e t S beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Mk. (ohne Bestellgeld), bei unfern Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21J 2 Mk.
Marburg
Sonnabend 23. Oktober 1909.
BHLMBEÄ
Die InsertronSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennig, für Reklamen 30 Pfennig. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UnwersitätSbuchdruckerei Jnbaber Dr. C. H ltzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
44. Jahrg.
»■a
bürgerliche Erziehung statt. Die Versammlung überließ es dem Eesamtvorstand, zu diesem Pro. blem im einzelnen Stellung zu nehmen. Eine Nachfeier in Eisenach am 18. Oktober, welche der 50jährigen Gründung des Nationalvereins galt, schloß den einmütig verlaufenen Vertretertag.
=
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 82.
Eine treffende Abfertigung des Berliner Tageblattes.
Das „Berliner Tageblatt" hatte sich gegen die „Nordd. Allgem. Ztg." gewandt, weil sie angeblich unabhängigen Zeitungen Vorschriften für die Behandlung des Ferrer-Rummels gemacht habe. Es schrieb dabei:
„Es zeugt wirklich von einer hochgradigen geistigen Verblödung, wenn die Norddeutsche verlangt, die deutsche Presse solle auch bei Erörterung der englischen Budgetkämpfe, wie bei Besprechung aller auswärtigen Vorgänge, auf Kritik und Parteinahme ver- ßichten."
Und weiter:
„Wir sehen nicht fein, warum große Blätter sich dazu hergeben sollen, die stilistisch reizlose Prosa und die bcdientcnhaften Anschauungen offiziöser Schreiber zu verbreiten, deren Anmaßung im denkbar größten Gegensätze zu ihrer Bedeutung steht."
Daraufhin hat die „Nordd. Allgem. Ztg." dem edlen Blatt des Herrn Rud. Mässe eine überaus treffende Charakteristik ins Stammbuch geschrieben, nachdem sie die unanständige Kritik zurückgewiesen hatte.
„Obwohl wir in dem zur Erörterung stehenden Falle wahrlich keiner Rückenstärkung bedurften, bestätigen wir dem „Berliner Tageblatt" gern, daß der angeführte Erguß für uns nur eine neu« Anregung fein kann, die Richtung festzuhalten, die wir gegenüber dem künstlich inszenierten Ferrer-Rummel von Beginn an eingeschlagen hatten. Hier, wie auch sonst immer, ist es ein untrügliches Zeichen, daß wir uns auf rechtem Wege befinden, wenn dieser Weg von den Jrrpfaden des „Berliner Tageblattes" abweicht. Da unsere Mahnung nicht ausdrücklich an das „Berliner Tageblatt" gerichtet war, vermögen wir uns den Aufwand von unechtem Temperament in obiger Auslas- jung nicht anders als aus einem allerdings begreiflichen Schwächegefühl zu erklären. Mit reichlicher Verwendung von Sperrdruck, Durchschuß und Fett- fchrift, mag eine Zeitung wohl bei denjenigen Eindruck machen, für deren Charakterisierung der selig« Dr. Bock einstmals in der „Gartenlaube" eine zum geflügelten Wort gewordene Bezeichnung geprägt hat. Alle diese Mittel und Mittelchen reichen indessen nicht aus, eine Zeitung zum Range eines politischen Organs zu erheben. Der Umstand, daß man im Ausland«, fco man die deutschen Verhältniffe nicht kennt, das „Berliner Tageblatt" für ein solches halt, wird selbst das „Berliner Tageblatt" nicht über die Erkenntnis Hinwegtäuschen, daß jene Bewertung der „Berliner Tageblatts" in Deutschland nicht geteilt wird. Daher der Zorn! Daß aber die in Deutschland verbreitete Auffassung die richtige ist, davon legt die angeführte Auslassung nach Inhalt und Form erneut beredtes Zeugnis ab."
Gut getroffen? Das merkt man auch an der Antwort des „Verl. Tgbl."; es gerät in förmliche Wut. Das Blatt faselt von dem „armen Kerl in der offiziösen Gestndestube, der das, was er heute angreift, morgen loben und verhimmeln muß, wenn die Regierung ihm den Befehl dazu hinunterschickt. „Die „Nordd. Allgem. Ztg." täte wirklich bester, sich nicht auf eine Polemik einzulasten, für die ihr denn doch die notwendige Begabung fehlt. Geist und ähnliche Dinge werden nicht von ihr verlangt und niemand erwartet von ihr etwas anderes als die treue Erfüllung ihrer Dienstpflicht." So schließt es sein« erzürnten Betrachungen.
Der Hieb hat also gesesten, und das ist gut!
Einen Notschrei aus der Jugend an die deutschen Dichter und Denker und di«, welche zur sozialen Pfleg« unsere, Volkes berufen find!
Von einem Jüngling geht dem „Reichsboten" folgende erschütteriÄie Zuschrift zu:
Viel redet man heute von dem Kampf gegen den „Schmutz in Wort und Bild!" Doch was wird wirklich getan? Und wer tut etwas? Es haben sich wohl einige diesem Kampfe ange- schlosten, gehen mutig vor, aber meistenteils sind es nicht Leute, die Einfluß auf das Volk haben. Alle die stehen dem Kampfe noch fern! Wo bleiben da unsere Dichter und Denker, die dazu berufen sind, das Volk zu erziehen?! Wollen sie das Volk erziehen, so müsten sie die Jugend erziehen! Wollen sie die Jugend erziehen, so müssen sie kämpfen gegen die Schundliteratur! Sie ist das Verderblichste für die Jugend!
Man redet stets nur von der Stadt als dem Sumpfe, in dem die Jugend zugrunde ging«. Das ist falsch! Ich, der dies schreibe, bin vom Lande und habe von der Stadt noch nicht viel gesehen. Aber Elend genug habe ich gesehen und selbst durchgemacht? In einem Alter von 13 oder 14 Jahren uirkerschlugen wir — ich sage wir, es war nicht nur einer! — jeden Tag Geld, um uns Schundliteratur wie „Intime Geschichten", „Das kleine Witzblatt" u. a. m., zu kaufen — die Buchhändler hatten sie offen ausgestellt!
Sie kosteten natürlich 10 Pfg. die Nummer! Einige Jungens kannte ich. die ihrer Matter
Ländliche Bauordnungen.
Vom Minister der öffentlichen Arbeiten ist den Provinzialbehörden ein Erlaß zugegangen, der sich in ausführlicher Weise mit der Baupolizei auf dem platten Land« und namentlich mit den ländlichen Bauordnungen beschäfttgt. Der Minister wünscht, daß bei Ausübung der Baupolizei auf dem platten Lande künftig mehr als bisher auf die wirtschaftlichen Ver- hältniste Rücksicht genommen wird. Da dies ohne Schädigung der Autorität des Gesetzes nicht dadurch erreicht werden kannn, daß allgemeine Ausnahmen von den geltenden Vorschriften gewährt werden, so sollen die Bestimmungen selbst so gestaltet werden, daß sie ein zweckmäßiges Bauen bei Vermeidung unnützer Kosten ermöglichen. In dieser Beziehung gibt der Erlaß wichtige Fingerzeige, die auf die Milderung einer Anzahl der fetzt üblichen Forderungen abzielen. So sollen die Maße für den Abstand der Gebäude von der Straße, von der Nachbargrenze und von anderen Gebäuden nach Möglichkeit, d. h. soweit es die Rücksicht auf die Feuersicherheit, auf die Gesundheit und den Verkehr irgendwie zuläßt, herabgemindert werden. Von ganz wesentlicher Bedeutung sind einige Zugeständnisse, die sich auf die Brandmauern beziehen. Das häufig als lästig empfundene Ueferdachfiihren dieser Mauern wird als nicht mehr erforderlich bezeichnet, das Einlegen von Balkenköpfen in die Brandmauern, wenn hinter dem Holz noch eine halbe Steinstärke vorhanden fft, für zulässig erklärt; in beschränktem Umfange soll auch die Anbringung verglaster Oeffnungen gestattet sein usw. Er- fteulich ist weiter das auch der Heimatschutzbe- wegung entgegenkommende Streben, die sogenannte weiche Bedachung der Gebälwe mitStroh oder Rohr da, wo sie üblich ist, nach Möglichkeit zu erhalten. Besondere Fürsorge wird endlich dem sogenannten Kleinwohnungsbau auf dem Lande zuteil, der durch Gewährung weitgehender Vergünstigungen in bezug auf die Konstruktion gefördert werden soll.
Wenn die Absichten des Ministers durch eine entsprechende Aenderung der Bauordnungen überall Berücksichtigung finden, so dürfte damit den berechtigten Wünschen der landwirtschaftlichen Kreise in ausgiebigem Maße Rechnung getragen werden.
Politische Umschau.
Talonsteuer.
Die „Berl. Polit. Nacht." erfahren, daß die schon früher erwähnte Umfrage des Reichsschatzamtes bei den Aktiengesellschaften, die vorzeitig Talons ausgegeben hatten, ein sehr günstiges Ergebnis gehabt hat. Der weitaus überwiegende Teil der Gesellschaften hat sich schon jetzt damit einverstanden erflärt, daß die Talonsteuerzahlung ebenso erfolgen soll, als wenn die vorzeitige Ausgabe nicht eingetreten wäre. Bei einer weiteren Anzahl von Gesellschaften bedarf es zu einer gleichen endgültigen Erklärung nur noch des Be- schlustes der Gesellschastsorgane. Nur ganz wenige Gesellschasten haben sich ablehnend verhalten. In letzter Zeit ist hier und da die Mitteilung ausgetaucht, daß unter solchen Umständen ein gesetz geberisches Vorgehen überhaupt nicht mehr in
täglich vom Haushaltungsgeld 20—30 Pfg. stahlen, um sich solche Bücher zu kaufen. Wo bleibt da das gute Gewissen und das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern?
Wenn ich mir nun meine 2 aber 3 Bücher gekauft hatte, dann mußte ich sie doch auch lesen! Aber wann? Am Tage sah es jemand. Also nachts! So las ich denn bei flimmerndem Kerzenlicht — die Kerzen waren natürlich gestohlen — bis zwei ober drei Uhr und mußte morgens um sechs Uhr schon wieder aufstehen! Und daß der Schlaf nach solcher Lektüre nicht der beste war, läßt sich denken! So kam ich denn mit meiner Gesundheit soweit, daß ich noch jetzt — ich bin 19 Jahre alt — unter den Folgen zu leiden habe. Daß das sittliche Bewußtsein nicht bester dabei wegkam, ist klar! Wie vielen mag es ähnlich oder schlimmer ergangen sein!
Noch ein Wort über den Inhalt solcher Schriften. Er hat sich mir — Gott sei es geklagt — so gut eingeprägt, daß ich ihn noch heute weiß. Aber man dachte ja in den Tagen auch nichts anderes! Die Phantasie beschäftigte sich ja nur mit derartigen gemeinen Szenen, wie sie in diesen Büchern standen! Eine Geschichte hieß z. B. „Der Ucberfall im Bade". Irgendwo lebte ein Baron--doch nein! Wozu all' die unsau
beren Geschichten nochmals ans Tageslicht ziehen! Ihr, an die ich dieses Schreiben richte, kennt die Schundliteratur genau so gut wie ich. Eie ist das Gift, das Körper und Seele unserer Jugend zerfrißt!
Ich habe nur von mir geschrieben. Ich be-
Frage käme. Dem gegenüber wird ausdrücklich bemerkt, daß diese Mitteilung nicht zutrifft. Es wird vielmehr an der Absicht festgehalten, den Weg der Gesetzgebung zu beschretten, wenn es sich schließlich Herausstellen sollte, daß die Steuerkaste durch die vorzeitige Ausgabe von Talons ein auch nur irgendwie nennenswerter Steuerbetrag entgehen würde.
Deutsches Reich.
— Einnahmen der Eisenbahn. Berlin, 21. Ott. Nach der „Nordd. Allg. Ztg." haben die Betriebseinnahmen der preußisch-hessischen Staatseisenbahnen im September gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres im Personenverkehr 1,6 Millionen Mark gleich 3,19 Proz., im Güterverkehr 4,9 Mill. Mk. gleich 4,56 Proz. mehr, insgesamt nach Abzug der Mindereinnahme aus sonstigen Quellen 6,3 Mill. Mk. gleich 3,74 Proz. mehr betragen als im Vorjahr. Die Zahl der Sonntage und Werktage war in beiden Jahren gleich.
— Ein Dementi. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: „In den „Preußischen Jahrbüchern" macht Professor Delbrück auf die Rechnungsbureaus aufmerksam, die aus Grund einer scheinbar exakten Buchführung der Steuerpflichtigen nachzuweisen suchen, daß sie so gut wie kein steuerpflichtiges Einkommen hätten, und richtet dabei an die Steuerverwaltung die Mahnung, diesen Bu- reaus gründlich das Handwerk zu legen. Die Steuerverwaltung traf selbstverständlich schon bisher die erforderlichen Maßnahmen, um Nachteile für die Staatskasse zu verhüten. Sie stützt sich dabei auf die Rechtsprechung des kgl. Oberverwaltungsgerichts, wonach die Angaben der Rechnungsbureaus stets mit den von den Steuerpflichtigen herrührenden Unterlagen zu vergleichen sind." -
— Neue Erwerbungen der Ansicdlungstom- mistion. Die Ansiedlungskommistion hat das 2400 Morgen große Gut Eckartsfelde im Kreise Znin zu Besiedelungszwecken angekaust. Ferner erwarb sie im Landkreise Bromberg das 748 Morgen große Gut Slesin und im Kreise Tuche! vier bäuerliche Grundstücke in Abrau von zusammen 1500 Morgen. Ter Gesamtankauf beträgt in dem Landkreise Bromberg jetzt 40 000 Morgen und im Tucheler Kreise 32 500 Morgen.
— Jungliberaler Reichsverband. Am 16. und 17. Oktober er. fand in Jena der alljährliche Vertretertag der Vereine der natjonalliberalen Jugend statt. Auf der zahlreich besuchten Tagung, auf der auch der Marburger jungliberale Verein vertreten war, konnte ein weiteres Anwachsen der Bewegung und der Beitritt von 9 weiteren Vereinen festgestellt werden. Von den gefaßten BeschlLsten interessiert besonders derjenige, der sich im Anschluß an den Bericht des Verbandsvorsitzenden für eine Verständigung aller liberalen Parteien über eim gemeinsames Vorgehen ausspricht. Eine klare Stellungnahme der nationalliberalen Partei zum Bunde der Landwirte wurde gefordert und die Gründung des Deutschen Bauernbundes begrüßt. Auch fand «ine Resolution Annahme, welche einen von liberalen Geist erfüllten Ausbau der inneren Verwaltung Preußens verlangt. Am zweiten Verhandlungstag fand ein Vortrag über staats
haupte, daß die Hälfte unserer Jugend Diese Lektüre kennt und sich von ihr verderben läßt!
Darum rettet die Jugend, die ihr die Erzieher der Jugend seid! Hütet euch, die ihr selbst Kinder habt, daß sie nicht einst kommen, die Fäuste gegen euch erheben: „Warum habt ihr uns nicht davor bewahrt?! Ihr seid schuld daran, wenn wir körperlich und sittlich verdorben sind!" Könnt ihr dann noch antworten: „Wir kannten die Gefahr nicht?" Nein! Ihr hättet sie verhindern können, wenn ihr euch darum gekümmert hättet. Ich, der ich all' dies Elend kenne, flehe euch an, ich faste euch mit Gewalt an eure Herzen:
Laßt nicht zu, daß solche Schundlektüre unter die Jugend kommt! Sammelt die Guten im Lande um euch und kaust nicht mehr in Buchhandlungen, die derartige Schundliteratur verkaufen! Oder findet einen anderen Ausweg, sie zu unterdrücken! Aber finden müßt ihr ihn! Sonst ist unser Volk verloren! Unsere Jugend, wir sind vergiftet! Entzieht uns das Gift! Helft uns! Sonst wird das Volk einst seine Seele von euch fordern! Und dann „Wehe euch!" Gebt uns ein neues Gesetz über den Vertrieb unsittlicher Schriften, ihr Herren, die ihr den Staat regiert und für das Volk zu sorgen habt! Bringt gesunde Lektüre unter das Volk, unter die Jugend, ihr, die ihr die Dichter und Denker des Volkes, also der Geist und die Seele des Volkes seid! Ihr alle, die ihr Einfluß auf das Volk habt stellt euch an die Spitze der Guten und kämpft gegen de« »Schmutz in Wort und Bild!" ünue ex multis.
Ausland.
* * Das italienische Militärluftschiff. Rom, 21. Okt. Das Militärluftschiff legte bei seiner heutigen Fahrt 300 Kilometer trotz des Gegenwindes in weniger als 7 Stunden zurück.
* * Spanien. Madrid, 21. Ott. Die Regierung hat ihre Entlastung gegeben. — Der Sturz des Kabinetts, mit dem man seit Wiedereröffnung der Kammer gerechnet hat, rief nur mäßigen Eindruck hervor. Die politischen Kreis« beschäftigen sich hauptsächlich mit der Frage, was für ein Kabinett die Erbschaft antreten werde. Manche glauben, die Liberalen werden nicht unmittelbar in das Kabinett eintreten und meinen, die Macht werde einer konservativen Regierung übertragen werden, *gum mindesten vorläufig und zu dem Zwecke, die Annahme des Budgets sicherzustellen.
* * Feerer. Haag, 21. Ott. In der Kammer beantragte der Sozialist Troelstra, die Kammer solle eine Veileidskundgebung an die Kinder Feuers richten. Der Präsident beantragte, den Vorschlag Troelstras nicht in Erwägung zu ziehen. Der letztere Antrag, der von den Liberalen unterstützt wurde, wurde mit 70 gegen 8 Stirn-, men angenommen.
♦ * Keine Entrevu« zwischen dem Zaren und dem Präsidenten von Frankreich. Petersburg, 21. Okt. Heber eine angebliche bevorstehende Entrevue des russischen Kaisers mit dem Präsidenten Fallitzres ist bisher im Ministerium de» Aeußern nicht bekannt.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß § 18 dell rheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Ltg." gestattet.)
Marburg, 22. Ott.
Zur Beruhigung.
Einige hier aufgetretene Fälle von spinaler Kinderlähmung haben in unserer Stadt eine weitgehende Erregung hervor gerufen, die sich uns gegenüber in Eingesandts mit lebhaften Rusen nach sanitätspolizeilichen Schutzmaßregeln Lust macht. Wir haben davon abgesehen, durch die Veröffentlichung dieser Ruse noch mehr Beunruhigung in die Bevölkerung zu tragen — womit die Herren Einsender wohl einverstanden fein werden, — dagegen haben wir Veranlassung genommen, uns an maßgebender Stelle über Umfang und Art der Erkrankung zu erkundigen. Daß die Krankheit seit einiger Zeit in Westfalen epidemisch auf« tritt, ist bekannt, bei der Nähe dieser Gegend und den mannigfachen Beziehungen von uns zu ihr, war es von vornherein nicht ausgefchlosten, daß die Krankheit auch zu uns. verschleppt wurde, es sind dann auch einige Fälle hier vorgekommen. Von einer Epidemie hier zu reden, liegt aber durchaus kein Grund vor. Dem Direttor der medizinischen Poliklinik, Herrn Pros. Müller, zu dessen spe-
22. deutscher evangelischer Kirchengesangvereinstag in Dessau.
Dessau, 20. Oktober.
Von herrlichster Witterrung begünstigt, beging der deutsche evangelische Kirchengesangverein seine 22. Tagung in der freundlichen Residenz Destau, vereint mit der 100jährige« Jubelfeier des Herzoglichen Singechors, Da» Fest begann Montag vormittags um 10 Uhr mit der sehr gut besuchten Sitzung des Zentral- ansschusses im Evangelischen 'Vereinshaus, geleitet durch Prälat D. Dr. Flöring aus Darmstadt. Der Vorsitzende erstattete den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Der Verein umfaßt danach 24 Landes- und Provinzialvereine, außerdem zwei Ortsvereine in Schwerin und Malchin, zusammen 2200 Ortskirchenchöre und etwa 70—80 000 Sänger und Sängerinnen. Seit zwei Jahren, wo die letzte Statistik erhoben wurde, ist eine Zunahme von 2 Landesverbänden und 160 Ortsvereinen zu verzeichnen. Nach weiteren Verhandlungen geschäftlicher Art wurde als Ort für die 1911 stattfindende nächst« Tagung Hannover gewählt.
Sodann wurde über die Thesen des König- lichen Musikdirigenten Deckmann aus Essen „liefet den Organisten im Hauptamt" eine Dis«, kussion eröffnet uni) folgender Entschluß angenommen :
„Der 22. deutsche evangelische Kirchengesangvereinstag spricht den dringm^e« Wunsch aus, daß, wo es sich irgend ermögliche« läßt, Organisten oder Kirchenmufiker tat1